MarineForum Wochenschau vom 15. September 2017

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors, den Bürg­erkriegen in Syrien und Jemen sowie dem andauern­den poli­tis­chen Kon­flikt mehrerer ara­bis­ch­er Staat­en mit dem Emi­rat Katar bes­timmt.

KATAR

Im Stre­it ein­er von Sau­di-Ara­bi­en ange­führten Gruppe ara­bis­ch­er Staat­en mit dem Emi­rat Katar ste­hen Pro­tokoll­fra­gen und die Egos der maßge­blichen poli­tis­chen Führer ein­er für alle Parteien gesichtswahren­den Lösung im Wege. Keine Seite lässt auch nur ansatzweise Kom­pro­miss­bere­itschaft erken­nen. Nach einem von Katar aus­ge­sproch­enen „Lob“ für den Iran ist ein formeller Auss­chluss des Emi­rats aus dem Golf-Koop­er­a­tionsrat nicht mehr auszuschließen. Die gegen Katar ver­hängte Block­ade (Schließung von Luftraum und Land­gren­zen) beste­ht weit­er.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.

Marineforum

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien und Irak bleibt eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Unverän­dert bes­tim­men divergierende Eigen­in­ter­essen zahlre­ich­er Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten die Entwick­lung.

SYRIENIRAK: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen in Irak und Syrien fort. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Trup­pen und syrisch­er (kur­dis­ch­er) Oppo­si­tion­s­milizen. Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge und landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge und Drohnen der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „Nimitz“ set­zt im Per­sis­chen Golf den Ein­satz sein­er Kampf­flugzeuge gegen IS-Ziele in Irak und Syrien fort. Der am 1. Juni mit dem Aus­laufen aus Everett (Wash­ing­ton) begonnene Ein­satz der „Nimitz“ Car­ri­er Strike Group (CSG) soll länger als die ursprünglich geplanten sechs Monate bis über das Jahre­sende hin­aus dauern. Seit dem 24. August ist der im Rah­men der nationalen franzö­sis­chen Oper­a­tion „Cham­mal“ in der Gol­fre­gion einge­set­zte franzö­sis­che Flu­gab­wehr-Zer­stör­er „Jean Bart“ in die „Nimitz“ CSG inte­gri­ert.

Die Anfang Sep­tem­ber in der Region eingetrof­fene „Amer­i­ca“ Amphibi­ous Ready Group der US Navy (mit dem amphibis­chen Träger „Amer­i­ca“, den Dock­lan­dungss­chif­f­en „San Diego“ und „Pearl Har­bor“ sowie der eingeschifften 15th Marine Expe­di­tionary Unit) ist vor Dschibu­ti und im Golf von Aden weit­er­hin in die rein nationale amphibis­che Übung „Alli­ga­tor Dag­ger“ einge­bun­den.

Im Ver­band mit­ge­führte Jagdbomber AV-8B Har­ri­er und Kampfhub­schrauber des US Marine Corps kön­nen bei Bedarf auch über Land (z.B.gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen im Jemen oder in Soma­lia) einge­set­zt wer­den.

SYRIEN: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land gibt der Bekämp­fung des IS in Syrien offiziell Pri­or­ität, macht allerd­ings unverän­dert keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen; außer­halb von erk­lärten „De-Eskala­tion­szo­nen“ (s.u. Bürg­erkrieg) gel­ten alle gle­icher­maßen als “Ter­ror­is­ten”. Nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind.

Die Türkei bekämpft zwar auch IS, scheint aber in ihrem all­ge­meinen Kampf gegen Ter­ror­is­mus der „Neu­tral­isierung“ von Kur­den deut­lich größere Pri­or­ität zu geben. Bei ver­stärk­ten Oper­a­tio­nen in gren­z­na­hen Gebi­eten Nordsyriens gab es auch schon direk­te Gefechts­berührun­gen zwis­chen türkischen Sol­dat­en und von den USA im Kampf gegen IS (mit „embed­ded“ Spe­cial Forces) unter­stützten kur­dis­chen Milizen. Die türkische Regierung hat den Irak öffentlich gewarnt, das am 25. Sep­tem­ber geplante Ref­er­en­dum zu ein­er unab­hängi­gen kur­dis­chen Region zuzu­lassen.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschrei­bung)

