Deutschland — Fregatte Klasse 125

Das Plat­tform­sys­tem
Die Sil­hou­ette des Gesam­ten­twurfs ist geprägt durch die Anwen­dung eines Zwei-Insel- Prinzips mit Abgas­führung über die Inse­lauf­baut­en. Dieses Prinzip stellt die erforder­liche Redun­danz und Degra­da­tions­fähigkeit ein­satzwichtiger Sys­teme – Ver­sorgung mit Frischwass­er, Kalt­wass­er und Kraft­stoff, Erzeu­gung und Verteilung von Druck­luft und Energie sowie die Anord­nung der Sen­soren und Effek­toren – sich­er.

Zwis­chen den Inse­lauf­baut­en befind­en sich Stellplätze an Oberdeck für 2x20-Fuß-Con­tain­er, in denen etwa zusät­zliche Aus­rüs­tung unterge­bracht wer­den kann. Auf dem Haupt­deck befind­en sich Boot­snis­chen zur Auf­nahme von vier Booten mit ein­er max­i­malen Länge von 11 Metern. Diese Boote kön­nen alter­na­tiv als Bere­itschafts­boote einge­set­zt wer­den, um Kon­troll- und Überwachungsauf­gaben im Rah­men von Mar­itime Inter­dic­tion Oper­a­tions (MIO) wahrnehmen. Darüber hin­aus kön­nen sie als Board­ing- und Ver­bringungsmit­tel für Spezialkräfte dienen, indem sie mit mod­u­laren Ausstat­tun­gen aus­gerüstet wer­den.

Der Heck­bere­ich ist geprägt durch die Real­isierung der Flug­be­trieb­sein­rich­tun­gen zur Auf­nahme und zum Betrieb von zwei Bor­d­hub­schraubern (BHS) des Typs MH90 ein­schließlich der zuge­höri­gen materiellen Ver­legepakete (ET/AT-Anteil, Boden­prüf- und Son­der­w­erkzeuge) und des zuge­höri­gen Flug­be­triebs- und Wartungsper­son­als. Hierzu gehören ein BHS-Brief­in­graum mit Arbeit­splätzen zur Bedi­enung ein­er Ein­satzun­ter­stützungsan­lage mit Verbindung zum Führungsin­for­ma­tion­ssys­tem und Führungs- und Waf­fenein­satzsys­tem des Schiffes.

Der vordere Bere­ich des Schiffes ist geprägt durch die Auf­nahme eines 127-mm-Geschützes von Oto Melara (127 mm/L64), welch­es die F125 zur tak­tis­chen Feuerun­ter­stützung von See an Land über die erforder­liche Ent­fer­nung im Joint-Ein­satz befähigt und eben­falls zur Seeziel­bekämp­fung einge­set­zt wer­den kann.

Die Radar- und IR-Sig­na­turen sind opti­miert auf den Ein­satz der Täuschkör­per­wur­fan­la­gen. Hierzu gehören neben geschlosse­nen Ver­hold­ecks eben­falls die Real­isierung ein- und aus­fal­l­en­der Seit­en­wände, geschlossen­er Schanzk­lei­der sowie Vorhänge vor den Boot­snis­chen zur Reduzierung der Radar­rück­strahlfläche und ein­er Abgasküh­lung für Gas­tur­bine und Energieerzeu­gungsan­la­gen.

Die F125 erhält Schiffs­führungsräume, die über die eigene Schiffs­führung hin­aus die Führung mar­itimer Ver­bände durch Ein­schif­fung eines Com­man­der Task Group (CTG) mit Stab oder den Ein­satz von Spezialkräften mit Anbindung an die erforder­lichen Führungs- und Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel erlauben.

Die Besatzung­sun­terkün­fte zeich­nen sich durch eine Verbesserung des Unterkun­fts­stan­dards aus, dessen Ker­nele­mente aus ein­er Ver­ringerung der Bele­gungszahl je Kam­mer und ein­er Dezen­tral­isierung der San­itär­bere­iche beste­hen.

