Montenegro: 29. Nato-Mitglied – Mit kleiner Küstenwache nur begrenzte maritime Rolle


Mit kleiner Kustenwache nur begrenzte maritime Rolle

Montenegro – 29. Nato-Mitglied

Bei der früheren jugoslawischen Kriegsmarine (JKM) hatte die Teilrepublik Montenegro zentrale Bedeutung. Die Bucht von Kotor, deren enge Zufahrt durch Minenfelder, Küsten-FK-Stellungen und Artillerie leicht zu verteidigen war, bot Liegeplätze, Depots und mit dem Marinearsenal in Tivat Instandsetzungskapazitäten.

karte: free-map

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Aus dieser geschützten Basis heraus konnte die JKM ihr operatives Konzept realisieren. Auftrag war die Verteidigung der stark zergliederten Küste mit den vielen vorgelagerten Inseln sowie der binnenländischen Flussgrenzen (u.a. Donau). Kleine, schnelle Boote und U-Boote bildeten den Kampfkern. Fast alle Einheiten konnten Minen legen; die meisten Wachboote verfügten über U-Jagdausrüstung. Kleine Tanker, Tender und Depotschiffe stellten „aufgelockerten“ Betrieb vor der eigenen Küste abseits der Stützpunkte sicher.

Die Flotte deckte fast alle Seekriegsoptionen ab, begrenzte ihr Operationsgebiet aber auf die Gewässer der Adria bis zur Straße von Otranto. Auf heimatferne Operationen wurde verzichtet.

Mit der Auflösung Jugoslawiens nach dem Tode Titos zerfiel auch die Marine. Jede der untereinander verfeindeten Teilrepubliken griff sich, was sie in Häfen und vor der Küste vorfand und in ihre Hand bringen konnte. Das Gros der JKM – darunter die Fregatten, die U-Boote und die meisten FK-Schnellboote – rettete sich nach Montenegro.

Eigentlich sollte das nun noch aus Serbien und Montenegro bestehende „Rest-Jugoslawien“ damit über eine durchaus kampfkräftige Marine verfügen, aber der Verlust der kroatischen und slowenischen Häfen und Küsten schränkte die operativen Möglichkeiten ein. Überdies kontrollierte Kroatien nun die Nordküste am Eingang zur Bucht von Kotor und beraubte die Marine ihrer geschützten operativen Basis. Als Alternative wollte man weiter südlich nahe Ulcinj in der Bucht von Valdanos eine komplett neue Marinebasis bauen – ein Projekt, das nie realisiert wurde.

Knappe Finanzen, schlechte Wartung und Personalfehl verschlimmerten zusehends die Lage der Marine „Rest-Jugoslawiens“. Abgesehen vom Marinearsenal Tivat gab es kaum noch Werftinfrastruktur für Bau oder Instandsetzung von Kriegsschiffen. Das dem Kosovo-Krieg folgende UN-Embargo tat ein Übriges. Schon nach wenigen Jahren mussten die meisten Einheiten aufgelegt werden. Unter solchen Rahmenbedingungen machte man sich in Serbien-Montenegro intensiv Gedanken um die künftige Gestalt der Streitkräfte. In sehr kontrovers geführter Diskussion wurde offen die Auflösung der Marine mit Umwandlung ausgewählter Teile in eine Küstenwache empfohlen.

Noch während sich die Marineführung vehement gegen das „absurde Experiment eines Küstenstaates ohne eigene Seestreitkräfte“ wehrte, verließ Montenegro 2006 nach einem Referendum die Föderation mit Serbien. Dem nun gänzlich unabhängigen kleinen Staat fehlten nun aber endgültig die Mittel zum Unterhalt einer stärkeren Marine, und mit Verkauf des Marinearsenals in Tivat an einen ausländischen Unternehmer ging überdies weitere wesentliche Werftkapazität verloren. An der Umwandlung der Marine in die Montenegrin Coast Guard (MCG) führte kein Weg mehr vorbei.

Sämtliche Schiffe und Boote, die dafür nicht benötigt wurden oder deren Instandsetzung zu teuer war, wurden verschrottet oder zum Verkauf angeboten. Alle U-Boote wurden abgewrackt oder sind heute Museumsboote. Ägypten kaufte die FK-Schnellboote der OSA-I Klasse samt Lagerbeständen an Seeziel-FK sowie die noch vorhandenen Küsten-FK-Systeme SSC-3. Libyen diente man Teile abgewrackter KONI-Fregatten an (Ersatzteile für libysche KONI). Mehrere Einheiten wurden demilitarisiert und an zivile Nutzer verkauft.

MIRNA Seepolizeiboot (Foto: Deutsche Marine)

MIRNA Seepolizeiboot (Foto: Deutsche Marine)

Der Bestand der MCG reduzierte sich schließlich auf zwei Fregatten der KOTOR- Klasse, zwei FK-Schnellboote der KONCAR- Klasse, zwei Küstenschlepper, vier Hilfsboote für z.B. Taucherarbeiten und ein Segelschulschiff. Die beiden Fregatten ermöglichen als hochseefähige Komponente Operationen weit auf die Adria hinaus bis in die Straße von Otranto. Zwei Wachboote der MIRNA-Klasse und einige kleine Boote tragen heute die Farben der Seepolizei und komplettieren den Bestand der kleinen Küstenwache, die ihren Hauptstützpunkt nun an der Adriaküste in Bar findet.

Schon kurz nach der Unabhängigkeit wurde NATO-Zugehörigkeit als Fernziel formuliert. 2015 kam die formelle Einladung zum Beitritt, den Montenegro am 5. Juni 2017 als 29. Mitglied nun vollzogen hat. Im Bündnis sieht man einen maritimen Beitrag in Hochseepatrouillen in der südlichen Adria. Um die Fähigkeit dazu zu gewährleisten, sollen die heute 30 Jahre alten, noch östliche Technologie reflektierenden Fregatten der KOTOR-Klasse möglichst bald durch NATO-kompatible Korvetten ersetzt werden. Der Blick richtet sich hier auf preiswerte Gebrauchtschiffe von NATO-Marinen.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

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Kurzfassung
Montenegro: 29. Nato-Mitglied - Mit kleiner Küstenwache nur begrenzte maritime Rolle
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Montenegro: 29. Nato-Mitglied - Mit kleiner Küstenwache nur begrenzte maritime Rolle
Erklärung
Bei der früheren jugoslawischen Kriegsmarine (JKM) hatte die Teilrepublik Montenegro zentrale Bedeutung. Die Bucht von Kotor, deren enge Zufahrt durch Minenfelder, Küsten-FK-Stellungen und Artillerie leicht zu verteidigen war, bot Liegeplätze, Depots und mit dem Marinearsenal in Tivat Instandsetzungskapazitäten.
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