MarineForum Wochenschau vom 13. Oktober 2017

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mit­tleren Osten bleibt von der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors sowie den Bürg­erkriegen in Syrien und Jemen bes­timmt. Der poli­tis­che Kon­flikt mehrerer ara­bis­ch­er Staat­en mit dem Emi­rat Katar ist etwas in den Hin­ter­grund getreten, dauert aber an. Das Unab­hängigkeit­sref­er­en­dum der irakischen Kur­den dro­ht, die regionale Sicher­heit­slage zusät­zlich zu desta­bil­isieren.

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK (Fortschrei­bung)

Bei der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien und Irak bleibt trotz — vielle­icht auch wegen — aller Fortschritte eine inter­na­tion­al über­greifende Koali­tion weit­er­hin Fernziel. Unverän­dert bes­tim­men divergierende Eigen­in­ter­essen zahlre­ich­er Staat­en sowie die Spal­tung zwis­chen Schi­iten und Sun­niten die Entwick­lung.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.

Marineforum

SYRIENIRAK: US-geführte Koali­tion (Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“)

Eine US-geführte multi­na­tionale Koali­tion set­zt mit Oper­a­tion „Inher­ent Resolve“ Luftschläge gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen in Irak und Syrien fort, wobei sich der Schw­er­punkt zunehmend nach Syrien ver­lagert. Ziele sind Kom­man­dozen­tren (Führungsper­so­n­en), Stützpunk­te, Depots und von Islamis­ten kon­trol­lierte Öl-Anla­gen, daneben aber auch logis­tis­che Straßen­trans­porte und Grup­pen ver­legen­der Kämpfer. Viele Angriffe dienen der direk­ten Unter­stützung (Close Air Sup­port) irakisch­er Trup­pen und syrisch­er (kur­dis­ch­er) Oppo­si­tion­s­milizen. Zum Ein­satz kom­men US-Trägerkampf­flugzeuge und landgestützt von Flug­plätzen der Golf­s­taat­en, Jor­daniens und der Türkei operierende Kampf­flugzeuge und Drohnen der Stre­itkräfte zahlre­ich­er Staat­en. Die britis­che Roy­al Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „Nimitz“ set­zt im Per­sis­chen Golf den Ein­satz sein­er Kampf­flugzeuge gegen IS-Ziele in Irak und Syrien fort.

Der am 1. Juni mit dem Aus­laufen aus Everett (Wash­ing­ton) begonnene Ein­satz der „Nimitz“ Car­ri­er Strike Group (CSG) soll länger als die ursprünglich geplanten sechs Monate bis über das Jahre­sende hin­aus dauern.

Amer­i­ca’ vor Eilat (Foto: US Navy)In den Seege­bi­eten um die Ara­bis­che Hal­binsel befind­et sich seit Anfang Sep­tem­ber auch die „Amer­i­ca“ Amphibi­ous Ready Group der US Navy. Das zur ARG gehörende Dock­lan­dungss­chiff „San Diego“ operiert abge­set­zt vom Ver­band im Mit­telmeer. Der amphibis­che Träger „Amer­i­ca“ ste­ht nach einem fün­ftägi­gen Besuch in Eilat (Israel) wieder in See, führt möglicher­weise im Golf von Aqa­ba noch Übun­gen (mit Israel oder Jor­danien) durch.
Eingeschiffte Jagdbomber AV-8B Har­ri­er und Kampfhub­schrauber des US Marine Corps aber auch mit Schwenkro­tor­flugzeu­gen V-22 Osprey zu ver­brin­gende Kom­man­dotrup­pen kön­nen bei Bedarf auch über Land (gegen islamistis­che Ter­ror­grup­pen) einge­set­zt wer­den.

