MarineForum Wochenschau

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt vom Bürg­erkrieg in Syrien und von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Irak, Syrien und Libyen bes­timmt, aber auch der andauernde Bürg­erkrieg im Jemen weckt gele­gentlich Aufmerk­samkeit.

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschrei­bung)

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors (IS, al-Nus­ra, Al-Kai­da) bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Noch zu viele Eigen­in­ter­essen einzel­ner Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten bes­tim­men die Entwick­lung. Den­noch wird der IS in Syrien und im Irak, wo die Offen­sive auf Mosul fort­dauert, zunehmend auch aus Kernge­bi­eten seines „Kali­fats“ zurückge­drängt

Syrien – Irak: US-geführte Koali­tion („Oper­a­tion Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (vor allem auch Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Boden­trup­pen oder kur­dis­ch­er Milizen — aktuell vor allem bei der aktuellen Offen­sive zur Rücker­oberung von Mosul. Zum Ein­satz kom­men seegestützt von Flugzeugträgern oder landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Am 25. Novem­ber über­gab der US RAdm James Mal­loy das Kom­man­do über die vom US CentralCommand/5th Fleet geführte Task Force 50 (TF 50) an den britis­chen Com­modore Andrew Burns. Erst­mals führt damit ein britis­ch­er Mari­ne­of­fizier die TF50. Zugle­ich wech­selte die Funk­tion des Flag­gschiffes vom amerikanis­chen Flugzeugträger „Eisen­how­er“ auf den britis­chen Hub­schrauberträger „Ocean“. Dieser kann zwar selb­st keine Kampf­flugzeuge ein­set­zen, aber mit seinen Führungs- und Fer­n­meldesys­te­men die Ein­sätze landgestützt operieren­der Koali­tions­flugzeuge koor­dinieren. Die Sicher­heit der „Ocean“ gewährleis­ten der britis­che Zer­stör­er „Dar­ing“ und amerikanis­che (u.a. Kreuzer „Mon­terey“) Kampf­schiffe. Die „Ocean“ soll ihre neue Rolle bis zum Feb­ru­ar 2017 wahrnehmen, bis die „George H.W. Bush“ Car­ri­er Strike Group der US Navy zu einem geplanten mehrmonati­gen Ein­satz in der Gol­fre­gion ein­trifft.

Unmit­tel­bar nach der Über­gabe hat der US-Flugzeugträger „Eisen­how­er“ seinen Ein­satz been­det und ist aus dem Per­sis­chen Golf abge­laufen. Der seit dem 1. Juni ver­legte Flugzeugträger und die anderen Schiffe sein­er Car­ri­er Strike Group wer­den rechtzeit­ig zu Wei­h­nacht­en im Heimat­stützpunkt Nor­folk zurück erwartet.

Auch der amphibis­che Träger „Wasp“ der US Navy ist auf Heimatkurs, passierte gemein­sam mit dem Dock­lan­dungss­chiff „Whid­bey Island“ am 1. Dezem­ber den Suezkanal in Rich­tung Mit­telmeer. Auf dem Weg nach Nor­folk wird sich wohl auch das dritte Schiff der „Wasp“ Amphibi­ous Ready Group (ARG), das derzeit vor Libyen einge­set­zte Dock­lan­dungss­chiff „San Anto­nio“ (s.u.) dem Ver­band wieder anschließen. Wie die „Eisen­how­er“ Car­ri­er Strike Group dürfte auch die eben­falls seit Juni ver­legte „Wasp“ ARG rechtzeit­ig zu Wei­h­nacht­en im Heimat­stützpunkt ein­tr­e­f­fen.

Ihre Ablö­sung in der Gol­fre­gion bringt die „Makin Island“ ARG mit dem amphibis­chen Träger „Makin Island“ und den Dock­lan­dungss­chif­f­en „Som­er­set“ und „Com­stock“. Sie hat am 30. Novem­ber das Ara­bis­che Meer und damit das Zuständigkeits­ge­bi­et der 5. US Flotte erre­icht. Ob die „Makin Island“ in den Per­sis­chen Golf ein­läuft, um ihre an Bord mit­ge­führten Kampf­flugzeuge AV-8B Har­ri­er des US Marine Corps in die im Rah­men von Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ durchge­führten Luftschläge gegen IS in Iran und Syrien einzubrin­gen, bleibt abzuwarten.