Karte: IHS Mon­i­torIn den auf Ini­tia­tive von Rus­s­land, Syrien, dem Iran und der Türkei erk­lärten „De-Eskala­tion­szo­nen“ herrscht weit­er­hin ver­gle­ich­sweise Ruhe. Ander­norts gehen die Kämpfe weit­er; islamistis­che Milizen bleiben ohne­hin grund­sät­zlich von allen Feuer­pausen ausgenom­men. Bei der aktuellen (13.–15. Sep­tem­ber) Gespräch­srunde der Bürg­erkriegsparteien in Astana (Kasach­stan) gibt es bzgl. der formellen Ein­rich­tung ein­er vierten „De-Eskala­tion­szone“ bei Idlib nur zähe Fortschritte. Die Kämpfe bei Idlib sollen aber allmäh­lich abflauen.

Rus­s­land sieht in den „De-Eskala­tion­szo­nen“ die Basis für ein Ende des Bürg­erkrieges. Sie zwän­gen Oppo­si­tion­s­milizen zur räum­lichen Tren­nung von islamistis­chen Ter­ror­grup­pen, und dies eröffne Chan­cen für poli­tis­chen Dia­log. In den Zonen vere­in­barte Feuer­pausen kon­nten teil­weise auch schon in formelle regionale Waf­fen­still­stände über­führt wer­den. Rus­s­land strebt eine unab­hängige Überwachung von deren Ein­hal­tung an, kann aber ohne UN-Man­dat noch keine nicht im syrischen Bürg­erkrieg involvierten Län­der zur Entsendung von Frieden­strup­pen bewe­gen. So wer­den vor­erst nur rus­sis­che Mil­itär­polizis­ten einge­set­zt.

Mar­itime Aspek­te

Im östlichen Mit­telmeer operiert weit­er­hin das von der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte geführte Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Kampfein­heit­en sind zurzeit die Fre­gat­ten „Admi­ral Essen“ und „Pytliviy“ (Zuver­legung am 13. Sep­tem­ber) der Schwarzmeer­flotte sowie die zwei in der Ost­see für die Schwarzmeer­flotte gebaut­en, neuen U-Boote „Velikiy Nov­gorod“ und „Kolpino“ (KILO-III-Klasse), die ihre Über­führungs­fahrt ins Schwarze Meer für einen vorüberge­hen­den Ein­satz bei der Med­Sqn unter­brochen haben.

Nicht uner­wartet, haben nach der Fre­gat­te „Admi­ral Essen“ (5. Sep­tem­ber) nun am 14. Sep­tem­ber auch die bei­den U-Boote aus dem östlichen Mit­telmeer her­aus ins­ge­samt sieben Marschflugkör­p­er Kali­br auf IS-Ziele bei Deir-al-Zour in Ost­syrien geschossen.

Ange­blich kon­nten etwa 50 auf der Fre­gat­te „Admi­ral Essen“ eingeschiffte, auch west­liche Jour­nal­is­ten die Schüsse beobacht­en. Neben dem solcher­maßen öffentlich unter­strich­enen Willen zur Ver­nich­tung von IS (in Syrien) und der erneut demon­stri­erten Fähigkeit zur Bekämp­fung von Landzie­len von See her, dürfte das Schießen für die bei­den U-Boote auch Teil der Zer­ti­fizierung ihrer Waf­fen­sys­teme gegewe­sen sein. Bei­de hat­ten im Gegen­satz zu den anderen U-Booten ihrer Klasse keine Waf­fen­er­probun­gen im Nord­flot­ten­bere­ich durchge­führt. Ver­mut­lich wer­den sie nun in den näch­sten Tagen ihren Marsch ins Schwarzmeer fort­set­zen.

Die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub für die dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen wird fort­ge­set­zt, aber mit deut­lich reduziertem Umfang. Während bis etwa Ende Juli wöchentlich mehrere Lan­dungss­chiffe oder von der Rus­sis­chen Marine speziell für die Trans­porte gekaufte Frachter den Bosporus passierten, wer­den zurzeit nur noch spo­radisch Pas­sagen erkan­nt. Zulet­zt war ein Lan­dungss­chiff am 3. Sep­tem­ber durch die türkischen Meeren­gen von einem Trans­port nach Syrien ins Schwarzmeer zurück­gekehrt. Gründe für das reduzierte „Optem­po“ sind nicht bekan­nt; da sich am Bedarf wenig geän­dert haben dürfte, mag man vielle­icht „Kräfteüberdehnung“ ver­muten.

