MarineForum Wochenschau vom 13. Januar 2017


Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

MarineforumNAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt vom Bürgerkrieg in Syrien und von der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Irak, Syrien bestimmt.

Ein überraschender Besuch des russischen Flugzeugträgers „Admiral Kuznetsov“ vor Tobruk (Libyen) weckt Befürchtungen, dass Russland nach Syrien nun auch auf Libyen blickt. Verbrüderung mit der Ost-Libyschen Gegenregierung der international anerkannten Regierung in Tripolis könnte die nach Vertreibung des IS aus Sirte zumindest vordergründig beruhigte Lage in Libyen erneut destabilisieren.

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschreibung)

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch zu viele Eigeninteressen einzelner Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten bestimmen die Entwicklung. Dennoch wird der IS in Syrien und im Irak zunehmend aus Kerngebieten seines „Kalifats“ zurückgedrängt, auch wenn die vor drei Monaten begonnene Offensive auf Mosul nur langsam vorankommt.

Syrien – Irak: US-geführte Koalition („Operation Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (vor allem auch Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – aktuell vor allem bei der Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen zurzeit nur landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Momentan ist kein US-Flugzeugträger in der Region im Einsatz. Die Führung der Task Force 50 (TF 50) in Operation „Inherent Resolve“ hat der britische Commodore Andrew Burns auf dem Hubschrauberträger „Ocean“ der Royal Navy.

Die im Persischen Golf operierende „Ocean“ kann zwar selbst keine Kampfflugzeuge einsetzen, aber mit ihren Führungs- und Fernmeldesystemen die Einsätze der landgestützt operierenden Koalitionsflugzeuge koordinieren. Sie soll diese Aufgabe bis Februar durchführen, wenn mit der „George H.W. Bush“ Carrier Strike Group der nächste US-Flugzeugträgerverband zu einem geplanten mehrmonatigen Einsatz in der Golfregion eintrifft.

Der seit Ende November im Zuständigkeitsbereich der 5. US-Flotte operierende amphibische Träger „Makin Island“ der US Navy ist am 8. Januar in den Persischen Golf eingelaufen. Er könnte vom nordwestlichen Golf aus an Bord mitgeführte Kampfflugzeuge AV-8B Harrier des US Marine Corps in Luftschläge gegen IS im Irak (Mosul) einbringen.

Bei der Passage der Straße von Hormuz kam es zu einem Zwischenfall, als vier Speedboote der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) mit hoher Fahrt auf das US-Schiff zuhielten.

Der den Transit sichernde US-Zerstörer „Mahan“ warnte zunächst mit Leuchtmunition, aber erst bei Abgabe von Warnschüssen drehten die iranischen Boote ab. Schon im letzten Halbjahr 2016 hatte es ähnliche Zwischenfälle gegeben, bei denen iranische Revolutionsgarden ein alle international akzeptierten Regeln ignorierendes, „unprofessionelles und gefährliches“ Verhalten an den Tag gelegt hatten.

Syrien: Russland – Türkei

Russland nimmt zwar auch islamistische Terrorgruppen ins Visier, macht aber weiterhin keinen Unterschied zwischen Islamisten und Milizen der syrischen Opposition, die gleichermaßen als “Terroristen” gelten. Nach wie vor erfolgen viele russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte in Gebieten, in denen islamistische Milizen nicht aktiv sind. Das US-Pentagon erkennt im Kampf gegen IS „praktisch keinerlei Unterstützung durch Russland“.

Russland und die Türkei haben eine Koordinierung ihrer „Angriffe auf Terroristen“ vereinbart. Die Türkei bekämpft zwar Islamisten, ist daneben aber zugleich im Rahmen ihrer nationalen Kurdenpolitik bemüht, auf Autonomie setzende syrische Kurden (zugleich syrische Rebellen) weit nach Osten in Richtung Irak abzudrängen.

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung russische Intervention)

Die Konfliktparteien im Lande sind ebenso wie ausländische Mächte und Religionsgruppen (Schiiten/Sunniten) weiterhin unfähig, teils auch unwillig zu einer politischen Lösung.

Eine von Russland und der Türkei initiierte Waffenruhe ist sehr brüchig, und noch immer ist unklar, ob in diesem Monat in Kasachstan geplante Friedensgespräche tatsächlich stattfinden können. Mehrere Konfliktparteien, u.a. auch der syrische Machthaber Assad sowie dessen Verbündete Iran und Hisbollah, setzen offenbar vorrangig noch immer auf militärischen Erfolg.

