MarineForum Wochenschau


Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt vom Bürgerkrieg in Syrien und von der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Irak, Syrien und Libyen bestimmt, aber auch der andauernde Bürgerkrieg im Jemen weckt gelegentlich Aufmerksamkeit.

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschreibung)

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors (IS, al-Nusra, Al-Kaida) bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch zu viele Eigeninteressen einzelner Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten bestimmen die Entwicklung. Dennoch wird der IS in Syrien und im Irak, wo die Offensive auf Mosul fortdauert, zunehmend auch aus Kerngebieten seines „Kalifats“ zurückgedrängt

Syrien – Irak: US-geführte Koalition („Operation Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (vor allem auch Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – aktuell vor allem bei der aktuellen Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen seegestützt von Flugzeugträgern oder landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Am 25. November übergab der US RAdm James Malloy das Kommando über die vom US CentralCommand/5th Fleet geführte Task Force 50 (TF 50) an den britischen Commodore Andrew Burns. Erstmals führt damit ein britischer Marineoffizier die TF50. Zugleich wechselte die Funktion des Flaggschiffes vom amerikanischen Flugzeugträger „Eisenhower“ auf den britischen Hubschrauberträger „Ocean“. Dieser kann zwar selbst keine Kampfflugzeuge einsetzen, aber mit seinen Führungs- und Fernmeldesystemen die Einsätze landgestützt operierender Koalitionsflugzeuge koordinieren. Die Sicherheit der „Ocean“ gewährleisten der britische Zerstörer „Daring“ und amerikanische (u.a. Kreuzer „Monterey“) Kampfschiffe. Die „Ocean“ soll ihre neue Rolle bis zum Februar 2017 wahrnehmen, bis die „George H.W. Bush“ Carrier Strike Group der US Navy zu einem geplanten mehrmonatigen Einsatz in der Golfregion eintrifft.

Unmittelbar nach der Übergabe hat der US-Flugzeugträger „Eisenhower“ seinen Einsatz beendet und ist aus dem Persischen Golf abgelaufen. Der seit dem 1. Juni verlegte Flugzeugträger und die anderen Schiffe seiner Carrier Strike Group werden rechtzeitig zu Weihnachten im Heimatstützpunkt Norfolk zurück erwartet.

Auch der amphibische Träger „Wasp“ der US Navy ist auf Heimatkurs, passierte gemeinsam mit dem Docklandungsschiff „Whidbey Island“ am 1. Dezember den Suezkanal in Richtung Mittelmeer. Auf dem Weg nach Norfolk wird sich wohl auch das dritte Schiff der „Wasp“ Amphibious Ready Group (ARG), das derzeit vor Libyen eingesetzte Docklandungsschiff „San Antonio“ (s.u.) dem Verband wieder anschließen. Wie die „Eisenhower“ Carrier Strike Group dürfte auch die ebenfalls seit Juni verlegte „Wasp“ ARG rechtzeitig zu Weihnachten im Heimatstützpunkt eintreffen.

Ihre Ablösung in der Golfregion bringt die „Makin Island“ ARG mit dem amphibischen Träger „Makin Island“ und den Docklandungsschiffen „Somerset“ und „Comstock“. Sie hat am 30. November das Arabische Meer und damit das Zuständigkeitsgebiet der 5. US Flotte erreicht. Ob die „Makin Island“ in den Persischen Golf einläuft, um ihre an Bord mitgeführten Kampfflugzeuge AV-8B Harrier des US Marine Corps in die im Rahmen von Operation „Inherent Resolve“ durchgeführten Luftschläge gegen IS in Iran und Syrien einzubringen, bleibt abzuwarten.

Der Einsatz der französischen „Groupe Aeronaval“ (GAN) soll noch „bis Mitte Dezember“ dauern; unklar ist, ob damit Ablaufen aus dem Einsatzgebiet oder Eintreffen in Toulon gemeint ist. französisches U-Boot der RUBIS-Klasse (Foto: franz. Marine)Aus einer Position südlich Zyperns setzt der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ seine Jagdbomber Rafale gegen Ziele im Irak ein. Wöchentlich fliegen die Kampfflugzeuge insgesamt etwa 70 Einsätze, meist als „armed reconnaissance“, d.h. bewaffnet aber ohne konkrete Zielvorgaben (der Pilot entscheidet ad hoc über Bekämpfung eines während des Fluges erkannten Zieles). Es gibt aber auch detailliert vorgeplante Strike Missions zur Unterstützung der Offensive gegen IS bei bei Mosul.

