USA – Virginia-Klasse – Neuste Jagd-U-Boot-Entwicklung der US Navy


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Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der “ Marineforum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.Marineforum

Das treibende Konzept zur Gestaltung der amerikanischen Jagd-U-Boot-Flotte ist nach wie vor der Einsatz technischer Überlegenheit, um numerische Überlegenheit potenzieller Gegner zu überwinden. Ende 1998 wurde der Vertrag zum Bau der ersten Einheiten der jüngsten Jagd-U-Boot- Klasse (SSN) der Navy vereinbart. Diese VIRGINIA- Klasse wird in Zukunft den Kern der amerikanischen U-Boot-Flotte bilden und wurde ausdrücklich gemäß der strategischen Vision der Navy (festgehalten in »From the Sea« und »Forward … From the Sea«) entworfen.Virginia-KlasseDie VIRGINIA- Klasse wird als erstes amerikanisches U-Boot mit dem Ziel einer umfassenden dreidimensionalen »battlespace dominance« entworfen. Sie ist für Litoralgewässer optimiert, soll jedoch Einsätze entlang des gesamten Aufgabenspektrums, inklusive Hochsee- oder Tiefwassereinsätze, beherrschen.
»Die VIRGINIA-Klasse erreicht die optimale Balance zwischen militärischen Kernfähigkeiten und bezahlbaren Kosten,« erklärt die Navy. Sie übertrifft die prognostizierten Leistungsprofile künftiger Feindboote, und »wird der US-Marine die notwendigen Fähigkeiten verleihen, die sie braucht, um die Unterwasserüberlegenheit weit in das 21. Jahrhundert hinein zu erhalten.
VIRGINIA wird verbesserte Stealth-Fähigkeit, fortgeschrittene Überwachungsfähigkeiten und mehr Ausstattung für Special Warfare Einsätze besitzen, um die vielseitigen Auftragsanforderungen der Navy zu erfüllen.« Vielseitiges Auftrags- und AusstattungsspektrumZur Auftragsbeschreibung der VIRGINIA-Klasse gehört:

  • Einsatz von Tomahawk Marschflugkörpern gegen Landziele;
  • Aufklärung/verdeckte Überwachung (auch mittels elektronischer Horchsysteme) von Küstenregionen, Litoralgewässern oder fremden Marinekräften;
  • Bekämpfung feindlicher Unterseeboote und Überwasserschiffe;
  • Einschleusung und Unterstützung von Special Forces
  • Auslegen von Minen;
  • Aufklärung gegnerischer Minenfelder.
  • Schaffung eines Informationsquadrantensystems innerhalb des Einsatzgebiets durch systematisches Aussetzen von Sensoren am Meeresgrund; die Sensoren werden mit UUV und UAV verbunden und liefern dem regionalen Einsatzbefehlshaber – selbst wenn dieser in größerer Entfernung steht – wichtige Daten bezüglich des Einsatzgebiets und der feindlichen Positionen. Das Informationsquadrantensystem bedeutet auch größere Sicherheit für das Manövrieren eigener Schiffe im Einsatzgebiet.

Konstruktion und Systeme der Boote sind zwecks Maximierung der Leistungsfähigkeit auf diese vielfältigen Aufgabenbereiche ausgerichtet. Das 114,91 Meter lange und 10,36 Meter breite Boot hat eine Verdrängung von 7.925 metrischen Tonnen. Mittschiffs hat die Virginia drei Decks, vorne und achtern je nach Bereich ein oder zwei Decks. Achtern kann ein Advanced Seal Delivery System Klein-U-Boot (fasst bis zu 16 Taucher) oder ein Trockendeck zur Unterbringung von Taucherschlitten angedockt werden. Achtern vom Turm befindet sich eine Flutkammer mit Taucherschleuse, die bis zu neun Kampfschwimmer gleichzeitig aufnimmt. Dies erlaubt das Aussetzen bzw. die Wiederaufnahme eines kompletten 16-köpfigen SEAL-Teams in nur zwei Flutvorgängen. Am Turm sind acht Kammern zur Aufbewahrung von SEAL-Ausrüstung extern zugänglich.
Der Rumpf besteht aus flexiblem Stahl, der die Druckverhältnisse in »mehr als 250 Metern « Tauchtiefe aushält (die genaue Tauchtiefe ist vertraulich). Die Stahlhülle ist mit einer nahtlosen gummiartigen Substanz überzogen, die die magnetische Signatur (und somit die Gefahr durch Magnetminen) minimiert. Der Bug besteht aus schalldurchlässigem Verbundmaterial, um der »Sonarkugel « (s.u.) sämtliche Unterwassergeräusche zukommen zu lassen. (Zwischen der Sonarkugel und den Raketenrohren des U-Boots befindet sich eine schallsichere Trennwand, die die Sonarkugel vor Geräuschen aus dem Bootsinneren schützt).

