MarineForum Wochenschau vom 29. September 2017


NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt von der Bekämpfung des islamistischen Terrors, den Bürgerkriegen in Syrien und Jemen sowie dem andauernden politischen Konflikt mehrerer arabischer Staaten mit dem Emirat Katar bestimmt.

Das am 25. September in der irakischen Kurdenregion durchgeführte Unabhängigkeitsreferendum (mit 92 Prozent Zustimmung) könnte die regionale Sicherheitslage zusätzlich destabilisieren. Treffen der Armeeführungen des Iran, des Irak und der Türkei sowie der Beginn einer bilateralen türkisch-irakischen Militärübung deuten auf Vorbereitungen für mögliche „militärische Optionen“. Schon vor dem Referendum hatte das irakische Parlament die Regierung zu „Gewaltanwendung“ ermächtigt.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

Marineforum

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK (Fortschreibung)

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien und Irak bleibt trotz – vielleicht auch wegen – aller Fortschritte eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Unverändert bestimmen divergierende Eigeninteressen zahlreicher Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten die Entwicklung. In der Folge des Unabhängigkeitseferendums der irakischen Kurden könnten gegen die Kurden gerichtete neue regionale „Allianzen“ (Interessengemeinschaften) sich nachteilig auf die Terrorbekämpfung auswirken.

SYRIEN – IRAK: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen in Irak und Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Truppen und syrischer (kurdischer) Oppositionsmilizen. Zum Einsatz kommen US-Trägerkampfflugzeuge und landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge und Drohnen der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „Nimitz“ setzt im Persischen Golf den Einsatz seiner Kampfflugzeuge gegen IS-Ziele in Irak und Syrien fort. Der am 1. Juni mit dem Auslaufen aus Everett (Washington) begonnene Einsatz der „Nimitz“ Carrier Strike Group (CSG) soll länger als die ursprünglich geplanten sechs Monate bis über das Jahresende hinaus dauern. Am 27. September konnte die „Nimitz“ den seit ihrer Indienststellung insgesamt 100.000sten Katapultstart eines Flugzeuges melden.

In den Seegebieten um die Arabische Halbinsel operiert seit Anfang September auch die „America“ Amphibious Ready Group der US Navy. Zuletzt wurde der Verband bei Maritime Security Operations im Golf von Aden gemeldet. Eingeschiffte Jagdbomber AV-8B Harrier und Kampfhubschrauber des US Marine Corps können bei Bedarf auch über Land (z.B.gegen islamistische Terrorgruppen im Jemen oder in Somalia) eingesetzt werden.

SYRIEN: Russland – Türkei

Russland gibt der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien offiziell Priorität, konzentriert sich zurzeit auch auf die Verdrängung der Al-Nusra-Front aus der neu erklärten „De-Eskalationszone“ (s.u. Bürgerkrieg) um Idlib, macht allerdings unverändert keinen wirklichen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen. Außerhalb von „De-Eskalationszonen“ gelten alle gleichermaßen als Terroristen, und nach wie vor erfolgen russische Luftangriffe denn auch in Gebieten, in denen keine islamistischen Milizen aktiv sind.

Die Türkei bekämpft zwar auch IS, scheint aber in ihrem Kampf gegen Terrorismus der „Neutralisierung“ von Kurden deutlich größere Priorität zu geben. Gelegentlich gibt es auch schon direkte Gefechtsberührungen zwischen türkischen Soldaten und von den USA im Kampf gegen IS (mit „embedded“ Special Forces) unterstützten kurdischen Milizen. Das Unabhängigkeitsreferendum der nordirakischen Kurden könnte der Türkei einen Vorwand für militärische Operationen zur „Bekämpfung kurdischer Terroristen“ auf grenznahem syrischem Gebiet geben.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung)

Karte: IHS MonitorIn den auf Initiative von Russland, Syrien, dem Iran und der Türkei erklärten „De-Eskalationszonen“ herrscht weiterhin vergleichsweise Ruhe. Andernorts gehen die Kämpfe weiter; islamistische Milizen bleiben ohnehin grundsätzlich von allen Feuerpausen ausgenommen.

