Update Piraterie — Stand 12.02.2012

Nun ist soma­lis­chen Pirat­en doch wieder die Kape­rung eines Han­delss­chiffes geglückt. Am 7. Feb­ru­ar kon­nten sie im Ara­bis­chen Meer, gut 500 sm nordöstlich von Soco­tra, den griechis­chen (Flagge: Liberia) Mas­sen­gut­frachter FREE GODDESS samt 21 Mann philip­pinis­ch­er Besatzung in ihre Gewalt brin­gen. Das Schiff wird nun in Rich­tung soma­lis­che Küste ges­teuert.

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FREE GODDESS (Quelle: maritime-executive.com)

Wahrschein­lich wurde in der abge­laufe­nen Woche auch noch ein weit­eres Schiff ent­führt. Soma­lis­che Pirat­en haben näm­lich am 8. Feb­ru­ar eine zwei Wochen zuvor gekaperte iranis­che Dhau wieder frei gelassen – und dies ohne Lösegeld zu fordern. Das Fahrzeug sollte als Mut­ter­schiff für weit­ere Über­fälle dienen, war aber offen­bar (tech­nisch) ungeeignet. So sollen die Pirat­en ein „anderes, für ihre Zwecke bess­er geeignetes“ Fahrzeug gekapert und von der iranis­chen Dhau auf dieses umgestiegen sein. Um was für ein Schiff/Boot es sich han­delt ist unklar. 

Nach wie vor sind mehrere Piraten­grup­pen in der Region in See unter­wegs. So meldete am 8. Feb­ru­ar der Kapitän eines Frachters etwa 250 sm östlich der Sey­chellen die ver­suchte Annäherung eines mit „fünf bewaffneten Män­nern“ beset­zten Skiffs, kon­nte mit seinem Schiff aber auswe­ichen. Am 11. Feb­ru­ar starteten Pirat­en mit einem Skiff im Ostaus­gang des Golfs von Aden einen Angriff auf den ital­ienis­chen Frachter JOLLY ARANCIONE, brachen ihr Vorhaben aber sofort ab, als sich ein eingeschifftes bewaffnetes Sicher­heit­steam der ital­ienis­chen Marine „bemerk­bar machte“. Sie steuerten dann ein anderes, in der Nähe befind­lich­es mal­te­sis­ches Schiff an, gaben aber auch hier den Kaper­ver­such auf, als dieses Schiff die Nähe (und den Schutz) des ital­ienis­chen Frachters suchte. 

Bei einem anderen Zwis­chen­fall han­delt es sich dage­gen wahrschein­lich nur um „nervöse Über­reak­tion“. In der Meerenge des Bab el Man­deb will die Iranis­che Marine am 5. Feb­ru­ar einen weit­eren Über­fall im Ansatz vere­it­elt haben. Gle­ich „35 Piraten­boote“ sollen sich einem Tanker in den Weg gestellt haben. Sehr wahrschein­lich hat han­delte es sich um harm­lose örtliche Fis­ch­er, die möglicher­weise den Kurs des Tankers block­ieren woll­ten, um ein Über­fahren ihrer Net­ze zu ver­hin­dern. Während iranis­che Medi­en die „Erfol­gsmeldung“ ihrer iranis­chen Marine begeis­tert auf­grif­f­en, melde­ten alle nicht-iranis­chen offiziellen Stellen für das betrof­fene Gebi­et „kein­er­lei Aktiv­ität von Piraten“. 

Tansa­nia, Mosam­bik und Südafri­ka haben am 8. Feb­ru­ar in Dar-es-Salaam in ein­er tri­lat­eralen Vere­in­barung (Mem­o­ran­dum of Under­stand­ing) eine ver­stärk­te Zusam­me­nar­beit bei der Sicherung des Seev­erkehrs vor der ostafrikanis­chen Küste vere­in­bart. Dazu gehören auch regelmäßige Patrouillen südafrikanis­ch­er Kriegss­chiffe, vornehm­lich in der Straße von Mosambik. 

Die Europäis­che Union unter­stützt die Aus­bil­dung von Sol­dat­en der multi­na­tionalen Ein­satztruppe AMISOM (African Mis­sion in Soma­lia) zu Ves­sel Pro­tec­tion Teams. Die Män­ner sollen als bewaffnete Sicher­heit­steams an Bord von Schif­f­en einge­set­zt wer­den, die Nach­schub für AMISOM nach Soma­lia (Mogadis­chu) brin­gen. Eine erste Gruppe von 12 ugan­dis­chen Sol­dat­en hat die von franzö­sis­chen Sol­dat­en durchge­führte Aus­bil­dung offen­bar kür­zlich abgeschlossen. 

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Die südafrikanis­che Fre­gat­te ISANDLWANA führt derzeit Patrouillen in der Straße von Mosam­bik durch. Der mehrwöchige Ein­satz erfol­gt unter nationaler Führung im Rah­men der nationalen Oper­a­tion „Cop­per“, aber in Abstim­mung mit den Anrain­er­staat­en Mosam­bik und Tansa­nia (s.o.).

Am 4. Feb­ru­ar hat sich die griechis­che Fre­gat­te HYDRA der EU Nav­For in Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ angeschlossen. Eine Woche später, am 11. Feb­ru­ar, traf auch die franzö­sis­che Fre­gat­te ACONIT zur Ver­stärkung der EU Nav­For im Golf von Aden ein. 

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HYDRA (Foto: Michael Nitz) 

Die japanis­chen Zer­stör­er MURASAME und HARUSAME haben auf dem Weg ans Horn von Afri­ka einen kurzen Ver­sorgungsstopp im indis­chen Kochi ein­gelegt. Sie sollen die seit Novem­ber im Golf von Aden bei Kon­voigeleit einge­set­zten Zer­stör­er TAKANAMI und OONAMI ablösen. 

Am 11. Feb­ru­ar hat sich in Aus­tralien die Fre­gat­te MELBOURNE auf den Weg zu einem sechsmonati­gen Ein­satz in der Gol­fre­gion gemacht. Das Schiff soll im Ara­bis­chen Meer und im Per­sis­chen Golf die Fre­gat­te PARRAMATTA in der seit 2001 durchge­führten nationalen Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tion „Slip­per“ ablösen, wird sich dabei zeitweilig aber auch dem multi­na­tionalen Ein­satzver­band CTF-151 bei Anti-Pira­terie Oper­a­tio­nen vor dem Horn von Afri­ka anschließen. 

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