MarineForum Wochenschau vom 26. April 2017

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt vor­rangig von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors und von den Bürg­erkriegen in Syrien und Jemen bestimmt.

Natür­lich gibt es daneben aber immer wieder auch Mel­dun­gen zu anderen mar­titi­men Ereignis­sen und Entwick­lun­gen in der Region.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.
Marineforum

Vom 2.–18. Mai war das US Cen­tral Command/5th Fleet Aus­richter der Übung „IMX 2017“. An der zweit­eili­gen Übung in Man­a­ma (Bahrain) nah­men Vertreter von 20 Mari­nen und zivilen Öl-/Schiff­fahrts­ge­sellschaften teil. Ein­er ein­führen­den Phase mit Aus­bil­dung (aca­d­e­m­ic train­ing) zu diversen Bedro­hun­gen (Minen, Flugkör­p­er) fol­gte eine prak­tis­che Phase mit ver­schiede­nen com­put­er-simulierten Szenar­ios, die sich an „realen Ereignis­sen im Oper­a­tions­ge­bi­et der 5. US Flotte“ ori­en­tierten. Aktiv­itäten in See gab es bei „IMX 2017“ aber offen­bar nicht.

In ein­er aktuellen Oper­a­tion haben britis­che Spe­cial Forces (Spe­cial Boat Ser­vice, Roy­al Navy com­man­dos) damit begonnen, in Häfen des Mit­tleren Ostens / der Gol­fre­gion in verdeck­ten Ein­sätzen die Unter­wasser­rümpfe aller für Fahrten nach Großbri­tan­nien bes­timmten Flüs­sig­gas­tanker zu inspizieren. Geheim­di­en­ste sollen Infor­ma­tio­nen erhal­ten haben, dass islamistis­che Ter­ror­is­ten an solchen Schif­f­en Sprengladun­gen anbrin­gen wollen, die dann nach Ein­tr­e­f­fen in einem britis­chen Hafen zur Explo­sion gebracht wer­den sollen.

Der amphibis­che Träger „Bataan“ der US Navy operiert weit­er­hin in Gewässern um die Ara­bis­che Hal­binsel außer­halb des Per­sis­chen Golfes. In der ersten Mai­hälfte nahm er im nördlichen Roten Meer bzw. dem Golf von Aqa­ba an der jährlichen bilat­eralen Übung „Eager Lion“ mit den Stre­itkräften Jor­daniens teil.

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien und Irak bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Noch immer bes­tim­men divergierende Eigen­in­ter­essen zahlre­ich­er Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten die Entwicklung.

Im syrischen Bürg­erkrieg erk­lärte „Sicher­heit­szo­nen“ (s.u.) wer­den von Rus­s­land auch als Flugver­bot­szo­nen ver­standen. Die USA ignori­eren dies, wollen ihre Kampf­flugzeuge auch weit­er­hin „über­all dort ein­set­zen, wo islamistis­che Ter­ror­is­ten zu bekämpfen sind“.

SYRIENIRAK: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Boden­trup­pen oder kur­dis­ch­er Milizen — aktuell vor allem bei der seit Monat­en dauern­den und noch immer nicht abgeschlosse­nen Offen­sive zur Rücker­oberung von Mosul. Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge und von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge und Drohnen der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ hat bei seinem Ein­satz im Per­sis­chen Golf Anfang/Mitte Mai eine ein­wöchige Pause ein­legt. In Dubai (Vere­inigte Ara­bis­che Emi­rate) wur­den notwendi­ge Wartungsar­beit­en durchge­führt, Ver­brauchs­güter nachver­sorgt, und die die Besatzung kon­nte sich erholen. Seit dem 17. Mai ist der Flugzeugträger wieder in See und set­zt nun erneut seine Kampf­flugzeuge aus dem nord­west­lichen Per­sis­chen Golf her­aus gegen IS-Ziele in Irak und Syrien ein.

