MarineForum Wochenschau vom 7. Juli 2017

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors, den Bürg­erkriegen in Syrien und Jemen sowie den Span­nun­gen mehrerer ara­bis­ch­er Staat­en mit dem Emi­rat Katar bes­timmt.

KATAR

Katar hat ulti­ma­tive Forderun­gen ein­er Gruppe von Sau­di-Ara­bi­en ange­führter ara­bis­ch­er Staat­en als „mit sein­er staatlichen Sou­veränität unvere­in­bar“ zurück­gewiesen. Die von den Kon­tra­hen­ten ver­hängte Block­ade (Schließung von Luftraum und Land­gren­zen) bleibt damit unverän­dert in Kraft. Eine mil­itärische Eskala­tion wird zurzeit allerd­ings nicht erwartet. Auch ein formeller Auss­chluss Katars aus dem Golf-Koop­er­a­tionsrat ste­ht wohl (noch) nicht zur Debat­te. Experten sind sich darin einig, dass eine solcher­maßen sicht­bar vol­l­zo­gene Spal­tung der Golf­s­taat­en sehr wahrschein­lich nur die Posi­tion des Iran stärken würde.

JEMEN

Örtlichen Medi­en zufolge haben die Houthi-Rebellen im südlichen Roten Meer damit begonnen, vor dem Hafen von Hodei­dah weit­ere, kür­zlich vom Iran gelieferte Minen zu leg­en.

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien und Irak bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Unverän­dert bes­tim­men divergierende Eigen­in­ter­essen zahlre­ich­er Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten die Entwick­lung.

SYRIENIRAK: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Boden­trup­pen oder kur­dis­ch­er Milizen — aktuell vor allem bei Raqqa (Syrien) und der noch immer nicht abgeschlosse­nen Offen­sive zur Rücker­oberung von Mosul (Irak). Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge und landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge und Drohnen der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ ist nach weit­eren Ein­sätzen sein­er Kampf­flugzeuge gegen IS-Ziele in Irak und Syrien am 1. Juli vor Haifa (Israel) vor Anker gegan­gen. Beim über den US-Inde­pen­dence Day (4. Juli) hin­aus­ge­hen­den, mehrtägi­gen Besuch wurde auch der israelis­che Min­Präs Netan­jahu an Bord begrüßt.

Ob der Flugzeugträger anschließend den Kampfein­satz im östlichen Mit­telmeer wieder aufn­immt, oder aber die Heim­reise nach Nor­folk antritt, bleibt abzuwarten. Die „Bush“ Car­ri­er Strike Group (CSG) ist schon seit Jan­u­ar unter­wegs, nähert sich also dem Ende eines nor­malen 6–8-monatigen Ein­satzes. Zu ein­er Ablö­sung in der Gol­fre­gion gibt es noch immer keine Infor­ma­tio­nen. Mögliche Option wäre die „Nimitz“ CSG, die zwar im Zusam­men­hang mit der Krise um Nord­ko­rea (s.u.) genan­nt wird, aktuell aber auf dem Weg nach Chen­nai (Indi­en) zur Teil­nahme an der in den näch­sten Tagen beginnenen Übung „Mal­abar“ mit der indis­chen und japanis­chen Marine ist.

In Gewässern um die Ara­bis­che Hal­binsel operiert weit­er­hin die „Bataan“ Amphibi­ous Ready Group der US Navy. Zu aktuellen Posi­tio­nen oder Ein­satza­uf­gaben gibt es keine Infor­ma­tio­nen. Auf dem amphibis­chen Träger „Bataan“ eingeschiffte Jagdbomber AV-8B Har­ri­er und Kampfhub­schrauber des US Marine Corps kön­nten bei Bedarf auch im Kampf gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen einge­set­zt wer­den.

