MarineForum Wochenschau vom 24. März 2017


NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt vorrangig vom Bürgerkrieg in Syrien und von der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Irak und Syrien bestimmt. Daneben finden aber natürlich auch andere (maritime) Ereignisse oder Entwicklungen in der Region den Weg in die Medien.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.
Marineforum

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschreibung)
Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch zu viele Eigeninteressen einzelner Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten bestimmen die Entwicklung.

Dennoch zeichnet sich in Syrien beim Kampf gegen IS eine vorsichtige Kooperation (mit dem begrenzten Ziel eines „De-Conflicting“) zwischen Russland, der Türkei und den USA ab – auch wenn Russland und die Türkei in Syrien abseits der Terrorbekämpfung unverändert sehr eigene, nationale Ziele verfolgen.

Syrien – Irak: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – aktuell vor allem bei der andauernden Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen US-Trägerkampfflugzeuge und von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge und Drohnen der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Erstmals seit Ablaufen der „Eisenhower“ im Dezember operiert wieder ein US-Flugzeugträger im Persischen Golf. Begleitet von Einheiten seiner Carrier Strike Group und der (bis Mai) in dieser integrierten dänischen Fregatte „Peter Willemoes“ passierte die „George H.W. Bush“ am 22. März die Straße von Hormuz. Zuvor hatte der Verband im Golf von Oman an einem Tanker der US Navy noch einmal in See mit Kraftstoff versorgt.

Beim Einlaufen in den Persischen Golf hielten iranische Revolutionsgarden (Pasdaran See) einmal mehr mit kleinen Speedbooten direkt auf den US-Verband zu und zielten auch mit ihren Waffen auf die Schiffe – ein sicher von nationalem Stolz („Wächter am Golf“) getragenes aber nichtsdestoweniger „unprofessionelles“ Verhalten, das nicht nur allen internationalen Gepflogenheiten widerspricht, sondern durchaus geeignet ist, einen schweren Zwischenfall zu provozieren. Es ist nicht auszuschließen, dass sich in US Präsident Trump’s Politik gegenüber dem Iran die „Rules of Engagement“ für US-Kriegsschiffe ändern und solche Provozierungen dann als reale Bedrohung (mit entsprechender Reaktion) verstanden werden könnten.

Syrien: Russland – Türkei

Russland macht weiterhin keinen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen; alle gelten gleichermaßen als “Terroristen”. Nach wie vor erfolgen russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte auch in Gebieten, in denen keine islamistischen Milizen aktiv sind. Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS im Rahmen ihrer nationalen Kurdenpolitik vor allem bemüht, auf Autonomie setzende syrische Kurden (zugleich von den USA unterstützte syrische Rebellen) möglichst weit nach Osten in Richtung Irak abzudrängen.

Nach der gemeinsam von Russland und der Türkei im Bürgerkrieg ausgehandelten Feuerpause scheinen die Luftwaffen beider Staaten Freiräume zu finden, der Bekämpfung des IS nun aber vermehrt Priorität zu geben, koordinieren wohl auch einen Teil ihrer Einsätze.

Jemen: Kampf gegen AQAP – Al Qaeda on the Arabian Peninsula

Der amphibische Träger „Makin Island“ der US Navy wird schon seit Wochen nur sehr vage „im Zuständigkeitsbereich der 5. US Flotte“ (Gewässer um die Arabische Halbinsel) gemeldet. Dies spricht dafür, dass er unverändert im Golf von Aden operiert, wo seine eingeschifften Kampfflugzeuge AV-8B Harrier und/oder Kampfhubschrauber AH-1 Cobra des US Marine Corps‘ in Luftschläge gegen den an der jemenitischen Südküste aktiven, örtlichen Ableger der Terrororganisation al-Kaida eingebunden sein könnten.

Für die seit Mitte Oktober verlegte „Makin Island“ Amphibious Ready Group (ARG) nähert sich das Ende ihres Einsatzes, und Ablösung ist nun auch schon in der Region eingetroffen.