SYRIEN: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land macht weit­er­hin keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen; alle gel­ten gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten”. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Stre­itkräfte ger­ade auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist im Rah­men ihrer nationalen Kur­den­poli­tik neben dem Kampf gegen IS vor allem bemüht, auf Autonomie set­zende syrische Kur­den (auch von den USA unter­stützte Milizen) zu „neu­tral­isieren“ und möglichst weit nach Osten bis in den Irak abzudrängen.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

In den von Rus­s­land, Iran, Türkei und Syrien gemein­sam erk­lärten vier „De-Eskala­tion­szo­nen“ wer­den nur einige wenige Zwis­chen­fälle gemeldet, vor allem dort, wo islamistis­che Ter­ror­is­ten noch nicht gän­zlich ver­trieben wer­den kon­nten. Die vier Zonen liegen in west­lichen Lan­desteilen (z.B. um Damaskus und Latakia), wo syrische Regierungstrup­pen mit Unter­stützung Rus­s­lands, des Iran und der libane­sis­chen His­bol­lah in den let­zten Monat­en weit­ge­hend die Ober­hand gewon­nen haben. Ander­norts gehen die Kämpfe weiter.

Rus­s­land bew­ertet die Ein­rich­tung der „De-Eskala­tion­szo­nen“ als vollen Erfolg. Sie seien defin­i­tiv Basis für ein „Ende des Bürg­erkrieges“ und böten die Chance, sich mehr auf die Bekämp­fung islamistis­ch­er Ter­rormilizen fokussieren zu kön­nen (die von allen Feuer­pausen ausgenom­men bleiben). Bei ein­er im Juni in Astana (Kasach­stan) geplanten neuen Gespräch­srunde soll auf diesem „Erfolg“ aufge­baut wer­den; man strebe einen umfassenden Waf­fen­still­stand an.

Mar­itime Aspekte

Im östlichen Mit­telmeer operiert weit­er­hin das von der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte geführte Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Zum Ver­band gehören zurzeit neben eini­gen Hil­f­ss­chif­f­en als Kampfein­heit­en der neu zuver­legte Zer­stör­er „Smetliviy“, die Fre­gat­ten „Admi­ral Grig­orovich“ und „Admi­ral Essen“ sowie der Minen­such­er „Valentin Pikul“. Die „Smetliviy“ passierte — mit der für den alten Zer­stör­er der KASHIN-Klasse typ­is­chen, kräfti­gen Rauchen­twick­lung — am 22. Mai den Bosporus in Rich­tung Mittelmeer.

Die „Admi­ral Grig­orovich“ soll dem Ver­band „bis zum Som­mer“ zugeteilt bleiben; Schwest­er­schiff „Admi­ral Essen“, auf Über­führungs­fahrt aus der Ost­see zur Schwarzmeer­flotte, dürfte dage­gen nur vorüberge­hend zur Med­Sqn gehören. Ver­mut­lich wird die Fre­gat­te nach Abschluss von in diesen Tagen stat­tfind­en­den Übun­gen (s.u.) ihren Marsch in Rich­tung Schwarzmeer fortsetzen.

Das eben­falls auf der Über­führung aus der Ost­see ins Schwarzmeer befind­liche, vierte für die rus­sis­che Schwarzmeer­flotte bes­timmte U‑Boot KILO-III-Klasse wird zurzeit nicht gemeldet; die „Krasnodar“ dürfte aber das östliche Mit­telmeer erre­icht haben. Der in den let­zten Wochen eben­falls im Mit­telmeer befind­liche Nord­flot­ten­z­er­stör­er „Severo­morsk“ ist dage­gen in Rich­tung Heimat abge­laufen. Er ist schon seit Okto­ber unter­wegs, hat­te damals zusam­men mit dem Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“ ins Mit­telmeer ver­legt, dann Afri­ka umrun­det und war danach über­raschend noch ein­mal ins Mit­telmeer ein­ge­laufen. Am 22. Mai passierte der Zer­stör­er die Straße von Gibral­tar mit Kurs auf den Nordatlantik.

