MarineForum Wochenschau vom 16. Juni 2017


NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt von der Bekämpfung des islamistischen Terrors, den Bürgerkriegen in Syrien und Jemen und natürlich den jüngsten Spannungen der Golfstaaten mit dem Emirat Katar bestimmt.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.
Marineforum

KATAR

„Ultimaten“ an Katar sowie internationale Bemühungen um eine diplomatische Lösung bestimmen weiterhin die Lageentwicklung. Die Nachbarn halten die Grenzen geschlossen, aber bisher sind keinerlei Vorbereitungen für eine auch seeseitige Blockade oder sonstige militärische Aktionen zu erkennen. Dennoch bleiben die Streitkräfte des Emirates zur „Abwehr einer bevorstehenden Invasion“ in „höchster Bereitschaft“, und auch der Befehl, jedes unerlaubt in Hoheitsgewässer Katar’s einfahrende Schiff einer Nachbarmarine sofort unter Feuer zu nehmen, bleibt in Kraft.

Der Iran sieht in der aktuellen Spaltung der Golfstaaten die Gelegenheit zur Stärkung der eigenen regionalen Position, ja vielleicht sogar zu einer Ablösung Saudi-Arabiens als führende Regionalmacht. In Intensivierungen der Beziehungen zu Katar transportieren iranische Frachtflugzeuge größere Mengen Lebensmittel über den Persischen Golf hinweg in das abgeschnittene Land. In einer weiteren Alternative zu den geschlossenen Landverbindungen kommen Lebensmittel und Verbrauchsgüter zunehmend auch auf dem Seeweg. 12 Küstenfrachter wurden in Sohar und Salalah (Oman) mit vermutlich ebenfalls aus dem Iran stammenden Gütern beladen. Auch die internationale Großreederei Maersk will wohl in die Seetransporte einsteigen.

Am 14. Juni sind überraschend das im Persischen Golf stationierte Wachboot „Chinook“ der US Navy und das Wachboot „Baranof“ (ISLAND-Klasse) der US Coast Guard in Doha (Katar) eingelaufen, angeblich zu Übungen mit der Emiratsmarine. Nähere Informationen gibt es nicht, und so bleibt vorerst auch unklar, ob es sich um einen schon länger geplanten Besuch handelt, oder die beiden Boote vor dem Hintergrund der aktuellen Krise kurzfristig nach Katar geschickt wurden. Letzteres würde international einmal mehr zu Irritationen über die Zielsetzung der US-Außenpolitik unter Präsident Trump sorgen.
‚Chinook‘ (Foto: US Navy)

JEMEN

Am 14. Juni beschossen Houthi-Rebellen von der jemenitischen Küste aus ein vor dem Hafen al Mokha (Rotes Meer) fahrendes, angebliches „Kriegsschiff“ der saudi-arabisch geführten Koalition; saudische Quellen sprechen nur vage von einem „Schiff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten“. Während die Houthi einen „Volltreffer mit einem Flugkörper“ behaupten, ist das Schiff nach saudischen Angaben unbeschädigt geblieben; es soll an Bord aber einen Verletzten gegeben haben. Einige iranische Quellen berichten, der Angriff sei gar nicht von Houthi-Rebellen erfolgt, sondern eine Einheit der jemenitischen Marine hätte das Schiff beschossen. Nun ist die jemenitische Marine mit der saudi-arabisch geführten Koalition verbündet, und hinter der dann ja „Meuterei/Desertation“ unterstellenden Meldung steht möglicherweise die Absicht bewusster Desinformation. Wie im Nahen-/Mittleren Osten üblich, sind Informationen auch diesmal sehr verworren und teils widersprüchlich. Die Lage „lebt“ von Gerüchten.

Nach jüngsten Angriffen von Houthi-Rebellen auf Kriegsschiffe der saudi-arabisch geführten Koalition und Handelsschiffe sowie einigen neuerlichen Piratenüberfällen vor Somalia hat die multinationale Combined Maritime Force (CMF) angekündigt, Patrouillen der ihr in der CTF-150 und CTF-151 assignierten Einheiten vor dem Jemen zu verstärken.

IRAK

Massoud Barzani, Präsident der regionalen kurdischen Regierung im Irak, hat für den 25. September ein Referendum zur Ausrufung eines unabhängigen kurdischen Staates angekündigt. Die Nachbarstaaten Iran, Türkei und Syrien – mit ebenfalls kurdisch dominierten Gebieten – sehen einen Schritt zur Etablierung eines grenzübergreifenden kurdischen Staates und haben dementsprechen den geplanten Volksentscheid sofort vehement verurteilt.

