Bantu-Afrika: Dem. Rep. Kongo (Kinshasa) (Democratic Republic of the Congo)

Flagge Dem. Rep. Kongo (Kinshasa)

 

Die wichtig­sten Infor­ma­tio­nen im Überblick:

Regierungs­form (Gov­ern­ment Type): Repub­lik (Repub­lic)

Karte Dem. Rep. Kongo (Kinshasa) Map Democratic Republic of the Congo

Haupt­stadt (Cap­i­tal): Kin­shasa
Ein­wohn­er (Pop­u­la­tion): 54,775 Mio.
Fläche (qkm) (Area sq.km): 2.344.885
Wehre­tat (Defence Bud­get): 400 Mio. US-$
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 120 US-$

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Dat­en außer Wehre­tat dem Fis­ch­er Weltal­manach 2005 ent­nom­men

Wirtschaftswach­s­tum (Verän­derung ds BIP real in % gegenüber dem Vor­jahr:
2000: — 6,9%; 2001: — 2,1 %; 2002: + 3,5 %; 2003 — 2006: über 5 bis zu 6,6 % gefes­tigte Ten­denzInfla­tion­srate:
2000: 550 %, 2001: 357 %; 2002: 25 %; 2003 — 2006: zwis­chen 4 und 21 %, ten­den­tiell abnehmend 
Kon­go — Zaire

Vorbe­merkung
Knapp 55 Mil­lio­nen Ein­wohn­er hat das “Herz Afrikas”. Mit seinen Coltan, Edel­stein, Erdöl, Gold, Kobalt und Kupfer­vorkom­men kann es zu den poten­tiell reich­sten Staat­en der Erde gerech­net wer­den. Die Land­wirtschaft mit tro­pis­chen Frücht­en, Öko­touris­mus in den unberührtesten Urwäldern der Erde — all das wäre möglich, und den­noch: mit einem Pro-Kopf-Einkom­men von jährlich 123 $ zählt das Land zum Kernbe­stand des glob­alen Armen­haus­es. “Der Kon­go .… ist ein Lehrbeispiel für all das, was in Afri­ka schief gelaufen ist (und immer noch schiefläuft): Muster für die bru­tale, rück­sicht­slose Aus­beu­tung durch Kolo­nial­her­ren; für die Selb­s­ther­rlichkeit und Selb­st­bere­icherungs­men­tal­ität heimis­ch­er Eliten; für skurpel­lose in- und aus­ländis­che Geschäftemach­er und Poli­tik­er, die blutige Kriege in Kauf nehmen oder sog­ar anheizten. Und lei­der nun Muster auch für die Inkom­pe­tenz führen­der Poli­tik­er der heuti­gen Gen­er­a­tion.” (SPIEGEL spe­cial, Nr. 2/2007 “Afri­ka”).  Die von den europäis­chen Kolo­nialmächt­en willkür­lich gezo­ge­nen Gren­zen in Afri­ka zer­schnei­den die Sied­lungs­ge­bi­ete der afrikanis­chen Völk­er.
Während sich Bel­gien das Gebi­et des ehe­ma­li­gen „Bel­gisch-Kon­go“ (Zaire) als Kolonie aneignete, sicherte sich Deutsch­land in Deutsch-Ostafri­ka ein entsprechen­des Ein­flussge­bi­et Das sein­erzeit dur­chaus pop­uläre Lied „Heia Safari“ („wie oft sind wir geschrit­ten auf schmalen Negerp­faden“) zeugt dur­chaus von kolo­nialer Begeis­terung der Deutschen, die erst als Ergeb­nis des 1. Weltkrieges das im Ansatz befind­liche Kolo­nial­re­ich ver­loren.
Die nachkolo­nialen Staat­en müssen damit leben, dass die Stammes­i­den­tität mit den staatlichen Gren­zen nicht übere­in­stimmt. Es gibt kein „Staats­be­wusst­sein“ und vielfach auch kein Staatsvolk, das die absolute Mehrheit der Bevölkerung bilden würde.
Ganz im Gegen­teil – die Grenzziehun­gen zer­schnei­den ein­er­seits gewach­sene kul­turelle und ver­wandtschaftliche Regio­nen, und ket­ten ander­er­seits Gebi­ete, die sich von ihrer Lebens­führung und ihrem Wertver­ständ­nis her mit tief­stem Mis­strauen gegenüber­ste­hen, in ein kün­stlich­es Staats­ge­bilde zusam­men.
Ekla­tant sind die daraus entste­hen­den Kon­flik­te im Sudan und Nige­ria ersichtlich, wo sich (ara­bisch-) islamis­che Wertvorstel­lung ein­er­seits und die far­bige christliche Bevölkerung ander­er­seits gegenüber­ste­hen.
Diese ohne­hin bere­its brisante Mis­chung wird durch reiche Rohstof­fvorkom­men hochex­plo­sive. Am Albert-See, der im Osten die Gren­ze zwis­chen Ituri (Kon­go) und Ugan­da bildet, gibt es Ölfelder. Und dann sind da noch die Erzvorkom­men, die sich durch das ganze Land ziehen. Das Land ver­fügt über Gold, Dia­man­ten, Kupfer, Kobalt und Edel­holz. Das Pro-Kopf-Einkom­men der Kon­gole­sen beträgt trotz­dem lediglich 80 Euro im Jahr.
Der Sezes­sion­skrieg in Biafra (christlich­er Süden gegen islamis­chen Nor­den, Erdöl­re­ich­tum) – aber auch die seit Jahren andauern­den Bürg­erkriege ent­lang des ostafrikanis­chen Graben­bruchs (Ugan­da, Burun­di, Ruan­da, Zaire) wer­den durch diese Gemen­ge­lage gespeist.

