MarineForum Wochenschau vom 28. April 2017

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt vor­rangig von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors und von den Bürg­erkriegen in Syrien und Jemen bes­timmt. Der Chemiewaf­fenein­satz durch (ver­mut­lich) syrische Regierungstrup­pen und der nach­fol­gende US-Vergel­tungss­chlag auf eine syrische Luft­waf­fen­ba­sis haben die regionalen Span­nun­gen erhöht, aber eine befürchtete mil­itärische Eskala­tion ist bish­er aus­ge­blieben.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.
Marineforum

JEMEN

Der Bürg­erkrieg der vom Iran unter­stützten schi­itis­chen Houthi-Rebellen gegen die von ein­er sau­di-ara­bisch geführten Koali­tion unter­stützte Regierung dauert eben­so an, wie die Bekämp­fung islamistis­ch­er Ter­ror­is­ten (al-Kai­da-Ableger AQAP — Al-Qae­da on the Ara­bi­an Penin­su­la). In bei­de Kon­flik­te sind auch US-Stre­itkräfte einge­bun­den. Zwar wer­den keine Details veröf­fentlicht, aber beteiligt sein kön­nte der zulet­zt im Golf von Aden / vor Dschibu­ti gemeldete amphibis­che Träger „Bataan“ der US Navy mit seinen eingeschifften Kampf­flugzeu­gen AV-8B Har­ri­er und/oder Kampfhub­schraubern AH-1 Cobra des US Marine.

Ein aktueller Schw­er­punkt des Bürg­erkrieges ist das Gebi­et um den von den Houthi kon­trol­lierten Hafen Hodei­dah am Roten Meer. Medi­en­berichte lassen hier auf eine geplante (möglw. auch bere­its begonnene?) Offen­sive von jemeni­tis­chen Regierungstrup­pen und Koali­tion­skräften schließen. Zur „Unterbindung von Waf­fen­liefer­un­gen an die Rebellen und Ermöglichung human­itär­er Hil­fe“ (nicht zulet­zt aber wohl auch zur Ver­mei­dung ein­er Zer­störung der Infra­struk­tur des für den Jemen wichti­gen Hafens) hat die jemeni­tis­che Regierung nun vorgeschla­gen, Hodei­dah unter Kon­trolle der Vere­in­ten Natio­nen zu stellen. Wirk­lich sin­nvoll würde eine solche Maß­nahme allerd­ings erst mit ein­er UN-Frieden­struppe, deren Auf­stel­lung und Entsendung der UN Sicher­heit­srat noch beschließen müsste.

Houthi-Rebellen sind immer wieder auch bemüht, über die Gren­zen des Jemen hin­aus Ziele in Sau­di-Ara­bi­en anzu­greifen, u.a. durch Beschuss mit Scud-Raketen. Am 27. April haben sie erst­mals auch einen Angriff auf ein saud­is­ches Ölter­mi­nal im Roten Meer ver­sucht. Ein fer­n­ge­lenk­tes Spreng­boot sollte die Ver­ladean­la­gen (ver­mut­lich die Stich­pi­er) des etwa 50km nördlich der Gren­ze zum Jemen gele­ge­nen Jizan (Dschaizan) Ter­mi­nals der saud­is­chen Aram­co zer­stören. Das Boot wurde durch die saud­is­che Küstenwache allerd­ings rechtzeit­ig ent­deckt und gut 2 km vor seinem Ziel zer­stört. Mit einem ähn­lichen Spreng­boot hat­ten die Houthi am 30. Jan­u­ar vor Hodei­dah die saud­is­che Fre­gat­te „Mad­i­nah“ ange­grif­f­en und beschädigt. US-Geheim­di­en­sten zufolge sollen die Boote aus dem Iran stam­men.

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien und Irak bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Noch zu viele Eigen­in­ter­essen einzel­ner Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten bes­tim­men die Entwick­lung.