Russland sieht in den „De-Eskalationszonen“ die Basis für ein Ende des Bürgerkrieges. Sie zwängen Oppositionsmilizen zur räumlichen Trennung von islamistischen Terrorgruppen, und dies eröffne Chancen für politischen Dialog. In den Zonen vereinbarte Feuerpausen wurden teilweise auch schon in formelle regionale Waffenstillstände überführt. Russland strebt eine unabhängige Überwachung von deren Einhaltung an, kann aber ohne UN-Mandat noch keine nicht im syrischen Bürgerkrieg involvierten Länder zur Entsendung von Friedenstruppen bewegen. So werden vorerst nur russische Militärpolizisten eingesetzt.

Maritime Aspekte

Im östlichen Mittelmeer operiert weiterhin das von der russischen Schwarzmeerflotte geführte Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine.

Kampfeinheiten sind zurzeit die Fregatte „Pytliviy“ der Schwarzmeerflotte sowie immer noch die zwei in der Ostsee für die Schwarzmeerflotte gebauten, neuen U-Boote „Velikiy Novgorod“ und „Kolpino“ (KILO-III-Klasse), die ihre Überführungsfahrt ins Schwarze Meer für einen nun schon gut acht Wochen dauernden Einsatz bei der MedSqn unterbrochen haben. Die „Velikiy Novgorod“ feuerte am 22. September eine ungenannte Anzahl Kalibr Marschflugkörper auf Stellungen der islamistischen Al-Nusra-Front in der syrischen Provinz Idlib.

Am 25. September passierte die Fregatte „Admiral Grigorovich“ der Schwarzmeerflotte den Bosporus in Richtung Mittelmeer. Sie wird sich allerdings nicht sofort der MedSqn anschließen, sondern zunächst nach Korfu (Griechenland) laufen. In einem jährlichen Routinevorhaben der Schwarzmeerflotte steht dort die Teilnahme an der „Russischen Woche auf den Ionischen Inseln“ auf der Agenda. Anfang Oktober wird dort in jedem Jahr die Befreiung (1798/99) der von Frankreich besetzten Inselgruppe durch den russischen Admiral Ushakov gefeiert, die zur Gründung der (russisch protektorierten) Gründung der „Sieben-Inseln-Republik“ führte. Anschließend soll die „Admiral Grigorovich“ dann in der MedSqn den Platz ihres bereits abgelaufenen Schwesterschiffes „Admiral Essen“ einnehmen.

Die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub für die dort eingesetzten russischen Truppen wird fortgesetzt, aber mit deutlich reduziertem Umfang. Während bis etwa Ende Juli wöchentlich mehrere Landungsschiffe und von der Russischen Marine speziell für die Transporte gekaufte Frachter den Bosporus passierten, werden zurzeit nur noch sporadisch Passagen erkannt. Gründe für das deutlich reduzierte „Optempo“ sind nicht bekannt; da sich am Bedarf wenig geändert haben dürfte, mag man vielleicht Auswirkungen von „Kräfteüberdehnung“ vermuten. Möglicherweise werden inzwischen auch vermehrt zivile Frachtschiffe für die Transporte gechartert, die dann auf dem letzten Stück ihres Weges im östlichen Mittelmeer von Einheiten der MedSqn begleitet werden.

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ÄGYPTEN

Am 22. September hat die ägyptische Marine in Lorient (Frankreich) ihre erste Korvette der französischen GOWIND-Familie übernommen.

Schon einen Tag später verließ die „El Fateh“ Frankreich zu ihrer Überführungsfahrt, die das Schiff allerdings nicht direkt nach Ägypten führte. Erstes Ziel war Emden (Deutschland), wo die Korvette am 28. September einlief. Sie soll sich dort in den kommenden Tagen mit dem in Kiel gebauten neuen U-Boot „S-42“ (TYP 209/1400) treffen, um sich dann gemeinsam mit diesem auf die Reise in die zukünftige Heimat zu machen.

Im Juni 2014 hatte die ägyptische Marine bei der damaligen französischen DCNS (heute Naval Group) vier GOWIND-Korvetten bestellt. Typschiff „El Fateh“ war in Frankreich zu bauen, die anderen drei sollen unter einem Technologietransferabkommen und mit französischer Werfthilfe in Alexandria entstehen; ein erstes Schiff ist dort auch schon seit April 2016 im Bau. Medienberichte sprachen kurz nach der Auftragserteilung von einer Option auf noch einmal zwei Schiffe. Ob diese wahrgenommen werden soll, ist bisher unklar.