Nach amphibischen Übungen mit der spanischen Marine hat der amphibische Träger „Bataan“ zügig das Mittelmeer durchquert und mit Passage des Suez Kanals am 23. März das Operationsgebiet der 5. US-Flotte erreicht. Die zur „Bataan“ ARG gehörenden Docklandungsschiffe „Carter Hall“ und „Mesa Verde“ werden in der Meldung der US Navy zwar nicht erwähnt, dürften aber gemeinsam mit der „Bataan“ verlegen. „Mesa Verde“ hatte zuvor einen Besuch in Haifa (Israel) durchgeführt, die „Carter Hall“ einen Abstecher ins Schwarze Meer zu Übungen mit rumänischen Streitkräften (s.u.) gemacht. Mit Eintreffen des Verbandes im Golf von Aden dürfte die „Makin Island“ ARG sich auf den langen Rückmarsch zum Heimathafen San Diego (Kalifornien) machen.


BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung russische Intervention)
Eine auf Initiative Russlands, der Türkei und des Iran vereinbarte Feuerpause wird nur dort eingehalten, wo Oppositionsgruppen ihr auch ausdrücklich zugestimmt haben. Andernorts wird weiter gekämpft, und islamistische Gruppen wie IS und al-Nusra sind ohnehin ausgeklammert.

Unter UN-Führung in Genf durchgeführte Gespräche zur Vereinbarung von Rahmenbedingungen für eine politische Übergangslösung bis hin zu freien Wahlen haben bisher kaum Fortschritte gebracht. Unverändert sind nur wenige Konfliktparteien bereit, irgendwelche Kompromisse einzugehen und Abstriche an eigene Forderungen zu machen. Immerhin will man sich in den kommenden Tagen zu einer neuen Gesprächsrunde treffen.

Auch Gespräche in Astana (Kasachstan), in denen die fragile Feuerpause in einen dauerhaften Waffenstillstand überführt werden soll, blieben bisher erfolglos. Für syrische Oppositionsmilizen sind sie „sinnlos, solange Russland die vereinbarte Feuerpause nicht ernsthaft implementiert und Syriens Streitkräfte Angriffe auf Zivilisten fortsetzen“. Dennoch will man sich am 3./4. Mai erneut in Astana treffen.

Maritime Aspekte

Im östlichen Mittelmeer operiert das Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine. Zu diesem von der Schwarzmeerflotte geführten und routinemäßig zwischen Zypern und der syrischen Küste eingesetzten Verband gehören zurzeit neben einigen Hilfsschiffen als Kampfeinheiten nur die Fregatte „Admiral Grigorovich“ und der Minensucher „Kovrovets“ (beide Schwarzmeerflotte).

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub für die dort eingesetzten russischen Truppen an.
‚Korolev‘ im Bosporus auf dem Weg nach Syrien (Foto: Alper Böler via turkishnavy.net)
Jede Woche passieren mehrere Landungsschiffe der russischen Marine (auch dazu verlegte Einheiten der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend. Transportiert wird zurzeit wahrscheinlich auch Baumaterial für die in diesem Frühjahr beginnenden Arbeiten zur Erweiterung der russischen logistischen Basis in Tartus (Syrien)


GROSSBRITANNIEN
Ein „Fly Past“ von vier Hubschraubern über Südengland markiert den Abschied der Royal Navy von ihren Bordhubschraubern „Lynx Mk 8“.

Sie werden nach 41 Dienstjahren am 31. März formell ausgemustert. „Lynx“ wurde Ende der 1960er Jahre (Erstflug 1971) von der britischen Westland Aircraft (heute AgustaWestland) entwickelt und ab 1977 zunächst bei der British Army in Dienst gestellt. Mit der Mk-2 Variante entstand die Marineversion „Sea Lynx“, die als Bordhubschrauber zunächst für die Royal Navy und die französischen Marine, später aber auch für zahlreiche andere Marinen (u.a. die Deutsche Marine) gebaut wurde. Ausgestattet mit Torpedos und speziellen Sonargeräten war „Sea Lynx“ vor allem auch für die U-Jagd optimiert, konnte aber auch mit Luft-Boden-Raketen Sea Skua bestückt Seeziele bekämpfen.

Seit 1982 war der „Sea Lynx“ bei allen militärischen Konflikten Großbritanniens und praktisch in allen Klimazonen im Einsatz – von der Grenze zur Antarktis im Südatlantik (Falkland-Krieg) bis zu heißen arabischen Wüsten (Golfkrieg) – im Einsatz. Im Laufe der Zeit wurden mehrere neue Versionen gebaut, die den „Lynx“ immer wieder auf den aktuellen Stand der Technik brachten. So entstand schließlich auch die als „Super Lynx 100“ bezeichnete Mk-8 Variante – von der sich die Royal Navy nun verabschiedet.

