MarineForum Wochenschau vom 10. März 2017


NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt vorrangig vom Bürgerkrieg in Syrien und von der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Irak und Syrien bestimmt. Daneben gibt es aber natürlich auch Meldungen zu anderen (maritimen) Ereignissen oder Entwicklungen in der Region.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

Marineforum

IRAN

Erneut bedrängten Wachboote der iranischen Revolutionsgarden (IRGC Pasdaran See) ein Schiff der US Navy bei der Passage der Straße von Hormuz. Das gemeinsam mit einigen britischen Einheiten fahrende Satelliten-/Raketenflugbahn-Vermessungsschiff „Invincible“ des Military Sealift Command der US Navy sah sich im Fahrwasser der Meerenge zu einem Ausweichmanöver genötigt, als die Boote „in bedrohlicher Art“ direkt auf es zuhielten und auch auf Funkanrufe nicht reagierten.

In staatlichen iranischen Medien warf ein Kommandeur der Revolutionsgarden später dem Kommandanten des US-Schiffes mit seinem Ausweichmanöver „unprofessionelles, sicherheitsgefährdendes Verhalten“ vor. Überdies erklärte das iranische Außenministerium, da die iranischen Revolutionsgarden für die Sicherheit in der Meerenge verantwortlich seien, hätten „in Einklang mit internationalem Recht“ alle passierenden Schiffe im Funkverkehr ausschließlich die iranische Sprache (Farsi) zu nutzen. Dass diese sich ncht unter den international üblichen Welt-Verkehrssprachen findet, scheint in Teheran niemanden zu stören.

Im „Nachklapp“ zur kürzlichen Großübung „Velayat 95“ der iranischen Marine führten Raketentruppen der Revolutionsgarden zwei Testschießen mit ballistischen Flugkörpern gegen Seeziele durch. Zunächst wurde am 4. März eine Kurzstreckenrakete „Fateh-110“ über eine Distanz von 250km auf ein vor der iranischen Küste im Golf von Oman verankertes Ziel geschossen; am 9. März fand ein zweiter Schuss in vermutlich das gleiche Zielgebiet statt, diesmal mit einer Kurzstreckenrakete „Hormuz-2“. Beide Raketen sollen ihre Ziele „präzise getroffen“ haben.

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschreibung)

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch zu viele Eigeninteressen einzelner Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten bestimmen die Entwicklung.

Dennoch zeichnet sich im Kampf gegen den IS in Syrien eine „vorsichtige Kooperation“ zwischen den Russland, der Türkei und den USA ab – auch wenn Russland und die Türkei in Syrien abseits der Terrorbekämpfung unverändert eigene, nationale Ziele verfolgen.

Vermutlich auch in Vorwegnahme von Entscheidungen des US-Präsidenten Trump zu einer „neuen Syrien-Strategie“ trafen sich am 7. März in Antalya (Türkei) die Streitkräftechefs der Türkei, Russlands und der USA, um die Lageentwicklung in Syrien und Möglichkeiten einer begrenzten Kooperation und „De-Conflicting“ (Vermeidung ungewollter Zusammenstöße) zu diskutieren. Nur einen Tag später gab das US-Verteidigungsministerium die Verlegung einer 400 Mann starken Artillerie-Einheit des US Marine Corps nach Syrien bekannt. Die mit 25km weit reichenden Haubitzen ausgerüstete Truppe soll syrischen (Oppositions-)Milizen aktive Feuerunterstützung bei der Vertreibung des IS aus seiner syrischen Hochburg al Raqqa geben. Bisher waren in Nordsyrien etwa 500 US-Soldaten (US Army; Special Forces) als „Berater“ syrischer kurdischer Milizen im Einsatz.

Syrien – Irak: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (vor allem auch Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – aktuell vor allem bei der Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen US-Trägerkampfflugzeuge, sowie landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Noch immer ist kein US-Flugzeugträger im Persischen Golf im Einsatz. Die „George H.W. Bush“ Carrier Strike Group führt seit dem 13. Februar aus dem östlichen Mittelmeer heraus Luftschläge gegen IS-Ziele in Irak und Ostsyrien durch. In den US-Verband integriert ist die dänische Fregatte „Peter Willemoes“; sie soll ihn bis Mitte Mai begleiten.

Allgemein war erwartet worden, dass die „Bush“ CSG nach einer Ende Februar in Souda Bay (Kreta, Griechenland) durchgeführten Nachversorgung in den Persischen Golf verlegen würde. Der Flugzeugträger wird inzwischen (zuletzt am 8. März) jedoch wieder im östlichen Mittelmeer bei weiteren Luftschlägen gegen IS gemeldet.