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HURRIKANIRMA

Nach Hur­rikan „Irma“ sind in der Karibik – von Bar­ba­dos bis nach Flori­da – Hil­f­sak­tio­nen und Aufräu­mar­beit­en ange­laufen.

Schaden­saufk­lärung hat gezeigt, dass Infra­struk­tur vielerorts flächen­deck­end zer­stört ist. In der Region präsente Seestre­itkräfte haben erste Nothil­fe gebracht, und mit Hil­fe der Sol­dat­en kon­nten vielerorts auch schon Flug­plätze für Flug­be­trieb mit zumin­d­est mil­itärischen Trans­port­flugzeu­gen wieder in Betrieb genom­men wer­den. Flugzeuge bieten allerd­ings nur begren­zte Trans­portka­paz­ität. Den Großteil von Hil­f­s­gütern, ins­beson­dere drin­gend benötigtes schw­eres Räumgerät und Bau­maschi­nen, kön­nen nur Schiffe brin­gen. Auf vie­len der betrof­fe­nen kleinen und kle­in­sten Inseln gibt es keine für einen Umschlag größer­er Fracht­men­gen geeigneten Häfen, und so sind in der nun anlaufend­en zweit­en Phase der HADR (Human­i­tar­i­an Assistance/Desaster Relief) Oper­a­tio­nen vor allem amphibis­che Ein­heit­en gefragt, die ihre Ladung direkt an einem Strand abset­zen kön­nen.

Die nur kleinen Marinen/Sicherheitskräfte der betrof­fe­nen Inseln ver­fü­gen über keine für solche Ein­sätze geeigneten Schiffe, aber sie sind europäis­chen (Kolonial-)Staaten oder den USA hoheitlich ver­bun­den. Diese haben Ein­heit­en ihrer Mari­nen denn auch schon direkt nach dem Tropen­sturm ins Katas­tro­phenge­bi­et beordert. Vielerorts kon­nte mit begren­zten Mit­teln wie z.B. dem Bor­d­hub­schrauber der nieder­länd­sichen Fre­gat­te „Zee­land“ eine Notver­sorgung mit Medika­menten, Wass­er und Nahrungsmit­teln erre­icht wer­den, und die Besatzun­gen halfen, Strom-, Wasserver­sorgungs- und Kom­mu­nika­tion­san­la­gen not­dürftig instandzuset­zen und Infra­struk­tur für nach­fol­gende Hil­feleis­tun­gen wieder betrieb­s­bere­it machen.
Erstver­sorgung durch Bor­d­hub­schrauber der nieder­ländis­chen Fre­gat­te ‘Zee­land

Erster Nothil­fe fol­gt nun groß angelegte weit­ere Hil­fe. Das größte Kontin­gent hat natür­lich die US Navy auf den Weg gebracht. Mehr als US 20.000 Sol­dat­en sind in die HADR-Oper­a­tio­nen in Flori­da (Schw­er­punkt Flori­da Keys) und auf den US Vir­gin Islands im Ein­satz oder auf dem Weg dor­thin, um die Bevölkerung zu ver­sor­gen, Infra­struk­tur wieder instandzuset­zen, oder wo nötig Men­schen zu evakuieren. Zu den einge­set­zten Ein­heit­en gehören der Flugzeugträger „Abra­ham Lin­coln“, drei amphibis­che Träger („Wasp“, „Kearsarge“, „Iwo Jima“), zwei Dock­lan­dungss­chiffe, ein großer Ein­satz­grup­pen­ver­sorg­er sowie weit­ere Kampf­schiffe. Der Flugzeugträger und die amphibis­chen Schiffe kön­nen mit zahlre­ichen großen Trans­porthub­schraubern, Schwenk­flügel-Flugzeu­gen Osprey und Lan­dungs­booten riesige Men­gen an Mate­r­i­al, Gerät schnell vor Ort schaf­fen und bieten großen Kontin­gen­ten Hil­f­sper­son­al eine Basis.