Die Zukunft gehört dem neuen, ebenfalls von AgustaWestland produzierten Bordhubschrauber AW-159 „Wildcat“, von dem die Royal Navy im Oktober 2016 auch schon die letzte von 28 bestellten Maschinen übernommen hat. „Wildcat“ ist eigentlich eine weitere Variante des „Lynx“, wurde zunächst auch unter der Bezeichnung „Future Lynx“ entwickelt. Inzwischen wird „Wildcat“ allerdings als neuer Hubschraubertyp betrachtet, und die ersten Variante seiner Baureihe firmiert denn auch als „Mark 1“ (AH.Mk1)


JAPAN
Mit der „Kaga“ hat die japanische Marine am 22. März ihren zweiten Hubschrauberträger der IZUMO-Klasse in Dienst gestellt.

Die Beschaffung der beiden Schiffe war im Herbst 2009 unter der Bezeichnung 22DDH als Ersatz für zwei ältere, auszumusternde Zerstörer der SHIRANE-Klasse beschlossen worden. Auch wenn die Neubauten offiziell noch immer als „Hubschrauber-tragende Zerstörer“ (DDH) bezeichnet werden, haben sie praktisch nichts mit einem Zerstörer gemeinsam.

Mit 248m Länge (24.000ts Verdängung), durchgehendem Flugdeck und seitlichen Aufbauten („Insel“) sind die „größten seit dem II. Weltkrieg in Japan gebauten Kriegsschiffe“ de facto Hubschrauberträger. Nicht nur Gegner einer Wiederbewaffnung sehen in ihnen allerdings eine „mögliche Vorstufe“ zu Flugzeugträgern – und deren Erwerb bleibt der japanischen Marine durch die Verfassung verboten. So werden sie offiziell denn als Zerstörer klassifiziert.

Auch die Namensgebung beider Schiffe sorgt für etwas Stirnrunzeln. Bei der nach einem im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg von der Kaiserlichen Japanischen Marine eingesetzten Panzerkreuzer benannten „Izuma“ sieht China eine „unverhohlene Provokation“. Die letzte „Kaga“ war der 1928 in Dienst gestellte erste große japanische Flugzeugträger – am Angriff auf Pearl Harbor beteiligt und später in der Schlacht von Midway versenkt.

„Izuma“ und „Kaga“ bieten jeweils Platz für neun (ggf. sogar bis zu 14) Hubschrauber sowie bis zu 400 zusätzlich zur Besatzung einzuschiffende Soldaten samt 50 Fahrzeugen – ja zu den offiziell genannten Fähigkeiten gehört auch „Transport von Kampfpanzern“ (für einen „Zerstörer“ sicher weltweit einmalig). Als Haupteinsatzauftrag wird U-Jagd und Minenabwehr genannt (mit den einzuschiffenden Hubschraubern). Daneben sollen die beiden Schiffe vor allem auch die Fähigkeiten zur Durchführung von Friedenserhaltenden Operationen (unter einem UN-Mandat) und zu humanitärer Nothilfe nach Naturkatastrophen stärken. Unter einem sich wandelnden Konzept sollen sie aber auch als „schwimmende Kommandozentralen“ zentrale Funktionen bei der Verteidigung von (mit China umstrittenen) abgelegenen Inseln erhalten sowie amphibische Operationen unterstützen.

Für die „Izuma“ ist übrigens im Sommer (Mai bis August) eine mehrmonatige Auslandsreise nach Südostasien und Südasien geplant. Sie soll Singapur, Indonesien, die Philippinen und Sri Lanka besuchen und anschließend vor Indien an der trilateralen jährlichen Übung „Malabar“ mit der indischen Marine und der US Navy teilnehmen. In der für diese Reise zwangsläufigen Passage des Südchinesischen Meeres unterstellen viele Medien eine „Freedom of Navigation Operation“ und Demonstration der Entschlossenheit gegenüber China.

MALAYSIA

Alle zwei Jahre findet vor der malaysischen Westküste auf der Insel Langkawi eine der weltweit größten Rüstungsmessen statt: die Langkawi International Maritime & Aerospace Exhibition – kurz LIMA.

