Asien — Chinas neuester Superjäger — die J‑10 “Firebird”


China

Indi­en­st­stel­lung:
Lange Rei­hen von Ein­satzflugzeu­gen auf Bildern aus dem Dezem­ber 2003 deuten darauf hin, dass spätestens Ende 2003/Anfang 2004 die erste Ausstat­tung von Ein­satzreg­i­mentern mit der J‑10 erfol­gte. Auch die Aus­liefer­ung des Eurofight­er Typhoon an die Luft­waf­fen hat 2003 begonnen — was den J‑10 erneut hin­sichtlich der zeitlichen Entwick­lungs­gen­er­a­tion mit dem Eurofight­er ver­gle­ich­bar macht. Die chi­ne­sis­chen Inge­nieure haben also in ein­er den Europäern ver­gle­ich­baren Zeit ein eigenes Hochleis­tungs­jagdflugzeug entwick­elt und in die Serien­fer­ti­gung gebracht **).

Zwis­chen­zeitlich ist bekan­nt, dass zuerst das 131. Reg­i­ment der 44. Luft­waf­fendi­vi­sion in Kun­ming die J‑10 als Ein­satzreg­i­ment erhielt. Diese nahe beim Her­steller liegende, gegenüber „frem­den Augen“ rel­a­tiv abgeschiedene Basis scheint sich ide­al zu eignen, um neue Flugzeug­muster einzuführen. Im August 2004 erfol­gte der Zulauf im 132. Reg­i­ment, das nahe der Gren­ze zu Viet­nam auf dem Flier­horst Mengzi sta­tion­iert ist. Inzwis­chen soll die J‑10 auch beim 130. Reg­i­ment zulaufen. Die J‑10 aus der 44. Divi­sion (Yun­nan) wer­den offen­bar auch inten­siv als Train­ingspart­ner gegen die anderen Luft­waf­fenein­heit­en im ganzen Land einge­set­zt. Ende 2006 wurde berichtet, J‑10 der 44. Divi­sion wären zum Train­ing gegen die J‑11 der 19. Divi­sion im Nor­dosten Chi­nas angetreten. 

Im Jahre 2005 deuteten dann weit­ere Berichte in Inter­net-Foren darauf hin, dass mehrere Reg­i­menter der 3. Divi­sion (Changx­ing, Wuhu) mit weit­eren Flugzeu­gen des Typs aus­ges­tat­tet wur­den. Ende 2005 wurde wohl mit dem 2. Reg­i­ment begonnen – das auch die SU-27 fliegt und als „Spar­ringspart­ner“ bei der Erprobung der J‑10 gedi­ent hat.

Damit scheinen fol­gende PLAAF-Ein­heit­en mit der J‑10 aus­gerüstet zu sein (Stand Anfang 2007):

Testein­heit­en:
3. Test Flug Reg­i­ment in Wen­jiang —  Cheng­du Air­craft Corp. (CAC)
Chi­na Flight Test Estab­lish­ment (CFTE) in Xiang Yan­liang
13t. Oper­a­tionales Erprobungsreg­i­ment  FTTC in Cangzhou-Cangx­i­an südl. Peking (30.03.2003 “ein­satzfähig”)

Oper­a­tionelle Ein­heit­en (Ein­satzreg­i­menter):
44. Fight­er Divi­sion / 130. Reg­i­ment in Mengzi,
44. Fight­er Divi­sion / 131. Reg­i­ment in Kun­ming — Luliang (ab Juli/August 2004),
44. Fight­er Divi­sion / 132. Reg­i­ment in Mengzi 

1. Fight­er Divi­sion / 2. Reg­i­ment in Chifeng
2. Fight­er Divi­sion / 5. Reg­i­ment in Suixi oder Liuzhou (Giulin) nördl. Hainan (ab 2007)
3. Fight­er Divi­sion / 8. Reg­i­ment in Changx­ing bei Shang­hai (ab 2006)

In Umstel­lung:
5. Divi­sion / 1 Regiment

7. Divi­sion 18./19. Reg­i­ment
9. Fight­er Divi­sion / 25. Reg­i­ment
15. Attack Divi­sion / 43. Reg­i­ment in Datong-Huairen

18. Divi­sion (Chang­sha) /ein Reg­i­ment
24. Divi­sion /70. Reg­i­ment ? in Yankun

44. Divi­sion / 1 Regiment

124. Brigade, Nan­ning-Base in Boose/Tianjang (ex J‑7 H) mit J‑10 A 

 

Damit scheint fest­stell­bar, dass die J‑10 die Nach­folge der J‑7 antritt, da (mit Aus­nahme der 24. Divi­sion in Yankun, die zuvor die let­zten J‑8/J‑8I flo­gen) alle Ein­heit­en, die auf die J‑10 umgerüstet wur­den, bis­lang die J‑7 geflo­gen sind. Die J‑7 soll dem Vernehmen nach keine all zu lange Lebens­dauer haben. Dementsprechend ist mit dem Ersatz der jew­eils mit den ältesten J‑7 aus­gerüsteten Ein­heit­en zu rech­nen Daher sollte dem­nächst die 4. Divi­sion der PLAAF in Luqiao mit der J‑10 bedacht wer­den. Die Umstel­lung sollte bis spätestens 2025 abgeschlossen sein.