Antriebssystem
Etwa mittschiffs, hinter den Mannschaftsräumen, befindet sich der Reaktorraum. Achtern vom Reaktorraum befindet sich der Kontrollraum für Reaktor und Maschinen. Wiederum achtern hiervon befindet sich schließlich der Maschinenraum mit Antriebssystem, Stromgeneratoren, hydraulischen Systemen, Luftkompressoren, Meerwasserentsalzungsanlage und Klimaanlage. (Diese Systeme erlauben dem Boot, bis zu drei Monate lang ständig unter Wasser zu bleiben). Der Antrieb erfolgt durch einen S9G Druckwasserreaktor, der 40.000 PS erzeugt. Die Kraftübertragung der einen Antriebswelle bringt die VIRGINIA auf 30 Knoten Fahrt (abgetaucht).
Der als »Propulsor« bezeichnete Propeller wird durch einen Schalldämpfer umgeben, der die akustischen Signale des UBoots auf das Mindestmaß reduziert. Stealth ist – sowohl bezüglich der akustischen wie der elektronischen Signatur der Boote – eines der wichtigsten Eigenschaften der VIRGINIA-Klasse.

Sensoren
Diese Bootsklasse erhält die fortschrittlichste Sensorik in der amerikanischen Marinegeschichte. Der Einsatz als »Horchposten« wird in der Auftragsbeschreibung entsprechend hervorgehoben. Die VIRGINIA wird unter anderem elektronische Signale von Land oder von der See abhören können, die selbst Überwachungssatelliten nicht erfassen. Auf dem Turm befinden sich 8 Masten mit einer Vielzahl verschiedener Sensoren.

  • Der ESM (Electronic Surveillance Measures) Mast birgt u.a. die GPS-Antenne sowie Sensoren zur Erkennung von Radarsignalen anderer Boote und Schiffe
  • Zwei High Data Rate Masten zum Senden und Empfangen digitaler Daten
  • Zwei Multifunktionsmasten mit Radioantennen (Senden und Empfangen)
  • Zwei Fotonikmasten mit TV-Kameras, Restlichtverstärker und Laserentfernungsmesser, als Periskopersatz. (Die VIRGINIA ist das erste neue Jagd-U-Boote für die US-Navy VIRGINIA-Klasse Unterseeboot der US-Navy ohne Periskop).

Die Farb-, Schwarz-Weiss- und Infrarotbilder werden auf Großbildschirme der Brücke projiziert, können aber auch digital an weitere Schiffs- oder Flugzeugeinheiten bzw. an das Einsatzhauptquartier weitergeleitet werden; – Ein Mast bleibt frei, um je nach den Anforderungen des Einsatzes konfiguriert zu werden.
Die VIRGINIA-Boote besitzen eine 360-Grad rundum Sonarfähigkeit. Dies erlaubt nicht nur die schnellere und sichere Erfassung feindlicher Einheiten; die VIRGINIA wurde auch ausdrücklich daraufhin entworfen, genaue topografische Messungen des Meeresgrundes und der Litoralumgebung vorzunehmen und um Minenfelder zu vermessen. Die Erfassung eines »Quadrantensystems« des jeweiligen Einsatzgebietes ist eines der Leistungen, die das Boot zur Unterstützung einer Trägergruppe oder einer Joint Task Force erbringen soll.

  • Ein Sonarsensor ist am vorderen Teil des Turms angebracht
  • Auf beiden Rumpfseiten sind jeweils drei Weitwinkelsonarsensoren reihenförmig angebracht
  • Im Bug befindet sich die »Sonarkugel« (Sonar Sphere). Sie ist mit mehr als 1.000 Aktiv-/ Passivsensoren bedeckt
  • Unterhalb des Bugs befindet sich die so genannte »Kinnsonaranlage
  • Schließlich kann die VIRGINIA eine externe TB-29(A) Sonaranlage schleppen, um die toten Winkel hinter dem Boot zu eliminieren.

