MarineForum Wochenschau vom 14. Juli 2017


NAH-/MITTELOST
Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt von der Bekämpfung des islamistischen Terrors, den Bürgerkriegen in Syrien und Jemen sowie den Spannungen mehrerer arabischer Staaten mit dem Emirat Katar bestimmt.

KATAR

Katar weist weiterhin Forderungen einer Gruppe von Saudi-Arabien angeführter arabischer Staaten als „mit seiner staatlichen Souveränität unvereinbar“ zurück. Die von den Kontrahenten verhängte Blockade (Schließung von Luftraum und Landgrenzen) bleibt damit unverändert in Kraft. Eine militärische Eskalation wird zurzeit allerdings nicht erwartet. Auch ein formeller Ausschluss Katars aus dem Golf-Kooperationsrat steht wohl (noch) nicht zur Debatte. Experten sind sich darin einig, dass eine solchermaßen sichtbar vollzogene Spaltung der Golfstaaten sehr wahrscheinlich nur die Position des Iran stärken würde. Ohnehin ist der Iran bemüht, die Situation zu seinen Gunsten zu nutzen und hat mit dem Oman, der sich an die Seite Katars gestellt hat und diesen über See mit Verbrauchsgütern beliefert, eine „intensivere Kooperation“ vereinbart.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

Marineforum

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien und Irak bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Unverändert bestimmen divergierende Eigeninteressen zahlreicher Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten die Entwicklung.

SYRIEN – IRAK: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – nach der Rückeroberung von Mosul (Irak) nun vor allem bei Raqqa (Syrien). Zum Einsatz kommen US-Trägerkampfflugzeuge und landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge und Drohnen der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ hat nach einem Besuch in Haifa (Israel) die Einsätze seiner Kampfflugzeuge gegen IS-Ziele in Irak und Syrien wieder aufgenommen. Die „Bush“ Carrier Strike Group (CSG) ist allerdings schon seit Januar unterwegs, nähert sich damit dem Ende eines normalen 6-8-monatigen Einsatzes und dürfte sich demnächst auch auf den Heimweg nach Norfolk machen. Möglicherweise wird noch die Rückkehr des zum Verband gehörenden Kreuzers „Hue City“ abgewartet, der zu einer Übung vor der Ukraine (s.u.) vorübergehend ins Schwarze Meer verlegt hat.

Ob, wann, oder durch welche andere CSG es in der Nah-/Mittelost-Region eine Ablösung für die „Bush“ CSG geben wird, bleibt weiterhin offen. Mögliche Option wäre die „Nimitz“ CSG, die offiziell zwar im Zusammenhang mit der Krise um Nordkorea genannt wird, aktuell aber vor Chennai (Indien) an der trilateralen Übung „Malabar“ (s.u.) mit der indischen und japanischen Marine teilnimmt.

Im Operationsgebiet der 5. US-Flotte, den Gewässern um die Arabische Halbinsel, operiert weiterhin die „Bataan“ Amphibious Ready Group (ARG) der US Navy. Zu aktuellen Positionen oder Einsatzaufgaben gibt es keine Informationen. amphibischer Träger ‚America‘ (Foto: US Navy)Auf dem amphibischen Träger „Bataan“ eingeschiffte Jagdbomber AV-8B Harrier und Kampfhubschrauber des US Marine Corps können bei Bedarf auch gegen islamistische Terrorgruppen eingesetzt werden.
Die in Norfolk beheimatete „Bataan“ ARG ist seit Ende Februar unterwegs, nähert sich also dem Ende eines normalen Einsatzes. Ablösung ist auch bereits auf dem Weg. Am 7. Juli lief die „America“ ARG mit dem amphibischen Träger „America“, den Docklandungsschiffen „San Diego“ und „Pearl Harbor“, sowie der eingeschifften 15thMarine Expeditionary Unit aus San Diego (Kalifornien) aus. Der Verband könnte Anfang August im Operationsgebiet der 5. US-Flotte eintreffen. Für die “America”, Typschiff der neuen AMERICA-Klasse, ist es die erste Verlegung in einen Einsatz.

