Kanada — „Ready aye Ready” — Die Kanadische Marine

Das zweit­größte Land der Erde hat vom Atlantik über das Nord­po­larmeer bis in den Paz­i­fik mit fast 250.000 km die läng­ste Küsten­lin­ie der Welt. Den­noch ist Kana­da keine Groß­macht, son­dern gibt sich eher zurück­hal­tend. Die Poli­tik ist seit jeher durch die geo­graphis­che Nähe zu den USA bes­timmt – wobei das Ver­hält­nis dur­chaus nicht immer ungetrübt ist; daneben pflegt man his­torisch-kul­turelle Beziehun­gen zu Großbri­tan­nien (Com­mon­wealth) und Frankre­ich. Kana­da unter­hält tra­di­tionell See­verbindun­gen zu Europa und Asien und ver­fügt über reiche Fis­chgründe in ein­er 200 sm weit reichen­den Wirtschaft­szone.

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Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen” veröf­fentlicht.
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Inner­halb der Ter­ri­to­ri­al­gewäss­er und Wirtschaft­szo­nen, im St. Loren­zstrom und auf den Großen Seen wer­den die meis­ten hoheitlichen Auf­gaben von der Roy­al Cana­di­an Coast Guard wahrgenom­men, die schon in den 1960er Jahren über fast 200 Schiffe und Boote ver­fügte, darunter fast 20 für den Dienst in der Ark­tis opti­mierte Fahrzeuge. In diesem Beitrag soll aber auss­chließlich die Marine the­ma­tisiert wer­den – wohl wis­send, dass damit natür­lich wesentliche Teile des nationalen mar­iti­men Sicher­heit­skonzeptes nicht oder nur am Rande betra­chtet wer­den.

Anfänge

Die Wurzeln dieser Marine reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhun­derts zurück, als 1868 die Kolo­nial­macht Großbri­tan­nien in Hal­i­fax eine „Naval Brigade“ auf­stellt. Die Roy­al Navy über­lässt zu Aus­bil­dungszweck­en „großzügig“ einen des­o­lat­en Holz­dampfer – der 1882 wieder zurück gegeben wird. Erst fast 30 Jahre später, als zu Beginn des 20. Jahrhun­derts die Rolle der Domin­ions in der Vertei­di­gungspoli­tik des Britis­chen Empire disku­tiert wird, erhält Kana­da die Möglichkeit, alter­na­tiv zur Vertei­di­gung durch die britis­che Roy­al Navy eine wirk­liche eigene Marine aufzustellen.

Nach teils sehr kon­tro­vers­er par­la­men­tarisch­er Diskus­sion entschei­det man sich für die eigene Marine, die 1910 zunächst als „Naval Ser­vice of Cana­da“ gegrün­det wird. Wenig später über­lässt die britis­che Roy­al Navy erste Ein­heit­en, und dies­mal sind es auch richtige Kriegss­chiffe, darunter sog­ar ein leichter Kreuzer und zwei U‑Boote. Als 1911 dann auch der britis­che König seinen Segen erteilt, wird aus dem „Naval Ser­vice of Cana­da“ die „Roy­al Cana­di­an Navy“ (RCN).

Die RCN ist zwar die Marine Kanadas, soll aber „bei Bedarf“ der britis­chen Roy­al Navy unter­stellt wer­den. Dass dieses Konzept nicht nur auf dem Papi­er ste­ht, zeigt sich wenige Jahre später, als im Ersten Weltkrieg der Kreuzer gemein­sam mit britis­chen Ein­heit­en in den Südat­lantik beordert wird. Die anderen Schiffe und Boote kom­men in Atlantik und Paz­i­fik ger­ade auch vor den US-Küsten zum Ein­satz. Sie sollen vor allem deutsche U‑Boote abwehren. Zur U‑Bootabwehr aus der Luft entste­ht mit dem „Roy­al Cana­di­an Naval Air Ser­vice“ (RCNAS) auch eine erste Marine­fliegerkom­po­nente, die mit Kriegsende aber wieder aufgelöst wird.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ist eine Bedro­hung Kanadas von See her nicht mehr zu erken­nen, und die kün­ftige Rolle ein­er Marine muss neu definiert wer­den. In dieser Phase der Neufind­ung wird die RCN erst ein­mal dem Min­is­teri­um für Trans­portwe­sen unter­stellt und nimmt über­wiegend zivile Auf­gaben wahr. Erst nach gut fünf Jahren wer­den sich die Poli­tik­er über Sinn und Zweck ein­er Marine einig. 1923 kehrt die RCN unter die „Fit­tiche“ des Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums zurück, und nun begin­nt auch ein kleines Flot­ten­baupro­gramm. 1932 wer­den erste speziell für die RCN entwick­elte Geleitzer­stör­er in Dienst gestellt – noch im britis­chen Portsmouth gebaut.

Bei Aus­bruch des Zweit­en Weltkrieges sind zunächst nur sechs dieser Zer­stör­er und einige kleinere Schiffe ein­satzbere­it, aber das soll sich schnell ändern. Ein groß angelegtes Schiff­baupro­gramm, nun auch unter Ein­beziehung nationaler Werften, lässt die RCN bin­nen nur fünf Jahren zur drittgrößten Marine der Welt aufwach­sen. Zer­stör­er, Fre­gat­ten und Flugzeuge wer­den vor allem in der Sicherung der Kon­voirouten über den Atlantik einge­set­zt und versenken fast 30 deutsche U‑Boote. Mit der Kapit­u­la­tion Deutsch­lands ändert sich die strate­gis­che Rich­tung. Haupt­geg­n­er ist nun Japan. Viele Schiffe und Boote wer­den in den Paz­i­fik ver­legt, und statt U‑Jagd erhält nun Inva­sions­fähigkeit Pri­or­ität. Die britis­che Roy­al Navy über­lässt dazu (teils lei­h­weise) zahlre­iche in Europa nicht mehr benötigte Schiffe, darunter auch zwei Flugzeugträger und zwei Kreuzer.

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MAGNIFICENT (Foto: Wikipedia)

Das schnelle Kriegsende nach den Atom­bomben­ab­wür­fen auf Hiroshi­ma und Nagasa­ki im Paz­i­fik ist für die RCN Zäsur. Zwar nehmen viele Kampf­schiffe noch am Kore­akrieg teil, aber ohne äußere Bedro­hung und vor allem auch ohne klare Def­i­n­i­tion nationaler mar­itimer Ziele wird die Flotte sehr schnell wieder verklein­ert. Die meis­ten Schiffe wer­den Mitte der 1950er Jahre aus­ge­mustert. Ganz zurück geschraubt wer­den die Ambi­tio­nen aber doch nicht. Mit der 1948 fer­tig gestell­ten BONAVENTURA erhält die RCN ger­ade in dieser Zeit sog­ar einen eige­nen Flugzeugträger, der die zwei ex-britis­chen Lei­hträger (MAGNIFICENT nimmt 1956 noch am Suezkrieg teil) erset­zt.

Team GlobDef

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