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien und Irak bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch immer bestimmen divergierende Eigeninteressen zahlreicher Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten die Entwicklung.

SYRIEN – IRAK: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – aktuell vor allem bei der seit Monaten dauernden und noch immer nicht abgeschlossenen Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen US-Trägerkampfflugzeuge und landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge und Drohnen der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ wird nach seinem Ablaufen aus der Golfregion weiterhin im östlichen Mittelmeer gemeldet, setzt von dort seine Kampfflugzeuge gegen IS-Ziele in Irak und Syrien ein. Die seit Januar im Einsatz befindliche „George H.W. Bush“ Carrier Strike Group (CSG) dürfte aber schon bald den Rückmarsch zum Heimathafen Norfolk antreten. Welcher Verband sie im Nahen/Mittleren Osten ablösen soll, bleibt zurzeit offen. Ursprünglich soll die „Nimitz“ CSG geplant gewesen sein. Diese hat am 1. Juni an der US-Westküste auch die Verlegung in einen Einsatz begonnen, steuert US-Angaben zufolge nun aber in Richtung Nordkorea (s.u.).

‚Bataan‘ versorgt vor Einlaufen in den Golf (Foto: US Navy)Der schon seit Ende März in Gewässern um die Arabische Halbinsel operierende amphibische Träger „Bataan“ ist begleitet von Zerstörer „Cole“ und Versorger „Washington Chambers“ in den Persischen Golf eingelaufen. Er könnte mit eingeschifften Senkrechtstartern AV-8B Harrier und Kampfhubschraubern durchaus auch im Rahmen von Operation „Inherent Resolve“ in die Bekämpfung von IS-Zielen im Irak eingebunden werden.

Bei nächtlicher Durchfahrt des Verbandes durch die Straße von Hormuz kam es am 14. Juni zu einem Zwischenfall, als ein FK-Schnellboot der iranischen Marine (diesmal nicht der Revolutionsgarden) Suchscheinwerfer und dann sogar einen Laser auf einen sichernden Hubschrauber der US Marine Corps richtete. Die US Navy spricht von erheblicher Gefährdung. Iranische Streitkräfte hätten einmal mehr sämtliche internationalen Regeln und Normen ignoriert und ein hohes Maß an Unprofessionalität demonstriert.

Der Iran fordert übrigens für alle die Straße von Hormuz durchfahrenden Schiffe eine vorherige Anmeldung, reklamiert die Meerenge in Ignorierung der Ansprüche der gegenüberliegenden Vereinigten Arabischen Emirate (Mittellinie) und des internationalen Status‘ der durch sie verlaufenden Seeverkehrswege komplett als iranisches Hoheitsgebiet. Kein nicht-iranisches Kriegsschiff – schon gar nicht die US Navy – folgt der einseitig von Teheran verkündeten Anmeldepflicht. Aus iranischer Sicht dürfte die nächtliche „Beleuchtung“ zur Identifizierung der nicht angemeldeten Passanten gerechtfertigt gewesen sein.

SYRIEN: Russland – Türkei

Russland macht weiterhin keinen wirklichen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen; alle gelten gleichermaßen als “Terroristen”. Nach wie vor erfolgen russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte gerade auch in Gebieten, in denen keine islamistischen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS vor allem bemüht, im Rahmen ihrer nationalen Kurdenpolitik auf Autonomie setzende syrische Kurden (dazu gehören auch von den USA mit Waffen und Militärberatern aktiv unterstützte Milizen) zu „neutralisieren“. In Nordsyrien stellt die Türkei aus syrischen Milizen eine „Stellvertreter-Armee“ auf, die vorgeblich grenznahe Schutzzonen vor dem IS sichern soll, deren eigentlicher Auftrag aber wohl die Verdrängung kurdischer Milizen ist.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

In den von Russland, Syrien, der Türkei und dem Iran gemeinsam erklärten vier „De-Eskalationszonen“ herrscht weiterhin vergleichsweise Ruhe. Die Zonen liegen allerdings in westlichen Landesteilen, wo syrische Regierungstruppen und Verbündete schon seit Monaten ohnhin weitgehend die Oberhand hatten. Andernorts gehen die Kämpfe weiter; islamistische Milizen bleiben weiterhin grundsätzlich von allen Feuerpausen ausgenommen.

