China — Die LUHAI-Klasse — China´s neueste Zerstörer-Entwicklung

China

Mit über 700 Kampf­schif­f­en und –booten sowie ca. 170 Hil­f­ss­chif­f­en gehört die chi­ne­sis­che Marine zahlen­mäßig zu den größten Mari­nen der Welt und ist die mod­ern­ste Teil­stre­itkraft der Volks­be­freiungsarmee. Sie genießt hohe Pri­or­ität bei Rüs­tung­spro­gram­men. Langfristiges Ziel ist unverän­dert die Fort­set­zung des Wan­dels von der bedeu­tungslosen und mit altem Schiff­s­ma­te­r­i­al aus­ges­tat­teten Küsten­ma­rine der 1970er Jahre zu ein­er schlagkräfti­gen Hochseema­rine, die zukün­ftig in der Lage sein soll, sowohl im Paz­i­fis­chen wie auch im Indis­chen Ozean mar­itime Macht auszuüben. Schon seit Jahren wird deshalb ein umfan­gre­ich­es Schiff­s­mod­ernisierungs- und Baupro­gramm ver­fol­gt. Ein Schw­er­punkt in diesen Bemühun­gen ist der Fre­gat­ten- und Zer­störerbau. Durch Käufe im Aus­land (Ruß­land, SOVRE­MEN­NYY-Klasse) und mit Eigen­baut­en (JIANGHU‑, JIANGWEI‑, LUDA‑, LUHU-Klasse) kommt man stetig ein Wegstück weit­er.

Luhai / Quelle sinodefence.comDie aus der LUHU-Klasse abgeleit­ete LUHAI-Klasse ist eine der jüng­sten Entwick­lun­gen in dieser Folge. Typ­schiff und einzige Ein­heit ist der Zer­stör­er SHENZHEN. Gebaut wurde das Schiff auf der Schiff­swerft in Dalian und ist deshalb zunächst auch unter den Arbeits­be­grif­f­en DALIAN-C- oder auch LUHU-MOD-Klasse bekan­nt gewor­den. Die Kiel­le­gung erfol­gte im Mai 1996 und bere­its am 16. Okto­ber 1997 war der Stapel­lauf. Nach Durch­führung der Erprobungs­fahrten im Jahre 1998, wurde das Schiff am 4. Jan­u­ar 1999 in Dienst gestellt und der chi­ne­sis­chen Süd-Flotte zugeteilt. Der Baube­ginn ein­er zweit­en Ein­heit kon­nte bish­er noch nicht beobachtet wer­den und ist ver­mut­lich auch nicht mehr zu erwarten.

1. Schiff­scharak­ter­is­tik und tech­nis­che Dat­en
Die LUHAI-Klasse, hat mit 6600 t eine etwa um 1300 t größere Ver­drän­gung als ihr Vorgänger­typ LUHU und ist damit das bish­er größte in Chi­na gebaute Kampf­schiff. Schiff­s­länge, Schiffs­bre­ite und Tief­gang wer­den mit 153 x 16,5 x 6 m angegeben. Von chi­ne­sis­ch­er Seite wer­den dem Schiff STEALTH-Eigen­schaften zugeschrieben. Allerd­ings läßt ein Blick auf die Abbil­dung doch einige Zweifel an dieser Aus­sage zu. Zu viele großflächige Bere­iche in Rumpf und Auf­baut­en sowie die Anord­nung von Waf­fen und Aus­rüs­tung­steilen erfüllen keines­falls die Forderun­gen von STEALTH-Kri­te­rien. Die SHENZHEN hat vielmehr die typ­is­che Zer­stör­er-Sil­hou­ette, wie man sie aus den 1970/80er Jahre gewohnt ist.

Der Antrieb ist als CODOG-Anlage aus­gelegt und set­zt sich aus zwei ukrainis­chen Gas­tur­binen Typ Zorya DT 59 mit ins­ge­samt 39,7 MW und zwei Diesel­mo­toren Typ MTU 12V1163TB83 mit ins­ge­samt 7,2 MW zusam­men. Die ver­wen­de­ten Gas­tur­binen sind in ihren Abmes­sun­gen größer als die amerikanis­chen GE LM-2500, die bei der LUHU-Klasse einge­baut wur­den. Ver­mut­lich ist dies mit ein Grund für die Ton­na­ge­nun­ter­schiede der bei­den Zer­stör­er-Klassen. Das Schiff hat zwei Schrauben mit Ver­stell­pro­pellern und erre­icht eine Höch­st­geschwindigkeit von 29 kn. Bei 15 kn beträgt die Reich­weite ca. 14000 sm.

2. Bewaffnung und Aus­rüs­tung
Das 100 mm Zwill­ings­geschütz auf der Back ist aus der franzö­sis­chen Entwick­lung von Creusot-Loire abgeleit­et und kann eine max­i­male Kadenz von 90 Schuß pro Rohr erre­ichen. Gegenüber Seezie­len beträgt die Reich­weite 12000 m und gegenüber Luftzie­len 6000 m. Das dazuge­hörende Feuer­leitradar Typ 347G ist auf den Brück­e­nauf­baut­en mon­tiert. Es liefert zudem Dat­en für die C 802 Flugkör­p­er.