Entwurfs­bes­tim­mende Konzepte im Plat­tform­sys­tem
Im Plat­tform­sys­tem wur­den zahlre­iche inno­v­a­tive Konzepte umge­set­zt, die Entwurfs­bes­tim­menden Charak­ter haben und die Inten­sivnutzbarkeit des Schiffes unter­stützen. Her­auszuheben ist hier ein Verpfle­gungskonzept, welch­es dem Schiffs­be­trieb mit reduziert­er Besatzungsstärke angepasst ist. Hierzu zählen opti­mierte Verkehr­swege unter Nutzung eines zen­tralen Aufzugs zur Ver­bringung der Verpfle­gungs­güter in Git­ter­box­palet­ten direkt in die Tiefküh­llas­ten. Der Verpfle­gungsar­tikelum­fang kon­nte deut­lich reduziert wer­den und stützt sich stark auf Waren mit einem hohen Fer­tig­stel­lungs­grad (Con­ve­nience­grad) ab, was heuti­gen Ess­ge­wohn­heit­en entspricht.

Entwurfs­bes­tim­mend ist eben­falls die Real­isierung eines hohen Schutzniveaus der Besatzung mit dem Ziel, für die zu erwartenden Bedro­hun­gen die Wahrschein­lichkeit eines Tre­f­fers zu ver­ringern, dessen Wirk­samkeit zu reduzieren und eine eventuell notwendi­ge Evakuierung sich­er durch­führen zu kön­nen. Dieses auf das Zweibesatzungskonzept F125 abges­timmte Gesamtkonzept zeich­net sich durch einen hohen Automa­tion­s­grad aus und umfasst neben den bere­its erwäh­n­ten Maß­nah­men zur Sig­naturre­duzierung und Stand­krafter­höhung die Real­isierung eines hin­re­ichen­den ABC-Schutzes, eines Beschuss- und Split­ter­schutzes ein­satzwichtiger Bere­iche, die schock­sichere Ausle­gung ein­satzwichtiger Anla­gen und Geräte und die Umset­zung eines auf das ver­füg­bare Per­son­al abges­timmten Schadens­ab­wehrkonzepts, welch­es durch sichere und zuver­läs­sige Sen­sorik mit Anbindung an die Führungsstände unter­stützt wird.

Auf­grund der Per­son­alre­duzierung bei der F125 wer­den zusät­zlich zur üblichen Aus­rüs­tung für die Schiff­s­sicherung weit­ere Anla­gen und Geräte einge­plant. Hierzu gehört eine umfan­gre­iche Ausstat­tung mit Brand­meldern, automa­tisierten Feuer­löschan­la­gen und Videokam­eras in und auf dem Schiff sowie die Real­isierung eines Per­so­nenor­tungssys­tems, welch­es den Aufen­thalt­sort von Per­so­n­en decks- und abteilungs­be­zo­gen wiedergibt und somit im Schadens­fall eine sichere und schnelle Evakuierung unter­stützt.

Als weit­eres Entwurfs­bes­tim­mendes Konzept ist die Antrieb­san­lage zu nen­nen, bei der erst­ma­lig für eine deutsche Fre­gat­te ein elek­trisch­er COD­LAG-Antrieb (Com­bined Diesel Elec­tric and Gas­tur­bine) real­isiert wird, der eine elek­trisch zu fahrende Marschgeschwindigkeit von 20 Knoten und eine Dauer­höch­st­geschwindigkeit von mehr als 26 Knoten gewährleis­tet. Das Energieerzeu­gungskonzept fasst die benötigte elek­trische Energie für Antrieb und Bor­d­net­ze in einem Energiepool zusam­men. Die Energie wird durch zwei redun­dant aus­gelegte E-Werke mit je zwei Diesel-E-Erzeuger­ag­gre­gat­en mit ein­er Leis­tung von jew­eils 3.000 KWmech bere­it­gestellt und über ein 6,6-kV-Mittelspannungsnetz verteilt.