Update Piraterie — Stand 14.April 2012

Am 12. April gaben soma­lis­che Pirat­en den in den VAE reg­istri­erten Frachter LEILA frei. Das kleine, alte Küsten-Con­tain­er­schiff war am 16. Feb­ru­ar vor der oman­is­chen Küste ent­führt wor­den. Ob für die nun­mehrige Freilas­sung Lösegeld gezahlt wurde, ist unklar; ange­blich aber wohl höch­stens 150.000 US-Dol­lar. Zunächst sollen die Pirat­en über­haupt kein Lösegeld gefordert, son­dern stattdessen den Behör­den der semi­au­tonomen soma­lis­chen Prov­inz Soma­liland (verge­blich) die Freilas­sung der LEILA im Gegen­zug für die Freilas­sung dort inhaftiert­er Kumpane ange­boten haben.

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LEILA (Foto: EU Nav­For)

Zu zwei in der let­zten Woche an dieser Stelle dargestell­ten Ereignis­sen sind Nachträge notwendig:

  • Wie erst jet­zt bekan­nt gegeben wurde, kamen bei der Befreiung des iranis­chen Mas­sen­gut­frachters EGLANTINE (2. April) durch iranis­che Marinekom­man­dos zwei philip­pinis­che Besatzungsmit­glieder ums Leben. Ein­er der Män­ner war als „men­schlich­es Schutzschild“ bei dem Feuerge­fecht in den Kopf getrof­fen wor­den; der zweite hat­te sich in einem Maschi­nen­raum ver­steckt und war dort an Abgasen erstickt.
  • Bei der Befreiung des chi­ne­sis­chen Frachters XIANGHUAMEN (6. April), eben­falls durch die iranis­che Marine, soll mit Mohamed Garad auch ein­er der promi­nen­testen soma­lis­chen Piraten­führer festgenom­men wor­den sein.

Das regionale Wet­ter ist weit­er­hin per­fekt für die Pirat­en geeignet, aber deren Aktiv­itäten blieben in der abge­laufe­nen Woche weit hin­ter den Befürch­tun­gen zurück. Lediglich am 9. April meldete ein Frachter im Ara­bis­chen Meer, etwa 400 sm östlich von Soco­tra, den Angriff eines Skiffs. Auswe­ich­manöver ver­hin­derten hier eine Kape­rung.

Inter­na­tionale Seestre­itkräfte kon­nten zwei weit­ere Piraten­grup­pen neu­tral­isieren. Am 7. April stieß zunächst die franzö­sis­che Fre­gat­ten ACONIT (EU Nav­For), die im Soma­li­abeck­en auf dem Weg zum Geleit eines Frachters des World Food Pro­gram war, auf ein Mut­ter­boot (Whaler) mit einem Skiff im Schlepp. Board­ingteams set­zte acht mut­maßliche Pirat­en fest, beschlagnahmte Waf­fen und Aus­rüs­tung und versenk­te dann den Whaler. Die acht mut­maßlichen Pirat­en wur­den in die Nähe der soma­lis­chen Küste gebracht und dort mit ihrem Skiff abge­set­zt. Ihnen war kein bere­its began­ge­nes Ver­brechen nachzuweisen.

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ACONIT stoppt Piraten­gruppe (Foto: EU Nav­For)