SYRIEN: Rus­s­land – Türkei

Am 5. Juli beschossen vom Flug­platz Engels (Süd­west-Rus­s­land) ges­tartete rus­sis­che Fern­bomber Tu-95 Bear-H Depots und Führung­sein­rich­tun­gen islamistis­ch­er Ter­ror­is­ten in Zen­tralysyrien mit mod­er­nen Marschflugkör­pern Kh-101. Nach Angaben des rus­sis­chen Gen­er­al­stabes wur­den drei Muni­tions­de­pots und ein Kom­man­dozen­trum zer­stört. Einen Tag später erk­lärte das rus­sis­che Außen­min­is­teri­um die syrische Prov­inz Alep­po als „voll­ständig von islamistis­chen Ter­ror­is­tern befre­it“. Rus­s­land macht allerd­ings weit­er­hin keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen; außer­halb von definierten „De-Eskala­tion­szio­nen“ gel­ten alle gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten”. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Stre­itkräfte auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS vor allem bemüht, im Rah­men ihrer nationalen Kur­den­poli­tik auf Autonomie set­zende syrische Kur­den (dazu gehören auch von den USA mit Waf­fen und Mil­itär­ber­atern aktiv unter­stützte Milizen) zu „neu­tral­isieren“. In Nordsyrien stellt die Türkei aus syrischen Milizen eine „Stel­lvertreter-Armee“ auf, die vorge­blich gren­z­na­he Schutz­zo­nen vor dem IS sich­ern soll, deren eigentlich­er Auf­trag aber wohl die Ver­drän­gung kur­dis­ch­er Milizen ist.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

In den von Rus­s­land, Syrien, der Türkei und dem Iran gemein­sam erk­lärten vier „De-Eskala­tion­szo­nen“ herrscht weit­er­hin ver­gle­ich­sweise Ruhe. Die Zonen liegen in west­lichen Lan­desteilen, wo syrische Regierungstrup­pen und Ver­bün­dete schon seit Monat­en weit­ge­hend die Ober­hand haben. Ander­norts gehen die Kämpfe weit­er; islamistis­che Milizen bleiben weit­er­hin grund­sät­zlich von allen Feuer­pausen ausgenom­men.

Rus­s­land sieht in den „De-Eskala­tion­szo­nen“ die „Basis für ein Ende des Bürg­erkrieges“. Sie zwän­gen syrische Oppo­si­tion­s­milizen, sich räum­lich von islamistis­chen Ter­ror­grup­pen zu tren­nen, und dies eröffne Chan­cen für einen poli­tis­chen Dia­log. Bei ein­er am 4. Juli in Astana (Kasach­stan) begonnenen Gespräch­srunde soll dieser Ansatz weit­er ver­fol­gt wer­den; bish­er wer­den hier aber keine Fortschritte gemeldet. Die USA haben bei Ein­rich­tung von Schutz- und Flugver­bot­szo­nen „Koop­er­a­tions­bere­itschaft“ sig­nal­isiert – wenn Rus­s­land im Gegen­zug weit­ere Chemiewaf­fenein­sätze der syrischen Stre­itkräfte ver­hin­dere.

Mar­itime Aspek­te

De-Eskala­tion­szo­nen

Im östlichen Mit­telmeer operiert weit­er­hin das von der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte geführte Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Kampfein­heit­en sind zurzeit die Fre­gat­te „Admi­ral Grig­orovich“, der Minen­such­er „Valentin Pikul“ und das U-Boot „Krasnodar“. Die zulet­zt eben­falls bei der Med­Sqn einge­set­zte Fre­gat­te „Admi­ral Essen“ ist am 4. Juli ins Schwarzmeer abge­laufen. Sie und das U-Boot (bei­des Neubaut­en) hat­ten ihre Über­führungs­fahrt aus der Ost­see zur kün­fti­gen Heimat­flotte ins Schwarze Meer für einen mehrwöchi­gen Ein­satz bei der Med­Sqn unter­brochen, u.a. auch Marschflugkör­p­er Kali­br auf IS-Ziele in Syrien geschossen. Ob nun auch die „Krasnodar“ ihren Tran­sit ins Schwarzmeer fort­set­zen soll, ist unbekan­nt.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub für die dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen an. Jede Woche passieren mehrere Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch dazu ver­legte Ein­heit­en der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei und Deutsch­land gekaufte und teils als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nord­laufend. Trans­portiert wird zurzeit ver­mehrt auch Bau­ma­te­r­i­al für die begonnenen Arbeit­en zur Erweiterung der rus­sis­chen logis­tis­chen Basis in Tar­tus (Syrien). Dafür wer­den auch nicht unter rus­sis­ch­er Flagge fahrende zivile Frachtschiffe gechar­tert.