Russland sieht in den „De-Eskalationszonen“ die „Basis für ein Ende des Bürgerkrieges“. Sie zwängen syrische Oppositionsmilizen, sich räumlich von islamistischen Terrorgruppen zu trennen, und dies eröffne Chancen für einen politischen Dialog. Bei der nächsten Gesprächsrunde in Astana (Kasachstan) soll dieser Ansatz verfolgt werden. Die ursprünglich für den 12. Juni und dann den 20. Juni geplanten Gespräche wurden auf Drängen des Iran und der Türkei weiter in den Juli verschoben. Einige Beobachter unterstellen hier Absichten, mehr Zeit für eine „militärische Schaffung günstiger Fakten zu schaffen“.

Maritime Aspekte

De-Eskalationszonen

Im östlichen Mittelmeer operiert weiterhin das von der russischen Schwarzmeerflotte geführte Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine. Kampfeinheiten der MedSqn sind zurzeit die Fregatten „Admiral Grigorovich“ und „Admiral Essen“, der Minensucher „Valentin Pikul“ und das U-Boot „Krasnodar“. Die „Admiral Essen“ und das U-Boot befinden sich allerdings auf der Überführungsfahrt aus der Ostsee zur künftigen Heimatflotte ins Schwarze Meer. Sie hatten Anfang Juni im Rahmen einer Übung der MedSqn Marschflugkörper Kalibr auf Ziele in Syrien geschossen, werden seitdem aber nicht mehr bei weiteren Aktivitäten gemeldet und dürften demnächst ihren Marsch ins Schwarzmeer fortsetzen. Die „Admiral Grigorovich“ soll noch „bis zum Sommer“ bei der MedSqn bleiben.
‚Krasnodar‘ (Foto: niederl. Marine)

Das Werkstattschiff PM-82 (AMUR-Klasse) der Baltischen Flotte hat am 14. Juni im syrischen Hafen Tartus einen mehrmonatigen Einsatz als schwimmende Reparaturbasis der russischen Marine begonnen. Das seit Januar dort stationierte Schwesterschiff PM-138 der Schwarzmeerflotte ist nach Sewastopol zurückgekehrt. Erstmals seit Jahrzehnten übernimmt damit ein Werkstattschiff der Baltischen Flotte die Aufgabe in Tartus, in der sich zuvor nur die zwei AMUR-Werkstattschiffe PM-56 und PM-138 der Schwarzmeerflotte in sechs-monatiger Rotation abgelöst hatten. Der Einsatz der PM-82 könnte auf den Ausfall eines dieser beiden Werkstattschiffe hindeuten; PM-56 hatte seinen letzten Einsatz auch schon früher als üblich beendet, war im Februar nach weniger als fünf Monaten von Tartus nach Sewastopol zurückgelehrt.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub für die dort eingesetzten russischen Truppen an. Jede Woche passieren mehrere Landungsschiffe der russischen Marine (auch dazu verlegte Einheiten der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei und Deutschland gekaufte und teils als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend. Transportiert wird zurzeit vermehrt auch Baumaterial für die begonnenen Arbeiten zur Erweiterung der russischen logistischen Basis in Tartus (Syrien). Dafür werden auch nicht unter russischer Flagge fahrende zivile Frachtschiffe gechartert.

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INDIEN

Fast vier Jahre nach einer schweren Explosion an Bord hat die indische Marine ihr U-Boot „Sindhurakshak“ nun formell außer Dienst gestellt.

Im August 2013 war das U-Boot der KILO-Klasse nach einer Explosion im Bugbereich an der Pier in Mumbai gesunken. 18 Besatzungsmitglieder waren damals getötet worden. Ursache war vermutlich ein Feuer an Bord, das nur unzureichend mit Bordmitteln bekämpft wurde und dann – nach zwei Stunden – für eine geplante Patrouille im Bugbereich beladene Torpedos und Flugkörper zur Explosion brachte. Schnell war klar, dass die Explosion auch den Druckkörper des U-Bootes aufgerissen hatte, und schon wenige Tage nach dem Untergang der „Sindhurakshak“ sprach ein „hochrangiger Offizieller“ von irreparablen Schäden.