Am 11. April stoppte das dänis­che Mehrzweckschiff ABSALON (NATO) dicht unter der soma­lis­chen Küste eine iranis­che Fis­ch­er-Dhau. Das kleine Boot war vor einem Monat von soma­lis­chen Pirat­en gekapert und seit­dem (erfol­g­los) als Mut­ter­schiff genutzt wor­den. Als die ABSALON sich näherte, gaben die Ent­führer ohne Wider­stand sofort auf. In einem „com­pli­ant board­ing“ wurde die Dhau befre­it und mit ihren 12 Mann iranisch/pakistanischer Besatzung in Rich­tung Heimat ent­lassen. Die ins­ge­samt 16 Pirat­en wur­den an Bord der ABSALON in Gewahrsam genom­men. Dänis­che Juris­ten prüfen nun Möglichkeit­en ein­er Strafver­fol­gung, aber die Chan­cen dafür dürften ger­ing sein. Erst vor weni­gen Monat­en hat­te die ABSALON in einem fast iden­tis­chen Fall eine andere iranis­che Dhau befre­it, aber nur vier der 21 Pirat­en wur­den nach mehreren Wochen juris­tis­chen Tauziehens schließlich von den Behör­den der Sey­chellen „abgenom­men“. Die anderen 17 mussten unbe­hel­ligt an der soma­lis­chen Küste abge­set­zt wer­den. Ähn­lich­es ste­ht lei­der auch jet­zt zu befürcht­en.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Am 6. April hat sich der rus­sis­che Zer­stör­er VIZEADMIRAL KULAKOV im Nord­flot­ten­stützpunkt bei Mur­man­sk auf den Marsch in Rich­tung Golf von Aden gemacht. Der UDALOY-Zer­stör­er ist nach offiziellen Presseerk­lärun­gen „Führungss­chiff eines Ver­ban­des“, aber zu den beglei­t­en­den Schif­f­en macht die rus­sis­che Marine noch keine Angaben. Üblicher­weise gehören zu ein­er rus­sis­chen Ein­satz­gruppe neben einem Kampf­schiff auch ein Tanker/Versorger und ein Hochsee­bergeschlep­per. Auf dem Weg ans Horn von Afri­ka sind noch Hafenbe­suche in Ceu­ta (Spanien, 16.–18. April), Sou­da Bay, Kre­ta (Griechen­land, 23.–26. April) und Dschid­da (Sau­di Ara­bi­en, 2.–5. Mai) geplant. Die vom Nord­flot­ten­ver­band abzulösende Ein­satz­gruppe der rus­sis­chen Paz­i­fik­flotte (Zer­stör­er ADMIRAL TRIBUTS, Tanker PECHENGA und Bergeschlep­per SORUM MB-37) ist schon vor mehr als zwei Wochen abge­laufen und befind­et sich nach einem Besuch in Ho Chi Minh Stadt (Viet­nam) wenige Tages­reisen vor Wladi­wos­tok.

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MARNE neues Flag­gschiff der EU Nav­For (Foto: Prezelin / Flottes de Com­bat)

Bei der EU Nav­For hat in üblich­er Rota­tion wieder ein­mal die Ver­bands­führung gewech­selt. Der franzö­sis­che KAdm Jean-Bap­tiste Dupuis löste am 7. April den spanis­chen KAdm Jorge Man­so ab, und der franzö­sis­che Ver­sorg­er MARNE erset­zte zugle­ich den spanis­chen Ver­sorg­er PATINO als Flag­gschiff des Ver­ban­des.

Der US-Zer­stör­er PORTER hat sich am 8. April der multi­na­tionalen Ein­satz­gruppe CTF-151 angeschlossen. Das Schiff der ARLEIGH BURKE-Klasse gehört zur in dieser Woche in der Region eingetrof­fe­nen ENTERPRISE Car­ri­er Strike Group (siehe auch unten, IRAN).

Die südafrikanis­che Marine set­zt in der Straße von Mosam­bik ihren Anti-Pira­terie-Ein­satz im Rah­men der nationalen Oper­a­tion „Cop­per“ fort. Einge­set­zt sind derzeit eine Fre­gat­te der VAL­OUR-Klasse (zwis­chen­zeitlich kurz zu Nachver­sorgung abge­laufen) sowie ein Aufk­lärungs­flugzeug C‑47TP Dako­ta der südafrikanis­chen Luft­waffe. Der Ein­satz erfol­gt Im Rah­men bilat­eraler Vere­in­barun­gen mit den regionalen Nach­barstaat­en Mosam­bik und Tansa­nia und beschränkt sich auf die Seege­bi­ete vor deren Küsten, weit südlich von den Oper­a­tions­ge­bi­eten der anderen inter­na­tionalen Seestre­itkräfte.

Die nieder­ländis­che Regierung hat die weit­ere Beteili­gung der Marine an der NATO Anti-Pira­terie Oper­a­tion „Ocean Shield“ gebil­ligt. Von Juni bis August soll die Fre­gat­te EVERTSEN einge­set­zt wer­den, im Sep­tem­ber dann für einige Monate Schwest­er­schiff TROMP, danach dann Dock­lan­dungss­chiff ROTTERDAM. Beim Ein­satz der ROTTERDAM gibt es Speku­la­tio­nen über Mit­führung von Kampfhub­schraubern zur Bekämp­fung von Pira­ten­camps an der Küste. Dazu müsste das Schiff sich allerd­ings wohl der EU Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ anschließen, es sei denn, nach der EU bil­ligt bis dahin auch die NATO die entsprechend ver­schärften Rules of Engage­ment.

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