MarineForum vom 03. Februar 2013

PIRATERIE (Fortschrei­bung)

Soma­lia

Ein eingeschifftes bewaffnetes Sicher­heit­steam der iranis­chen Marine hat am 28. Jan­u­ar im Golf von Oman die Kape­rung eines Super­tankers ver­hin­dert. Staatliche Medi­en bericht­en, zwei Skiffs hät­ten das Schiff etwa 20 sm von der oman­is­chen Insel Masir­ah ent­fer­nt ange­grif­f­en, die Sol­dat­en der iranis­chen Marine hät­ten sie aber „in die Flucht geschla­gen“.

Ein zwei Tage später ins Inter­net gestelltes Video soll diesen Über­fall zeigen – und zugle­ich bele­gen, dass dabei neun Pirat­en gefan­gen genom­men wur­den (sechs weit­ere sollen getötet wor­den sein). Der Film begin­nt mit heftigem Feuer eines eingeschifften Sicher­heit­steams und endet mit der Gefan­gen­nahme mut­maßlich­er Pirat­en, aber es dürfte kaum bei dem genan­nten Über­fall ent­standen sein (ver­mut­lich wurde es aus mehreren Ereignis­sen zusam­mengeschnit­ten). Innenauf­nah­men ein­er ver­wüsteten Brücke lassen den Schluss zu, dass es sich hier um eine Befreiungsak­tion eines gekaperten Schiffes han­delte und nicht um die Abwehr eines Angriffs durch ein bewaffnetes Sicher­heit­steam. Auch sind die Auf­nah­men offen­bar an Bord eines Con­tain­er­schiffes und nicht wie gemeldet eines Tankers ent­standen.

Es ist auch mehr als unwahrschein­lich, dass ein Han­delss­chiff nach Abwehr eines Angriffs in See stoppt, um (in schnellen Skiffs flüch­t­ende) Pirat­en zu ergreifen. Überdies wurde das Video (let­zt­ma­lig) auch schon am 27. Jan­u­ar bear­beit­et — also einen Tag vor dem gemelde­ten, aktuellen Über­fall. Der Großteil der Auf­nah­men dürfte am 6. April 2012 ent­standen sein, als iranis­che Kom­man­dos im Golf von Oman den von Pirat­en gekaperten chi­ne­sis­chen Frachter XIANGHUAMEN stürmten und befre­it­en – und neun (!) Pirat­en fes­t­nah­men.

West­afri­ka

Fünf am 17. Dezem­ber vor dem Nigerdelta vom Pro­duk­ten­tanker SP BRUSSELS ent­führte indis­che Besatzungsmit­glieder wur­den unversehrt wieder frei gelassen. Über ein wahrschein­lich gezahltes Lösegeld wurde Stillschweigen bewahrt.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Nach Abschluss von Übun­gen im Mit­telmeer (s.u. RUSSLAND) hat ein Ver­band der rus­sis­chen Nord­flotte mit Zer­stör­er SEVEROMORSK, Tanker DUBNA und Bergeschlep­per ALTAI am 30. Jan­u­ar mit der Süd­pas­sage des Suezkanals begonnen. Die Schiffe sollen als neue rus­sis­che Ein­satz­gruppe den derzeit im Golf von Aden operieren­den Ver­band der Paz­i­fik­flotte (mit Zer­stör­er MARSHAL SHAPSHNIKOV) ablösen.

Die Nieder­lande und Sri Lan­ka haben vere­in­bart, dass auf nieder­ländis­chen Han­delss­chif­f­en einzuset­zende bewaffnete Sicher­heit­steams in Häfen auf Sri Lan­ka an und von Bord der Schiffe gehen kön­nen. Die Vere­in­barung dürfte vor allem auch Regelun­gen für das bei Ein­schif­fun­gen im Aus­land immer sehr prob­lema­tis­che Mit­führen von Waf­fen und Muni­tion bein­hal­ten.

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GROSSBRITANNIEN

Am 31. Jan­u­ar hat das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um Details zur Rüs­tungs­pla­nung der kom­menden zehn Jahre veröf­fentlicht.

Der “Long-term Defence Equip­ment Spend­ing Plan” sieht in den Haushalt­s­jahren 2012–2022 Aus­gaben von ins­ge­samt 159 Mrd. Pfund (182 Mrd. Euro) für Beschaf­fungsvorhaben vor. Erst­mals wird ein solch langer Zeitraum abgedeckt, sich­er auch ein Aus­druck dafür, dass zunehmend kom­plexe Rüs­tung­spro­jek­te immer mehr Zeit benöti­gen und daher auch langfristiger angelegt wer­den müssen.

