MarineForum Wochenschau vom 10. Februar 2017

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.

Marineforum

NAH-/MITTELOST
Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt vor­rangig vom Bürg­erkrieg in Syrien und von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Irak und Syrien bes­timmt. Daneben gibt es aber natür­lich auch Mel­dun­gen zu anderen regionalen The­men­bere­ichen, die zunächst betra­chtet wer­den sollen.

JEMEN (Nachk­lapp): Spe­cial Forces Ein­satz und Angriff auf Kriegss­chiff

Der Angriff jemeni­tis­ch­er Houthi-Rebellen auf die sau­di-ara­bis­che Fre­gat­te „Mad­i­nah“ (30. Jan­u­ar) wurde noch ein­mal in den Medi­en the­ma­tisiert. Nach den Houthi hat nun auch die sau­di-ara­bis­che Marine ein Video zum Zwis­chen­fall veröf­fentlicht; es zeigt das Auftr­e­f­fen eines sehr schnellen, kleinen Spreng­bootes auf das Heck der Fre­gat­te. Es gibt keinen Auf­schluss darüber, ob es sich um ein fer­n­ge­lenk­tes Boot oder einen Selb­st­mor­dan­schlag gehan­delt hat, aber zeigt klar, dass der von den Houthi behauptete Angriff mit einem Seeziel-FK „Fake News“ war. Zweifel bleiben aber auch an der sau­di-ara­bis­chen Darstel­lung, die Fre­gat­te sei von drei Booten ange­grif­f­en wor­den, von denen man zwei habe versenken kön­nen. Schon das von den Houthi veröf­fentlichte Video zeigte keine Auswe­ich­manöver, und auch das Video der sau­di-ara­bis­chen Marine lässt auf der Fre­gat­te kein­er­lei Abwehrak­tiv­itäten erken­nen.

Am 5. Feb­ru­ar kehrte die „Mad­i­nah“ in den Heimath­afen Dschid­da zurück, wo die in Paradeauf­stel­lung ange­tretene Besatzung von der gesamten Stre­itkräfte­führung als „Helden“ begrüßt wurde. Die Schä­den am Schiff sind offen­bar begren­zt, wen­ngle­ich der Auftr­e­ff­punkt (Heck Back­bor­d­seite) beim Ein­laufen aus dem Blick­winkel der Kam­eras her­aus gehal­ten wurde.
Eine Facette am Rande: Am Tage des Ein­laufens der „Mad­i­nah“ meldete die iranis­che staatliche FARS die „Versenkung der Fre­gat­te durch die hero­is­chen Houthi“ und unter­mauerte diese — für die iranis­che Bevölkerung bes­timmte — dreiste Falschmel­dung auch noch mit einem Archiv­bild eines sink­enden Schiffes.

Nach dem Houthi-Angriff auf die „Mad­i­nah“ hat die US Navy den Zer­stör­er „Cole“ zur „Sicherung des inter­na­tionalen Seev­erkehrs“ vor die jemeni­tis­che Küste beordert. Auch der amphibis­che Träger „Makin Island“ hat sein bish­eriges Ein­satzge­bi­et im Per­sis­chen Golf ver­lassen und operiert nun im Golf von Aden. Hier ist aber eher ein Zusam­men­hang mit US-Aktio­nen gegen den jemeni­tis­chen Ableger der Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion al-Kai­da zu ver­muten. Nach einem Angriff von Kampf­schwim­mern (SEALs) der US Navy, bei dem am 28. Jan­u­ar neben zahlre­ichen Ter­ror­is­ten auch min­destens 20 Zivilis­ten getötet wur­den, hat die jemeni­tis­che Regierung den US Stre­itkräften jegliche „Boden­op­er­a­tio­nen gegen Ter­ror­is­ten im Jemen“ unter­sagt. Die For­mulierung dieses Ver­botes scheint aber weit­er­hin Luftschläge zuzu­lassen. Mit ihren eingeschifften Kampf­flugzeu­gen AV-8B Har­ri­er und Kampfhub­schraubern AH-1 Cobra kön­nte die „Makin Island“ diese Option wahrnehmen.