Auf der diesjährigen, nun schon insgesamt 14. LIMA 2017 (21.-25. März) präsentieren sich 550 Firmen aus 38 Ländern und suchen natürlich Käufer für ihre Produkte. Die LIMA ist zwar keine reine Marinemesse, aber schon seit 1991 bilden auch maritime Rüstungserzeugnisse einen Schwerpunkt der Präsentationen. Dazu gehören Schiffe und Boote jeder Art, Waffen und elektronische Systeme, bis hin zu jeder denkbaren Art maritim nutzbarer Ausrüstung.

Die Marineschau beschränkt sich nicht auf Messestände mit Modellen und Hochglanzprospekten in den großen Ausstellungshallen, auch wenn viele Anbieter nur dort ihre Produkte zur Schau stellten. Einmal mehr haben auch zahlreiche Kriegsschiffe wieder an den Liegeplätzen beim Ausstellungsgelände fest gemacht.

Auf der offiziellen Internetseite von LIMA 2017 finden sich leider keine genauen Informationen zu den besuchenden Marinen, aber Medien sprechen von bis zu 61 Schiffen und Booten, die sich nicht nur Fachbesuchern präsentieren, sondern im Awana Porto Malai, dem Hafen von Langkawi, bei „open ships“ auch der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Größtes Kontingent stellen natürlich die heimische Royal Malaysian Navy und die paramilitärische Malaysian Maritime Enforcement Agency, die mit Schiffen und Booten praktisch aller Klassen an den Piers beim Ausstellungsgelände liegen. Genannt werden darüber hinaus elf weitere Marinen, die zu LIMA 2017 Einheiten entsandt haben: Bangladesch, Brunei, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Pakistan, Philippinen, Singapur, USA und Vietnam. Man darf annehmen, dass auch noch weitere Marinen Schiffe entsandt haben, aber Russland und China, die ansonsten Messen wie LIMA mit hoher Priorität zur Anbietung ihrer Produkte auf dem Weltmarkt nutzen, sind offenbar bei LIMA 17 nicht mit Schiffen oder Booten vor Ort vertreten.

RUMÄNIEN
USA
Übungen im Schwarzen Meer mit Beteiligung von im Schwarzmeer beheimateten NATO Marinen sind Russland ein Dorn im Auge.

Sie dienen aber vor allem auch dazu, Russland im Rahmen der nach der Annexion der ukrainischen Krim ins Leben gerufenen NATO-Initiative „Atlantic Resolve“ klar zu machen, dass es sich im Schwarzmeer zwar selbst gern als „Hausmacht“ betrachten mag, dass das Schwarzmeer aber keinesfalls ein russisches Binnenmeer ist und möglichen weiteren Expansionsgelüsten gegenüber Anrainern (NATO-Partnern) deutliche Grenzen gesetzt sind.

Nach den von der rumänischen Marine ausgerichteten multinationalen Übungen „Sea Shield 2017“ und „Poseidon 2017“ waren die Gewässer vor der rumänischen Küste erneut Schauplatz einer Übung mit Beteiligung einer solchen Übung. Bei der ebenfalls von den rumänischen Streitkräften ausgerichteten bilateralen Übung „Spring Storm 2017“ mit US Navy und US Marine Corps standen amphibische Inhalte im Vordergrund. Zur Übung hatte das zur „Bataan“ Amphibious Ready Group (ARG) gehörende Docklandungsschiff „Carter Hall“ sich von seinem Verband getrennt und war mit 450 eingeschifften Marineinfanteristen der 24th Marine Expeditionary Unit durch die türkischen Meerengen nach Konstanta (Rumänien) gelaufen.

Dort stand vom 16.-22. März die von den rumänischen Streitkräften ausgerichtete Küstenverteidigungsübung „Spring Storm 17“ auf dem Programm. Eine erste Vorphase war schon abgeschlossen, als das US-Docklandungsschiff in Constanta eintraf, um sich mit den eingeschifften US-Marines an der am 18. März beginnenden Hauptphase zu beteiligen. Diese sah in den Küstengewässern vor Kap Midia (etwa 20km nördlich von Konstanta) ein komplexes amphibisches Szenario mit Anmarsch eines amphibischen Verbandes, einer von Luftstreitkräften unterstützten Kampflandung von See und der anschließenden Entwicklung des Gefechtes ins Landesinnere (bis hin zu „urban warfare“).