Der Ein­satz der franzö­sis­chen „Groupe Aeron­aval“ (GAN) soll noch „bis Mitte Dezem­ber“ dauern; unklar ist, ob damit Ablaufen aus dem Ein­satzge­bi­et oder Ein­tr­e­f­fen in Toulon gemeint ist. franzö­sis­ches U-Boot der RUBIS-Klasse (Foto: franz. Marine)Aus ein­er Posi­tion südlich Zyper­ns set­zt der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ seine Jagdbomber Rafale gegen Ziele im Irak ein. Wöchentlich fliegen die Kampf­flugzeuge ins­ge­samt etwa 70 Ein­sätze, meist als „armed recon­nais­sance“, d.h. bewaffnet aber ohne konkrete Zielvor­gaben (der Pilot entschei­det ad hoc über Bekämp­fung eines während des Fluges erkan­nten Zieles). Es gibt aber auch detail­liert vorge­plante Strike Mis­sions zur Unter­stützung der Offen­sive gegen IS bei bei Mosul.

Zur GAN gehören zurzeit neben dem Flugzeugträger noch der Zer­stör­er „Forbin“, die Fre­gat­te „Jean de Vienne“, die Fre­gat­te „La Fayette“ und der Ver­sorg­er „Marne“ sowie ein — rou­tinemäßig immer die GAN beglei­t­en­des — U-Boot der RUBIS-Klasse. Am 25. Novem­ber hat sich überdies der US-Zer­stör­er „Mason“ dem franzö­sis­chen Ver­band angeschlossen.

Syrien: Rus­s­land

Rus­s­land nimmt zwar auch islamistis­che Ter­ror­grup­pen ins Visi­er, macht aber weit­er­hin keinen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Milizen der syrischen Oppo­si­tion, die gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten” gel­ten. Nach wie vor erfol­gen viele rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Stre­itkräfte in Gebi­eten, in denen islamistis­che Milizen nicht aktiv sind.

Libyen: US-Oper­a­tion „Odyssey Light­ning“

Die seegestützten Auf­gaben der „auf Bit­ten der inter­na­tion­al anerkan­nten libyschen Regierung der nationalen Ein­heit“ in Libyen durchge­führten anti-IS-Oper­a­tion „Odyssey Light­ning“ wur­den auch in der abge­laufe­nen Kampfhub­schrauber-Nachtein­satz auf der ‘San Anto­nio’ (Foto: US Navy)Woche noch vom US-Dock­lan­dungss­chiff „San Anto­nio“ wahrgenom­men. Das zur „Wasp“ Amphibi­ous Ready Group gehörende Schiff wird sich in den näch­sten Tagen aber wahrschein­lich den anderen bei­den Ein­heit­en seines Ver­ban­des (s.o.) anschließen und den Rück­marsch zum Heimat­stützpunkt Nor­folk antreten.

Die in der Großen Sirte vor der libyschen Küste operierende „San Anto­nio“ bietet Kampfhub­schraubern Super Cobra des US Marine Corps eine gute Plat­tform, den bei Sirte am Boden gegen IS kämpfend­en libyschen Stre­itkräften und regierungstreuen Milizen „Close Air Sup­port“ zu geben und die Islamis­ten auch in engen, ver­winkel­ten Stadt­teilen effek­tiv zu bekämpfen.

Neben diesen seegestützten Oper­a­tio­nen set­zt die US Air Force auch bewaffnete Drohnen vom ital­ienis­chen Marine­fliegerhorst Sigonel­la (Sizilien) ein. Unbe­waffnete US-Aufk­lärungs­drohnen fliegen von ein­er Basis in Tune­sien.

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschrei­bung rus­sis­che Inter­ven­tion)

Die Kon­flik­t­parteien im Lande sind eben­so wie aus­ländis­che Mächte und Reli­gion­s­grup­pen (Schiiten/Sunniten) weit­er­hin unfähig, teils auch unwillig, einen „gemein­samen Nen­ner“ zu ein­er poli­tis­chen Lösung zu find­en.

Rus­s­land und die USA block­ieren unter gegen­seit­i­gen Schuldzuweisun­gen jede Entschei­dung des UN Sicher­heit­srates. Das syrische Assad-Regime set­zt nicht zulet­zt im Bewusst­sein tatkräftiger rus­sis­ch­er Unter­stützung offen­bar auss­chließlich auf eine mil­itärische Lösung.

