MarineForum vom 10. Februar 2013

PIRATERIE (Fortschrei­bung)

Im Golf von Aden, im Ara­bis­chen Meer, im Soma­li­abeck­en und auch vor der soma­lis­chen Küste blieb es in der abge­laufe­nen Woche abso­lut ruhig. Nicht ein­mal Sich­tun­gen ver­meintlich­er Pirat­en gab es.

 

Gle­ich mehrere Über­fälle wur­den dage­gen von der anderen Seite des afrikanis­chen Kon­ti­nents, aus dem Golf von Guinea gemeldet. Am 3. Feb­ru­ar kaperten ver­mut­lich nige­ri­an­is­che Pirat­en auf der Reede vor Abid­jan (Elfen­beinküste) den franzö­sis­chen Pro­duk­ten­tanker GASCOGNE. In einem abgele­ge­nen Seit­e­n­arm des Nigerdeltas wurde die Ladung von 3.000 t Dieselkraft­stoff abgepumpt; am 6. Feb­ru­ar wurde das Schiff dann wieder freigegeben. Die 17 Mann Besatzung blieben unbeschadet. Nige­ri­an­is­che Sicher­heit­skräfte erk­lärten, um die Besatzung nicht zu gefährden, habe man ganz bewusst darauf verzichtet, das Schiff zu ver­fol­gen und seinen „Umschlag­platz“ im Nigerdelta zu ermit­teln.

Noch drei weit­ere Zwis­chen­fälle gab es in der Region. Am 4. Feb­ru­ar enterten Pirat­en vor Lagos (Nige­ria) den Chemikalien­tanker PYXIS DELTA, während dieser auf Reede Ladung auf ein anderes Schiff umpumpte. Ein Besatzungsmit­glied (Fil­ipino) wurde bei einem Feuerge­fecht getötet, bevor die Pirat­en sich wieder abset­zten. Einen Tag später kam im Nigerdelta eine Ölschute unter Beschuss; drei Per­so­n­en wur­den getötet.

Schließlich grif­f­en Pirat­en am 6. Feb­ru­ar auf offen­er See, etwa 50 sm vor dem Nigerdelta, den britis­chen Mas­sen­gut­frachter ESTHER C an. Sie enterten das Schiff, nah­men drei der zwölf Mann Besatzung als Geiseln und set­zten sich dann schnell wieder ab. In diesem Fall waren sie offen­bar an Schiff und Ladung in kein­er Weise inter­essiert, son­dern wer­den nun ver­suchen für die Ent­führten (darunter zwei Russen) Lösegeld zu erpressen. Dies ist ein­er der in dieser Region sehr sel­te­nen Über­fälle auf fernab der Küste in Fahrt befind­liche Schiffe. Meist sind Anker­lieger auf Reeden oder vor der Küste Ziel der aus dem Nigerdelta her­aus operieren­den Pirat­en.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Wie angekündigt hat die südafrikanis­che Marine ihre im Sep­tem­ber unter­broch­enen Anti-Pira­terie-Oper­a­tio­nen in der Straße von Mosam­bik und bis vor die tansanis­che Küste wieder aufgenom­men. Am 1. Feb­ru­ar ver­ließ die Fre­gat­te AMATOLA den Heimat­stützpunkt Simon’s Town. Das Schiff steuert zunächst Maputo (Mosam­bik) an, wo Board­ingteams der dor­ti­gen Marine aus­ge­bildet (und anschließend eingeschifft?) wer­den sollen.

Am 4. Feb­ru­ar hat die neue rus­sis­che Ein­satz­gruppe (Nord­flotte) mit Zer­stör­er SEVEROMORSK, Tanker DUBNA und Bergeschlep­per ALTAI den Golf von Aden erre­icht. Schon auf dem Weg dor­thin hat­te der Zer­stör­er mit dem Geleit des rus­sis­chen Eis­brech­ers VITUS BERING durch die Meerenge des Bab el Man­deb einen ersten Ein­satz absolviert. Die seit Dezem­ber am Horn von Afri­ka operierende Ein­satz­gruppe der Paz­i­fik­flotte mit Zer­stör­er MARSHAL SHAPOSHNIKOV ist bere­its aus dem Golf von Aden abge­laufen. Am 7. Feb­ru­ar began­nen die Schiffe einen Hafenbe­such in Port Vic­to­ria (Sey­chellen); am 11. Feb­ru­ar geht es von dort weit­er zu einem Besuch nach Dares­salam (Tansa­nia). Danach dürfte der Ver­band, zum dem noch der Tanker IRKUT und der Bergeschlep­per ALATAU gehören, sich auf die lange Heim­reise machen.

