MarineForum Wochenschau vom 16. Juni 2017

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors, den Bürg­erkriegen in Syrien und Jemen und natür­lich den jüng­sten Span­nun­gen der Golf­s­taat­en mit dem Emi­rat Katar bestimmt.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.
Marineforum

KATAR

Ulti­mat­en“ an Katar sowie inter­na­tionale Bemühun­gen um eine diplo­ma­tis­che Lösung bes­tim­men weit­er­hin die Lageen­twick­lung. Die Nach­barn hal­ten die Gren­zen geschlossen, aber bish­er sind kein­er­lei Vor­bere­itun­gen für eine auch see­seit­ige Block­ade oder son­stige mil­itärische Aktio­nen zu erken­nen. Den­noch bleiben die Stre­itkräfte des Emi­rates zur „Abwehr ein­er bevorste­hen­den Inva­sion“ in „höch­ster Bere­itschaft“, und auch der Befehl, jedes uner­laubt in Hoheits­gewäss­er Katar’s ein­fahrende Schiff ein­er Nach­bar­ma­rine sofort unter Feuer zu nehmen, bleibt in Kraft.

Der Iran sieht in der aktuellen Spal­tung der Golf­s­taat­en die Gele­gen­heit zur Stärkung der eige­nen regionalen Posi­tion, ja vielle­icht sog­ar zu ein­er Ablö­sung Sau­di-Ara­bi­ens als führende Regional­macht. In Inten­sivierun­gen der Beziehun­gen zu Katar trans­portieren iranis­che Fracht­flugzeuge größere Men­gen Lebens­mit­tel über den Per­sis­chen Golf hin­weg in das abgeschnit­tene Land. In ein­er weit­eren Alter­na­tive zu den geschlosse­nen Land­verbindun­gen kom­men Lebens­mit­tel und Ver­brauchs­güter zunehmend auch auf dem Seeweg. 12 Küsten­frachter wur­den in Sohar und Salalah (Oman) mit ver­mut­lich eben­falls aus dem Iran stam­menden Gütern beladen. Auch die inter­na­tionale Großreed­erei Maer­sk will wohl in die See­trans­porte einsteigen.

Am 14. Juni sind über­raschend das im Per­sis­chen Golf sta­tion­ierte Wach­boot „Chi­nook“ der US Navy und das Wach­boot „Bara­nof“ (ISLAND-Klasse) der US Coast Guard in Doha (Katar) ein­ge­laufen, ange­blich zu Übun­gen mit der Emi­rats­ma­rine. Nähere Infor­ma­tio­nen gibt es nicht, und so bleibt vor­erst auch unklar, ob es sich um einen schon länger geplanten Besuch han­delt, oder die bei­den Boote vor dem Hin­ter­grund der aktuellen Krise kurzfristig nach Katar geschickt wur­den. Let­zteres würde inter­na­tion­al ein­mal mehr zu Irri­ta­tio­nen über die Zielset­zung der US-Außen­poli­tik unter Präsi­dent Trump sorgen.
‘Chi­nook’ (Foto: US Navy)

JEMEN

Am 14. Juni beschossen Houthi-Rebellen von der jemeni­tis­chen Küste aus ein vor dem Hafen al Mokha (Rotes Meer) fahren­des, ange­blich­es „Kriegss­chiff“ der sau­di-ara­bisch geführten Koali­tion; saud­is­che Quellen sprechen nur vage von einem „Schiff aus den Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rat­en“. Während die Houthi einen „Voll­tr­e­f­fer mit einem Flugkör­p­er“ behaupten, ist das Schiff nach saud­is­chen Angaben unbeschädigt geblieben; es soll an Bord aber einen Ver­let­zten gegeben haben. Einige iranis­che Quellen bericht­en, der Angriff sei gar nicht von Houthi-Rebellen erfol­gt, son­dern eine Ein­heit der jemeni­tis­chen Marine hätte das Schiff beschossen. Nun ist die jemeni­tis­che Marine mit der sau­di-ara­bisch geführten Koali­tion ver­bün­det, und hin­ter der dann ja „Meuterei/Desertation“ unter­stel­len­den Mel­dung ste­ht möglicher­weise die Absicht bewusster Desin­for­ma­tion. Wie im Nahen-/Mit­tleren Osten üblich, sind Infor­ma­tio­nen auch dies­mal sehr ver­wor­ren und teils wider­sprüch­lich. Die Lage „lebt“ von Gerüchten.

