Iran — Fortschreibung Stand 1. Juli 2012

Mit Inkraft­treten (1. Juli) des EU Embar­gos gegen iranis­che Rohöl-Exporte ist eine — zumin­d­est ver­bale — Ver­schär­fung des Kon­flik­tes um das iranis­che Atom­pro­gramm zu erwarten.

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Grafik: BP / Inter­na­tion­al Ener­gy Agency
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Schon mit Blick auf die eigene Bevölkerung kann die iranis­che Führung die Block­ade nicht ohne „Gegen­maß­nah­men“ hin­nehmen, und auch die Wirtschaft des Lan­des wird zunehmend beein­trächtigt. Auch wenn das Embar­go nur von EU und USA erk­lärt ist und mehrere (asi­atis­che) Län­der Mit­tel und Wege gefun­den haben, auch weit­er­hin iranis­ches Rohöl zu beziehen, sind schon im Vor­feld des Embar­gos die iranis­chen Rohöl­ex­porte (früher 2,2 Mio. Bar­rel per Day) um gut 30% geschrumpft. Ver­suche ein­er Umge­hung des Embar­gos z.B. durch Aus­flaggen (nach Tuvalu) oder Umbe­nen­nen iranis­ch­er Tanker (englis­che Namen) dürften weit­ge­hend zum Scheit­ern verurteilt sein.

Iranis­che Reak­tio­nen kön­nen sich natür­lich auf bloße Pro­pa­gan­da oder Dro­hun­gen beschränken, aber auch Ver­suche ein­er Beein­träch­ti­gung der Rohöl­trans­porte ander­er Golf­s­taat­en durch den Per­sis­chen Golf und die Straße von Hor­muz kämen dur­chaus nicht uner­wartet. Die Band­bre­ite der Optio­nen reicht hier von der zeitweili­gen Ein­rich­tung von Warn- und Sper­rge­bi­eten für mil­itärische Übun­gen über „vage Dro­hun­gen“ oder Behin­dern und Bedrän­gen („Har­rass­ment“) von Schif­f­en in See bis hin zu Ter­ro­rak­tio­nen, verdeck­ter Ver­min­ung oder gar ein­er offiziell erk­lärten Sper­rung der Meerenge. Let­zteres dürfte allerd­ings eher „let­ztes Mit­tel“ sein, würde es doch sofor­tige mil­itärische Reak­tio­nen aus­lösen und die Lage deut­lich eskalieren lassen.

In Vor­bere­itung auf mögliche iranis­che Maß­nah­men hat Sau­di Ara­bi­en eine alte, still­gelegte Land­pipeline reak­tiviert. Die IPSA (Iraq Pipeline in Sau­di Ara­bia) war in den 1980er Jahren vom damals noch befre­un­de­ten Irak gebaut wor­den, um im dama­li­gen „Tankerkrieg“ mit dem Iran die Seev­erkehr­swege durch den Per­sis­chen Golf und die Straße von Hor­muz zu umge­hen. Mit ein­er Trans­portka­paz­ität von 1,65 Mio. Bar­rel per Day verbindet die IPSA irakische (und heute auch kuwait­is­che) Ölfelder mit der quer über die Ara­bis­che Hal­binsel führen­den saud­is­chen East-West-Pipeline und erlaubt so den Rohöl­ex­port über ein Ter­mi­nal am Roten Meer.

Die mil­itärische Lage im und um den Per­sis­chen Golf ist noch unverän­dert ruhig, aber es sind doch Vor­bere­itun­gen für eine mögliche Eskala­tion erkennbar. Auch ist zu erwarten, dass nach ein­er Phase der Ruhe der let­zten Monate Ver­legun­gen von US Kriegss­chif­f­en / Ver­bän­den nun auch wieder ver­mehrt Gegen­stand iranis­ch­er Pro­pa­gan­da bis hin zu unver­hüll­ten Dro­hun­gen wer­den.

Neue Nachricht­en gibt es auss­chließlich zu Schif­f­en und Ver­bän­den der US Navy. Vier von San Diego aus ver­schiffte Minen­jagdboote der AVENGER-Klasse sind am 23. Juni an Bord des Spezial­trans­ports­chiffes TERN der nieder­ländis­chen Dock­wise in Bahrain eingetrof­fen.

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TERN trans­portiert vier Minen­jagdboote (Foto: US Navy)

SENTRY, DEVASTATOR, PIONEER und WARRIOR sollen zunächst sieben Monate in der Region bleiben, wobei regelmäßige Besatzungswech­sel geplant sind. Sie ergänzen vier weit­ere in Bahrain sta­tion­ierte Schwest­er­boote. Das zum Führungss­chiff für Minen­ab­wehrop­er­a­tio­nen und Ein­satz­plat­tform für Minen­ab­wehrhub­schrauber umgerüstete Dock­lan­dungss­chiff PONCE dürfte in den näch­sten Tagen eben­falls in Bahrain ein­tr­e­f­fen. PONCE, die Minen­jagdboote sowie bere­its ver­legte Minen­ab­wehrhub­schrauber MH-53 sollen die Möglichkeit­en für ein Offen­hal­ten der Straße von Hor­muz unter eventueller iranis­ch­er Minenbedro­hung verbessern.

Auf dem Dock­lan­dungss­chiff NEW YORK wurde am 25. Juni im Ara­bis­chen Meer eine erst­ma­lige Deck­lan­dungs-Qual­i­fika­tion für Kampfhub­schrauber AH-64D Apache Long­bow der US Army durchge­führt. Damit kön­nen diese sowohl für Kamp­fauf­gaben (Luft-Boden FK Hell­fire) als auch für Aufk­lärung­sein­sätze (spezielles Radar) geeigneten Hub­schrauber bei Bedarf auch das Lan­dungss­chiff der SAN ANTO­NIO-Klasse als vorgeschobene Ein­satz­plat­tform nutzen. Die NEW YORK gehört zur derzeit in der Region einge­set­zten Amphibi­ous Ready Group um den amphibis­chen Träger IWO JIMA.

Die Car­ri­er Strike Groups mit den Flugzeugträgern ENTERPRISE und ABRAHAM LINCOLN ste­hen derzeit im Ara­bis­chen Meer, unter­stützen von dort aus mit ihren Kampf­flugzeu­gen Oper­a­tio­nen in Afghanistan („Endur­ing Free­dom“). Eine dritte Car­ri­er Strike Group mit der EISENHOWER läuft im Atlantik mit Ostkurs in Rich­tung Straße von Gibral­tar. In der kom­menden Woche sind im Mit­telmeer Übun­gen mit der franzö­sis­chen Trägerkampf­gruppe um den Flugzeugträger CHARLES DE GAULLE geplant. Die EISENHOWER wird in einem lange geplanten Deploy­ment wahrschein­lich die ABRAHAM LINCOLN ablösen, wobei diese nicht unbe­d­ingt sofort ablaufen muss.

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FLORIDA (Foto: US Navy)

Aufmerk­samkeit weckt die Ver­legung des U‑Bootes FLORIDA, das am 27. Juni den Suezkanal süd­laufend passierte. Das mit mehr als 150 Marschflugkör­pern Tom­a­hawk bestück­te und darüber hin­aus für Kom­man­do­op­er­a­tio­nen opti­mierte U‑Boot der mod­i­fizierten OHIO-Klasse hat­te in den let­zten Wochen (Monat­en?) im Mit­telmeer operiert. Seine Ver­legung eröffnet im Falle eines mil­itärischen Kon­flik­tes mit dem Iran zusät­zliche Optio­nen.

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