Asien — Indiens Bodenangriffsflugzeuge Jaguar und MiG-27

Indien India

 

Während Chi­na sich — trotz ständi­ger Prob­leme mit der Bere­it­stel­lung hoch entwick­el­ter Trieb­w­erke — mit seinem Marine­jagdbomber JH‑7 auf die Eige­nen­twick­lung eines mod­er­nen Flugzeuges für seine Marine ein­lies über­nahm Indi­en gle­ich zwei Mod­elle unter­schiedlich­er Her­steller — aber ver­gle­icbar­er Entwick­lungszeit — in sein Arsenal.

Die SEPCAT “Jaguar Inter­na­tion­al” (mit zwei Trieb­w­erken MK 804 zu je 2.410 / 3.645 kp Schub) und die “MiG 27”. 

Die Jaguar wurde in den Ver­sio­nen IS (= strike mit zwei 30 mm Aden Kanonen) , IB (zweisitzger Train­er mit Adour 104 Tur­bo­fans und ein­er 30 mm Kanonone), IM = Shamsh­er bei HAL ab 1980 mon­tiert, die MiG-27 seit 1986 in Lizenz pro­duziert. Bei­de Maschi­nen sind zumin­d­est in den Ursprungslän­dern auch für den Ein­satz als Atom­waf­fen­träger vorge­se­hen worden.

Dies und die Frage nach einem möglichen Nach­fol­ger ist Anlass genug, bei­de Maschi­nen hier zusam­men vorzustellen und einen kleinen Ver­gle­ich anzustellen. 

 

 

Entwick­lung:
Der Jaguar kann als eines der ersten europäis­chen Gemein­schaft­spro­duk­te beze­ich­net wer­den. Das Flugzeug wurde zusam­men von BAC in Großbri­tan­nien und Das­sault-Breguet in Frankre­ich für die RAF und die franzö­sis­che Luft­waffe entwick­elt. Vor allem die britis­chen Forderun­gen tru­gen wesentlich zur Qual­ität des Flugzeugs bei. Nach dem Erst­flug (8. Sep­tem­ber 1968) dauerte es noch weit­ere 8 Jahre, bis (16. August 1976) die mit ver­stärk­ten Trieb­w­erken für den Export vorge­se­hene Jaguar Inter­na­tion­al zum Erst­flug abhob.

Auf dem Moskauer Flug­tag 1967 wurde ein Schwenk­flü­gler vorgestellt, der zum Aus­gangsmod­ell für die MiG-23 und die MiG-27 wer­den sollte — weshalb let­ztere anfänglich auch als MiG-23 B beze­ich­net wurde. Im Ver­gle­ich zur MiG-23 ist die Bugspitze abge­flacht und nach vorne gezo­gen (“Enten­schn­abel”), die Zuladung erhöht und das Flugzeug ist sein­er verbesserten Sicht nach vorne und abwärts sowie stark gepanz­ertem Cock­pit für die Erd­kampfrol­le opti­miert.
Hin­dus­tan Aeronat­ics Ltd. (HAL)  begann ab 2002 umfan­gre­iche Mod­ernisierungs­maß­nah­men  — ins­beson­dere im Bere­ich der Elek­tron­ik — an Flugzeu­gen der indis­chen Luft­waffe, um die MiG 27 bis 2020 ein­set­zen zu kön­nen. Hierzu wird von Miko­jan ein verbessertes Trieb­w­erk A_-31 F‑30 S mit höherem Schub, gerin­gerem Gewicht und deutli9h gesteigert­er Effek­tiv­ität ange­boten, ohne dass aber bish­er über erfol­gre­iche Ver­hand­lun­gen berichtet wor­den wäre.

Bewaffnung und Ein­satzmöglichkeit­en:
Die Jaguar trägt neben den fest instal­lierten 30 mm Kanonen mit 150 rpg an 5 Aussen­sta­tio­nen bis zu 4.500 kg Waf­fen oder Zusatz­tanks. Sie wurde von der Roy­al Air­force als Teil der strate­gis­chen Reserve des SACEUR für nuk­leare Ein­sätze unter der 2nd ATAF vorge­se­hen. GB und Frankre­ich sahen darüber hin­aus den Angriff mit kon­ven­tionellen Mit­teln, zur Unter­drück­ung geg­ner­isch­er Flu­gab­wehrsyseme und zur Aufk­lärung vor. 

Die MiG-27 führt eine 30 mm GSh‑6–20 Kanone mit 260 rpg und an 8 Aussen­sta­tio­nen bis zu 4.000 kg Waf­fen. Dazu kön­nen Lenkwaf­fen (AS‑7 “Ker­ry”) genau­so wie tak­tis­che Atom­waf­fen (bis 1.90 kg) einge­set­zt werden. 

