MarineForum Wochenschau vom 21. Juli 2017

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors, den Bürg­erkriegen in Syrien und Jemen sowie den Span­nun­gen mehrerer ara­bis­ch­er Staat­en mit dem Emi­rat Katar bes­timmt.

KATAR

Da Katar alle Forderun­gen ein­er von Sau­di-Ara­bi­en ange­führten Gruppe ara­bis­ch­er Staat­en zurück­weist, bleibt die von diesen ver­hängte Block­ade (Schließung von Luftraum und Land­gren­zen) unverän­dert in Kraft. Eine mil­itärische Eskala­tion ist zurzeit allerd­ings nicht zu erwarten, und auch ein formeller Auss­chluss Katars aus dem Golf-Koop­er­a­tionsrat dürfte nicht zur Debat­te ste­hen. Experten sind sich darin einig, dass eine solcher­maßen sicht­bar vol­l­zo­gene Spal­tung der Golf­s­taat­en sehr wahrschein­lich nur die Posi­tion des Iran stärken würde. Hin­ter den Kulis­sen dürfte fieber­haft nach ein­er für alle Parteien gesichtswahren­den poli­tis­chen Lösung gesucht wer­den.

Am 16./17.Juli hat die Marine Katars eine Übung mit der britis­chen Roy­al Navy durchge­führt. In und vor Katar standen Minen­ab­wehr, Kom­mu­nika­tion (Lage­bilder­stel­lung), Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions und Ein­satz von Spe­cial Forces auf dem Pro­gramm. Beteiligt waren die zwei katarischen FK-Schnell­boote „Barzan“ und „Damsah“ sowie das in Bahrein sta­tion­ierte britis­che Minen­jagdboot „Mid­dle­ton“. Die Durch­führung der (ver­mut­lich schon länger geplanten) Übung zeigt, dass Großbri­tan­nien zurzeit nicht daran denkt, den ara­bis­chen Staat­en in ihrer Iso­la­tion­spoli­tik gegen Katar zu fol­gen.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.

Marineforum

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien und Irak bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Unverän­dert bes­tim­men divergierende Eigen­in­ter­essen zahlre­ich­er Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten die Entwick­lung.

SYRIENIRAK: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Trup­pen und syrisch­er Oppo­si­tion­s­milizen. Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge und landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge und Drohnen der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ operiert ver­mut­lich noch immer im östlichen Mit­telmeer, wird aber seit eini­gen Tagen nicht gemeldet. Zulet­zt gab es am 16. Juli einen „Besuch“ vom franzö­sis­chen Zer­stör­er „Cheva­lier Paul“ und ein kurzes gemein­sames „Pas­sex“ mit diesem.

Die „Bush“ Car­ri­er Strike Group (CSG) ist seit Jan­u­ar unter­wegs, nähert sich damit dem Ende eines nor­malen 6–8-monatigen Ein­satzes und dürfte sich dem­nächst auch auf den Heimweg nach Nor­folk machen. ‘Bataan’ (Foto: US Navy)Möglicherweise wird noch die Rück­kehr des zum Ver­band gehören­den Kreuzers „Hue City“ abge­wartet, der noch bis zu diesem Woch­enende im Schwarzen Meer an ein­er Übung vor der Ukraine vorüberge­hend ins Schwarze Meer ver­legt hat. Ob, wann, oder durch wen es in der Nah-/Mit­telost-Region eine Ablö­sung für die „Bush“ CSG geben wird, bleibt weit­er­hin offen. Mögliche Option wäre die „Nimitz“ CSG, die offiziell zwar im Zusam­men­hang mit der Krise um Nord­ko­rea genan­nt wird, zurzeit aber im Indis­chen Ozean ste­ht, wo sie den let­zten Tagen vor Chen­nai (Indi­en) an der tri­lat­eralen Übung „Mal­abar“ mit der indis­chen und japanis­chen Marine teil­nahm.

Im Oper­a­tions­ge­bi­et der 5. US-Flotte, den Gewässern um die Ara­bis­che Hal­binsel, operiert weit­er­hin die „Bataan“ Amphibi­ous Ready Group (ARG) der US Navy. Zu aktuellen Posi­tio­nen oder Ein­satza­uf­gaben gibt es keine Infor­ma­tio­nen. Auf dem amphibis­chen Träger „Bataan“ eingeschiffte Jagdbomber AV-8B Har­ri­er und Kampfhub­schrauber des US Marine Corps kön­nen bei Bedarf auch über Land gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen einge­set­zt wer­den.