Zur GAN gehören zurzeit neben dem Flugzeugträger noch der Zerstörer „Forbin“, die Fregatte „Jean de Vienne“, die Fregatte „La Fayette“ und der Versorger „Marne“ sowie ein – routinemäßig immer die GAN begleitendes – U-Boot der RUBIS-Klasse. Am 25. November hat sich überdies der US-Zerstörer „Mason“ dem französischen Verband angeschlossen.

Syrien: Russland

Russland nimmt zwar auch islamistische Terrorgruppen ins Visier, macht aber weiterhin keinen Unterschied zwischen Islamisten und Milizen der syrischen Opposition, die gleichermaßen als “Terroristen” gelten. Nach wie vor erfolgen viele russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte in Gebieten, in denen islamistische Milizen nicht aktiv sind.

Libyen: US-Operation „Odyssey Lightning“

Die seegestützten Aufgaben der „auf Bitten der international anerkannten libyschen Regierung der nationalen Einheit“ in Libyen durchgeführten anti-IS-Operation „Odyssey Lightning“ wurden auch in der abgelaufenen Kampfhubschrauber-Nachteinsatz auf der ‚San Antonio‘ (Foto: US Navy)Woche noch vom US-Docklandungsschiff „San Antonio“ wahrgenommen. Das zur „Wasp“ Amphibious Ready Group gehörende Schiff wird sich in den nächsten Tagen aber wahrscheinlich den anderen beiden Einheiten seines Verbandes (s.o.) anschließen und den Rückmarsch zum Heimatstützpunkt Norfolk antreten.

Die in der Großen Sirte vor der libyschen Küste operierende „San Antonio“ bietet Kampfhubschraubern Super Cobra des US Marine Corps eine gute Plattform, den bei Sirte am Boden gegen IS kämpfenden libyschen Streitkräften und regierungstreuen Milizen „Close Air Support“ zu geben und die Islamisten auch in engen, verwinkelten Stadtteilen effektiv zu bekämpfen.

Neben diesen seegestützten Operationen setzt die US Air Force auch bewaffnete Drohnen vom italienischen Marinefliegerhorst Sigonella (Sizilien) ein. Unbewaffnete US-Aufklärungsdrohnen fliegen von einer Basis in Tunesien.

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung russische Intervention)

Die Konfliktparteien im Lande sind ebenso wie ausländische Mächte und Religionsgruppen (Schiiten/Sunniten) weiterhin unfähig, teils auch unwillig, einen „gemeinsamen Nenner“ zu einer politischen Lösung zu finden.

Russland und die USA blockieren unter gegenseitigen Schuldzuweisungen jede Entscheidung des UN Sicherheitsrates. Das syrische Assad-Regime setzt nicht zuletzt im Bewusstsein tatkräftiger russischer Unterstützung offenbar ausschließlich auf eine militärische Lösung.

Maritime Aspekte

Mit dem Nordflottenverband um den Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“, den Kampfeinheiten und Hilfsschiffen des Ständigen Mittelmeergeschwaders, kurzfristig aus dem Schwarzmeer verlegten Schiffen, sowie im Transport militärischer Güter nach Syrien eingesetzten Landungsschiffen und Frachtern unterstützt die russische Marine zurzeit mit mehr als 15 Kampf- und Hilfsschiffen das syrische Regime im Bürgerkrieg. Für eine in Medien/Internet-Blogs behauptete Präsenz von U-Booten findet sich in offenen Quellen weiterhin keinerlei Beleg, obgleich eine Begleitung durch z.B. nukleargetriebene U-Boote (SSN) der AKULA-Klasse nicht ungewöhnlich wäre.