Auch Frankre­ich, Großbri­tan­nien und die Nieder­lande brin­gen nun größere Ein­heit­en auf den Weg, aber im Gegen­satz zur US Navy müssen diese in etwa zehn­tägi­gen Tran­sit­fahrten aus Europa über den Atlantik nachge­führt wer­den. In Frankre­ich ist am 12. Sep­tem­ber der mit Hil­f­s­gütern und schw­erem Gerät beladene Hub­schrauberträger „Ton­nerre“ aus Toulon aus­ge­laufen; Ziel ist die Insel „Saint Mar­tin“. Bei der britis­chen Roy­al Navy hat am gle­ichen Tag der Hub­schrauberträger „Ocean“ seine Beladung in Gibral­tar abgeschlossen und Kurs auf die britis­chen Vir­gin Islands genom­men.

Nach Deut­lich­w­er­den der Zer­störun­gen auf Sint Maarten hat die nieder­ländis­che Marine am 13. Sep­tem­ber ihr Joint Sup­port Ship „Karel Door­man“ aus der ger­ade begonnenen, multi­na­tionalen Ost­seeübung „North­ern Coasts 2017“ (s.u.) zurück­ge­zo­gen. Das Schiff soll in den Nieder­lan­den Ladung übernehmen und dann ins Katas­tro­phenge­bi­et ver­legen.

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INDONESIEN

Am 12. Sep­tem­ber hat die indone­sis­che Marine im spanis­chen Vigo ihr neues Segelschulschiff „Bima Suci“ über­nom­men und in Dienst gestellt.

Die 111m lange, etwa 2.000 ts ver­drän­gende Dreimast­bark (26 Segel mit ins­ge­samt 3.350 m² Segelfläche) war im Dezem­ber 2015 bei der spanis­chen Freire-Werft in Vigo auf Kiel gelegt wor­den. Sie soll die seit 1963 als Segelschulschiff der Marine einge­set­zte, deut­lich kleinere „Dewaru­ci“ erset­zen. Während let­ztere etwa 70 Kadet­ten an Bord nehmen kann, bietet der Neubau Platz für 120.

Schon vor der Indi­en­st­stel­lung waren 119 Kadet­ten an Bord einge­zo­gen. Sie sollen nach Abschluss let­zter Segelvo­raus­bil­dung im Rah­men ein­er ersten Aus­land­saus­bil­dungsreise die „Bima Suci“ von Vigo nach Surabaya über­führen.

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ITALIEN

Im Zuge des allmäh­lichen Ersatzes älter­er Schiffe durch Neubaut­en der BERGAMI­NI-Klasse hat die ital­ienis­che Marine ihre Fre­gat­te „Aliseo“ aus­ge­mustert.

Am 8. Sep­tem­ber wurde im Bei­sein von Marinechef Admi­ral Val­ter Girardel­li bei ein­er Abend-Flaggen­pa­rade in Tar­ent nach 34 Dien­st­jahren let­zt­ma­lig die Seekriegs­flagge einge­holt. Die „Aliseo“ war als fün­ftes Schiff der ins­ge­samt acht nach Mit­telmeer-Winden benan­nten MAES­TRALE-Klasse im Sep­tem­ber 1983 an die ital­ienis­che Marine übergeben wor­den.

Die 3.200 ts ver­drän­gen­den Mehrzweck­fre­gat­ten kön­nen mit ihrer Aus­rüs­tung und Bewaffnung (u.a. See- und Luftziel-FK) eine Vielzahl von Auf­gaben wahrnehmen, sind mit Bor­d­hub­schrauber, Rumpf­sonar und vari­ablem Tiefen­sonar vor allem aber für U-Jagd opti­miert. Nach dem Ende des Kalten Krieges kamen sie zunehmend in Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tio­nen zum Ein­satz.

Die „Aliseo“ legte im Laufe ihrer Dien­stzeit“ ins­ge­samt mehr als 600.000sm zurück, besuchte dabei 70 ver­schiedene Häfen. Oper­a­tive Ein­sätze sahen sie u.a. im Per­sis­chen Golf (Golfkrieg), nach den Ter­ro­ran­schlä­gen von New York (2001) in der US-geführten multi­na­tionalen Anti-Ter­ror-Oper­a­tion „Endur­ing Free­dom“ im Ara­bis­chen Meer und bei der Pira­teriebekämp­fung vor Soma­lia. Zulet­zt war die Fre­gat­te in der nationalen Search & Res­cue Oper­a­tion „Mare Nos­trum“ vor Libyen in die Ret­tung von Flüchtlin­gen und Migranten einge­bun­den. Schon im Sep­tem­ber 2016 war sie in den Bere­itschaft­szu­s­tand ein­er „reduzierten Ver­füg­barkeit“ ver­set­zt wor­den und hat­te seit­dem in Tar­ent an der Pier gele­gen. Nun ist sie ihrem bere­its Ende 2015 außer Dienst gestell­ten Schwest­er­schiff „Maes­trale“ in den „Ruh­e­s­tand“ gefol­gt.