Die in Nor­folk behei­matete „Bataan“ ARG ist seit Ende Feb­ru­ar unter­wegs, nähert sich also dem Ende eines nor­malen Ein­satzes und dürfte dem­nächst ins Mit­telmeer ablaufen. Das zu ihr gehörende Dock­lan­dungss­chiff „Mesa Verde“ wird bere­its dort gemeldet, und Ablö­sung ist auch schon auf dem Weg über den Paz­i­fik. Die in San Diego (Kali­fornien) behei­matete „Amer­i­ca“ ARG kön­nte Anfang August im Oper­a­tions­ge­bi­et der 5. US-Flotte ein­tr­e­f­fen.

SYRIEN: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land macht weit­er­hin keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen; außer­halb von definierten „De-Eskala­tion­szio­nen“ (s.u.) gel­ten alle gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten”. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe in direk­ter Unter­stützung syrisch­er Regierungstrup­pen auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind.

Die Türkei lässt immer deut­lich­er erken­nen, dass es ihr in Syrien weniger um den Kampf gegen IS geht, als um eine „Neu­tral­isierung“ von Kur­den. Dabei soll nun offen­bar auch „Part­ner“ USA aus der Region genötigt wer­den. Die staatliche Nachricht­e­na­gen­tur Anadolu veröf­fentlichte eine Liste mit sen­si­tiv­en Dat­en (Stan­dorte, Stärke etc) zu in Syrien zur Unter­stützung kur­dis­ch­er Milizen operieren­den US-Kräften. Die sehr detail­lierten Dat­en kön­nen nur aus offiziellen Quellen stam­men, aber die türkische Regierung weist natür­lich alle Berichte über ein gezieltes „Leak­ing“ zurück. In den USA ist man zunehmend irri­tiert über die „einen NATO-Part­ner direkt gefährdende“ türkische Poli­tik.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

Die unter der Leitung des UN-Ver­mit­tlers in Genf (Schweiz) durchge­führte siebte Gespräch­srunde brachte keine sicht­baren Fortschritte. Medi­en­berichte sprachen von „keinem Durch­bruch, aber auch keinem Zusam­men­bruch“; es dürfte also dem­nächst eine Fort­set­zung geben.

In den nun fünf „De-Eskala­tion­szo­nen“ herrscht weit­er­hin ver­gle­ich­sweise Ruhe. Ander­norts gehen die Kämpfe weit­er; islamistis­che Milizen bleiben weit­er­hin grund­sät­zlich von allen Feuer­pausen ausgenom­men. Rus­s­land sieht in den „De-Eskala­tion­szo­nen“ die „Basis für ein Ende des Bürg­erkrieges“. Sie zwän­gen syrische Oppo­si­tion­s­milizen, sich räum­lich von islamistis­chen Ter­ror­grup­pen zu tren­nen, und dies eröffne Chan­cen für einen poli­tis­chen Dia­log. Rus­sis­ches Nahziel ist eine Eini­gung über einen Ein­satz von Frieden­strup­pen (allerd­ings zumin­d­est vor­erst noch nicht unter einem UN Man­dat). US-Präsi­dent Trump will ange­blich Waf­fen­liefer­un­gen und Unter­stützung syrisch­er Oppo­si­tion­s­milizen stop­pen und soll auch nicht mehr auf eine „Lösung ohne Dik­ta­tor al-Assad“ drin­gen.

Israelis­chen Infor­ma­tio­nen zufolge hat der Iran in Zen­tral­syrien einen Mil­itärstützpunkt zur per­ma­nen­ten Sta­tion­ierung von bis zu 5.000 Sol­dat­en geleast und ver­han­delt über eine Nutzung des Hafens von Tar­tus durch die iranis­che Marine. Israels Vertei­di­gungsmin­is­ter Lieber­man sprach von einem „für Israel inakzept­ablen Vorge­hen mit schw­er­sten Kon­se­quen­zen“.