Nach jüng­sten Angrif­f­en von Houthi-Rebellen auf Kriegss­chiffe der sau­di-ara­bisch geführten Koali­tion und Han­delss­chiffe sowie eini­gen neuer­lichen Piratenüber­fällen vor Soma­lia hat die multi­na­tionale Com­bined Mar­itime Force (CMF) angekündigt, Patrouillen der ihr in der CTF-150 und CTF-151 assig­nierten Ein­heit­en vor dem Jemen zu verstärken.

IRAK

Mas­soud Barzani, Präsi­dent der regionalen kur­dis­chen Regierung im Irak, hat für den 25. Sep­tem­ber ein Ref­er­en­dum zur Aus­ru­fung eines unab­hängi­gen kur­dis­chen Staates angekündigt. Die Nach­barstaat­en Iran, Türkei und Syrien — mit eben­falls kur­disch dominierten Gebi­eten — sehen einen Schritt zur Etablierung eines gren­züber­greifend­en kur­dis­chen Staates und haben dementsprechen den geplanten Volk­sentscheid sofort vehe­ment verurteilt.

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien und Irak bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Noch immer bes­tim­men divergierende Eigen­in­ter­essen zahlre­ich­er Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten die Entwicklung.

SYRIENIRAK: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Boden­trup­pen oder kur­dis­ch­er Milizen — aktuell vor allem bei der seit Monat­en dauern­den und noch immer nicht abgeschlosse­nen Offen­sive zur Rücker­oberung von Mosul. Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge und landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge und Drohnen der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ wird nach seinem Ablaufen aus der Gol­fre­gion weit­er­hin im östlichen Mit­telmeer gemeldet, set­zt von dort seine Kampf­flugzeuge gegen IS-Ziele in Irak und Syrien ein. Die seit Jan­u­ar im Ein­satz befind­liche „George H.W. Bush“ Car­ri­er Strike Group (CSG) dürfte aber schon bald den Rück­marsch zum Heimath­afen Nor­folk antreten. Welch­er Ver­band sie im Nahen/Mittleren Osten ablösen soll, bleibt zurzeit offen. Ursprünglich soll die „Nimitz“ CSG geplant gewe­sen sein. Diese hat am 1. Juni an der US-West­küste auch die Ver­legung in einen Ein­satz begonnen, steuert US-Angaben zufolge nun aber in Rich­tung Nord­ko­rea (s.u.).

Bataan’ ver­sorgt vor Ein­laufen in den Golf (Foto: US Navy)Der schon seit Ende März in Gewässern um die Ara­bis­che Hal­binsel operierende amphibis­che Träger „Bataan“ ist begleit­et von Zer­stör­er „Cole“ und Ver­sorg­er „Wash­ing­ton Cham­bers“ in den Per­sis­chen Golf ein­ge­laufen. Er kön­nte mit eingeschifften Senkrecht­startern AV-8B Har­ri­er und Kampfhub­schraubern dur­chaus auch im Rah­men von Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ in die Bekämp­fung von IS-Zie­len im Irak einge­bun­den werden.

Bei nächtlich­er Durch­fahrt des Ver­ban­des durch die Straße von Hor­muz kam es am 14. Juni zu einem Zwis­chen­fall, als ein FK-Schnell­boot der iranis­chen Marine (dies­mal nicht der Rev­o­lu­tion­s­gar­den) Such­schein­wer­fer und dann sog­ar einen Laser auf einen sich­ern­den Hub­schrauber der US Marine Corps richtete. Die US Navy spricht von erhe­blich­er Gefährdung. Iranis­che Stre­itkräfte hät­ten ein­mal mehr sämtliche inter­na­tionalen Regeln und Nor­men ignori­ert und ein hohes Maß an Unpro­fes­sion­al­ität demonstriert.

