MarineForum Wochenschau vom 17. Februar 2017

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.

Marineforum

NAH-/MITTELOST
Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt vor­rangig vom Bürg­erkrieg in Syrien und von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Irak und Syrien bestimmt.

Quelle: weltkarte.comAber auch der Jemen bleibt in den inter­na­tionalen Medi­en. Unter­stützt von Boden­trup­pen der sau­di-ara­bisch geführten Koali­tion haben regierungstreue Kräfte die knapp nördlich der Meerenge des Bab-el-Man­deb gele­gene Küsten­stadt Mok­ka von Houthi-Rebellen zurücker­obert und stoßen nun ent­lang der Küste nach Nor­den auf Hodei­da vor. Koali­tions-Kampf­flugzeuge haben Luftan­griffe auf den für die Houthi wichti­gen Hafen — eine der let­zten ihnen noch verbliebe­nen Nach­schub­basen — intensiviert.

Im Golf von Aden / südlichen Roten Meer operiert vor der Küste des Jemen unverän­dert der US-Zer­stör­er „Cole“. Die US Navy über­legt die Ver­legung weit­er­er zwei Zer­stör­er ins Seege­bi­et, das mit der strate­gis­chen Meerenge des Bab-el-Man­deb zen­trale Bedeu­tung für den inter­na­tionalen Seev­erkehr hat. Die Rede ist von den zur „George H.W. Bush“ Car­ri­er Strike Group (zurzeit noch im Mit­telmeer) gehören­den Zer­stör­ern „Trux­tun“ und „Laboon“.

Auch der amphibis­che Träger „Makin Island“ der US Navy wird weit­er­hin im Golf von Aden gemeldet. Sein Ein­satz dürfte sich vor allem gegen den an der jemeni­tis­chen Süd­küste um Mukalla aktiv­en Ableger der Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion al-Kai­da (AQAP – Al Qae­da on the Ara­bi­an Penin­su­la) richt­en. Auf der „Makin Island“ eingeschiffte Kampf­flugzeuge AV-8B Har­ri­er und Kampfhub­schrauber AH‑1 Cobra des US Marine Corps‘ kön­nten bei Luftschlä­gen gegen diese zum Ein­satz kommen.

Auch der — die schi­itis­chen Houthi-Rebellen unter­stützende — Iran kündigte an, durch ver­mehrten Ein­satz sein­er Marine die „Bemühun­gen zur Erhöhung der mar­iti­men Sicher­heit“ im südlichen Roten Meer und im Bab-el-Man­deb zu verstärken.

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschrei­bung)

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Noch zu viele Eigen­in­ter­essen einzel­ner Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten bes­tim­men die Entwick­lung. Den­noch wird der IS in Syrien und im Irak zunehmend aus Kernge­bi­eten seines „Kali­fats“ zurückgedrängt.

US-Präsi­dent Trump hat das Pen­ta­gon angewiesen, bis Ende Feb­ru­ar eine „neue Strate­gie für einen Sieg gegen IS in Syrien und Irak“ zu erar­beit­en. Im Zusam­men­hang damit wird im Pen­ta­gon aktuell auch die Option ein­er Ver­legung reg­ulär­er US-Boden­trup­pen nach Nordsyrien erwogen. Bish­er sind dort nur kleine Kontin­gente von US Spe­cial Forces im Ein­satz, die kur­dis­che Rebellen im Kampf gegen IS als „Berater“ unter­stützen. Eine Entsendung reg­ulär­er US-Boden­trup­pen dürfte auf heftige Kri­tik nicht nur aus Syrien und Rus­s­land, son­dern wohl auch der Türkei (Kur­den­poli­tik) stoßen und kön­nte dur­chaus eskalierende Wirkung haben.