Meist ste­hen die Ein­heit­en der Med­Sqn nur untätig vor der syrischen Küste in See. In diesen Tagen führen sie aber eine größere, vom Stel­lvertre­tenden Befehlshaber der Schwarzmeer­flotte, VAdm Valery Kulikov, geleit­ete Übung durch. In ein­er ersten Phase stand am 23. Mai Ver­bandssicherung auf der Agen­da. Zer­stör­er „Smetliviy“ und die bei­den Fre­gat­ten begleit­eten einen amphibis­chen Ver­band mit drei Lan­dungss­chif­f­en. Bei diesen han­delte es sich wahrschein­lich um die zur Schwarzmeer­flotte gehören­den „Niko­laj Filchenkov“, „Azov“ und „Tsesar Kunikov“, die in den let­zten Tagen den Bosporus in Rich­tung Mit­telmeer passiert hat­ten. Alle drei dürften mit mil­itärisch­er Fracht auf dem Weg nach Syrien sein („Syr­i­an Express“, s.u.) und ihre Fahrt für die Übung kurz unter­brochen haben. Im Rah­men ihres Schutzes übten die Kampf­schiffe U‑Jagd (mit dem o.a. U‑Boot „Krasnodar“ als Ziel?) und Flugabwehr.

rus­sis­ches Warnge­bi­et 24.–27. Mai­Seit dem 24. Mai (und noch bis zum 27. Mai) hat Rus­s­land im östlichen Mit­telmeer ein größeres Warnge­bi­et „für ein FK-Schießen“ erk­lärt. Aktiv­itäten wur­den bish­er nicht gemeldet, aber ein Schießen kön­nte auch erst als Höhep­unkt am Abschluss der begonnenen Übung ste­hen. Anlage und Aus­dehnung (120sm) des Gebi­etes kön­nten auf ein geplantes Seeziel-FK-Schießen aus der südöstlichen Ecke in nord­west­liche Rich­tung deuten, aber natür­lich ist auch Flu­gab­wehr-FK-Schießen (oder bei­des) möglich. Rus­s­land hat übri­gens im Mit­telmeer schon mehrfach Warnge­bi­ete erk­lärt, in denen es dann über­haupt keine Aktiv­itäten gab.

Ungewöhn­lich ist die Lage des nun erk­lärten Gebi­etes südlich von Kre­ta, vor der Küste Ostlibyens (frühere Warnge­bi­ete fan­den sich zwis­chen Zypern und Syrien). Schon mehrfach hat Rus­s­land den Wun­sch zu engeren Kon­tak­te zum ostlibyschen (Tobruk) Machthaber Feld­marschall Haf­tar erken­nen lassen. Erst im Jan­u­ar hat­te sog­ar der Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“ einen Abstech­er vor die ostlibysche Küste gemacht, um diesen vor Tobruk an Bord zu begrüßen.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub für die dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen an. Jede Woche passieren mehrere Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch dazu ver­legte Ein­heit­en der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei und Deutsch­land gekaufte und teils als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nord­laufend. Trans­portiert wird zurzeit vor allem Bau­ma­te­r­i­al für die begonnenen Arbeit­en zur Erweiterung der rus­sis­chen logis­tis­chen Basis in Tar­tus (Syrien). Dafür wer­den inzwis­chen ver­mehrt auch nicht unter rus­sis­ch­er Flagge fahrende zivile Frachtschiffe gechartert.

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AUSTRALIEN

Bei­de Hub­schrauberträger der aus­tralis­chen Marine sind zurzeit nicht einsatzklar.

Schon Ende März ließen Medi­en­berichte aufhorchen, als keines der bei­den Schiffe aus Syd­ney aus­laufen kon­nte, um vor Queens­land nach einem schw­eren tro­pis­chen Wirbel­sturm Nothil­fe zu leis­ten. Immer­hin waren sie ja auch ger­ade für solche Ein­sätze beschafft wor­den. Damals hieß es nur vage, bei der „Can­ber­ra“ habe es während Hub­schrauber-Erprobun­gen in See „ein Prob­lem mit der Antrieb­san­lage“ gegeben. Die Ursachen seien iden­ti­fiziert und man werde sie zügig beseit­i­gen. Bei Schwest­er­schiff „Ade­laide“ sei alles in Ord­nung; man habe aber vor­sicht­shal­ber eine genaue Inspek­tion der betrof­fe­nen Anla­gen angeordnet.