SYRIEN: Rus­s­land – Türkei

Rus­s­land gibt der Bekämp­fung des islamistis­chen Ter­rors in Syrien dur­chaus Pri­or­ität, macht allerd­ings unverän­dert keinen wirk­lichen Unter­schied zwis­chen Islamis­ten und Oppo­si­tion­sre­bellen. Außer­halb von erk­lärten „De-Eskala­tion­szo­nen“ gel­ten alle gle­icher­maßen als Ter­ror­is­ten, und nach wie vor erfol­gen rus­sis­che Luftan­griffe denn auch in Gebi­eten, in denen keine islamistis­chen Milizen aktiv sind. Die Türkei bekämpft zwar auch islamistis­che Grup­pen, scheint in Syrien aber in ihrem Kampf gegen Ter­ror­is­mus der „Neu­tral­isierung“ kur­dis­ch­er Milizen deut­lich mehr Pri­or­ität zu geben.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschrei­bung)

Karte: IHS Mon­i­torIn den auf Ini­tia­tive von Rus­s­land, Syrien, dem Iran und der Türkei erk­lärten „De-Eskala­tion­szo­nen“ herrscht weit­ge­hend Ruhe. Ander­norts gehen die Kämpfe weit­er; islamistis­che Milizen bleiben ohne­hin grund­sät­zlich von allen Feuer­pausen ausgenom­men. Türkische Trup­pen haben nord­west­lich von Idlib die Gren­ze nach Syrien über­schrit­ten. Ziel der mil­itärischen Oper­a­tion ist die „Gewährleis­tung der Sicher­heit in der dor­ti­gen De-Eskala­tion­szone“. Ange­blich richtet sich die Trup­pen­ver­legung gegen die kur­dis­che YPG-Miliz; einige Bericht­en sprechen sog­ar von Dul­dung (Absprache) der islamistis­chen al-Nus­ra.

Rus­s­land sieht in den „De-Eskala­tion­szo­nen“ die Basis für ein Ende des Bürg­erkrieges. Sie zwän­gen Oppo­si­tion­s­milizen nicht nur zu ver­baler Dis­tanzierung, son­dern ganz real auch zu räum­lich­er Tren­nung von islamistis­chen Ter­ror­grup­pen, und dies eröffne Chan­cen für poli­tis­chen Dia­log. In den Zonen vere­in­barte Feuer­pausen wur­den teil­weise auch schon in formelle regionale Waf­fen­still­stände über­führt. Am 30./31. Okto­ber wollen Bürg­erkriegsparteien und aus­ländis­che Inter­ven­tion­s­mächte in Astana (Kasach­stan) über eine Sicherung der Zonen und ihre mögliche Erweiterung berat­en. Rus­s­land strebt eine unab­hängige Waf­fen­still­stand­süberwachung an, kann aber ohne UN-Man­dat noch keine nicht im syrischen Bürg­erkrieg involvierten Län­der zur Entsendung von Frieden­strup­pen bewe­gen. So wer­den vor­erst nur rus­sis­che und — in der Zone bei Idlib — türkische Mil­itär­polizis­ten einge­set­zt.

Mar­itime Aspek­te

Im östlichen Mit­telmeer operiert weit­er­hin das von der rus­sis­chen Schwarzmeer­flotte geführte Ständi­ge Mit­telmeergeschwad­er (Med­Sqn) der rus­sis­chen Marine. Einzige Kampfein­heit­en sind zurzeit die Fre­gat­te „Pytliviy“ der Schwarzmeer­flotte sowie immer noch die zwei in der Ost­see für die Schwarzmeer­flotte gebaut­en, neuen U-Boote „Velikiy Nov­gorod“ und „Kolpino“ (KILO-III-Klasse), die ihre Über­führungs­fahrt ins Schwarze Meer für einen nun schon sieben Wochen dauern­den Ein­satz bei der Med­Sqn unter­brochen haben.

ungewöhn­lich viele Sol­dat­en an Deck der ‘Azov’ (Foto via turkishnavy.net)Die auch als „Syr­i­an Express“ beze­ich­nete Liefer­ung von Rüs­tungs­gütern nach Syrien und Nach­schub für die dort einge­set­zten rus­sis­chen Trup­pen wird nach gut zwei­monatiger „Atem­pause“ im früheren Umfang fort­ge­set­zt. Zurzeit sind mit„Tsesar Kunikov“, „Yamal“ und „Azov“ drei Lan­dungss­chiffe der Schwarzmeer­flotte in die Trans­port­fahrten einge­bun­den. Auf der „Azov“ waren bei ihrer Süd­pas­sage der Türkischen Meeren­gen (8. Okto­ber) ungewöhn­lich viele Sol­dat­en an Deck zu sehen, ein Hin­weis auf mögliche Rota­tion in Syrien sta­tion­iert­er Trup­pen­teile.