In den let­zten Jahren war das Min­is­teri­um immer wieder für zu opti­mistis­che Kosten- und Zei­tan­sätze kri­tisiert wor­den. Erst­mals über­haupt sind nun von vorn­here­in 4,8 Mrd. Pfund für Kostenüber­schre­itun­gen einge­plant, und weit­ere 8 Mrd. Pfund wer­den für eine heute noch nicht abse­hbare aber möglicher­weise notwendig wer­dende Beschaf­fung zusät­zlich­er Rüs­tungs­güter zur Seite gelegt. In der neuen Pla­nung sieht Vertei­di­gungsmin­is­ter Philip Ham­mond denn auch den richti­gen Weg „Schritt für Schritt die Jahre das Miss­man­age­ment der let­zten Regierung und eine “cul­ture of over-promis­ing and under-deliv­er­ing“ zu been­den.

Kri­tik­er befür­worten diese Maß­nah­men als Schritt in die richtige Rich­tung, bezweifeln aber, dass die Gelder aus­re­ichen. Auch der Rech­nung­shof (Nation­al Audit Office — NAO) gibt sich zurück­hal­tend. Die Regierung lasse bei der Pla­nung zwar „kluge Über­legun­gen“ erken­nen, aber angesichts ein­er Finanzierungslücke von zulet­zt 74 Mrd. Pfund blieben doch Unwäg­barkeit­en. Man ver­misse noch eine aus­re­ichende Berück­sich­ti­gung möglich­er Risiken. Das Min­is­teri­um wiegelt hier ab, geste­ht aber ein, dass der 2015 geplante näch­ste Strate­gic Defence and Secu­ri­ty Review (SDSR) die Vor­gaben bei einzel­nen Pro­jek­ten schon wieder deut­lich verän­dern kön­nte.

Bei den im veröf­fentlicht­en Doku­ment aufge­führten einzel­nen Pro­jek­ten gibt es keine Über­raschun­gen. Die Pla­nung ori­en­tiert sich an den Vor­gaben SDSR aus dem Okto­ber 2010. Für die Roy­al Navy bedeutet dies die Beschaf­fung von zwei neuen Flugzeugträgern der QUEEN ELIZ­A­BETH-Klasse (samt Kampf­flugzeu­gen F-35B), sieben U-Booten der ASTUTE-Klasse, Entwick­lung neuer nuk­lear-strate­gis­ch­er U-Boote als Ersatz der VAN­GUARD-Klasse, den Abschluss der Beschaf­fung von Zer­stör­ern TYPE 45, Entwick­lung und Baube­ginn von Fre­gat­ten (Glob­al Com­bat Ship) TYPE 26, Ersatz von Bor­d­hub­schraubern Lynx durch neue Hub­schrauber Wild­cat und die Entwick­lung von Drohnen.

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INDIEN

Im August 2010 hat­te ein Spezial­frachter das U-Boot SINDHURAKSHAK (KILO-I-Klasse) ins rus­sis­che Severod­vin­sk (Weißmeer) trans­portiert.

Für das bei der St. Peters­burg­er Admi­ral­itätswerft gebaute U-Boot war nach mehr als zehn Jahren Dien­stzeit eine Grundin­stand­set­zung mit u.a. auch Bat­teriewech­sel fäl­lig gewor­den, und wie schon zuvor für mehrere Schwest­er­boote, wurde auch dies­mal die rus­sis­che Zvez­dochka damit beauf­tragt. Neben rou­tinemäßig erforder­lichen Arbeit­en wur­den in Severod­vin­sk im Rah­men ein­er Mod­ernisierung und Kampfw­ert­steigerung auch das Seeziel-FK-Sys­tem Club-S samt Gefechts­führungs-/Waf­fenein­satzsys­tem sowie eine mod­erne indis­che Sonaran­lage und indis­ches Fer­n­meldegerät instal­liert.