Beim Anmarsch zur Küste wurde die „Carter Hall“ von der rumänischen Fregatte „Regele Ferdinand“, der Korvette „Contraamiral Macellariu“, einem Minensucher und einem Küstenwachboot gesichert und gegen Flugkörperangriffe aus der Luft und durch kleine Überwasserfahrzeuge „verteidigt“. An Bord des US-Docklandungsschiffes mitgeführte Hubschrauber und LCAC Luftkissenlandungsboote setzten schließlich US Marines und rumänische Soldaten samt Gefechtsfahrzeugen bei Kap Midia an den Strand. Dort stand abschließend noch ein gemeinsames Schießen mit Mörsern, Infanteriewaffen und schultergestützten Flugabwehr-FK Stinger auf dem Programm.

Unmittelbar danach nahm die „Carter Hall“ Kurs auf den Borporus, um am 22. März das Schwarzmeer auch schon wieder zu verlassen. Mit nur fünf Tagen war ihr Schwarzmeeraufenthalt einer der kürzesten eines US Navy-Schiffes der letzten Jahre. Der Vertrag von Montreux erlaubt Kriegsschiffen von Nicht-Schwarzmeer-Marinen eine bis zu 21-tägige Präsenz. Meist schöpfen US-Kriegsschiffe diese Zeitspanne auch voll aus, führen neben Übungen wie „Spring Storm“ auch noch mehrere Besuche bei befreundeten regionalen Marinen durch.

RUSSLAND
Beim Einsatz des Flugzeugträgers „Admiral Kuznetsov“ vor Syrien waren nach Problemen mit der Landefanganlage zwei trägergestützte Kampfflugzeuge ins Meer gestürzt und versunken.

Unmittelbar nach den Unfällen hatte die russische Marine ihr modernstes ozeanographisches Forschungsschiff, die „Yantar“, ins Absturzgebiet vor der Nordostspitze Zyperns beordert, um dort nach den Wracks der Mig-29K Fulcrum-D und der Su-23 Flanker-C zu suchen und Möglichkeiten ihrer Bergung zu prüfen. Schon im Dezember wurde die „Yantar“ vor Ort gemeldet.

Nun verkündete die russische Marine, das Schiff habe die in etwa 1.000m Tiefe auf dem Meeresgrund liegenden Wracks beider Flugzeuge lokalisiert und mit Tauchfahrzeugen auch bereits untersuchen können. Eine vollständige Bergung wird offenbar nicht erwogen. Man werde sich – so heißt es – mit einem mit den Tauchbooten möglichen Ausbau sensitiver Ausrüstung (Avionik-Systeme etc.) begnügen. Ob dies allein die „Yantar“ leisten soll, oder dazu weitere Spezialschiffe (z.B. ein U-Bootbergeschiff der KASHTAN-Klasse der Schwarzmeerflotte) verlegt werden, bleibt vorerst offen.

Die „Yantar“ wurde mit Projekt 22010 vom St. Petersburger Designbüro Almaz als Spezialschiff zur militärischen Tiefseeforschung entwickelt und bei der Yantar-Werft in Kaliningrad gebaut. Das 108-m-Schiff (5.200ts) wurde im Sommer 2015 an die russische Marine für den Dienst bei der Nordflotte übergeben. Seit Juni 2016 ist mit der „Almaz“ ein 2019 zu lieferndes Schwesterschiff bei Yantar in Bau.

An Bord der „Yantar“ findet sich Platz für bis zu 60 Mann Besatzung und einzuschiffende Wissenschaftler. Zur Ausrüstung gehören die derzeit modernsten russischen Geräte zur akustischen, biologischen, physikalischen und geophysikalischen ozeanographischen Forschung, incl. Vermessung von Meeresboden und darunter liegenden Sedimentschichten.

Die „Yantar“ kann mehrere ferngelenkte und bemannte Unterwasserfahrzeuge mitführen und teils auch gleichzeitig einsetzen. Dazu gehören AS-37 „Rus“ (Projekt 16810) und AS-39 „Konsul“ (Projekt 16811), zwei bemannte, etwa 8,5m lange Tiefsee-Tauchboote, die mit zwei bis drei Mann Besatzung in bis zu 12-stündigen Fahrten in bis 6.000m Tiefe operieren und auch in der U-Boot-Rettung eingesetzt werden können.