Syrien: Russland – Türkei

Russland macht weiterhin keinen wirklichen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen; alle gelten gleichermaßen als “Terroristen”. Nach wie vor erfolgen russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte auch in Gebieten, in denen keine islamistischen Milizen aktiv sind. Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS im Rahmen ihrer nationalen Kurdenpolitik vor allem bemüht, auf Autonomie setzende syrische Kurden (zugleich von den USA unterstützte syrische Rebellen) möglichst weit nach Osten in Richtung Irak abzudrängen.

Nach der gemeinsam von Russland und der Türkei im Bürgerkrieg ausgehandelten Feuerpause scheinen die Luftwaffen beider Staaten Freiräume zu finden, der Bekämpfung des IS nun aber vermehrt Priorität zu geben, koordinieren wohl auch einen Teil ihrer Einsätze.

JEMEN: Kampf gegen AQAP – Al Qaeda on the Arabian Peninsula

Der amphibische Träger „Makin Island“ der US Navy wird nur vage „im Operationsgebiet der 5. US Flotte“ gemeldet. Einiges spricht aber dafür, dass er im Golf von Aden operiert und mit eingeschifften Kampfflugzeugen AV-8B Harrier und/oder Kampfhubschraubern AH-1 Cobra des US Marine Corps‘ in Luftschläge gegen den an der jemenitischen Südküste aktiven, örtlichen Ableger der Terrororganisation al-Kaida eingebunden ist.
Harrier startet von der ‚Makin Island‘ (Foto: US Navy)
Für die seit Mitte Oktober verlegte „Makin Island“ Amphibious Ready Group (ARG) nähert sich allmählich das Ende ihres 6- bis 7-monatigen Einsatzes. Ablösung ist auch schon auf dem Weg. Die „Bataan“ ARG mit dem amphibischen Träger „Bataan“ und den Docklandungsschiffen „Mesa Verde“ und „Carter Hall“ hat bei ihrem Marsch über den Atlantik am 7. März bei den Azoren das Zuständigkeitsgebiet der 6. US-Flotte erreicht. Bei „zügiger Durchfahrt“ könnte die Einsatzgruppe Ende März im Golf von Aden eintreffen, aber möglicherweise stehen auf dem Wege dorthin noch Übungen auf dem Programm.

 

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung russische Intervention)

Eine auf Initiative Russlands, der Türkei und des Iran vereinbarte Feuerpause wird nur dort eingehalten, wo Oppositionsgruppen ihr auch ausdrücklich zugestimmt haben. Andernorts gehen die Kämpfe weiter, und islamistische Gruppen wie IS und al-Nusra bleiben ohnehin ausgeklammert.

Bei den unter UN-Führung am 23. Februar in Genf durchgeführten neuen Friedensgesprächen hat es wie erwartet keinen Durchbruch gegeben. Unverändert sind nur wenige Konfliktparteien bereit, für eine politische Lösung irgendwelche Kompromisse einzugehen und Abstriche an eigene Forderungen zu machen. Immerhin einigte man sich aber auf eine Tagesordnung für eine „Ende März“ geplante weitere Gesprächerunde. Ziel der Genfer Gespräche ist die Vereinbarung von Rahmenbedingungen für eine politische Übergangslösung bis hin zu freien Wahlen.

Neue Gespräche soll es am 20. März auch in Astana (Kasachstan) geben. Hier steht aber keine umfassende politische Lösung auf der Agenda, sondern „nur“ der Versuch, die fragile Feuerpause in einen dauerhaften, formellen Waffenstillstand zu überführen.

Maritime Aspekte

Im östlichen Mittelmeer operiert das Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine. Zu diesem von der Schwarzmeerflotte geführten und routinemäßig zwischen Zypern und der syrischen Küste eingesetzten Verband gehören zurzeit neben einigen Hilfsschiffen als Kampfeinheiten nur die Fregatte „Admiral Grigorovich“ und der Minensucher „Kovrovets“ (beide Schwarzmeerflotte). Die Fregatte hat am 6. März formell den Zerstörer „Smetliviy“ in der MedSqn abgelöst und dürfte aktuell den US-Flugzeugträger „George HW Bush“ im östlichen Mittelmeer beschatten. Der abgelöste Zerstörer kehrte ins Schwarze Meer in seinen Heimathafen Sewastopol zurück.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub der dort eingesetzten russischen Truppen an. Nach Abschluss eines zwischenstaatlichen Abkommen mit Syrien zu einer erweiterten Nutzung der russischen Liegenschaften in der Marinebasis Tartus (samt infrastrukturellem Ausbau) haben sich die Transportfahrten noch intensiviert. Fast täglich passieren Landungsschiffe der russischen Marine (auch der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend.