Syrien – Irak: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (vor allem auch Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Boden­trup­pen oder kur­dis­ch­er Milizen — aktuell vor allem bei der Offen­sive zur Rücker­oberung von Mosul. Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge sowie landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Zurzeit ist kein US-Flugzeugträger im Per­sis­chen Golf im Ein­satz, aber die „George H.W. Bush“ Car­ri­er Strike Group (Flugzeugträger „George H. W. Bush“, Kreuzer „Philip­pine Sea“ und „Hue City“, Zer­stör­er „Laboon“ und „Trux­tun“) hat das östliche Mit­telmeer erre­icht und dort am 13. Feb­ru­ar mit Luftschlä­gen gegen IS-Ziele in Irak und Ost­syrien begonnen. Seit dem 9. Feb­ru­ar ist die dänis­che Fre­gat­te „Peter Wille­moes“ in den US-Ver­band inte­gri­ert. Wann die „Bush“-CSG zur Weit­er­ver­legung in den Per­sis­chen Golf Kurs auf den Suezkanal nehmen soll, ist nicht bekannt.

Während der Atlantiküber­querung hat sich der Kreuzer „Hue City“ vorüberge­hend vom Ver­band getren­nt und ist in die Ost­see gelaufen. Der Abstech­er soll als Teil der NATO-Oper­a­tion „Atlantic Resolve“ die Entschlossen­heit des Bünd­niss­es zum Schutz sein­er Part­ner in den Rand­meeren unterstreichen.

Bis die „George H.W. Bush“ CSG im Golf ein­trifft, bleibt die Führung der Task Force 50 in Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ beim britis­chen Com­modore Andrew Burns auf dem Hub­schrauberträger „Ocean“ der Roy­al Navy. Die im Per­sis­chen Golf operierende „Ocean“ kann zwar selb­st keine Kampf­flugzeuge ein­set­zen, aber mit ihren Führungs- und Fer­n­meldesys­te­men die Ein­sätze der landgestützt operieren­den Koali­tions­flugzeuge koordinieren.

Syrien: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land macht weit­er­hin keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen, die gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten” gel­ten. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Stre­itkräfte auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind. Auch die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS im Rah­men ihrer nationalen Kur­den­poli­tik vor allem bemüht, auf Autonomie set­zende syrische Kur­den (zugle­ich von den USA unter­stützte syrische Rebellen) möglichst weit nach Osten in Rich­tung Irak abzudrängen.

Nach dem gemein­sam von Rus­s­land und der Türkei im Bürg­erkrieg aus­ge­han­del­ten Waf­fen­still­stand scheinen die Luft­waf­fen bei­der Staat­en der Bekämp­fung des IS nun aber ver­mehrt Pri­or­ität zu geben, koor­dinieren wohl auch (einen Teil ihrer) Einsätze.

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschrei­bung rus­sis­che Intervention)
Eine auf Ini­tia­tive von Rus­s­land, der Türkei und dem Iran vere­in­barte Waf­fen­ruhe wird nur dort einge­hal­ten, wo Rebel­len­grup­pen ihr auch aus­drück­lich zuges­timmt haben. Islamistis­che Grup­pen wie IS und al-Nus­ra bleiben grund­sät­zlich ausgeklammert.

Am 16. Feb­ru­ar fan­den in Astana (Kasach­stan) neue Gespräche zwis­chen den Kon­flik­t­parteien statt. Rus­s­land, die Türkei und der Iran woll­ten ein Konzept zur Überwachung der Waf­fen­ruhe vor­legen. Die Gespräche ende­ten allerd­ings ohne jedes Ergeb­nis; es gab nicht ein­mal ein Schlusskom­mu­nique. Ohne­hin waren nicht alle Kon­flik­t­parteien vertreten. Islamis­ten und – auf türkischen Druck – syrische Kur­den waren gar nicht erst ein­ge­laden; Vertreter einiger ander­er Milizen reis­ten aus Protest gegen die iranis­che Rolle nicht an.

Die am 20. Feb­ru­ar unter UN-Führung in Genf geplanten Gespräche wur­den „auf den Früh­ling“ ver­schoben. Für sie war bish­er auch keine klare Zielset­zung erkennbar. Unverän­dert sind nur wenige Kon­flik­t­parteien bere­it, für eine poli­tis­che Lösung irgendwelche Kom­pro­misse einzuge­hen und Abstriche an eigene Forderun­gen zu machen.