Nach dem US-Luftschlag gegen eine syrische Luft­waf­fen­ba­sis hat­te Rus­s­land eine vor­sichtige Koop­er­a­tion (mit dem begren­zten Ziel eines „De-Con­flict­ing“) mit den USA für „been­det“ erk­lärt, die Vere­in­barung inzwis­chen aber wieder in Kraft geset­zt.

SYRIENIRAK: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Boden­trup­pen oder kur­dis­ch­er Milizen — aktuell vor allem bei der noch immer andauern­den Offen­sive zur Rücker­oberung von Mosul. Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge und von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge und Drohnen der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).
Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ set­zt weit­er­hin seine Kampf­flugzeuge aus dem nord­west­lichen Per­sis­chen Golf her­aus gegen IS-Ziele in Irak und Syrien ein. Die dänis­che Fre­gat­te „Peter Wille­moes“ bleibt noch bis in den Mai hinein in den US Ver­band inte­gri­ert.

SYRIEN: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land macht weit­er­hin keinen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen; alle gel­ten gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten”. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Stre­itkräfte ger­ade auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS im Rah­men ihrer nationalen Kur­den­poli­tik vor allem bemüht, auf Autonomie set­zende syrische Kur­den (oft zugle­ich von den USA unter­stützte syrische Rebel­len­grup­pen) möglichst weit nach Osten bis in den Irak abzu­drän­gen.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

Der US-Angriff auf eine syrische Luft­waf­fen­ba­sis bleibt natür­lich The­ma, hat bish­er aber keine entschei­den­den Auswirkun­gen auf den syrischen Bürg­erkrieg.

Ob eine Anfang Mai in Astana (Kasach­stan) geplante Gespräch­srunde der Bürg­erkriegsparteien zur Über­führung der brüchi­gen Feuer­pause in einen dauer­haften und sta­bilen Waf­fen­still­stand stat­tfind­et, bleibt abzuwarten. Die Feuer­pause wird ohne­hin nur dort einge­hal­ten, wo Oppo­si­tion­s­grup­pen ihr aus­drück­lich zuges­timmt hat­ten, und islamistis­che Grup­pen wie IS und al-Nus­ra waren ohne­hin aus­geklam­mert.

Mar­itime Aspek­te

Kampf­schiffe der US Navy dürften weit­er­hin im östlichen Mit­telmeer präsent sein. Dort operiert auch das Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine.

All­ge­mein war nach dem US-Angriff auf die syrische Luft­waf­fen­ba­sis eine deut­liche Ver­stärkung der von der Schwarzmeer­flotte geführten und rou­tinemäßig zwis­chen Zypern und der syrischen Küste einge­set­zten Med­Sqn erwartet wor­den; diese ist aber bish­er aus­ge­blieben. Zum Ver­band gehören zurzeit neben eini­gen Hil­f­ss­chif­f­en als Kampfein­heit­en nur die Fre­gat­te „Admi­ral Grig­orovich“ und der Minen­such­er „Valentin Pikul“. Die Fre­gat­te soll dem Ver­band „bis zum Som­mer“ zugeteilt sein; der Minen­such­er der NATYA-Klasse wird in syrischen Küstengewässern vor Tar­tus und Latakia einge­set­zt, um eine den Nach­schub gefährdende, mögliche Ver­min­ung der Ans­teuerun­gen durch syrische Rebellen zu ver­hin­dern.

Am 27. April ist ein Nord­flot­ten­ver­band mit dem Zer­stör­er „Severo­morsk“, einem Tanker und einem Bergeschlep­per nach Umrun­dung Afrikas durch die Straße von Gibral­ter wieder ins Mit­telmeer ein­ge­laufen.