Unmit­tel­bar dahin­ter ste­ht im vorderen Bere­ich der Auf­baut­en der acht­fach Starter für die Schiff-Luft-Flugkör­p­er HQ‑7, eine Lizen­zfer­ti­gung der franzö­sis­chen CROTALE (Reich­weite 12000 m). Eine chi­ne­sis­che Ver­sion der franzö­sis­chen CAS­TOR-Anlage dient der Feuer­leitung.

Zwis­chen erstem Schorn­stein und zweit­em Mast sind im Mit­telschiff­bere­ich in vier vier­fach Startern die chi­ne­sis­chen Schiff-Schiff-Flugkör­p­er C 802, eine Weit­er­en­twick­lung des C 801, eingerüstet. Sie haben eine Reich­weite zwis­chen 12 und 120 km und fliegen 0,85 Mach. In der Marsch­phase beträgt die Flughöhe 20 bis 30 m und im Endan­flug 5 bis 7 m. Der Flugkör­p­er trägt einen Gefecht­skopf von 165 kg.

Bei­d­seit­ig in Höhe des ersten Schorn­steins befind­et sich auf dem Haupt­deck je ein dreifach U‑Jagd-Tor­pe­dorohrsatz Typ B515 aus ital­ienis­ch­er Fer­ti­gung. Sie sind möglicher­weise mit dem chi­ne­sis­chen Leicht­gewicht­tor­pe­do ET-52 bestückt.

Auf dem Hangar­dach sind vier 37 mm Luftab­wehr-Zwill­ings­geschütze instal­liert, die aus einem rus­sis­chen Mod­ell weit­er­en­twick­elt wur­den. Die Kadenz kann max­i­mal 360 bis 380 Schuß pro Rohr betra­gen. Die Reich­weite wird mit 7200 bis 9400 m angegeben. Die Feuer­leitung erfol­gt paar­weise durch die bei­den Typ 341 RICE LAMP Radaran­la­gen, die sich eben­falls auf dem Hangar­dach befind­en. Ihre Reich­weite soll bis zu 30 km betra­gen. Sehr niedrig fliegende Ziele kön­nen bis 13 km Ent­fer­nung erfaßt wer­den.

Der Hangar selb­st ist zur Auf­nahme von zwei Hub­schraubern aus­gelegt. Zur Zeit ist ein Nach­bau des franzö­sis­chen DAUPHIN an Bord. Ver­mut­lich sollen später rus­sis­che HELIX‑A eingerüstet wer­den.

Die SHENZHEN ist zur Luftraumüberwachung mit dem 3D-Radar RICE SHIELD aus­gerüstet, das sich auf dem zweit­en Mast befind­et. Die Anlage arbeit­et im Bere­ich von 4 bis 6 GHz und hat ver­mut­lich eine Erfas­sungsre­ich­weite von 175 km. Während die Peilung durch mech­a­nis­ches Drehen der Antenne ermit­telt wer­den muß, erfol­gt die Höhen­winkelmes­sung über eine elek­tro­n­is­che Abtas­tung.

Zur See- und Luftraumüberwachung dient die Typ 363-Anlage auf dem ersten Mast. Sie arbeit­et im E/F‑Band und hat eine Reich­weite von mehr als 90 km gegenüber Flugzeu­gen. Die Anlage liefert die Grund­dat­en für das Führungs- und Waf­fenein­satzsys­tem sowie zur Feuer­leitung und Flugkör­per­lenkung.

Zwei elek­tro-optis­che Geräte Typ GDG 775 ergänzen die elek­tro­n­is­chen Sen­soren. Sie sind aus­ges­tat­tet mit einem Laser-Ent­fer­nungsmess­er, Infrarot-Kam­era und TV-Sen­sorik.

3. Schiffs­dat­en

Schiffs­dat­en 
Länge
Bre­ite
Tief­gang
Ver­drän­gung stand./max.
Besatzung
153 m
16,5 m
6 m
6600 / 7500 t
250 Mann
AntriebCODOG
Gas­tur­bine Zorya DT 59
MTU 12V1163TB83 Diesel­mo­tor
Wellen / Rud­er
Höch­st­geschwindigkeit
Fahrstrecke
2 x 19,85 MW
2 x 3,6 MW
2 / 2
29 kn
14000 sm bei 15 kn
Bewaffnung 
100 mm Zwill­ings­geschütz
37 mm Luftab­wehr-Zwill­ings­geschütze
Schiff-Schiff-Flugkör­p­er
Schiff-Luft-Flugkör­p­er
Tor­pe­dorohre
Hub­schrauber
1
4
4 x 4 C 802
1 x 8 HQ‑7
2 x 3 B515
2
Sen­soren / Aus­rüs­tung  
3D Luftraumüberwachungsradar
Luft- und Seer­aumüberwachungsradar
Nav­i­ga­tion­sradar
Feuer­leitung 100 mm / C 802
Feuer­leitung HQ‑7
Feuer­leitung 37 mm
Elek­tro-optis­che Geräte
Rumpf­sonar
1 x RICE SHIELD
1 x Typ 363
1 x Dec­ca 1290
1 x Typ 347G
1 x CASTOR
2 x Typ 341 RICE LAMP
2 x GDG 775
1 x DUBV 23

 

Quelle Foto: www.sinodefence.com

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