Die Zukun­ft der „Aliseo“ bleibt vor­erst offen. Einiges spricht dafür, dass die ital­ienis­che Marine sie (wie auch andere auszu­musternde Schiffe) zur Auf­besserung des Bud­gets gern als Gebrauchtschiff weit­er verkaufen möchte. So wurde im Mai 2016 bei der Rüs­tungsmesse „Sea­fu­ture & Mar­itime Tech­nolo­gies“ in La Spezia eine Fre­gat­te der MAES­TRALE-Klasse auch schon bei ein­er „Gebrauchtschiffs-Schau“ präsen­tiert. Poten­tielle Kun­den kon­nten das Schiff dort nicht nur „zum Anfassen“ begutacht­en, son­dern auch gle­ich mit ital­ienis­chen Fir­men wie z.B. Fin­cantieri mögliche Kosten für Grundin­stand­set­zun­gen und Umbaut­en disku­tieren. In Ital­ien wer­den aus­ge­musterte Mari­neschiffe, für die sich ein Käufer gefun­den hat, vom Vertei­di­gungsmin­is­teri­um zunächst an Fin­cantieri verkauft, die dann als Zwis­chen­händler allein (wen­ngle­ich im Rah­men der Geset­ze für Weit­er­gabe von Rüs­tungs­gütern) für den Wiederverkauf zuständig ist. Bleibt also abzuwarten, ob die „Aliseo“ dem­nächst zu Fin­cantieri trans­feriert wird.

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NORDKOREA (Fortschrei­bung)

Auch nach dem jüng­sten Atom­waf­fen­test vom UN-Sicher­heit­srat am 11. Sep­tem­ber noch ein­mal ver­schärfte Sank­tio­nen scheinen Nord­ko­rea nicht wirk­lich zu berühren.

Rake­ten­test vom 15 Sep In offiziellen Erk­lärun­gen wur­den der UN-Sicher­heit­srat (incl. Chi­na und Rus­s­land!) als “Mar­i­onette der USA” und seine Beschlüsse als “ille­gal” abge­tan und Vergel­tung angekündigt. Am 15. Sep­tem­ber gab es dann mit einem neuen Rake­ten­test eine erste aktive Reak­tion. Von ein­er Posi­tion in der Nähe des inter­na­tionalen Flughafens von Pyongyang wurde eine (straßen-mobile) Mit­tel-/Langstreck­en­rakete über die japanis­che Insel Hokkai­do hin­weg 3.700km weit in den Paz­i­fik geschossen. Mit diesem Test über die bish­er größte Ent­fer­nung hat Nord­ko­rea unter­strichen, dass die US-Insel Guam in Reich­weite liegt. Möglicher­weise in Furcht von einem pein­lichen, vor allem aber die norko­re­anis­che Posi­tion noch weit­er stärk­enden Fehlschlag haben sowohl Japan als auch die USA erneut darauf verzichtet, die Rakete mit ihren — offiziell in Stel­lung gebracht­en — Abwehrsys­te­men abz­u­fan­gen.

Ob der zu ein­er Dringlichkeitssitzung ein­berufene UN-Sicher­heit­srat die bish­er ver­hängten Sank­tio­nen noch ein­mal ver­schärft, bleibt abzuwarten. Zulet­zt hat­te der Rat die Ölimporte des Lan­des gedeck­elt (effek­tive Reduzierung max­i­mal etwa 30 Prozent), Tex­til-Exporte und Beschäf­ti­gung neuer (vorhan­dene dür­fen bleiben) nord­ko­re­anis­ch­er Gas­tar­beit­er im Aus­land ver­boten und — rel­a­tiv vage — zu “Unterbindung des Schmuggels” nach Nord­ko­rea aufgerufen.