Mar­itime Aspek­te

Mit dem Nord­flot­ten­ver­band um den Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“, den Kampfein­heit­en und Hil­f­ss­chif­f­en des Ständi­gen Mit­telmeergeschwaders, kurzfristig aus dem Schwarzmeer ver­legten Schif­f­en, sowie im Trans­port mil­itärisch­er Güter nach Syrien einge­set­zten Lan­dungss­chif­f­en und Frachtern unter­stützt die rus­sis­che Marine zurzeit mit mehr als 15 Kampf- und Hil­f­ss­chif­f­en das syrische Regime im Bürg­erkrieg. Für eine in Medi­en/In­ter­net-Blogs behauptete Präsenz von U-Booten find­et sich in offe­nen Quellen weit­er­hin kein­er­lei Beleg, obgle­ich eine Begleitung durch z.B. nuk­lear­getriebene U-Boote (SSN) der AKU­LA-Klasse nicht ungewöhn­lich wäre.

Neben dem zum Nord­flot­ten­ver­band gehören­den FK-Kreuzer „Petr Velikiy“ (mod­ern­ste Flu­gab­wehrsys­teme) und dem U-Jagdz­er­stör­er „Severo­morsk“ und haben sich der Zer­stör­er „Smetliviy“ und die Fre­gat­te „Admi­ral Grig­orovich“ der Schwarzmeer­flotte dem Flugzeugträger angeschlossen. Der von Beginn an zum Ver­band gehörende Zer­stör­er „Vitse-Admi­ral Kulakov“ hat dage­gen nach Ver­sorgung in Limas­sol (Zypern) den Rück­marsch zur Nord­flotte ange­treten; das Schiff der UDALOY-Klasse passierte am 30. Novem­ber die Straße von Gibral­tar in Rich­tung Atlantik.

Auch die Ein­heit­en des rou­tinemäßig zwis­chen Zypern und der syrischen Küste operieren­den Ständi­gen Mit­telmeergeschwaders (Med­Sqn) sind in die Sicherung der Flugzeugträger-Ein­satz­gruppe einge­bun­den. Zurzeit ist der Minen­such­er „Ivan Gol­u­bets“ der Schwarzmeer­flotte allerd­ings einzige Kampfein­heit der Med­Sqn. Die Fre­gat­te „Pytliviy“ kehrte am 26. Novem­ber ins Schwarzmeer zurück. All­ge­mein wird erwartet, dass die „Admi­ral Grig­orovich“ ihren Platz bei der Med­Sqn ein­nimmt.
‘Pytliviy’ kehrt ins Schwarzmeer zurück (Foto Yörük Isil via turkishnavy.net)

Die logis­tis­che Kom­po­nente beste­ht aus zum Nord­flot­ten­ver­band gehören­den zwei Bergeschlep­pern und drei Tankern/Versorgern, darunter auch ein Spezial­tanker zur bedarf­sweisen Auf­fül­lung der Dampf­sys­teme der Antrieb­san­la­gen des Flugzeugträgers und des Kreuzers mit speziellem Speise­wass­er (Des­til­lat). Zusät­zlich hat die Schwarzmeer­flotte die Flot­ten­tanker/-ver­sorg­er „Ivan Bub­nov“ und „Iman“ ins Mit­telmeer ver­legt. In der EU gibt es Unmut über die regelmäßige Zwis­chen­ver­sorgung der rus­sis­chen Marine in Limas­sol (Zypern). Glaub­haften Bericht­en zufolge haben rus­sis­che Tanker in Zypern Flugzeugkraft­stoff gebunkert und dann nach Syrien trans­portiert. Nun ist Zypern EU-Mit­glied, und für Syrien bes­timmter Flugzeugkraft­stoff fällt unter das vor zwei Jahren ver­hängte EU-Embar­go. In der EU wächst denn auch poli­tis­ch­er Druck auf Zypern, rus­sis­chen Tankern kün­ftig eine Kraft­stof­füber­nahme zu ver­weigern.