Seit dem 6. Feb­ru­ar hat die franzö­sis­che Marine ihr Off­shore Patrol Ves­sel L’ADROIT in die multi­na­tionale Ein­satz­gruppe CTF-151 inte­gri­ert. Der von DCNS auf eigene Rech­nung gebaute und dann der franzö­sis­chen Marine für drei Jahre zu oper­a­tiv­en Erprobun­gen über­lassene Pro­to­typ eines Schiffes der GOWIND-Fam­i­lie wird auch an der inter­na­tionalen Vertei­di­gungsausstel­lung IDEX / NAVDEX in Abu Dhabi (17.–21. Feb­ru­ar) teil­nehmen.

Die japanis­che Regierung hat am 4. Feb­ru­ar einen Geset­ze­sen­twurf vorgelegt, der japanis­chen Reed­ern das Ein­schif­f­en bewaffneter Sicher­heit­steams aus­ländis­ch­er Fir­men erlaubt. Das Gesetz erlaubt Waf­fenge­brauch auss­chließlich in Form von Warn­schüssen und zur Selb­stvertei­di­gung.

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BELGIEN

Die bel­gis­che Marine hat ihr Vorhaben zur Beschaf­fung von zwei Patrouil­len­fahrzeu­gen auf den Weg gebracht.

Der Erwerb von zwei “Küsten­schutzschif­f­en” ste­ht schon länger auf der Agen­da. Erst­mals wur­den die Fahrzeuge in der bere­its Jahre zurück liegen­den Vertei­di­gungs­pla­nung „Vision 2015“ erwäh­nt – mit Indi­en­st­stel­lung in 2011. Finanzierung­sprob­leme ver­hin­derten dann jedoch die Umset­zung dieser Pla­nung in ein reales Vorhaben. Im Som­mer 2012 gab es aber grünes Licht, und nun sollte es auch sehr schnell gehen. Im Juli 2012 schrieb das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um die Beschaf­fung von zwei 55-m (550ts) Ein­heit­en aus. Die als Bere­itschaftss­chiffe (Ready Duty Ships — RDS) beze­ich­neten Fahrzeuge soll­ten 20 Kn schnell sein und zwei schnelle RHIB-Bei­boote mit­führen kön­nen; die Besatzungsstärke sollte 30 Mann nicht über­steigen.

Nur einen Monat hat­ten inter­essierte Werften Zeit für eine Abgabe von Ange­boten. Fachme­di­en hat­ten die nieder­ländis­che Damen Schelde (Vari­ante der STAN PATROL Fam­i­lie) und die aus­tralis­che Austal (Vari­ante der ARMI­DALE-Klasse) favorisiert, aber der Auf­trag ging nach Frankre­ich. Das Ren­nen machte Socare­nam (Boulogne sur Mer), die am 31. Jan­u­ar Verträge zum Bau der bei­den RDS unterze­ich­nen kon­nte.

Basis­de­sign liefert das von Socare­nam für den franzö­sis­chen Zoll gebaute 43-m Wach­boot KERMOVAN, allerd­ings in ein­er ver­größerten Ver­sion. Die bel­gis­chen RDS wer­den mit 52 m gut neun Meter länger als die franzö­sis­che Vor­lage und ver­drän­gen 448 ts. Mit zwei MTU-Dieseln sind sie 21 Kn schnell. An Bord ist Platz für bis zu 30 Per­so­n­en. Als Bewaffnung wird ein fer­nges­teuertes schw­eres (12,7 mm) Maschi­nengewehr genan­nt. Natür­lich erfüllen die Socare­nam-Boote auch die Forderung zur Mit­führung von zwei schnellen, ver­stärk­ten Schlauch­booten (RHIB).