Neben dem zum Nordflottenverband gehörenden FK-Kreuzer „Petr Velikiy“ (modernste Flugabwehrsysteme) und dem U-Jagdzerstörer „Severomorsk“ und haben sich der Zerstörer „Smetliviy“ und die Fregatte „Admiral Grigorovich“ der Schwarzmeerflotte dem Flugzeugträger angeschlossen. Der von Beginn an zum Verband gehörende Zerstörer „Vitse-Admiral Kulakov“ hat dagegen nach Versorgung in Limassol (Zypern) den Rückmarsch zur Nordflotte angetreten; das Schiff der UDALOY-Klasse passierte am 30. November die Straße von Gibraltar in Richtung Atlantik.

Auch die Einheiten des routinemäßig zwischen Zypern und der syrischen Küste operierenden Ständigen Mittelmeergeschwaders (MedSqn) sind in die Sicherung der Flugzeugträger-Einsatzgruppe eingebunden. Zurzeit ist der Minensucher „Ivan Golubets“ der Schwarzmeerflotte allerdings einzige Kampfeinheit der MedSqn. Die Fregatte „Pytliviy“ kehrte am 26. November ins Schwarzmeer zurück. Allgemein wird erwartet, dass die „Admiral Grigorovich“ ihren Platz bei der MedSqn einnimmt.
‚Pytliviy‘ kehrt ins Schwarzmeer zurück (Foto Yörük Isil via turkishnavy.net)

Die logistische Komponente besteht aus zum Nordflottenverband gehörenden zwei Bergeschleppern und drei Tankern/Versorgern, darunter auch ein Spezialtanker zur bedarfsweisen Auffüllung der Dampfsysteme der Antriebsanlagen des Flugzeugträgers und des Kreuzers mit speziellem Speisewasser (Destillat). Zusätzlich hat die Schwarzmeerflotte die Flottentanker/-versorger „Ivan Bubnov“ und „Iman“ ins Mittelmeer verlegt. In der EU gibt es Unmut über die regelmäßige Zwischenversorgung der russischen Marine in Limassol (Zypern). Glaubhaften Berichten zufolge haben russische Tanker in Zypern Flugzeugkraftstoff gebunkert und dann nach Syrien transportiert. Nun ist Zypern EU-Mitglied, und für Syrien bestimmter Flugzeugkraftstoff fällt unter das vor zwei Jahren verhängte EU-Embargo. In der EU wächst denn auch politischer Druck auf Zypern, russischen Tankern künftig eine Kraftstoffübernahme zu verweigern.

Der Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“ operiert weiterhin im Seegebiet zwischen Zypern und der syrischen Küste, ist aber fast komplett aus der Berichterstattung russischer Medien verschwunden. Seit den vom 15.-17. November öffentlichkeitswirksam durchgeführten „koordinierten Luftschlägen“ (gemeinsam mit strategischen Bombern und von See geschossenen Marschflugkörpern) schweigt sich auch der russische Generalstab zu den Aktivitäten des Flugzeugträgers aus. Auch aus bis Ende Dezember für jede Woche „für militärischen Flugbetrieb und Raketenstarts“ erklärten Warngebieten im östlichen Mittelmeer werden keinerlei Aktivitäten gemeldet.

Satellitenfoto der russischen Luftwaffenbasis Hmeymim (Quelle: blog)Ein Grund dafür könnte sein, dass alle einsatzklaren Kampfflugzeuge von der „Admiral Kuznetsov“ an Land auf die vorgeschobene russische Luftwaffenbasis Hmeymim (bei Latakia) verlegt wurden und abgesehen von Hubschraubern gar kein Flugbetrieb mehr auf dem Träger durchgeführt wird. Jüngste (20. November) Satellitenaufnahmen zeigen dort neben Luftwaffenflugzeugen Su-24, Su-34 und Su-35 acht (der zehn) Trägerkampfflugzeuge Su-33 Flanker; auf einem weiteren Bild soll auch mindestens eine der (noch) drei MiG-29 Fulcrum-D zu erkennen sein.