Mar­itime Aspekte

Im östlichen Mit­telmeer operiert das Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Zu diesem von der Schwarzmeer­flotte geführten und rou­tinemäßig zwis­chen Zypern und der syrischen Küste einge­set­zten Ver­band gehören zurzeit neben eini­gen Hil­f­ss­chif­f­en als Kampfein­heit­en nur der Zer­stör­er „Smetliviy“ und der Minen­such­er „Kovrovets“ (bei­de Schwarzmeer­flotte). Die zur NATYA-Klasse gehörende „Kovrovets“ kommt primär in syrischen Hoheits­gewässern zum Ein­satz, soll dort Hafe­nans­teuerun­gen „Minen-frei“ hal­ten. Ver­mut­lich ver­bringt sie aber die meiste Zeit im Hafen von Latakia oder Tar­tus an der Pier, oder auf Reede vor Anker.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub der dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen an. Nach Abschluss eines zwis­chen­staatlichen Abkom­men mit Syrien zur kün­fti­gen Nutzung der rus­sis­chen Liegen­schaften in der Marineba­sis Tar­tus (samt infra­struk­turellem Aus­bau) haben sich die Trans­port­fahrten noch inten­siviert. Fast täglich passieren Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend.

GROSSBRITANNIEN
Glaubt man britis­chen Medi­en, dann hat die Roy­al Navy zurzeit ein erhe­blich­es Prob­lem mit der Ein­satzbere­itschaft ihrer U‑Boote.

Am 9. Feb­ru­ar melde­ten mehrere britis­che Zeitun­gen, „keines der sieben nuk­lear-getriebe­nen Angriffs-U-Boote“ (SSN) — drei Boote der ASTUTE-Klasse und vier der TRAFAL­GAR-Klasse — sei derzeit ein­satzbere­it. Alle sieben wür­den zurzeit an der Pier oder in Werften Repara­turen oder plan­mäßige Wartungszyklen durch­führen. Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um demen­tierte post­wen­dend. Die Berichte seien „abso­lut unwahr“ („cat­e­gor­i­cal­ly not true“). Nun sind britis­che „Tabloid“ Zeitun­gen dafür bekan­nt, dass sie es zur Erzielung gößer­er Aufla­gen mit der Wahrheit nicht son­der­lich genau nehmen, aber dass auch die als ser­iös gel­tende BBC die Berichte über­nahm, lässt doch mehr ver­muten als das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um ein­räu­men wollte.

Von den geplanten ins­ge­samt sieben neuen U‑Booten der ASTUTE-Klasse sind zurzeit drei in Dienst gestellt. Seit Jahren ist bekan­nt, dass die Neubaut­en noch mit zahlre­ichen „Kinderkrankheit­en“ kämpfen und des Öfteren zur Behe­bung meist kleiner­er Prob­leme die Werft anlaufen müssen. Dies ist bei ein­er Klasse mit radikal verän­dert­er Tech­nolo­gie nor­mal und wird auch noch etwas andauern; im Übri­gen bedeutet „in Dienst gestellt“ nicht zwangsläu­fig auch „oper­a­tiv voll ein­satzk­lar“. So ist dur­chaus möglich, dass die Medi­en­mel­dun­gen eine „Momen­tauf­nahme“ darstell­ten, die schon wenige Tage später keinen Bestand mehr hat­te – oder dass sie „ein­satzk­lar“ anders definieren als das Verteidigungsministerium.

Bei den vier U‑Booten der TRAFAL­GAR-Klasse (alle sollen gegen­wär­tig zu Wartung und Instand­set­zung an der Pier oder in der Werft liegen) dro­ht aber anscheinend größeres Ungemach. Am 13. Feb­ru­ar berichteten Medi­en von einem „im Herzen“ der Reak­toran­lage der „Tren­chant“ gefun­de­nen Riss (den das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um auch bestätigte). Dieser befinde sich in der Schweiß­naht eines Rohres inner­halb des radioak­tive Strahlung abschir­menden Kühlwasser­sys­tems – und sei extrem schwierig zu erre­ichen. Zurzeit sei er noch weniger als zehn Zen­time­ter lang und werde als „kri­tisch“ eingestuft; sollte er sich ver­größern, müsse man ihn als „katas­trophal“ klassifizieren.