Ver­stärkung für „Syr­i­an Express“ kommt auch aus anderen Flot­ten. Am 5. Okto­ber hat das Lan­dungss­chiff „Alek­san­dr Otrakovskiy“ der Nord­flotte die Türkischen Meeren­gen ins Schwarze Meer passiert (nach­dem die rus­sis­che Marine zuvor offiziell seinen Ein­satz im Atlantik angekündigt hat­te). Eben­falls mit Kurs auf das Schwarzmeer hat das Lan­dungss­chiff „Min­sk“ der Baltischen Flotte den Englis­chen Kanal passiert. Bei­de Lan­dungss­chiffe waren schon früher in „Syr­i­an Express“ einge­set­zt.

Für die Zukun­ft ist ver­stärk­ter Verkehr zivil­er Han­delss­chiffe zwis­chen Rus­s­land und Syrien zu erwarten. Der stel­lvertre­tende rus­sis­che Min­Präs Rogozin kündigte zur „Hil­fe beim wirtschaftlichen Wieder­auf­bau“ die Grün­dung ein­er direk­ten See­verbindung nach Syrien an.

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GROSSBRITANNIEN

Die Einsparun­gen durch im Strate­gic Defence & Secu­ri­ty Review (SDSR) 2015 beschlossene Kürzun­gen und Umstruk­turierun­gen bei den britis­chen Stre­itkräften bleiben offen­sichtlich weit hin­ter den Erwartun­gen zurück.

Analy­sen bez­if­fern die finanzielle Lücke im Vertei­di­gung­shaushalt der kom­menden zehn Jahre zwis­chen 10 und 30 Mrd. Pfund. Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um hat die finanziellen Prob­leme bish­er nicht öffentlich eingeräumt, lässt aber (sic!) einen neuen „Mini-SDSR“ durch­führen, dessen Ergeb­nisse zu Jahre­sende vor­liegen sollen. Nach „Leaks“ bericht­en mehrere britis­che Medi­en — darunter auch die als ser­iös gel­tende „Times“ –bere­its über ange­blich geplante sub­stantielle Ein­schnitte, die — neben British Army und Roy­al Air Force — der Roy­al Navy und den Roy­al Marines gravierende Fähigkeit­slück­en bescheren kön­nten.

Die im SDSR 2010 beschlossene und 2015 noch ein­mal bestätigte Pla­nung sah vor, die zwei Dock­lan­dungss­chiffe „Albion“ und „Bul­wark“ abwech­sel­nd im aktiv­en Dienst zu hal­ten. Nach ger­ade erst abgeschlossen­er Mod­ernisierung ist die fünf Jahre de fac­to einge­mot­tete „Albion“ zurzeit auf dem Weg zur Rück­kehr zu oper­a­tiv­er Ein­satzfähigkeit, während die „Bul­wark“ die kom­menden Jahre in „extend­ed readi­ness“ an der Pier ver­brin­gen soll. Der „Mini-SDSR“ sieht nun abge­blich einen Verzicht auf bei­de Schiffe und zugle­ich eine Reduzierung des Per­son­albe­standes der Roy­al Marines um 1.000 Sol­dat­en (fast 15 %) vor. Ein­er der (erst in etwa vier Jahren voll ein­satzk­laren) neuen Flugzeugträger soll zwar auch als Hub­schrauberträger in der Unter­stützung amphibis­ch­er Oper­a­tio­nen ein­set­zbar sein, aber ohne Dock­teil kön­nen „Queen Eliz­a­beth“ und „Price of Wales“ keine zum Auss­chif­f­en schw­eren Geräts abseits von Hafen­in­fra­struk­tur unverzicht­baren Lan­dungs­boote mit­führen.