Ob die Verlegungen wegen defekter und nicht zeitnah zu reparierender Landefanganlage (ein Flugzeug hatte bei der Landung Fangseile zerrissen) auf der „Admiral Kuznetsov“ notwendig wurden, oder aber der landgestützte Einsatz einfach effektiver ist (höhere Einsatzrate bei größerer Waffenzuladung), ist unklar. Es fällt allerdings auf, dass es keinerlei Meldungen mehr zu Einsätzen der trägergestützten Kampfflugzeuge gibt. Dies könnte Ausdruck einer bewusst demonstrierten vorübergehenden Zurückhaltung Russlands bei Luftoperationen in Syrien (keine Beteiligung an den „Kriegsverbrechen“ nahekommenden Angriffen der syrischen Luftwaffe auf Aleppo) sein; es könnte aber auch darauf schließen lassen, dass auch die landgestützte Einsatzrate der Trägerkampfflugzeuge gegenwärtig nicht zu Propagandazwecken taugt.

Sollten technische Gründe  Einsatzflugbetrieb auf der „Admiral Kuznetsov“ zurzeit unmöglich machen, wäre dies natürlich eine Peinlichkeit, über die man besser Stillschweigen bewahrt. Sollte die militärische Führung sich allerdings bewusst für einen (effektiveren) Landeinsatz entschieden haben, wäre dies nur ein weiterer Beleg, dass die aufwändige Verlegung der Trägerkampfgruppe eine bloße Propagandaaktion ist, mit der Russland Fähigkeiten und Willen zu heimatferner „Power Projection From-the-Sea“ demonstrieren will. Dies ist ganz sicher auch Ausdruck eines unter Präsident Putin wachsenden neuen (militärischen) Selbstbewusstseins mit Anspruch auf Anerkennung als „auf Augenhöhe mit den USA“ global operierende Supermacht. Dass die seegestützten Operationen vor Syrien praktisch bedrohungsfrei unter quasi Friedens-Testbedingungen stattfinden, ist in Moskau ebenso nebensächlich, wie die nach nur kurzer Fähigkeitsdemonstration nunmehrige Inaktivität.

Für Russland scheint es keine Rolle zu spielen, dass Verlegung und Einsatz des Verbandes um die technologisch veraltete „Admiral Kuznetsov“ die Marine vor erhebliche logistische Probleme stellen könnten. Abgesehen vom syrischen Tartus (mit nur begrenzten Kapazitäten) verfügt sie im gesamten Mittelmeerraum über keinerlei eigene logistische Basis, ja der Vertrag von Montreux würde dem Flugzeugträger sogar ein Einlaufen ins Schwarzmeer zu einer eventuell notwendig werdenden Werftinstandsetzung verbieten. Schon bei früheren Mittelmeerfahrten der „Admiral Kuznetsov“ war man so nach technischen Problemen gezwungen zu „improvisieren“ – und vielleicht tut man dies ja auch jetzt schon.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub der dort eingesetzten russischen Truppen unvermindert an. Fast täglich passieren Landungsschiffe der russischen Marine (auch der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend. Anfang November hatte Russlands Verteidigungsminister Shoigu erklärt, täglich würden auf dem See- und Luftweg etwa 2.000 t Fracht nach Syrien gebracht; überwiegend handele es sich dabei um „humanitäre Hilfsgüter“. Warum solche aber auf militärischen Schiffen transportiert (und teils auch mit Tarnnetzen abgedeckt) werden müssen, lässt der Minister offen.

LITAUEN

Die litauische Marine hat in Dänemark ein weiteres Wachboot der FLYVEFISKEN-Klasse übernommen.

Am 23. November wurde im dänischen Flottenstützpunkt Korsör die ehemalige dänische „Havkatten“ schon mit der neuen Seitennummer P-15 formell an die litauische Marine übergeben. Das Boot soll noch im Dezember nach Klaipeda überführt und – nach Rest-Ausrüstung – dort am 17. Januar in Dienst gestellt werden. Ein neuer Name wurde noch nicht bekannt gegeben. Der Neuzugang soll die Ausmusterung des 50 Jahre alten ex-norwegischen Schnellboot „Selis“ ermöglichen.