Der Iran fordert übri­gens für alle die Straße von Hor­muz durch­fahren­den Schiffe eine vorherige Anmel­dung, reklamiert die Meerenge in Ignorierung der Ansprüche der gegenüber­liegen­den Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rate (Mit­tellinie) und des inter­na­tionalen Sta­tus‘ der durch sie ver­laufend­en Seev­erkehr­swege kom­plett als iranis­ches Hoheits­ge­bi­et. Kein nicht-iranis­ches Kriegss­chiff — schon gar nicht die US Navy — fol­gt der ein­seit­ig von Teheran verkün­de­ten Anmeldepflicht. Aus iranis­ch­er Sicht dürfte die nächtliche „Beleuch­tung“ zur Iden­ti­fizierung der nicht angemelde­ten Pas­san­ten gerecht­fer­tigt gewe­sen sein.

SYRIEN: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land macht weit­er­hin keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen; alle gel­ten gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten”. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Stre­itkräfte ger­ade auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS vor allem bemüht, im Rah­men ihrer nationalen Kur­den­poli­tik auf Autonomie set­zende syrische Kur­den (dazu gehören auch von den USA mit Waf­fen und Mil­itär­ber­atern aktiv unter­stützte Milizen) zu „neu­tral­isieren“. In Nordsyrien stellt die Türkei aus syrischen Milizen eine „Stel­lvertreter-Armee“ auf, die vorge­blich gren­z­na­he Schutz­zo­nen vor dem IS sich­ern soll, deren eigentlich­er Auf­trag aber wohl die Ver­drän­gung kur­dis­ch­er Milizen ist.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

In den von Rus­s­land, Syrien, der Türkei und dem Iran gemein­sam erk­lärten vier „De-Eskala­tion­szo­nen“ herrscht weit­er­hin ver­gle­ich­sweise Ruhe. Die Zonen liegen allerd­ings in west­lichen Lan­desteilen, wo syrische Regierungstrup­pen und Ver­bün­dete schon seit Monat­en ohn­hin weit­ge­hend die Ober­hand hat­ten. Ander­norts gehen die Kämpfe weit­er; islamistis­che Milizen bleiben weit­er­hin grund­sät­zlich von allen Feuer­pausen ausgenommen.

Rus­s­land sieht in den „De-Eskala­tion­szo­nen“ die „Basis für ein Ende des Bürg­erkrieges“. Sie zwän­gen syrische Oppo­si­tion­s­milizen, sich räum­lich von islamistis­chen Ter­ror­grup­pen zu tren­nen, und dies eröffne Chan­cen für einen poli­tis­chen Dia­log. Bei der näch­sten Gespräch­srunde in Astana (Kasach­stan) soll dieser Ansatz ver­fol­gt wer­den. Die ursprünglich für den 12. Juni und dann den 20. Juni geplanten Gespräche wur­den auf Drän­gen des Iran und der Türkei weit­er in den Juli ver­schoben. Einige Beobachter unter­stellen hier Absicht­en, mehr Zeit für eine „mil­itärische Schaf­fung gün­stiger Fak­ten zu schaffen“.