Chin­abeobachter gehen davon aus, dass jedes mit der J‑10 aus­ges­tat­tete Reg­i­ment über 24 ein­sitzige J‑10 A und vier dop­pel­sitzige J‑10 AS ver­fügt. Vier aus­ges­tat­tete oper­a­tionelle Reg­i­menter wür­den also den Zulauf von 96 ein­sitzi­gen und 16 dop­pel­sitzi­gen Maschi­nen bedeuten. Das ist eine etwas höhere Pro­duk­tion­srate als für den im ver­gle­ich­baren Zeitraum entwick­el­ten Eurofight­er beste­ht **). Bis Ende 2007 kann von der Pro­duk­tion von ins­ge­samt etwa 140 Maschi­nen aus­ge­gan­gen werden,mit ein­er max­i­malen Pro­duk­tion von 4 — 6 Maschi­nen pro Monat.  Durch das Erd­beben von 2008 soll die Pro­duk­tion­srate deut­lich zurück­ge­gan­gen sein.  Allerd­ings kann die Pro­duk­tion — falls nötig — sich­er deut­lich “hochge­fahren” wer­den. Eine weiere Pro­duk­tion­shalle soll sich in Bau befinden.

Die Liefer­ung ein­er weit­eren Tranche von 100 AL-32 FN Trieb­w­erken ab Novem­ber 2005 durch Saljut und die genan­nten Fol­geaufträge vom Mai und Sep­tem­ber 2007 für weit­ere 150 Trieb­w­erke zeigen, dass die Fer­ti­gung auf hohem Niveau weit­er läuft. Inzwis­chen wird davon gesprochen, dass die CAC – der Her­steller der J‑10 – die Pro­duk­tion auf zwei Mon­tagelin­ien anlaufen lässt (Stand Früh­jahr 2007) und damit jährlich 30–40 Maschi­nen der PLAAF zuge­führt wer­den kön­nen. Ende Dezem­ber 2006 wurde die J‑10 w.o.a. im chi­ne­sis­chen Fernse­hen öffentlich vorgestellt, was auf eine sta­bile Ein­satzmöglichkeit schließen lässt. 

Die Ein­führung bei der PLA-AF ist inzwis­chen wohl soweit abgeschlossen, dass die J‑10 erst­mals im Juli 2007 bei den chi­ne­sisch-rus­sis­chen Manövern „Friedens­mis­sion 07“ einem inter­na­tionalen Expertenkreis vorge­führt wer­den kann. Zugle­ich wur­den im Okto­ber 2007 nach rus­sis­ch­er Quelle ein erster Exporter­folg von zwei Staffeln J‑10 (24 Maschi­nen) bekan­nt, die im Zeitraum von 2008 bis 2010 in den Iran geliefert wer­den sollen. Bis Anfang 2014 dürften ins­ge­samt 10 Ein­heit­en mit jew­eils ca. 24 Flugzeu­gen aus­ges­tat­tet, ins­ge­samt also 240 Ein­satzflugzeuge (zuzüglich Pro­to­typen und Vorse­rien­mod­elle) gebaut wor­den sein.

 

Ein­führung bei der PLAN-AF?
Die Marine (PLAN) mit ihrer Luft­waffe (AF) — kurz PLAN-AF — soll nach länger umlaufend­en Gerücht­en eben­falls an die Ein­führung der J‑10 denken. Anfang Juli 2010 ver­meldete AVIC — der Her­steller der J‑10 — auf sein­er web­site den Besuch von “Major Gen­er­al Jin Ke, Com­mis­sar of the PLAN Gen­er­al equip­ment depart­ment”, offen­bar — so sug­geriert das Foto — einem Navy-Offizier. Dies scheint Berichte zu bestäti­gen, wonach ab dem Jahr 2010 auch die PLAN-AF mit der J‑10 aus­gerüstet wird. 

In Umstel­lung:
4. PLANaval Air Divi­sion / 12. Reg­i­ment in Luqiao (ab 2010, unbestätigt)

 

Trieb­w­erk:
Chi­nas Haupt­prob­lem bei der Entwick­lung eigen­er Jagdflugzeuge sind die Trieb­w­erke. Chi­na bemühte sich daher in der Zeit vor dem „Tienanmen“-Debakel (1989) durch entsprechende Lizen­zpro­duk­te Zugang zu west­lich­er Tech­nolo­gie zu erhal­ten. Ein Beispiel dafür ist die britis­che Spey MK 202, die Teile­fer­ti­gung für die amerikanis­chen Gen­er­al Elec­tric CF‑6 und CFM-56 (unter Mod­ernisierung der Shenyang Aero-Engine Fac­to­ry ‑SAEF — und der Xian Aero-Engine Com­pa­ny — XAEC -, sowie die Liefer­ung von zwei CFM-56–2 Trieb­w­erken im Jahre 1983 zu Zweck­en der Aus­bil­dung („Peace Perl Pro­gramm“). Bei­de Trieb­w­erke sollen durch einen Brand ver­loren gegan­gen sein. Das von Shenyang entwick­elte WS-10 soll aber auf dem CFM-56–2 basieren, wobei der Kern des zivlien CFM-56 auf dem Kern des mil­itärischen Gen­er­al Elec­tric F 101 oder F 110 beruht. Allerd­ings benötigte die Entwick­lung dieses Trieb­w­erks doch mehr Zeit, als die Entwick­lung des Flugzeuges benötigte.