Bei bere­its fest­ste­hen­der Aus­musterung des Hub­schrauberträgers „Ocean“ Anfang 2018 würde sich für heimat­ferne Ein­sätze die amphibis­che Trans­portkom­po­nente der Roy­al Navy damit auf die drei amphibis­chen Unter­stützungss­chiffe der BAY-Klasse reduzieren. Diese sind allerd­ings eher für bloße logis­tis­che Nach­führung von Trup­pen und Mate­r­i­al in einen gesicherten Raum als für offen­sive amphibis­che Kampflan­dun­gen geeignet.

Auf ein­er „Stre­ich­liste“ sollen sich überdies zwei Minen­jagdboote und ein Ver­mes­sungss­chiff find­en. Mit let­zterem kön­nte die ohne­hin noch vor Ende dieses Jahres auszu­musternde „Sev­ern“ gemeint sein; der in diesem Zusam­men­hang gebrauchte Begriff „Ocean-going“ spricht allerd­ings eher für die 20 Jahre alte „Scott“. Für „ungläu­biges Stirn­run­zeln“ sor­gen überdies Mel­dun­gen, dass die Roy­al Navy auch auf ihre ger­ade erst zuge­laufe­nen 28 Bor­d­hub­schrauber Sea Lynx „Wild­cat“ verzicht­en und sich auss­chließlich mit EH-101 „Mer­lin“ beg­nü­gen soll.

Bish­er ist unklar, inwieweit es sich bei den genan­nten Ein­heit­en und Zahlen um bloße Gerüchte, reale Über­legun­gen oder gar schon feste Absicht­en han­delt. Die Medi­en­berichte sor­gen aber für erhe­bliche Unruhe, und Einiges scheint auch „dran“ zu sein. Immer­hin ging der Befehlshaber der UK Mar­itime Forces, RAdm Alex Bur­ton, mit unver­hohlen­er Kri­tik an die Öffentlichkeit, sprach bezüglich der bei­den Dock­lan­dungss­chiffe von nicht hin­nehm­baren Fähigkeitver­lus­ten, soll (nicht bestätigten) Mel­dun­gen zufolge sog­ar ein Rück­tritts­ge­such ein­gere­icht haben. Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um zeigte sich deut­lich verärg­ert, wies Admi­ral Bur­ton öffentlich in seine Schranken und erk­lärte offiziell zu den in den Medi­en gemelde­ten Kürzun­gen, „es seien noch keine Entschei­dun­gen getrof­fen“. Ein klares Demen­ti sieht sich­er anders aus.

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NORDKOREA (Fortschrei­bung)

Die abge­laufene Woche hat keine neuen nord­ko­re­anis­chen Pro­voka­tio­nen in Form von Raketen­starts oder Atom­tests gebracht, aber die Lage bleibt unverän­dert anges­pan­nt.

Nord­ko­rea betont immer wieder die “Unver­han­del­barkeit” seines Raketen- und Atom­waf­fen­pro­grammes, dro­ht auch erneut mit der Zer­störung Guams, und US Präsi­dent Trump sieht in Gesprächen “pure Zeitver­schwen­dung”. Bei solchen Rah­menbe­din­gun­gen bleibt nicht nur die Suche nach ein­er diplo­ma­tis­chen Lösung schwierig, son­dern neue Aktio­nen Nord­ko­re­as kön­nen die Lage jed­erzeit sehr kurzfristig wieder scharf eskalieren lassen. Aktuelle Mel­dun­gen deuten auf die weit­ge­hend abgeschlossene Entwick­lung ein­er erst­mals dreistu­fi­gen Interkon­ti­nen­tal­rakete (Hwa­song-13). Sollte dies stim­men, dürfte schon bald ein erster Testschuss zu erwarten sein.