FRANKREICH: Ver­legung von Minen­jagdbooten

Die franzö­sis­che Marine ver­legt wieder ein­mal zwei Minen­jagdboote zu einem län­geren Präsen­zein­satz und Übun­gen in den Per­sis­chen Golf. Dor­tiger Stan­dort dürfte Abu Dhabi wer­den. 2008 hat­ten Frankre­ich Ver­ladung in Brest (Foto: franz. Marine)und die Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rate eine erweit­erte mil­itärische Koop­er­a­tion vere­in­bart, die u.a. auch ver­mehrte Präsenz (Medi­en sprachen damals sog­ar von „Sta­tion­ierungsrecht­en“) für die franzö­sis­che Marine in Abu Dhabi vor­sah. Seit­dem soll dort ein Stabs- und Logis­tikele­ment behei­matet und der Hafen rou­tinemäßiger Anlauf­punkt und Liege­platz für franzö­sis­che Kriegss­chiffe sein.

Wie schon bei früheren Ver­legun­gen von Minen­jagdbooten in den Per­sis­chen Golf, wur­den „Androm­e­de“ und „Cas­siopee“ in Brest auf einen Schw­ergut­frachter ver­laden, der sie ins Ein­satzge­bi­et brin­gen soll. Solch­er „Huckepack“-Transport ist schneller als eine Ver­legung der Boote auf eigen­em Kiel, der diese überdies materiell belas­ten und nach Ein­tr­e­f­fen erst ein­mal eine zusät­zliche Wartungspe­ri­ode erfordern würde. Auch Kraft­stoff wird natür­lich ges­part. Die Besatzun­gen der bei­den Minen­jagdboote wer­den auf dem Luftwege nachge­führt.

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschrei­bung)

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Noch zu viele Eigen­in­ter­essen einzel­ner Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten bes­tim­men die Entwick­lung. Den­noch wird der IS in Syrien und im Irak zunehmend aus Kernge­bi­eten seines „Kali­fats“ zurückge­drängt.

Der neue US-Präsi­dent Trump hat unmit­tel­bar nach Amt­santritt das Pen­ta­gon angewiesen, eine „neue Strate­gie für einen Sieg gegen IS in Syrien und Irak“ zu erar­beit­en und ihm bis Ende Feb­ru­ar vorzule­gen.

Syrien – Irak: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (vor allem auch Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Boden­trup­pen oder kur­dis­ch­er Milizen — aktuell vor allem bei der Offen­sive zur Rücker­oberung von Mosul. Zum Ein­satz kom­men zurzeit nur landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Zurzeit ist kein US-Flugzeugträger im Per­sis­chen Golf im Ein­satz, aber die „George H.W. Bush“ Car­ri­er Strike Group (Flugzeugträger „George H. W. Bush“, Kreuzer „Philip­pine Sea“ und „Hue City“, Zer­stör­er „Laboon“ und „Trux­tun“) hat auf dem Weg von Nor­folk das Mit­telmeer erre­icht, legt dort mit einem am 7. Feb­ru­ar begonnenen Besuch in Sou­da Bay (Kre­ta) erst ein­mal eine Pause ein. Vor Weit­er­ver­legung in Rich­tung Per­sis­ch­er Golf soll sich die dänis­che Fre­gat­te „Peter Wille­moes“ dem US-Ver­band anschließen.

Während der Atlantiküber­querung hat sich der Kreuzer „Hue City“ zu einem Abstech­er in die Ost­see vorüberge­hend vom Ver­band getren­nt. Am 6. Feb­ru­ar traf er in Klaipe­da (Litauen) ein. Der Besuch dort soll als Teil der NATO-Oper­a­tion „Atlantic Resolve“ die Entschlossen­heit des Bünd­niss­es zum Schutz sein­er Part­ner in den Rand­meeren unter­stre­ichen.

Bis die „George H.W. Bush“ CSG im Golf ein­trifft, bleibt die Führung der Task Force 50 in Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ beim britis­chen Com­modore Andrew Burns auf dem Hub­schrauberträger „Ocean“ der Roy­al Navy. Die im Per­sis­chen Golf operierende „Ocean“ kann zwar selb­st keine Kampf­flugzeuge ein­set­zen, aber mit ihren Führungs- und Fer­n­meldesys­te­men die Ein­sätze der landgestützt operieren­den Koali­tions­flugzeuge koor­dinieren.