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ARGENTINIEN

Zehn Jahre nach einem fol­gen­schw­eren Brand an Bord fährt der Eis­brech­er „Almi­rante Irizar“ wieder zur See.

Im April 2007 waren bei einem im Gen­er­a­tor­raum aus­ge­broch­enen Feuer große Teile des Schiff­sin­neren zer­stört wor­den. Die dur­chaus über­legte Option ein­er Aus­musterung des 1977/78 bei Wärt­silä in Finn­land gebaut­en, 15.000 ts großen Eis­brech­ers wurde ver­wor­fen. Kein anderes Schiff der argen­tinis­chen Marine kon­nte ihn in der Ver­sorgung von mil­itärischen und zivilen Sta­tio­nen in der Antark­tis erset­zen, und im südlichen Südat­lantik und der Antark­tis nahm der Eis­brech­er auch die Funk­tion eines Flag­gschiffes wahr. Da man überdies zuver­sichtlich war, ihn rel­a­tiv zügig wieder instand set­zen zu kön­nen, entsch­ied man sich für eine Reparatur, die man dann zugle­ich zu ein­er umfassenden Mod­ernisierung nutzen wollte.

2009 wurde die spanis­che Sen­er als Haup­tauf­trag­nehmer benan­nt; unter ihrer Fed­er­führung sollte die argen­tinis­che Tan­danor-Werft in Buenos Aires die Arbeit­en durch­führen. „Spätestens zur Antark­tis­sai­son 2011/12“ wollte man die „Almi­rante Irizar“ wieder ein­set­zen, aber die Arbeit­en kamen kaum voran. Medi­en spekulierten angesichts chro­nis­ch­er Unter­fi­nanzierung der Marine über zu spär­lich fließende Gelder. Jahr um Jahr musste Argen­tinien zur unverzicht­baren Ver­sorgung sein­er Antark­tis-Sta­tio­nen in Rus­s­land das Polar­forschungs-/ver­sorgungss­chiff „Vasiliy Golovin“ und den Eis­brech­er „Dran­it­syn“ char­tern. Die Char­terge­bühren für die rus­sis­chen Schiffe (jährlich etwa 18 Mio. Euro) und die Gelder für Reparatur und Mod­ernisierung der „Almi­rante Irizar“ sum­mierten sich schließlich auf ins­ge­samt gut 200 Mio. Euro – dafür hätte man auf dem Welt­markt sich­er einen geeigneten (fast) neuen Eis­brech­er kaufen kön­nen.

Zehn Jahre nach dem Brand an Bord kon­nten die Arbeit­en an dem Eis­brech­er nun aber endlich abgeschlossen wer­den. Am 4. Juli ver­ab­schiede­ten der Vertei­di­gungsmin­is­ter und der Marinechef die „Almi­rante Irizar“ zu ersten, etwa ein­wöchi­gen See-Erprobun­gen. An deren Ende soll das Schiff im Marinestützpunkt Puer­to Bel­gra­no ein­laufen und dann dort noch ein­mal für etwa einen Monat einge­dockt wer­den. Geplant sind kleinere Restar­beit­en, eine Inspek­tion von Schrauben und Rud­er, sowie let­zte Far­bar­beit­en am Unter­wasser­schiff. Spätestens im August soll die „Almi­rante Irizar“ voll ein­satzk­lar wer­den, und dem saisonalen (Okto­ber bis April) Ein­satz im antark­tis­chen Som­mer dürfte dann auch nichts mehr im Wege ste­hen.

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AUSTRALIEN

USA

Am 28. Juni hat in und vor Aus­tralien die bis Ende Juli dauernde bilat­erale Joint & Com­bined Exer­cise „Tal­is­man Saber 2017“ begonnen.