Die ein­stim­ming mit Chi­na und Rus­s­land beschlosse­nen Maß­nah­men blieben allerd­ings deut­lich hin­ter einem von den USA einge­bracht­en Res­o­lu­tion­sen­twurf zurück, der u.a. ein formelles Embar­go für sämtliche Öl- und Gaspro­duk­te gefordert hat­te und die US Navy überdies zur „aktiv­en Überwachung“ dieses Embar­gos ermächti­gen sollte. Dem mocht­en die Vetomächte Rus­s­land und Chi­na nicht zus­tim­men. Bei­de verurteilen zwar Nord­ko­re­as pro­voka­tive Aktio­nen, scheinen aber tat­säch­lich nur wenig bere­it, aktiv zum Ende der Krise beizu­tra­gen. Sie sehen eine Lösung unverän­dert nur in ein­er bei­der­seit­i­gen Auf­gabe („dual sus­pen­sion“) von Posi­tio­nen. Nord­ko­rea solle seine Atom­waf­fen- und Raketen­pro­gramme ein­frieren (ent­ge­gen aller bere­its beschlosse­nen UN-Sank­tio­nen aber nicht abrüsten!) während Süd­ko­rea und die USA auf jegliche weit­ere bilat­erale Manöver verzicht­en und damit ungeachtet aller nord­ko­re­anis­chen Dro­hun­gen ihre Fähigkeit­en zur Vertei­di­gung im Bünd­nis reduzieren soll­ten.

Auch nach dem neuen Rake­ten­test wird keine wesentliche Änderung dieser Hal­tung erwartet. Wirk­lich erfol­gver­sprechende Vorschläge zu ein­er poli­tis­chen Lösung sind so nicht in Sicht — und „mil­itärische Optio­nen“ denn auch nicht vom Tisch. Angesichts möglich­er Block­ierung des US Sicher­heit­srates durch die Vetos Chi­nas und Rus­s­lands spekulieren Medi­en denn auch schon über ein­seit­ige US-Maß­nah­men, bis hin zur Erk­lärung ein­er kom­plet­ten See­block­ade Nord­ko­re­as.

Der in Japan sta­tion­ierte US-Flugzeugträger „Ronald Rea­gan“ ist am 8. Sep­tem­ber zu ein­er Fort­set­zung sein­er für vier Wochen unter­broch­enen „West Pacif­ic Patrol“ aus seinem Heimat­stützpunkt Yoko­su­ka (bei Tokio) aus­ge­laufen. Der zulet­zt „südlich Japans“ gemeldete Flugzeugträger solle „die kollek­tiv­en mar­iti­men Sicher­heitsin­ter­essen der USA und ihrer Ver­bün­de­ten in der Paz­i­fikre­gion schützen und vertei­di­gen“.

In San Diego (Kali­fornien) ste­ht die „Theodore Roo­sevelt“ Car­ri­er Strike Group für einen dem­nächst zu begin­nen­den, langfristig geplanten Rou­tine-Ein­satz bere­it, kann aber jed­erzeit sehr kurzfristig in einem so genan­nten „Surge Deploy­ment“ aus­laufen.

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RUSSLAND (WEISSRUSSLAND)

Am 14. Sep­tem­ber hat die bilat­erale rus­sisch-weißrus­sis­che Übung „Zapad 2017“ begonnen.Grafik: MoD Rus­sia

Zapad 2017“ soll „Bezug auf die aktuellen Entwick­lun­gen in den Gren­zre­gio­nen zu NATO-Staat­en“ (erhöhte Präsenz von NATO-Trup­pen) nehmen. Aus­richter der strate­gis­chen Übung aller Teil­stre­itkräfte bei­der Län­der ist der rus­sis­che Mil­itär­bezirk (MB) West, der als „Vere­inigtes Strate­gis­ches Kom­man­do“ (VSK) für die Region vom Kalin­ingrad Oblast bis zur Bar­entssee zuständig ist. Während die Nord­flotte seit 2014 nicht mehr Teil des MB West ist, son­dern mit Blick auf die Ark­tis zum VSK Nord gehört, ist die Baltische Flotte dem MB West unter­stellt. Das VSK-Nord nimmt nicht an „Zapad 2017“ teil, hat aber am 14. Sep­tem­ber mit ein­er eige­nen größeren Übung begonnen, zu der eine „Strike-Group“ um den Kreuzer „Petr Velikiy“ in die Bar­entssee aus­ge­laufen ist. Wie in Rus­s­land (und schon in der früheren Sow­je­tu­nion) dur­chaus üblich, kön­nte diese Übung auf über­ge­ord­neter, strate­gis­ch­er Ebene (rus­sis­ch­er Gen­er­al­stab) dur­chaus mit „Zapad 2017“ gekop­pelt sein.