SYRIEN: Russland – Türkei

Russland macht weiterhin keinen wirklichen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen; außerhalb von definierten „De-Eskalationszionen“ (s.u.) gelten alle gleichermaßen als “Terroristen”. Nach wie vor erfolgen russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte auch in Gebieten, in denen keine islamistischen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS vor allem bemüht, im Rahmen ihrer nationalen Kurdenpolitik auf Autonomie setzende syrische Kurden (dazu gehören auch von den USA mit Waffen und Militärberatern aktiv unterstützte Milizen) zu „neutralisieren“. In Nordsyrien hat sie aus syrischen Milizen eine „Stellvertreter-Armee“ aufgestellt, die vorgeblich grenznahe Schutzzonen vor dem IS sichern soll, deren eigentlicher Auftrag aber wohl die Verdrängung kurdischer Milizen ist.
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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN
In den von Russland, Syrien, der Türkei und dem Iran gemeinsam erklärten „De-Eskalationszonen“ herrscht weiterhin vergleichsweise Ruhe. Die vier Zonen liegen in westlichen Landesteilen, wo syrische Regierungstruppen und Verbündete schon seit Monaten weitgehend die Oberhand haben. Andernorts gehen die Kämpfe weiter; islamistische Milizen bleiben weiterhin grundsätzlich von allen Feuerpausen ausgenommen.

Russland sieht in den „De-Eskalationszonen“ die „Basis für ein Ende des Bürgerkrieges“. Sie zwängen syrische Oppositionsmilizen, sich räumlich von islamistischen Terrorgruppen zu trennen, und dies eröffne Chancen für einen politischen Dialog. Eine in der ersten Juliwoche in Astana (Kasachstan) durchgeführte Gesprächsrunde wollte diesen Ansatz weiter verfolgen, brachte allerdings keinen Durchbruch. Diskutiert wurde aber die Überwachung der Einhaltung der Feuerpause durch (zunächst) russische Militärpolizei. Am Rande des G-20-Gipfels (Hamburg) verkündeten Russland, die USA und Jordanien die schon seit einigen Wochen verhandelte Einrichtung einer 5. „De-Eskalationszone“ im Südwesten Syriens, nahe der Grenze zu Jordanien.

Maritime Aspekte

Im östlichen Mittelmeer operiert weiterhin das von der russischen Schwarzmeerflotte geführte Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine. Nach nur dreitägiger Nachversorgung in Sewastopol ist die Fregatte „Admiral Essen“ am 10. Juli wieder ins Mittelmeer zurückgekehrt und hat Schwesterschiff „Admiral Grigorovich“ in der MedSqn abgelöst. Dieses lief am 11. Juli nach insgesamt 95 Einsatztagen ins Schwarzmeer ab.

Weitere Kampfeinheiten bei der MedSqn sind der Minensucher „Valentin Pikul“ und vorerst auch noch das U-Boot „Krasnodar“. Wann das neue U-Boot der KILO-III-Klasse seine für den Einsatz bei der MedSqn unterbrochene Überführungsfahrt von der Ostsee ins Schwarzmeer fortsetzen soll, ist unklar. Möglicherweise sollen die „Krasnodar“ und die „Admiral Essen“ noch einmal Marschflugkörper Kalibr auf IS-Ziele in Syrien schießen. Die russische Marine hat jedenfalls im östlichen Mittelmeer ein „Warngebiet für FK-Schießen“ erklärt, das an fünf Tagen (14., 19., 21., 26. und 28. Juli) gelten soll.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub für die dort eingesetzten russischen Truppen an. Regelmäßig passieren Landungsschiffe der russischen Marine (auch dazu verlegte Einheiten der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei und Deutschland gekaufte und teils als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend. Transportiert wird zurzeit vermehrt auch Baumaterial für die begonnenen Arbeiten zur Erweiterung der russischen logistischen Basis in Tartus (Syrien). Dafür werden auch nicht unter russischer Flagge fahrende zivile Frachtschiffe gechartert.
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CHINA
Ein erstes Kontingent chinesischer Soldaten samt Fahrzeugen und Ausrüstung ist auf dem Weg nach Dschibuti – dem ersten Auslandsstützpunkt chinesischer Streitkräfte.