Schon Anfang 2015 sollen bei­de RDS geliefert sein und dann vom Marinestützpunkt Zee­brügge aus Auf­gaben in der Wirtschaft­szone vor der bel­gis­chen Küste wahrnehmen. Ihr Ein­satzspek­trum reicht dabei von Küsten­vor­feldüberwachung und Unter­stützung des Mar­itime Secu­ri­ty Cen­ter bei der Lage­bilder­stel­lung des zivilen Seev­erkehrs über Umweltschutz und SAR-Dienst im Rah­men des „North Sea Desaster Plan“ bis hin zu polizeilichen Auf­gaben (Bekämp­fung Dro­gen­han­del etc). Die Marine stellt 12 Mann Stammbe­satzung, die bedarf­sweise durch Per­son­al ander­er Behör­den (Polizei, Zoll) ergänzt wer­den.

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IRAN (Fortschrei­bung)

Im Kon­flikt um das (ver­mut­lich mil­itärische) Atom­pro­gramm lässt der Iran nach wie vor kein­er­lei Bere­itschaft zu einem Kom­pro­miss erken­nen. Zwar ist am 26. Feb­ru­ar in Almaty (Kasach­stan) eine neue Gespräch­srunde mit der „Sech­ser­gruppe“ (Ständi­ge UN-Sicher­heit­sratsmit­glieder plus Deutsch­land) geplant, aber kaum jemand erwartet hier Fortschritte. Ein Ange­bot der USA zu „direk­ten bilat­eralen Ver­hand­lun­gen“ lehnte das religiöse Ober­haupt, Aya­tol­lah Ali Khamenei, sofort ab; erst ein­mal müssten sämtliche Sank­tio­nen aufge­hoben wer­den.

USA und Israel bekräfti­gen immer wieder ihre Entschlossen­heit zur „Ver­hin­derung eines nuk­lear bewaffneten Iran“, aber auch wenn derzeit Gerüchte von iranis­ch­er Nuk­lear­fähigkeit „in etwa vier Monat­en“ kur­sieren, spricht noch nichts für eine baldige „Wahrnehmung mil­itärisch­er Optio­nen“. Man wird zunächst weit­er auf die ver­hängten Sank­tio­nen set­zen und hof­fen, dass zunehmende wirtschaftliche Prob­leme und inter­na­tionale Isolierung den Iran allmäh­lich zu einem Ein­lenken bewe­gen.

Eine vom Gallup-Insti­tut im Iran durchge­führte Umfrage macht hier allerd­ings wenig Hoff­nung. Dem­nach sehen zwar 85% der Iran­er ihr Leben durch die Sank­tio­nen beein­trächtigt (56% beträchtlich), aber die Mehrheit (63%) spricht sich trotz­dem für eine Fort­set­zung des Nuk­learpro­gramms aus, und fast die Hälfte sieht die Schuld für die Sank­tio­nen auss­chließlich bei den USA. Nur knapp 10% machen die eigene Staats­führung dafür ver­ant­wortlich. Die Zahlen bele­gen, dass die Sank­tio­nen bish­er nicht geeignet sind, über die Bevölkerung Druck auf die Führung auszuüben.

Die aktuelle mil­itärische Lage bleibt unverän­dert ruhig. Die US Navy hat mit der JOHN C. STENNIS weit­er­hin nur einen einzi­gen Flugzeugträger, sowie mit der PELELIU auch nur eine amphibis­che Ein­satz­gruppe in der Region präsent. Daran soll sich in den kom­menden Monat­en auch nichts ändern. Ver­mut­lich wird die STENNIS nach acht Monat­en Ein­satz in eini­gen Wochen von der dann wieder in die Region zurück kehren­den EISENHOWER abgelöst, aber ein zweit­er Flugzeugträgers wird nicht kom­men. Der geplante Ein­satz der HARRY S. TRUMAN wurde aus finanziellen Grün­den (siehe unten USA) gestrichen. Die Car­ri­er Strike Group sollte sich eigentlich am 8. Feb­ru­ar in Nor­folk auf den Weg machen, bleibt aber nun „in Bere­itschaft“ vor der US Küste.

