Arabien – der „fruchtbare Halbmond“ – Jordanien


 

Jordanien Jordan

 

Regierungsform (Government Type):

Parlamentarische Monarchie 

(Constitutional Monarchy)

Karte Jordanien Jordan

Hauptstadt (Capital): `Amman (Amman)
Einwohner (Population): 5,308 Mio. (6,1 Mio. 2007)
Fläche (qkm) (Area (sq.km): 89.342
Wehretat (Defence Budget): 928 Mio. US-$ (2003)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 1.850 US-$

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Daten außer Wehretat dem Fischer Weltalmanach 2005 entnommen

BIP pro Kopf: 5.100,- $ (2007, kaufkraftbereinigt, Quelle: WiWo 22.10.2007)

Wirtschaftswachstum: 6,3 % (2007, Quelle: WiWo 22.10.2007) 

Jordanien – östlich des Jordan gelegen – hat eine Fläche von ca. 92.098 m2 (ohne die palästinensischen Gebiete), und ist etwa dreimal so groß wie Belgien. 87% des Landes sind Wüste; in Jordanien leben 4 Mio. Menschen, in der Hauptstadt Amman 2 Mio.; 3 Mio. Schafe, Pferde und Kühe werden gezüchtet, und 18.000 Kamele
Die Region, die seit nahezu 11.000 Jahren besiedelt ist, brachte einige der großartigsten Kulturen der Menschheit (wie z.B. der Nabatäer – Ruinenstadt Petra) hervor. Jordanien war aber auch immer Randgebiet – des römischen Reiches genauso wie noch vor dem 1. Weltkrieg gemeinsam mit den heute von Israel beherrschten Landstrichen, mit dem Libanon, Syrien und dem Irak ein Bestandteil des osmanischen Reiches.

Die Tragik der arabischen Unabhängigkeitsbestrebungen spiegelt sich in der Geschichte Jordaniens – und die Entwicklung des Jordanischen Staates lässt sich am Besten mit der Geschichte der Hedjaz-Bahn erfahren.
Genauso wie Mesopotamien von der legendären Bagdad-Bahn erschlossen wurde, führte über Aleppo, Damaskus und Amman – der Stadt der Ammoniter und Hauptstadt des heutige Jordanien – die legendäre Hedjaz-Bahn bis Medina. Das Deutsche Kaiserreich – engster Verbündeter der Osmanen – hatte kurz vor dem Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, beide Eisenbahntrassen zu realisieren. Die Hedjaz-Bahn sollte nicht nur Waffen, Truppen und Wirtschaftsgüter, sondern vor allem Pilger schneller und bequemer über mehr als 1.000 Kilometer nach Medina bringen. Muslime aus der ganzen Welt spendeten für diese Bahn, die im Ersten Weltkried durch Edward Lawrence mit seinen Beduinen-Truppen mehrfach attackiert und an vielen Stellen gesprengt wurde. Diese Beduinen, die von den Prinzen der Haschemiten-Dynastie, angeführt wurden, waren bereit, eine „wohlgesinnte“ britische Einflussnahme hinzunehmen, zumal London ihnen ein „unabhängiges“ Arabien versprach – unabhängig vor allem von den Osmanen, wie sich zeigen sollte. Saudi-Arabiens König Ibn Saud hatte in den 20er Jahren die Haschemiten von der arabischen Halbinsel vertrieben und in der Folge das Königreich Saudi-Arabien gegründet. 
Noch während die arabischen Hilfstruppen für die Befreiung des arabischen Gebietes kämpften begannen die europäischen Alliierten, das osmanische Gebiet untereinander aufzuteilen. Die Franzosen wollten ihr „Frankreich des Ostens“ ins Landesinnere hinein ausdehnen und so ein Französisch sprechendes und frankreichfreundliches „Großsyrien“ aufbauen. Das Gebiet zwischen der syrischen Küste und Anatolien sollte der direkten Verwaltung der Franzosen unterstellt werden. Palästina sollte internationales Protektorat (de facto ein französisch-britisches Kondominium), die irakische Provinz Basra und eine palästinische Enklave um Haifa sollten der direkten Verwaltung der Briten unterstellt werden. Die den Haschemiten überlassenen unabhängigen arabischen Staaten wurden in zwei Einfluss- und Schutzzonen geteilt, die nördliche wurde den Franzosen, die südliche den Briten zugewiesen. Die so genannte Sykes-Picot-Linie sollte zudem den Bau einer englischen Eisenbahnlinie von Bagdad nach Haifa ermöglichen. Russen und Italiener hatten vorab ihre Zustimmung zu dieser Vereinbarung geäußert, während die Haschemiten nur sehr verschlüsselt und spärlich über die Verhandlungen informiert wurden. Die Hauptbetroffenen wussten von nichts, als sie nach Paris vor den Obersten Rat der Alliierten geladen wurden, um die Zukunft der von ihnen „befreiten Gebiete“ zu besprechen. Arabische Nationalisten, profranzösische Kräfte aus Syrien wie auch Zionisten (eine libanesische Delegation wurde von den Engländern an der Reise nach Frankreich gehindert) trugen im Februar 1919 ihre Forderungen vor, ohne zu wissen, was in Wirklichkeit gespielt wurde. Die Operationen der Franzosen und Briten in Palästina, Syrien und im Irak mündeten letztlich in einen Krieg, der die einheimische Bevölkerung dem Willen der Mandatsmäche unterwarf. Doch die Ereignisse von 1919/20 sind als Verrat an den selbst formulierten Verpflichtungen in die Geschichte eingegangen und in erster Linie als Verrat am Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die lokalen Eliten büßten ihre eigentliche Rolle ein. Der später erwachende arabische Nationalismus bestritt die Legitimität der Grenzen und propagierte den Einheitsstaat als Allheilmittel gegen alle Übel der Region. So wurden die realen Staaten entlegitimiert und nachhaltig geschwächt. Die Errichtung der nationalen jüdischen Heimstätte hat schließlich die Konflikte in der Region weiter angeheizt. Ein Ende ist auch heute nicht absehbar. Lawrence wird in den arabischen Ländern aber auch heute noch als Innbild des Verrrates gesehen.