Persönlich von Marinebefehlshaber Admiral Shen Jinlong verabschiedet, machten sich am 11. Juli im Marinestützpunkt Zhanjiang der Südflotte das Docklandungsschiff „Jinggangshan“ und das im Design den Mobile Landing Platform der US Navy nachempfundene neue Transportschiff „868“ (noch kein Name bekannt) auf die etwa zweiwöchige Reise ans Horn von Afrika.

2015 waren formelle Verhandlungen Chinas mit Dschibuti zum Bau einer logistischen Basis für die chinesische Marine bekannt geworden. Nachdem China schon vorher etwa 8 Mrd Euro zur Finanzierung mehrerer Infrastrukturprojekte in Dschibuti beigesteuert hatte, zeigte sich Präsident Guelleh großzügig und nannte chinesische auch militärische Präsenz „willkommen“. Im Februar 2016 begannen die Bauarbeiten für die chinesischen Liegenschaften, die als „Logistikzentrum“ Verbrauchsgüter, Kraftstoff und Wasser (keine Waffen und Munition) bevorraten und am Horn von Afrika und im Indik eingesetzten Marineeinheiten Nachversorgung und Erholung bieten sollen.

Offiziell stellt China verbesserte Möglichkeiten zur Unterstützung internationaler Operationen bei z.B. Bekämpfung von Piraterie (seit 2008), UN-Friedenseinsätzen und humanitärer Hilfe nach Naturkatastrophen heraus. Die wirkliche Bedeutung des ersten chinesischen Auslandsstützpunktes geht aber weit darüber hinaus. Praktisch zeitgleich mit den Verhandlungen mit Dschibuti hatte im Juli 2015 ein neues chinesisches Sicherheitsgesetz die „Notwendigkeit der – ggf. auch militärischen – Verteidigung nationalerQuelle: Google Maps Interessen in Übersee und der Sicherung der Transportwege für strategische Ressourcen und Energiereserven“ betont. In Dschibuti soll denn auch nicht nur logistisches Personal, sondern dauerhaft ein größeres – nun in Marsch gesetztes – Kontingent Marineinfanterie stationiert werden; einige Quellen unterstellen sogar „Brigadestärke“.

Dschibuti liegt zwischen Mittelmeer und Indik in strategischer Schlüsselposition an der neuen „maritimen Seidenstraße“, und Peking lässt immer deutlicher das Bestreben erkennen, seine globalen Interessen mit einer „Perlenkette“ militärischer Sützpunkte zu sichern. Ganz offen spricht man von der Absicht,auch noch weitere Auslandsstützpunkte einzurichten. Sehr zum Missfallen von Indien ist man dabei in Gwadar (Pakistan) offenbar bereits erfolgreich; anderen Ländern wie Sri Lanka und Myanmar wird großzügige Hilfe beim Ausbau ihrer zivilen Hafeninfrastruktur angeboten.

In Dschibuti werden die chinesischen Streitkräfte allerdings nicht unter sich sein. Camp Lemonnier ist als US-Basis Drehscheibe für US-Operationen in Ostafrika (Somalia) und dem gegenüberliegenden Jemen, und auch Frankreich (frühere Kolonialmacht), Großbritannien, Japan und weitere Nationen sind in Dschibuti seit Jahren permanent präsent oder nutzen Hafen und Flugplatz als Abstützpunkte.
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FRANKREICH
Die französische Marine hat ihre vorletzte von einst vier Fregatten der GEORGES LEYGUES-Klasse außer Dienst gestellt.

Nach 35 Dienstjahren wurde am 3. Juli im Marinestützpunkt Toulon auf der „Montcalm“ letztmalig die Seekriegsflagge eingeholt. Das Schiff wird nun noch einige Zeit in Toulon an der Pier liegen, soll letztendlich aber verschrottet werden. Als letztes der vier Schiffe soll im kommenden Jahr die „Jean de Vienne“ folgen.