Mar­itime Aspek­te

Im östlichen Mit­telmeer operiert weit­er­hin das von der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte geführte Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Kampfein­heit­en bei der Med­Sqn sind die Fre­gat­te „Admi­ral Essen“, der Minen­such­er „Valentin Pikul“ und vor­erst auch noch das U-Boot „Krasnodar“. Wann das neue U-Boot der KILO-III-Klasse seine für den Ein­satz bei der Med­Sqn unter­broch­ene Über­führungs­fahrt von der Ost­see ins Schwarzmeer fort­set­zen soll, ist unklar. Möglicher­weise sollen die „Krasnodar“ und die „Admi­ral Essen“ noch ein­mal Marschflugkör­p­er Kali­br auf IS-Ziele in Syrien schießen. Die rus­sis­che Marine hat jeden­falls im östlichen Mit­telmeer ein noch bis zum kom­menden Woch­enende gel­tendes „Warnge­bi­et für FK-Schießen“ erk­lärt.

Mit Frach­tum­schlag im rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossiysk (Anbindung an das rus­sis­che Eisen­bahn­netz), dauert die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub für die dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen an. Regelmäßig passieren Lan­dungss­chiffe der rus­sis­chen Marine (auch dazu ver­legte Ein­heit­en der Nord­flotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Trans­porte gebraucht in der Türkei und Deutsch­land gekaufte und teils als Hil­f­ss­chiffe in die rus­sis­che Marine inte­gri­erte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nord­laufend. Trans­portiert wird zurzeit ver­mehrt auch Bau­ma­te­r­i­al für die begonnenen Arbeit­en zur Erweiterung der rus­sis­chen logis­tis­chen Basis in Tar­tus (Syrien). Dafür wer­den auch nicht unter rus­sis­ch­er Flagge fahrende zivile Frachtschiffe gechar­tert.

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ÄGYPTEN

Als Ägypten vor etwas mehr als einem Jahr in Frankre­ich zwei Hub­schrauberträger der MIS­TRAL-Klasse kaufte, waren diese noch ohne jegliche Bewaffnung.

Die eigentlich für Rus­s­land gebaut­en, unter EU-Sank­tio­nen wegen der Krim-Annex­ion dann aber nicht mehr geliefer­ten Schiffe soll­ten erst nach ihrer Über­nahme in Rus­s­land mit rus­sis­chen Sys­te­men aus­gerüstet wer­den. Zur Selb­stvertei­di­gung gegen Flugzeuge und Flugkör­p­er im Nah­bere­ich waren für jedes Schiff zwei Flu­gab­wehr-FK-Sys­teme 3M-47 Gib­ka (mit jew­eils vier Igla-S Flugkör­pern) sowie zwei sech­srohrige 30-mm Gatling Kanonen AK-630 vorge­se­hen.

Ägypten hat­te nach der Über­nahme der bei­den MISTRAL zunächst noch rus­sis­che Ange­bote zu ihrer Aus­rüs­tung geprüft, sich dann aber offen­bar gegen rus­sis­che Waf­fen­sys­teme entsch­ieden. Ver­mut­lich unter finanziellem Druck wur­den allerd­ings bish­er auch keine west­lichen Nah­bere­ichs­flu­gab­wehrsys­teme wie z.B. RAM oder Pha­lanx beschafft. Nun hat man in der Nutzung bei den landgestützten Flu­gab­wehrkräften vorhan­de­nen Gerätes eine Lösung gefun­den.

Mehrfach — zulet­zt vor weni­gen Wochen bei der bilat­eralen Übung „Cleopa­tra“ mit der franzö­sis­chen Marine — waren auf dem Flugdeck fest­gezur­rte Flu­gab­wehrsys­teme „Avenger“ zu sehen.

Dieses in den 1980er Jahren in den USA für US Army und US Marine Corps entwick­elte und seit vie­len Jahren auch bei der ägyp­tis­chen Armee einge­führte mobile Sys­tem beste­ht aus einem Hum­mvee Gelän­de­fahrzeug, auf dem ein drehbar­er Turm mit Startern für acht Flu­gab­wehr-FK Stinger (effek­tive Reich­weite ca. 8km) und ein schw­eres Maschi­nengewehr mon­tiert sind. Ziel­er­fas­sung ist über eben­falls auf dem Fahrzeug instal­liertes For­ward-Look­ing Infra-Red Radar (FLIR), gekop­pelt mit einem Laser-Ent­fer­nungsmess­er oder rein optisch möglich. Einen Sys­temver­bund mit Sen­soren des Schiffes oder gar dem zen­tralen Führungssys­tem gibt es nicht. Waf­fenein­satz erfol­gt per Funkbe­fehl (oder auch völ­lig) autark durch einen Bedi­ener im Cock­pit des Fahrzeuges.