 

INDIEN

Im Februar 2016 hatte indische Marine ihren Flugzeugtgräger „Viraat“ aus dem aktiven Dienst genommen; am 6. März wurde das Schiff nun formell ausgemustert.

Das 1959 in Dienst gestellte 30.000 ts große Schiff hatte bis 1984 als HMS „Hermes“ bei der britischen Royal Navy gedient, wurde dann 1986 von der indischen Marine gekauft und in „Viraat“ umbenannt.

Schon seit Jahren war die Indiensthaltung problematisch. Zum einen reflektierte der Flugzeugträger, der neben Hubschraubern auch Kampfflugzeuge Harrier einsetzte, immer weniger den aktuellen Stand der Technologie. Zum anderen aber wurden Instandsetzungen immer häufiger notwendig, und sie wurden bei zunehmend kritischer Ersatzteillage für die sehr alten Anlagen auch immer teurer.

Natürlich war die „Viraat“ vor ihrem Transfer in Großbritannien noch einmal gründlich überholt und in Teilen auch modernisiert worden. Nach 13 Dienstjahren bei der indischen Marine wurden in einer zweijährigen Werftliegezeit zur „Life Extension“ praktisch alle Anlagen und Einrichtungen noch einmal gründlich überholt und modernisiert. Flugbetriebseinrichtungen, darunter auch Hangar und Flugzeugfahrstühle wurden den Erfordernissen moderner Kampfflugzeuge angepasst; das Schiff erhielt ein neues weitreichendes Überwachungsradar und modernste Fernmelde- und Führungssysteme.

Bei Abschluss der Werftliegezeit (2001) war die indische Marine optimistisch, die „Viraat“ nun problemlos weitere „mindestens zehn Jahre“ einsetzen zu können. Nur drei Jahre später musste der Flugzeugträger begleitet von Gerüchten über einen „kompletten technischen Zusammenbruch“ schonn wieder für fast ein Jahr in die Werft. Spätestens nun war der indischen Marine klar, dass die Tage des Veteranen gezählt waren. Sie plante nur noch für weitere fünf Jahre mit der „Viraat“, wollte sie 2009 durch die in Russland gebraucht gekaufte „Admiral Gorshkov“ ersetzen. Deren Übernahme verzögerte sich unter technischen Problemen und Finanzstreitigkeiten allerdings immer wieder. Erst 2013 konnte die indische Marine den ex-russischen Flugzeugträger als „Vikramaditya“ in Dienst stellen.

Damit wäre nun eigentlich der Zeitpunkt gekommen gewesen, die immer wieder verlängerte Dienstzeit der „Viraat“ zu beenden, aber man mochte sich noch nicht trennen. Der Verteidigungsminister meinte, das alte Schiff könne durchaus noch drei Jahre durchhalten. Anfang 2016 bot dann aber ein vor der Ostküste bei Visakhapatnam durchgeführten “International Fleet Review” den würdigen Rahmen, den 57 Jahre alten Veteranen (und kurz danach auch die trägergestützten Kampfflugzeuge Harrier) aus dem aktiven Dienst zu verabschieden.

‚Final Sunset Ceremony‘ für die ‚Viraat‘ (Foto: ind. Marine)Fast genau ein Jahr später wurde die „Viraat“ nun formell ausgemustert. An der „Final Sunset Ceremony“ im Naval Dockyard in Mumbai nahmen neben 1.300 früheren Besatzungsmitgliedern incl. dem ersten indischen Kommandanten der „Viraat“ u.a. auch Indiens Verteidigungsminister, Marinechef Admiral Lanba und der britische First Sea Lord Admiral Sir Philip Jones teil.