Übun­gen dieser Serie wer­den nach Zusam­men­le­gung der in den 1990-er Jahren regelmäßig durchge­führten bilat­eralen Übun­gen „Tan­dem Thrust“ und „Croc­o­dile“ seit 2005 durchge­führt. Seit­dem tre­f­fen sich aus­tralis­che Marine und Luft­waffe, US-Navy und US-Marine Corps alle zwei Jahre. Um den bilat­eralen Charak­ter zu unter­stre­ichen, wech­seln sich USA und Aus­tralien dabei in der Führung ab. Dies reflek­tiert sich dann auch im jew­eili­gen Übungsna­men: mit „Sabre“ mal in britis­ch­er (aus­tralis­ch­er) Schreib­weise oder „Saber“ in amerikanis­ch­er Schreib­weise. Bei der mit „Tal­is­man Saber 2017“ nun­mehr siebten Auflage sind also wieder ein­mal die USA an der Rei­he.

Ziel der Großübun­gen dieser Serie ist die Weit­er­en­twick­lung der Fähigkeit­en der aus­tralis­chen Stre­itkräfte zur Durch­führung von Teil­stre­itkraft-über­greifend­en, gemein­samen Oper­a­tio­nen und Inter­op­er­abil­ität mit US-Stre­itkräften in einem „Mid- to High-Inten­si­ty War­fare“ Umfeld. In ein­er in Stäben und an Com­put­ern durchge­führten Com­mand Post Exer­cise (CPX) sowie in ein­er von realen Trup­pen durchge­führten „Field Train­ing Exer­cise (FTX) liegen Schw­er­punk­te auf Pla­nung und Durch­führung von Krisen­op­er­a­tio­nen, Reak­tions­fähigkeit auf kurzfristige regionale Entwick­lun­gen, „Krieg gegen den Ter­ror“ sowie dies­mal ins­beson­dere auch Cyber War. Einige Teile der CPX find­en auch in Stäben in Japan und Süd­ko­rea sowie auf Hawaii statt. Für die teil­nehmenden Seestre­itkräfte deck­en die Übungsin­halte fast das kom­plette Spek­trum der Mar­itime War­fare Areas ab. Mit dazu gehören von Counter-Ter­ror (Spe­cial Forces) und Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions sowie groß angelegte amphibis­che Kampflan­dun­gen mit Beteili­gung von Luft­lande­trup­pen.

An „Tal­is­man Saber 2017“ nehmen ins­ge­samt etwa 30.000 Sol­dat­en teil – neben Aus­traliern und US-Amerikan­ern auch einige „embed­ded“ Sol­dat­en aus Japan, Kana­da und Neusee­land. Die Übungs­ge­bi­ete erstreck­en sich von den aus­tralis­chen North­ern Ter­ri­to­ries (Dar­win und Hin­ter­land) bis nach Queens­land, wobei sich mar­itime Inhalte auf die Tim­o­rsee, die Ara­furasee und das Koral­len­meer im Nor­den und Nor­dosten Aus­traliens konzen­tri­eren. Ein­mal mehr ist an der aus­tralis­chen Ostküste in der etwa 400 km nördlich von Bris­bane gele­ge­nen Shoal­wa­ter Bay eine größere amphibis­che Lan­dung geplant; erst­mals über­haupt find­en auch in der etwas nördlich­er gele­ge­nen Stan­age Bay amphibis­che Vorübun­gen bzw. Übun­gen zu Nothil­fe nach ein­er Katas­tro­phe statt.

Bei allen früheren Übun­gen dieser Serie lag ein Schw­er­punkt auf Mar­itime Air Oper­a­tions, und die US Navy hat­te immer auch eine Car­ri­er Strike Group nach Aus­tralien ver­legt. Dies­mal führt die Teil­nehmerliste keinen US-Flugzeugträger auf. Nicht auszuschließen ist aber, dass im späteren Ver­lauf der ja einen Monat dauern­den Übun­gen doch noch ein US-Flugzeugträger an aus­gewählten Teilen von „Tal­is­man Sabre 2017“ teil­nimmt; in Frage käme z.B. die aktuell „im Süd­paz­i­fik“ gemeldete „Ronald Rea­gan“. Mit von der Par­tie ist aber neben eini­gen weit­eren Kampf­schif­f­en der US Navy ein­mal mehr die in Japan sta­tion­ierte BONHOMME RICHARD Amphibi­ous Ready Group (ARG) — mit der eingeschifften 31. Marine Expe­di­tionary Unit.