Hinter der Bezeichnung GOWIND steht nicht eine spezielle Schiffsklasse, sondern eine ganze „Familie“ von Korvetten und Fregatten unterschiedlichster Größe und Fähigkeiten für primär den Exportmarkt. Von Offshore Patrol Vessel in verschiedenen Größen bis hin zu mehr als 2.000 ts verdrängenden, auch für U-Jagd optimierten Korvetten sind die Schiffe vor allem für Randmeeroperationen und küstennahe Einsätze ausgelegt.

Bei den für die ägyptische Marine zu bauenden GOWIND handelt es sich um die 2.600 ts verdrängende, 102m lange Variante GOWIND-2500. Dieselantrieb (CODAD) gibt ihnen eine Reichweite von mehr als 3.500sm und Höchstgeschwindigkeit von 25 Kn. Als Bewaffnung der Mehrzweck-Kampfschiffe werden Seeziel-FK Exocet, Nahbereichs-Flugabwehr-FK MICA (Senkrechtstartsystem), ein 76-mm-Geschütz und Torpedos genannt. Rumpfsonar und tiefenvariables Schleppsonar (Captas 2) geben substantielle U-Jagdfähigkeit. In einem Hangar kann ein mittelgroßer Bordhubschrauber permanent mitgeführt werden. Aus seitlichen Verandas aussetzbare Beiboote (RHIB) erweitern das operative Spektrum.

Bewaffnung und Ausrüstung werden der ägyptischen Marine den Einsatz der GOWIND-Korvetten in fast dem gesamten Spektrum moderner Seekriegsführung erlauben. Die neuen Schiffe können auch als Einsatzplattformen für Kommandotruppen dienen oder in asymmetrischen Szenarien (Bekämpfung von Piraterie/Terrorismus, Schutz von Offshore Anlagen, Umweltschutz, Search & Rescue, humanitäre Hilfeleistung) eingesetzt werden.

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AUSTRALIEN

Mit einer Feier im Marinestützpunkt Garden Island (Sydney) hat die australische Marine am 23. September ihren neuen Zerstörer „Hobart“ in Dienst gestellt.

Gut drei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan hatte die ASC-Werft (Adelaide) Mitte Juni den ersten von drei neuen Zerstörern der HOBART-Klasse an das Verteidigungsministerium geliefert. 2007 waren die Schiffe im Rahmen von „Projekt SEA 4000“ bestellt worden. Mit dem US-Gefechtsführungssystem Aegis für Flugabwehr-/Luftraumverteidigung optimiert, sollen die Air Warfare Destroyer (AWD) später auch mit für die Raketenabwehr geeigneten Flugabwehr-FK Standard Missile SM-3 bestückt und technisch überdies für einen Einsatz von Marschflugkörpern Tomahawk vorbereitet werden.

Das Design der 6.000 ts großen Schiffe stammt von der spanischen Navantia, basiert auf den Fregatten der ALVARO DE BAZAN-Klasse (Typ F-100) der spanischen Marine. Lieferung der „Hobart“ war eigentlich schon 2014 geplant, aber erhebliche Defizite bei Auftragsstruktur und Projektmanagement führten zu mehrjährigen Verzögerungen, ja gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Navantia und ASC, Ministerium und Zulieferern hatten das Projekt zwischenzeitlich sogar zum Stillstand gebracht. Zugleich verteuerte es sich um gut 20 Prozent, und die Option für noch ein viertes Schiff wurde denn auch aus Kostengründen fallen gelassen. Schwesterschiff „Brisbane“ soll im letzten Quartal dieses Jahres Werfterprobungen beginnen; seine Übergabe an das Verteidigungsministerium ist aktuell im September 2018 geplant. Die „Sydney“ soll als drittes Schiff „Projekt SEA 4000“ im Frühjahr 2020 abschließen.

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INDIEN

Fast vier Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan hat Mazagon Dockyards das erste von sechs U-Booten der SCORPENE-Klasse an die indische Marine geliefert.

Die „Kalvari“ soll noch vor Jahresende formell in Dienst gestellt werden. Als möglicher Termin gilt der 8. Dezember, der „Submarine Day“ der indischen Marine. Nur wenig später soll mit der „Khanderi“ auch schon das erste Schwesterboot folgen. Das im Januar zu Wasser gelassene U-Boot soll noch in diesem Jahr Erprobungen und Abnahmen abschließen.