Am 26. Jan­u­ar gab die Werft das fer­tige U-Boot in Severod­vin­sk an die indis­che Marine zurück. Drei Tage später machte die SINDHURAKSHAK sich auf den lan­gen Weg in die Heimat — auf eigen­em Kiel und ange­blich auf ein­er außergewöhn­lichen Route. Erst­mals über­haupt soll ein indis­ches U-Boot in ein­er zumin­d­est abschnittsweisen Unter-Eis-Fahrt dem Nördlichen Seeweg fol­gen. Zunächst gab es bei Pressemit­teilun­gen noch Ver­wirrung, denn ein­mal war von der „North­ern Sea Route“ (durch die Ark­tis“), dann wieder von der „North Sea Route“ (um die britis­chen Inseln) die Rede. Inzwis­chen wird übere­in­stim­mend aber nur noch von den ark­tis­chen Gewässern nördlich Rus­s­lands gesprochen, wo die rus­sis­chen Eis­brech­er DIKSON und KAPITAN CADAEV das indis­che U-Boot begleit­en sollen.

Zweifel bleiben trotz­dem ange­bracht. Zum einen fällt die Heim­reise mit­ten in den ark­tis­chen Win­ter, die Zeit größter Eis­be­deck­ung, wenn auch Eis­brech­er nicht sel­ten an die Gren­zen ihrer Möglichkeit­en stoßen. Zum anderen zeigt ein Blick auf die Karte, dass die „North­ern Sea Route“ zwar eine Abkürzung in den Paz­i­fik ist, die Fahrstrecke nach Indi­en aber doch erhe­blich länger ist als der Weg rund um Afri­ka oder (in Abkürzung) durch den Suezkanal. Und nicht zulet­zt sind eher tro­pis­che Bedin­gun­gen gewohnte, indis­che U-Bootkom­man­dan­ten auch sich­er nicht im Detail mit den ganz beson­deren Bedin­gun­gen von Fahrten unter ein­er geschlosse­nen Eis­decke ver­traut. Die kom­menden Tage wer­den zeigen, welchen Weg die SINDHURAKSHAK tat­säch­lich nimmt. Es ist dur­chaus möglich, dass die bei­den rus­sis­chen Eis­brech­er das indis­che U-Boot nur durch das derzeit eben­falls eis­be­deck­te Weiße Meer begleit­en sollen und die SINDHURAKSHAK dann auf West­kurs in Rich­tung Nor­we­gensee geht.

Die indis­che Marine ver­fügt über ins­ge­samt zehn in den 1980er/90er Jahren in Rus­s­land gebaute U-Boote der KILO-I-Klasse (Pro­jekt 877 EKM), aber SINDHURAKSHAK ist das let­zte von sieben dieser Boote, die in Rus­s­land grundüber­holt und mod­ernisiert wur­den. Die Über­hol­ung der U-Boote auf rus­sis­chen Werften, sei es nun beim Her­steller Admi­ral­itätswerft in St. Peters­burg oder bei Zvez­dochka im ark­tis­chen Severod­vin­sk, ist allein schon wegen der Ent­fer­nung zu aufwändig.

Auf der Suche nach ein­er Alter­na­tive hat­te das indis­che Vertei­di­gungsmin­is­teri­um schon 2002 mit der rus­sis­chen Rüs­tung­sex­port­be­hörde Rosoboronex­port vere­in­bart, die Hin­dus­tan Ship­yards in Vishaka­p­at­nam, dem am Golf von Ben­galen gele­ge­nen Haupt­stützpunkt der indis­chen Ost­flotte, tech­nisch und per­son­ell so auszus­tat­ten, dass U-Boote der KILO-Klasse kün­ftig dort gewartet, instand geset­zt und auch mod­ernisiert wer­den kön­nen. Zvez­dochka lieferte Mate­r­i­al und notwendi­ge tech­nis­che Doku­men­ta­tion und unter­stützte Hin­dus­tan Ship­yards auch mit tech­nis­chem Per­son­al. Erste prak­tis­che Erfahrun­gen sollen allerd­ings „aus­ge­sprochen neg­a­tiv“ gewe­sen sein.

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IRAN (Fortschrei­bung)

Im Kon­flikt um das (ver­mut­lich mil­itärische) Atom­pro­gramm lässt der Iran nach wie vor kein­er­lei Bere­itschaft zu einem Kom­pro­miss erken­nen. Am 31. Jan­u­ar informierte man sog­ar offiziell die IAEA über die geplante Nutzung mod­erner­er Zen­trifu­gen im Atom­zen­trum Natanz, mit denen sich die Uranan­re­icherung (bis zu Waf­fen­fähigkeit) noch deut­lich beschle­u­ni­gen lässt.