Einen Monat später waren bei­de Schiffe noch immer aus dem Verkehr gezo­gen, aber Medi­en hat­ten inzwis­chen mehr Details erfahren. Dem­nach gab es Prob­leme bei den Hauptele­menten der Antrieb­san­lage, jew­eils zwei um 360 Grad schwenkbaren Pro­pel­ler­gondeln (Azimuth POD) — oft auch als POD beze­ich­net, Grafik: MoDAUSwas allerd­ings keine Abkürzung ist, son­dern aus dem Marken­na­men POD der als „Erfind­er“ gel­tenden finnis­chen Wärt­silä herrührt.

Mit Azimuth POD aus­gerüstete Schiffe benöti­gen in der Regel keine Rud­er, da die Gondeln Antrieb und Manövri­er­an­lage in sich vere­inen. Rich­tungsän­derung erfol­gt durch ihr Schwenken, wobei durch präzis­es Ein­stellen des Pro­peller­strahls bei niedri­gen Schiff­s­geschwindigkeit­en (z.B. Anle­gen) sehr gute Manövri­er­fähigkeit gegeben ist. Zugle­ich kann im Schiff — platzs­parend — auf son­st übliche Antrieb­swellen verzichtet wer­den. Der Antrieb der Pro­peller in den Gondeln erfol­gt elek­trisch, wobei der benötigte Strom bei den aus­tralis­chen Hub­schrauberträgern in ein­er CODAG (Com­bined Diesel and Gas Turbine)-Anlage gener­iert wird.

Medi­en zufolge soll die Ursache der Prob­leme man­gel­hafte Wartung und Ölwech­sel mit nicht zuge­lassen­em Öl gewe­sen sein. Die Marine weist dies strikt zurück; man habe stets pein­lich genau alle Vor­gaben des Her­stellers einge­hal­ten. Man habe allerd­ings im Ölkreis­lauf der „Ade­laide“ Met­all­späne gefun­den, ein Hin­weis auf über­mäßige Abnutzung drehen­der Teile.

Während die „Can­ber­ra“ nach Prü­fung, Instand­set­zung und aus­giebi­gen Tests an der Pier in dieser Woche zu Probe­fahrten in See aus­ge­laufen ist, musste die „Ade­laide“ am 17. Mai in Syd­ney „für unbes­timmte Zeit“ einge­dockt wer­den — sich­er auch ein Hin­weis darauf, dass die Prob­leme nicht bei der Stromerzeu­gung im Schiff­sin­neren, son­dern in den unter dem Heck ange­bracht­en Azimuth PODs zu suchen sind.

Die genauen Ursachen scheinen allerd­ings noch immer ungek­lärt. Marinechef VAdm Tim Bar­rett will in ein­er öffentlichen Erk­lärung einen „grundle­gen­den Design­fehler“ nicht auss­chließen, aber Rüs­tun­smin­is­ter Pyne weist dies strikt zurück: man habe es hier nur mit „Kleinigkeit­en“ zu tun.

Azimuth POD Anla­gen sind beileibe kein tech­nol­o­gis­ches Neu­land. Vor allem bei wirtschaftlich auf absolute Zuver­läs­sigkeit angewiese­nen großen Kreuz­fahrtschif­f­en sind sie heute gang und gäbe, und auch bei der Design­vor­lage für die aus­tralis­chen Hub­schrauberträger, der seit sieben Jahren in Dienst befind­lichen spanis­chen „Juan Car­los I“, scheinen sie prob­lem­los zu funk­tioneren. Bleibt die Frage: was ist bei den aus­tralis­chen Schif­f­en anders? Gibt es bei ihnen von üblichen Azimuth PODs abwe­ichende Besonderheiten?

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CHILE

Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um hat der chilenis­chen Marine genehmigt, die Beschaf­fung von zwei neuen U‑Booten formell auf den Weg zu bringen.

Das Pro­jekt ist nicht neu in der Marine­pla­nung. Schon im ver­gan­genen Jahr hat­te die Marine die tak­tis­chen- und tech­nis­chen Forderun­gen für neue U‑Boote im Detail spez­i­fiziert. Eine Forderung ist oper­a­tive Ein­satzfähigkeit bis spätestens 2025. Tech­nis­che Details, ob z.B. ein außen­luftun­ab­hängiger Antrieb gefordert wird, wur­den noch nicht veröf­fentlicht. Der jet­zt sehr schnell zu erwartende, die inter­na­tionale Auss­chrei­bung ein­läu­tende „Request for Pro­pos­als“ dürfte hier aber schon dem­nächst Auf­schluss geben.