Kommunikationssystem
Das C3 System der VIRGINIA ist voll auf das Konzept »Network Centric Warfare« ausgerichtet. Die VIRGINIA wird vollständig in das Informations- und Sensorennetz mit anderen Elementen des US-Militärs integriert. Dies beschränkt sich nicht auf eine Navy-Flugzeugträgergruppe, sondern umfasst alle relevanten Teilstreitkräfte einer Joint Task Force im Einsatzgebiet. Das Kommunikationssystem hält auch Kontakt zu Satelliten sowie zu Lenkwaffen im Flug.
Durch den lückenlosen Informationsaustausch entsteht für den jeweiligen Einsatzbefehlshaber ein dreidimensionales Bild vom Einsatzgebiet. So kann die VIRGINIA beispielsweise Air Force Bombern oder Lenkwaffen anderer Schiffe direkt mit Zielkoordinaten versorgen, oder ihrerseits wichtige Einsatzdaten durch die Sensoren anderer Einheiten beziehen.
Auch intern sind sämtliche elektronische Systeme des Bootes per Glasfaserkabel in einem Wide Area Network (WAN) miteinander verknüpft. Künftige Einheiten – eventuell ab dem zehnten Boot – könnten für die interne Systemverbindung über eine drahtlose WAN verfügen, glaubt Rear Admiral John D. Butler, ehemaliger Chef des Naval Undersea Warfare Center. Die Drahtlosigkeit würde dann den Austausch gesamter Module des U-Boots erleichtern. Alternativ sollen zu diesem Zweck künftig die Schnittstellen der Glasfaserkabel an den Modulgrenzen abknüpfbar sein.
Auch diese Lösung wird die Flexibilität des Bootes noch weiter erhöhen, da sehr kurzfristig das Boot durch den Einbau von Spezialmodulen für den jeweils bevorstehenden Einsatz konfiguriert werden kann.

Operationszentrale
Die geräumige Kommandozentrale der VIRGINIA befindet sich im zweiten der drei Decks unterhalb des Turms. Sie ist durch elektronische Steuerungselemente und tastsensible Bildschirme gekennzeichnet, die von jeder Dienststation aus Zugang zu Daten sämtlicher Systeme gewähren. (Entsprechende Informations- und Kontrollstationen befinden sich auch in den Kabinen des Kommandanten und des Ersten Offiziers). Die Steuerung des Boots erfolgt per Joystick.

Waffensysteme
Die Bewaffnung der VIRGINIA besteht aus: zwölf VLS (Vertical Launch System) Raketenrohren zwischen Bug und Turm, zum Abschuss von Tomahawk-Marschflugkörpern und (zu einem späteren Zeitpunkt) ballistischen Raketenwaffen; vier Torpedorohren zum Einsatz von Mk. 48 Advanced Capability Torpedos sowie zum Aussetzen von Minen. Unbemannte Unterwasserfahrzeuge (UUVs), Raketen und Marschflugkörper können ebenfalls durch die Torpedorohre ausgesetzt bzw. abgefeuert werden. Der Torpedoraum befindet sich unterhalb des Kommandoraums. Die Waffenlast ist auf 38 Raketen, Marschflugkörper oder Torpedos (bzw. einem Mix dieser Waffen) begrenzt. Zwölf Marschflugkörper finden in den VLS-Rohren Platz, 26 weitere Waffen können im Torpedoraum verstaut werden. Die zwölf Tomahawk in den VLS können einzeln oder als Salve in rascher Folge abgeschossen werden.

Besatzung
Die Crew umfasst 14 Offiziere und 120 Mann. Der Wohn- und Essbereich des Bootes befindet sich mittschiffs. Kommandant und Erster Offizier haben Einzelkabinen. Die Mannschaftsdienstgrade sind in Kabinen zu 16 Mann untergebracht. Weitere 41 Kojen können im Bedarfsfall für SEAL-Kommandos im Torpedoraum aufgestellt werden. Dies erfordert jedoch die Entfernung der Torpedos und der Torpedo-Einsatzausrüstung. (Aufgrund der Modularität kein Problem).