Syrien: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land macht weit­er­hin keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und syrischen Oppo­si­tion­sre­bellen, die gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten” gel­ten. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Stre­itkräfte auch in Gebi­eten, in denen islamistis­che Milizen nicht aktiv sind. Auch die Türkei ist neben dem Kampf gegen Islamis­ten im Rah­men ihrer nationalen Kur­den­poli­tik vor allem bemüht, auf Autonomie set­zende syrische Kur­den (zugle­ich von den USA unter­stützte syrische Rebellen) möglichst weit nach Osten in Rich­tung Irak abzu­drän­gen.

Nach dem gemein­sam von Rus­s­land und der Türkei im Bürg­erkrieg aus­ge­han­del­ten Waf­fen­still­stand scheinen die Luft­waf­fen bei­der Staat­en der Bekämp­fung des IS nun aber ver­mehrt Pri­or­ität zu geben, sind offen­bar auch um weit­ge­hende Koor­dinierung ihrer Ein­sätze bemüht.

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschrei­bung rus­sis­che Inter­ven­tion)

Eine auf Ini­tia­tive von Rus­s­land und der Türkei mit mehreren Rebel­len­grup­pen vere­in­barte Waf­fen­ruhe wird offen­bar an vie­len Orten einge­hal­ten, auch wenn einige Oppo­si­tion­s­milizen und islamistis­che Grup­pen wie IS und al-Nus­ra aus­geklam­mert bleiben.

Auf der Basis des jüng­sten Tre­f­fens in Astana (Kasach­stan) wollen sich die Kon­flik­t­parteien am 20. Feb­ru­ar in Genf zu neuen Gesprächen tre­f­fen, haben zu deren Zielset­zung allerd­ings teils völ­lig unter­schiedliche Vorstel­lun­gen. Einige Parteien sind weit­er­hin nicht bere­it, für eine poli­tis­che Lösung irgendwelche Kom­pro­misse einzuge­hen und Abstriche an eigene Forderun­gen zu machen. Kle­in­ster gemein­samer Nen­ner scheint zurzeit eine Ver­längerung der Feuer­pausezu einem formellen Waf­fen­still­stand zu sein.

Mar­itime Aspek­te

Im östlichen Mit­telmeer operiert das Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Zu diesem von der Schwarzmeer­flotte geführten und rou­tinemäßig zwis­chen Zypern und der syrischen Küste einge­set­zten Ver­band gehören zurzeit neben eini­gen Hil­f­ss­chif­f­en als Kampfein­heit­en nur der Zer­stör­er „Smetliviy“ und der Minen­such­er „Kovrovets“ (bei­de Schwarzmeer­flotte). Am 5. Feb­ru­ar passierte das Spezialschiff zur Fer­n­melde-/elek­tro­n­is­chen Aufk­lärung (SIGINT) „Kildin“ den Bosporus in Rich­tung Mit­telmeer.
‘Kildin’ im Bosporus (Foto via turkishnavy.net)
Die „Kildin“ soll nach offizieller rus­sis­ch­er Darstel­lung „die Med­Sqn im Ein­satz unter­stützen“, dürfte aber vor allem auch bemüht sein, oper­a­tiv und tak­tisch rel­e­vante Lage­bild­in­for­ma­tio­nen auf dem Bürg­erkriegss­chau­platz im syrischen Hin­ter­land zu erfassen. Das Schiff der MOMA-Klasse war schon im ver­gan­genen Jahr mehrere Monate lang im östlichen Mit­telmeer einge­set­zt.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub der dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen an. Nach Abschluss eines zwis­chen­staatlichen Abkom­men mit Syrien zur kün­fti­gen Nutzung der rus­sis­chen Liegen­schaften in der Marineba­sis Tar­tus (samt infra­struk­turellem Aus­bau) haben sich die Trans­port­fahrten noch inten­siviert. Fast täglich passieren Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nord­laufend.

