Haiti

Die Erd­bebenkatas­tro­phe vom 12. Jan­u­ar und die begonnene inter­na­tionale Hil­fe dominieren weltweit die Nachricht­en dieser Tage.

Marineforum - Foto: US Navy
Bildquelle: US Navy

Wie schon vor fünf Jahren beim südostasi­atis­chen Tsuna­mi, wird das Haupt­prob­lem sein, die Hil­fs­bedürfti­gen zu erre­ichen. Flug­plätze in der Nähe der am meis­ten betrof­fe­nen Gebi­ete sind entwed­er nur eingeschränkt nutzbar, oder ver­fü­gen nur über begren­zte Umschlagka­paz­itäten. So erweist sich auch der Haupt­stadt­flughafen vor­erst als Nadelöhr. Hil­fe trifft zwar ein, erre­icht aber zunächst nur einen gerin­gen Teil der Not lei­den­den Men­schen. Große Teile der Infra­struk­tur sind zer­stört, Straßen oft block­iert.

Obwohl sich die inter­na­tionale Hil­fe in den ersten Tagen auf Luft­trans­port konzen­tri­ert (kri­tis­ch­er Fak­tor: Schnel­ligkeit zu Ret­tung und medi­zinis­ch­er Notver­sorgung), wer­den in den kom­menden Tagen — und Wochen — allein schon wegen der benötigten riesi­gen Men­gen an Mate­r­i­al Hil­f­s­liefer­un­gen über See zunehmend gefragt sein, auch wenn Schiffe zur Ver­legung ins Katas­tro­phenge­bi­et mit weni­gen Aus­nah­men mehrere Tage benöti­gen. Die ange­laufe­nen Maß­nah­men bele­gen dies denn auch, wobei das Gros der Hil­fe von See aus den USA kommt. Bere­its am 14. Jan­u­ar trafen vier Schiffe der US Coast Guard sowie der Zer­stör­er HIGGINS vor Port-au-Prince ein und sind seit­dem (u.a. mit Bor­d­hub­schraubern) in erste Maß­nah­men einge­bun­den. Am gle­ichen Tag wur­den auch US Navy Seefer­naufk­lär­er P‑3C Ori­on einge­set­zt, um ein genaues Lage­bild zu erstellen und mögliche Pri­or­itäten bei der Hil­feleis­tung zu ermit­teln.

Nur wenige Stun­den nach dem Beben wurde der Flugzeugträger CARL VINSON, der am Vortag zur Ver­legung nach San Diego (um Südameri­ka) aus Nor­folk aus­ge­laufen war, nach Haiti befohlen. Vor May­port nah­men der Träger der NIMITZ-Klasse und der ihn beglei­t­ende Kreuzer NORMANDY zahlre­iche zusät­zliche Hub­schrauber an Bord. Die CARL VINSON traf am 15. Jan­u­ar vor Haiti ein und soll hier nun als schwim­mender Flug­platz zen­trale Funk­tio­nen in der Verteilung von Hil­f­s­gütern (Hub­schrauber) übernehmen. Erste Hil­fs­flüge starteten unmit­tel­bar nach dem Ein­tr­e­f­fen. Am 14. Jan­u­ar hat überdies eine Staffel von US Navy Trans­port­flugzeu­gen C‑2A Grey­hound ins nur 140sm von Haiti ent­fer­nte Guan­tanamo Bay (Kuba) ver­legt. Die träger­tauglichen Flugzeuge sollen von dort in kon­tinuier­lichem Shut­tle-Verkehr Hil­f­s­güter auf die CARL VINSON fliegen, wo Hub­schrauber dann den Weit­er­trans­port zu den Hil­fs­bedürfti­gen übernehmen.

Marineforum - Greyhound-Staffel vor der Verlegung (Foto: US Navy)
Grey­hound-Staffel vor der Ver­legung
Bildquelle: US Navy
Marineforum - CARTER HALL (Foto: US Navy)Navy
CARTER HALL
Bildquelle: US Navy

Hafe­nan­la­gen in der Haupt­stadt Port-au-Prince (und ver­mut­lich auch anderen Küsten­städten) sind großteils zer­stört. Die US Navy hat das Bergeschiff GRASP mit Tauch­ern und Spezialper­son­al entsandt, um Schä­den zu prüfen und wo möglich zu repari­eren. Bis zur (not­dürfti­gen) Wieder­her­stel­lung von Hafe­nan­la­gen wird eine wesentliche Rolle größeren amphibis­chen Schif­f­en zukom­men, die nicht zwin­gend auf eine funk­tion­ierende Hafen­in­fra­struk­tur angewiesen sind, und die mit Hub­schraubern und mit­ge­führten Lan­dungs­booten auch entle­gene, abgeschnit­tene Orte an und hin­ter der Küste erre­ichen kön­nen.