Mit jahrelanger Verspätung folgt die Beschaffung der U-Boote des französischen SCORPENE-Designs den klassischen Irrwegen und Verzögerungen indischer Rüstungsprojekte. Die Anfänge von „Projekt 75“ liegen schon mehr als 15 Jahre zurück, als 2001 mit der französischen DCNS (heute Naval Group) ein Abkommen über den Bau von zunächst drei, später dann sechs SCORPENE unterzeichnet wurde. Das erste der mit französischer Werfthilfe und Technologietransfer in Indien zu bauenden U-Boote sollte schon 2009 fertig sein, aber Kompetenzwirrwarr bei der Vertragsgestaltung zwischen diversen Behörden sowie Versuche, den Preis zu drücken, führten zu einer ersten mehrjährigen Verspätung. Erst im Oktober 2005 gab es eine verbindliche Bestellung – und die U-Boote waren auch schon deutlich teurer.

2006 wurde im französischen Cherbourg erste Module für das erste U-Boot vorgefertigt und nach Mumbai verschifft, wo MDL sofort mit dem Bau der „Kalvari“ begann; 2007 war Baubeginn für das zweite, 2008 für das dritte Boot. Alles schien im Lot, man ging nun von Lieferung ab 2012/13 aus, aber ein handfester Streit um den Preis für die U-Boote machte auch diese Planung hinfällig. MDL hatte für die Ausrüstung der Boote (u.a. Gefechtsführungssystem) Zusatzverträge mit diversen Zulieferfirmen geschlossen, aber in mehr als drei Jahren schaffte es die Regierung nicht, über eine Genehmigung dieser Subkontrakte zu entscheiden. Die Werft musste zwischenzeitlich sogar die Arbeit an den drei U-Booten auf Eis legen.

Nun steht die „Kalvari“ zwar vor ihrer Indienststellung, aber bis zu uneingeschränkter operativer Einsatzfähigkeit werden wohl noch einige Jahre vergehen. Zwar wurden im Zuge der Erprobungen auch Seeziel-Flugkörper und Torpedos geschopssen, aber eine offizielle Bestellung von als Hauptwaffensystem vorgesehenen Schwergewichtstorpedos wurde im Zuständigkeitswirrwarr angeblich „vergessen“. Das Versäumnis wurde inzwischen wohl nachgeholt, aber die Torpedos können angeblich erst „nach 2020“ geliefert werden. So wird die „Kalvari“ in ihren ersten Dienstjahren wohl noch ohne sie auskommen müssen.

Einen Rückschlag gibt es auch beim für die letzten beiden SCORPENE vorgesehenen außenluft-unabhängigem Antrieb (AIP). Die in Indien begonnene Eigenentwicklung kommt nicht voran. Da das System absehbar nicht zeitgerecht fertig wird, sollen nun auch das 5. und 6. SCORPENE einen normalen diesel-elektrischen Antrieb erhalten.

Das sechste U-Boot von „Projekt 75“ wird „etwa 2022“ erwartet. Da sich auch beim Nachfolgevorhaben „Projekt 75i“ ähnliche Verzögerungen abzeichnen, und der indischen Marine bei zunehmender Überalterung ihrer vorhandenen U-Boote eine Fähigkeitslücke droht, wird seit mehr als einem Jahr eine Bestellung weiterer SCORPENE diskutiert. Entscheidungen hierzu sind allerdings – und das mag kaum noch jemanden verwundern – noch nicht gefallen.

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NORDKOREA (Fortschreibung)

Nordkorea hat in der abgelaufenen Woche auf neue Provokationen in Form von Raketenstarts oder Atomtests verzichtet.

Verbale Drohungen und über die staatlichen Medien verbreitete Propaganda gehen aber unvermindert weiter. So sieht Nordkoreas Außenminister in den Äußerungen von US-Präsident Trump eine “offizielle Kriegserklärung”; in Eigenverteidigung stehe es Nordkorea damit frei, US-Flugzeuge überall – auch in internationalem Luftraum – zu bekämpfen. Das staatliche Fernsehen zeigte ein digital manipuliertes Video, in dem der Abschuss von US-Kampfflugzeugen und sogar die Versenkung eines US-Flugzeugträgers zu sehen war.