Radar:

Bei der MiG-27 sind in der Bugspitze ein Ter­rain­folge– und Doppler­radar, Laser-Ent­fer­nungsmess­er und Funköhen­mess­er eingebaut. 

Indi­en­st­stel­lung:
Serien­pro­duk­tion ab 1971 (Jaguar) bzw. 1973 (MiG-27);

Indi­en erhielt über 260 Exem­plare der MiG-27, die u.a. anderen im “Kaschmir-Kargil-Kon­flikt” mit Pak­istan einge­set­zt wuden. 

Ein­satzein­heit­en:
Die let­zten indis­chen MIG 23 BN wur­den Ende 2008 aus­ge­mustert.  Vier Ein­satzgeschwad­er haben  derzeit (Stand April 2009) die MIG-27 ML im Bestand. Die ersten mod­ernisierten knapp 40 MiG-27 ML (UPG) wur­den  im Jan­u­ar 2009  von de 10. und 29. Staffel des Luft­waf­fengeschwad­er 32 (Jodh­pur) übernommen.

Sri Lan­ka hat im Jahr 2000 eben­falls MiG-27 (aus der Ukraine) über­nom­men, die im Bürg­erkrieg gegen die Tamilen einge­set­zt werden. 

Trieb­w­erk:
Die Jaguar ist mit zwei Roll­sy-Royce/­Tur­bomé­ca RT.172 Adour 102 Tur­bo­fans versehen.

Die indis­chen MiG-27 sind bish­er mit dem rus­sis­chen R‑29 B‑300 Triew­erk ausgetattet.

Vari­anten und Serien:
Indi­en hat­te seit Ende 2008 ins­ge­samt 95 MiG-23 BN für vier Ein­satzstaffeln erwor­ben, die bis Ende 2008 einge­set­zt wur­den.
Eine vere­in­fachte und kostengün­stigere Vari­ante — die MiG-27 M — wurde in Indi­en mit über 160 Flugzeu­gen für 8 Ein­satzstaffeln in Lizenz produziert. 

Leis­tung:

Besatzung                                                                  

Jaguar 1 (2 Trainer)

MiG-27: 1

Antrieb               

Jaguar: zwei Trieb­w­erken Adour MK 804 

MiG-27: ein R‑29B-300 turbofan 

Schub ohne Nach­bren­ner

Jaguar: je 2.410 kp

MiG-27: 8.000 kp 

mit Nach­bren­ner                             

Jaguar: je. 3.645 kp

MiG-27: 11.500 kp 

Dien­st­gipfel­höhe:

Jaguar: 14.000 m

MiG-27: 

Abmes­sun­gen (geschätzt):
Länge                             

Jaguar: 15,52 m (S)M 16,42 m (B)

MiG-27: 15,50 m 

Höhe                             

Jaguar: 4,92 m

MiG-27: 5,00 m 

Span­nweite                             

Jaguar: 8,69 m

MiG-27: 13,97 / 7,78 m 

Flügelfläche                             

Jaguar: 24,18 m²

MiG-27: vari­abel 

Gewicht (geschätzt):
leer                            

 Jaguar: 6.800 kg

MiG-27: 10.700 kg 

max. Zuladung                             
 kg
Max. Start­gewicht                       

  Jaguar: 14,790 kg

MiG-27: 20.670 kg 

Geschwindigkeit:

Jaguar: 1.320 km/h (mach 1,1) in 300 m

1.700 km/h (Mach 1,6) in 10.000 m

MiG-27: 1.350 km/h auf Meereshöhe

1.885 km/h (Mach 1,7) in 8.000 m 

Reich­weite

Ein­satzre­ich­weite Jaguar:  725 — 1140 km

 MiG-27: 225 — 540 km 

Über­führungsre­ich­weite: Jaguar: 3.650 km

MiG-27: 1.370 km 

Quellen (Auswahl):

Krivinyi “Taschen­buch der Luft­flot­ten”;  FLIEGER-REVUE

Team GlobDef

Team GlobDef

Seit 2001 ist GlobalDefence.net im Internet unterwegs, um mit eigenen Analysen, interessanten Kooperationen und umfassenden Informationen für einen spannenden Überblick der Weltlage zu sorgen. GlobalDefence.net war dabei die erste deutschsprachige Internetseite, die mit dem Schwerpunkt Sicherheitspolitik außerhalb von Hochschulen oder Instituten aufgetreten ist.

Alle Beiträge ansehen von Team GlobDef →