Ganz sich­er wer­den die deutsche tkMS und die franzö­sis­che DCNS Ange­bote abgeben. Frankre­ich hat vor etwas mehr als zehn Jahren (damals in Joint Ven­ture mit der spanis­chen Bazan) bere­its zwei U‑Boote der SCOR­PENE-Klasse nach Chile liefern kön­nen und wird u.a. mit der Möglichkeite ein­er Schaf­fung logis­tis­ch­er Stan­dards punk­ten wollen. U‑Boot-Beziehun­gen zu Deutsch­land reichen noch weit­er zurück, und die geplanten zwei neuen U‑Boote sollen zwei Anfang der 1980er Jahre bei der HDW in Kiel gebaute und allmäh­lich das Ende ihrer Dien­stzeit erre­ichende U‑Boote TYP 209/1400 ersetzen.

Neben diesen bei­den (möglichen) Vor­re­it­ern wer­den sich aber noch andere U‑Boothersteller um den lukra­tiv­en Auf­trag bemühen. Wer let­z­tendlich den Zuschlag erhält, dürfte vor allem auch von der Bere­itschaft abhän­gen, heimis­che chilenis­che Werften und Zulief­er­er am Vorhaben zu beteili­gen; auch andere, mit dem eigentlichen U‑Bootbau nichts zu tun habende „Spin-off“-Angebote kön­nten auss­chlaggebend wer­den. Die Auswahl des Anbi­eters soll spätestens 2020 erfolgen.

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NORDKOREA

Mit immer neuen Pro­voka­tio­nen hält Nord­ko­rea die Span­nun­gen hoch.

Am 21. Mai wurde eine weit­ere Rakete vom nördlich Pyongyang gele­ge­nen Test­gelände Pukchang über eine Dis­tanz von 560km in die Japansee geschossen. Dies­mal soll es der abschließende Testschuss ein­er Mit­tel­streck­en­rakete vom Typ Pukguk­song 2 gewe­sen sein — eine landgestützte Vari­ante eines bei der Marine auch von U‑Booten zu star­tenden bal­lis­tis­chen Flugkör­pers (SLBM). Nach dem erfol­gre­ichen Test soll Dik­ta­tor Kim Jong-un die Serien­pro­duk­tion für die Strate­gis­chen Stre­itkräfte befohlen haben.

Der UN-Sicher­heit­srat verurteilte die Aktion scharf, kon­nte sich aber nicht auf weit­ere Sank­tio­nen ver­ständi­gen. Chi­na schränk­te allerd­ings den zivilen Flugverkehr nach und von Nord­ko­rea weit­er ein. Nord­ko­rea dürfte sich davon kaum beein­druck­en lassen. Sein immer wieder genan­ntes poli­tis­ches Ziel ist die Über­führung des 1953 geschlosse­nen Waf­fen­still­standes in einen bilat­eralen (mit Ausklam­merung Süd­ko­re­as) Friedensver­trag mit den USA, und dies glaubt man am ehesten durch Dro­hun­gen mit Raketen und Atom­waf­fen erre­ichen zu kön­nen. Sich­er spielt aber auch die Beschwörung ein­er möglichst großen mil­itärischen Bedro­hung durch die USA innen­poli­tisch für die Machter­hal­tung des Regimes eine wesentliche Rolle.

So sind denn weit­ere pro­voka­tive Aktio­nen zu erwarten. Dazu kön­nte immer noch auch ein — im April geplanter und offen­bar auf chi­ne­sis­chen Druck abge­sagter — Atom­test gehören. Experten zufolge sind Vor­bere­itun­gen am Atom­test­gelände Pung­gye-ri so weit abgeschlossen, dass er jed­erzeit auch sehr kurzfristig möglich ist.

Während Chi­na weit­er­hin auf ver­stärk­ten poli­tis­chen und wirtschaftlichen Druck auf das Regime in Nord­ko­rea set­zt, schließen die USA unverän­dert auch mil­itärische Optio­nen nicht aus.