Unterdessen werden die durch den UN-Sicherheitsrat verhängten neuen Sanktionen international umgesetzt. China hat die Schließung aller nordkoreanischen Firmen angeordnet. Eine zeitnahe Wirkung der Sanktionen wird jedoch nicht erwartet. Nordkorea bekräftigt im Gegenteil unverändert den Willen, die Entwicklung von Atomwaffen und Raketen fortsetzen, bis “Gleichgewicht zu den USA” hergestellt sei. Die Suche nach einer diplomatischen Lösung bleibt also schwierig, und bei allgemein erwarteten neuen Aktionen Nordkoreas ist weitere Eskalation jederzeit möglich. Hartnäckig halten sich Gerüchte zu einem angeblich geplanten Test einer Wasserstoffbombe im Pazifik.

Sollten “Sanktionen und diplomatischer Druck der Weltgemeinschaft ohne Wirkung bleiben und die Vereinten Nationen am Ende ihrer Möglichkeiten” seien, werden für die USA militärische Optionen “praktisch unausweichlich”. US Verteidigungsminister Mattis ergänzte, man verfüge durchaus über geeignete Mittel, Nordkorea anzugreifen, ohne dabei Südkorea einem tödlichen Gegenangriff auszusetzen. Am 28. September kündigte das Pentagon eine vermehrte Verlegung “strategischer Kräfte” nach Südkorea an.

Südlich der koreanischen Halbinsel hat die “Ronald Reagan” Carrier Strike Group der US Navy am 22. September mehrtägige Übungen mit dem Hubschrauberträger “Ise” und zwei Zerstörern der japanischen Marine begonnen. Anfang Oktober sind für den Flugzeugträger Manöver mit der südkoreanischen Marine geplant, an denen sich möglicherweise auch die japanische Marine beteiligen wird.

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RUSSLAND

CHINA

Vor Wladiwostok haben die russische und die chinesische Marine die “zweite Phase” ihrer diesjährigen Übung “Joint Sea” durchgeführt.

Die erste Phase hatte im Juli in der Ostsee stattgefunden. Ein chinesischer Verband hatte dazu zur Baltischen Flotte nach Baltiysk verlegt und anschließend noch inn St. Petersburg an den Feierlichkeiten zum russischen “Tag der Marine” teilgenommen.

Federführung für “Joint Sea 2017-2” hatte nun die russische Pazifikflotte. Am 18. September traf ein Verband der chinesischen Nordflotte mit je einem Zerstörer, einer Fregatte, einem U-Boot-Rettungsschiff und einem Versorger in Vladiwostok ein. In einer Hafenphase wurden neben kulturellen und sportlichen Veranstaltungen zum gegenseitigen Kennenlernen und “Open Ship” für die örtliche Bevölkerung letzte Übungsdetails abgesprochen.

Die russische Marine sollte nach offizieller Ankündigung einen Zerstörer, eine neue FK-Korvette, zwei U-Boote, das modernste U-Bootrettungsschiff “Igor Belousov” sowie Flugzeuge und Hubschrauber in die Übung einbringen. Spätere Fotos zeigten dann aber das Flaggschiff der Pazifikflotte, den FK-Kreuzer “Varyag” bei den gemeinsamen Übungen in See.

Die vorab angekündigten Übungsinhalte sollten ein breites Spektrum moderner Seekriegsführung abdecken. Neben taktischen Fahrmanövern, Fernmeldeübungen und Search & Rescue sollte ein deutlicher Schwerpunkt auf U-Jagd liegen, ja erstmals überhaupt wollte man auch eine gemeinsame U-Bootrettungsübung durchführen. Am 21. September liefen alle teilnehmenden Einheiten in die Übungsgebiete in der Japansee und im Ochotskischen Meer aus, um dort die vorgegebenen “Serials” (Teilübungen) der Reihe nach abzuarbeiten. Presseerklärungen sprachen von gemeinsamen Schießabschnitten gegen See- und Luftziele, Hubschrauberoperationen und einem “Maritime Security Szenario” in dessen Verlauf ein von Piraten gekapertes Schiff gesucht, gefunden und befreit wurde.

Laut Ankündigung sollte “Joint Sea” bis zum 26. September dauern, aber schon am 25. September wurde in der Japansee eine “Farewell Zeremonie” durchgeführt, und die chinesischen Einheiten machten sich unmittelbar auch schon auf den Heimweg.