Die Schiffe sind seit Okto­ber unter­wegs, hat­ten damals zusam­men mit dem längst in den Nord­flot­ten­bere­ich zurück­gekehrten Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“ ins Mit­telmeer ver­legt. Im Jan­u­ar hat­ten sie mit Pas­sage des Suezkanals ihre Reise rund um Afri­ka begonnen und als „Botschafter in Blau“ dabei mehrere Hafenbe­suche durchge­führt. Ob sie nun vorüberge­hend noch ein­mal in die Med­Sqn inte­gri­ert wer­den sollen, bleibt abzuwarten. Möglich erscheint auch ein geplanter Hafenbe­such im west­lichen Mit­telmeer, z.B. in Alge­rien.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub für die dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen an. Jede Woche passieren mehrere Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch dazu ver­legte Ein­heit­en der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei und Deutsch­land gekaufte und teils als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nord­laufend. Trans­portiert wird zurzeit auch Bau­ma­te­r­i­al für die in diesem Früh­jahr begin­nen­den Arbeit­en zur Erweiterung der rus­sis­chen logis­tis­chen Basis in Tar­tus (Syrien). Das Lan­dungss­chiff „Korolev“ der Baltischen Flotte hat seinen sechsmonati­gen Ein­satz bei „Syr­i­an Express“ been­det und ist in die Ost­see zurück­gekehrt.

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CHINA

Mit roten Fah­nen und bun­ten Bän­dern geschmückt, wurde am 26. April in Dalian der zweite Flugzeugträger der chi­ne­sis­chen Marine feier­lich aus seinem Bau­dock aus­geschwom­men.

Der Stapel­lauf war eigentlich schon am 25. April – zum Geburt­stag der chi­ne­sis­chen Volks­be­freiungs­ma­rine (PLAN) – erwartet wor­den, fand dann aber über­raschend erst einen Tag später statt. Auch hielt sich mit dem Vizevor­sitzen­den der Zen­tralen Mil­itärkom­mis­sion die Anwe­sen­heit von Polit-Promi­nenz sichtlich in Gren­zen. Immer­hin han­delt es sich bei dem Schiff um den allerersten chi­ne­sis­chen Flugzeugträger-Eigen­bau. Zwar wurde zer­e­moniell auch eine Flasche Cham­pag­n­er am Bug zer­brochen, aber wed­er ein Name für den Neubau genan­nt, noch fand sich am Schiff die übliche Iden­ti­fizierungsnum­mer. All­ge­mein wird die Num­mer 17 erwartet, und Gerücht­en zufolge soll der Neubau den Namen der Prov­inz Shan­dong erhal­ten.

Erster chi­ne­sis­ch­er Flugzeugträger ist die 2012 in Dienst gestellte „Liaon­ing“ (CV-16), ein eigentlich noch für die Sow­je­tu­nion begonnenes Schwest­er­schiff der rus­sis­chen „Admi­ral Kuznetsov“, das Chi­na 2001 halbfer­tig in der Ukraine erwor­ben, nach Dalian über­führt und dort fer­tigge­baut hat­te. Auch wenn man sich offiziell noch sehr bedeckt hielt, war ziem­lich schnell klar, dass die PLAN sich nicht mit einem einzi­gen Flugzeugträger beg­nü­gen würde. Spätestens 2014 begann dann in Dalian auch der Bau des nun zu Wass­er gelasse­nen Schiffes.

Basis dieses Eigen­baus — und dies zeigt sich auch in der Pro­jek­t­num­mer 001A — ist die „Liaon­ing“, von der wesentliche Designele­mente kopiert wur­den; Ver­gle­iche zeigen mit ein­er Länge von gut 300m fast iden­tis­che Abmes­sun­gen. Wie die „Liaon­ing“, hat auch der Neubau eine Ski-Jump Bugrampe, über die Kampf­flugzeuge Shenyang J-15 „Feisha“ (Klon der rus­sis­chen Sukhoi Su-33) starten; bei der Lan­dung wer­den die Flugzeuge dann in ein­er Lan­de­fan­gan­lage abge­bremst. Das Schiff­sin­nere soll in Anpas­sung an „spez­i­fis­chen chi­ne­sis­chen Bedarf“ allerd­ings völ­lig umgestal­tet wor­den sein. Die Inter­net­seite des Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums sprach überdies von ein­er „kom­plett neuen“ Antrieb­san­lage sowie Aus­rüs­tung mit einem Phased Array Radar (in gegenüber der „Liaon­ing“ deut­lich verän­dert­er Anord­nung am Inse­lauf­bau) und mod­ern­sten Flu­gab­wehr-FK-Sys­te­men.