Die vier Schiffe der GEORGES LEYGUES-Klasse bildeten das erste Los von Anfang der 1980er Jahre in Dienst gestellten Kampfschiffen des Typs F-70; in einem zweiten Los waren zwischen 1986 und 1990 noch drei weitere Einheiten eines modifizierten Designs (GEORGES LEYGUES-mod oder PRIMAUGUET-Klasse) gefolgt. Als Frégates Anti-Sous Marine (FASM) waren sie für U-Jagd-Aufgaben optimiert. Hauptaufgabe war der Schutz strategischer U-Boote beim Auslaufen aus ihrem Stützpunkt Ile Longue (bei Brest) in die Patrouillengebiete im Nordatlantik und der Rückkehr von dort, sowie im Mittelmeer (Toulon) die Sicherung von Flugzeugträger-Einsatzgruppen. Dafür waren die FASM u.a. mit tiefenvariablen Schlepp-Sonargeräten ausgerüstet und konnten U-Jagdhubschrauber einschiffen. Bewaffnung mit Seeziel-FK MM-38/40 Exocet, Flugabwehr-FK Crotale und einem 100-mm-Geschütz sowie weiteren Rohrwaffen kleinerer Kaliber machte sie in der Praxis allerdings zu Mehrzweck-Kampfschiffen, die ein breites Spektrum an Einsatzoptionen abdeckten.

In ihren 35 Dienstjahren legte die „Montcalm“ insgesamt mehr als 1 Mio Seemeilen zurück. Schon direkt nach Indienststellung nahm sie an „Mission Olifant“ vor der libanesischen Küste (Bürgerkrieg) teil. Weitere Einsätze sahen sie u.a. bei „Mission Artimon“ im ersten Golfkrieg (1990/91) und zuletzt bei „Mission Harmattan“ (2011) vor Libyen, wo sie 2014 noch einmal auch in Evakuierungsoperationen eingebunden war.

Die Ausmusterung der Fregatten erfolgt parallel zum Zulauf moderner Fregatten der AQUITAINE-Klasse (Typ FREMM). So sind Typschiff „Georges Leygues“ und Schwesterschiff „Dupleix“ bereits durch die ersten beiden neuen Fregatten „Aquitaine“ und „Provence“ ersetzt. Ersatz für die „Montcalm“ hat die nur einen Tag nach ihrer Ausmusterung als operativ einsatzfähig erklärte „Languedoc“ gebracht, und die „Jean de Vienne“ soll im kommenden Jahr durch die „Auvergne“ abgelöst werden.

Die drei Schiffe des zweiten Loses von F-70 bleiben noch einige Jahre in Dienst. „Primauguet“, „La Motte-Picquet“ und „Latouche-Tréville“ sind sämtlich in Brest stationiert. Sie sollen bis 2020/21 ausgemustert werden.
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INDIEN

USA

JAPAN
Vor Indien hat im Golf von Bengalen die diesjährige, insgesamt 21. Auflage der Großübung „Malabar“ begonnen.

„Malabar“ begann 1992 als jährliches bilaterales Vorhaben der indischen Marine und der US Navy. Nach den indischen Atomtests 1998 waren die Übungen von der US-Navy vorübergehend suspendiert, finden aber im Zuge wieder verbesserter Beziehungen seit 2003 wieder regelmäßig statt. Die meisten „Malabar“-Übungen fanden im Arabischen Meer vor der indischen Westküste statt. 2007 verlegte man das Übungsgebiet erstmals in den südlichen Golf von Bengalen um die Inselgruppen der Nikobaren und Andamanen – und machte zugleich aus dem bilateralen Vorhaben eine multinationale Übung, an der sich 26 Kriegsschiffe auch aus Japan, Australien und Singapur beteiligten.