In Tar­tus hat der erwartete Wech­sel des Sta­tion­ss­chiffes stattge­fun­den. Das Werk­stattschiff „PM-138“ der AMUR-Klasse hat Schwest­er­schiff „PM-56“ als per­ma­nent in dem syrischen Hafen sta­tion­ierte schwim­mende Reparatur­ba­sis (Not­fall-Option für Ein­heit­en der rus­sis­chen Marine) abgelöst. „PM-56“ kehrte nach fünf­monatigem Tar­tus-Ein­satz am 4. Feb­ru­ar ins Schwarzmeer zurück.

INDIEN

Die indis­che Marine hat am 24. Jan­u­ar ihre jährliche Haup­tübung „Tropex“ (The­atre Readi­ness Oper­a­tional Exer­cise) begonnen.

Die mit diversen Hafen- und Seep­hasen gut einen Monat dauernde Übung wird aus dem West­ern Naval Com­mand geführt, aber auch Teile der Ost­flotte sowie der Land- und Luft­stre­itkräfte und der Küstenwache sind einge­bun­den. Das Übungs­ge­bi­et erstreckt sich vom Ara­bis­chen Meer vor der indis­chen West­küste weit nach Süden, bis zu den Lakkadi­v­en und ins Seege­bi­et vor Goa.

Teil­nehmer sind fast alle ein­satzk­laren Ein­heit­en der West­flotte und mehrere speziell für die Übung von der Ostküste ver­legte Fahrzeuge – ins­ge­samt mehr als 60 Schiffe/Boote, fünf U-Boote und mehr als 70 Flugzeuge/Hubschrauber. Auf den Inter­net­seit­en der indis­chen Marine wer­den beson­ders her­vorge­hoben der Flugzeugträger „Vikra­ma­ditya“, das von Rus­s­land geleaste nuk­lear­getriebene U-Boot „Chakra“ (AKU­LA-Klasse), der neue Zer­stör­er „Chen­nai“ (KOLKATA-Klasse), das Dock­lan­dungss­chiff „Jalash­wa“ und neue Seefer­naufk­lär­er P-8i Nep­tune.
‘Vikra­ma­ditya’ mit zwei Zer­stör­ern (Foto: ind. Marine)

Tropex“ wird regelmäßig kurz nach Jahres­be­ginn durchge­führt und hat sich in den ver­gan­genen Jahren in Umfang und Kom­plex­ität zunehmend erweit­ert. In detail­liert vor­bere­it­eten „Seri­als“ gestaffelt wid­met man sich nacheinan­der allen „War­fare Areas“: von Über­wass­er-Seekrieg, U-Jagd, Flugabwehr/Luftraumverteidigung und trägergestütztem Flugzeugein­satz über asym­metrische Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions (Ter­rorab­wehr) und Spe­cial Forces Oper­a­tions bis hin zu Katas­tro­phen­hil­fe und Schießab­schnit­ten mit Flugkör­pern und Rohrwaf­fen.

Wie üblich, dient auch das diesjährige „Tropex 17“ grund­sät­zlich der Über­prü­fung der Ein­satzbere­itschaft der Flotte(n), dem Nach­weis der Fähigkeit zur Umset­zung des aktuellen Oper­a­tionskonzeptes der indis­chen Marine — incl. aus­gewählter (mar­itimer) Oper­a­tionse­le­mente der anderen Teil­stre­itkräfte — sowie generell der Stärkung der Fähigkeit­en zu Inter­op­er­abil­iät mit diesen und der Küstenwache.