Im März 2007 hatten Dänemark und Litauen den Transfer von zunächst zwei Booten der FLYVEFISKEN-Klasse (Typ StanFlex-300) sowie die Option auf noch ein drittes Boot vereinbart. Die dänische Marine wollte Antriebsmotoren und große Teile der elektronischen Ausstattung (Radargeräte etc.) behalten und ließ sie demzufolge ausbauen; die litauische Marine ließ eigene Anlagen einbauen.

Im Juni 2008 wurde das erste Boot nach Klaipeda überführt. Dort wurden zunächst noch weitere Anlagen und Geräte installiert, bevor die frühere „Flyvefisken“ dann als „Zemaitis“ in Dienst gestellt wurde. Im Februar 2009 folgte mit der ex-„Hajen“ das zweite Boot als „Dzukas“ in Dienst gestellt. Die Option auf das dritte Boot wurde wahrgenommen und dieses Anfang 2010 als „Aukstaitis“ in Dienst gestellt. Nun folgt überraschend sogar noch ein viertes Boot.

Für die kleine litauische Marine eröffnet dies nicht nur die Möglichkeit zum Verzicht auf eine weitere, sehr alte Einheit, sondern zugleich auch mehr Typen-Reinheit und damit geringeren logistischen Aufwand. Die ex-dänischen Boote sind für sie reale Verstärkung und geben erweiterte Optionen für Beteiligung an NATO-Operationen bis hin zu internationalen Einsätzen. In Litauen hofft man, die Ende der 1980er Jahre gebauten FLYVEFISKEN noch gut 15 Jahre in Dienst halten zu können.

PAKISTAN

Am 13. November hat der neue Seehafen Gwadar seinen Betrieb als „Tor zur See“ für den China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) aufgenommen; erstmals wurde zum Weitertransport nach China bestimmte Fracht umgeschlagen.

Schon 1954, als das an der Küste von Belutschistan nur 80 km von der iranischen Grenze entfernte kleine Fischerdorf Gwadar noch omanische Enklave war, sah Pakistan hier einen Standort für einen großen Seehafen. 1958 kaufte man die Enklave, baute hier zunächst aber nur einen kleinen Hafen. Die Idee zur Erweiterung zu einem großen Seehafen wurde erst in den 1990er Jahren wieder aufgegriffen.

2002 begann der Bau – mit substantieller chinesischer Unterstützung, und kaum jemand zweifelte an einer „angemessenen Belohnung“ für die Chinesen. Von Beginn an war klar, dass Gwadar auch militärische Bedeutung haben würde.

Der Verteidigungsminister erklärte öffentlich, der neue Hafen könne bei Bedarf „fast der gesamten pakistanischen Marine Platz bieten“. Diese stützte sich bisher fast ausschließlich auf ihre Hauptbasis Karatschi ab, und die Nutzung des gut 250 sm weiter westlich gelegenen Gwadar würde ihre strategische Position deutlich verbessern. Sie könnte sich aus der unmittelbaren Reichweite des Erzrivalen Indien etwas zurückziehen, erhielte vor allem aber erstmals auch eine Schlüsselposition am Eingang zum Persischen Golf.

2007 wurde der Hafen eröffnet, blieb aber wirtschaftlich zunächst ein Flop, denn Pakistan schaffte es nicht, ihn infrastrukturell an das Hinterland anzubinden. Erneut sprangen die Chinesen ein. Sie stellten mit einem Aufwand von mehreren hundert Millionen US-Dollar die Straßen- und Eisenbahnanbindung von Gwadar über den Indus Highway und den nord-pakistanischen Karakorum Highway bis in die chinesische Probinz Xinjiang fertig – schufen so den „China-Pakistan Economic Corridor“. Im Gegenzug beendete Pakistans Präsident Zardari 2013 den Vertrag mit einer bisher für den Hafen Gwadar zuständigen Betreibergesellschaft aus Singapur – und vergab das Bewirtschaftungsrecht nach China.