USA und Israel bekräfti­gen immer wieder ihre Entschlossen­heit zur „Ver­hin­derung eines nuk­lear bewaffneten Iran“, aber derzeit spricht derzeit nichts für eine baldige „Wahrnehmung mil­itärisch­er Optio­nen“. Man wird zunächst weit­er auf die ver­hängten Sank­tio­nen set­zen und hof­fen, dass zunehmende wirtschaftliche Prob­leme und inter­na­tionale Isolierung den Iran allmäh­lich zu einem Ein­lenken bewe­gen.

Nun ist allerd­ings der Rohöl­ex­port von seinem Tief­s­tand von 0,9 Mio. Bar­rel pro Tag (bpd) im Dezem­ber 2012 wieder auf 1,5 Mio. bpd gestiegen – vornehm­lich Liefer­un­gen an nicht dem EU/US-Embar­go verpflichtete asi­atis­che Kun­den wie Chi­na und Indi­en. Das ist zwar noch immer deut­lich weniger als die früher üblichen 2,2 Mio. bpd, aber allein schon der Anstieg kön­nte den Iran in sein­er Entschlossen­heit stärken, die Sank­tio­nen „auszusitzen“. Mit offen­sichtlich gestärk­tem Selb­st­be­wusst­sein ver­hängte der Iran sein­er­seits ein „Exportem­bar­go“ für Gas und Rohöl gegen alle 27 EU-Staat­en – ein sich­er nur sym­bol­is­ch­er Akt, der aber kennze­ich­nend für die ver­härteten Fron­ten ist.

Am 27. Jan­u­ar berichtete eine (einzelne) mit­tel-östliche Nachricht­e­na­gen­tur von ein­er „schw­eren Explo­sion in der Anre­ichungsan­lage in For­do“; fast 200 Men­schen seien in der unterirdis­chen Anlage eingeschlossen. Der Iran wies die Mel­dung sofort als bloße Pro­pa­gan­da zurück, und sie lässt sich auch Tage später aus kein­er­lei offiziellen oder inof­fiziellen Quellen bestäti­gen. Mit großer Wahrschein­lichkeit han­delt es sich um eines der typ­is­chen, im mit­tel-östlichen/ara­bis­chen Raum so beliebten und aus welchen Grün­den auch immer bewusst ver­bre­it­eten Gerüchte.

Die aktuelle mil­itärische Lage bleibt unverän­dert ruhig.

Am 30. Jan­u­ar began­nen Mari­neein­heit­en der iranis­chen Rev­o­lu­tion­s­gar­den (IRGC „Pas­daran See“) in der im Nor­den des Per­sis­chen Golfes gele­ge­nen 3. Marine-Zone die dre­itägige Übung „Fath 91“. In Vertei­di­ger und Angreifer aufgeteilt, übten die beteiligten Ein­heit­en die schnelle Ver­legung bei ein­er krisen­haften Entwick­lung, den Schutz von Seev­erkehr­swe­gen vor der iranis­chen Küste und „Kom­man­do­op­er­a­tio­nen“. Zwis­chen­fälle oder Beein­träch­ti­gun­gen des inter­na­tionalen Seev­erkehrs wur­den nicht gemeldet. In Ban­dar Abbas hat­te das IRGC unter­dessen zu ein­er „Außeror­dentlichen Kon­ferenz über Seem­i­nen“ ein­ge­laden. In ein­er Ausstel­lung präsen­tierten die Forschungs- und Entwick­lungsabteilung des IRGC, die „Pas­daran-See“ sowie ange­blich auch angereiste aus­ländis­che Del­e­ga­tio­nen (Län­der wur­den nicht genan­nt) ihre neuesten Minen, Minen­lege- und Minen­räum-Tech­nolo­gien.

Die US Navy hat mit der JOHN C. STENNIS weit­er­hin nur einen einzi­gen Flugzeugträger sowie mit der PELELIU auch nur eine amphibis­che Ein­satz­gruppe in der Region präsent. Daran soll sich in den kom­menden Wochen (bis zur Rück­kehr der EISENHOWER) auch nichts ändern. Vor der US Atlantikküste set­zt die Car­ri­er Strike Group um den Flugzeugträger HARRY S. TRUMAN mit ein­er „Com­pos­ite Train­ing Unit Exer­cise” (COMPTUEX) die oper­a­tive Vor­bere­itung auf ihren rou­tinemäßi­gen Ein­satz in der Region fort. Der Flugzeugträger soll „im Früh­ling“ ver­legen. In die HARRY S. TRUMAN Car­ri­er Strike Group wird zeitweise auch die deutsche Fre­gat­te HAMBURG inte­gri­ert sein.

