Russland — Desolater materieller Zustand der Kaspiflotille

Bei ein­er Sitzung des „Mar­iti­men Kol­legiums der rus­sis­chen Regierung“ in Astra­chan wurde ein­mütig der des­o­late materielle Zus­tand der Kaspi­flotille beklagt.
Vizepremier­min­is­ter (und Vor­sitzen­der des Mar­iti­men Kol­legiums) Sergej Ivanov nahm kein Blatt vor den Mund. Die im / am Kaspis­chen Meer sta­tion­ierten Ein­heit­en der rus­sis­chen Marine seien „ver­al­tet und nicht mehr konkur­ren­zfähig“. Das Durch­schnittsalter der ins­ge­samt 148 in der Region reg­istri­erten Schiffe und Boote liege bei 30 Jahren. Zwar hätte sich der Schiff­bau auf Werften am Kaspis­chen Meer in den let­zten drei Jahren vervier­facht, aber gebaut werde vor allem für das Aus­land. Für die rus­sis­che Marine oder den See­gren­zschutz bes­timmte Schiffe und Boote seien auf örtlichen Hellin­gen nicht zu sehen.

Marineforum - TATARSTAN (Foto: russ. Marine)
TATARSTAN
Bildquelle: russ. Marine
Marineforum - ASTRAKHAN (Foto: Almaz)
ASTRAKHAN
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Marineforum - DJUGON (Modell) (Foto: china-defense.com)
DJUGON (Mod­ell)
Bildquelle: china-defense.com

Mari­neober­be­fehlshaber Admi­ral Vysot­sky bestätigte die Aus­sagen des Min­is­ters und ver­sprach zugle­ich Abhil­fe.

Bis 2020 soll die Kaspi­flotille 16 neue Kampfein­heit­en in Dienst stellen. Noch in diesem Jahr wür­den mit der Fre­gat­te TATARSTAN und der Korvette VOLGODONSK zwei mod­erne mit Seeziel-FK aus­gerüstete Kampf­schiffe sowie drei Lan­dungs­fahrzeuge zulaufen. Geplant sei darüber hin­aus die Auf­stel­lung neuer Küsten­raketen­bat­te­rien und Fliegergrup­pen. Infra­struk­tu­rar­beit­en sähen überdies den Aus­bau der Pier­an­la­gen in Machatschkala vor, wo neben Astra­chan ein zweites Geschwad­er seinen Heimath­afen find­en soll. Natür­lich wür­den auch regionale Werften und Betriebe in die Vorhaben ein­be­zo­gen.

Die Fre­gat­te TATARSTAN ist das erste Schiff der GEPARD-Klasse (knapp 2.000 ts). Das von Beginn an für die Kaspi­flotille bes­timmte Schiff wurde 2004 nach 12 Jahren Bauzeit (wahrschein­lich man­gel­nde Finanzierung) von der bin­nen­ländis­chen Zelen­odol­sk Werft (auch Gorkiy Werft; in Tatarstan an der Wol­ga) an die rus­sis­che Marine übergeben, ist auch schon seit ger­aumer Zeit im Kaspis­chen Meer, hat dort aber offen­bar bish­er nur Erprobun­gen durchge­führt und soll nun wohl erst in diesem Jahr offiziell in die Kaspi­flotille inte­gri­ert wer­den.

Zelen­odol­sk baut noch ein zweites Schiff der GEPARD-Klasse. Die DAGESTAN wurde bere­its 1992 (!) auf Kiel gelegt, kon­nte aber erst im April dieses Jahres zu Wass­er gelassen wer­den.

Die bei Almaz in St. Peters­burg gebaute VOLGODONSK ist zweites Schiff der BUYAN-Klasse (500 ts; Pro­jekt 21630). Der Stapel­lauf sollte eigentlich Ende April stat­tfind­en, wurde aber wegen Niedrig­wass­er auf der Newa auf Anfang Mai ver­schoben. Typ­boot ASTRAKHAN ist seit 2006 bei der Kaspi­flotille in Dienst. Haupt­waf­fen­sys­tem der offiziell auch als „Artilleri­eschiff“ beze­ich­neten Korvette sind Rohrwaf­fen (100-mm, 30-mm) und 122-mm Raketen­wer­fer; Flugkör­p­er (SA-N-10) find­en sich nur zur Nah­bere­ichs­flu­gab­wehr. Die Aus­sage von Admi­ral Vysot­sky lässt darauf schließen, dass die VOLGODONSK mit Seeziel-FK aus­ges­tat­tet wird. Die VOLGODONSK ste­ht damit im Über­gang zu ein­er mit Seeziel-FK bestück­ten Vari­ante (Pro­jekt 21631) der BUYAN-Klasse, deren Typ­fahrzeug GRAD SVIYAZHK im August 2010 in Zelen­odol­sk auf Kiel gelegt wurde. Die Kaspi­flotille soll fünf solche FK-Korvet­ten erhal­ten.

Bei den angekündigten Lan­dungs­fahrzeu­gen dürfte es sich um Neubaut­en der SER­NA-Klasse (zwei sind bere­its bei der Kaspi­flotille in Dienst) und/oder der neueren DJU­GON-Klasse han­deln. Bei­de kleine, sehr schnelle (für DJUGON wer­den 50 Knoten genan­nt) Lan­dungs­boot­stypen wer­den an der Wol­ga in Nizh­niy Nov­gorod gebaut.

In Koop­er­a­tion mit “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen

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