US-Präsi­dent Trump scheint zunehmend “mil­itärischen Optio­nen” einen Vorzug zu geben, und US-Streikräfte zeigen auch ver­stärkt “sicht­bare Präsenz” in der Region. Erst­mals führten von Guam ges­tartete strate­gis­che Bomber B-1B Lancer einen von süd­ko­re­anis­chen Abfangjägern begleit­eten Nacht­flug über Süd­ko­rea durch. Der Flugzeugträger “Ronald Rea­gan” hat nach einem Besuch in Hong Kong vor Oki­nawa kurz mit einem japanis­chen Zer­stör­er geübt und ver­legt nun mit Kurs auf die kore­anis­che Hal­binsel. Am 16. Okto­ber soll die “Ronald Rea­gan” Car­ri­er Strike Group im Gel­ben Meer und in der Japansee zehn­tägige “größere” Übun­gen mit der süd­ko­re­anis­chen Marine begin­nen; möglicher­weise beteiligt sich auch die japanis­che Marine.

Als Sig­nale sind wohl auch ein am 13. Okto­ber in Busan (Süd­ko­rea) begonnen­er Besuch des mit mehr als 180 Marschflugkör­pern bestück­ten U-Bootes “Michi­gan” sowie die kurzfristig ange­ord­nete Ver­legung (“Surge Deploy­ment”) des Raketen­ab­wehr-fähi­gen Zer­stör­ers “O’Kane” von Pearl Har­bor nach Japan zu ver­ste­hen, wen­ngle­ich der Zer­stör­er lediglich die zwei nach Kol­li­sio­nen nicht mehr ein­satzfähi­gen Schwest­er­schiffe “Fitzger­ald” und “John S. McCain” erset­zen soll. Noch im Okto­ber soll überdies die von San Diego über den Paz­i­fik ver­legende “Theodore Roo­sevelt” Car­ri­er Strike Group vor der kore­anis­chen Hal­binsel ein­tr­e­f­fen.

Rou­tine ist dage­gen die vom 23.–27. Okto­ber angekündigte Übung „Coura­geous Chan­nel“, in der die US Forces Korea die Evakuierung von Fam­i­lien­ange­höri­gen und anderem nicht-mil­itärischen Per­son­al üben. Solche Übun­gen find­en seit Jahren regelmäßig zweimal im Jahr statt, gehören also zum „Nor­malver­hal­ten“, auch wenn viele Medi­en die kom­mende Übung ganz sich­er nur vor dem Hin­ter­grund der aktuellen Lage betra­cht­en wer­den. Jährliche Rou­tine ist auch die am 14. Okto­ber vor Jin­hae begin­nende, ein­wöchige multi­na­tionale (Süd­ko­rea, USA, Kana­da, Philip­pinen) Minen­ab­wehrübung „MN MIWEX 2017“.

Eine inter­es­sante Facette am Rande ist die Mitte Sep­tem­ber begonnene Ver­legung des kanadis­chen U-Bootes „Chicouti­mi“ in den West­paz­i­fik. Erst­mals über­haupt führt ein kanadis­ches U-Boot der VIC­TO­RIA-Klasse eine „Asia-Pacif­ic Region Patrol“ durch, von der sich die Regierung „Optio­nen für eine zeit­gerechte Reak­tion auf regionale Entwick­lun­gen“ ver­spricht. Ein Bezug zur Lageen­twick­lung um die kore­anis­che Hal­binsel ist anzunehmen.

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PAKISTAN

Nach auf den Tag genauen drei Jahren im Amt hat Admi­ral Muham­mad Zakaullah den Befehl über die pak­istanis­che Marine abgegeben und ist in den Ruh­e­s­tand getreten.

Nach­fol­ger im Amt wurde sein Stel­lvertreter, VAdm Zafar Mah­mood Abbasi, der mit Amt­santritt zum Dien­st­grad Admi­ral befördert wurde. An ihn über­gab Admi­ral Zakaullah bei ein­er Kom­mandowech­sel-Zer­e­monie in Islam­abad am 7. Okto­ber feier­lich das „Zepter“.