Der neue Flugzeugträger wurde nach dem Auss­chwim­men aus dem Bau­dock von Schlep­pern an die direkt benach­barte Aus­rüs­tungspi­er bugsiert, wo er nun fer­tiggestellt wer­den soll. Vor allem im Schiff­sin­neren gibt es noch viel zu tun; zahlre­iche Sys­teme sind einzurüsten und zu erproben. Die formelle Über­nahme durch die PLAN wird denn auch erst etwa 2020 erwartet.

Den zwei äußer­lich der rus­sis­chen „Admi­ral Kuznetsov“ ähn­lichen Flugzeugträgern sollen weit­ere Eigen­baut­en fol­gen. Auf der Jiang­nan-Werft (Schang­hai) sollen schon Ende 2014 Vor­bere­itun­gen für den Bau eines drit­ten Flugzeugträgers (CV-18) begonnen haben, bei dem bish­er aber noch unklar ist, ob es sich erneut um ein Schiff nach dem „Liaoning“-Design oder aber ein neues, dann wirk­lich eigenes Design han­delt. Im Inter­net kur­sieren zu „Pro­jekt 002“ Gerüchte über einen größeren Flugzeugträger, bei dem Flugzeuge nicht mehr über eine Ski-Jump Bugrampe son­dern mit Hil­fe von Kat­a­pul­ten starten sollen. Langfristig soll auch der Bau noch größer­er Flugzeugträger mit Nuk­lear­antrieb geplant sein.

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FRANKREICH

Erst im Okto­ber hat­te der franzö­sis­che Vertei­di­gungsmin­is­ter am Rande der Rüs­tungsmesse „Euron­aval“ (Paris) das Basis­de­sign geplanter neuer Fre­gat­ten vorgestellt.

Am 21. April wurde DCNS (Haup­tauf­trag­nehmer) nun auch schon formell beauf­tragt, „mit dem Bau der Schiffe zu begin­nen“. Medi­en spekulieren (natür­lich) über die Absicht, noch vor den franzö­sis­chen Präsi­dentschaftswahlen Fak­ten zu schaf­fen.

Fünf neue mit­tel­große Fre­gat­ten FTI („Fre­gate de Taille Inter­me­di­aire“) sollen mit Indi­en­st­stel­lun­gen ab 2025 die dann zwis­chen 25 und 30 Jahre alten Fre­gat­ten der LA FAYETTE-Klasse erset­zen, die vor allem auch in ihrer „unzure­ichen­der Bewaffnung“ (u.a. fehlende U-Jagdfähigkeit) einen in den let­zten Jahrzehn­ten gewan­del­ten Bedarf der franzö­sis­chen Marine nicht mehr deck­en.

Die Pla­nung zur Beschaf­fung neuer Fre­gat­ten reicht schon mehrere Jahre zurück. Wohl auch vor dem Hin­ter­grund klam­mer Finanzen war das Vorhaben 2011 erst ein­mal zurück­gestellt wor­den, wurde 2015 aber wieder aufge­grif­f­en und dann sog­ar beschle­u­nigt. In ihrer Größe liegen die Neubaut­en zwis­chen der LA FAYETTE-Klasse (3.600ts) und der neuen AQUITAINE (FREMM)-Klasse (6.000ts). Eine Konzept­grafik zeigt eine 4.250 ts große, 122-m-Mehrzweck­fre­gat­te mit einem „kopf­ste­hen­den Bug“ (invert­ed bow), der dem Schiff ein erhe­blich verbessertes Seev­er­hal­ten geben soll.