Je nach Bedarf oder Ver­füg­barkeit wer­den zwei oder drei solche Avenger an Bord ein­er Hub­schrauberträgers gehoben und dort möglichst abseits der Flug­be­trieb­s­fläche am Rande des Flugdeck fest­gezur­rt. Ob die Nutzung der „Avenger“ eine dauer­hafte (Kosten-neu­trale) Lösung oder nur vorüberge­hende Impro­vi­sa­tion bis zur Beschaf­fung geplanter Sys­teme ist, bleibt abzuwarten.

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CHINA

RUSSLAND

Schaulustige kon­nten am 19. Juli im Fehmarn­belt einen sel­te­nen chi­ne­sis­chen Flot­ten­ver­band beobacht­en.

Begleit­et von deutschen, dänis­chen und nor­wegis­chen Kriegss­chif­f­en passierten der brand­neue Zer­stör­er „Hefei“ (LUJANG-III-Klasse), die Fre­gat­te „Yuncheng“ (JIANGKAI-II-Klasse) und der Ver­sorg­er „Luo­ma Hu“ die Meerenge zwis­chen Deutsch­land und Däne­mark in Rich­tung Osten. Ziel ist der rus­sis­che Marinestützpunkt Baltiysk, wo der Flot­ten­ver­band am 21. Juli zu ein­er gemein­samen Übung mit der rus­sis­chen Marine emp­fan­gen wurde.

Erst am 18. Juni hat­te der Ver­band der chi­ne­sis­chen Süd­flotte sich im Marinestützpunkt Sanya (Hainan) auf den lan­gen Weg gemacht. Ursprünglich war als Zer­stör­er die „Chang­sha“ vorge­se­hen, aber sie soll noch im Süd­chi­ne­sis­chen Meer mit Maschi­nen­schaden liegenge­blieben und dann sofort — ohne erkennbare Verzögerung — durch Schwest­er­schiff „Hefei“ erset­zt wor­den sein. Der Ver­band lief dann durch die Straße von Malak­ka, den Indis­chen Ozean, das Tote Meer und den Suezkanal ins Mit­telmeer, wo während des Marsches ein Artilleri­eschießen durchge­führt wurde. Danach ging es dann durchs Mit­telmeer und die Biskaya in den Englis­chen Kanal und durch die Nord­see in die Ost­see. Die gesamte Fahrt von Chi­na bis ins rus­sis­che Baltiysk wurde ohne einen einzi­gen Zwis­chen­stopp zur Nachver­sorgung absolviert – sich­er auch eine Demon­stra­tion glob­aler Reich­weite der chi­ne­sis­chen Marine, die übri­gens im Gegen­satz zur rus­sis­chen Marine auch bei solch extrem lan­gen Ver­legun­gen auf Begleitung durch einen Bergeschlep­per verzichtet.

In der Ost­see ste­ht für die Chi­ne­sen die Teil­nahme an der ersten Phase der bilat­eralen Übung „Joint Sea 2017“ mit der rus­sis­chen Marine auf der Agen­da. „Joint Sea 2017“ ist die vierte Auflage ein­er 2015 begonnenen Serie. An der ersten Übung waren Mitte Mai 2015 im Mit­telmeer Ein­heit­en der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte und ein abgelöster chi­ne­sis­ch­er Anti-Pira­terie-Ver­band beteiligt. Nur vier Monate später hat­te die rus­sis­che Paz­i­fik­flotte zur zweit­en Übung nach Wladi­wos­tok ein­ge­laden. Im Sep­tem­ber 2016 war dann die chi­ne­sis­che Marine Gast­ge­ber im Haupt­stützpunkt Zhan­jiang der chi­ne­sis­chen Süd­flotte gewe­sen. Beim nun wieder von Rus­s­land aus­gerichteten „Joint Sea 2017“ trifft man sich zunächst (1. Phase) in Baltiysk in der Ost­see; noch zwei weit­ere Phasen sind bis Sep­tem­ber im Paz­i­fik im Okhot­skischen Meer und in der Japansee geplant. Ob hier erneut der aus der Ost­see zurück­kehrende chi­ne­sis­che Ver­band oder andere chi­ne­sis­che Schiffe beteiligt sein wer­den, ist zurzeit noch unbekan­nt.