Zurzeit operieren zwei US-Flugzeugträger in der Region. Die „Carl Vin­son“ Car­ri­er Strike Group wird seit gut zwei Wochen aber nicht mehr „vor Korea“ in der Japansee, son­dern im West­paz­i­fik (also ver­mut­lich östlich Japans) gemeldet. Der in Yoko­su­ka (Japan) behei­matete und am 16. Mai dort aus­ge­laufene Flugzeugträger „Ronald Rea­gan“ befind­et sich im Rah­men sein­er schon länger geplanten, rou­tinemäßi­gen „West Pacif­ic Patrol 2017“ weit­er­hin in „Gewässern südlich Japans“ (nördliche Philip­pinensee). Vom Pen­ta­gon beim Aus­laufen der „Ronald Rea­gan“ angekündigte „Dual-Car­ri­er Exer­cis­es“ mit der „Carl Vin­son“ haben bish­er offen­bar nicht stattgefunden.

In der Region befind­et sich ver­mut­lich weit­er­hin auch das US-U-Boot “Michi­gan“. Das mod­i­fizierte frühere strate­gis­che U‑Boot der OHIO-Klasse führt anstelle der früheren Atom­raketen mehr als 180 Marschflugkör­p­er Tom­a­hawk mit und kann überdies Kampf­schwim­mer für Kom­man­do­op­er­a­tio­nen einsetzen.

In den kom­menden Tagen pla­nen die US-Stre­itkräfte einen größeren Raketen­ab­wehrtest. Bei „FTG-15“ soll erst­mals über­haupt ein von Kali­fornien zu star­tender, bodengestützter Abwehr-Flugkör­p­er einen über den Paz­i­fik hin­weg US-Ter­ri­to­ri­um anfliegen­den Ziel­d­arstel­lungskör­p­er auf seinem mit­tleren Flug­weg (außer­halb der Atmo­sphäre) abfan­gen. Der prax­is­na­he (“threat-rep­re­sen­ta­tive“) Test soll die Fähigkeit zur effek­tiv­en Bekämp­fung von Interkon­ti­nen­tal­raketen nachweisen.

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RUMÄNIEN

DEUTSCHLAND

Am 23. Mai hat das Segelschulschiff „Mircea“ der rumänis­chen Marine seine diesjährige Kadet­ten-Aus­bil­dungsreise begonnen.

Beson­der­heit bei dieser vier­monati­gen Reise ist die teils gemein­same Durch­führung mit der Deutschen Marine. Zwar nimmt die rumänis­che Marine auf ihren Segelschulschiff­s­reisen schon tra­di­tionell immer auch aus­ländis­che Kadet­ten mit (in diesem Jahr je zwei aus Bul­gar­ien, Chi­na, Griechen­land und Polen), aber erst­mals über­haupt wer­den dies­mal 110 deutsche Kadet­ten ‘Mircea’ (Foto: rum. Marine)und 13 deutsche Aus­bilder auf Teilen der Reise mit an Bord sein. In ein­er kurzfristi­gen bilat­eralen Vere­in­barung springt die „Mircea“ für die deutsche „Gorch Fock“ ein, die wegen unvorherge­se­hen­er und unauf­schieb­bar­er Repara­turen ihre geplante eigene Reise absagen musste.

In auf wenige Wochen verkürzten Aus­bil­dungszyklen wer­den die Deutschen während des zweit­en Teils der Reise in zwei Kontin­gen­ten auf der „Mircea“ eingeschifft: eine erste Gruppe Anfang August von Wil­helmshaven bis Pal­ma de Mal­lor­ca, die zweite Gruppe dann von dort bis zum Wiederein­laufen in Kon­stan­ta. Die deutschen Aus­bilder dürften sich auf dem rumänis­chen Segelschulschiff schnell heimisch fühlen. Die „Mircea“ ist wie die deutsche „Gorch Fock“ eine Dreimast­bark, nur ger­ingfügig klein­er als diese, und wurde eben­falls bei Blohm + Voss in Ham­burg gebaut – allerd­ings schon 1938, ganze 20 Jahre vor der „Gorch Fock“.