Nachdem „Malabar 2008“ wieder als rein bilaterale Übung mit der US Navy im Arabischen Meer stattfand, war 2009 erneut die japanische Marine eingeladen – und erstmals traf man sich weit entfernt von Indien im Westpazifik vor der japanischen Insel Okinawa. 2010 waren Inder und US Navy im Arabischen Meer wieder unter sich. 2011 war erneut der Westpazifik Schauplatz des Geschehens, aber die eingeladene japanische Marine musste ihre geplante Teilnahme wegen der Tsunami-Katastrophe kurzfristig absagen. 2014 waren die Japaner dann aber nicht nur wieder mit von der Partie, sondern in Sasebo sogar Gastgeber. Auch bei „Malabar 2015“ im Golf von Bengalen war die japanische Marine wieder mit vertreten, ja zum Übungsauftakt wurde formell erklärt, das ursprünglich bilaterale Vorhaben künftig als trilaterale Übung (mit ggf. Einladung noch weiterer Marinen) fortzuführen. 2016 war Japan erneut Gastgeber, und in diesem Jahr ist Indien wieder Ausrichter.
Collage ind. Marine
Die Komplexität der jährlichen Übungen nahm nach und nach zu. Beschränkte man sich 1992 noch auf einfachste Fahr- und Fernmeldeübungen, sind die jüngeren „Malabar“ von durchaus anspruchsvollen Szenarien geprägt. Inzwischen sieht Indien die in den West-Pazifik erweiterten Übungen mit der Einbindung Japans sogar unter strategischen Aspekten, betrachtet sie als integralen Teil seiner „Act East Policy“. Die USA und auch Japan haben mit dieser nicht zuletzt auch auf den strategischen Rivalen China zielenden Sichtweise kein Problem, spiegelt sie doch auch eigene strategische Interessen wieder.

Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in den Teilnehmern an „Malabar 2017“. Die indische Marine bringt ihren Flugzeugträger „Vikramaditya“, einen Zerstörer, modernste Fregatten und Korvetten sowie ein U-Boot ein. Die japanische Marine verlegte mit dem Hubschrauberträger „Izumo“ ihr größtes Kampfschiff und einen Zerstörer, und die US Navy ist mit der aus dem Pazifik verlegten „Nimitz“ Carrier Strike Group und einem U-Boot der LOS ANGELES-Klasse mit von der Partie. Mittelbar ist auch China bei „Malabar 2017“ dabei. Im Übungsgebiet des Golfs von Bengalen werden ein Spezialschiff zur Fernmelde-/elektronischen Aufklärung der DONGDIAO-Klasse sowie ein U-Boot der YUAN-Klasse gemeldet.

Eröffnung (Foto: ind. Mar)„Malabar 2017“ begann am 7. Juli mit dem Eintreffen erster Übungsteilehmer in Chennai (Indien). Einer „lockeren“ Phase gegenseitigen Kennenlernens und formeller Eröffnung folgte vom 10.-13. Juli eine Hafenphase, bei der letzte Details der Übung abgesprochen und auch schon einige landgestützte Übungsteile (u.a. Schadensabwehr, Kampfmittelbeseitigung, Wehrmedizin) absolviert wurden.

Vom 14.-17. Juli ist im südlichen Golf von Bengalen dann eine anspruchsvolle Seephase geplant, bei der der Schwerpunkt auf U-Jagd und – natürlich – Maritime Air Operations liegt. Überwasser-Seekrieg, Flugabwehr und Luftraumverteidigung, Maritime Security Operations (Terrorabwehr, „visit, board, search and seizure“ – VBSS), Search & Rescue, gemeinsame Schießabschnitte sowie Lagebilderstellung und taktisches Fahren und Manövrieren im Verband runden das Übungsgeschehen ab. Am 15. Juli sollen in einem VIP- und Presse-Tag hochrangige Politiker und Marineoffiziere aller drei Teilnehmerstaaten zu demonstrativen Vorführungen auf die Flugzeugträger bzw. den japanischen Hubschrauberträger eingeflogen werden.
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NORDKOREA
Die Spannungen um Nordkorea bleiben hoch.

Am 13. Juli gab es kurz Aufregung, als Seismographen eine Erschütterung registrierten. Auslöser war jedoch nicht ein befürchteter neuer Atomtest, sondern ein kleineres Erdbeben.

Über das weitere, international koordiniertee Vorgehen herrscht Uneinigkeit. Japan und die USA unterstellen Russland und China nur halbherzige Umsetzung von Wirtschaftssanktionen, fordern z.B. ein Ende von Kraftstofflieferungen und Import von Eisenerz. China wies darauf hin, dass die vom US Sicherheitsrat verhängten Sanktionen mitnichten ein „allumfassendes Wirtschaftsembargo“ fordern. Nicht alle Güter unterliegen Beschränkungen. Neuen Sanktionen dürften so enge Grenzen gesetzt sein, zumal Russland und China militärische Optionen der USA begrenzt halten und den USA keine „Legitimierung über eine Hintertür“ ermöglichen wollen.