Der franzö­sis­che Flu­gab­wehrz­er­stör­er CHEVALIER PAUL (HORI­ZON-Klasse) hat sich der JOHN C STENNIS Car­ri­er Strike Group angeschlossen.

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JAPAN

CHINA

Mit zwei Aktio­nen hat die chi­ne­sis­che Marine in den let­zten Wochen den Ter­ri­to­ri­alkon­flikt mit Japan um eine Insel­gruppe im Ostchi­ne­sis­chen Meer deut­lich ver­schärft.

Zankapfel ist ein­mal mehr die Region um die nord­west­lich von Oki­nawa gele­ge­nen Senkaku-Inseln (in Chi­na als Diaoyu-Inseln beze­ich­net). 1895 hat­te Japan diese Inseln zu seinem Hoheits­ge­bi­et erk­lärt. Nach dem 2. Weltkrieg kamen sie vorüberge­hend unter US-Ver­wal­tung, bevor sie dann 1972 wieder unter japanis­che Hoheit gestellt wur­den. Besitzer wurde allerd­ings nicht der japanis­che Staat, son­dern ein pri­vater japanis­ch­er Geschäfts­mann. In den 1970-er Jahren wur­den in der Region Öl- und Gasvorkom­men ent­deckt, und Chi­na sowie auch das etwa 150 km ent­fer­nte Tai­wan erhoben post­wen­dend Anspruch auf die Insel­gruppe.

Aus diesen Ansprüchen her­aus begrün­den sich heute jew­eils ganz indi­vidu­elle, deut­lich voneinan­der abwe­ichende Wirtschafts­gren­zen im Ostchi­ne­sis­chen Meer. Anfang 2004 hat­te Chi­na auf „sein­er Seite“ der Mit­tellinie zwis­chen den japanis­chen und chi­ne­sis­chen 200-Meilen-Zonen mit der Erschließung von Erdgasvorkom­men begonnen; ein Jahr später zog Japan nach. In den let­zten Jahren gaben sich alle Seit­en noch weit­ge­hend beson­nen, macht­en in Einze­lak­tio­nen zwar unmissver­ständlich ihre jew­eili­gen Stand­punk­te klar, ver­mieden aber geflissentlich jede Eskala­tion. Diese Zurück­hal­tung hat Chi­na aufgegeben, nach­dem im Sep­tem­ber 2012 die japanis­che Regierung drei der Inseln von ihrem pri­vat­en Besitzer gekauft und damit de fac­to nation­al­isiert hat.

Zum einen macht Peking seine „his­torisch begrün­de­ten“ Ansprüche nun auch offiziell vor den Vere­in­ten Natio­nen gel­tend, zum anderen aber drin­gen nun immer wieder chi­ne­sis­che Schiffe in die von Japan erk­lärten Ter­ri­to­ri­al­gewäss­er um die Insel­gruppe ein. Bish­er waren dies noch auss­chließlich Schiffe der paramil­itärischen CMS (Chi­na Marine Sur­veil­lance) und des Fis­chereis­chutzes (FLEC). Die reg­uläre Marine hielt sich betont zurück; Chi­na ver­mied offen­bar ganz bewusst noch jede Eskala­tion auf die mil­itärische Ebene.

Chi­ne­sis­che Kampf­schiffe haben aber seit einiger Zeit etwa 100 bis 150 km nord-nord­west­lich der Inseln Posi­tion bezo­gen, wer­den hier ver­mut­lich für kurzfristiges Ein­greifen bere­it­ge­hal­ten. Die japanis­che Marine hat ihrer­seits Ein­heit­en entsandt, die die chi­ne­sis­chen Schiffe aus näch­ster Nähe beschat­ten.