Maritime Aspekte

Der Nordflottenverband um den Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“ hat wie vom russischen Generalstab angekündigt unmittelbar nach den Feierlichkeiten zum orthodoxen Weihnachtsfest das östliche Mittelmeer verlassen und den Rückmarsch in die Heimat angetreten. Zum Verband gehören neben dem Flugzeugträger noch der nukleargetriebene Kreuzer „Petr Velikiy“, der Zerstörer „Severomorsk“ sowie mehrere Hilfsschiffe (Tanker, Bergeschlepper). Möglicherweise begleiten auch nukleargetriebene U-Boote den Verband; aus offenen Quellen lässt sich dies nicht verifizieren, wäre aber nicht ungewöhnlich. Auch Trägerkampfgruppen der US Navy und der französischen Marine werden routinemäßig von U-Booten begleitet.

Der Syrien-Einsatz des Flugzeugträgers war bloße Propagandaaktion, völlig ungeeignet, die operative Lage an Land zu beeinflussen. Russland wollte Fähigkeiten und Willen zu heimatferner „Power Projection From-the-Sea“ demonstrieren – ganz sicher auch Ausdruck eines unter Präsident Putin wachsenden Selbstbewusstseins mit Anspruch auf Anerkennung als „auf Augenhöhe mit den USA“ global operierende Supermacht. Dieses Ziel war für die russische Führung mit kurz nach Eintreffen des Verbandes vor Syrien durchgeführten „koordinierten Schlägen“ einiger weniger Trägerkampfflugzeuge, Fernbombern der russischen Luftwaffe sowie von einer Fregatte geschossenen Marschflugkörpern seit Mitte November „abgearbeitet“.

Danach beschränkte sich der Flugzeugträger mehr oder weniger auf bloße Präsenz. Aus offiziellen Erklärungen von Verteidigungsministerium und Generalstab und auch aus der Berichterstattung russischer Medien war er bis zum nunmehrigen Ablaufen komplett verschwunden. Absturz zweier Trägerkampfflugzeuge und Einsatzrate taugten offensichtlich nicht für Propagandazwecke.

Drei Tage nach Verlassen der Gewässer vor Syrien traf die „Admiral Kuznetsov“ am 11. Januar überraschend vor Tobruk (Libyen) ein. Der Befehlshaber der mit der international anerkannten Regierung in Tripolis verfeindeten ostlibyschen Streitkräfte, Feldmarschall Haftar, wurde zu einem formellen Besuch an Bord begrüßt und führte von dort sogar eine Videokonferenz „zum Thema Terrorismus“ mit dem russischen Verteidigungsminister Shoigu durch.

Vor der syrischen Küste operiert nach dem Abzug des Flugzeugträgerverbandes nun nur noch das Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn). Zu diesem von der Schwarzmeerflotte geführten und routinemäßig zwischen Zypern und der syrischen Küste eingesetzten Verband gehören zurzeit neben einigen Hilfsschiffen als einzige Kampfeinheiten der Zerstörer „Smetliviy“ und der Minensucher „Kovrovets“ (beide Schwarzmeerflotte).

Die zur NATYA-Klasse gehörende „Kovrovets“ hat in der abgelaufenen Woche Schwesterboot „Ivan Golubets“ abgelöst, das nun ebenso wie zur Unterstützung des Flugzeugträgerverbandes aus dem Schwarzmeer ins östliche Mittelmeer verlegte Tanker den Rückmarsch ins Schwarzmeer antreten dürfte.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub der dort eingesetzten russischen Truppen an. Fast täglich passieren Landungsschiffe der russischen Marine (auch der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend.

Nach Abschluss eines zwischenstaatlichen Abkommen mit Syrien zur künftigen Nutzung der russischen Liegenschaften in der Marinebasis Tartus (samt Erweiterung und infrastrukturellem Ausbau) haben sich die Transportfahrten noch intensiviert. Zusätzlich zu Landungsschiffen und Hilfsschiffen der russischen Marine werden inzwischen auch einige gecharterte zivile Frachter und Containerschiffe bei Fahrten nach Tartus erkannt.