Der Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“ operiert weit­er­hin im Seege­bi­et zwis­chen Zypern und der syrischen Küste, ist aber fast kom­plett aus der Berichter­stat­tung rus­sis­ch­er Medi­en ver­schwun­den. Seit den vom 15.–17. Novem­ber öffentlichkeitswirk­sam durchge­führten „koor­dinierten Luftschlä­gen“ (gemein­sam mit strate­gis­chen Bombern und von See geschosse­nen Marschflugkör­pern) schweigt sich auch der rus­sis­che Gen­er­al­stab zu den Aktiv­itäten des Flugzeugträgers aus. Auch aus bis Ende Dezem­ber für jede Woche „für mil­itärischen Flug­be­trieb und Raketen­starts“ erk­lärten Warnge­bi­eten im östlichen Mit­telmeer wer­den kein­er­lei Aktiv­itäten gemeldet.

Satel­liten­fo­to der rus­sis­chen Luft­waf­fen­ba­sis Hmeymim (Quelle: blog)Ein Grund dafür kön­nte sein, dass alle ein­satzk­laren Kampf­flugzeuge von der „Admi­ral Kuznetsov“ an Land auf die vorgeschobene rus­sis­che Luft­waf­fen­ba­sis Hmeymim (bei Latakia) ver­legt wur­den und abge­se­hen von Hub­schraubern gar kein Flug­be­trieb mehr auf dem Träger durchge­führt wird. Jüng­ste (20. Novem­ber) Satel­lite­nauf­nah­men zeigen dort neben Luft­waf­fen­flugzeu­gen Su-24, Su-34 und Su-35 acht (der zehn) Trägerkampf­flugzeuge Su-33 Flanker; auf einem weit­eren Bild soll auch min­destens eine der (noch) drei MiG-29 Ful­crum-D zu erken­nen sein.

Ob die Ver­legun­gen wegen defek­ter und nicht zeit­nah zu repari­eren­der Lan­de­fan­gan­lage (ein Flugzeug hat­te bei der Lan­dung Fang­seile zer­ris­sen) auf der „Admi­ral Kuznetsov“ notwendig wur­den, oder aber der landgestützte Ein­satz ein­fach effek­tiv­er ist (höhere Ein­satzrate bei größer­er Waf­fen­zu­ladung), ist unklar. Es fällt allerd­ings auf, dass es kein­er­lei Mel­dun­gen mehr zu Ein­sätzen der trägergestützten Kampf­flugzeuge gibt. Dies kön­nte Aus­druck ein­er bewusst demon­stri­erten vorüberge­hen­den Zurück­hal­tung Rus­s­lands bei Luft­op­er­a­tio­nen in Syrien (keine Beteili­gung an den „Kriegsver­brechen“ nahek­om­menden Angrif­f­en der syrischen Luft­waffe auf Alep­po) sein; es kön­nte aber auch darauf schließen lassen, dass auch die landgestützte Ein­satzrate der Trägerkampf­flugzeuge gegen­wär­tig nicht zu Pro­pa­gan­dazweck­en taugt.

Soll­ten tech­nis­che Gründe  Ein­satzflug­be­trieb auf der „Admi­ral Kuznetsov“ zurzeit unmöglich machen, wäre dies natür­lich eine Pein­lichkeit, über die man bess­er Stillschweigen bewahrt. Sollte die mil­itärische Führung sich allerd­ings bewusst für einen (effek­tiv­eren) Lan­dein­satz entsch­ieden haben, wäre dies nur ein weit­er­er Beleg, dass die aufwändi­ge Ver­legung der Trägerkampf­gruppe eine bloße Pro­pa­gan­daak­tion ist, mit der Rus­s­land Fähigkeit­en und Willen zu heimat­fern­er „Pow­er Pro­jec­tion From-the-Sea“ demon­stri­eren will. Dies ist ganz sich­er auch Aus­druck eines unter Präsi­dent Putin wach­senden neuen (mil­itärischen) Selb­st­be­wusst­seins mit Anspruch auf Anerken­nung als „auf Augen­höhe mit den USA“ glob­al operierende Super­ma­cht. Dass die seegestützten Oper­a­tio­nen vor Syrien prak­tisch bedro­hungs­frei unter qua­si Friedens-Test­be­din­gun­gen stat­tfind­en, ist in Moskau eben­so neben­säch­lich, wie die nach nur kurz­er Fähigkeits­demon­stra­tion nun­mehrige Inak­tiv­ität.

