Allgemein — Korvetten und Offshore Patrol Vessel

Off­shore Patrol Ves­sel
Kriegss­chiffe sollen grund­sät­zlich mil­itärischen Bedro­hun­gen begeg­nen. Sie erfüllen ihre Rolle sowohl in den Ter­ri­to­ri­al­gewässern eines Lan­des (Lan­desvertei­di­gung) als auch außer­halb davon, bis über glob­ale Ent­fer­nun­gen (Sicherung von Seev­erkehr­swe­gen, Krisen­op­er­a­tio­nen, »Pow­er Pro­jec­tion«). Es gibt aber eine ganze Rei­he nicht­mil­itärisch­er (hoheitlich­er) Auf­gaben, die eben­falls in staatlich­er Zuständigkeit wahrgenom­men wer­den müssen. Küstenwachen, Zoll und Seep­olizei­di­en­ste küm­mern sich um Seesicher­heit, Gren­zsicherung, Ver­brechens­bekämp­fung etc. Zunächst gibt es wenig Auf­gabenüber­schnei­dun­gen mit Mari­nen, z.B. beim SAR-Dienst; Zusam­me­nar­beit erfol­gt in der Regel im Rah­men von Amt­shil­fe.

Hoheitliche Auf­gaben sind zunächst vor­wiegend auf die Ter­ri­to­ri­al­gewäss­er begren­zt. Hochsee­op­er­a­tio­nen sind nur für einige wenige Staat­en rel­e­vant. So nehmen die Mari­nen (früher­er) Kolo­nialmächte auch Küstenwachauf­gaben um Überseebe­sitzun­gen wahr (Frankre­ich im Süd­paz­i­fik, Indik und Karibik, Nieder­lande in der Karibik, etc. …). Für die US Coast Guard sind Hochsee­op­er­a­tio­nen Selb­stver­ständlichkeit, und sie ver­fügt über entsprechende Schiffe (z.B. die 3.000 ts großen »Kut­ter« der HAMIL­TON-Klasse). Ähn­lich­es gilt für den See­gren­zschutz der Sow­je­tu­nion bzw. Rus­s­lands, der z.B. mit Schif­f­en der SUSANIN-Klasse (3.400 ts) seit 30 Jahren auf Hoher See aktiv ist.

Plöt­zlich aber entste­ht auch für viele kleinere Küsten­län­der die Notwendigkeit, weit­er auf See hoheitliche Auf­gaben zu erfüllen. Bis in die 50er Jahre ist die Verteilung der Hoheits­gewäss­er rel­a­tiv ein­fach geregelt. Es gilt eine Dreimeilen­zone, später eine Zwölfmeilen­zone. Außer­halb davon ist das Meer für jeden frei nutzbar, zum Beispiel zum Fis­chfang. Dann aber wer­den unter dem Meeres­bo­den Öl und Gasvorkom­men ent­deckt – und weck­en Begehrlichkeit­en. 1958 einigt man sich in Genf auf die Kon­ven­tion zum Fes­t­landssock­el. Jet­zt kann ein Staat die vor sein­er Küste bis zu ein­er Wasser­tiefe von 200 m im Meer (Fis­che) oder unter dem Meeres­bo­den (Min­er­alien, fos­sile Brennstoffe) befind­lichen Ressourcen sein eigen nen­nen. 1982 ver­ab­schiedet die UN-Seerecht­skon­ferenz das Seerecht­sübereinkom­men. Nun darf ein Küsten­staat in ein­er bis zu 200 sm auf See reichen­den Exclu­sive Eco­nom­ic Zone (EEZ) allein über die natür­lichen Ressourcen ver­fü­gen und deren wirtschaftliche Nutzung steuern.