Die noch vier in Dienst befind­lichen U‑Boote der TRAFAL­GAR-Klasse sind die let­zten von einst sieben in den 1980er/90er Jahren gebaut­en Boote dieses Typs. Ihre Indi­en­sthal­tung musste um bis zu zehn Jahre ver­längert wer­den, um Zeitüber­schre­itun­gen beim Bau der als Nach­fol­ger beschafften neuen ASTUTE-Klasse zu kom­pen­sieren. Die „Tren­chant“ hat­te erst im August 2016 eine dazu notwendig gewor­dene Mod­ernisierung been­det und soll eigentlich noch bis 2019 zur See fahren.

Was die Angele­gen­heit kom­pliziert, ist die Möglichkeit gle­ich­er Riss­bil­dun­gen auch bei den anderen drei Booten. In 2000 hat­te es einen ähn­lichen — aber deut­lich kleineren – Riss bei der (2014 aus­ge­musterten) „Tire­less“ gegeben, deren Reak­tor in See not-abgeschal­tet wer­den musste. Das im Mit­telmeer operierende U‑Boot musste mit seinen Hil­fs­dieseln damals Gibral­tar als Nothafen anlaufen. Die aufwändi­ge Reparatur dauerte mehr als ein Jahr. Der Aufwand hat einen baulichen Grund: die Reak­toran­lage ist nach dem „break-preclu­sion“ Prinzip kon­stru­iert, das davon aus­ge­ht, dass sie während ihrer gesamten Nutzungs­dauer kein­er­lei Repara­turen benötigt.

Bei der „Tren­chant“ wird die Atom­auf­sichts­be­hörde der Stre­itkräfte (Defence Safe­ty Nuclear Reg­u­la­tor) nach genauer Unter­suchung und Befun­dung entschei­den, wie weit­er ver­fahren wer­den soll. Nuk­leart­ech­niker wären nicht über­rascht, wenn die Riss­bil­dung zur vorzeit­i­gen Aus­musterung des U‑Bootes führen würde. Die Roy­al Navy hat jeden­falls schon erk­lärt, sie werde das U‑Boot erst dann wieder in See schick­en, wenn sämtliche Bedenken zur Sicher­heit aus­geräumt seien. Genau unter­sucht wer­den sollen nun aber auch die drei Schwest­er­boote. Experten wären nicht wirk­lich über­rascht, wenn sich auch auf diesen nahezu gle­ichal­tri­gen U‑Booten ähn­liche Risse find­en sollten.

Der Aus­fall aller vier TRAFALGAR hätte schw­er­wiegende Kon­se­quen­zen für das nationale britis­che Vertei­di­gungskonzept, denn eine der Haup­tauf­gaben der U‑Boote ist der Schutz nuk­learstrate­gis­ch­er U‑Boote der VAN­GUARD-Klasse beim Aus­laufen zu und Rück­kehr von strate­gis­chen Patrouillen.

INDIEN
Ein hochrangiger rus­sis­ch­er Werftvertreter hat bestätigt, dass die indis­che Marine aus Rus­s­land zwei Fre­gat­ten erhal­ten wird, die eigentlich für die rus­sis­che Marine gedacht waren.

Nach der Beschaf­fung von zwei ersten Losen zu je drei Fre­gat­ten der TAL­WAR-Klasse hat­te Indi­en im ver­gan­genen Herb­st mit Rus­s­land Verträge zum Bau eines drit­ten Los­es von dies­mal vier Schif­f­en geschlossen. Ver­hand­lun­gen über dieses Vorhaben hat­ten schon im Som­mer 2013, unmit­tel­bar nach Liefer­ung der let­zten Fre­gat­te des 2. Los­es („Trikand“) begonnen, zogen sich aber in die Länge. Ein Grund war, dass Indi­en alle vier weit­eren TALWAR in Lizenz auf heimis­chen Werften bauen wollte, woran Rus­s­land war mit Blick auf die Finan­zlage sein­er eige­nen Werften wenig inter­essiert war.