In der Lit­tle Creek Amphibi­ous Base bei Nor­folk wurde denn auch noch am Tag des Bebens eine amphibis­che Ein­satz­gruppe mit dem amphibis­chen Träger BATAAN und den Dock­lan­dungss­chif­f­en FORT MC HENRY und CARTER HALL in Sofort­bere­itschaft befohlen. Nach Anbor­d­nahme von Hil­f­s­gütern und schw­er­er Bergeaus­rüs­tung sowie Ein­schif­fung von 2.200 Marine­in­fan­ter­is­ten bin­nen weniger als 24 Stun­den lief der Ver­band am Abend des 14. Jan­u­ar in Rich­tung Haiti aus. Ihm fol­gte am 15. Jan­u­ar noch ein drittes Dock­lan­dungss­chiff. Die GUNSTON HALL sollte eigentlich nach West­afri­ka ver­legen, wurde aber kurz­er­hand umdi­rigiert. Nach Haiti befohlen wur­den auch die bei­den Fre­gat­ten UNDERWOOD und JOHN L. HALL.

Schließlich wurde auch das in Bal­ti­more sta­tion­ierte Hos­pi­talschiff COMFORT angewiesen, sich auf einen Ein­satz in Haiti vorzu­bere­it­en. Nach Ein­schif­fung von mehr als 500 Ärzten und medi­zinis­chem Per­son­al ist das riesige Schiff am 16. Jan­u­ar aus­ge­laufen; es soll spätestens am 21. Jan­u­ar vor Port-au-Prince ein­tr­e­f­fen. Das Schiff sei auf einen „län­geren Ein­satz“ vor­bere­it­et.

Auch andere Staat­en haben inzwis­chen Seestre­itkräfte in Marsch geset­zt. Im kanadis­chen Hal­i­fax macht­en sich am 14. Jan­u­ar nach Beladung mit Hil­f­s­gütern die Fre­gat­te HALIFAX und der Zer­stör­er ATHABASCAN auf den Weg nach Haiti, wo sie am 18./19. Jan­u­ar ein­tr­e­f­fen sollen. Die franzö­sis­che Marine entsendet ihr in Mar­tinique sta­tion­iertes Lan­dungss­chiff FRANCIS GARNIER und ver­legt auch das in den let­zten Monat­en vor der west­afrikanis­chen Küste einge­set­zte Dock­lan­dungss­chiff SIROCCO über den Atlantik.

Marineforum - französisches Landungsschiff FRANCIS GARNIER (Foto: franz. Marine)
Franzö­sis­ches Lan­dungss­chiff FRANCIS GARNIER
Bildquelle: franz. Marine

Die nieder­ländis­che Marine ver­legt von Cura­cao ein mit Hil­f­s­gütern beladenes Unter­stützungss­chiff; die PELICAAN (an Bord u.a. auch 40 Marine­in­fan­ter­is­ten) soll am Abend des 17. Jan­u­ar vor Port-au-Prince ein­tr­e­f­fen. Die brasil­ian­is­che Marine will in den näch­sten Tagen ein mit Wasser­auf­bere­itungsan­la­gen beladenes Schiff in Marsch set­zen. Jamai­ka hat mit einem Küstenwach­boot etwa 150 Mann Hil­f­sper­son­al (Ärzte, Pio­niere, Logis­tik­er) nach Haiti gebracht. Venezue­las Präsi­dent Chavez hat seine Marine angewiesen, mit zwei Schif­f­en eine „See­brücke“ nach Haiti zu etablieren. Die indone­sis­che Marine erwägt die Entsendung eines ihrer neueren Hos­pi­talschiffe – nicht zulet­zt auch als Dankgeste für die inter­na­tionale Hil­fe nach dem Tsuna­mi vor fünf Jahren.

Weit­ere regionale und inter­na­tionale Mari­nen wer­den sich den Maß­nah­men in den kom­menden Tagen anschließen, denn schon jet­zt scheint unmissver­ständlich klar, dass nicht nur kurzfristige, einige wenige Tage dauernde Hil­fe gefragt ist.

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