Mar­itime Aspekte

De-Eskala­tion­szo­nen

Im östlichen Mit­telmeer operiert weit­er­hin das von der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte geführte Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Kampfein­heit­en der Med­Sqn sind zurzeit die Fre­gat­ten „Admi­ral Grig­orovich“ und „Admi­ral Essen“, der Minen­such­er „Valentin Pikul“ und das U‑Boot „Krasnodar“. Die „Admi­ral Essen“ und das U‑Boot befind­en sich allerd­ings auf der Über­führungs­fahrt aus der Ost­see zur kün­fti­gen Heimat­flotte ins Schwarze Meer. Sie hat­ten Anfang Juni im Rah­men ein­er Übung der Med­Sqn Marschflugkör­p­er Kali­br auf Ziele in Syrien geschossen, wer­den seit­dem aber nicht mehr bei weit­eren Aktiv­itäten gemeldet und dürften dem­nächst ihren Marsch ins Schwarzmeer fort­set­zen. Die „Admi­ral Grig­orovich“ soll noch „bis zum Som­mer“ bei der Med­Sqn bleiben.
‘Krasnodar’ (Foto: niederl. Marine)

Das Werk­stattschiff PM-82 (AMUR-Klasse) der Baltischen Flotte hat am 14. Juni im syrischen Hafen Tar­tus einen mehrmonati­gen Ein­satz als schwim­mende Reparatur­ba­sis der rus­sis­chen Marine begonnen. Das seit Jan­u­ar dort sta­tion­ierte Schwest­er­schiff PM-138 der Schwarzmeer­flotte ist nach Sewastopol zurück­gekehrt. Erst­mals seit Jahrzehn­ten übern­immt damit ein Werk­stattschiff der Baltischen Flotte die Auf­gabe in Tar­tus, in der sich zuvor nur die zwei AMUR-Werk­stattschiffe PM-56 und PM-138 der Schwarzmeer­flotte in sechs-monatiger Rota­tion abgelöst hat­ten. Der Ein­satz der PM-82 kön­nte auf den Aus­fall eines dieser bei­den Werk­stattschiffe hin­deuten; PM-56 hat­te seinen let­zten Ein­satz auch schon früher als üblich been­det, war im Feb­ru­ar nach weniger als fünf Monat­en von Tar­tus nach Sewastopol zurückgelehrt.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub für die dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen an. Jede Woche passieren mehrere Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch dazu ver­legte Ein­heit­en der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei und Deutsch­land gekaufte und teils als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nord­laufend. Trans­portiert wird zurzeit ver­mehrt auch Bau­ma­te­r­i­al für die begonnenen Arbeit­en zur Erweiterung der rus­sis­chen logis­tis­chen Basis in Tar­tus (Syrien). Dafür wer­den auch nicht unter rus­sis­ch­er Flagge fahrende zivile Frachtschiffe gechartert.

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INDIEN

Fast vier Jahre nach ein­er schw­eren Explo­sion an Bord hat die indis­che Marine ihr U‑Boot „Sind­hu­rak­shak“ nun formell außer Dienst gestellt.

Im August 2013 war das U‑Boot der KILO-Klasse nach ein­er Explo­sion im Bug­bere­ich an der Pier in Mum­bai gesunken. 18 Besatzungsmit­glieder waren damals getötet wor­den. Ursache war ver­mut­lich ein Feuer an Bord, das nur unzure­ichend mit Bor­d­mit­teln bekämpft wurde und dann — nach zwei Stun­den – für eine geplante Patrouille im Bug­bere­ich beladene Tor­pe­dos und Flugkör­p­er zur Explo­sion brachte. Schnell war klar, dass die Explo­sion auch den Druck­kör­p­er des U‑Bootes aufgeris­sen hat­te, und schon wenige Tage nach dem Unter­gang der „Sind­hu­rak­shak“ sprach ein „hochrangiger Offizieller“ von irrepara­blen Schäden.

Erst fast ein Jahr später gelang es im Juni 2014 nach weltweit­er Auss­chrei­bung und unter Mitwirkung aus­ländis­ch­er Spezial­is­ten, die „Sind­hu­rak­shak“ zu heben. Erst jet­zt kon­nten auch die let­zten Toten gebor­gen wer­den und die Ermit­tlung der Unfal­lur­sachen und eine genaue Schadens­be­fun­dung begin­nen. Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um set­zte dazu zwei Unter­suchungskom­mis­sio­nen ein, die bei­de die Irrepara­bil­ität des U‑Bootes fest­stell­ten. Ende 2015 gab die Marine denn auch offiziell bekan­nt, dass die „Sind­hu­rak­shak“ nicht wieder in den aktiv­en Dienst zurück­kehren werde.