Im Som­mer 2015 hieß, Rus­s­land habe nun doch einem Bau in Indi­en zuges­timmt. Als im Herb­st 2016 dann aber offiziell verkün­det wurde, dass nur zwei der vier weit­eren indis­chen TAL­WAR-Klasse in Indi­en gebaut, die bei­den anderen aber erneut „in Rus­s­land beschafft“ wer­den soll­ten, horcht­en Experten auf.

Rus­s­land lässt bei der Yan­tar-Werft (Kalin­ingrad) für seine Marine den indis­chen TALWAR fast bau­gle­iche (unter­schiedliche Bewaffnung und Elek­tron­ik) Fre­gat­ten der ADMIRAL GRIG­OROVICH-Klasse her­stellen, hat ein erstes Los von drei Schif­f­en auch bere­its fer­tig gebaut. Die ersten bei­den Fre­gat­ten eines zweit­en Los­es (desig­nierte “Admi­ral Butakov” und “Admi­ral Istomin“) sind auch schon auf Kiel gelegt, aber als die Ukraine im Zuge der Krimkrise (2014) die Liefer­ung der für die Schiffe bestell­ten Gas­tur­binen ver­weigerte und eigene Gas­tur­binen in Rus­s­land noch nicht pro­duziert wur­den, musste ihr Bau einge­froren werden.

Die Verkün­dung des Ver­trages mit Indi­en löste sofort Speku­la­tio­nen aus. Sollte es sich bei den zwei „in Rus­s­land zu beschaf­fend­en“ Schif­f­en um die halbfer­ti­gen rus­sis­chen GRIGOROVICH han­deln? Dies hat ein rus­sis­ch­er Werftof­fizieller nun offen­bar bestätigt, aber einige „Detail­fra­gen“ bleiben vor­erst noch unbeant­wortet. Wer­den die bei­den Fre­gat­ten kom­plett bei Yan­tar fer­tig gebaut, und wenn ja: wer liefert die Gas­tur­binen für ihren Antrieb? Indi­en hätte sich­er keine Prob­leme, die ursprünglich vorge­se­henen Gas­tur­binen in der Ukraine zu kaufen, aber liefert die Ukraine diese dann direkt an die Yan­tar-Werft nach Rus­s­land oder über einen Umweg und mit End­verbleib­sklausel zunächst nach Indi­en? Oder aber wer­den die halbfer­ti­gen Fre­gat­ten / Rümpfe zum Fer­tig­bau aus der Ost­see nach Indi­en über­führt – wom­it dann sowohl „Beschaf­fung in Rus­s­land“ als auch Bau aller vier Schiffe auf indis­chen Werften zumin­d­est vorder­gründig erfüllt wäre? Oder wer­den die bei­den Fre­gat­ten erst dann fer­tigge­baut, wenn rus­sis­che Gas­tur­binen ver­füg­bar sind (etwa 2019).

Noch eine kleine Ungewis­sheit bleibt. Erst vor eini­gen Wochen berichteten Medi­en, der Ver­trag über die vier Schiffe sei noch nicht gän­zlich „in trock­e­nen Tüch­ern“. Indi­en habe noch „einige Ein­wände“ beim von Rus­s­land geforderten Preis von knapp unter 1 Mrd. US-Dollar.

PAKISTAN (multi­na­tion­al)
Vom 10.–14. Feb­ru­ar hat­te Pak­istan zum sech­sten Mal zur multi­na­tionalen Übung „Aman“ eingeladen.