Offiziell sind am noch bis zum 20. Sep­tem­ber dauern­den „Zapad 2017“ ins­ge­samt 12.700 Sol­dat­en beteiligt, darunter 5.500 nach Weißrus­s­land ver­legte rus­sis­che Sol­dat­en. In den Baltischen Staat­en arg­wöh­nt man eine deut­lich höhere Beteili­gung, spricht ohne dies auch nur ansatzweise bele­gen zu kön­nen von „bis zu 100.000“ und sieht in der Übung überdies den möglichen Auf­takt zu ein­er ver­mehrten Sta­tion­ierung rus­sis­ch­er Trup­pen an ihren Lan­des­gren­zen. Rus­s­land betont dage­gen einen rein defen­siv­en Charak­ter; „Zapad 2017“ solle am Ende eines län­geren Aus­bil­dung­sprozess­es lediglich den Stand der Inter­op­er­abil­ität rus­sis­ch­er und weißrus­sis­ch­er Stre­itkräfte über­prüfen und richte sich gegen kein anderes Land. Das Übungs­geschehen werde sich auf jew­eils drei rus­sis­che und weißrus­sis­che Land-Trup­penübungsplätze konzen­tri­eren.

Die Übung erfol­gt vor dem Hin­ter­grund eines fik­tiv­en Szenar­ios, bei dem extrem­istis­che Grup­pen zur Verübung von Ter­ro­ran­schlä­gen nach Rus­s­land (Kalin­ingrad Oblast) und Weißrus­s­land ein­drin­gen und dabei Unterstützung/Nachschub über Land, aus der Luft und auch von See her erhal­ten. Ein fast iden­tis­ches Szenario war auch schon Basis für „Zapad 2013“ gewe­sen.

In „Zapad 2017“ sind denn auch Ele­mente der Baltischen Flotte einge­bun­den. Für die Baltische Flotte begann die Übung mit ein­er Alarmierung, bei der alle seeklaren Schiffe und Boote aus ihren Stützpunk­ten aus­liefen. Im späteren Übungsver­lauf sollen „zehn Kriegss­chiffe“ von See her in ein­er Block­ade-Aktion den Ein­satz von Spe­cial Forces in ein­er Anti-Ter­ro­r­op­er­a­tion sich­ern und die Flucht von Ter­ror­is­ten über See ver­hin­dern. Erwartet wer­den vor allem amphibis­che Lan­dun­gen von Kom­man­dotrup­pen, mit Sicherung durch Minen­ab­wehrkräfte. Unter dem Szenario wahrschein­lich sind aber auch Teilübun­gen, wie sie bere­its bei „Zapad 2013“ durchge­führt wur­den. Damals „ver­nichteten“ FK-Korvet­ten in simulierten FK-Schlä­gen mehrere „Ter­ror­is­ten­schiffe, die eine Lan­dung an der Küste ver­sucht­en“ (um ihre Kumpane zu evakuieren).

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SCHWEDEN (multi­na­tion­al)

Auch in diesem Jahr ste­ht „North­ern Coasts“ („NoCo“) auf dem Übungs­plan der Ost­seemari­nen.

Das erste „NoCo“ wurde 2007 als so genan­ntes „Ein­ladungs­man­över“ von der Deutschen Marine geplant und durchge­führt. Auch für alle nach­fol­gen­den „NoCo“ blieb Deutsch­land als Ein­ladungsna­tion fed­er­führend zuständig, aber die Rolle des Plan­ers und Gast­ge­bers wech­selte in jährlich­er Rota­tion zwis­chen Deutsch­land, Däne­mark, Finn­land und Schwe­den, das nach zulet­zt 2013 nun wieder an der Rei­he ist.