CHILE

Die chilenische Marine denkt offenbar an einen Ersatz ihrer FK-Korvetten der CASMA-Klasse (israelischer Typ SA’AR-4) durch Neubauten.

zwei Boote der CASMA-Klasse (Foto: US Navy)Die 58-m-Boote (450ts) waren Anfang der 1970er Jahre in Israel für zunächst die israelische Marine gebaut worden. Im Zuge eines Modernisierungsprogramms verkaufte diese aber schon 1979 bzw 1981 zwei erste Boote samt Bewaffnung (u.a. Seeziel-FK Gabriel) an die chilenische Marine. 1997 folgten noch zwei weitere Boote, von denen eines allerdings nur als schwimmendes Ersatzteilager den Besitzer wechselte und nach und nach „kannibalisiert“ wurde.

Trotz Anfang der 2000er Jahre durchgeführter Modernisierung mit u.a Erneuerung der kompletten Antriebsanlagen sieht die chilenische Marine für die noch drei mehr als 40 Jahre alten Boote „im kommenden Jahrzehnt“ das Ende ihrer Nutzbarkeit erreicht und macht sich denn auch schon Gedanken über ihren Ersatz. Immerhin vergehen zwischen Initiierung eines Beschaffungsprogramms bis zum tatsächlichen Zulauf neuer Kriegsschiffe üblicherweise gut 10 bis 15 Jahre.

Nun hat sich seit der Beschaffung der CASMA-Klasse das operative Einsatzprofil der chilenischen Marine deutlich gewandelt. Nach den durch das internationale Seerechtsabkommen (UNCLOS) geschaffenen Erweiterten Wirtschaftszonen stehen über das unmittelbare Küstenvorfeld hinausgehende, bis ins Südpolarmeer und weit in den Südpazifik reichende Hochseeoperationen im Vordergrund. Nach einer ersten Marktsichtung ist die Marineführung offenbar zum Ergebnis gekommen, dass die neuen Ansprüche erfüllende, größere FK-Korvetten auf dem Gebrauchtsmarkt zurzeit nicht erhältlich sind. Zwar beschaffen viele Marinen solche Schiffe, die aber für einen Weiterverkauf noch zu neu sind. Das Augenmerk der Chilenen richtet sich denn auf vorzugsweise im eigenen Land herzustellende Neubauten, in Kampfkraft und Einsatzoptionen deutlich leistungsfähiger als die alten CASMA/SA’AR-4.

Eine mögliche Nachfolge wird bereits mit der staatlichen ASMAR-Werft diskutiert. Basis könnte das von der deutschen Fassmer entwickelte Design des Offshore Patrol Vessel OPV-80 (PILOTO PARDO-Klasse) werden. Mit 80m Länge und einer Verdrängung von 1.800 ts sind diese OPV deutlich größer als die alten israelischen FK-Korvetten, aber eine von der chilenischen Marine ins Auge gefasste Variante soll sogar noch größer ausfallen. Fachmedien wollen von mit Seeziel- und Flugabwehr-FK bestückten 2.200ts bis 2.600ts großen Mehrzweck-Korvetten erfahren haben.

FRANKREICH

Spaziergänger am Nord-Ostsee-Kanal konnten vor einigen Tagen ein mit der Seitennummer „P 800“ offensichtlich militärisches aber in leuchtendem Rot gestrichenes Schiff bestaunen.

Bei dem Neubau handelt es sich um die von der französischen Marine bestimmte bei der Crist-Werft in Gdingen (Polen) bestellte „Astrolabe“. Die 1990 gegründete Werft hat sich auf Spezialfahrzeuge für die Offshore Industrie (mit besonderem Fokus auf Einsatz in Polargewässern) spezialisiert, und die „Astrolabe“ ist eines solcher Produkte.
die ‚Astrolabe‘ im Nord-Ostsee-Kanal (Foto: Deutsche Marine)
Mit der Seitennummer P-800 ist der Neubau formell als „Patrouillenschiff“ klassifiziert, als Polar Logistic Vessel (PLV) aber wohl eher als Hilfsschiff zu betrachten. Die „Astrolabe“ ist speziell für den Einsatz in antarktischen Gewässern konzipiert. Von der französischen Marine betrieben und mit militärischer Besatzung wird das 72-m-Schiff der Region „Südliche und Antarktische Territorien“ (Terres Australes et Antarctiques Francaises) zugeteilt, soll dort u.a. die französischen Antarktisstationen Dumont d’Urville und Concordia versorgen und Forschungsunternehmen unterstützen, daneben aber auch die Region „patrouillieren“ und SAR-Dienst leisten.

Die polnische Werft hat das Schiff gebaut, aber Endausrüstung und endgültige Fertigstellung der „Astrolabe“ erfolgen bei der französischen Piriou-Werft in Concarneau. Die Übergabe an die französische Marine ist im September geplant. Die „Astrolabe“ könnte also schon im kommenden antarktischen Sommer den Dienst aufnehmen.