Chen­nai’ schießt Brah­mos Seeziel-FK (Foto: ind. Marine)Die Übung stellt regelmäßig aber immer auch einen beson­deren Aspekt des Oper­a­tionskonzeptes in den Mit­telpunkt. In ver­gan­genen Jahren waren dies mit Blick auf den Region­al­ri­valen Pak­istan z.B. amphis­che Oper­a­tio­nen (Zer­ti­fizierung eines Konzeptes zur Inte­gra­tion von Teilen der Land­stre­itkräfte) oder Oper­a­tio­nen von Flugzeugträger-Ein­satz­grup­pen. Beim diesjähri­gen „Tropex 17“ liegt ein Schw­er­punkt auf der U-Boot­jagd. Mit zunehmender Besorg­nis reg­istri­ert Indi­en die Beschaf­fung chi­ne­sis­ch­er U-Boote durch Pak­istan und Banglade­sch, vor allem aber auch eine zunehmende Präsenz chi­ne­sis­ch­er U-Boote in den Seege­bi­eten um den südasi­atis­chen Hal­bkon­ti­nent. In der Medi­en­berichter­stat­tung zur Übung wird denn auch der Ein­satz des nuk­lear­getriebe­nen U-Jagd-U-Bootes (SSN) „Chakra“ und der neuen Seefer­naufk­lär­er/U-Jagdflugzeuge P-8i Nep­tune beson­ders her­vorge­hoben.

Als weit­ere Übungsin­halte genan­nt wer­den „Wieder­her­stel­lung der ter­ri­to­ri­alen Integrität und Sou­veränität ein­er Insel“ durch TSK-gemein­samem Ein­satz von Kom­man­dotrup­pen und amphibis­chen Ein­heit­en, Hil­feleis­tung nach ein­er Naturkata­t­ro­phe (auf den Lakkadi­v­en, mit Evakuierung von 100 Per­so­n­en) und Luftraumvertei­di­gung durch Kampf­flugzeuge des Flugzeugträgers „Vikra­ma­ditya“ (Anfangein­sätze gegen angreifende Flugzeuge der Luft­waffe). Beson­dere Medi­en­aufmerk­samkeit fan­den auch ein Live-Schießen des Zer­stör­ers „Chen­nai“ mit Seeziel-FK Brah­mos sowie der erst­ma­lige Schuss eines luft­gestützten Seeziel-FK von einem Seefer­naufk­lär­er des rus­sis­chen Musters Iljushin-38 May gegen ein ver­ankertes Seeziel. )

EUROPÄISCHE UNION (Migra­tion)

Auf dem Gipfel­tr­e­f­fen in Mal­ta haben sich die Regierungschefs der Europäis­chen Union auf ein über­ar­beit­etes Maß­nah­men­paket zur Eindäm­mung des Flüchtlingsstroms über das Mit­telmeer ver­ständigt.

Noch ein­mal wurde die Absicht bekräftigt, die Marine und Küstenwache Libyens durch Aus­bil­dung und materielle Ausstat­tung, aber auch durch finanzielle Hil­fe (zuge­sagt wur­den 200 Mio. Euro) bess­er zu befähi­gen, Flüchtlings­boote schon direkt an der eige­nen Küste abz­u­fan­gen – und vor allem dann dort auch den Schleuser­ban­den das Handw­erk zu leg­en. Lehrgänge für libysches Per­son­al find­en bere­its seit eini­gen Monat­en am Rande der EU Oper­a­tion „Sophia“ statt, wobei u.a. auch ein ital­ienis­ches Dock­lan­dungss­chiff und eine nieder­ländis­che Fre­gat­te als schwim­mende Klassen­z­im­mer dien­ten.

Die Maß­nah­men scheinen auch schon erste Wirkung zu zeigen, denn in den ver­gan­genen Wochen mehren sich Berichte über das Auf­brin­gen von Flüchtlings­booten in libyschen Gewässern. Erst am 5. Feb­ru­ar kon­nte die libysche Küstenwache vor Sabratha (70km wwest­lich von Tripo­lis) ein Boot stop­pen und alle 120 Flüchtlingen/Migranten an Land zurück brin­gen.

Für heftige Diskus­sio­nen sorgt die vom EU-Gipfel verkün­dete Absicht, in Libyen selb­st „sichere Lager“ für Flüchtlinge einzuricht­en. Man darf hier aber wohl keines­falls davon aus­ge­hen, dass die EU plant, von EU-Schif­f­en im Rah­men der Oper­a­tion „Sophia“ in See gerettete Flüchtlinge nun ein­fach nach Libyen zurück­zubrin­gen. Dem ste­hen die in der Europäis­chen Union und den einzel­nen Nation­al­staat­en gel­tende Asylge­set­ze ent­ge­gen. Von EU-Schif­f­en in inter­na­tionalen Gewässern aufgenommene Men­schen dürften auch weit­er­hin in europäis­che Häfen gebracht wer­den müssen.