FTI — Konzept­grafik (DCNS)
Weit­eres optisch auf­fäl­liges Ele­ment ist ein zen­traler, verklei­de­ter Sen­sor­mast, in dem sich die elek­tro­n­is­che Aus­rüs­tung (u.a. Thales‘ dig­i­tales Radar Sea Fire 500) konzen­tri­ert. Eine „com­bined diesel and diesel“ (CODAD) Antrieb­san­lage soll Geschwindigkeit­en von 27 Kn ermöglichen und den FTI Reich­weit­en von 5.000sm geben. Bei der Besatzung will man (incl. ein­er fliegen­den Kom­po­nente) mit 125 Mann auskom­men, an Bord aber Platz für weit­ere 50 einzuschif­f­ende Per­so­n­en vorhal­ten.

Als Haupt­waf­fen­sys­teme wer­den Seeziel-FK Exo­cet (zwei Vier­fach­starter) und Flu­gab­wehr-FK MBDA Aster-30 (zwei vierzel­lige Senkrecht­starter) genan­nt. Ein 76-mm-Geschütz und U-Jagdtor­pe­dos MU90 ergänzen die Bewaffnung. Eine Bestück­ung auch mit landzielfähi­gen Marschflugkör­pern ist derzeit nicht vorge­se­hen. Mit Bug­sonar und Schlepp­sonar sollen die FTI auch U-Jagdfähig wer­den. Bor­d­hub­schrauber NH-90 sowie Drohnen und schnelle Bei­boote erweit­ern das Ein­satzspek­trum.

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FRANKREICH

INDIEN

In Toulon (Frankre­ich) hat die diesjährige, ins­ge­samt 15. Auflage der bilat­eralen indisch-franzö­sis­chen Übungsserie „Varuna“ begonnen.

Schon seit 1993 ste­hen zur „Fes­ti­gung der Fähigkeit­en zu Inter­op­er­abil­ität“ gemein­same Übun­gen auf dem Kalen­der bei­der Mari­nen, bevor man dann 2000 vere­in­barte, regelmäßig unter der Beze­ich­nung „Varuna“ (indis­che Got­theit, auch der Ozean­gott) zu üben. 2001 fand das erste „Varuna“ vor der indis­chen West­küste statt. In den Fol­ge­jahren ver­legte jew­eils ein größer­er franzö­sis­ch­er Flot­ten­ver­band dazu in den Indis­chen Ozean.

Die Übungsin­halte gin­gen sehr schnell über ein­fache „Pas­sex“ mit seemän­nis­chen Manövern, Fer­n­meldeübun­gen und Search & Res­cue hin­aus. Mehrmals führte sog­ar der Flugzeugträger CHARLES DE GAULLE die franzö­sis­che Ein­satz­gruppe an – mit Übungss­chw­er­punk­ten dann natür­lich bei Marine­fliegerop­er­a­tio­nen und Flu­gab­wehr – und auch Indi­en brachte bei diesen Gele­gen­heit­en Flugzeugträger in die Übung ein. Die Übungs­ge­bi­ete lagen meist im Ara­bis­chen Meer vor der indis­chen West­küste. 2009 und dann wieder 2012 ver­legte allerd­ings ein indis­ch­er Ver­band zu „Varuna“ ins franzö­sis­che Brest. 2013 und 2014 fiel „Varuna“ aus; 2015 traf man sich dann wieder vor Indi­en.