Die Ost­seep­hase von „Joint Sea 2017“ begin­nt direkt nach dem Ein­laufen mit ein­er Hafen­phase. Bis zum 23. Juli ste­hen u.a. kul­turelle und sportliche Ver­anstal­tun­gen sowie Besuche zum gegen­seit­i­gen Ken­nen­ler­nen auf dem Pro­gramm. Auch ein „Open Ship“ für die Ein­wohn­er Kalin­ingrads ist angekündigt. Vom 24.–27. Juli find­et dann in der östlichen Ost­see die Seep­hase statt, an der sich neben den drei chi­ne­sis­chen Schif­f­en etwa sieben Ein­heit­en der rus­sis­chen Baltischen Flotte sowie zahlre­iche Flugzeuge und Hub­schrauber beteili­gen sollen. Als Übungsin­halte nen­nt die rus­sis­che Marine U-Jagd, Flug-/FK-Abwehr, gemein­sames See- und Luftzielschießen, Kon­voysicherung, „Befreiung eines von Pirat­en gekaperten Schiffes“ sowie Seenotret­tung und Hil­feleis­tung in See.

Nach ein­er Übungsnachbe­sprechung in Baltiysk soll sich der chi­ne­sis­che Ver­band am 28. Juli auf den Weg nach St. Peters­burg machen, um dort an den zen­tralen Feier­lichkeit­en zum diesjähri­gen rus­sis­chen „Tag der Marine“ (30. Juli) teilnzunehmen. Ob die Chi­ne­sen auch in die auf der Newa geplante Flot­ten­pa­rade inte­gri­ert wer­den, bleibt abzuwarten.

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NORDKOREA

Die Span­nun­gen um Nord­ko­rea bleiben hoch.

Süd­ko­re­anis­che und US-Nachrich­t­en­di­en­ste wollen Vor­bere­itun­gen für einen weit­eren Test ein­er Mit­tel- oder Langstreck­en­rakete erkan­nt haben. Als Zeit­fen­ster wer­den „die näch­sten 14 Tage“ genan­nt. Bei der nord­ko­re­anis­chen Marine soll es „deut­lich erhöhte“ Aktiv­itäten von U-Booten geben.

Über das weit­ere, inter­na­tion­al koor­dinierte Vorge­hen herrscht Uneinigkeit. Nord­ko­rea selb­st hat auf eine süd­ko­re­anis­che Ein­ladung zu mil­itärischen Gesprächen in Pan­munjon gar nicht erst reagiert, ist ange­blich nur an direk­ten bilat­eralen Gesprächen „auf Augen­höhe“ mit den USA inter­essiert. Japan und die USA unter­stellen Rus­s­land und Chi­na nur halb­herzige Umset­zung von Wirtschaftssank­tio­nen, fordern z.B. ein Ende von Kraft­stof­fliefer­un­gen und Import von Eisen­erz. Chi­na weist darauf hin, dass die vom US Sicher­heit­srat ver­hängten Sank­tio­nen mit­nicht­en ein „allum­fassendes Wirtschaft­sem­bar­go“ bein­hal­ten. Tat­säch­lich zeigen aktuelle Wirtschafts­dat­en sog­ar ein seit 1999 in Nord­ko­rea nicht mehr beobacht­es Wirtschaftswach­s­tum von 3,9 Prozent, erzielt durch Wach­s­tum in der Berg­bauin­dus­trie und im all­ge­meinen Han­delsvol­u­men.

Neuen Sank­tio­nen sind im US-Sicher­heit­srat sehr enge Gren­zen geset­zt. Chi­na, das für sich in Nord­ko­rea keine direk­te Bedro­hung erken­nt, dürfte nur zus­tim­men, wenn es sich selb­st davon erhe­bliche Vorteile ver­spricht. Rus­s­land und Chi­na wollen überdies mil­itärische Optio­nen der USA so begren­zt wie irgend möglich hal­ten, mit Blick auf die Vorgänge um Libyen den USA in keinem Fall eine „Legit­imierung über eine Hin­tertür“ ermöglichen.

