Update Piraterie — Stand 22.01.2012

In der abge­laufe­nen Woche kon­nten soma­lis­che Pirat­en keine neue Beute machen, auch wenn sie es ver­sucht­en.
So wurde am 16. Jan­u­ar im Ara­bis­chen Meer, etwa 250 sm nordöstlich von Soco­tra, ein Tanker von einem mit sechs Pirat­en beset­zten Skiff ange­grif­f­en. Während die Besatzung sich in einem Schutzraum ver­bar­rikadierte, ver­suchte ein eingeschifftes, aber unbe­waffnetes Sicher­heit­steam die Pirat­en auf Dis­tanz zu hal­ten. Der Ein­satz eines Schall­gerätes LRAD erwies sich über eine Ent­fer­nung von 300 m als völ­lig wirkungs­los. Auch auf das Abfeuern von Sig­nal­mu­ni­tion reagierten die Pirat­en zunächst nicht. Erst als Leuch­traketen direkt auf das Skiff geschossen wur­den, dreht­en sie ab, fol­gten dem Tanker noch etwa 15 Minuten und kehrten zu ihrem in der Nähe wartenden Mut­ter­schiff zurück.

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FLINTSTONE (Foto: niederl. Marine)
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Indis­che Dhau (Foto: EU Nav­For)
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ENRICO IEVOLI (Quelle: EU Nav­For)

Weit­ere Aktiv­itäten mut­maßlich­er Pirat­en wur­den aus dem inneren Golf von Aden und der Meerenge des Bab el Man­deb gemeldet. Mehrere Han­delss­chiffe melde­ten „verdächtige Skiffs“, wur­den allerd­ings nicht ange­grif­f­en. Ein Frachter wurde frontal von zwei Skiffs ange­laufen, die allerd­ings schon bei Warnsignalen mit dem Schiff­shorn abdreht­en. Möglicher­weise waren es harm­lose Fis­ch­er, die den nahen­den Frachter vor aus­gelegten Net­zen zu Kursän­derun­gen bewe­gen woll­ten.

Einen tat­säch­lichen Über­fall gab es am gle­ichen Tag aber im Ara­bis­chen Meer. Östlich von Soco­tra grif­f­en Pirat­en mit einem Skiff das nieder­ländis­che Spezialschiff FLINTSTONE an. Der Pipeline-Leg­er ist allerd­ings eines der weni­gen zivilen nieder­ländis­chen Schiffe, die auf Regierungsweisung bei der Pas­sage der piratenge­fährde­ten Gebi­ete am Horn von Afri­ka von nieder­ländis­chen Marine­in­fan­ter­is­ten geschützt wer­den. Warn­schüsse mit Sig­nal­mu­ni­tion zeigten keine Wirkung. Als dann aus dem Skiff eine Panz­er­faust auf die FLINTSTONE gerichtet wurde, schossen die Sol­dat­en gezielt, ver­wun­de­ten offen­bar auch einige Pirat­en. Das Skiff drehte ab und kehrte zu einem in der Nähe wartenden Mut­ter­schiff zurück.

Während die FLINTSTONE ihre Fahrt unbeschadet und unge­hin­dert fort­set­zte, wurde die in der Nähe operierende deutsche Fre­gat­te LÜBECK (EU Nav­For) beauf­tragt, das Mut­ter­schiff zu suchen und zu neu­tral­isieren.

Schon wenige Stun­den später ent­deck­te die LÜBECK das Piraten­schiff, eine zuvor gekaperte indis­che Dhau, auf der 15 Inder als Geiseln gehal­ten wur­den. Die Dhau ignori­erte alle Auf­forderun­gen zum Stop­pen; nach Warn­schüssen vor den Bug dro­ht­en die Pirat­en mit der Ermor­dung ihrer Geiseln. Ein gewalt­sames Board­ing ver­bot sich damit. Die Fre­gat­te hielt nun beständig Posi­tion in unmit­tel­bar­er Nähe der Dhau; Scharf­schützen und Schüsse vom Bor­d­hub­schrauber macht­en an Deck der Dhau ges­taute Skiffs unbrauch­bar.

Möglicher­weise wurde auch die Dhau selb­st auch beschädigt. Jeden­falls bezweifel­ten die Pirat­en offen­bar, aus eigen­er Kraft die ret­tende soma­lis­che Küste erre­ichen zu kön­nen – und riefen um Hil­fe. Als der im Dezem­ber gekaperte und seit­dem vor der soma­lis­chen Küste fest gehal­tene ital­ienis­che Tanker ENRICO IEVOLI seinen Anker­platz ver­ließ und mit Nor­dostkurs in See ging, wurde bei NATO und EU Nav­For zunächst noch von einem Ein­satz als Mut­ter­schiff für weit­ere Über­fälle aus­ge­gan­gen. Tat­säch­lich nahm die ENRICO IEVOLI — mit 18 Geiseln an Bord — aber direk­ten Kurs auf die bedrängte Dhau.