Bis zur nun vol­l­zo­ge­nen formellen Aus­musterung vergin­gen dann noch ein­mal einein­halb Jahre. Im in Indi­en üblichen bürokratis­chen Wirrwarr sich über­schnei­den­der Zuständigkeit­en mussten immer neue Instanzen noch ihren Segen zum unauswe­ich­lichen Schritt geben. Der Vor­gang verdeut­licht ein­mal mehr, wo in Indi­en die eigentlichen Ursachen für bei Rüs­tungsvorhaben und damit ver­bun­den­er Entschei­dungs­find­ung übliche mehrjährige Verzögerun­gen liegen. Bish­er sind alle Ver­suche gescheit­ert, hier klare Struk­turen zu schaffen.

Die Zukun­ft der nach wie vor in Mum­bai in einem Dock liegen­den „Sind­hu­rak­shak“ bleibt vor­erst offen. Zurzeit wer­den offen­bar zwei Optio­nen ver­fol­gt: Versenkung als kün­stlich­es Riff bzw. Unter­wass­er-Denkmal, oder aber let­zt­ma­liger Nutzen als Ziel in einem Torpedoschießen.

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ITALIEN

Auf der Under­sea Defence Tech­nol­o­gy (UDT) Kon­ferenz in Bre­men hat der ital­ienis­che Vertei­di­gungsmin­is­ter Pläne zur Beschaf­fung weit­er­er U‑Boot bestätigt.

Schon 1996 hat­ten sich Deutsch­land und Ital­ien auf eine gemein­same Beschaf­fung von U‑Booten TYP 212A mit außen­luftun­ab­hängigem Brennstof­fzel­lenantrieb ver­ständigt. Die ital­ienis­che Marine sollte zunächst zwei Boote erhal­ten; zwei weit­ere U‑Boote waren als Option vorge­se­hen. Als die bei­den ersten U‑Boote 2006/07 in Dienst gestellt wur­den, war auf­grund der finanziellen Lage die Wahrnehmung der Option noch unklar. Bei­de wur­den aber schließlich unter einem verzögerten Zeit­plan bestellt, ja man dachte sog­ar noch an ein fün­ftes TYP 212A – eine Absicht, die sich in der 2012 in der Finanzkrise notwendig gewor­de­nen Neu­pla­nung der Flotte nicht mehr fand. Bei ab 2015 geplanter (inzwis­chen um ein paar Jahre geschoben­er) Außer­di­en­st­stel­lung der U‑Boote der SAURO-mod-Klasse fand sich die ital­ienis­che Marine schon zumin­d­est nach außen hin damit ab, spätestens 2020 nur noch die vier U‑Boote TYP 212A im Bestand zu haben

ital­ienis­ches U‑Boot TYP 212A (Foto: shipspotting.com)
Mit der Über­nahme des vierten U‑Bootes „Romeo Romei“ (11. Mai) schien das U‑Boot-Beschaf­fungsvorhaben der ital­ienis­chen Marine been­det, aber tat­säch­lich wurde im Hin­ter­grund schon seit ger­aumer Zeit eine Erweiterung disku­tiert. Im Dezem­ber 2015 berichteten Medi­en über neue U‑Boot-Pläne: „Sich entwick­el­nde sicher­heit­spoli­tis­che Her­aus­forderun­gen“ wür­den inner­halb der näch­sten 15 Jahre einen Aufwuchs der U‑Bootflottille notwendig machen. Nur drei Monate später bemühte sich die ital­ienis­che Marine auch schon formell um Mit­tel für den Bau eines fün­ften und sech­sten TYP 212A – zunächst offen­bar noch vergeblich.