INDIEN

Der geplante Ersatz alter Minensucher durch moderne Neubauten entwickelt sich immer mehr zur „unendlichen Geschichte“.

Schon seit mehr als 15 Jahren stehen neue, moderne Minenjagdboote auf der Wunschliste der indischen Marine. Die hochseefähigen Boote sollen die operativen Fähigkeiten über die unmittelbare Heimatregion hinaus erweitern, vor allem aber zwölf alte Minensucher der PONDICHERRY (NATYA)-Klasse ersetzen, die zwischen 1978 und 1988 in der damaligen Sowjetunion gebaut worden waren.

Obwohl der Bedarf der Marine von der Politik immer anerkannt wurde, vergingen im Zuständigkeitswirrwarr verschiedener Instanzen und Behörden mehr als acht Jahre, bis die Beschaffung 2008 endlich international ausgeschrieben werden konnte. Wer nun zügigen Fortschritt erwartete, sah sich einmal mehr enttäuscht. Ortsübliche Bürokratie verzögerte das Projekt erneut, und als im Sommer 2011 endlich die Entscheidung für ein südkoreanisches Design fiel, unterstellte die im Wettbewerb unterlegene italienische Intermarine Korruption. Eine Untersuchung fand dafür zwar keine Beweise, aber das Projekt verschwand erst einmal wieder in den Schubladen des Verteidigungsministeriums.

Ende 2013 wurde die Entscheidung für das südkoreanische Design bestätigt. Mit der dortigen Kangnam wurde der Bau von acht Booten des auch für die südkoreanische Marine entwickelten Designs SK-5000 (YANG YANG-Klasse) vereinbart. Die fast 900 ts verdrängenden 59-m-Hochsee-Minenjagdboote verfügen über modernste Minenjagdausrüstung. Ihre operative Reichweite wird mit 3.000 sm angegeben. Die ersten beiden Boote sollten bei Kangnam in Pusan gebaut werden; die restlichen sechs dann unter einem Technologietransferabkommen bei Goa Shipyard. Bis 2018 wollte man das gesamte Vorhaben abschließen, ja die Marine machte sich sogar Hoffnung, in Wahrnehmung von Optionen letztendlich bis zu 24 dieser Boote beschaffen zu können.

2014 stoppten neue Korruputionsvorwürfe (Nutzung eines nach indischem Recht verbotenen „Zwischenagenten“) das Vorhaben. Kangnam wurde als Auftragnehmer verworfen und entschieden, bis zu 12 neue Minenjagdboote sämtlich unter einem Technologietransferabkommen bei Goa Shipyard bauen zu lassen. Erst im September 2015 lud die Werft internationale Schiffbauer ein, sich in einer bilateralen Joint Venture (ohne weitere Partner) am mit insgesamt etwa 1 Mrd. Euro dotierten Vorhaben zu beteiligen. Mit einer einzigen Ausnahme antworteten die angeschriebenen Werften gar nicht erst, und diese Ausnahme war – die südkoreanische Kangnam. Sie wurde dann auch im März 2016 mit Sondergenehmigung des Verteidigungsministeriums zum Technologietransfer-Partner benannt.

Endlich schien das Vorhaben in trockenen Tüchern, findet sich aber nun erneut in schwierigem Fahrwasser. Plötzlich hat Kangnam Einwände. Zum einen sehen die Südkoreaner Goa Shipyards auch unter einem Technologietransferabkommen nur bedingt fähig, die Boote zu bauen und lehnen auch bei eigener Überwachung des Baus eine Garantie für diese ab. Differenzen gibt es aber wohl vor allem an der für die Südkoreaner unannehmbaren Forderung des indischen Verteidigungsministeriums nach „uneingeschränkten Urheberrechten für das Design“. So weit will Kangnam einen Technologietransfer nun doch nicht verstanden wissen.

USA    

Mit der Ende Dezember veröffentlichten neuen „Surface Force Strategy“ setzt die US Navy auf ein neues Operationskonzept: Sea Control durch „Distributed Lethality“.