Eth­nis­che Entwick­lung:
Die Gräuel im Osten der Demokratis­chen Repub­lik Kon­go – vor­mals Zaire – scheinen die Fort­set­zung eines sehr viel älteren Kon­flik­tes in den östlichen Nach­barstaat­en, Ruan­da und Burun­di zu sein.

  (Ba)Hutu Tut­si (Watus­si)
Kul­turelle Abgren­zung Bauern Viehhirten und Nomaden
Ver­wandte Völk­er - Banya­mu­lenge
Ver­bün­dete Völk­er Lendu (Bauern) Hema (Nomaden)
Ver­bün­dete Staat­en Ugan­da Ruan­da

Zaire Diese Aufzäh­lung zeigt, dass sich hin­ter dem Krieg um Rohstoffe auch mas­sive eth­nis­che Kon­flik­te ver­ber­gen.
Die bäuer­lichen Ban­tu-Völk­er ste­hen im Kon­flikt mit den Hami­tisch- Nilo­tis­chen Hirten­völk­ern, die erst recht spät aus dem oberen Nil­tal in die weit­en Step­pen­sa­van­nen Ostafrikas einge­wan­dert sind.
Es han­delt sich also um einen seit Jahrtausenden beste­hen­den Kul­turkon­flikt, den schon die Bibel in der alttes­ta­mentlichen Geschichte von „Kain und Abel“ auf­scheinen lässt.
Jahrtausende alt – das sind auch die Wurzeln der Hirten­völk­er, die nicht nur mit ihren sprach­lichen Wurzeln son­dern auch mit dem Watus­si-Rind – das durch seine großen, weit aus­laden­den Hörn­er äußerst markant wirkt – Verbindun­gen zum vor­dy­nas­tis­chen Ägypten – ja sog­ar zum antiken Stierkult des Mit­telmeer­raumes (Europa und der Sti­er, Minois­che Kul­tur) erah­nen lassen.

Als die ehe­ma­lige bel­gis­che Kolo­nial­macht 1960 den Kon­go in die Unab­hängigkeit entließ war — im Gegen­satz etwa zu Südafri­ka — kaum eine wis­senschaftlich gebildete ein­heimis­che Elite zur Führung des Lan­des vorhan­den. Bere­its nach kurz­er Zeit über­nahm der Dik­ta­tor Mobu­tu das Land, um es über mehrere Jahrzehnte hin wie eine Süd­frucht ausz­quetschen.

Obwohl der Kon­go ganz Afri­ka ernähren und mit Strom und Rohstof­fen ver­sor­gen kön­nte — ein Kuchen lässt sich nur ein­mal verteilen. Die hem­mungslose Bere­icherung Mobu­tus führte daher gle­ichzeit­ig zur Ver­ar­mung immer größer Teile der Bevölkerung. Zunehmendes Elend radik­laisiert die Betrof­fe­nen, die bald bere­it sind, sich mit Gewalt das eigene Über­leben zu sich­ern.

Wenn dann noch eth­nis­che Kon­flik­te über die “kün­stlichen Gren­zen” schwap­pen, ist der Aus­lös­er für den Zer­fall eines ohne­hin zunehmend ruinöseren Staatswe­sens gefun­den. So war dies auch im Kon­go, dem von Mobute “Zaire” genan­nten, eigentlich reichen Staat im Herzen des Kon­ti­nents.