Erst fast ein Jahr später gelang es im Juni 2014 nach weltweiter Ausschreibung und unter Mitwirkung ausländischer Spezialisten, die „Sindhurakshak“ zu heben. Erst jetzt konnten auch die letzten Toten geborgen werden und die Ermittlung der Unfallursachen und eine genaue Schadensbefundung beginnen. Das Verteidigungsministerium setzte dazu zwei Untersuchungskommissionen ein, die beide die Irreparabilität des U-Bootes feststellten. Ende 2015 gab die Marine denn auch offiziell bekannt, dass die „Sindhurakshak“ nicht wieder in den aktiven Dienst zurückkehren werde.

Bis zur nun vollzogenen formellen Ausmusterung vergingen dann noch einmal eineinhalb Jahre. Im in Indien üblichen bürokratischen Wirrwarr sich überschneidender Zuständigkeiten mussten immer neue Instanzen noch ihren Segen zum unausweichlichen Schritt geben. Der Vorgang verdeutlicht einmal mehr, wo in Indien die eigentlichen Ursachen für bei Rüstungsvorhaben und damit verbundener Entscheidungsfindung übliche mehrjährige Verzögerungen liegen. Bisher sind alle Versuche gescheitert, hier klare Strukturen zu schaffen.

Die Zukunft der nach wie vor in Mumbai in einem Dock liegenden „Sindhurakshak“ bleibt vorerst offen. Zurzeit werden offenbar zwei Optionen verfolgt: Versenkung als künstliches Riff bzw. Unterwasser-Denkmal, oder aber letztmaliger Nutzen als Ziel in einem Torpedoschießen.

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ITALIEN

Auf der Undersea Defence Technology (UDT) Konferenz in Bremen hat der italienische Verteidigungsminister Pläne zur Beschaffung weiterer U-Boot bestätigt.

Schon 1996 hatten sich Deutschland und Italien auf eine gemeinsame Beschaffung von U-Booten TYP 212A mit außenluftunabhängigem Brennstoffzellenantrieb verständigt. Die italienische Marine sollte zunächst zwei Boote erhalten; zwei weitere U-Boote waren als Option vorgesehen. Als die beiden ersten U-Boote 2006/07 in Dienst gestellt wurden, war aufgrund der finanziellen Lage die Wahrnehmung der Option noch unklar. Beide wurden aber schließlich unter einem verzögerten Zeitplan bestellt, ja man dachte sogar noch an ein fünftes TYP 212A – eine Absicht, die sich in der 2012 in der Finanzkrise notwendig gewordenen Neuplanung der Flotte nicht mehr fand. Bei ab 2015 geplanter (inzwischen um ein paar Jahre geschobener) Außerdienststellung der U-Boote der SAURO-mod-Klasse fand sich die italienische Marine schon zumindest nach außen hin damit ab, spätestens 2020 nur noch die vier U-Boote TYP 212A im Bestand zu haben

italienisches U-Boot TYP 212A (Foto: shipspotting.com)
Mit der Übernahme des vierten U-Bootes „Romeo Romei“ (11. Mai) schien das U-Boot-Beschaffungsvorhaben der italienischen Marine beendet, aber tatsächlich wurde im Hintergrund schon seit geraumer Zeit eine Erweiterung diskutiert. Im Dezember 2015 berichteten Medien über neue U-Boot-Pläne: „Sich entwickelnde sicherheitspolitische Herausforderungen“ würden innerhalb der nächsten 15 Jahre einen Aufwuchs der U-Bootflottille notwendig machen. Nur drei Monate später bemühte sich die italienische Marine auch schon formell um Mittel für den Bau eines fünften und sechsten TYP 212A – zunächst offenbar noch vergeblich.

Nun sollen nicht nur diese zwei, sondern sogar vier weitere neue U-Boote beschafft werden. Der Verteidigungsminister erklärte, man wolle die aktuelle Stärke von acht U-Booten erhalten, d.h. neben den vier TYP 212A alle vier älteren U-Boote der SAURO-Klasse durch zusätzliche Neubauten ersetzen. Geplant ist eine Designvariante („Evolution“) von TYP 212A, möglicherweise angelehnt an den kürzlich von Norwegen in Deutschland bestellten und auch von der Deutschen Marine geplanten TYP 212NG. Jetzt ist auch nicht mehr die Rede von „in den nächsten 15 Jahren“, sondern angesichts der Außerdienststellungsplanung der SAURO-Klasse soll das Projekt zügig angegangen werden. Erste Aufträge könnten schon 2018 vergeben werden.

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NORDKOREA

Die Spannungen um Nordkorea dauern an.