Die aus­tralis­che Marine bringt fast all ihre Kom­po­nen­ten in „Tal­is­man Saber 2017“ ein. Namentlich genan­nt wer­den bish­er fünf Fre­gat­ten der ANZAC- und ADE­LAIDE-Klasse, mehrere Wach­boote der ARMI­DALE-Klasse und Minen­such­er der HUON-Klasse, Hil­f­ss­chiffe, das amphibis­che Unter­stützungss­chiff „Choules“ und schließlich auch der Hub­schrauberträger „Can­ber­ra“, dessen Teil­nahme wegen notwendi­ger Repara­turen an der Antrieb­san­lage bis zulet­zt gefährdet war.

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GROSSBRITANNIEN

Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um hat BAe Sys­tems formell den mit etwa 4 Mrd. Euro dotierten Auf­trag zum Bau der ersten drei von acht neuen Fre­gat­ten TYPE 26 erteilt.

Das Min­is­teri­um fol­gt damit dem im ver­gan­genen Novem­ber von Vertei­di­gungsmin­is­ter Fal­lon verkün­de­ten Zeit­plan, der für den Som­mer dieses Jahres den Baube­ginn der neuen “Glob­al Com­bat Ships” vor­sah. Noch im Juli will die schot­tis­che Gov­an-Werft denn auch feier­lich den ersten Stahl für das TYPE 26 Typ­schiff schnei­den, dessen Indi­en­st­stel­lung Mitte der 2020er Jahre geplant ist; weit­ere Fre­gat­ten sollen dann im Abstand von jew­eils zwei Jahren fol­gen. Der Auf­trag für die in einem zweit­en Los zu bestel­len­den restlichen fünf Schiffe soll „in den frühen 2020er Jahren ver­han­delt wer­den“.

Die acht Neubaut­en sollen acht der 13 Fre­gat­ten TYPE 23 erset­zen. Das erste dieser älteren Schiffe soll 2023 aus­ge­mustert wer­den, weit­ere dann in Abstän­den von jew­eils einem Jahr. Diese Pla­nung stößt auf Kri­tik, denn bei jährlich­er Aus­musterung ein­er alten Fre­gat­te und Zulauf von Neubaut­en nur alle zwei Jahre muss der Bestand der Roy­al Navy an Kampf­schif­f­en im kom­menden Jahrzehnt zwangsläu­fig sinken.

Ursprünglich waren 13 “Glob­al Com­bat Ships” TYPE 26 als 1:1-Ersatz für die 13 TYPE 23 geplant. Im SDSR-15 hat­te man dann allerd­ings fest­gestellt, glob­ale Präsenz und Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions (unter asym­metrischen Bedro­hun­gen) kön­nten auch mit min­der kampfkräfti­gen Ein­heit­en durchge­führt wer­den. Hoch-kom­plexe, “Alles-Kön­nende” und dann entsprechend teure Kampf­schiffe — wie Fre­gat­ten TYPE 26 — seien ganz sich­er nicht bei jedem Ein­satz gefragt; man könne bei diesen daher auch mit gerin­genen Stück­zahlen auskom­men und zur Ergänzung bil­ligere, ein­fachere Kriegss­chiffe beschaf­fen.

Das Vorhaben zur Beschaf­fung von TYPE 26 wurde denn auch auf acht Schiffe reduziert. Anstelle der gestrich­enen fünf TYPE-26 sollen fünf bil­ligere Mehrzweck-Fre­gat­ten TYPE 31 beschafft wer­den, wobei ein genauer Zeit­plan für deren Bau aber bish­er offen bleibt. Bish­er heißt es nur sehr vage, die Entwick­lung eines Design-Konzeptes solle “bald begin­nen”.