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ITALIEN

Die ital­ienis­che Marine hat einen neuen Chef.

Am 27. Jan­u­ar über­nahm der bish­erige Befehlshaber der Flotte, Admi­ral Guiseppe De Gior­gi, in ein­er öffentlichen Kom­mandowech­sel-Zer­e­monie im Zen­trum von Rom die Führung der Marine von Admi­ral Lui­gi Binel­li Man­tel­li, der an die Spitze der ital­ienis­chen Stre­itkräfte wech­selt.

Guiseppe De Gior­gi wurde 1953 in Neapel geboren. 1975 schloss er die Offizier­saus­bil­dung an der Marineakademie ab und wurde anschließend Hub­schrauber­pi­lot. Auf der Fre­gat­te ALPINO und dem Kreuzer ANDREA DORIA führte er die Bor­d­hub­schrauber-Kom­po­nente, erhielt zwis­chen­durch in ein­er Seefahrerver­wen­dung auch schon ein­mal das Kom­man­do über den Wasser­tanker BRADANO.

1986 absolvierte er in Livorno den Admi­ral­stab­slehrgang. Nach­fol­gend war er während des Ersten Golfkrieges (Iran – Irak) Kom­man­deur der fliegen­den Gruppe beim im Per­sis­chen Golf einge­set­zten Kontin­gent der ital­ienis­chen Marine. 1992 erhielt er das Kom­man­do über die Fre­gat­te LIBECCIO, war danach vier Jahre Leit­er der Marine­flieger-Pla­nung im Marinestab und fuhr dann von 1997 bis 1999 noch ein­mal zur See – dies­mal als let­zter Kom­man­dant des vor der Aus­musterung ste­hen­den Hub­schrauberträgers VITTORIO VENETO.

Dieser let­zten Dien­stzeit als Seefahrer fol­gten eine ganze Rei­he Stab­sver­wen­dun­gen an Land. De Gior­gi wurde Abteilungsleit­er Marine­flieger im Marinestab – in Dop­pel­funk­tion zugle­ich auch Chef der Marine­flieger. 2005 wurde er, nun schon Kon­ter­ad­mi­ral, Befehlshaber der Hochseeflotte und führte als erster Seekom­man­deur zeitweilig die vor der Küste des Libanon operierende UNIFIL Mar­itime Task Force. Es fol­gten Ver­wen­dun­gen als Chef des Stabes beim Joint Oper­a­tions Head­quar­ter und anschließend als Chef des Stabes beim Befehlshaber der Flotte. Im Mai 2011 über­nahm er die Ver­ant­wor­tung für die Aus­bil­dung bei der ital­ienis­chen Marine, wurde dann aber schon im Feb­ru­ar 2012 in das Amt des Befehlshabers der Flotte berufen. Von dort wech­selte er nun an die Spitze der ital­ienis­chen Marine.

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RUSSLAND

Der in Mur­man­sk sta­tion­ierte, atom­getriebene Eis­brech­er ROSSIYA hat in diesen Tagen in die Ost­see ver­legt.

Bis April soll der Eis­brech­er im Finnbusen helfen, die Seev­erkehr­swege frei zu hal­ten. Danach kön­nte für den 1985 als „weltweit vierten atom­getriebe­nen Eis­brech­er“ in Dienst gestellte Schiff die Außer­di­en­st­stel­lung fol­gen. Der Kapitän geste­ht ein, dass die ROSSIYA „ihre erwartete Lebens­dauer bere­its über­schrit­ten“ hat, bedauert aber den möglichen Verzicht auf sein „immer peni­bel gewartetes und tech­nisch voll intak­tes Schiff“.