Nun sollen nicht nur diese zwei, son­dern sog­ar vier weit­ere neue U‑Boote beschafft wer­den. Der Vertei­di­gungsmin­is­ter erk­lärte, man wolle die aktuelle Stärke von acht U‑Booten erhal­ten, d.h. neben den vier TYP 212A alle vier älteren U‑Boote der SAURO-Klasse durch zusät­zliche Neubaut­en erset­zen. Geplant ist eine Design­vari­ante („Evo­lu­tion“) von TYP 212A, möglicher­weise angelehnt an den kür­zlich von Nor­we­gen in Deutsch­land bestell­ten und auch von der Deutschen Marine geplanten TYP 212NG. Jet­zt ist auch nicht mehr die Rede von „in den näch­sten 15 Jahren“, son­dern angesichts der Außer­di­en­st­stel­lungs­pla­nung der SAURO-Klasse soll das Pro­jekt zügig ange­gan­gen wer­den. Erste Aufträge kön­nten schon 2018 vergeben werden.

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NORDKOREA

Die Span­nun­gen um Nord­ko­rea dauern an.

Auch von ver­schärften Sank­tio­nen und erhe­blichen wirtschaftlichen Prob­le­men (Kohle­ex­port ist kom­plett zum Erliegen gekom­men) lässt sich Dik­ta­tor Kim Jong-un nicht beein­druck­en. Sein immer wieder genan­ntes poli­tis­ches Ziel bleibt die Über­führung des 1953 geschlosse­nen Waf­fen­still­standes in einen bilat­eralen (mit Ausklam­merung Süd­ko­re­as) Friedensver­trag mit den USA, und dies glaubt er nur durch Dro­hun­gen mit Raketen und Atom­waf­fen erre­ichen zu kön­nen. Die staatliche Pro­pa­gan­da forderte in sehr schar­fem Ton die USA ulti­ma­tiv auf, doch endlich den „irre­versiblen“ Sta­tus Nord­ko­re­as als Atom­macht anzuerken­nen und wies erneut darauf hin, dass Träger­raketen prob­lem­los US-Ter­ri­to­ri­um im West­paz­i­fik (Guam) und sog­ar die USA selb­st (gemeint sind hier Hawaii und Alas­ka) ins Visi­er nehmen können.

Experten rech­nen mit ein­er Unter­stre­ichung solch unver­hohlen­er Dro­hun­gen durch weit­ere Testschüsse von Mit­tel- und Langstreck­en­raketen. Auch ein Atom­test sei nicht auszuschließen; Vor­bere­itun­gen seien am Atom­test­gelände Pung­gye-ri so weit abgeschlossen, dass er jed­erzeit auch sehr kurzfristig möglich wäre.

Chi­na set­zt weit­er­hin auf ver­stärk­ten poli­tis­chen und wirtschaftlichen Druck auf das Regime; Süd­ko­re­as neuer Präsi­dent bemüht sich mit bish­er wenig Erfolg um bilat­erale Entspan­nung. Die USA unter Präsi­dent Trump ver­fol­gen erkennbar auch „mil­itärische Optio­nen“, haben hier nun jedoch ein wenig deeskaliert, denn die „Carl Vin­son“ Car­ri­er Strike Group (CSG) ist aus dem West Paz­i­fik abgelaufen.
‘Carl Vin­son’ auf dem Heimweg (Foto: US Navy)
Am 13. Juni macht­en die Schiffe auf dem Heimweg nach San Diego in Pearl Har­bor (Hawaii) Station.
Damit ist zurzeit nur noch die in Japan sta­tion­ierte „Ronald Rea­gan“ CSG in der Krisen­re­gion präsent, wird zulet­zt aber auch nicht mehr in der Japansee, son­dern südlich Japans in der Philip­pinensee gemeldet. Ersatz für die „Carl Vin­son“ CSG kommt wahrschein­lich mit der „Nimitz“ CSG, die nach am 5. Juni begonnen­er West­ver­legung über den Paz­i­fik Ende Juni in der Region ein­tr­e­f­fen könnte.