Für Rus­s­land scheint es keine Rolle zu spie­len, dass Ver­legung und Ein­satz des Ver­ban­des um die tech­nol­o­gisch ver­al­tete „Admi­ral Kuznetsov“ die Marine vor erhe­bliche logis­tis­che Prob­leme stellen kön­nten. Abge­se­hen vom syrischen Tar­tus (mit nur begren­zten Kapaz­itäten) ver­fügt sie im gesamten Mit­telmeer­raum über kein­er­lei eigene logis­tis­che Basis, ja der Ver­trag von Mon­treux würde dem Flugzeugträger sog­ar ein Ein­laufen ins Schwarzmeer zu ein­er eventuell notwendig wer­den­den Werftin­stand­set­zung ver­bi­eten. Schon bei früheren Mit­telmeer­fahrten der „Admi­ral Kuznetsov“ war man so nach tech­nis­chen Prob­le­men gezwun­gen zu „impro­visieren“ – und vielle­icht tut man dies ja auch jet­zt schon.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub der dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen unver­min­dert an. Fast täglich passieren Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nord­laufend. Anfang Novem­ber hat­te Rus­s­lands Vertei­di­gungsmin­is­ter Shoigu erk­lärt, täglich wür­den auf dem See- und Luftweg etwa 2.000 t Fracht nach Syrien gebracht; über­wiegend han­dele es sich dabei um „human­itäre Hil­f­s­güter“. Warum solche aber auf mil­itärischen Schif­f­en trans­portiert (und teils auch mit Tarn­net­zen abgedeckt) wer­den müssen, lässt der Min­is­ter offen.

LITAUEN

Die litauis­che Marine hat in Däne­mark ein weit­eres Wach­boot der FLY­VE­FISKEN-Klasse über­nom­men.

Am 23. Novem­ber wurde im dänis­chen Flot­ten­stützpunkt Korsör die ehe­ma­lige dänis­che „Havkat­ten“ schon mit der neuen Seiten­num­mer P-15 formell an die litauis­che Marine übergeben. Das Boot soll noch im Dezem­ber nach Klaipe­da über­führt und – nach Rest-Aus­rüs­tung – dort am 17. Jan­u­ar in Dienst gestellt wer­den. Ein neuer Name wurde noch nicht bekan­nt gegeben. Der Neuzu­gang soll die Aus­musterung des 50 Jahre alten ex-nor­wegis­chen Schnell­boot „Selis“ ermöglichen.

Im März 2007 hat­ten Däne­mark und Litauen den Trans­fer von zunächst zwei Booten der FLY­VE­FISKEN-Klasse (Typ Stan­Flex-300) sowie die Option auf noch ein drittes Boot vere­in­bart. Die dänis­che Marine wollte Antrieb­smo­toren und große Teile der elek­tro­n­is­chen Ausstat­tung (Radarg­eräte etc.) behal­ten und ließ sie demzu­folge aus­bauen; die litauis­che Marine ließ eigene Anla­gen ein­bauen.

Im Juni 2008 wurde das erste Boot nach Klaipe­da über­führt. Dort wur­den zunächst noch weit­ere Anla­gen und Geräte instal­liert, bevor die frühere „Fly­ve­fisken“ dann als „Zemaitis“ in Dienst gestellt wurde. Im Feb­ru­ar 2009 fol­gte mit der ex-„Hajen“ das zweite Boot als „Dzukas“ in Dienst gestellt. Die Option auf das dritte Boot wurde wahrgenom­men und dieses Anfang 2010 als „Auk­staitis“ in Dienst gestellt. Nun fol­gt über­raschend sog­ar noch ein viertes Boot.

Für die kleine litauis­che Marine eröffnet dies nicht nur die Möglichkeit zum Verzicht auf eine weit­ere, sehr alte Ein­heit, son­dern zugle­ich auch mehr Typen-Rein­heit und damit gerin­geren logis­tis­chen Aufwand. Die ex-dänis­chen Boote sind für sie reale Ver­stärkung und geben erweit­erte Optio­nen für Beteili­gung an NATO-Oper­a­tio­nen bis hin zu inter­na­tionalen Ein­sätzen. In Litauen hofft man, die Ende der 1980er Jahre gebaut­en FLYVEFISKEN noch gut 15 Jahre in Dienst hal­ten zu kön­nen.