THAAD-Test in Alaska (Foto: US DoD)Der Spielraum für gegen Nordkorea gerichtete militärische Aktionen scheint allerdings ohnehin nur gering. Experten sind sich darin einig, dass jede militärische Operation der USA katastrophale Konsequenzen in der Region haben könnte, nicht zuletzt Bevölkerungszentren in Südkorea und Japan zum potentiellen Ziel nordkoreanischer Vergeltungsschläge machen würde.

Dies hindert die USA allerdings nicht an Drohungen und demonstrativer Darstellung „erhöhter Bereitschaft“. Am 11. Juli testete die US Army erstmals überhaupt in Alaska (in Reichweite der neuen nordkoreanischen Hawasong-14 Langstreckenrakete) das Abfangen einer Interkontinentalrakete mit dem Terminal High Altitude Area Defense (THAAD) Flugabwehrsystem. Eine anfliegende Zieldarstellungsrakete wurde erfolgreich zerstört.

Die US Navy verzichtet zurzeit auf demonstrative Präsenz in der Region um die koreanische Halbinsel. Momentan befindet sich kein Flugzeugträger in der Region. Die „Nimitz“ Carrier Strike Group (CSG) nimmt im Golf von Bengalen an der von Indien ausgerichteten trilateralen Übung „Malabar“ (s.o.) teil. Die „Ronald Reagan“ CSG wird seit dem 10. Juli im Südpazifik (Korallenmeer) bei Teilnahme an der bilateralen Übung „Talisman Saber“ mit Australien gemeldet.
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UKRAINE (multinational)
In Odessa fiel am 8. Juli der Startschuss für die diesjährige multinationale Übung „Sea Breeze 2017“.

„Sea Breeze“ wird seit 1993 (fast) jährlich durchgeführt. Anfänglich handelte es sich um eine rein bilaterale Übung der USA (Planung und Führung durch US EUCOM) und der Ukraine (Durchführung als Gastgeber), die seit 1997 aber im Rahmen der NATO-Initiative „Partnership for Peace“ stattfindet und seitdem ein erweitertes, multinationales Teilnehmerfeld hat. „Sea Breeze“ ist keine NATO-Übung, auch wenn sie von Russland immer als solche dargestellt und scharf kritisiert wird. Übrigens hatte Russland 1998 noch selbst mit drei Einheiten der Schwarzmeerflotte teilgenommen.

Anfänglich fokussierte sich das Übungsgeschehen auf Aspekte zivil-militärischer Kooperation. Erst in den letzten Jahren (eine Folge der wachsenden Spannungen mit Russland und dessen Annexion der Krim) rücken mehr militärische Inhalte in den Vordergrund, wobei neben Marinen auch Teile von Land- und Luftstreitkräften eingebunden sind. Diesmal bietet ein fiktives Krisenreaktionsszenario den Rahmen für „Sea Breeze“. Ein Übungsschwerpunkt liegt auf U-Jagd; daneben werden Flugabwehr, amphibische Operationen, Maritime Interdiction Operations, Search & Rescue sowie Schadensabwehr als Inhalte genannt.

Beim noch bis zum 23. Juli dauernden „Sea Breeze 2017“ sollen die Teilnehmer in einem „Free Play“ Szenario nach „NATO Standardverfahren“ operieren (auch wenn die Ukraine nicht der NATO angehört), was für Russland und pro-russische Opposition natürlich „Wasser auf die Mühlen“ ist. Russland beobachtet das Übungsgeschehen denn auch sehr aufmerksam und hat die „Priazovye“, ein Spezialschiff der Schwarzmeerflotte zur Fernmelde-/elektronischen Aufklärung vor die ukrainischen Gewässer beordert.

Wie üblich sind Aktivitäten zunächst an Land bei Odessa und Nikolayev, danach dann auch in und vor ukrainischen Hoheitsgewässern in See geplant. An „Sea Breeze 2017“ nehmen Schiffe/Boote, Flugzeuge und Soldaten aus insgesamt 17 Nationen teil. Neben der Ukraine und den USA werden Belgien, Bulgarien, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, Litauen, Moldawien, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweden und die Türkei genannt. Nur ein Teil ist allerdings mit Schiffen oder Booten vertreten; oft beschränkt sich die Teilnahme auf Spezialpersonal oder Beobachter. Mit dem Kreuzer „Hue City“ und dem Zerstörer „Carney“ hat die US Navy gleich zwei Kampfschiffe ins Schwarze Meer verlegt. Die Türkei ist mit der Fregatte „Turgutreis“, einem U-Boot und einem Landungsschiff vertreten.