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RUSSLAND

Die „Arbeit­spferde“ unter den Minen­ab­wehrein­heit­en der rus­sis­chen Marine näh­ern sich allmäh­lich dem Ende ihrer oper­a­tiv­en Nutzbarkeit.

Zwis­chen 1970 und 1982 waren ins­ge­samt 45 Hochseem­i­nen­such­er der NATYA-Klasse für die dama­lige sow­jetis­che Marine gebaut wor­den. Das Design der 850ts ver­drän­gen­den Boote war eine Weit­er­en­twick­lung der YUR­KA-Klasse. Zur Reduzierung der mag­netis­chen und akustis­chen Sig­natur wur­den sie aus niedrig-mag­netis­chem Stahl gebaut, ein Kom­pen­sator reduziert das elek­tro­mag­netis­che Feld, Antrieb­s­maschi­nen sind auf Schwingungs­dämpfern instal­liert, die Schrauben verklei­det. Die Boote sind für das Räu­men von Anker­tau­mi­nen aber auch zur Besei­t­i­gung von auf akustis­che und mag­netis­che Impulse reagieren­den Grund­mi­nen aus­gerüstet. Zur Selb­stvertei­di­gung sind sie mit u.a. ein­er AK-630 Gatling-Gun bestückt.

Das robuste und ein­fache Design bewährte sich in der Prax­is so gut, dass zahlre­iche NATYA auch für befre­un­dete Mari­nen (Indi­en, Libyen, Syrien, Jemen) gebaut wur­den. Nach fast 30 Dien­st­jahren wurde eines der bei der Schwarzmeer­flotte dienen­den Boote mod­ernisiert und mit neuer Minen­jagdtech­nolo­gie aus­ges­tat­tet. ‘Vit­sead­mi­ral Zhukov’ (Foto: shipspotting.com)Es blieb allerd­ings bei dem Pro­to­typen; weit­ere Boote fol­gten nicht, und man hat sich offen­bar entschlossen, mit der ALEXAN­DRIT-Klasse die Nach­folge der NATYA-Klasse (und zugle­ich auch der SONYA.-Klasse) einzuläuten. Bis zu 40 dieser auf einem GFK-Rumpf auf­bauen­den mod­er­nen Minen­jagdboote will die rus­sis­che Marin bis 2030 auf Werften in der Ost­see und in Fer­nost bauen lassen, wobei die Serien­fer­ti­gung allerd­ings nur sehr zögernd in Gang kommt.

Die alten Boote der NATYA-Klasse wer­den schon seit eini­gen Jahren nach und nach aus dem Verkehr gezo­gen. Ende Dezem­ber wur­den die „Vit­sead­mi­ral Zhukov“ (Schwarzmeer­flotte) und die „Komen­dor“ (Nord­flotte) außer Dienst gestellt. Damit sind zurzeit noch acht NATYA im aktiv­en Dienst, fünf bei der Schwarzmeer­flotte, zwei bei der Paz­i­fik­flotte und ein let­ztes Boot bei der Nordflotte.

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USA

Schon 2019 kön­nten unbe­man­nte Tanker-Drohnen Flugzeugträger in den Ein­satz begleiten.

Eigentlich hat­te die US Navy die Beschaf­fung großer Kampf­drohnen geplant und mit der X‑47B auch schon den Pro­to­typen ein­er UCLASS (Unmanned Car­ri­er Launched Air­borne Sur­veil­lance and Strike) auf Flugzeugträgern in der Prax­is erprobt. X‑47B erbrachte u.a. den Nach­weis, dass solch große Drohnen von einem Flugzeugträger starten, in den Flug­be­trieb um diesen inte­gri­ert und auch wieder lan­den kön­nen, ohne Oper­a­tio­nen der Kampf­flugzeuge spür­bar zu beein­trächti­gen. Das Pro­jekt erhielt grünes Licht, und die Entwick­lung von X‑47B zur Serien-Kampf­drohne MQ-25A Stingray kon­nte beginnen.