SÜDKOREA
USA
Wie üblich, haben im März in Südkorea und in den Gewässern um die koreanische Halbinsel jährliche Großübungen der Streitkräfte Südkoreas und der USA begonnen.

Am 1. März war Startschuss für „Foal Eagle“, eine seit 1961 jährlich durchgeführte Truppenübung („Field Training Exercise“), an der neben südkoreanischen Truppen (Divisionsebene) auch mehrere tausend US-Soldaten beteiligt sind. In diesem Jahr ist die „Carl Vinson“ Carrier Strike Group der US Navy mit von der Partie.

In zeitlicher Überschneidung mit „Foal Eagle“ findet seit dem 13. März auch noch die bilaterale Übung „Key Resolve“ statt. Bei ihr handelt es sich um eine überwiegend computer-simulierte Kommandostabsübung, in der die Verstärkung der US Forces in Korea (USFK) im Fall einer Krise im Fokus steht. Die aktive Beteiligung von US-Truppen ist hier begrenzt. In den letzten Jahren war meist das mit modernsten Fernmelde- und elektronischen Anlagen ausgerüstete Führungsschiff „Blue Ridge“ der US Pazifikflotte eingebunden.

„Foal Eagle“ und „Key Resolve“ sollen noch bis Ende April dauern. Beide Übungen erfolgen natürlich vor dem Hintergrund des innerkoreanischen Konfliktes. Wie üblich stellt das kommunistische Nordkorea sie als „unmittelbare Vorbereitung zu einer Invasion“ dar und kündigt in seiner Propaganda einen „heiligen Krieg“ als Antwort auf diese „stillschweigende Kriegserklärung“ an; mit „unbeugsamem Willen werde man die Aggressoren gnadenlos bestrafen“.

Solch harsche Töne sind zum Zeitpunkt der südkoreanisch-amerikanischen Manöver seit Jahren üblich. Sie dienen vor allem der Einschwörung der heimnischen Bevölkerung auf einen gemeinsamen äußeren Feind und werden denn auch überwiegend als „Routine“ bewertet und weitgehend ignoriert. Erneut sind sie aber auch von gegen UN-Sanktionen verstoßende Aktionen begleitet, mit denen sich das international ohnehin isolierte diktatorische Regime noch weiter von der Weltgemeinschaft entfernt.

So wurden am 6. März vier ballistische Raketen über eine Entfernung von fast 1.000km über das Japanische Meer hinweg geschossen (drei schlugen in der japanischen Wirtschaftszone ein) und ein paar Tage später demonstrativ ein neues Triebwerk für eine Rakete mit angeblich globaler Reichweite getestet. Ein am 22. März an der nordkoreanischen Ostküste bei Wonsan geplanter weiterer Raketenstart schlug dagegen fehl; die Rakete explodierte nur wenige Sekunden nach dem Start. Damit nicht genug, lassen aktuelle Satellitenfotos erhöhte Aktivität auf dem nordkoreanischen Atomtestgelände Punggye-ri erkennen. Experten erwarten hier in neuerlicher Eskalation „schon bald“ einen weiteren Atomtest, angeblich mit einem „bis zu zehn Mal stärkeren“ Sprengsatz als bei den früheren fünf Tests.

Die Spannnungen mit Nordkorea könnten also vor einer deutlichen Verschärfung stehen. Dabei gilt die internationale Aufmerksamkeit vor allem möglichen Reaktionen der neuen US-Regierung unter Präsident Trump. Schon am 2. März hatten Medien von einem „internen Bericht“ des Weißen Hauses berichtet, nach dem eine „überarbeitete Nordkorea-Strategie“ auch militärische Optionen zur Erzwingung eines Regimewechsels und Entschärfung der nuklearen Bedrohung beinhalten soll. Der neue US-Außenminister Tillerson erklärte am 17. März auf seiner Asienreise, für die USA sei die „Politik strategischer Geduld“ mit Nordkorea beendet. Bei weiteren Provokationen behalte man sich militärische Aktionen bis hin zu einem Präventivschlag vor.