Indien und die USA sehen im Ergebnis dieser „China Connection“ schon kurz- bis mittelfristig eine Nutzung von Gwadar als Abstützpunkt für die chinesische Marine. Chinesische Offizielle sollen auch schon Absichten signalisiert haben, Einheiten der Marine zu Schutz des Eingangs zum CPEC zu verlegen; pakistanische Quellen sprechen sogar von U-Booten. Erwartet wird auch der Bau logistischer Einrichtungen (Wartungszentrum) für im Indik operierende chinesische Kriegsschiffe. In Indien und den USA wächst die Sorge, dass China durch routinemäßige Nutzung von Gwadar seine Marinepräsenz im Indischen Ozean deutlich erweitern und damit seinen strategischen Einfluss in der Region stärken wird – und dies in unmittelbarer Nähe zu geostrategischen Energieversorgungswegen, nicht zuletzt der Straße von Hormuz.

RUSSLAND
Mit einer Feierstunde bei der Admiralitätswerft in St. Petersburg hat die russische Marine am 24. November das U-Boot „Kolpino“ in Dienst gestellt.

Das konventionell diesel-elektrisch angetriebene U-Boot ist sechstes und letztes Boot einer ersten Bauserie der KILO-III-Klasse (Projekt 636.3). Alle sechs U-Boote sind für die Schwarzmeerflotte bestimmt. Die Erneuerung von deren U-Bootkomponente stand seit Jahren ganz oben auf der Agenda der russischen Marine, die bis Mitte 2015 im Schwarzmeer mit der „Alrosa“ nur ein einziges U-Boot (KILO-mod-Klasse) im aktiven Dienst hatte.
‚Kolpino‘ bei Probefahrten (Foto: Deutsche Marine)

Zunächst waren wohl U-Boote der neuen LADA-Klasse für das Randmeer an der russischen Südwestflanke vorgesehen, aber Probleme mit der Antriebsanlage des Typbootes „St. Peterburg“ verzögerten die Auftragsvergabe weiterer Serien-Boote immer wieder. Schließlich wurden bei Admiralitätswert sechs weitere Boote der bewährten KILO-Klasse bestellt, allerdings in der neuen Version Projekt 636.3 (auch als KILO-II improved oder eben KILO-III bezeichnet). Diese U-Boote unterscheiden sich von älteren KILO-I/II durch modernste Ortungs- und Waffensysteme, können u.a. auch landzielfähige Marschflugkörper Kalibr verschießen. Vor allem aber rühmt Russland eine erhebliche Reduzierung der Geräuschabstrahlung durch neuartige Beschichtungen und leisere schiffstechnische Anlagen. Die neuen U-Boote seien als „schwarze Löcher im Wasser“ praktisch nicht zu orten. Ob dies so stimmt, sei dahingestellt.

Im August 2010 begann in St. Petersburg der Bau der „Novorossiysk“, die im August 2014 formell bei der Schwarzmeerflotte in Dienst gestellt wurde, aber erst im September 2015 tatsächlich dorthin verlegte. Zuvor standen noch Restarbeiten bei der Admiralitätswerft und nachfolgend ausführliche Tiefwassererprobungen sowie Tests von Sensoren und Waffen (Kalibr-Schießen) im Nordflottenbereich auf dem Programm. Die weiteren Boote folgten zügig, und nach der „Novorossiysk“ haben inzwischen auch schon „Rostov na Donu“, „Stary Oskol“ und „Krasnodar“ ins Schwarzmeer verlegt. Mit „Velikiy Novgorod“ und „Kolpino“ sind nun auch die letzten beiden U-Boote bei der Schwarzmeerflotte in Dienst. Während die „Velikiy Novgorod“ wie zuvor alle anderen KILO-III ebenfalls noch das Erprobungsprogram im Nordflottenbereich absolvieren soll, soll die „Kolpino“ direkt ins Schwarzmeer verlegen, dort noch vor Jahresende eintreffen.

Die Admiralitätswerft hat damit den auch von wohlmeindenden Experten als „recht optimistisch“ betrachteten Zeitplan mit „Lieferung aller sechs U-Boote bis Ende 2016“ erfüllt – eine Leistung, die im heutigen russischen Kriegsschiffbau absolute Ausnahme ist. Dies hat sich auch im Auftragsbuch der Werft niedergeschlagen. Nach den guten praktischen Erfahrungen mit den KILO-III und angesichts für eine Serienfertigung immer noch nicht „ausgereiften“ LADA-Klasse soll die Werft in St. Petersburg weitere sechs KILO-III bauen. Sie sind sämtlich für die Pazifikflotte bestimmt, mit Lieferung zwischen 2019 und 2021. Nur wenige Tage nach Ablieferung der „Kolpino“ wurde in St. Petserburg bereits erster Stahl für das erste dieser U-Boote geschnitten.