Aus dieser Lage her­aus entwick­el­ten sich im Jan­u­ar zwei Zwis­chen­fälle. Als am 19. Jan­u­ar ein SH-60 Bor­d­hub­schrauber des Zer­stör­ers OONAMI in der Nähe ein­er Fre­gat­te der JIANGKAI-I-Klasse flog, wurde dort ein Waf­fen­leitradar aktiviert und der Hub­schrauber damit anges­trahlt; er drehte sofort ab.

Zunächst mochte man wohl noch von einem isolierten Vor­fall aus­ge­hen, aber als sich am 30. Jan­u­ar der japanis­che Zer­stör­er YUDACHI ein­er nun dort operieren­den chi­ne­sis­chen Fre­gat­te der JIANG­WEI-II-Klasse näherte, wurde auch dieser von einem Waf­fen­leitradar anges­trahlt; die zum Sys­tem gehören­den Rohrwaf­fen blieben allerd­ings ungerichtet.

Das bewusste Richt­en aktiviert­er Waf­fen­lei­tan­la­gen auf ein fremdes Kriegss­chiff wird inter­na­tion­al als direk­te Bedro­hung (unmit­tel­bar vor Beschuss) ver­standen und gilt als schwere Pro­voka­tion. Nicht wenige Mari­nen hät­ten hier sofort mit Feuer­eröff­nung reagiert. Auch die UN Char­ta fordert in Artikel II Absatz 4 alle UN Mit­glieder unmissver­ständlich auf, in ihren inter­na­tionalen Beziehun­gen auf jede Form schon der Andro­hung von Gewalt zu verzicht­en. Dass es hier nicht zu ein­er fol­gen­schw­eren Eskala­tion kam, ist vor­wiegend der Beson­nen­heit der japanis­chen Kom­man­dan­ten zu ver­danken, die wohl sich­er den Bere­itschaft­szu­s­tand an Bord ihrer Schiffe erhöht­en, anson­sten aber auf Abstand gin­gen und die Vor­fälle melde­ten.

Chi­na gab sich nach dem natür­lich fol­gen­den offiziellen Protest aus Tokio völ­lig über­rascht. Man habe keine Ken­nt­nis von den Vor­fällen, ja demen­tiere sie rundweg. Natür­lich ist immer möglich, dass die Kom­man­dan­ten der chi­ne­sis­chen Kriegss­chiffe hier eigen­mächtig han­del­ten, aber immer­hin han­delt es sich um zwei Vor­fälle mit zwei ver­schiede­nen Schif­f­en. Soll­ten die Aktio­nen nicht mit aus­drück­lich­er Bil­li­gung der mil­itärischen oder gar poli­tis­chen Führung erfol­gt sein, lässt dies beden­kliche Rückschlüsse auf entwed­er die Diszi­plin bei der Ein­hal­tung fest­gelegter „Rules of Engage­ment“ oder aber deren nur sehr nach­läs­sige Def­i­n­i­tion zu. Auf jeden Fall hat Chi­na sich ein­mal mehr als ”Bul­ly” präsen­tiert, der zwar bei jed­er Gele­gen­heit ”friedliche Zus­sam­me­nar­beit auf der Basis inter­na­tion­al üblich­er Ver­hal­tensweisen” ein­fordert, bei der Wahrnehmung sein­er eige­nen Inter­essen darauf aber “pfeift”.

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RUSSLAND (Fortschrei­bung)

Nach Abschluss der Übun­gen ver­lassen die beteiligten Ein­heit­en nach und nach das Mit­telmeer.

Schon in der let­zten Woche war der Nord­flot­ten­ver­band mit Zer­stör­er SEVEROMORSK, Tanker DUBNA und Bergeschlep­per ALTAI zu geplanten Anti-Pira­terie-Oper­a­tio­nen in Rich­tung Golf von Aden abge­laufen. Am 4. Feb­ru­ar passierten die Lan­dungss­chiffe AZOV und SARATOV sowie der Flot­ten­tanker IVAN BUBNOV (alle Schwarzmeer­flotte) die türkischen Meeren­gen mit Kurs auf den Heimath­afen Sewastopol. Dort liefen am 5. Feb­ru­ar auch der Zer­stör­er SMETLIVIY und einen Tag später der FK-Kreuzer MOSKVA wieder ein.