PAKISTAN

Am 13. Novem­ber hat der neue See­hafen Gwadar seinen Betrieb als „Tor zur See“ für den Chi­na-Pak­istan Eco­nom­ic Cor­ri­dor (CPEC) aufgenom­men; erst­mals wurde zum Weit­er­trans­port nach Chi­na bes­timmte Fracht umgeschla­gen.

Schon 1954, als das an der Küste von Belutschis­tan nur 80 km von der iranis­chen Gren­ze ent­fer­nte kleine Fis­cher­dorf Gwadar noch oman­is­che Enklave war, sah Pak­istan hier einen Stan­dort für einen großen See­hafen. 1958 kaufte man die Enklave, baute hier zunächst aber nur einen kleinen Hafen. Die Idee zur Erweiterung zu einem großen See­hafen wurde erst in den 1990er Jahren wieder aufge­grif­f­en.

2002 begann der Bau – mit sub­stantieller chi­ne­sis­ch­er Unter­stützung, und kaum jemand zweifelte an ein­er „angemesse­nen Beloh­nung“ für die Chi­ne­sen. Von Beginn an war klar, dass Gwadar auch mil­itärische Bedeu­tung haben würde.

Der Vertei­di­gungsmin­is­ter erk­lärte öffentlich, der neue Hafen könne bei Bedarf „fast der gesamten pak­istanis­chen Marine Platz bieten“. Diese stützte sich bish­er fast auss­chließlich auf ihre Haupt­ba­sis Karatschi ab, und die Nutzung des gut 250 sm weit­er west­lich gele­ge­nen Gwadar würde ihre strate­gis­che Posi­tion deut­lich verbessern. Sie kön­nte sich aus der unmit­tel­baren Reich­weite des Erzri­valen Indi­en etwas zurückziehen, erhielte vor allem aber erst­mals auch eine Schlüs­sel­po­si­tion am Ein­gang zum Per­sis­chen Golf.

2007 wurde der Hafen eröffnet, blieb aber wirtschaftlich zunächst ein Flop, denn Pak­istan schaffte es nicht, ihn infra­struk­turell an das Hin­ter­land anzu­binden. Erneut sprangen die Chi­ne­sen ein. Sie stell­ten mit einem Aufwand von mehreren hun­dert Mil­lio­nen US-Dol­lar die Straßen- und Eisen­bah­nan­bindung von Gwadar über den Indus High­way und den nord-pak­istanis­chen Karako­rum High­way bis in die chi­ne­sis­che Probinz Xin­jiang fer­tig – schufen so den „Chi­na-Pak­istan Eco­nom­ic Cor­ri­dor“. Im Gegen­zug been­dete Pak­istans Präsi­dent Zardari 2013 den Ver­trag mit ein­er bish­er für den Hafen Gwadar zuständi­gen Betreiberge­sellschaft aus Sin­ga­pur – und ver­gab das Bewirtschaf­tungsrecht nach Chi­na.

Indi­en und die USA sehen im Ergeb­nis dieser „Chi­na Con­nec­tion“ schon kurz- bis mit­tel­fristig eine Nutzung von Gwadar als Abstützpunkt für die chi­ne­sis­che Marine. Chi­ne­sis­che Offizielle sollen auch schon Absicht­en sig­nal­isiert haben, Ein­heit­en der Marine zu Schutz des Ein­gangs zum CPEC zu ver­legen; pak­istanis­che Quellen sprechen sog­ar von U-Booten. Erwartet wird auch der Bau logis­tis­ch­er Ein­rich­tun­gen (Wartungszen­trum) für im Indik operierende chi­ne­sis­che Kriegss­chiffe. In Indi­en und den USA wächst die Sorge, dass Chi­na durch rou­tinemäßige Nutzung von Gwadar seine Marinepräsenz im Indis­chen Ozean deut­lich erweit­ern und damit seinen strate­gis­chen Ein­fluss in der Region stärken wird – und dies in unmit­tel­bar­er Nähe zu geostrate­gis­chen Energiev­er­sorgungswe­gen, nicht zulet­zt der Straße von Hor­muz.

RUSSLAND
Mit ein­er Feier­stunde bei der Admi­ral­itätswerft in St. Peters­burg hat die rus­sis­che Marine am 24. Novem­ber das U-Boot „Kolpino“ in Dienst gestellt.