Die ROSSIYA ist nach der eben­falls rus­sis­chen 50 LET POBEDY der zweit­größte Eis­brech­er der Welt. Das gut 23.000 ts ver­drän­gende Schiff (150 m) kann mit sein­er Maschi­nen­leis­tung von 75.000 PS bis zu fünf Meter dick­es Eis bewälti­gen. 1990 brachte der Eis­brech­er als „Kreuz­fahrtschiff“ erst­mals eine Gruppe west­lich­er Touris­ten zum Nord­pol. Ein­satzge­bi­et der ROSSIYA ist fast auss­chließlich die Ark­tis, denn die Reak­toren benöti­gen zur Küh­lung kaltes See­wass­er. Nur in Win­terzeit­en wer­den so auch Oper­a­tio­nen in anderen Seege­bi­eten wie der Ost­see möglich, und tat­säch­lich untern­immt die ROSSIYA auch nicht zum ersten Mal den Abstech­er in den Finnbusen. Schon im Jan­u­ar 2012 war die ROSSIYA aus dem hohen Nor­den in Marsch geset­zt wor­den, um die dor­ti­gen diesel-getriebe­nen Eis­brech­er zu unter­stützen.

Bei der neuen Pri­or­ität Rus­s­lands für die Ark­tis wird natür­lich nicht ersat­z­los auf die ROSSIYA verzichtet. Die näch­ste Gen­er­a­tion atom­getrieben­er Eis­brech­er ist denn auch schon im Entste­hen. Die staatliche „Rosatom“ hat den Bau von zwei neuen Eis­brech­ern Typ 22,220 aus­geschrieben. Die 2019 und 2020 in Dienst zu stel­len­den Schiffe sollen die „weltweit größten und stärk­sten Eis­brech­er“ wer­den und Han­delss­chif­f­en eine ganzjährige. Nutzung der ark­tis­chen „North­ern Sea Route“ zwis­chen Bar­entssee und Beringstraße ermöglichen. Neben diesen atom­getriebe­nen Eis­brech­ern lässt „Ros­mor­port“ noch min­destens fünf weit­ere diesel-getriebene Eis­brech­er bauen.

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RUSSLAND (Fortschrei­bung)

Am 30. Jan­u­ar hat der Gen­er­al­stab in Moskau die flot­tenüber­greifend­en Übun­gen in Schwarzmeer und Mit­telmeer offiziell für been­det erk­lärt.

Die mit der Übung ver­bun­dene Medi­en­ar­beit blieb in ihrem Umfang weit hin­ter der von anderen Übun­gen der let­zten Jahre zurück. Ger­ade in der Haupt­phase der Manöver gab es tage­lang kein­er­lei Infor­ma­tio­nen, und so bleiben die meis­ten Aktiv­itäten der „20 Schiffe und drei U-Boote“ von Schwarzmeer­flotte, Baltisch­er Flotte und Nord­flotte im Mit­telmeer und Schwarzmeer im Dunkeln. Fol­gt man den offiziellen Darstel­lun­gen, dann hat es z.B. im Schwarzmeer nach ein­er amphibis­chen Lan­dung bei Novorossiysk am 21. Jan­u­ar kein­er­lei Aktiv­itäten mehr gegeben. In ein­er einzi­gen Mel­dung heißt es lediglich, die bei­den Lan­dungss­chiffe KALININGRAD und ALEXANDER SHABALIN der Baltischen Flotte seien zur End­phase der Übung ins Mit­telmeer zurück­gekehrt. Für das Mit­telmeer ist rel­a­tiv vage von Anti-Ter­rorübun­gen, Artillerie und Flu­gab­wehr-FK-Schießen, Minen­ver­mei­dung und U-Jagd die Rede.

Das scheint angesichts der Vorankündi­gun­gen zur „größten Marineübung der let­zten Jahrzehnte“ sehr dürftig, ste­ht aber dur­chaus nicht im Wider­spruch zur Größenord­nung der Manöver. Seit Sow­jet­zeit­en spie­len sich Großübun­gen der rus­sis­chen Stre­itkräfte im Wesentlichen in den Stäben vor Com­put­ern ab, vor allem wenn mehrere Teil­stre­itkräfte beteiligt sind. Nur einige aus­gewählte Teile der Gesamtübung — für sich allein oft auch völ­lig ohne Zusam­men­hang — wer­den durch reale Trup­pen dargestellt.