North­ern Coasts“ ist eine multi­na­tionale Übung mit mar­itimem Schw­er­punkt, die vor allem darauf zielt, die Durch­führung multi­na­tionaler mar­itimer Oper­a­tio­nen auf Ein­heits- und Ver­band­sebene zu trainieren und zu verbessern. Eine beson­dere Her­aus­forderung bietet dabei die Het­ero­gen­ität der aus den Teil­nehmern zu bilden­den Ver­bände. Jew­eils mehrere Natio­nen müssen inner­halb ein­er Ein­satz­gruppe eng zusam­me­nar­beit­en.

fik­tive Geo­gra­phie bei ‘NoCo 17’ (Grafik: Deutsche Marine)Kern der Übung­shaupt­phase ist regelmäßig inter­na­tionale Kon­flik­tver­hü­tung und Krisen­be­wäl­ti­gung auf der Basis eines Man­dates der Vere­in­ten Natio­nen oder der Europäis­chen Union, wobei sich die Übungslage an ein­er fik­tiv­en krisen­haften Entwick­lung in ein­er fik­tiv­en Geo­gra­phie ori­en­tiert. In diesem Jahr dient „NoCo“ u.a. auch dem Nach­weis ein­er „vor­läu­fi­gen Ein­satzfähigkeit“ (Ini­tial Oper­a­tion Capa­bil­i­ty) der 2015 bilat­er­al von Schwe­den und Finn­land beschlosse­nen Swedish-Finnish Naval Task Group. „NoCo“ ist nicht — wie in vie­len Medi­en dargestellt — eine „NATO-Übung“, son­dern ste­ht im Rah­men der NATO Ini­tia­tive „Part­ner­ship for Peace“ (PfP) grund­sät­zlich allen inter­essierten Mari­nen offen; so nehmen denn regelmäßig auch die Mari­nen Finn­lands und Schwe­dens teil, ja übernehmen sog­ar die Gast­ge­ber­rolle. Für die rus­sis­che Baltische Flotte kam eine Teil­nahme bish­er nie in Frage, obwohl sie an „NoCo“ doch immer­hin so inter­essiert ist, dass regelmäßig ein Spezialschiff zur Fer­n­melde-/elek­tro­n­is­chen Aufk­lärung das Übungs­geschehen haut­nah beobachtet.

An „NoCo 17“ nehmen ins­ge­samt 57 Schiffe und Boote aus 16 Mari­nen teil. Gast­ge­ber Schwe­den bringt sechs Ein­heit­en ein, darunter ein U-Boot. Bel­gien, Däne­mark, Deutsch­land, Est­land, Finn­land, Frankre­ich, Let­t­land, Litauen, Nieder­lande, Nor­we­gen, und Polen sind über­wiegend mit Schnell­booten und Minen­ab­wehrein­heit­en (einige davon im NATO-Ver­band SNMCMG-1) vertreten, stellen aber auch einige Fre­gat­ten. Als Nicht-Ost­seemari­nen sind Kana­da und Por­tu­gal mit Fre­gat­ten im NATO-Ver­band SNMG-1 mit von der Par­tie. Im Gegen­satz zu früheren „NoCo“ sind die britis­che Roy­al Navy und die US Navy dies­mal nicht dabei.

Die Übung begann am 8. Sep­tem­ber mit dem Ein­tr­e­f­fen der Teil­nehmer in Karl­skro­na. Dort standen über das Woch­enende gegen­seit­iges Ken­nen­ler­nen sowie abschließende Übungsvorbe­sprechun­gen auf dem Pro­gramm. Am 11. Sep­tem­ber liefen die Ein­heit­en dann zu ersten Seep­hasen aus. Im Rah­men von „Com­bat Enhance­ment Train­ing“ (CET) und „Force Inte­gra­tion Train­ing“ (FIT) wer­den gut eine Woche lang in einem detail­lierten Kat­a­log fest­gelegte Auf­gaben („Seri­als“) nacheinan­der abgear­beit­et. Höhep­unkt der Übung wird dann eine abschließende 3–4-tägige „Oper­a­tional Phase“, für die das fik­tive Szenario zwar eine Aus­gangslage und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen vorgibt, die im Ver­lauf dann aber eine möglichst real­is­tis­che Eigen­dy­namik (mit völ­lig offen­em Aus­gang) entwick­eln soll. Am 21. Sep­tem­ber soll „North­ern Coasts 2015“ mit ein­er Übungsnachbe­sprechung zu Ende gehen.

Kurz­fas­sung
MarineForum Wochenschau vom 15. September 2017
Artikelüber­schrift
Marine­Fo­rum Wochen­schau vom 15. Sep­tem­ber 2017
Erk­lärung
Das Geschehen auf den Welt­meeren in der wöchentlichen Über­sicht
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