Auch von verschärften Sanktionen und erheblichen wirtschaftlichen Problemen (Kohleexport ist komplett zum Erliegen gekommen) lässt sich Diktator Kim Jong-un nicht beeindrucken. Sein immer wieder genanntes politisches Ziel bleibt die Überführung des 1953 geschlossenen Waffenstillstandes in einen bilateralen (mit Ausklammerung Südkoreas) Friedensvertrag mit den USA, und dies glaubt er nur durch Drohungen mit Raketen und Atomwaffen erreichen zu können. Die staatliche Propaganda forderte in sehr scharfem Ton die USA ultimativ auf, doch endlich den „irreversiblen“ Status Nordkoreas als Atommacht anzuerkennen und wies erneut darauf hin, dass Trägerraketen problemlos US-Territorium im Westpazifik (Guam) und sogar die USA selbst (gemeint sind hier Hawaii und Alaska) ins Visier nehmen können.

Experten rechnen mit einer Unterstreichung solch unverhohlener Drohungen durch weitere Testschüsse von Mittel- und Langstreckenraketen. Auch ein Atomtest sei nicht auszuschließen; Vorbereitungen seien am Atomtestgelände Punggye-ri so weit abgeschlossen, dass er jederzeit auch sehr kurzfristig möglich wäre.

China setzt weiterhin auf verstärkten politischen und wirtschaftlichen Druck auf das Regime; Südkoreas neuer Präsident bemüht sich mit bisher wenig Erfolg um bilaterale Entspannung. Die USA unter Präsident Trump verfolgen erkennbar auch „militärische Optionen“, haben hier nun jedoch ein wenig deeskaliert, denn die „Carl Vinson“ Carrier Strike Group (CSG) ist aus dem West Pazifik abgelaufen.
‚Carl Vinson‘ auf dem Heimweg (Foto: US Navy)
Am 13. Juni machten die Schiffe auf dem Heimweg nach San Diego in Pearl Harbor (Hawaii) Station.
Damit ist zurzeit nur noch die in Japan stationierte „Ronald Reagan“ CSG in der Krisenregion präsent, wird zuletzt aber auch nicht mehr in der Japansee, sondern südlich Japans in der Philippinensee gemeldet. Ersatz für die „Carl Vinson“ CSG kommt wahrscheinlich mit der „Nimitz“ CSG, die nach am 5. Juni begonnener Westverlegung über den Pazifik Ende Juni in der Region eintreffen könnte.

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RUSSLAND

Die „Arbeitspferde“ unter den Minenabwehreinheiten der russischen Marine nähern sich allmählich dem Ende ihrer operativen Nutzbarkeit.

Zwischen 1970 und 1982 waren insgesamt 45 Hochseeminensucher der NATYA-Klasse für die damalige sowjetische Marine gebaut worden. Das Design der 850ts verdrängenden Boote war eine Weiterentwicklung der YURKA-Klasse. Zur Reduzierung der magnetischen und akustischen Signatur wurden sie aus niedrig-magnetischem Stahl gebaut, ein Kompensator reduziert das elektromagnetische Feld, Antriebsmaschinen sind auf Schwingungsdämpfern installiert, die Schrauben verkleidet. Die Boote sind für das Räumen von Ankertauminen aber auch zur Beseitigung von auf akustische und magnetische Impulse reagierenden Grundminen ausgerüstet. Zur Selbstverteidigung sind sie mit u.a. einer AK-630 Gatling-Gun bestückt.

Das robuste und einfache Design bewährte sich in der Praxis so gut, dass zahlreiche NATYA auch für befreundete Marinen (Indien, Libyen, Syrien, Jemen) gebaut wurden. Nach fast 30 Dienstjahren wurde eines der bei der Schwarzmeerflotte dienenden Boote modernisiert und mit neuer Minenjagdtechnologie ausgestattet. ‚Vitseadmiral Zhukov‘ (Foto: shipspotting.com)Es blieb allerdings bei dem Prototypen; weitere Boote folgten nicht, und man hat sich offenbar entschlossen, mit der ALEXANDRIT-Klasse die Nachfolge der NATYA-Klasse (und zugleich auch der SONYA.-Klasse) einzuläuten. Bis zu 40 dieser auf einem GFK-Rumpf aufbauenden modernen Minenjagdboote will die russische Marin bis 2030 auf Werften in der Ostsee und in Fernost bauen lassen, wobei die Serienfertigung allerdings nur sehr zögernd in Gang kommt.