Die Zukunft des alten Flugzeugträgers ist noch unklar. Pläne zur weiteren Verwendung als Museumsschiff mit Nebenfunktion als schwimmendes Hotel und Konferenzzentrum scheiterten an finanziellen Fragen; die indische Marine mochte sich nicht wie vom Unternehmer gefordert zur Hälfte an den Kosten beteiligen. Eine zurzeit überlegte, mögliche Alternative zur Verschrottung ist die Versenkung vor der indischen Küste als künstliches Riff. Als Attraktion für Sporttaucher könnte der alte Flugzeugträger so sein Andenken bewahren.
Ohne die „Viraat“ muss sich die indische Marine einige Jahre mit der „Vikramaditya“ als einzigem Flugzeugträger bescheiden. Frühestens 2018, vermutlich aber wohl doch erst ab 2020 soll mit der zurzeit in Goa ausgerüsteten „Vikrant“ der erste indische Flugzeugträger-Eigenbau die Nachfolge der „Viraat“ antreten.

 

RUMÄNIEN

NATO

Im westlichen Schwarzmeer hat die von Rumänien ausgerichtete multinationale Übung „Poseidon 2017“ begonnen.

Übungen dieser auf den Themenbereich Minenabwehr fokussierten Serie sind noch neu. Ein erstes „Poseidon“ fand erst 2015 noch als bilaterale Übungen der rumänischen und der bulgarischen Marine statt. Beide Marinen beschlossen, die Serie als jährliches Vorhaben fortzuführen, wobei sie sich jeweils als Ausrichter abwechselten. Nach dem vor Bulgarien durchgeführten „Poseidon 2016“ findet sich nun wieder Rumänien in der Gastgeberrolle.

Die ursprünglich rein bilaterale Übung hat sich schnell zu einem multinationalen Vorhaben erweitert. In diesem Jahr sind vom 5. bis 13. März bei der aktiven Phase insgesamt 17 Schiffe/Boote aus sieben NATO-Marinen (Rumänien; Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Polen, Spanien, Türkei) mit von der Partie, unter ihnen die vier Einheiten des zurzeit von Polen geführten Ständigen NATO-Einsatzverbandes SNMCMG-2.

Nach einer Hafenphase in Konstanta steht bei den aktiven Übungen vor der rumänischen Küste im westlichen Schwarzmeer erneut Minenabwehr (Schaffen sicherer Seeverkehrsrouten durch Suche und Neutralisation von Seeminen) im Mittelpunkt. Besonderer Wert wird dabei auf die Zusammenarbeit aller Teilnehmer nach NATO-Standards und unter Beachtung von NATO-Verfahren gelegt. Für die rumänische Marine ist „Poseidon 2017“ auch Teil der Vorbereitung und Zertifizierung für die in 2018 wahrzunehmende Rolle in der NATO Response Force (NRF).

 

RUSSLAND

2016 war der Beginn einer fälligen Grundüberholung des Flugzeugträgers „Admiral Kuznetsov“ für März 2017 angekündigt worden.

Schon direkt nach Rückkehr von seinem Einsatz vor Syrien sollte der einzige Flugzeugträger der russischen Marine zur Zvezdochka-Werft ins Weiße Meer verlegen. So schnell geht es nun aber doch nicht. Zurzeit ist man noch damit beschäftigt, den genauen Arbeitsumfang und die damit verbundenen exakten Kosten der Grundüberholung und Modernisierung zu ermitteln; grob veranschlagt werden umgerechnet etwa 320 Mio Euro.

Zu den genannten Arbeiten gehört ein Austausch von vier der acht Kessel der Dampfantriebsanlage; die anderen vier sollen im Schiff verbleiben, bedürfen aber einer Instandsetzung. Im Rahmen der Modernisierung ist die Installation neuester Elektronik-, Funk-, Aufklärungs-, Navigations- und Gefechtsführungssysteme geplant. Einer Quelle zufolge steht auch eine Einrüstung moderner Waffen auf der Agenda. Wie die meisten Flugzeugträger anderer Marinen verfügt die „Admiral Kuznetsov“ über primär zur Eigenverteidigung gedachte Waffensysteme wie Nahbereichs-Flugabwehr-FK (SA-N-9) und Nah-/Nächstbereichs-Abwehrsysteme („Close-in-Weapon-System“ Kashtan; 30-mm AK-630). Hier dürfte ein Ersatz von SA-N-9 durch eine Marinevariante der bodengestützten SA-15 Gauntlet sowie von Kashtan durch zurzeit neu für die Marine entwickelte Pantsir M zu erwarten sein.

Daneben trägt die „Admiral Kuznetsov“ aber auch zwölf mehr als 400km weit reichende, überschallschnelle und bei Bedarf nuklear bestückbare Seeziel-FK SS-N-19. Hier könnte eine Umrüstung auf bei der russischen Marine zunehmend Standard werdende Marschflugkörper Kalibr oder zurzeit entwickelte, überschallschnelle (Mach 5) Seeziel-FK Tsirkon geplant sein.