Die Reise der „Mircea“ führt über fast 10.000 sm in elf Häfen in Mit­telmeer, Nord­see, Ost­see und am Atlantik. Auf dem Reise­plan ste­hen zunächst Ajac­cio (Korsika/Frankreich), Vigo (Spanien) und Den Helder (Nieder­lande), wo die Teil­nahme am von der nieder­ländis­chen Marine vom 22.–25. Juni organ­isierten Großseglertr­e­f­fen „Sail Den Helder 2017” geplant ist. In der Ost­see wartet dann der zweite Höhep­unkt. Von Halm­stadt (Schwe­den), über Kot­ka (Finn­land) nach Turku (Finn­land) wird die „Dreimast­bark“ eine Teil­strecke des anlässlich des 100. Jahrestages der Unab­hängigheit Finn­lands durchge­führten „The Tall Ships Race 2017” mit­segeln. Nach einem weit­eren Hafenbe­such in Gdin­gen (Polen) führt der Rück­weg dann über Wil­helmshaven, Liss­abon (Por­tu­gal), Pal­ma de Mal­lor­ca (Spanien) und Cha­nia (Griechen­land) zurück nach Konstanta.

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RUSSLAND

Die rus­sis­che Marine gerät bei ihrer mit­tel- und langfristi­gen Pla­nung offen­bar finanziell unter Druck.

Die Vertei­di­gungsaus­gaben der näch­sten Jahre müssen nach zähen Ver­hand­lun­gen mit dem Finanzmin­is­teri­um um gut 15 Prozent zurück­ge­fahren wer­den; zugle­ich belas­ten der Syrienein­satz und Investi­tio­nen in die Infra­struk­tur in der Ark­tis den Haushalt offen­bar weit höher als gedacht — und haben damit Ver­drän­gungsef­fek­te für geplante Rüstungsprojekte.

Bei ein­er unter Leitung von Präsi­dent Putin in Sotschi durchge­führten „Kon­ferenz zur Erfül­lung des Staatlichen Rüs­tung­spro­gramms“ soll beschlossen wor­den sein, „wegen Fehlens notwendi­ger Mit­tel“ mehrere sehr teure Rüs­tung­spro­jek­te aller Teil­stre­itkräfte abzubrechen — darunter die Entwick­lung eines neuen Flugzeugträgers.

2015 hat­te das Krylovsky State Research Cen­ter (KRSC) mit Pro­jekt 23000E SHTORM einen ersten, noch sehr vor­läu­fi­gen Desig­nen­twurf eines etwa 100.000 ts großen Flugzeugträgers vorgestellt, der 80 – 90 Luft­fahrzeu­gen Platz bieten soll. Für Kampf­flugzeuge sind mehrere Start­po­si­tio­nen vorge­se­hen: zwei bis drei führen wie bish­er über eine Bugrampe, zwei weit­ere dann mit Kat­a­pul­ten über ein abgewinkeltes Flugdeck. Das Design sah noch einen kon­ven­tionellen Antrieb vor, der — so die rus­sis­che Marine es denn wün­sche — durch einen Nuk­lear­antrieb erset­zt wer­den könne. Zulet­zt war die Auf­tragserteilung zum Bau für „nach 2025“ angekündigt wor­den. Die nun­mehrige Stre­ichung des Vorhabens wird also erst mit­tel- bis langfristig größere finanzielle Ent­las­tung bringen.

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SAUDI ARABIEN

Zum von US Präsi­dent Trump in Sau­di Ara­bi­en vere­in­barten „100 Mrd. Dol­lar Rüs­tungs­deal“ gehören auch vier Kampf­schiffe ein­er Export-Vari­ante des Lit­toral Com­bat Ships (LCS) der FREE­DOM-Klasse der US Navy.

Die von Lock­heed-Mar­tin zu bauen­den Mul­ti-Mis­sion Sur­face Com­bat­ants (MMSC) wer­den deut­lich stärk­er bewaffnet sein als die LCS der US Navy und wohl auch als Fre­gat­ten klas­si­fiziert. Vorge­se­hen sind landzielfähige Seeziel-FK Har­poon Block-II, Flu­gab­wehr-FK Evolved Sea Spar­row in VLS Mk-41 Senkrecht-Start­sys­te­men, Nah­bere­ichs-Flu­gab­wehrsys­teme SeaR­AM und jew­eils ein 76-mm Geschütz. Das vorge­se­hene Gefechts­führungssys­tem COMBATSS-21 bein­hal­tet zwar einige Kom­po­nen­ten (z.B. das TRS-4D C‑Band Radar) des US Aegis Sys­tems, erre­icht aber nicht dessen Fähigkeiten.