Zu „Varuna 2017“ hat die indis­che Marine nun einen vom Befehlshaber des West­ern Naval Com­mand geführten Ver­band ins Mit­telmeer ver­legt. Am 24. April macht­en der Zer­stör­er „Mum­bai“, die Fre­gat­ten „Trishul“ und „Tarkash“ sowie der Flot­ten­ver­sorg­er „Aditya“ in Toulon fest.
an der Pier in Toulon (Foto: franz. Marine)
Hier hat nun die Hafen­phase von „Varuna 2017“ begonnen. In der anschließen­den, bis zum 30. April dauern­den Seep­hase ste­hen in Fort­führung der Inhalte früher­er Übun­gen dieser Serie wahrschein­lich Aspek­te tra­di­tioneller Seekriegführung wie U-Jagd, Flu­gab­wehr, Seeziel­bekämp­fung (gemein­sames Artilleri­eschießen) und Ver­sorgung in See auf dem Pro­gramm, aber auch „Mar­itime Inter­dic­tion“ und „Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions“ (Ter­rorab­wehr, Pira­teriebekämp­fung) dürften nicht zu kurz kom­men. Zu den franzö­sis­chen Teil­nehmern an „Varuna 2017“ gibt es noch keine offiziellen Infor­ma­tio­nen. Der offen­sichtlich als „Host-Ship“ für die indis­chen Gäste an der gle­ichen Pier liegende Zer­stör­er „Forbin“ dürfte aber mit von der Par­tie sein.

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NORDKOREA

Die Span­nun­gen um Nord­ko­rea dauern auf hohem Niveau an.

Die US-Regierung unter Präsi­dent Trump betont den Willen zu ein­er diplo­ma­tis­chen Lösung, bekräftigt aber erneut, alle – auch mil­itärische – Optio­nen lägen auf dem Tisch. Chi­na fordert in ungewöhn­lich schar­fer Form Nord­ko­rea dazu auf, jegliche weit­ere Pro­voka­tio­nen durch Raketen­starts oder gar einen neuen Atom­test zu unter­lassen. Vor allem Dro­hung mit Atom­waf­fen sei denkbar ungeeignet, „das sozial­is­tis­che Sys­tem in die Zukun­ft zu führen“. Chi­ne­sis­che staatliche Medi­en melde­ten sog­ar, man werde auf einen „auss­chließlich gegen das nord­ko­re­anis­che Atom­waf­fen­po­ten­tial zie­len­den US-Präzi­sion­ss­chlag“ nicht gle­ich mil­itärisch reagieren. Auch wirtschaftlich erhöht Chi­na den Druck, hat offen­bar sämtliche Kohlimporte aus Nord­ko­rea gestoppt.

Nord­ko­rea verkün­det in sein­er über die staatlichen Medi­en ver­bre­it­eten Pro­pa­gan­da zwar immer noch laut­stark die Bere­itschaft zu „ver­nich­t­en­den Angrif­f­en“ auf Süd­ko­rea und US-Stre­itkräfte in der Region, hat aber bish­er weit­ere gegen Aufla­gen des UN-Sicher­heit­srates ver­stoßende Aktio­nen ver­mieden. Auch am Grün­dungstag der Stre­itkräfte (25. April) beg­nügte man sich mit einem optisch spek­takulären, demon­stra­tiv­en Artilleri­eschießen, bei dem 300–400 Panz­er und Haub­itzen von der Ostküste bei Won­san in Rich­tung Japansee feuerten. Ein neuer Atom­waf­fen­test scheint allerd­ings nur einge­froren, nicht abge­sagt. Experten gehen davon aus, dass die Vor­bere­itun­gen am Atom­test­gelände Pung­gye-ri so weit abgeschlossen sind, dass er jed­erzeit auch sehr kurzfristig durchge­führt wer­den kann.