TÜRKEI

Für gleich zwei Marineübungen mit multinationaler Beteiligung war bzw. ist die türkische Marine Gastgeber.

Vom 19. – 29. November fand zunächst die Übung „Mavi Balina 16“ (deutsch: Blauwal) statt. Übungsgebiet waren das östliche Mittelmeer und die südliche Ägäis. Die türkische Marine brachte vier Fregatten, eine Korvette und fünf U-Boote in die Übung ein. Der ständige NATO-Einsatzverband SNMG-2 stellte eine kanadische Fregatte und einen spanischen Versorger dafür ab (der Rest des Verbandes blieb in Migrations-Überwachung in der Ägäis eingebunden). Bulgarien verlegte die Fregatte „Verni“, Rumänien die Korvette „Contraamiral Horia Macellariu“ und die US Navy ihren Zerstörer „Carney“, aber nicht nur NATO-Marinen nahmen teil. Pakistan war mit der Fregatte „Alamgir“ mit von der Partie. Algerien, Georgien und Nigeria hatten Beobachter geschickt. Flugzeuge und Hubschrauber mehrerer Nationen ergänzten das Teilnehmerfeld.

„Mavi Balina 16“ begann am 19. November mit dem Eintreffen der Teilnehmer zu einer Hafenphase im Marinestützpunkt Aksaz. Hier wurden in Seminaren und praktischen Vorführungen die Voraussetzungen für „Interoperabilität“ geschaffen und letzte Übungsdetails abgesprochen. Am 23. November liefen die teilnehmenden Einheiten dann zur Seephase aus. Deutlicher Schwerpunkt lag hier auf U-Jagd, aber auch Flugabwehr, seemännische Manöver, Fernmeldeübungen und Übungen zu Maritime Security Operations (VBSS – visit, board, search and seizure) standen auf dem Programm.

Als „Mavi Balina 16“ am 29. November mit einer Post-Exercise Discussion in Aksaz zu Ende ging, hatte weiter nördlich in der Ägäis, in der Bucht von Izmir, bereits die ebenfalls von der türkischen Marine mit multinationaler Beteiligung ausgerichtete Minenabwehrübung „Nusret 16“ begonnen. Der Übungsname erinnert an einen türkischen Minenleger, der im Ersten Weltkrieg durch Verminung einen Vorstoß der Alliierten durch die Dardanellen verhindert hatte.

Zu „Nusret 16“ trafen sich die Teilnehmer am 25. November in Izmir. Nach einer dreitägigen Hafenphase hat am 28. November die noch bis zum 4. Dezember dauernde Seephase begonnen. In ihr befassen sich die Teilnehmer mit Minensuche und Minenjagd durch Boote, Drohnen und Minentaucher.

„Nusret 16“ dient als jährliche Übung explizit der Stärkung der Fähigkeit von NATO-Marinen zu gemeinsamen Operationen, und die Teilnahme ist denn auch NATO-Marinen vorbehalten. Die gastgebende türkische Marine stellt das größte Kontingent, bringt sieben Minenjagdboote/-sucher, einen Minenleger (Führungsschiff), die Korvette „Heybeliada“ sowie mehrere kleinere Wachboote, Hilfsfahrzeuge, Minentaucher und drei Küstenwacheinheiten in die Übung ein. Die bulgarische Marine hat ihr Minenjagdboot „Priboj“ verlegt, Rumänien nimmt mit dem Minensucher „Lt Alexandru Axente“ teil, und der NATO-Einsatzverband SNMCMG-2 ist mit drei Minenjagdbooten aus Deutschland, Griechenland und Spanien vertreten. Die belgische Marine hat eine Minenjagddrohne und Personal abgestellt.