Es ist dur­chaus möglich, dass sich die spär­lichen Aktiv­itäten in Mit­telmeer und Schwarzmeer und auch (tat­säch­lich auch gemeldete) Flüge strate­gis­ch­er Bomber über der Ark­tis und der Nor­we­gensee als Teilka­pi­tel oder auch nur Absätze in einem „großen Drehbuch“ find­en, das sich anson­sten abseits der Öffentlichkeit und fern der See vor allem über­greifend­en Aspek­ten von „Com­mand & Con­trol“ wid­met. So soll denn auch im Rah­men dieser Übung vor allem ein neues Führungssys­tem für die Führung gemein­samer Oper­a­tio­nen mehrerer Flot­ten erprobt wor­den sein, und zen­traler Inhalt der Übung kön­nte so tat­säch­lich allein schon die Ver­legung von Ein­heit­en mehrerer Flot­ten und deren Zusam­men­ziehung in einem heimat­fer­nen Seege­bi­et gewe­sen sein. Möglich bleibt aber auch, dass ein ursprünglich wegen der Lageen­twick­lung in Syrien befohlen­er Ein­satz der drei Flot­ten sich als über­hastet und völ­lig unnötig erwiesen hat, und der „Krisenein­satz“ dann kurzfristig für eine Großübung genutzt wurde.

Unmit­tel­bar nach Übungsende sind mehrere Übung­steil­nehmer, unter ihnen der FK-Kreuzer MOSKVA, am 31. Jan­u­ar zu einem Hafenbe­such in Limas­sol (Zypern) ein­ge­laufen; dort fand offen­bar auch eine erste Übungs­analyse statt. Der Nord­flot­ten­ver­band mit Zer­stör­er SEVEROMORSK, Tanker DUBNA und Bergeschlep­per ALTAI hat schon am 30. Jan­u­ar das Mit­telmeer durch den Suezkanal in Rich­tung Gold von Aden ver­lassen. Die Ein­heit­en sollen dort in den kom­menden Wochen Anti-Pira­terie-Oper­a­tio­nen durch­führen.

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USA (Fortschrei­bung)

Die US Navy hat ihr unverän­dert auf einem Riff in der Sulu-See fest sitzen­des Minen­ab­wehrschiff GUARDIAN offen­bar als Totalver­lust abgeschrieben.

Die zur AVENGER-Klasse gehörende, in Sase­bo (Japan) sta­tion­ierte GUARDIAN war nach Ende eines Besuch­es in Subic Bay (Philip­pinen) in der Nacht zum 16. Jan­u­ar mit voller Fahrt auf das 80 sm östlich von Palawan (Philip­pinen) liegende Tubat­ta­ha Koral­len­riff aufge­laufen. Beson­ders pein­lich: das Riff liegt in einem mari­nen Nation­al­park mit dem Sta­tus ein­er „World Her­itage Site“; Seekarten verze­ich­nen es als für den Durch­gangs-Seev­erkehr ges­per­rtes Naturschutzge­bi­et, und der Kom­man­dant ignori­erte offen­bar War­nun­gen der Parkranger, die ihn über Funk auf seine falsche Posi­tion aufmerk­sam macht­en. Alle Ver­suche, das „Boot“ (immer­hin 70m und 1.300 ts) wieder flott zu bekom­men, sind gescheit­ert. See­gang hat die GUARDIAN weit­er auf das Riff gedrückt und stark beschädigt. Durch mehrere Lecks dringt Wass­er in den Rumpf ein; an Back­bor­d­seite ist die kom­plette GFK-Laminierung vom Holzrumpf abge­platzt.

Die Schä­den an der GUARDIAN wer­den jet­zt offiziell als „beyond eco­nom­i­cal repair“ beze­ich­net, und die aktuelle Pla­nung zielt denn auch nur noch darauf ab, das Schiff unter Ver­mei­dung weit­er­er Umweltschä­den im Natur­park vom Riff herunter zu bekom­men. Das Bergeschiff SALVOR der US Navy (Mil­i­tary Sealift Com­mand) ist seit dem 27. Jan­u­ar vor Ort, und Bergung­sex­perten haben den Rumpf der GUARDIAN mit Kevlar-Leinen sta­bil­isiert. Die zuvor von einem mala­y­sis­chen Bergeschlep­per leer gepumpten Kraft­stoff­tanks wur­den zur Sta­bil­isierung mit See­wass­er gefüllt. Nun wartet man auf das Ein­tr­e­f­fen zweier in Sin­ga­pur gechar­tert­er Kran­schiffe. Mit ihrer Hil­fe soll die GUARDIAN an Ort und Stelle in Einzel­teile zer­legt und dann zur Ver­schrot­tung abtrans­portiert wer­den. Für die Aktion wird etwa ein Monat ver­an­schlagt.