Vorstell­bar wäre allerd­ings eine enge Koor­dinierung der EU Oper­a­tion „Sophia“ mit der libyschen Marine / Küstenwache mit dem Ziel, in einem gemein­sam erstell­ten Lage­bild Flüchtlings­boote möglichst früh zu ent­deck­en und dann gezielt libysche Ein­heit­en zur Ret­tung der Men­schen noch inner­halb (!) libysch­er Ter­ri­to­ri­al­gewäss­er her­anzuführen. Ein solch­es Ver­fahren würde die Seefahrtzeit der meist nicht see­tauglichen Flüchtlings­boote deut­lich reduzieren und damit die Gefahren für Leib und Leben der Men­schen min­imieren; es kön­nte durch direk­te — und vor allem auch öffentlich kom­mu­nizierte — Rück­führung der Flüchtlinge/Migranten nach Libyen den Schleuser­ban­den die Geschäfts­grund­lage entziehen – und es stünde in Ein­klang mit inter­na­tionalem und EU-Recht. In mit EU-Hil­fe (Finanzierung) in Libyen einzurich­t­en­den und zu unter­hal­tenden Auf­fanglagern kön­nten Flüchtlinge/Migranten unter Kon­trolle der EU und des UNHCR sich­er unterge­bracht und ver­sorgt wer­den und zugle­ich auch Möglichkeit­en erhal­ten, offiziell Asy­lanträge für EU-Län­der zu stellen.

RUMÄNIEN (multi­na­tion­al)

Vor der rumänis­chen Schwarzmeerküste geht das multi­na­tionale Marine­manöver „Sea Shield 2017“ zu Ende.

Das jährlich stat­tfind­ende „Sea Shield“ wird in vie­len Medi­en und vor allem auch in Rus­s­land als „NATO-Manöver“ beze­ich­net, und fast alle Teil­nehmer kom­men auch aus NATO-Mari­nen; es ist aber eine von der rumänis­chen Marine aus­gerichtete und auch geführte multi­na­tionale Übung. Ziel ist die Verbesserung der oper­a­tiv­en und tak­tis­chen Inter­op­er­abil­ität zwis­chen der rumänis­chen Marine und den anderen teil­nehmenden Mari­nen.

Zu den Teil­nehmern gehören in diesem Jahr 16 Kriegsschiffe/Boote sowie ein U-Boot und zehn Flugzeuge/Hubschrauber aus acht Mari­nen. Namentlich genan­nt wer­den die Fre­gat­te “Regele Fer­di­nand“ der gast­geben­den rumänis­chen Marine, zwei zurzeit dem NATO-Ver­band SNMG-2 assig­nierte Fre­gat­ten (die kanadis­che „St. Johns“ und die spanis­che „Almi­rante Juan de Bor­bon“), die bul­gar­ische Fre­gat­te „Smelij“ und der US-Zer­stör­er „Porter“; Rumänien bringt natür­lich noch weit­ere Ein­heit­en in die Übung ein; andere Teil­nehmer kom­men aus Griechen­land, der Türkei (wahrschein­lich das erwäh­nte U-Boot) und der Ukraine als einzigem Nicht-NATO-Land. Die US Navy hat einen ihrer mod­er­nen Seefer­naufk­lär­er P-8A Posei­don ans Schwarzmeer verlegt.„Sea Shield 2017“ begann am 3. Feb­ru­ar mit Ein­tr­e­f­fen der Übung­steil­nehmer in Kon­stan­ta, aber das Woch­enende war erst ein­mal „sozialen Pro­gram­men“ zum gegen­seit­i­gen Ken­nen­ler­nen, offiziellen Besuchen und ersten informellen Gesprächen vor­be­hal­ten. Am Mon­tag (6. Feb­ru­ar) traf man sich dann im Rah­men der dre­itägi­gen Hafen­phase zu abschließen­den Besprechun­gen und Vorübungen/Demonstrationen an Land. Am 8. Feb­ru­ar liefen die Teil­nehmer dann zur Seep­hase aus. Hier standen bis zum 10. Feb­ru­ar U-Boot­jagd, Flu­gab­wehrübun­gen, Search & Res­cue, tak­tis­ches Manövri­eren, aber auch Unter­stützung von Küsten­op­er­a­tio­nen an Land von See her auf dem Pro­gramm. Am 11. Feb­ru­ar geht „Sea Shield 17“ mit ein­er offiziellen Schlussver­anstal­tung zu Ende.