Die zuvor als Höhepunkt angekündigte “erste gemeinsame russisch-chinesische U-Bootsrettungsübung” wurde in während der Übung herausgegebenen Pressemeldungen überhaupt nicht thematisiert und in der abschließenden offiziellen Erklärung des russischen Generalstabes zum Übungsende auch nur am Rande erwähnt. Keines der vom russischen und chinesischen Verteidigungsministerium im Internet veröffentlichten Fotos zeigt eines der teilnehmenden U-Boot-Rettungsschiffe in See. Man muss wohl davon ausgehen, dass U-Boot-Rettung bei “Joint Sea 2017-2” nicht die eigentlich zu erwartende Bedeutung gehabt hat. Möglicherweise beschränkte man sich auf gegenseitige Besichtigungen der U-Boot-Rettungsschiffe sowie Seminare und Vorführungen von Rettungsgerät im Hafen. Vielleicht gab es bei der Durchführung aber auch “Entwicklungen”, die einen Verzicht auf eine zu detaillierte Presseberichterstattung nahelegten.

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USA

NATO

Das Eintreffen von 14 Kampfschiffen im schottischen Faslane markierte den Beginn der multinationalen Raketenabwehrübung “Formidable Shield 2017”.

Seegestützte Raketenabwehr für Europa soll nicht nur durch vier dazu permanent nach Rota (Spanien) verlegte Zerstörer der US Navy geleistet werden; Auch die europäischen Marinen selbst sollen – und wollen – sich mit eigenen Schiffen aktiv in einen europäischen Raketenabwehrverbund einbringen. Basis dafür ist das Maritime Theatre Missile Defense (MTMD) Forum. Mitglieder sind hier neben den USA, Kanada (und Australien) auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen und Spanien.

Bei der vor zwei Jahren vor den schottischen Hebriden durchgeführten „At Sea Demonstration 2015“ hatten erstmals Kampfschiffe der Marinen der europäischen Partner des MTMD Forums ihre Fähigkeiten zu „Interoperabilität in einem multinationalen Netzwerk zur Luftraumverteidigung und Raketenabwehr“ einem Praxistest unterzogen. Im gleichen Seegebiet soll nun das von der 6. US-Flotte geführte “Formidable Shield 2017” darauf aufbauen.

Insgesamt nehmen 14 Schiffe und zehn Flugzeuge an der Übung teil. Führungsschiff ist ein Aegis-Zerstörer der US Navy; die Deutsche Marine ist mit der Fregatte „Sachsen“ beteiligt. Die britische Royal Navy bringt einen Zerstörer TYPE 45 und zwei Fregatten TYPE 23 ein. Weitere Kampfschiffe kommen aus Frankreich, Italien, Kanada, den Niederlanden und Spanien. Die norwegische Marine ist diesmal offenbar nicht mit von der Partie.

In mehreren Phasen bereiten sich die Teilnehmer zunächst im Hafen und dann in Simulationen in See auf die viertägigen zentralen Übungsabschnitte vor, bei denen in Live-Schießen nacheinander diverse Szenarien zur Bekämpfung von Flugkörpern “abgearbeitet” werden sollen. Insgesamt sollen zwölf unterschiedliche Zieldarstellungs-Flugkörper aktiv bekämpft werden. Die Bandbreite reicht von Nahbereichsabwehr von Seeziel-FK und Marschflugkörpern über Verbandsflugabwehr und Area Air Defence bis hin zur Bekämpfung exo-atmosphärisch anfliegenden ballistischen Raketen. Bei Letzteren werden die nicht zur eigenständigen Raketenabwehr befähigten Einheiten in großräumige Lagebilderstellung sowie Erfassung und Verfolgung von Flugkörpern mit letztendlicher Zielzuweisung eingebunden. Wesentliches Ziel der Übung ist nicht die Darstellung der Fähigkeiten einzelner Schiffe zu Luftraumverteidigung und Flugkörperbekämpfung, sondern die Schaffung eines Verbundes, in den jedes Schiff – unter Nutzung von NATO-Führungsstrukturen – bei Planung, Lagebilderstellung und koordiniertem Waffeneinsatz seine spezifischen Fähigkeiten in ein Netzwerk einbringt.

“Formidable Shield 2017” soll am 18. Oktober zu Ende gehen. MarineForum plant für kommende Hefte eine ausführliche Berichterstattung zur Übung.

Kurzfassung
MarineForum Wochenschau vom 29. September 2017
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MarineForum Wochenschau vom 29. September 2017
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Das Geschehen auf den Weltmeeren in der wöchentlichen Übersicht
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