Die Zusammensetzung der fliegenden Komponente mit Mig-29K Fulcrum-D, Su-33 Flanker-D und diversen Hubschraubern soll auch in der Zukunft beibehalten werden. Geplant sind allerdings „neue Sicherheitssysteme für die Landung der bordgestützten Flugzeuge“. Hier spielen vermutlich Erfahrungen aus dem Syrien-Einsatz eine Rolle, bei dem zwei Flugzeuge nach Problemen mit der Landefanganlage ins Meer stürzten und versanken.

Für die exakte Ermittlung von Arbeiten und Kosten werden bis zu zwei Monate veranschlagt. Die Entscheidung über Beginn und Umfang der Grundüberholung und Modernisierung der „Admiral Kuznetsov“ soll bis Anfang Juli fallen, und erst dann kann die Werft auch mit einem formellen Auftrag rechnen. Die Marineführung geht davon aus, dass alle Arbeiten binnen zweieinhalb Jahren abgeschlossen werden und der einzige Flugzeugträger der russischen Marine ab 2020 wieder operativ einsatzklar wird. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, scheint angesichts der derzeit bei fast allen Rüstungsprojekten der russischen Marine zu verzeichnenden, teils mehrjährigen Verzögerungen eher fraglich.

 

SÜDAFRIKA

DEUTSCHLAND

Die ersten sechs bilateralen südafrikanisch-deutschen Übung „Good Hope“ fanden vor Südafrika statt; bei „Good Hope VII“ ist in diesem Jahr Deutschland Gastgeber, und die Ostsee ist Schauplatz des Geschehens.

Den Rahmen für „Good Hope VII“ bildet eine Europareise der südafrikanischen Fregatte „Amatola“. Das in Deutschland gebaute und vor 12 Jahren in Dienst gestellte Schiff vom Typ MEKO A200 SAN hatte sich dazu Mitte Februar auf den Weg gemacht. Erstes Ziel war Großbritannien wo in der Devonport Naval Base (Plymouth) die Absolvierung eines etwas verkürzten Basic Operational Sea Training (BOST) der britischen Royal Navy auf dem Programm stand.

Durch die Nordsee ging es dann nach Kiel, wo die „Amatola“ am 27. Februar an der Tirpitzmole festmachte. Nach einer „Pre Sail Conference“ mit Absprache letzter Übungsdetails begannen die insgesamt 14-tägigen Übungen in See. „Good Hope VII“ ist dabei in mehrere Phasen aufgeteilt und wird im Verlauf zunehmend anspruchsvoller. Unterschiedlichste Übungsszenarien zu Flugabwehr, Seezielbekämpfung, Schadensabwehr, Mann-über-Bord-Manövern oder Versorgung in See fordern Schiffe und Besatzungen, bis alle Teilnehmer schließlich in der Abwehr mehrdimensionaler Bedrohungen als sogenannte „Combined Task Group“ effektiv gemeinsam handeln können. Für die Südafrikaner ist dabei vor allem auch Interoperabilität unter NATO-Verfahren wichtig, ist sie doch zunehmend auch in afrikanischen Gewässern bei Anti-Piraterie-/Maritime Security Operations gefordert, sich in nach NATO Standards geführte und operierende internationale Verbände zu integrieren.

Neben der „Amatola“ und dem von der Deutschen Marine als „Host Ship“ abgestellten Einsatzgruppenversorger „Bonn“ nehmen noch die Fregatte „Augsburg“ und ein Seefernaufklärer P3-C Orion an „Good Hope VII“ teil. Zeitweilig werden aber auch noch weitere deutsche Einheiten – so wie verfügbar – in die Übung eingebunden. So waren in den ersten Übungstagen z.B. die neue Fregatte „Baden-Württemberg“ und die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ beteiligt, und sogar für die in Kiel gebaute neue Fregatte „El Moudamir“ der algerischen Marine bot „Good Hope VII“ wenige Wochen vor ihrer geplanten Überführung Gelegenheit zu operativem Training in multinationalem Umfeld.

Mitte März geht „Good Hope VII“ zu Ende, und die „Amatola“ wird sich dann wieder auf den langen Heimweg machen. Am 19. April wird die Fregatte im Heimathafen Simonstown (bei Kapstadt) zurück erwartet.