Der Spiel­raum für gegen Nord­ko­rea gerichtete mil­itärische Aktio­nen scheint allerd­ings ohne­hin nur ger­ing. Experten sind sich darin einig, dass jed­er US-Mil­itärschlag katas­trophale Kon­se­quen­zen in der Region haben kön­nte, nicht zulet­zt Bevölkerungszen­tren in Süd­ko­rea und Japan zum poten­tiellen Ziel nord­ko­re­anis­ch­er Vergel­tungss­chläge machen würde. Die USA hal­ten zwar an unspez­i­fis­chen Dro­hun­gen fest und demon­stri­eren bei sich bietenden Gele­gen­heit­en auch „erhöhte Bere­itschaft“. Die US Navy verzichtet allerd­ings zurzeit auf sicht­bare Präsenz in der Region um die kore­anis­che Hal­binsel; momen­tan operiert im West­paz­i­fik kein einziger Flugzeugträger.

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PERU

USA

Peru ist Gast­ge­ber für die diesjährige multi­na­tionale Übung „UNITAS“.

Mit den vom US South­ern Command/4th Fleet organ­isierten jährlichen Übun­gen der UNITAS Serie pflegt die US-Navy ihre Beziehun­gen zu den lateinamerikanis­chen Mari­nen. Die seit 1959 durchge­führten Manöver bein­hal­ten sowohl multi­na­tionale als auch bilat­erale Ele­mente. Früher traf man sich meist zu ein­er eröff­nen­den multi­na­tionalen Ver­anstal­tung, bevor dann ein Ver­band der US Navy im Rah­men ein­er Umrun­dung Südamerikas nach und nach bilat­er­al mit den regionalen Mari­nen übte – aber auch weit­ere multi­na­tionale Übun­gen durch­führte.

Beim dies­ma­li­gen, nun schon ins­ge­samt 58. UNITAS beschränkt man sich region­al offen­bar auf Peru und die Gewäss­er vor der peru­anis­chen Küste. Am 18. Juli trafen sich in Lima Schiffe, Boote, Luft­fahrzeuge und Spezial­is­ten von 19 Mari­nen zur formellen Eröff­nungs­feier. Neben Gast­ge­ber Peru und Aus­richter US Navy sind vor allem lateinamerikanis­che Mari­nen (Brasilien, Argen­tinien, Chile, Dominikanis­che Repub­lik, Ecuador, Guatemala, Hon­duras, Kolumbi­en, Mex­i­co, Pana­ma, Paraguay) mit von der Par­tie. Mit Aus­tralien, Großbri­tan­nien, Kana­da und Spanien find­en sich aber auch über­re­gionale Mari­nen, die tra­di­tionell (teils als frühere Kolo­nialmächte) gute Beziehun­gen in die Region unter­hal­ten und bei UNITAS vor allem aus­bildende Funk­tio­nen wahrnehmen. Etwas aus dem Rah­men fall­en dies­mal Indone­sien und Ital­ien, bei denen Rüs­tungs­beziehun­gen Triebfed­er sein dürften. So baut Peru ger­ade ein Dock­lan­dungss­chiff auf der Basis der indone­sis­chen MAKAS­SAR-Klasse.

In ein­er Hafen­phase in Callao (bei Lima) wur­den let­zte Detail­ab­sprachen für die in See geplanten Übun­gen getrof­fen. Daneben standen in The­o­rie und Prax­is auch schon Erfahrungsaus­tausch und Aus­bil­dung­shil­fe zu diversen The­men im Mit­telpunkt. So wur­den im Hafen Ein­sätze von Berge­tauch­ern geübt bzw. Aus­rüs­tung und Ver­fahren vorge­führt.

Nach der Hafen­phase sind für UNITAS 2017 sind zwei zeit­gle­ich durchzuführende Seep­hasen geplant. Da ist zunächst UNITAS Pacif­ic, bei dem vor der peru­anis­chen Küste Aspek­te mod­ern­er Seekriegführung auf dem Pro­gramm ste­hen. Genan­nt wer­den Über­wass­er-Seekrieg, Küstenseekrieg, Mar­itime Air Oper­a­tions, Mar­itime Inter­dic­tion, Elo­Ka und Kom­mu­nika­tion, bis hin zu paramil­itärischen Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions wie Bekämp­fung von Pira­terie und — region­al von beson­der­er Bedeu­tung – organ­isiert­er transna­tionaler Krim­i­nal­ität (Dro­gen­han­del).

