Deutschland – Die Minenabwehr in der Deutschen Marine


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Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

Marineforum

Die Minenabwehr in der Deutschen Marine
Eine Bestandsaufnahme und ein Blick in die Zukunft

Von Christian Bock/Fritz-R. Klocke

Marineforum (Fregattenkapitän Christian Bock ist ehemaliger Stellvertretender Geschwaderkommandeur des 3. Minensuchgeschwaders und war erster Kommandant auf den Minenjagdbooten MJ 333 der KULMBACH-Klasse. Seit Frühjahr 2007 ist er im Verteidigungsministerium tätig.
Fregattenkapitän Fritz-R. Klocke ist im Flottenkommando zuständiger Dezernent für Minenabwehr und Mineneinsatz. Aus seiner Verwendung im Stab der ehemaligen Flottille der Minenstreitkräfte hat er den Umbau der Minenabwehreinheiten zu Minenjagdbooten der Klasse 333 und Hohlstablenkbooten der Klasse 352 betreut. Seine Erfahrungen gehen auf Kommandantenzeiten auf diversen Minenabwehrsystemen zurück.)

»Wir müssen Krisen und Konflikten rechtzeitig dort begegnen, wo sie entstehen, und dadurch ihre negativen Wirkungen von Europa und unseren Bürgern möglichst weitgehend fernhalten.« (Verteidigungsminister Franz Josef Jung im Weißbuch 2007)

Auch 50 Jahre nach der Gründung der Deutschen Marine spielen Minenabwehrfähigkeiten auf See eine Rolle für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland. Die Abhängigkeit der Deutschen Wirtschaft von dem ungehinderten Warenaustausch, vom Außenhandel, der Rohölversorgung über See und der auf dem Meeresboden verlegten Kommunikationsverbindung ist für jedermann offensichtlich. Jegliche Störung der Sea-Lines of Communication hätte unabsehbare Folgen und negative Auswirkungen für die Bundesrepublik Deutschland. Die nationale Volkswirtschaft, der Wohlstand und der soziale Frieden können bedroht werden.

Dass dies in den letzten Jahrzehnten nicht geschehen ist, liegt in dem Abschreckungspotenzial der Bündnisse aber insbesondere in den überragenden Wirksamkeiten der europäischen Minenabwehrfähigkeit im Allgemeinen und der deutschen im Speziellen zugrunde.

Ein lebendiges Beispiel für die Relevanz der Minenabwehr sind die beiden dauerhaft eingerichteten Ständigen Einsatzverbände der NATO, Standing NATO Minecountermeasure Group 1 and 2 (SNMCMG1 und 2), deren Einbindung in die NATO Response Force (NRF), der schnellen Eingreiftruppe der NATO, dem Bündnis eine allzeit bereite und geografisch unabhängig einsetzbare Komponente an die Hand gibt.

Aber auch in der nationalen Verteidigungs- und Streitkräfteplanung ist die Minenabwehr fest eingebunden. In jedem streitkräftegemeinsamen Szenario spielt die See als Transportweg und für den Zugang zu fremden Regionen die gewichtigste Rolle. Damit wird deutlich: Die Seemine ist kein reines Marineproblem. Die Konzeption der Bundeswehr fordert deshalb von den maritimen Eingreif- und Stabilisierungskräften die Fähigkeiten, den Einsatz von Land- und Luftstreitkräften geografisch uneingeschränkt zu ermöglichen oder zu unterstützen. Die Operationsfreiheit der Seestreitkräfte oder der Kräfte, die über See transportiert werden, muss bei einem Einsatz insbesondere im unmittelbaren Küstenvorfeld gewährleistet sein.

Deshalb muss die Aufklärung unter Wasser in einem Einsatzgebiet sowie die Absicherung der operativen Verlegefähigkeit, der Operationsfreiheit und der Mobilität aller Kräfte im Küstenvorfeld durch die Fähigkeit zum Minenkriegführung gewährleistet sein.