Das kon­ven­tionell diesel-elek­trisch angetriebene U-Boot ist sech­stes und let­ztes Boot ein­er ersten Bauserie der KILO-III-Klasse (Pro­jekt 636.3). Alle sechs U-Boote sind für die Schwarzmeer­flotte bes­timmt. Die Erneuerung von deren U-Bootkom­po­nente stand seit Jahren ganz oben auf der Agen­da der rus­sis­chen Marine, die bis Mitte 2015 im Schwarzmeer mit der „Alrosa“ nur ein einziges U-Boot (KILO-mod-Klasse) im aktiv­en Dienst hat­te.
‘Kolpino’ bei Probe­fahrten (Foto: Deutsche Marine)

Zunächst waren wohl U-Boote der neuen LADA-Klasse für das Rand­meer an der rus­sis­chen Süd­west­flanke vorge­se­hen, aber Prob­leme mit der Antrieb­san­lage des Typ­bootes „St. Peter­burg“ verzögerten die Auf­tragsver­gabe weit­er­er Serien-Boote immer wieder. Schließlich wur­den bei Admi­ral­itätswert sechs weit­ere Boote der bewährten KILO-Klasse bestellt, allerd­ings in der neuen Ver­sion Pro­jekt 636.3 (auch als KILO-II improved oder eben KILO-III beze­ich­net). Diese U-Boote unter­schei­den sich von älteren KILO-I/II durch mod­ern­ste Ortungs- und Waf­fen­sys­teme, kön­nen u.a. auch landzielfähige Marschflugkör­p­er Kali­br ver­schießen. Vor allem aber rühmt Rus­s­land eine erhe­bliche Reduzierung der Geräusch­ab­strahlung durch neuar­tige Beschich­tun­gen und leis­ere schiff­stech­nis­che Anla­gen. Die neuen U-Boote seien als „schwarze Löch­er im Wass­er“ prak­tisch nicht zu orten. Ob dies so stimmt, sei dahingestellt.

Im August 2010 begann in St. Peters­burg der Bau der „Novorossiysk“, die im August 2014 formell bei der Schwarzmeer­flotte in Dienst gestellt wurde, aber erst im Sep­tem­ber 2015 tat­säch­lich dor­thin ver­legte. Zuvor standen noch Restar­beit­en bei der Admi­ral­itätswerft und nach­fol­gend aus­führliche Tiefwasser­erprobun­gen sowie Tests von Sen­soren und Waf­fen (Kali­br-Schießen) im Nord­flot­ten­bere­ich auf dem Pro­gramm. Die weit­eren Boote fol­gten zügig, und nach der „Novorossiysk“ haben inzwis­chen auch schon „Ros­tov na Donu“, „Stary Oskol“ und „Krasnodar“ ins Schwarzmeer ver­legt. Mit „Velikiy Nov­gorod“ und „Kolpino“ sind nun auch die let­zten bei­den U-Boote bei der Schwarzmeer­flotte in Dienst. Während die „Velikiy Nov­gorod“ wie zuvor alle anderen KILO-III eben­falls noch das Erprobung­spro­gram im Nord­flot­ten­bere­ich absolvieren soll, soll die „Kolpino“ direkt ins Schwarzmeer ver­legen, dort noch vor Jahre­sende ein­tr­e­f­fen.

Die Admi­ral­itätswerft hat damit den auch von wohlmein­den­den Experten als „recht opti­mistisch“ betra­chteten Zeit­plan mit „Liefer­ung aller sechs U-Boote bis Ende 2016“ erfüllt – eine Leis­tung, die im heuti­gen rus­sis­chen Kriegss­chiff­bau absolute Aus­nahme ist. Dies hat sich auch im Auf­trags­buch der Werft niedergeschla­gen. Nach den guten prak­tis­chen Erfahrun­gen mit den KILO-III und angesichts für eine Serien­fer­ti­gung immer noch nicht „aus­gereiften“ LADA-Klasse soll die Werft in St. Peters­burg weit­ere sechs KILO-III bauen. Sie sind sämtlich für die Paz­i­fik­flotte bes­timmt, mit Liefer­ung zwis­chen 2019 und 2021. Nur wenige Tage nach Abliefer­ung der „Kolpino“ wurde in St. Pet­ser­burg bere­its erster Stahl für das erste dieser U-Boote geschnit­ten.

TÜRKEI

Für gle­ich zwei Marineübun­gen mit multi­na­tionaler Beteili­gung war bzw. ist die türkische Marine Gast­ge­ber.