Während die meis­ten Schiffe und Boote in UNITAS Pacif­ic einge­bun­den sind, find­et als zweite Seep­hase zeit­gle­ich die Übung UNITAS Amphibi­ous statt. Hier sind neben US Marines und peru­anis­ch­er Marine­in­fan­terie amphibis­che Kräfte und Spezial­is­ten nur eines Teils der Teil­nehmer­mari­nen beteiligt. Unter Führung eines Oberst‘ der peru­anis­chen Marine­in­fan­terie ste­hen an der peru­anis­chen Küste bei Callao, Ancon und Sali­nas de Hua­cho amphibis­che Vorübun­gen und schließlich eine See­landung auf dem Pro­gramm. Ziel ist hier die Stärkung von Inter­op­er­abil­ität für mögliche Krisen­op­er­a­tio­nen und Nothil­fe nach Naturkatas­tro­phen.

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RUSSLAND

Was im April noch als bloßes Gerücht abge­tan wurde, ist nun Real­ität.

Das Flag­gschiff der Nord­flotte, der nuk­lear­getriebene FK-Kreuzer „Petr Velikiy“ (KIROV-Klasse) und das riesige U-Boot „Dmitrij Don­skoy“ der TYPHOON-Klasse haben sich in Begleitung des Bergeschlep­pers „Niko­laj Chik­er“ tat­säch­lich auf den Weg in die Ost­see gemacht. Bei Ska­gen stieß noch der Bergeschlep­per SLIVA-123 der Baltischen Flotte zum Ver­band, begleit­ete diesen aber nur bis ins Kat­te­gatt und nahm dann Kurs auf den Öre­sund. Ver­mut­lich brachte der Schlep­per Nav­i­ga­tion­sspezial­is­ten der Baltischen Flotte, die auf den Nord­flot­tenein­heit­en bei der Pas­sage der Dänis­chen Meeren­gen Lot­sen­di­enst leis­ten. Am Nach­mit­tag des 21. Juli liefen die Schiffe in den Großen Belt ein.

Ziel ist die östliche Ost­see, wo der Kreuzer und das U-Boot am 30. Juli in Kro­n­sh­tadt oder St.Petersburg an den diesjähri­gen Feier­lichkeit­en zum Tag der Marine teil­nehmen sollen. Für eine Ein­bindung in die in St. Peters­burg auf der Newa geplante Parade sind bei­de aber wohl ver­mut­lich zu groß.

Die bei­den nuk­lear­getriebe­nen „Super-Ein­heit­en“ haben in der Ost­see kein­er­lei oper­a­tive Funk­tion, ja wären hier in einem Kon­flik­t­fall wenig mehr als „Ziele“. Der Grund für ihre Ver­legung dürfte denn auch auss­chließlich in ein­er öffentlichkeitswirk­samen, primär auf die eigene Bevölkerung zie­len­den Demon­stra­tion mar­itimer Stärke zu sehen sein. Ältere Leser dürften sich erin­nern, dass zu just diesem Zweck auch die US Navy schon ein­mal (Okto­ber 1985) mit ihrem Schlachtschiff „Iowa“ in der Ost­see „aufgekreuzt“ war.

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RUSSLAND

Am Rande der in Moskau begonnenen XIII. Inter­na­tionalen Luft- und Raum­fahrtmesse MAKS 2017 wur­den Über­legun­gen zur Entwick­lung eines neuen VTOL-Kampf­flugzeuges bekan­nt.

Flugzeugher­steller und Offizielle des Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums sollen Optio­nen Beschaf­fung eines senkrecht star­tenden und lan­den­den (Ver­ti­cal Take-off & Land­ing – VTOL) Flugzeuges disku­tiert haben. Basis kön­nte ein noch zu Sow­jet­zeit­en begonnenes Design wer­den. 1975 hat­te die Entwick­lung des trägergestützten Kampf­flugzeuges Yakovlev Yak-41 begonnen, das die Nach­folge der damals auf den Flugzeugträgern der KIEV-Klasse einge­set­zten Jak-38 Forg­er antreten sollte. Das neue Flugzeug sollte größere Reich­weite und Waf­fen­zu­ladung haben als diese und überdies über­schallschnell sein.