Die neue Recht­slage zwingt Küsten­staat­en, entwed­er ihre Ansprüche deut­lich zu machen oder anderen das Feld zu über­lassen. Einige Natio­nen sich­ern sofort ihre Zonen, wobei zunächst Fis­chereis­chutz im Vorder­grund ste­ht. Irland beschafft schon in den 70er Jahren drei Fis­chereis­chutzschiffe der EMER-Klasse (1,000 ts) und 1984 mit der EITHNE ein größeres Schiff (2,000 ts). Däne­mark baut für Auf­gaben um die Färöer und Grön­land Anfang der 90er Jahre vier große (3,500 ts) Fis­chereis­chutzschiffe der THETIS-Klasse. Die Schiffe sind in ihrer Aus­rüs­tung auf Überwachungsaus­gaben beschränkt. Die Bewaffnung beste­ht aus Rohrwaf­fen, mit denen ggf. Ansprüche gegen (unbe­waffnete) Fis­chwilder­er durchge­set­zt wer­den kön­nen. Die großen dänis­chen Schiffe und die irische EITHNE kön­nen Hub­schrauber an Bord nehmen.

Irisches Fischereischutzschiff NIAMH (Foto: Michael Nitz)
Irisches Fis­chereis­chutzschiff NIAMH
Bildquelle: Michael Nitz

In den 90er Jahren wer­den in den teils umstrit­te­nen, weil nicht immer ein­deutig gegeneinan­der abge­gren­zten) EEZ immer häu­figer unter dem Meeres­bo­den lagernde Öl- und Gasvorkom­men ent­deckt, und kein Staat kann auf diese verzicht­en. Damit entste­ht die Notwendigkeit, diese auch zu sich­ern und ggf. gegen ille­gale Aktiv­itäten (z.B. aus­ländis­che Ölex­ploratoren) zu vertei­di­gen. Überdies entwick­eln sich in den neuen Gebi­eten schnell weit­ere Auf­gaben wie z.B. SAR-Dienst, Umweltschutz, Bekämp­fung von Dro­gen­han­del und ille­galer Migra­tion sowie in jüng­ster Ver­gan­gen­heit Aspek­te der »Mar­itime Secu­ri­ty« (Kampf gegen Ter­ror­is­mus und Pira­terie).

Chilenes OPV PILOTO PARDO (Foto: Fassmer)
Chilenes OPV PILOTO PARDO
Bildquelle: Fass­mer

Eigentlich sind vor­wiegend paramil­itärische Auf­gaben wahrzunehmen: Reale mil­itärische Bedro­hun­gen sind sel­ten. Bei den meis­ten Staat­en sind allerd­ings die für die 12-Meilen-Zone aus­gelegten kleinen Boote der Küstenwachen nicht in der Lage, 200 sm von der Küste ent­fer­nt (off shore) zu operieren, geschweige denn dort dauer­haft Präsenz zu zeigen. Es bleiben also zwei Optio­nen: entwed­er die Küstenwachen mit größeren Schif­f­en zu effek­tiv­en Oper­a­tio­nen auf hoher See zu befähi­gen oder den Auf­trag der Marine um diese Auf­gaben zu erweit­ern.

Ob die neuen Auf­gaben nun aber Küstenwachen oder Mari­nen zugewiesen wer­den: Ihre Erfül­lung darf nicht zu teuer wer­den. Kleine Natio­nen mit begren­zten Bud­gets oder kleinen Flot­ten müssen zwar ihre Ressourcen sich­ern, aber sie kön­nen für die bloße Bewachung von EEZ keine ver­i­ta­blen Kriegss­chiffe abstellen oder gar neu bauen. Für diese Auf­gabe braucht man Schiffe, die bil­lig und hochseefähig sind, bei deren Aus­rüs­tung man sich aber auf das Wesentliche beschränken kann. Auf teure Waf­fen­sys­teme zur Flu­gab­wehr und U‑Jagd oder Bestück­ung mit Seeziel-FK kann verzichtet wer­den. In der Regel reicht ein Geschütz mit­tleren Kalibers vol­lkom­men aus, die jew­eili­gen Ansprüchen zu vertei­di­gen. Gefragt ist ein neuer, spezieller Schiff­styp: das Off­shore Patrol Ves­sel (OPV).