Unver­mit­telt ein­set­zende neue Grund­satzdiskus­sio­nen über Ein­satz­dok­trin und Ein­satzrolle von Kampf­drohnen stell­ten das Vorhaben plöt­zlich wieder in Frage. Um bei vertret­baren Kosten zeit­nah zu ein­er ein­satzfähi­gen Drohne zu kom­men, wurde Ende 2014 entsch­ieden, erst ein­mal nur “Ear­ly Oper­a­tional Capa­bil­i­ty” ein­er bloßen Aufk­lärungs­drohne anzus­treben. Diese soll 2021 fer­tig sein und dann vier Jahre lang in Übun­gen und realen Ein­sätzen erprobt wer­den. Erst danach will man dann über eine Weit­er­en­twick­lung zu ein­er realen Kampf­drohne nachdenken.

In dieser Phase der Neubesin­nung wurde für MQ-25A Stingray plöt­zlich noch eine andere, wichtige Rolle gese­hen: als „Car­ri­er-Based Aer­i­al-Refu­el­ing Sys­tem“ (CBARS) in der Luft­be­tankung von Kampf­flugzeu­gen. Das derzeit­ige Oper­a­tionskonzept sieht — bei Ein­satz unter Bedro­hung — für Flugzeugträger einen Abstand von mehr als 700sm zu einem Kampfge­bi­et vor. Für Kampf­flugzeuge bedeutet solch große Dis­tanz eine ver­ringerte Waf­fen­zu­ladung und zugle­ich ver­mehrten Bedarf an Luft­be­tankung. Dezi­dierte Tank­flugzeuge gibt es seit Aus­musterung der S‑3 Viking auf US- Flugzeugträgern nicht mehr. Luft­be­tankung wird als „Bud­dy-to-Bud­dy Refu­el­ing“ von Kampf­flugzeu­gen durchge­führt, die dann aber gar keine Waf­fen tra­gen kön­nen und für „Strike“ aus­fall­en. Aktuell sind bis zu 30 Prozent der Kampf­flugzeuge ein­er Car­ri­er Air Wing in dieser „Bud­dy-to-Bud­dy“ Tanker­rolle gebunden.

Hier soll nun CBARS in die Lücke sprin­gen. Der Ein­satz der Drohne würde sowohl die Reich­weite der Kampf­flugzeuge und deren Waf­fen­zu­ladung, vor allem aber auch die Anzahl der für Waf­fenein­satz ver­füg­baren Kampf­flugzeuge erhöhen, und angesichts eines akuten Fehls an ein­satzk­laren Kampf­flugzeu­gen soll es hier nun sehr schnell gehen. Noch in diesem Jahr soll die Auss­chrei­bung für den Bau von CBARS Drohnen erfol­gen. Offiziell geht die US Navy von Ini­tial Oper­a­tional Capa­bil­i­ty ab 2020 aus, aber die Entwick­lung ist offen­bar so weit fort­geschrit­ten, dass ange­blich schon 2019 erste Tankdrohnen in Ein­sätzen mit­ge­führt wer­den sollen. Die US Navy hat bere­its die bei­den Flugzeugträger „Dwight D Eisen­how­er“ und „George HW Bush“ als erste Plat­tfor­men benan­nt. Bei­de sollen u.a. mit Ein­rich­tung ein­er Lenksta­tion mit Datalink für den Ein­satz von Tankdrohnen MQ-25A Stingray aus­gerüstet werden.

Kurz­fas­sung
MarineForum Wochenschau vom 16. Juni 2017
Artikelüber­schrift
Marine­Fo­rum Wochen­schau vom 16. Juni 2017
Erk­lärung
Die wöchentlichen Mel­dun­gen des Marine­Fo­rum zur Welt­lage mit mar­iti­men Fokus.
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