Admi­ral Abbasi trat 1978 in die pak­istanis­che Marine ein, wo er zunächst an der heimis­chen Mari­neschule, dann am Bri­tan­nia Roy­al Naval Col­lege der britis­chen Roy­al Navy seine Offizier­aus­bil­dung absolvierte und sich später in mehreren Lehrgän­gen für Über­wass­er- und Unter­wass­er-Seekriegführung spezial­isierte. Schon zu ersten Seev­er­wen­dun­gen gehörte ein Ein­satz als Erster Offizier auf einem ex-US-Zer­stör­er der GEAR­ING-Klasse. Nach Stab­sof­fizier­slehrgän­gen am Roy­al Aus­tralian Naval Col­lege und an der nationalen Vertei­di­gungsakademie erhielt er das Kom­man­do über eine Fre­gat­te und wurde schließlich Kom­man­deur eines Minen­suchgeschwaders und eines Zer­stör­ergeschwaders.

Mit Beförderung zum Com­modore und wenig später zum Rear Admi­ral begann 2008 eine Serie von teils nur sehr kurzen Führungsver­wen­dun­gen, die ihn in weni­gen Jahren als Chef der Oper­a­tions- und Pla­nungsabteilun­gen im Marinestab, als Kom­man­deur der Mari­neschule, als Direk­tor der Mar­titime Secu­ri­ty Agency und drei Monate lang in der Gol­fre­gion als See­be­fehlshaber der multi­na­tionalen Com­bined Task Force 150 (Bahrain) sahen.

2013 über­nahm er kurzzeit­ig den Befehl über das Logis­tikkom­man­do und wurde dann auch noch Kom­man­deur der Marine­in­fan­terie, bevor ihm 2014 mit Beförderung zum Vizead­mi­ral der Befehl über die pak­istanis­che Flotte über­tra­gen wurde. Sich­er schon im Vor­griff auf den nun­mehri­gen Auf­stieg an die Spitze der pak­istanis­chen Marine wech­selte er von dort erst im April dieses Jahres als Stel­lvertreter Befehlshaber in den Marinestab. Über­raschend kommt sein Auf­stieg nicht. Die pak­istanis­che Marine macht sich immer schon rel­a­tiv früh Gedanken über ihre kün­ftige Führung und die kün­fti­gen Befehlshaber wer­den — strikt den Prinzip­i­en der Senior­ität fol­gend — ziel­gerichtet und mit einem von möglichst großer Viel­seit­igkeit geprägten Ver­wen­dungsauf­bau auf ihre Rolle an der Spitze der Marine vor­bere­it­et.

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RUSSLAND

Die Baltische Flotte baut ihre Marine­fliegerkom­po­nente ziel­gerichtet aus.

Zum einen sollen im Kalin­ingrad Oblast „in naher Zukun­ft“ gle­ich zwei neue Kampf­flugzeu­greg­i­menter (Geschwad­er) aufgestellt wer­den. Stan­dorte wer­den ver­mut­lich der Marine­fliegerhorst Chernyakovsk (80km östlich von Kalin­ingrad), auf dem bere­its ein Kampf­flugzeu­greg­i­ment der Marine sta­tion­iert ist sowie der nach jahre­langer Nutzung als Auswe­ich­platz kür­zlich wieder voll reak­tivierte, ehe­ma­lige sow­jetis­che Marine­fliegerhorst Chkalovsk (9km nord­west­lich von Kalin­ingrad).

Bei­de neue Reg­i­menter wer­den wahrschein­lich mit den zurzeit mod­ern­sten rus­sis­chen Kampf­flugzeu­gen Sukhoi Su-30SM aus­gerüstet. Bei diesen Flugzeu­gen han­delt es sich um die erst vor weni­gen Jahren bei der rus­sis­chen Luft­waffe einge­führte neueste Vari­ante der Su-30 Flanker-C. Sie sind als Mehrzweck-Kampf­flugzeuge konzip­iert sowohl als Langstreck­en­ab­fangjäger und Luftüber­legen­heit­sjäger als auch als tak­tis­ch­er Jagdbomber (mit Seeziel-FK) ein­set­zbar.