 

USA

Einen Monat nach der humanitären Operation „Continuing Promise 2017“ (CP17) in der Karibik, hat die US Navy im Pazifik das Gegenstück „Pacific Partnership 2017“ (PP17) begonnen.

„Humanitarian and Civic Assistance Missions” wie „Continuing Promise“ und „Pacific Partnership“ sollen das politische Interesse der USA an den Regionen und die Selbstverpflichtung der US-Navy zur Unterstützung der besuchten Länder unterstreichen. Gerade der abseits üblicher militärischer Ausbildungsunterstützung und Rüstungshilfe stattfindenden humanitären Hilfe (medizinischen Betreuung) der zivilen Bevölkerung wird dabei eine ganz besondere Bedeutung beigemessen.

Wie bereits bei CP17 verzichtet die US Navy in diesem Jahr auch bei PP17 auf den Einsatz eines großen Hospitalschiffes und setzt stattdessen auf einen vom Military Sealift Command betriebenen Hochgeschwindigkeits-Katamaran (Expeditionary Fast Transport vessel – EPF). T-EPF-1 „Spearhead“ (bei CP17) und T-EPF-4 „Fall River“ (bei PP17) bieten natürlich nicht die gleichen Kapazitäten wie z.B. das große Hospitalschiff „Comfort“, das 2015 im Rahmen von CP-15 mehr als 130.000 Patienten versorgte. Aber auch sie sind mit einem modular eingerüsteten Bordhospital und containerisierten, schnell aufzubauenden Landanlagen gut vorbereitet, von ambulanten Behandlungen bis zu Operationen ein breites Spektrum medizinischer Leistungen abzudecken. Im Gegensatz zu den früheren Einsätzen der großen Hospitalschiffe werden CP-17 und PP-17 aber auch nur knapp drei Monate dauern und nur jeweils drei „Mission-Stops“ beinhalten (früher 5-6 Monate mit bis zu 10 „Mission Stops“).

Die „Fall River“ lief nach Überquerung des Pazifik, Zwischenversorgung und Einschiffung letzter Spezialisten aus Australien, Großbritannien, Japan und Südkorea am 2. März zu ihrem Einsatz aus Singapur aus. Fünf Tage später begann sie traf sie zu ihrem ersten „Mission Stop“ in Hambantota auf Sri Lanka ein.

Erstmals überhaupt ist ein südasiatisches Land Ziel von „Pacific Partnership“; alle frühere Einsätze hatten sich auf den Südpazifik und Südostasien beschränkt. Bis zum 18. März soll der Katamaran in Sri Lanka der Bevölkerung medizinische Hilfe bringen und mit eingeschifftem Personal und Material bei kommunalen Infrastrukturprojekten helfen. Danach stehen dann noch zwei ebenfalls jeweils etwa zehn Tage dauernde „Mission Stops“ in Malaysia und Vietnam auf dem Programm der „Fall River“.

 

USA

Repräsentantenhaus und Senat haben sich für das (schon am 1. Oktober begonnene) laufende Haushaltsjahr 2017 auf eine „Defense Appropriations Bill“ verständigt.

Für die US Navy sieht der noch formell als Gesetz zu verabschiedende Entwurf eine Erhöhung der Ausgaben für Neubauten um US$ 2.8 Mrd auf insgesamt US$ 21,2 vor – ein Aufwuchs von 13 Prozent, der nicht zuletzt signalisiert, dass man es mit dem von Präsident Trump propagierten Flottenprogramm durchaus ernst meint. Damit soll der Baubeginn von zehn neuen Schiffen/U-Booten finanziert werden; drei mehr als noch im Entwurf der Obama-Regierung gefordert. Auf der Liste finden sich zwei U-Boote der VIRGINIA-Klasse, je drei Zerstörer ARLEIGH BURKE und Littoral Combat Ships, ein amphibischer Träger sowie – überraschend – ein 13. Docklandungsschiff der SAN ANTONIO-Klasse. Für dieses bisher in keiner Planung erschienene Schiff wurden im Budgetentwurf 2017 sogar schon die Gesamtkosten von US$ 1,8 Mrd „locker gemacht“.

Der Budgetentwurf beinhaltet überdies Vorschüsse zur Finanzierung von Entwicklung bzw. Bau vorgefertigter Teile neuer nuklear-strategischer U-Boote der COLUMBUS-Klasse (OHIO Replacement) und des dritten neuen Flugzeugträgers „Enterprise“ sowie für beschleunigten Bau eines Arktis-tauglichen großen Eisbrechers.