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ISRAEL

Im Herb­st 2016 waren Pläne zur Bestel­lung von drei weit­eren U-Booten bei der deutschen tkMS bekan­nt gewor­den.

Die „Ende des kom­menden Jahrzehnt“ zu bauen­den Neubaut­en — wahrschein­lich eine verbesserte Vari­ante der mit außen­luftun­ab­hängigem Antrieb (AIP) aus­gerüsteten DOLPHIN-II — sollen die drei 1999/2000 in Dienst gestell­ten und dann 30 Jahre alten, kon­ven­tionell diesel-elek­trisch (ohne AIP) angetriebe­nen U-Boote der DOL­PHIN-I-Klasse erset­zen.

Als in Israel bekan­nt wurde, dass der pri­vate Anwalt von Min­Präs Netan­jahu zugle­ich auch Rechtsvertreter des örtlichen Repräsen­tan­ten von tkMS ist, löste das Vorhaben bei Medi­en und in der poli­tis­chen Oppo­si­tion Befrem­den aus. Zunächst nährten die Ver­flech­tun­gen nur einen „Anfangsver­dacht von Vorteil­snahme“, aber nach näher­er Prü­fung entschloss sich der israelis­che Gen­er­al­staat­san­walt im Feb­ru­ar dieses Jahres zur Ein­leitung ein­er offiziellen Unter­suchung wegen „möglich­er Kor­rup­tion“. Zugle­ich stellte er (sehr zum Miss­fall­en der poli­tis­chen Oppo­si­tion) allerd­ings klar, dass Min­Präs Netan­jahu selb­st nicht Ziel von Ermit­tlun­gen sei.

Der U-Bootauf­trag lag seit­dem de fac­to auf Eis. Nun sollen sich Israel und der deutsche Bun­dessicher­heit­srat aber darauf ver­ständigt haben, dem Vorhaben grund­sät­zlich grünes Licht zu geben – allerd­ings unter Vor­be­halt: sollte tat­säch­lich Kor­rup­tion nachgewiesen wer­den, wür­den alle Ver­hand­lun­gen sofort eingestellt und das Vorhaben gestrichen.

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NORDKOREA

Mit einem neuer­lichen Rake­ten­test hat Nord­ko­rea die Span­nun­gen weit­er ver­schärft.

Am 4. Juli wurde von ein­er Plat­tform nord­west­lich Pyongyangs eine Rakete des neuen Typs „Hwa­song-14“ ges­tartet. Nach 40-minüti­gen Flug über eine Dis­tanz von mehr als 900km schlug sie in der japanis­chen Wirtschaft­szone in der Japansee auf. Nur Stun­den später verkün­dete Nord­ko­rea stolz den „unter direk­ter Leitung von Staatschef Kim Jong-un“ durchge­führten ersten erfol­gre­ichen Start ein­er Interkon­ti­nen­tal­rakete (ICBM), die „jeden Punkt der Welt erre­ichen“ könne. Der Start aus­gerech­net am US-Inde­pen­dence Day war sich­er kein Zufall.

Nun sind 900km keine interkon­ti­nen­tale Reich­weite, aber die im Testschuss bei bewusst stark über­höhter Flug­bahn erre­ichte Höhe von 2.800km zeigt für Experten eine mögliche Reich­weite von etwa 6.000km – zwar nicht „jed­er Punkt der Erde“, aber immer­hin doch US Gebi­et in Alas­ka, Guam und vielle­icht auch Hawaii wäre damit in Reich­weite. Zurzeit bezweifeln Experten noch eine Nuk­lear­fähigkeit der „Hwa­song-14“. Nichts spreche bish­er dafür, dass Nord­ko­rea die dazu notwendi­ge Minia­tur­isierung eines nuk­learen Gefecht­skopfes gelun­gen sei. Man müsse aber davon aus­ge­hen, dass daran ziel­stre­big gear­beit­et werde.