2016 war eine Bestel­lung von 28 bis Ende 2018 zu liefer­n­den Su-30SM für die rus­sis­che Marine bekan­nt gewor­den. Zwei erste Flugzeuge wur­den im Mai dieses Jahres in Chernyakovsk an die Baltische Flotte übergeben. Die mod­er­nen Kampf­flugzeuge wer­den die Fähigkeit­en der Baltischen Flotte zu „Anti-Access, Area-Denial“ bis weit in die mit­tlere Ost­see hinein erweit­ern.

Ka-52 Alli­ga­tor (Foto: Kamov)Deutliche Ver­stärkung soll auch die Hub­schrauberkom­po­nente der Baltischen Flotte erfahren. Das auf dem Marine­fliegerhorst Chakalovsk sta­tion­ierte 125. Unan­hängige Hub­schraubergeschwad­er soll noch in diesem Jahr als erste Ein­heit der rus­sis­chen Marine Kampfhub­schrauber Mi-28N Hav­oc and Ka-52 “Alli­ga­tor” erhal­ten.

Diese zu den mod­ern­sten rus­sis­chen Kampfhub­schraubern gehören­den Typen waren bish­er der rus­sis­chen Luft­waffe vor­be­hal­ten. Bei der Baltischen Flotte wer­den die Kampfhub­schrauber wahrschein­lich Marine­in­fan­terie und Küsten­vertei­di­gungstrup­pen unter­stützen.)

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TÜRKEI

Tot­ge­sagte leben bekan­ntlich länger, und bei der türkischen Marine galt dies nun auch für ein Kriegss­chiff.

1994 war die Fre­gat­te „Dun­can“ der PER­RY-Klasse von der US Navy aus­ge­mustert wor­den. 1999 wurde sie als schwim­mendes Ersatzteil­lager für die türkischen Fre­gat­ten des gle­ichen Typs an die türkische Marine verkauft. Im März dieses Jahres war der Rumpf des weit­ge­hend abgerüsteten Schiffes durch den Bosporus in Rich­tung Schwarzes Meer geschleppt wor­den. Farb­markierun­gen ließen auf eine let­zteSinkEx besiegelt Schick­sal der ex-‘Duncan’ (Foto: türk. Marine) Nutzung als Zielschiff bei der jährlichen Haup­tübung „Deniz Yildizi“ der türkischen Marine erwarten. Tat­säch­lich melde­ten einige Medi­en auch die Versenkung der ex-„Duncan“ bei der zwis­chen dem 29. März und 9. April stattge­fun­de­nen Übung.

Die türkische Marine hielt sich allerd­ings bedeckt, gab auch keine bei solch einem spek­takulären Ereig­nis üblichen Fotos her­aus. Inzwis­chen ist klar, warum. Die ex-„Duncan“ war im Früh­jahr noch nicht versenkt wor­den. Ob sie bei „Deniz Yildizi“ gar nicht als Zielschiff diente, oder aber unver­mutet dem Beschuss aus diversen Waf­fen wider­standen hat­te, blieb eben­so offen, wie die Frage, wo sie denn die let­zten Monate ver­bracht hat.

Was vor gut einem hal­ben Jahr nicht geschah oder gelang, wurde nun aber nachge­holt. Am 4. Okto­ber schick­te ein vom U-Boot „Sakarya“ (PRE­VEZE-Klasse) geschossen­er Tor­pe­do Mk-24 Mod. 2 Tiger­fish die alte Fre­gat­te auf den Grund des Schwarzen Meeres, und dies­mal belegt auch ein offizielles Foto das Ereig­nis. Ob an diesem endgülti­gen SinkEx noch weit­ere Ein­heit­en ihre Waf­fen auf die ex-„Duncan“ abfeuerten, ist aber nicht bekan­nt.

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USA

Angesichts der großen amphibis­chen Kom­po­nente von US Navy/US Marine Corps wird gern überse­hen, dass auch die US Army eine eigene amphibis­che Flotte betreibt.