Zur „Förderung regionaler Sta­bil­ität und gemein­samer Anstren­gun­gen im Kampf gegen Ter­ror­is­mus und Pira­terie“ war im März 2007 eine erste Übung „Aman“ (deutsch: Frieden) aus­gerichtet wor­den. Etwa 30 Mari­nen entsenden seit­dem alle zwei Jahre Beobachter, einige auch Schiffe zu den Übun­gen nach Karatschi. Das Inter­esse an „Aman“ umspan­nt dabei die ganze Welt — von Brasilien und den USA über Europa und Asien bis nach Aus­tralien und Neusee­land. Die meis­ten Teil­nehmer beg­nü­gen sich allerd­ings mit der Teil­nahme an Sem­i­naren im Hafen oder auch bloßen Beobachter­rolle. Teil­nehmende Schiffe weit ent­fer­n­ter Mari­nen sind meist ger­ade in der Region (Per­sis­ch­er Golf) im Ein­satz, reisen also nicht extra für die Übung an.

In diesem Jahr waren Vertreter aus 43 Län­dern nach Karatschi angereist; zwölf Mari­nen, darunter natür­lich die gast­gebende pak­istanis­che Marine, nah­men aktiv mit Schif­f­en teil. Chi­na, Rus­s­land und die USA waren jew­eils mit kleinen Ein­satz­grup­pen angereist. Bei Chi­na war dies eine aus zwei Kampf­schif­f­en und einem Ver­sorg­er beste­hende Anti-Pira­terie-Ein­satz­gruppe, die nach Ablö­sung im Golf von Aden zunächst Besuche im Per­sis­chen Golf durchge­führt hat­te und nun vor der endgülti­gen Heim­reise noch an „Aman“ teil­nahm. Rus­s­land war mit einem Zer­stör­er und zwei Hil­f­ss­chif­f­en vertreten, die mit dem Nord­flot­ten­ver­band um den Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“ ins Mit­telmeer ver­legt, mit diesem aber nicht in die Heimat zurück­gekehrt waren. Das Kontin­gent der USA reiste aus dem Per­sis­chen Golf an: ein Patrouil­len­boot und ein Ver­sorg­er der US Navy, zwei Wach­boote der US Coast Guard. Aus einem Ein­satz im Per­sis­chen Golf kamen auch ein britis­ch­er und ein japanis­ch­er Zer­stör­er sowie je eine aus­tralis­che und türkische Fre­gat­te. Einzelne Ein­heit­en aus Indone­sien, Malaysia, den Male­di­v­en und Sri Lan­ka kom­plet­tierten das Teilnehmerfeld.

Aman 2017“ war kürz­er als frühere, teils zehn­tägige „Aman“, aber auch diese Übung fol­gte dem inzwis­chen „einge­fahre­nen“ Ablauf, zu dem immer auch Sem­i­nare (an Land) und kul­turellen Ver­anstal­tun­gen gehören. Ein­er ein­lei­t­en­den Hafen­phase fol­gte eine Seep­hase, bei der die teil­nehmenden Schiffe in drei Grup­pen eingeteilt wur­den und dann vor der Küste nahe Karatschi ins­ge­samt 20 vor­ab detail­liert abge­sproch­ene Übungsin­halte nacheinan­der „abar­beit­eten“. Im Mit­telpunkt standen dabei grundle­gende seemän­nis­che und Fer­n­meldeübun­gen, Übun­gen zur gemein­samen Lage­bilder­stel­lung, Mar­itime Secu­ri­ty / Embar­go Oper­a­tions (Stop­pen, Board­ing und Durch­suchen von Schif­f­en), Zusam­me­nar­beit von Luft­fahrzeu­gen sowie Search & Res­cue, aber auch kurze U‑Jagd- und Flu­gab­wehrübun­gen. Let­ztere mussten angesichts man­gel­nder Sys­temkom­pat­i­bil­ität und deut­lich unter­schiedlich­er Aus­bil­dungsvo­raus­set­zun­gen auf grundle­gende Aspek­te beschränkt bleiben.

Nach der Seep­hase kehrten alle Ein­heit­en in For­ma­tion (See-Parade) zu Debrief­ing und Analyse der Übung sowie zur Abschlussver­anstal­tung nach Karatschi zurück. Am Ende von „Aman 2017“ stand dort schließlich noch eine „Anti-Pira­terie“ Vor­führung pak­istanis­ch­er Spe­cial Forces.