Die alten Boote der NATYA-Klasse werden schon seit einigen Jahren nach und nach aus dem Verkehr gezogen. Ende Dezember wurden die „Vitseadmiral Zhukov“ (Schwarzmeerflotte) und die „Komendor“ (Nordflotte) außer Dienst gestellt. Damit sind zurzeit noch acht NATYA im aktiven Dienst, fünf bei der Schwarzmeerflotte, zwei bei der Pazifikflotte und ein letztes Boot bei der Nordflotte.

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USA

Schon 2019 könnten unbemannte Tanker-Drohnen Flugzeugträger in den Einsatz begleiten.

Eigentlich hatte die US Navy die Beschaffung großer Kampfdrohnen geplant und mit der X-47B auch schon den Prototypen einer UCLASS (Unmanned Carrier Launched Airborne Surveillance and Strike) auf Flugzeugträgern in der Praxis erprobt. X-47B erbrachte u.a. den Nachweis, dass solch große Drohnen von einem Flugzeugträger starten, in den Flugbetrieb um diesen integriert und auch wieder landen können, ohne Operationen der Kampfflugzeuge spürbar zu beeinträchtigen. Das Projekt erhielt grünes Licht, und die Entwicklung von X-47B zur Serien-Kampfdrohne MQ-25A Stingray konnte beginnen.

Unvermittelt einsetzende neue Grundsatzdiskussionen über Einsatzdoktrin und Einsatzrolle von Kampfdrohnen stellten das Vorhaben plötzlich wieder in Frage. Um bei vertretbaren Kosten zeitnah zu einer einsatzfähigen Drohne zu kommen, wurde Ende 2014 entschieden, erst einmal nur “Early Operational Capability” einer bloßen Aufklärungsdrohne anzustreben. Diese soll 2021 fertig sein und dann vier Jahre lang in Übungen und realen Einsätzen erprobt werden. Erst danach will man dann über eine Weiterentwicklung zu einer realen Kampfdrohne nachdenken.

In dieser Phase der Neubesinnung wurde für MQ-25A Stingray plötzlich noch eine andere, wichtige Rolle gesehen: als „Carrier-Based Aerial-Refueling System“ (CBARS) in der Luftbetankung von Kampfflugzeugen. Das derzeitige Operationskonzept sieht – bei Einsatz unter Bedrohung – für Flugzeugträger einen Abstand von mehr als 700sm zu einem Kampfgebiet vor. Für Kampfflugzeuge bedeutet solch große Distanz eine verringerte Waffenzuladung und zugleich vermehrten Bedarf an Luftbetankung. Dezidierte Tankflugzeuge gibt es seit Ausmusterung der S-3 Viking auf US- Flugzeugträgern nicht mehr. Luftbetankung wird als „Buddy-to-Buddy Refueling“ von Kampfflugzeugen durchgeführt, die dann aber gar keine Waffen tragen können und für „Strike“ ausfallen. Aktuell sind bis zu 30 Prozent der Kampfflugzeuge einer Carrier Air Wing in dieser „Buddy-to-Buddy“ Tankerrolle gebunden.

Hier soll nun CBARS in die Lücke springen. Der Einsatz der Drohne würde sowohl die Reichweite der Kampfflugzeuge und deren Waffenzuladung, vor allem aber auch die Anzahl der für Waffeneinsatz verfügbaren Kampfflugzeuge erhöhen, und angesichts eines akuten Fehls an einsatzklaren Kampfflugzeugen soll es hier nun sehr schnell gehen. Noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung für den Bau von CBARS Drohnen erfolgen. Offiziell geht die US Navy von Initial Operational Capability ab 2020 aus, aber die Entwicklung ist offenbar so weit fortgeschritten, dass angeblich schon 2019 erste Tankdrohnen in Einsätzen mitgeführt werden sollen. Die US Navy hat bereits die beiden Flugzeugträger „Dwight D Eisenhower“ und „George HW Bush“ als erste Plattformen benannt. Beide sollen u.a. mit Einrichtung einer Lenkstation mit Datalink für den Einsatz von Tankdrohnen MQ-25A Stingray ausgerüstet werden.

Kurzfassung
MarineForum Wochenschau vom 16. Juni 2017
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MarineForum Wochenschau vom 16. Juni 2017
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Die wöchentlichen Meldungen des MarineForum zur Weltlage mit maritimen Fokus.
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