Flot­ten­hand­büch­er zählen immer­hin acht größere (4.200ts) Lan­dungss­chiffe der BESSON-Klasse sowie 35 etwa 1.000ts große Lan­dungs­fahrzeuge vom Typ LCU 2000 zum Bestand der US Army. Dazu kom­men zahlre­iche kleine und kle­in­ste Lan­dungs­fahrzeuge. Die amphibis­che Kom­pom­nente der US Army dient allerd­ings weniger der Durch­führung amphibis­ch­er Kampflan­dun­gen als vielmehr der Nach­führung von Fahrzeu­gen, Gerät und Per­son­al in einen bere­its gesicherten Brück­enkopf.

Vor allem die kleinen Fahrzeuge sind heute großteils ver­al­tet. 24 Lan­dungs­boote vom Typ LCM-8 stam­men teils noch aus Zeit­en des Viet­nam-Krieges, und sie sollen denn auch durch Neubaut­en erset­zt wer­den. Nach ein­er Auss­chrei­bung hat die in Ore­gon ansäs­sige Vig­or Works Ende Sep­tem­ber gegen vier Mit­be­wer­ber den Zuschlag für das ins­ge­samt fast 1 Mrd. US-Dol­lar (Fes­t­be­trag) teure Vorhaben erhal­ten. Der sich über ins­ge­samt zehn Jahre erstreck­ende Auf­trag bein­hal­tet abschließende Entwick­lung und Bau der neuen Fahrzeuge sowie anfängliche technische/logistische Unter­stützung bei ihrer Nutzung in den ersten Jahren nach Liefer­ung. Zur Anzahl der zu bauen­den Ein­heit­en und zu Liefer­t­er­mi­nen gibt es noch keine offiziellen Angaben. All­ge­mein geht man aber von bis zu 24 Stück mit Liefer­ung ab etwa 2022 aus.

Das Basis­de­sign der als Vig­or MSV(L) — Maneu­ver Sup­port Ves­sel (Light) — beze­ich­neten neuen amphibis­chen Fahrzeuge ent­stand in enger Zusam­me­nar­beit mit der US Army und BMT Defence Ser­vices und sieht ein 3-Bug Ein­rumpf-Fahrzeug. Mit ein­er Länge von 30m wer­den die Neubaut­en deut­lich größer als die alten LCM-8 (22m), und sie sollen auch deren Trans­portka­paz­ität ver­dop­peln. Im Gegen­satz zu den LCM-8 sollen sie auch einen voll gefecht­sklaren schw­eren Kampf­panz­er M1A Abrams (alter­na­tiv zwei Schützen­panz­er „Stryk­er“ oder vier leicht­en Gelän­de­fahrzeuge) and Bord nehmen und — bei ökonomis­ch­er Fahrt­stufe — fast 700km weit trans­portieren kön­nen. Ihre Höch­st­geschwindigkeit wird mit 18Kn (LCM-8; 12 Kn) angegeben.

Das vor­läu­fige Basis­de­sign soll nun in den kom­menden etwa vier Jahren von Vig­or Works und US Army gemein­sam zu einem Pro­to­typen (Fer­tig­stel­lung etwa 2019) und nach dessen erfol­gre­ich­er Erprobung zur Serien­reife weit­er­en­twick­elt wer­den. Im späteren Ein­satz bei der US Army sollen die Neubaut­en dann „Joint Com­bined Arms Maneu­ver“ unter­stützen. In einem Oper­a­tions­ge­bi­et nehmen sie „intra-theater“-Transportaufgaben wahr, ver­brin­gen z.B abseits nutzbar­er Hafen­in­fra­struk­tur Fahrzeuge, Gerät und Per­son­al von vorgeschobe­nen Basen oder von vor einem Brück­enkopf ankern­den großen Sealift-Trans­ports­chif­f­en an einen Strand oder über Flüsse ins Hin­ter­land ein­er Küste.

Kurz­fas­sung
MarineForum Wochenschau vom 13. Oktober 2017
Artikelüber­schrift
Marine­Fo­rum Wochen­schau vom 13. Okto­ber 2017
Erk­lärung
Das Geschehen auf den Welt­meeren in der wöchentlichen Über­sicht
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