Rus­s­land betra­chtet das Schwarze Meer de fac­to als von ihm zu kon­trol­lieren­des Bin­nen­meer, in dem Nicht-Anrain­er nichts zu suchen haben und sieht in Manövern wie „Sea Shield“ grund­sät­zlich immer ein „aggres­sives Ein­drin­gen der NATO“ in seine ure­igene Inter­essen­sphäre. Dementsprechend aufmerk­sam beobachtete die rus­sis­che Schwarzmeer­flotte die Seep­hase von „Sea Shield 2017“, stellte dafür u.a. Spezialschiff zur Fer­n­melde-/elek­tro­n­is­chen Aufk­lärung (SIGINT) „Liman“ ab. Zu Zwis­chen­fällen kam es nicht. Das Übungs­ge­bi­et war ja auch auf die Gewäss­er des west­lichen Schwarzen Meeres vor der rumänis­chen Küste begren­zt.

RUSSLAND

Mit ein­wöchi­gen Übun­gen in der Bar­entssee hat das Mit­telmeer-Deploy­ment der Nord­flotte seinen Abschluss gefun­den.

Am 8. Feb­ru­ar liefen der Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“ und der Kreuzer „Petr Velikiy“ sowie mehrere sie beglei­t­ende Hil­f­ss­chiffe (Tanker, Bergeschlep­per) in den Kolafjord ein und kehrten zum Heimat­stützpunkt Sewero­morsk zurück. Dort wur­den sie am 9. Feb­ru­ar von Marinebe­fehlshaber Admi­ral Vladimir Korolev und Nord­flot­ten­be­fehlshaber Admi­ral Niko­laj Evmen­ov offiziell begrüßt. Neben den üblichen Reden, in denen die „enorme Bedeu­tung“ des Syrien-Ein­satzes und die „Bewährung von Schif­f­en und Sol­dat­en in einem schwieri­gen Ein­satz“ noch ein­mal betont wur­den, gab es tra­di­tionell Span­fer­kel — und Orden. So ganz glück­lich dürften die nach vier Monat­en zurück­gekehrten Besatzun­gen der Schiffe allerd­ings nicht sein. Vor der Reise waren ihnen Son­derzu­la­gen für Kampfein­satz und Aus­land­stätigkeit ver­sprochen wor­den. Mehrere rus­sis­che Medi­en bericht­en nun aber, das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um denke zurzeit nicht mehr daran, dieses Ver­sprechen einzulösen.

Der im Okto­ber gemein­sam mit dem Flugzeugträger und dem Kreuzer ins Mit­telmeer ver­legte aber nicht mit diesen nach Rus­s­land zurück­gekehrte Zer­stör­er „Severo­morsk“ hat im Indis­chen Ozean eine neue Phase sein­er Reise begonnen. Begleit­et wird der Zer­stör­er dabei vom Flot­ten­tanker „Dub­na“ und dem Bergeschlep­per „Altay“. Erstes Ziel ist Karatschi (Pak­istan), wo der kleine Ver­band nach Zwis­chen­ver­sorgung in Salalah (Oman) am 8. Feb­ru­ar fest­machte. Die drei Schiffe sollen dort an der alle zwei Jahre von Pak­istan aus­gerichteten, an diesem Woch­enende begin­nen­den multi­na­tionalen Übung „Aman 17“ teil­nehmen. Zu daran anschließen­den weit­eren Vorhaben gibt es bish­er keine offiziellen Ankündi­gun­gen. In Inter­net­foren war allerd­ings schon im Dezem­ber von ein­er ange­blich geplanten „Umrun­dung Afrikas mit Besuchen in befre­un­de­ten Län­dern“ die Rede.