Heute endet die Hedjaz-Bahn in der jordanischen Hafenstadt Akaba – und in Jordanien herrscht der letzte Rest der Haschemiten-Dynastie. Die Haschemiten, unter deren tatkräftiger Unterstützung die Hedjaz-Bahn zerstört wurde, sind die Nutznießer der letzten Reste dieser Bahn. Die ehemalige Bahntrasse durch das Arabien der Saudis ist aber immer noch unterbrochen. Rostige Schienen, einsame Bahnhöfe und einsame Züge säumen die Trasse der ehemaligen Pilgerbahn, deren Wiederherstellung immer noch interessant wäre – auch zu den seinerzeit vorgesehenen Zwecken. Die Rivalität zwischen Saudis und Haschemiten verhindert aber jeden Ansatz einer Wiederherstellung des Schienstranges, der Syrien, Jordanien und Saudi Arabien verbinden und wirtschaftlich zusammenführen könnte.

Wirtschaft:
Jordanien ist Gründungsmitglied der G-11 – einer Gruppe von Schwellen und Entwicklungsländern, die sich insbesondere um eine wirtschaftliche Förderung der nationalen Mittelschichten bemühen und damit das gesamte Volkseinkommen erhöhen wollen. Allerdings wird die Wirtschaft des Landes vor vielfältige Probleme gestellt. Waren es zunäcsht palästinensische Flüchtlinge, die das Land der Haschemiten überschwemmten so sind es in letzter Zeit Irakis, die zu hunderttausenden im Nachbarland Schutz und Zuflucht vor dem Bürgerkrieg suchen, der seit der US-Invasion an Euphrat und Tigris ausgebrochen ist. Diese Flüchtline müssen nicht nur Obdach finden – sie brauchen auch entsprechende Erwerbsmöglichkeiten, um nicht das Staatsbudget zu belasten. 

Größtes Problem des Staates ist dabei die Energieknappheit. Jordanien gehört zu den Staaten des Nahen Ostens, die über keine nennenswerten Öl- und Gasvorkommen verfügen und auf Energieimporte angewiesen sind. Aus Ägypten wird Erdgas bezogen.  Allerdings verfügt Jordanien über 3 % der weltweit bekannten Uranvorkommen. Internationale Minenkonzerne sind eingeladen, sich um Abbaulizenzen zu bemühen. Nahezu zeitgleich mit Ägypten hat Jordaniens König Abdullah II im Spätherbst 2007 das Interesse am Bau von Atomkraftwerken bekundet. An seinem kleinen Küstenstreifen zum Roten Meer könnte bei Akaba ein entsprechendes Kraftwerk – zugleich mit einer Meerwasserentsalzungsanlage – entstehen. 

 

Externe Links:
Universität Hamburg:
Kriege, in die Jordanien verwickelt wurde:
Erster Arabisch-Israelischer Krieg (1948-1949) – Dritter Arabisch-Israelischer Krieg („Sechstagekrieg“) (1967) – Jordanien (Schwarzer September) (1970-1971)

Weitere Länderberichte:
Länderlexikon – (www.spiegel.de)  

Der Weltspiegel – Auslandsberichte der ARD:
· Jordanien: Kriegskonjunktur an der irakischen Grenze (BR, 23.03.2003)
· Jordanien: Die Furcht vor der Flucht (WDR, 16.03.2003)
· Jordanien: Tourismus in der Krise (SWR, 02.03.2003)
· Jordanien: Taxi nach Bagdad (SWR, 19.01.2003)
· Jordanien: Ein König zwischen den Fronten (WDR, 30.06.2002)
· Jordanien: Saddam Husseins „5. Kolonne“? (WDR, 31.03.2002)