Mit mehreren Tagen Verzögerung hat die „Carl Vin­son“ Car­ri­er Strike Group (CSG) der US Navy offen­bar endlich Kurs auf die Gewäss­er um die kore­anis­che Hal­binsel genom­men. Son­der­lich eilig hat man es aber noch immer nicht. So war das Ein­tr­e­f­fen in der Japansee für den 25. April angekündigt, aber am 26. April wurde der Ver­band noch immer fast 2.000km ent­fer­nt in der nördlichen Philip­pinensee, östlich der japanis­chen Insel Oki­nawa gemeldet. Drei Tage zuvor hat­te sich die japanis­che Marine ‘Carl Vin­son’ übt mit japanis­chen Zer­stör­ern (Foto: US Navy)dort mit den bei­den Zer­stör­ern „Sami­dare“ und „Ashigara“ dem US-Ver­band angeschlossen und gemein­sam mit diesem Übun­gen durchge­führt. Auch Kampf­flugzeuge der japanis­chen Luft­waffe waren in diese Übun­gen einge­bun­den. Der sehr langsame Vor­marsch in Rich­tung Korea kön­nte auch darauf hin­deuten, dass die US-Regierung unter Aufrechter­hal­tung ein­er sub­stantiellen Dro­hung doch auch weit­ere Zeit für eine diplo­ma­tis­che Lösung (mit Ein­bindung Chi­nas) gewin­nen möchte.

Als Ziel der „Carl Vin­son“ wird weit­er­hin die Japansee genan­nt; ob der Flugzeugträger allerd­ings tat­säch­lich in dieses für seine Oper­a­tio­nen doch rel­a­tiv „enge“ Rand­meer ein­läuft bleibt abzuwarten. Üblicher­weise hal­ten US-Flugzeugträger bei realen Ein­sätzen unter Bedro­hung min­destens 400sm Abstand von ein­er feindlichen Küste. Man kann davon aus­ge­hen, dass die „Carl Vin­son“ bei tat­säch­lichen Luftschlä­gen gegen Nord­ko­rea aus ein­er Posi­tion im Paz­i­fik, östlich von Japan operiert.

Am 26. April führte jew­eils ein Zer­stör­er der US Navy west­lich von Korea im Gel­ben Meer Übun­gen mit einem süd­ko­ranis­chen Zer­stör­er und östlich von Korea in der Japansee mit einem japanis­chen Zer­stör­er durch. Im Mai plant die US Navy im West­paz­i­fik eine größere Übung, um ihre Fähigkeit­en zum Abfan­gen nord­ko­re­anis­ch­er Raketen noch ein­mal zu testen – und zu demon­stri­eren.

Sich­er auch als Sig­nal der Entschlossen­heit zu ver­ste­hen war schließlich das Ein­laufen des nuk­lear­getriebe­nen U-Bootes “Michi­gan“ zu einem „Besuch“ in Busan (Süd­ko­rea). Das mod­i­fizierte frühere strate­gis­che U-Boot der OHIO-Klasse führt anstelle der früheren Atom­raketen mehr als 180 Marschflugkör­p­er Tom­a­hawk mit und kann überdies Kampf­schwim­mer für Kom­man­do­op­er­a­tio­nen ein­set­zen.

Die Ver­legung weit­er­er US-Car­ri­er Strike Groups um die „Nimitz“ (Everett, Bun­destaat Wash­ing­ton) oder die „Ronald Rea­gan“ (Yoko­su­ka, Japan) bleibt offen­bar Option, aber ein weit­er­er US-Flugzeugträger wird früh­estens in der zweit­en Mai­hälfte vor der kore­anis­chen Hal­binsel erwartet. Min­destens bis Ende Mai soll die „Carl Vin­son“ im Krisen­ge­bi­et den Willen zu „dauer­hafter Präsenz“ demon­stri­eren.

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RUSSLAND

Nach ein­er Kol­li­sion ist ein Aufk­lärungss­chiff der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte vor dem Nordein­gang des Bosporus gesunken.

Die „Liman“, ein Spezialschiff zur Fer­n­melde-/elek­tro­n­is­chen Aufk­lärung, führte zwar schon des Öfteren Aufk­lärung­sein­sätze im Mit­telmeer durch, war dies­mal aber nicht für eine Bosporus-Pas­sage angemeldet. In eini­gen Medi­en ist fälschlicher­weise von ein­er Aufk­lärung des von NATO-Mari­nen durchge­führten multi­na­tionalen Manövers „Sea Shield“ die Rede. Diese Übung (von der „Liman“ auch tat­säch­lich beobachtet) fand allerd­ings schon im Feb­ru­ar statt, und überdies auch weit­er ent­fer­nt vor der rumänis­chen Küste.