Inter­na­tion­al wurde der Test scharf verurteilt. Auch Rus­s­land und Chine zeigten sich „sehr besorgt“ und forderten Nord­ko­rea auf, sein Atom- und Raketen­pro­gramm sofort einzustellen. Auf ein­er Dringlichkeitssitzung des UN Sicher­heit­srates forderte die UN-Botschaf­terin eine weit­ere Ver­schär­fung der Sank­tio­nen und mehr inter­na­tionale Koop­er­a­tion, um das Regime wirtschaftlich zu isolieren. Zugle­ich erk­lärte sie, die USA seien auch auf mil­itärische Aktio­nen vor­bere­it­et. Ein von den USA vor­bere­it­eter Entwurf ein­er Res­o­lu­tion scheit­erte dann jedoch am Wider­stand Rus­s­lands, das sich an dem Wort ICBM störte. Rus­sis­che Nachrich­t­en­di­en­ste hät­ten fest­gestellt, dass es sich dem Test nur um eine Mit­tel­streck­en­rakete gehan­delt habe. Beobachter ver­muten, dass Rus­s­land mit seinem Wider­stand mil­itärische Optio­nen der USA begren­zt hal­ten und den USA keine „Legit­imierung über eine Hin­tertür“ ermöglichen will.

Der Spiel­raum für gegen Nord­ko­rea gerichtete mil­itärische Aktio­nen scheint allerd­ings ohne­hin nur ger­ing. Experten sind sich darin einig, dass jede mil­itärische Oper­a­tion der USA katas­trophale Kon­se­quen­zen in der Region haben kön­nte, nicht zulet­zt Bevölkerungszen­tren in Süd­ko­rea und Japan zum poten­tiellen Ziel nord­ko­re­anis­ch­er Vergel­tungss­chläge machen würde.

Dies hin­dert allerd­ings nicht am Auf­bau ein­er ver­stärk­ten Drohkulisse und der demon­stra­tiv­en Darstel­lung „erhöhter Bere­itschaft“. Nur einen Tag nach dem Rake­ten­test führten süd­ko­re­anis­che und US-amerikanis­che Trup­pen in Süd­ko­rea Übun­gen zur Unter­stre­ichung ein­er „Deep-Strike Capa­bil­i­ty“ durch, schossen dabei von der Ostküste Süd­ko­re­as mehrere Boden-Boden-Flugkör­p­er in die Japansee. Eben­falls vor der Ostküste übten am 6. Juli ins­ge­samt 15 Kriegss­chiffe der süd­ko­re­anis­chen Marine gemein­sam mit zahlre­ichen Kampf­flugzeu­gen der Luft­waffe in einem schar­fen Schießen mit Flugkör­pern (u.a. Har­poon), Bomben und Artillerie die „Ver­nich­tung eines angenomme­nen feindlichen Kriegss­chiffes“.

Die Präsenz der US Navy in der Region um die kore­anis­che Hal­binsel ist zurzeit begren­zt; Momen­tan befind­et sich kein Flugzeugträger in der Region. Die „Nimitz“ Car­ri­er Strike Group (CSG) ist auf dem Weg nach Indi­en, wird noch an diesem Woch­enende zur Teil­nahme an der mit der indis­chen und japanis­chen Marine geplanten Übung „Mal­abar“ in Chen­nai erwartet. Die „Ronald Rea­gan“ CSG set­zt zwar ihre West-Pacif­ic Patrol fort, wird zulet­zt (4. Juli) aber eben­falls weit ent­fer­nt vom Krisen­ge­bi­et „im Süd­paz­i­fik“ gemeldet.

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RUSSLAND

Ein Ver­band der Nord­flotte befind­et sich auf den Weg in die Ost­see.

Kreuzer „Mar­shal Usti­nov“ (SLA­VA-Klasse) und Zer­stör­er „Vit­sead­mi­ral Kulakov“ liefen am 29. Juni aus Sewero­morsk aus und erre­icht­en am 6. Juli den Skager­rak. Die vom Bergeschlep­per SB-921 (SLI­VA-Klasse) begleit­eten Kampf­schiffe sollen am 30. Juli an der Parade und den Feier­lichkeit­en zum diesjähri­gen Tag der Marine in St. Peters­burg und Kro­n­sh­tadt teil­nehmen.