Übrigens:
Medien verwechseln „Sea Breeze“ immer wieder mit der ebenfalls im Schwarzmeer – diesmal überdies zeitgleich – stattfindenden, von der bulgarischen Marine ausgerichteten Übung „Breeze“. Diese am 13. Juli in Varna (Bulgarien) begonnene und ebenfalls bis zum 23. Juli dauernde Übung soll die Interoperabilität zwischen regionalen NATO-Marinen stärken und die Fähigkeiten zu gemeinsamer Krisenreaktion erweitern. Teilnehmer kommen in diesem Jahr aus Bulgarien, Griechenland, Großbritannien, Rumänien und der Türkei. Die NATO hat dazu Teile ihres ständigen Einsatzverbandes SNMG-2 ins Schwarzmeer verlegt.
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USA
Das erste speziell für den Einsatz als schwimmende Operationsplattform gebaute Schiff der US Navy hat Norfolk mit Kurs auf den Persischen Golf verlassen.

Die „Lewis B. Puller“ war ursprünglich als dritte von fünf „Mobile Landing Platform“ (MLP) für die US Navy gebaut worden. Während frühere Konzepte meist noch riesige über See in ein Einsatzgebiet zu schleppende und dort zu verankernde Plattformen vorsahen, setzt das MLP-Projekt auf große Schiffe, die problemlos aus eigener Kraft über globale Entfernungen verlegen und als „Pier in See“ US-Kriegs- und Hilfsschiffen eine Möglichkeit zum Güterumschlag abseits von Hafeninfrastruktur geben.

Technische Daten nennen für die auf der Basis eines zivilen Großtanker-Designs entwickelten und vom Military Sealift Command betriebenen Schiffe eine Länge von 233m bei einer Verdrängung von bis zu 80.000 ts. Modulare Ausrüstung erlaubt ihre spezifische Anpassung an den jeweiligen Auftrag. Ursprünglich waren die MLP sämtlich als logistische Plattformen vorgesehen. Mit Hubschrauberlandeflächen, Rampen und „Parkbuchten“ für LCAC Luftkissenboote, sowie Be- und Entladevorrichtungen für Ship-to-Ship Transfer von großen Prepositioning Ships sollten sie im „Sea Basing Konzept“ als schwimmende Stützpunkte vor einer Küste operieren. Diese Rolle ist inzwischen allerdings nur noch für die ersten beiden MLP vorgesehen.

Die „Lewis B Puller“ wurde dagegen als erstes der drei restlichen Schiffe für den Einsatz als seegestützte vorgeschobene Basis (Afloat Forward Staging Base – AFSB) für z.B. Special Forces Operations oder Minenabwehroperationen ausgerüstet. Sie erhielt dazu u.a. ein Flugdeck für Flugbetrieb mit (Minenabwehr-)Hubschraubern und Schwenkrotorflugzeugen V-22 Osprey sowie Möglichkeiten für Einsatz, Wartung und Instandsetzung kleiner Boote.
AFSB ‚Lewis B Puller‘ (Foto: US Navy)

Als vorrangister regionaler Einsatzschwerpunkt für ein solches Schiff war von Beginn an der Persische Golf gesehen worden, und im Vorgriff auf den Zulauf der „Lewis B Puller“ hat die US Navy in den letzten Jahren dort schon das frühere Docklandungsschiff „Ponce“ als AFSB stationiert und eingesetzt. Nach Fertigstellung und Absolvierung aller Abnahmefahrten und operativen Erprobungen ist nun die „Lewis B Puller“ auf dem Weg in die Region. Offen bleibt, ob mit ihrem Eintreffen der Einsatz der „Ponce“ beendet wird.

Kurzfassung
MarineForum Wochenschau vom 14. Juli 2017
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