Aktueller Auf­trag der „Liman“ war wahrschein­lich die rou­tinemäßige Ver­mes­sung (Para­me­ter) von Radar- und Funkstellen an der türkischen Küste und Erfas­sung türkischen mil­itärischen Funkverkehrs. Bei einem solchen Ein­satz fährt ein SIG­INT-Schiff üblicher­weise knapp außer­halb von Hoheits­gewässern vor ein­er Küste auf und ab; auch die „Liman“ war bei der Kol­li­sion 13sm von der Küste ent­fer­nt.

Ihre Aufk­lärungskurse führten die „Liman“ aus­gerech­net durch ein Gebi­et, in dem sich für eine Bosporus-Pas­sage angemeldete Schiffe sam­meln, um auf Lot­sen und Freiga­be zur Pas­sage warten. Hier herrschte dichter Nebel, als die „Liman“ um 11.45 Uhr, 18 sm nord­nord­west­lich des Ein­gangs zum Bosporus, mit dem togole­sis­chen Viehtrans­porter „Youzarsif H“ kol­li­dierte. Beschädi­gun­gen an ihrer Steuer­bor­d­seite (kam der Frachter von rechts und hat­te also Vor­fahrt?) reicht­en bis unter die Wasser­lin­ie und führten zu einem Wassere­in­bruch, der mit bor­deige­nen Mit­teln nicht unter Kon­trolle gebracht wer­den kon­nte. Glück­licher­weise kam bei der Kol­li­sion nie­mand zu Schaden, und auch der Wassere­in­bruch erfol­gte so langsam, dass alle 78 Besatzungsmuit­glieder das Schiff kon­trol­liert ver­lassen und von der türkischen Küstenwache und der kaum berschädigten „Youzarsif H“ an Bord genom­men wer­den kon­nten. Drei Stun­den nach der Kol­li­sion sank die „Liman“.

Unmit­tel­bar nach der Havarie set­zte die Schwarzmeer­flotte den Bergeschlep­per SB-739 und das zivile Tief­see-Forschungss­chiff „Khe­ser­sy“ (mit mehreren Unter­wasser­drohnen) in Rich­tung Unter­gangsstelle in Marsch. Für die rus­sis­che Marine kommt es vor allem darauf an, die mit streng geheimem Aufk­lärungs­gerät gesunkene und in etwa 100m Tiefe liegende „Liman“ vor frem­dem Zugriff zu schützen und dieses dann nach und nach selb­st zu bergen. Man kann damit rech­nen, dass die Schwarzmeer­flotte zur Absicherung auch ein Kriegss­chiff zur Unter­gangsstelle beordert. Die Ursache der Kol­li­sion ist durch eine Havariekom­mis­sion zu klären.

Die „Liman“ (1.550ts, 73m) war Ende der 1960er Jahre als eines von zehn Schif­f­en der MOMA-Klasse im pol­nis­chen Danzig gebaut wor­den. Ursprünglich waren alle zehn für hydro­graphis­che Ver­mes­sun­gen aus­gerüstet, drei („Liman“, „Kildin“, Ekva­tor“) wur­den dann aber Ende der 1980er Jahre zu Spezialschif­f­en für die Fer­n­melde-/elek­tro­n­is­che Aufk­lärung umge­baut, dem 519. Aufk­lärungs­batail­lon der Schwarzmeer­flotte zugeteilt und seit­dem regelmäßig im Schwarzmeer und Mit­telmeer einge­set­zt. Im Gegen­satz zu anderen, größeren Aufk­lärungss­chif­f­en der rus­sis­chen Marine (z.B.der VISH­NIYA-Klasse), die zu strate­gis­ch­er Aufk­lärung im Auf­trag des Gen­er­al­stabes fahren, betreiben sie oper­a­tive Aufk­lärung mit Führung durch die Schwarzmeer­flotte.