Einige Medi­en gehen davon aus, dass die Ost­see für bei­de Schiffe nur Zwis­chen­sta­tion sein wird, dass sie nach den Feier­lichkeit­en weit­er ins Mit­telmeer ver­legen, um dort Ein­heit­en der oper­a­tiv zunehmend überdehn­ten Schwarzmeer­flotte im Mit­telmeergeschwad­er abzulösen. Am Ende dieses Ein­satzes kön­nte für die „Mar­shal Usti­nov“ dann das Ein­laufen ins Schwarze Meer ste­hen, um dort Schwest­er­schiff „Mosk­va“ als Flag­gschiff der Schwarzmeer­flotte abzulösen.

Die „Mar­shal Usti­nov“ hat kür­zlich bei der Zvez­dochka-Werft in Sewerod­win­sk (Weißes Meer) eine mehrjährige Grundüber­hol­ung und Mod­ernisierung abgeschlossen; erst im April kehrte sie in den oper­a­tiv­en Dienst der Nord­flotte zurück. Dass der bei Zvez­dochka durch Fer­tig­stel­lung der „Mar­shal Usti­nov“ frei gewor­dene Platz schon bald durch einen anderen Kreuzer der SLA­VA-Klasse belegt wer­den soll, gilt als wahrschein­lich. Mehrfach war auch schon die „Mosk­va“ als näch­stes Schiff genan­nt wor­den. Experten sehen für sie eine Grundüber­hol­ung auch drin­gend geboten. Eine kür­zlich im Schwarzmeer durchge­führte Werftliegezeit habe nur kurze auf­schiebende Wirkung. Einige Quellen erwarten allerd­ings das Flag­gschiff der Paz­i­fik­flotte „Varyag“ noch vor der „Mosk­va“ in Sewerod­win­sk.

Möglicher­weise sind „Mar­shal Usti­nov“ und „Vit­sead­mi­ral Kulakov“ nicht die einzi­gen Nord­flot­tenein­heit­en, die den „Tag der Marine“ in der Ost­see feiern sollen. Schon im April kol­portierte Gerüchte zu ein­er Ver­legung auch des Flot­ten­flag­gschiffes „Petr Velikiy“ (Kreuzer der KIROV-Klasse) und des Riesen-U-Bootes „Dmitrij Don­skoy“ der TYPHOON-Klasse haben neue Nahrung erhal­ten. Jet­zt wer­den sog­ar genaue Dat­en genan­nt: „am 21. Juli“ wür­den bei­de Ein­heit­en Ska­gen mit Kurs auf die Dänis­chen Meeren­gen passieren. Der Ursprung dieser Mel­dung bleibt allerd­ings unbekan­nt. Für die Fahrt vom Nord­flot­ten­bere­ich bis Ska­gen wäre etwa eine Woche zu ver­an­schla­gen. Ein Aus­laufen wäre damit also Ende der kom­menden Woche zu erwarten. Bis dahin bleibt es span­nend.

Die bei­den nuk­lear­getriebe­nen „Super-Ein­heit­en“ haben in der Ost­see kein­er­lei oper­a­tive Funk­tion. Soll­ten sie tat­säch­lich zum Tag der Marine dor­thin ver­legen, dürfte der Grund auss­chließlich in ein­er öffentlichkeitswirk­samen, primär auf die eigene Bevölkerung zie­len­den Demon­stra­tion mar­itimer Stärke zu sehen sein. Ältere Leser dürften sich erin­nern, dass zu just diesem Zweck auch die US Navy schon ein­mal (Okto­ber 1985) mit ihrem Schlachtschiff „Iowa“ in der Ost­see „aufgekreuzt“ war.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.
Marineforum

Kurz­fas­sung
MarineForum Wochenschau vom 7. Juli 2017
Artikelüber­schrift
Marine­Fo­rum Wochen­schau vom 7. Juli 2017
Erk­lärung
Mel­dun­gen aus der mar­iti­men Welt.
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