Am 7. Feb­ru­ar passierten die bei­den Lan­dungss­chiffe KALININGRAD und ALEXANDER SHABALIN der Baltischen Flotte den Bosporus nord­laufend. Sie sollen in Novorossiysk eingeschiffte Marine­in­fan­ter­is­ten und Fahrzeuge ent­laden. Nach einem kurzen Besuch wer­den sie sich dann wahrschein­lich auf den Rück­weg in die Ost­see machen. Im Mit­telmeer dürften damit nur noch die Fre­gat­te YAROSLAV MUDRIY, der Flot­ten­tanker LENA und ein Bergeschlep­per der Baltischen Flotte operieren. Zwar gibt es zu deren Stan­dort keine Angaben, aber man kann wohl davon aus­ge­hen, dass sie auf die Lan­dungss­chiffe warten, um mit diesen gemein­sam den Rück­marsch nach Baltiysk anzutreten.

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SPANIEN

Am 6. Feb­ru­ar hat die spanis­che Marine ihren Flugzeugträger PRINCIPE DE ASTURIAS offiziell aus dem oper­a­tiv­en Betrieb ver­ab­schiedet.

Kro­n­prinz Felipe, als „Principe de Asturias“ (Prinz von Asturien) Namensge­ber des Flugzeugträgers, war per­sön­lich nach Rota angereist. An Bord hörte er einen Vor­trag zur 25-jähri­gen Geschichte des Schiffes und nahm dann von der Brücke eine Parade von Hub­schrauberträger JUAN CARLOS I und den Fre­gat­ten VICTORIA und SANTA MARIA samt Über­flug von Trägerkampf­flugzeu­gen AV 8 Har­ri­er und Marine­hub­schraubern ver­schieden­er Typen ab.

Danach dank­te der Kro­n­prinz in ein­er kurzen Ansprache den Sol­dat­en der Besatzung für ihren Dienst und wün­schte ihnen viel Glück in neuen Ver­wen­dun­gen. Seine Unter­schrift schloss schließlich den let­zten Ein­trag in das „Ehren-Log­buch“ der PRINCIPE DE ASTURIAS ab. Das frühere Flag­gschiff der spanis­chen Marine wird nun in den kom­menden Tagen nach Fer­rol ver­legen, wo es offiziell außer Dienst gestellt wer­den soll.

Die Aus­musterung des Flugzeugträgers kommt nicht über­raschend. Das 17.000 ts große Schiff ist seit fast 25 Jahren in Dienst. Eine eigentlich schon 2008 geplante Mod­ernisierung liegt seit Jahren als nicht finanzier­bar auf Eis, aber auch für einen Weit­er­be­trieb „unter wirtschaftlichen Gesicht­spunk­ten“ fehlt das Geld. Im März 2012 berichteten spanis­che Medi­en angesichts angekündigter Kürzun­gen der Vertei­di­gungsaus­gaben um bis zu 14 Prozent über eine geplante Ein­mot­tung der PRINCIPE DE ASTURIAS. Inzwis­chen geht man allerd­ings davon aus, dass auch die Ein­mot­tung (Erhal­tung im Reser­ves­ta­tus) finanziell keinen Sinn macht und der Flugzeugträger schon bald ver­schrot­tet wird.

Unverzicht­bar ist die PRINCIPE DE ASTURIAS für die spanis­che Marine nicht, denn Hub­schrauberträger JUAN CARLOS I ist als eben­falls „Seekriegsmit­tel zur Macht­pro­jek­tion“ klas­si­fiziert; auch von ihm kön­nen Senkrecht­starter Har­ri­er einge­set­zt wer­den.

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USA (Fortschrei­bung)

Der am 16. Jan­u­ar havari­erte Hochseem­i­nen­such­er GUARDIAN liegt unverän­dert auf dem philip­pinis­chen Tub­bata­ha Riff.