Dementsprechend erwies es sich für Chi­nas Inge­nieure als Glücks­fall, dass über die Lizen­zpro­duk­tion der SU-27 der Zugriff auf das rus­sis­che AL-31 FN Trieb­w­erk ermöglicht wurde. Das ist eine mod­ernisierte Vari­ante des Tur­binen-Luft­strahltrieb­w­erkes Al-31 F, mit denen die Jäger Su-27 aus­ges­tat­tet sind. Das Trieb­w­erk passte in die Zelle der J‑10 und lieferte die nöti­gen Leis­tun­gen, um die J‑10 voll oper­a­tional zu erhal­ten. Der hohe Treib­stof­fver­brauch und die rel­a­tiv geringe Tankka­paz­ität des Flugzeuges ließen allerd­ings zunächst nur kurze Reich­weit­en zu. Dementsprechend war die J‑10 zunächst — wie die MiG 29 — als rein­er Abfangjäger konzip­iert. Die Liefer­ung ein­er weit­eren Tranche von 100 AL-32 FN Trieb­w­erken ab Novem­ber 2005 durch Saljut und die genan­nten Fol­geaufträge vom Mai und Sep­tem­ber 2007 für weit­ere 150 Trieb­w­erke scheinen den Ein­druck zu erweck­en, dass sich Chi­na zunächst voll auf die Ver­wen­dung dieses Trieb­w­erks konzentrierte.

Die Entwick­lung des WS-10 wurde allerd­ings weit­er getrieben. Die WS-10A wurde auf der Zuhai Air­show 2006 offiziel als serien­reif verkün­det. Inzwis­chen wird die J‑11 B *) mit der WS-10 aus­gerüstet, wobei dieses zweis­trahlige Flugzeug Trieb­w­erk­sprob­leme bess­er ver­ar­beit­en kann als die ein­strahlige J‑10.

Seit April 2007 ist bekan­nt, dass die J‑10 nun auch mit dem chi­ne­sis­chen Trieb­w­erk WS-10 Tur­bo­fan aus­ges­tat­tet wer­den kann und noch in diesem Jahr mit einem entsprechen­den Pro­gramm begonnen wer­den sollte, und im Dezem­ber 2008 soll auch die erste Mas­chine vom Typ J‑10 B (Super-10) zu ihrem Jungfer­n­flug ges­tartet sein. Den­noch wurde noch im Mai 2007 der Kauf von 100 und im Sep­tem­ber 2007 von weit­eren 50 mod­i­fizierten rus­sis­chen Salyut AL-31 FN Trieb­w­erken für die chi­ne­sis­che J‑10 bekan­nt gegeben. Im Feb­ru­ar 2009 wurde von RIA NOVOSTI die Bestel­lung von weit­eren “122 Trieb­w­erken für den chi­ne­sis­chen J‑10-Jäger” gemeldet. 

Erste Fotos der mod­i­fizierten ein­sitzi­gen J‑10 B sind im März 2009 in diversen Inter­net­for­den aufge­taucht. Diese mit “01” gekennze­ich­nee Mas­chine hat aber anscheinend noch das rus­sis­che Trieb­w­erk. Möglicher­weise ist die chi­ne­sis­che Vari­ante erst in späteren Erprobungsmustern vorge­se­hen, oder es wer­den mit der zweimo­tori­gen J‑11 noch Zuver­läs­sigkeit­sprü­fun­gen dieser Eige­nen­twick­lung durchgeführt.

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J‑10 B
Bildquelle: J.P. Santiago 

Die J‑10 B ist ins­beson­dere an dem verän­derten DSI-Luftein­lauf (DSI ste­ht für Divert­er­less Super­son­ic Inlet) ähn­lich der F‑35 erkennbar. Darüber hin­aus soll sich diese Vari­ante durch ein Feuer­leit­sys­tem mit Weitwinkel-HUD ähn­lich dem der MiG-29 sowie Zielsen­soren auf Infrarot- und Laser­ba­sis vom Vorgänger­mod­ell unter­schei­den (siehe Folgeseite).

Im Dezem­ber 2013 wur­den Fotos der ersten drei Serien­maschi­nen der J‑10 B im Inter­net bekan­nt. Damit kann die Auf­nahme der Serien­fer­ti­gung im Jahr 2013 als belegt gelten.

Bis zu 300 J‑10 sollen für Chi­nas Luft­stre­itkräfte bestellt sein.

Wir danken an dieser Stelle “Deino” (Andreas Rpprecht) und J.P. San­ti­a­go, dem Autorenteam der FLIEGER REVUE für die Erlaub­nis zum Abdruck der Zeichnung
(Fotos: chines. Internetforen).
Team GlobDef

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