1987 führte die Yak-41 ihren Erst­flug durch; drei Jahre später gab es den ersten Senkrecht­start mit Über­gang zum nor­malen Flug. Zwei hin­ter dem Cock­pit einge­baute Hub­trieb­w­erke unter­stützten den senkrecht­en Start. Im Hor­i­zon­talflug über­nahm dann das im Heck instal­lierte Haupt­trieb­w­erk (schwenkbar, mit Nach­bren­ner), während die bei­den Hub­trieb­w­erke abgeschal­tet wur­den. Für Schwe­be­flug kann der Abgasstrahl des Haupt­trieb­w­erkes um 90° nach unten gelenkt wer­den. Die Yak-41 erfüllte die Erwartun­gen, ja kon­nte im Rah­men ihrer Erprobun­gen sog­ar mehrere Wel­treko­rde brechen. Mit Höch­st­geschwindigkeit von Mach 1,7 zeigte sie sich eben­so wendig wie die Jagdflugzeuge Mig-29 Ful­crum.

In einem klaren Sig­nal zur geplanten Fort­set­zung der Entwick­lung wurde Yak-41 Anfang 1991 noch in Yak-141 umbe­nan­nt. Noch im gle­ichen Jahr kam dann allerd­ings das Ende. Wenige Monate vor dem Zer­fall der Sow­je­tu­nion fand sich im geschrumpften Bud­get kein Geld mehr, und als im Novem­ber auch noch ein­er der bei­den Pro­to­typen bei einem Unfall zer­stört wurde, wurde das Vorhaben eingestellt und der zweite Pro­to­typ einem Muse­um als Ausstel­lungsstück über­lassen.

Nun will man die Pläne für die Yak-141 möglicher­weise wieder aus den Schubladen holen und auf ihrer Basis zu einem neuen Vorhaben führen. VTOL-Flugzeuge wären vor allem als Ein­satzmit­tel auf den ab 2018/19 geplanten Eigen­baut­en von Hub­schrauberträgern zu sehen. Hier kön­nten sie — ähn­lich wie die AV-8B Har­ri­er des US Marine Corps‘ — neben Kampfhub­schraubern zusät­zliche Optio­nen bieten. Eine Enwick­lung für Ein­satz vom Flugzeugträger „Admi­ral Kuznetsov“ oder ab 2025 geplante neue Flugzeugträger macht keinen Sinn, denn hier sind mit Mig-29 und Su-33 mod­ern­ste Kampf­flugzeuge ver­füg­bar.

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SAUDI ARABIEN

Zwei weit­ere bei der deutschen Lürssen-Werft in Wol­gast gebaute Patrouil­len­boote sind auf dem Weg nach Sau­di-Ara­bi­en.

Am 17. Juli wur­den die bei­den in den Far­ben der sau­di-ara­bis­chen Küstenwache gehal­te­nen Boote auf dem Schw­ergut­frachter „BBC Con­go“ bei der Ans­teuerung des Nord-Ost­see-Kanals gese­hen. „Farasan“ (L 5311) und „Al Aflaj“ (L 5312) gehören zum von Lürssen für Küstenwachen entwick­el­ten Typ CSB-40. Ein erstes Boot war bere­its Ende 2016 auf den Weg nach Sau­di-Ara­bi­en geschickt wor­den; zwei weit­ere fol­gten im April dieses Jahres.

auf dem Weg nach Sau­di-Ara­bi­en (Foto: Michael Nitz)
In einem 2014 vere­in­barten, etwas ver­wirren­den Vorhaben mit Lürssen als Haup­tauf­trag­nehmer beschaf­fen sau­di-ara­bis­che Marine und Küstenwache ins­ge­samt „mehr als 100 Boote“ divers­er Typen, die nicht alle in Deutsch­land gebaut wer­den. So wur­den offen­bar neben den franzö­sis­chen Werften Ker­ship und Couach auch die ital­ienis­che Fin­cantieri und Spaniens Freire und Rod­man (Vigo) als Sub­un­ternehmer in das Pro­jekt einge­bun­den. In Deutsch­land baut Lürssen in Wol­gast neben Küstenwach­booten CSB-40 auch für die saud­is­che Marine Boote vom Typ FPB-28 und TNC-35 sowie wohl auch FPB-40 (ähn­lich den vor eini­gen Jahren für Brunei gebaut­en Booten).

Kurz­fas­sung
MarineForum Wochenschau vom 14. Juli 2017
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Marine­Fo­rum Wochen­schau vom 14. Juli 2017
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