Für die Bergung (das als Totalver­lust abgeschriebene 1.300-ts Schiff soll vor Ort zer­legt wer­den) hat die in Sin­ga­pur ansäs­sige Smit Sal­vage einen mit ins­ge­samt US$ 25 Mio. dotierten Auf­trag erhal­ten. Zwei Kran­schiffe wur­den dazu von Sin­ga­pur in Marsch geset­zt. Die SMIT BORNEO ist am 4. Feb­ru­ar beim Havaris­ten eingetrof­fen; das zweite Schiff wird um den 15. Feb­ru­ar erwartet.

Während die US Navy hofft, die Bergear­beit­en bis April abzuschließen, geht die philip­pinis­che Küstenwache davon aus, dass die Arbeit­en wet­terbe­d­ingt erst im März begin­nen kön­nten.

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USA

Die Unfähigkeit des US-Kon­gress­es, den Haushalt 2013 zu ver­ab­schieden, wirkt sich nun auch unmit­tel­bar auf die US Navy aus.

Zurzeit operiert die Marine noch auf der Basis des Haushalt 2012, aber wenn die Poli­tik­er sich nicht kurzfristig doch noch eini­gen, treten zum 1. März automa­tis­che Kürzun­gen („Seques­tra­tion“) in Kraft. Um hier nicht „ins offene Mess­er zu laufen“ hat der schei­dende Vertei­di­gungsmin­is­ter Panet­ta in Abstim­mung mit der mil­itärischen Führung bere­its einige Maß­nah­men ver­an­lasst, die u.a. den oper­a­tiv­en Betrieb der US Navy begren­zen.

So wird die derzeit geforderte Präsenz von zwei Flugzeugträger-Ein­satz­grup­pen (CSG – Car­ri­er Strike Group) in der Gol­fre­gion auf eine CSG reduziert. In direk­ter Umset­zung dieser Weisung wurde am 6. Feb­ru­ar die für den 8. Feb­ru­ar geplante Ver­legung der HARRY S. TRUMAN CSG zu einem geplanten Ein­satz in der Gol­fre­gion kurzfristig gestrichen. Der Ver­band soll nun „ein­satzbere­it“ vor der US-Ostküste bleiben. Der Beschluss trifft auch die Deutsche Marine, denn in diesen Ver­band inte­gri­ert ist auch die Fre­gat­te HAMBURG.

Noch ein zweit­er Flugzeugträger ist von der unklaren Finan­zlage betrof­fen. Die ABRAHAM LINCOLN liegt nach ihrem let­zten Ein­satz seit August 2012 im Marinestützpunkt Nor­folk. Für das Schiff war eine vier Jahre dauernde Grundüber­hol­ung mit Neube­fül­lung des Reak­tors (RCOH — Refu­el­ing Com­plex Over­haul) geplant; in der kom­menden Woche sollte die LINCOLN eigentlich zur nahen New­port News Ship­build­ing ver­legen. Die für die Arbeit­en ver­an­schlagten Kosten von 1,5 Mrd. US-Dol­lar find­en sich allerd­ings im nicht ver­ab­schiede­ten Bud­get für 2013 – und damit ist der RCOH zurzeit nicht finanzier­bar. Die Ver­legung in die Werft wurde „auf unbes­timmte Zeit“ ver­schoben.

Diese Ver­schiebung kann unan­genehme Fol­gen haben, denn zum einen entste­hen zusät­zliche Kosten für die so nicht geplante Wartung/Materialerhaltung im Stützpunkt, zum anderen aber kön­nen sich damit auch die geplanten nach­fol­gen­den Werftliegezeit­en ander­er Flugzeugträger ver­schieben. Überdies kön­nte die LINCOLN evtl. auch nicht wie geplant 2016 in ihren näch­sten Ein­satz aus­laufen – was dann wiederum Auswirkun­gen auf die gesamte langfristige Ein­satz­pla­nung hätte.

Eben­falls in Zusam­men­hang mit der Bud­get-Krise ste­ht eine verkün­dete Ver­ringerung der geplanten „313-ship Fleet“ auf eine „306-ship Fleet“. Unter anderem wird die Anzahl der ins­ge­samt geplanten Lit­toral Com­bat Ships von 55 auf 52 reduziert