Vom 19. – 29. Novem­ber fand zunächst die Übung „Mavi Bali­na 16“ (deutsch: Blauw­al) statt. Übungs­ge­bi­et waren das östliche Mit­telmeer und die südliche Ägäis. Die türkische Marine brachte vier Fre­gat­ten, eine Korvette und fünf U-Boote in die Übung ein. Der ständi­ge NATO-Ein­satzver­band SNMG-2 stellte eine kanadis­che Fre­gat­te und einen spanis­chen Ver­sorg­er dafür ab (der Rest des Ver­ban­des blieb in Migra­tions-Überwachung in der Ägäis einge­bun­den). Bul­gar­ien ver­legte die Fre­gat­te „Verni“, Rumänien die Korvette „Con­traami­ral Horia Macel­lar­iu“ und die US Navy ihren Zer­stör­er „Car­ney“, aber nicht nur NATO-Mari­nen nah­men teil. Pak­istan war mit der Fre­gat­te „Alam­gir“ mit von der Par­tie. Alge­rien, Georgien und Nige­ria hat­ten Beobachter geschickt. Flugzeuge und Hub­schrauber mehrerer Natio­nen ergänzten das Teil­nehmer­feld.

Mavi Bali­na 16“ begann am 19. Novem­ber mit dem Ein­tr­e­f­fen der Teil­nehmer zu ein­er Hafen­phase im Marinestützpunkt Aksaz. Hier wur­den in Sem­i­naren und prak­tis­chen Vor­führun­gen die Voraus­set­zun­gen für „Inter­op­er­abil­ität“ geschaf­fen und let­zte Übungs­de­tails abge­sprochen. Am 23. Novem­ber liefen die teil­nehmenden Ein­heit­en dann zur Seep­hase aus. Deut­lich­er Schw­er­punkt lag hier auf U-Jagd, aber auch Flu­gab­wehr, seemän­nis­che Manöver, Fer­n­meldeübun­gen und Übun­gen zu Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions (VBSS — vis­it, board, search and seizure) standen auf dem Pro­gramm.

Als „Mavi Bali­na 16“ am 29. Novem­ber mit ein­er Post-Exer­cise Dis­cus­sion in Aksaz zu Ende ging, hat­te weit­er nördlich in der Ägäis, in der Bucht von Izmir, bere­its die eben­falls von der türkischen Marine mit multi­na­tionaler Beteili­gung aus­gerichtete Minen­ab­wehrübung „Nus­ret 16“ begonnen. Der Übungsname erin­nert an einen türkischen Minen­leger, der im Ersten Weltkrieg durch Ver­min­ung einen Vorstoß der Alli­ierten durch die Dar­d­anellen ver­hin­dert hat­te.

Zu „Nus­ret 16“ trafen sich die Teil­nehmer am 25. Novem­ber in Izmir. Nach ein­er dre­itägi­gen Hafen­phase hat am 28. Novem­ber die noch bis zum 4. Dezem­ber dauernde Seep­hase begonnen. In ihr befassen sich die Teil­nehmer mit Minen­suche und Minen­jagd durch Boote, Drohnen und Minen­tauch­er.

Nus­ret 16“ dient als jährliche Übung expliz­it der Stärkung der Fähigkeit von NATO-Mari­nen zu gemein­samen Oper­a­tio­nen, und die Teil­nahme ist denn auch NATO-Mari­nen vor­be­hal­ten. Die gast­gebende türkische Marine stellt das größte Kontin­gent, bringt sieben Minen­jagdboote/-such­er, einen Minen­leger (Führungss­chiff), die Korvette „Hey­be­li­a­da“ sowie mehrere kleinere Wach­boote, Hil­fs­fahrzeuge, Minen­tauch­er und drei Küstenwachein­heit­en in die Übung ein. Die bul­gar­ische Marine hat ihr Minen­jagdboot „Pri­boj“ ver­legt, Rumänien nimmt mit dem Minen­such­er „Lt Alexan­dru Axente“ teil, und der NATO-Ein­satzver­band SNMCMG-2 ist mit drei Minen­jagdbooten aus Deutsch­land, Griechen­land und Spanien vertreten. Die bel­gis­che Marine hat eine Minen­jagddrohne und Per­son­al abgestellt.