Die Bestel­lung der vier Schiffe kam übri­gens nicht auf Ver­an­las­sung von Präsi­dent Trump zus­tande. Schon 2015 — noch unter Amtsvorgänger Oba­ma — hat­ten US-Außen­min­is­teri­um und dann auch der US Kongress eine dies­bezügliche sau­di-ara­bis­che Expor­tan­frage gebilligt.

Für die sau­di-ara­bis­che Marine sind die vier aus den USA zu erhal­tenden neuen Kampf­schiffe nur Teil ein­er größeren Pla­nung zur umfassenden Erneuerung der im Per­sis­chen Golf sta­tion­ierten Ost­flotte. Zu diesem Sau­di Naval Expan­sion Pro­gram II (SNEP 2) gehören neben den vier MMSC noch sechs Korvet­ten, 20–24 Patrouil­len­fahrzeuge, drei Seefer­naufk­lärungs-Flugzeuge und 30–50 Flug­drohnen. Beim SNEP‑2 sucht Sau­di-Ara­bi­en primär den Kon­takt zu den USA, ist bezüglich der gewün­scht­en Korvet­ten aber offen­bar auch mit der spanis­chen Navan­tia im Gespräch. Bei der zyk­lis­chen Erneuerung der im Roten Meer operieren­den West­flotte (Pro­jekt „Sawari III“) wird weit­er­hin Frankre­ich als Rüs­tungspart­ner bevorzugt.

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USA

Der Haushalt­sen­twurf der US Navy für das Bud­get 2018 (FY18) bleibt noch weit hin­ter den Notwendigkeit­en für den angekündigten Auf­bau ein­er „350-Schiff-Flotte“ zurück.

Mit Finanzierung für nur acht neue Schiffe und 91 Flugzeuge/Hubschrauber liegt der „FY18 Bud­get Request“ teils sog­ar noch unter den Forderun­gen der Vorgänger­regierung unter Präsi­dent Oba­ma. Er weist Mit­tel aus für einen Flugzeugträger der FORD-Klasse, zwei Zer­stör­er der ARLEIGH BURKE-Klasse, zwei U‑Boote der VIR­GINIA-Klasse, ein Lit­toral Com­bat Ship und jew­eils einen Flot­ten­tanker und einen Bergeschlep­per. Daneben find­en sich 91 Flugzeuge/Hubschrauber (Oba­ma forderte noch 99) sowie die Fort­set­zung der Entwick­lung neuer strate­gis­ch­er U‑Boote der COLUMBIA-Klasse.

Ver­wun­derung herrscht vor allem über die geplante Bestel­lung nur eines einzi­gen Lit­toral Com­bat Ship. Die Marine hat­te mehrfach erk­lärt, man müsse in den näch­sten Jahren jew­eils drei dieser Schiffe (min­destens aber je eines der bei­den Klassen) bestellen, um die Bauw­erften Austal USA und Marinette Marine nicht zu zwin­gen, wegen Nich­taus­las­tung Fach­per­son­al abzubauen. Die vollen Kapaz­itäten bei­der Werften wür­den drin­gend für spätere Neubaupro­gramme (u.a. Fre­gat­ten) benötigt.
Update: Die Trump-Regierung hat einen Tag nach Vor­lage des „FY18 Bud­get Request“ der US Navy im Kongress nachträglich ein zweites Lit­toral Com­bat Ship gefordert.

Die US Navy sieht ihre Pri­or­itäten im FY18 weniger in der Bestel­lung von Neubaut­en, son­dern in der Besei­t­i­gung von zunehmend den oper­a­tiv­en Betrieb der Flotte beein­trächti­gen­den Defiziten bei Wartung und Instand­set­zung sowie Abbau von Per­son­alfehl. Mit dem Bud­get FY18 wolle man die Trendwende hin zu erhöhter Ein­satzbere­itschaft schaffen.