RUSSLAND
Der Mil­itär­bezirk West hat am 14. Feb­ru­ar für seine Stützpunk­te und Großver­bände eine Alarmierungsübung begonnen.

Ein­be­zo­gen ist auch die zum MB West gehörende Baltische Flotte. Bei ihr sind schw­er­punk­t­mäßig die in St. Peters­burg und im östlichen Finnbusen liegen­den Stützpunk­te betrof­fen. Schiffe und Boote bere­it­eten sich dort nach der Alarmierung auf ein sofor­tiges Aus­laufen vor, blieben aber — „in Gefechts­bere­itschaft“ — zunächst an der Pier, wo sie Maß­nah­men zur Sab­o­tage- und Schadens­ab­wehr trafen.

Schlep­per und Eis­brech­er began­nen zugle­ich, in den Hafen­beck­en und Zufahrten und auf der Newa in St. Peters­burg das Eis so weit aufzubrechen, dass ein Aus­laufen der Kampfein­heit­en in Auflockerungs­ge­bi­ete in See jed­erzeit möglich ist. Bish­er (17 Feb) wurde ein Aus­laufen allerd­ings nicht gemeldet; man scheint sich mit den bloßen Alarmierungsaspek­ten der Übung zu begnügen.

RUSSLAND
Prob­leme bei der Fer­tig­stel­lung von Neubaut­en beschränken sich nicht auf größere Kampf­schiffe wie neue Fregatten.

Auch der Bau von Hil­f­ss­chif­f­en kommt nicht voran, aber nicht immer scheinen die von der EU im Zuge der Ukraine-Krise ver­hängten Sank­tio­nen oder Nicht-Liefer­ung ukrain­sich­er Gas­tur­binen dafür ursäch­lich. Auch zahlre­iche „haus­gemachte“ Prob­leme (Fachkräfte­man­gel, fehler­hafte Pla­nung, schlecht­es Man­age­ment bis hin zu man­gel­nder Zahlungsmoral des Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums und Kor­rup­tion) tra­gen zu den Missstän­den bei.

Ein aktuelles Beispiel find­et sich bei der St. Peters­burg­er Nord­w­erft. Die Werft, die auch Fre­gat­ten der GOR­SHKOV-Klasse und Korvet­ten der STERE­GUSHCHIY-Klasse baut, hat­te schon vor mehreren Jahren von der Marine den Auf­trag zum Bau von drei für ark­tis­che Oper­a­tio­nen (eisver­stärk­ter Rumpf) opti­mierten Gefechtsver­sorg­ern der ELBRUS-Klasse (Pro­jekt 23120) erhal­ten. Typ­schiff „Elbrus“ sollte im Novem­ber 2014 geliefert wer­den, die bei­den Schwest­er­schiffe “Vsevolod Bobrov” und “Kap­i­tan Shevchenko” in jew­eils Jahresab­stand folgen.
Im Novem­ber 2016 hätte also der gesamte Auf­trag erfüllt sein sollen, aber die Nord­w­erft hielt keinen einzi­gen Ter­min ein, nan­nte immer wieder neue Zeit­pläne. Typ­schiff „Elbrus“ lief erst im Juni 2015 vom Stapel, hat inzwis­chen schon Erprobun­gen durchge­führt, aber auch die let­zte „feste Zusage“ ein­er Liefer­ung bis Ende 2016 blieb uner­füllt. Schwest­er­schiff “Vsevolod Bobrov” kon­nte nach mehrma­li­gen Verzögerun­gen erst im Novem­ber 2016 zu Wass­er gelassen wer­den. Der Bau des drit­ten Schiffes begann zwar im Som­mer 2014, aber die “Kap­i­tan Shevchenko” liegt noch hoch und trock­en in der Bauhalle.

Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um sieht die Ursachen für diese Verzögerun­gen in krassem Miss­man­age­ment der Werftleitung. Sich­er nicht gän­zlich aus freiem Willen hat der Direk­tor der Nord­w­erft in dieser Woche seinen Rück­tritt „ange­boten“. Unter neuer Führung soll die Werft „Elbrus“ und „Vsevolod Bobrov” nun zu Ende aus­rüsten und dann „in diesem Jahr“ bzw. in 2018 an die Marine übergeben. Zu Baunum­mer drei schweigt sich das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um noch aus. Einige Medi­en bericht­en aber, dass der Rumpf der “Kap­i­tan Shevchenko” von St. Peters­burg zum Fer­tig­bau bei der Yan­tar-Werft nach Kalin­ingrad über­führt wer­den soll. Allerd­ings ist auch Yan­tar bei der Erfül­lung von Aufträ­gen des Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums nicht ger­ade für Pünk­tlichkeit bekannt.

USA
Während die Trump-Regierung noch immer in ihrer „Find­ung“ begrif­f­en ist, bere­it­en Bud­get­prob­leme der US Navy zunehmende Sorgen.

Nach der in den let­zten Jahren der Oba­ma-Regierung von der repub­likanis­chen Mehrheit im US Con­gress prak­tizierten Block­ade­poli­tik gibt es noch immer keinen Ergänzung­shaushalt für das – laufende (im Okto­ber begonnene) — Haushalt­s­jahr. Unter­fi­nanzierung hat dazu geführt, dass fast zwei Drit­tel der trägergestützten Kampf­flugzeuge F/A‑18 Hor­net und Super Hor­net am Boden bleiben müssen. Für plan­mäßige Wartung oder den Kauf von Ersatzteilen fehlt das Geld. Bish­er hil­ft sich die US Navy mit Impro­visi­a­tion, stellt Trägergeschwad­er für in einen Ein­satz ver­legte Flugzeugträger kurzfristig und mit Rück­griff auf Flugzeuge ander­er Geschwad­er zusam­men. Sollte das Pen­ta­gon allerd­ings noch länger mit einem „Not-Bud­get“ auskom­men müssen, kön­nte die US Navy gezwun­gen sein, zwei ihrer 10 Trägergeschwad­er aufzulösen und zwei weit­ere auf „Min­i­mum-Fähigkeit“ zu reduzieren.

Solch „finanzielle Kleinigkeit­en“ völ­lig ignori­erend, machen zugle­ich immer neue Vorschläge zu einem Aus­bau der US-Flotte die Runde. Am 10. Feb­ru­ar präsen­tierte nun die MITRE Cor­po­ra­tion (ein „Think Tank“ ähn­lich RAND) eine „unab­hängige Studie“, die bin­nen 15 Jahren einen Aufwuchs zu ein­er „414-War­ship Fleet“ (aktuell 272) emp­fiehlt. Statt der zurzeit 11 Flugzeugträger seien 14 erforder­lich; die Kreuzer/Z­er­stör­er-Kom­po­nente solle von heute 84 auf 160 Kampf­schiffe aufwach­sen. Bei den Angriffs-U-Booten (SSN) sei ein Aufwuchs um 20 auf ins­ge­samt 72 Boote notwendig. Auf der Empfehlungsliste find­en sich darüber hin­aus die Wieder­bele­bung des im Vor­feld der Beschaf­fung von Zer­stör­ern der ZUMWALT-Klasse eingestell­ten Pro­jek­tes eines „Arse­nal Ship“, Entwick­lung und Bau von auch kon­ven­tionell diesel-elek­trisch angetriebe­nen U‑Booten sowie der Bau „schw­er­er Fre­gat­ten“ als Ersatz für das Lit­toral Com­bat Ship Pro­gramm, das zu „been­den“ sei.

Bei Finanzierungs­fra­gen für ein solch­es Flot­ten­baupro­gramm bleibt MITRE nur vage. Schon die Kosten für die von Präsi­dent Trump geforderte „350-War­ship Fleet“ oder die von der US Navy kür­zlich vorgeschla­gene „355-War­ship Fleet“ wer­den auf jährlich min­destens 25 Mrd US-Dol­lar ver­an­schlagt. Die US-Werften sehen die Vorschläge allerd­ings pos­i­tiv; sie seien grund­sät­zlich jed­erzeit bere­it, auch große zusät­zliche Aufträge zu erfüllen.

Team GlobDef

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