Im Mittelpunkt des bisherigen Operationskonzeptes stehen Einsatzverbände um Flugzeugträger (Carrier Strike Groups) oder amphibische Träger (Amphibious Ready Groups). Diese sind zwar kampfstark, aber die bei einem Einsatz in einem räumlich begrenzten Gebiet konzentrierten Einheiten sind für einen Gegner relativ leicht berechenbar und bieten damit auch leichte Ziele. Abseits von CSG oder ARG operierende Einheiten sind dagegen nur bedingt in der Lage in größeren Gebieten Seeherrschaft (Sea Control) herzustellen oder einem Gegner Operationen zu verwehren (Sea Denial). Dauerhafte Erlangung von Sea Control wiederum ist für die US Navy unabdingbare Voraussetzung für andere Ziele mit hoher Priorität: All domain access, Deterrence, Power Projection und Maritime Security.

Im die letzten Jahrzehnte dominierenden Küsten-nahen Seekrieg (Littoral Warfare) spielten diese Nachteile nur eine nachgeordnete Rolle. Krisengebiete und damit Einsatzgebiete waren ohnehin räumlich begrenzt; abseits liegende offene Seeräume relativ unwichtig. Mit Blick auf die Entwicklung der Marinen von China und Russland wird nun aber eine Rückbesinnung auf ozeanische Seekriegführung notwendig, und hier greift das bisherige Konzept nicht mehr greifen. CSG und ARG operieren ohne weiträumige Eigenwirkung und sind unter hoher Bedrohung vor allem erst einmal selbst Ziele. So soll China z.B. einen weit über 1.000km reichenden ballistischen Flugkörper speziell für die Bekämpfung von Flugzeugträgern entwickelt haben.

Schon seit gut zwei Jahren ist denn auch ein neues Operationskonzept im Gespräch, das auf „räumlich verteilte“ (distributed) „tödliche Schlagkaft“ (Lethality) setzt. In diesem Konzept operieren einzelne Kriegsschiffe weit auseinandergezogen und über große Seegebiete verteilt, sind dabei aber in einem Verbund von Sensoren und Waffen eng vernetzt. Die Einheiten aber auch Flugzeuge, Langstreckendrohnen und Satelliten tragen mit ihren Sensoren zu einem umfassenden Lagebild bei, und ein Kriegsschiff kann mit Waffen großer Reichweite auch effektiv (bis hin zu CEC – Cooperative Engagement Capability) in das Gebiet eines anderen, im Netzwerk verbundenen Schiffes hineinwirken. Dabei können z.B. von einem Zerstörer gelieferte Daten durchaus Grundlage des Einsatzes eines amphibischen Verbandes sein. Große Seegebiete werden so kontrolliert, ohne dass ein Gegner in der Lage ist, Ziele „höchster Bedrohung“ zu identifizieren, zu selektieren und schließlich zu bekämpfen.

Das neue Konzept erfordert neben weit reichenden Sensoren und Fähigkeiten zu einem Systemverbund über ozeanische Entfernungen auch neue Offensiv- und Defensivwaffen. Bei Offensivfähigkeit sind Waffensysteme (Flugkörper) gefordert, die weit über den eigenen Ortungshorizont hinaus mit von fremden Sensoren erfassten und übermittelten Daten ein Ziel bekämpfen können. Zugleich wächst für die als Einzelfahrer operierenden Kampfschiffe die Notwendigkeit zu effektiver Eigenverteidigung gegen Bedrohungen aus der Luft, von See und von U-Booten – auch für den Fall eines Ausfalls des Netzwerkverbundes. Größter Handlungsbedarf wird denn auch bei Waffen und Sensoren mit erhöhter Offensiv-Reichweite, integrierter Luftraumverteidigung/Raketenabwehr, verbesserter Lagebilderstellung (battlespace awareness) und Zielzuweisung, sowie Ausbildung zu extrem kurzen Reaktionszeiten gesehen.

Man mag nun argumentieren, dass mit dem Konzept „Distributed Lethality“ die traditionellen Flugzeugträgerverbände oder amphibischen Einsatzgruppen von minderer Bedeutung sind, ja vielleicht sogar verzichtbar werden könnten. Solchen Überlegungen erteilt der Befehlshaber der Überwasser-Seestreitkräfte der US Navy aber eine klare Absage. Zum einen würde auch unter neuer Hinwendung zu ozeanischer Seekriegführung das Konzept „From the Sea“ nicht obsolet. Nach wie vor müsse man von See her auf Krisen und Konflikte an Land reagieren können. Überdies spiele im Vorfeld eines Konfliktes die Verlegung einer Carrier Strike Group nicht zuletzt schon als politisches Signal und zur Abschreckung eine wesentliche Rolle, auch wenn der Verband dann in einem scharfen Konflikt mit einem zu Hochseekriegführung fähigen Gegner (wie China oder Russland) verwundbar sei.