Am 19. Jan­u­ar trafen sich bei­de Schiffe. Angesichts der zahlre­ichen Geiseln musste die LÜBECK dem Umsteigen der Pirat­en (darunter einige Ver­wun­dete) von der Dhau auf den Tanker taten­los zuse­hen. Die indis­che Dhau war danach samt ihrer unbeschade­ten 15 Mann Besatzung allerd­ings wieder frei. Die ENRICO IEVOLI wird nun auf dem Weg nach Soma­lia eng beschat­tet.

Kurzmel­dun­gen

  • Sicher­heit­skräfte der semi-autonomen soma­lis­chen Prov­inz Punt­land haben am 16. Jan­u­ar in der Nähe von Gara­cad 13 mut­maßliche Pirat­en festgenom­men sowie Boote und Aus­rüs­tung kon­fisziert. Die Bande wollte zu einem Camp an der Küste zurück kehren, von dem sie im Dezem­ber schon ein­mal ver­trieben wor­den waren; bei der dama­li­gen Aktion waren 43 ihrer Kumpane fest­ge­set­zt wor­den. Ins­ge­samt sollen derzeit etwa 250 Pirat­en in den Orts­ge­fäng­nis­sen von Gara­cad und Jarib­an ein­sitzen und auf ihren Prozess warten.
  • Die Spanis­che Jus­tizbe­hörde hat entsch­ieden, sechs nach dem Über­fall auf den Ver­sorg­er PATINO der spanis­chen Marine am 12. Jan­u­ar vor Mogadis­chu festgenommene Pirat­en in Spanien vor Gericht zu stellen.
  • 25. am 6. Jan­u­ar bei der Befreiung ein­er gekaperten und anschließend als Mut­ter­schiff genutzten iranis­chen Dhau in Gewahrsam genommene soma­lis­che mut­maßliche Pirat­en wer­den weit­er­hin an Bord des dänis­chen Mehrzweckschiffes ABSALON (NATO) fest­ge­hal­ten. Am 18. Jan­u­ar lehn­ten die Behör­den der Sey­chellen eine Über­nahme ab. Man begrüße zwar aus­drück­lich den Erfolg der dänis­chen Marine bei der Ergrei­fung der Pirat­en, und ein Ver­trag sehe auch grund­sät­zlich eine Strafver­fol­gung auf den Sey­chellen vor; in diesem Falle komme sie aber nicht in Frage, da die Pirat­en außer­halb des im Abkom­men definierten Gebi­etes fest­ge­set­zt wor­den seien. Möglicher­weise springt nun Kenia ein. Sollte auch dort eine Über­stel­lung zur Strafver­fol­gung abgelehnt wer­den, müssen die Män­ner wahrschein­lich frei gelassen wer­den.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Am 12. Jan­u­ar hat der dänis­che Flt­lAdm Aage Buur Jensen vom pak­istanis­chen RAdm Kaleem Shaukat das Kom­man­do über den multi­na­tionalen Anti-Pira­terie-Ver­band CTF-151 über­nom­men. Da dem Ver­band kein dänis­ches Schiff ange­hört, wird der neue Kom­man­deur seine Ein­heit­en in den kom­menden Monat­en vom US-Zer­stör­er HALSEY aus führen.

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US Zer­stör­er HALSEY (Foto: US Navy)

Die 7. Ein­satz­gruppe der rus­sis­chen Paz­i­fik­flotte (ADMIRAL TRIBUTS, PECHENGA,SORUM MB-37) hat mit dem Geleit von Kon­vois durch den Golf von Aden begonnen. Die abgelöste 6. Ein­satz­gruppe hat der­weil den Rück­marsch nach Vladi­vos­tok ange­treten. Auf dem Heimweg lief der Ver­band mit dem Zer­stör­er ADMIRAL PANTELEYEV, dem Tanker BORIS BUTOMA und dem Hochsee­bergeschlep­per FOTIY KRYLOV am 19. Jan­u­ar zu einem geplanten Hafenbe­such in Sury­baya (Indone­sien) ein.

Das dänis­che Mehrzweckschiff ABSALON hat in Port Vic­to­ria (Sey­chellen) einen geplanten Besatzungstausch durchge­führt. Das Schiff soll angegliedert an den ständi­gen NATO Ein­satzver­band SNMG‑2 noch bis April die NATO Oper­a­tion „Ocean Shield“ unter­stützen.

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