MarineForum Wochenschau vom 07. April 2017


NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt vorrangig von der Bekämpfung des islamistischen Terrors und von den Bürgerkriegen in Syrien und Jemen bestimmt. Der US-Luftschlag gegen einen Flugplatz der syrischen Luftwaffe birgt für die gesamte Region das Risiko einer Eskalation.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.
Marineforum

SYRIEN (US-Intervention)

Mit dem als Vergeltung für den Einsatz chemischer Kampfstoffe durchgeführten Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt haben sich die USA erstmals offen militärisch im syrischen Bürgerkrieg (s.u.) engagiert. Die USA mag ihre Aktion überwiegend als „einmaliges Signal“ betrachten; die daraus resultierende weitere politische wie militärische Entwicklung bleibt allerdings abzuwarten, und eine die gesamte Region erfassende Eskalation ist nicht auszuschließen.

Immerhin zählen der Iran und die libanesische Hisbollah zu den engsten Verbündeten Syriens, kämpfen an der Seite syrischer Regierungstruppen in Syrien. Mit deutlich erhöhten regionalen Spannungen bis hin zu Zwischenfällen am Persischen Golf (Straße von Hormuz), vielleicht auch im syrisch-türkischen Grenzgebiet oder an der libanesisch-israelischen Grenze (Hisbollah) ist zu rechnen. Sämtliche Regionalstaaten dürften ihre Streitkräfte in deutlich erhöhte Alarmbereitschaft versetzt haben.

JEMEN (Bürgerkrieg)

Der Bürgerkrieg der vom Iran unterstützten schiitischen Houthi-Rebellen gegen die von einer saudi-arabisch geführten Koalition unterstützte Regierung erhält im südlichen Roten Meer und der Meerenge des Bab el Mandeb zunehmend auch eine maritime Dimension.

Houthi Rebellen haben in mehreren Zwischenfällen ihre Fähigkeit demonstriert, mit aus dem Iran gelieferten ferngelenkten Sprengbooten und Flugdrohnen Schiffe in See zu bekämpfen. Auch haben sie bei ihrer Verdrängung aus dem Küstengebiet um Mokha (Mocha) die Zufahrten zum dortigen Hafen mit Seeminen blockiert. Die saudi-arabische Marine hat vor Mokha auch schon mehrere Minen geräumt. Es besteht die Befürchtung, dass einige Minen abtreiben und auch dann in der nahen Meerenge des Bab-el-Mandeb (geostrategische Schlüsselposition) den internationalen Seeverkehr beeinträchtigen könnten.

Vor diesem Hintergrund – und angesichts des iranischen Engagement im jemenitischen Bürgerkrieg – plant die US-Regierung unter Präsident Trump eine „deutlich stärkere Rolle“ im Konflikt. Medien berichten von Plänen zu militärischer Intervention (Luftschläge, keine Bodentruppen) an der Küste des Roten Meeres, im Bereich von Hodeidah (Al Hudaydah). Aktuell werden südlich und nördlich dieses Hafens, der für die Houthi nach ihrer Vertreibung aus Mokha zentrale Bedeutung als logistische Basis (Waffenschmuggel) hat, auch bereits Koalitionstruppen zusammengezogen. Die US Navy soll darüber hinaus vermehrt im südlichen Roten Meer operieren, um die Houthi von der Versorgung mit iranischen Waffen und Munition abzuschneiden.

Eine Rolle könnte dabei die „Bataan“ Amphibious Ready Group (ARG) der US Navy mit eingeschifften Kampfflugzeugen AV-8B Harrier und/oder Kampfhubschraubern AH-1 Cobra des US Marine Corps’spielen. AH-1 Cobra (Foto: US Navy)Der aus Norfolk verlegte amphibische Träger „Bataan“ hat am 23. März den Suezkanal in Richtung Rotes Meer passiert, wird aber seitdem nur noch vage „im Operationsgebiet der 5. US-Flotte“ gemeldet.

JEMEN (islamistischer Terror)

Die Bürgerkriegswirren haben dem al-Kaida-Ableger AQAP (Al-Qaeda on the Arabian Peninsula) Freiraum gegeben, seine Präsenz im Jemen zu festigen. Ein räumlicher Schwerpunkt ist die jemenitische Südküste am Golf von Aden (Gebiet um Mukallah), aber AQAP ist auch im jemenitischen Binnenland präsent. In der Region präsente US-Kräfte sind aktiv mit der Bekämpfung von AQAP befasst. U.a. werden Drohnen und Special Forces eingesetzt, aber auch hier könnten auf dem amphibischen Träger „Bataan“ eingeschiffte Kampfflugzeuge AV-8B Harrier und/oder Kampfhubschrauber AH-1 Cobra des US Marine Corps’ in die Luftschläge eingebunden werden.

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK)

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien und Irak bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch zu viele Eigeninteressen einzelner Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten bestimmen die Entwicklung.

In Syrien hatte es beim Kampf gegen IS zuletzt eine vorsichtige Kooperation (mit dem begrenzten Ziel eines „De-Conflicting“) zwischen Russland, der Türkei und den USA gegeben. Russland hat diese Kooperation unmittelbar nach dem US-Luftschlag gegen eine syrische Luftwaffenbasis für „beendet“ erklärt. Inwieweit dies künftige Luftoperationen über Syrien beeinträchtigen könnte, bleibt abzuwarten.

SYRIEN – IRAK: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – aktuell vor allem bei der noch immer andauernden Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen US-Trägerkampfflugzeuge und von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge und Drohnen der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Start von der ‚Bush‘ zum Einsatz (Foto: US Navy)
Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ setzt aus dem nordwestlichen Persischen Golf heraus seine Kampfflugzeuge zu Luftschlägen gegen IS in Irak und Syrien ein. Die dänische Fregatte „Peter Willemoes“ ist weiterhin Teil des US Verbandes. Der vorübergehend ebenfalls in die „Bush“ Carrier Strike Group integrierte französische Zerstörer „Forbin“ hat seinen Einsatz dagegen beendet und ist nach Toulion zurückgekehrt.

SYRIEN: Russland – Türkei

Russland macht weiterhin keinen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen; alle gelten gleichermaßen als “Terroristen”. Nach wie vor erfolgen russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte auch in Gebieten, in denen keine islamistischen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist neben dem Kampf gegen IS im Rahmen ihrer nationalen Kurdenpolitik vor allem bemüht, auf Autonomie setzende syrische Kurden (oft zugleich von den USA unterstützte syrische Rebellengruppen) möglichst weit nach Osten in Richtung Irak abzudrängen. Nach der am 29. März offiziell für beendet erklärten Boden-Operation „Euphrat-Schild“ plant die Türkei in möglicher Reaktion auf die angekündigte Ausrufung eines autonomen Kurdenstaates aktuell offenbar Boden-Operationen auch im Irak.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

Mit einem in den frühen Morgenstunden des 7. April als Vergeltung für den Einsatz chemischer Kampfstoffe durchgeführten Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt haben sich die USA erstmals offen militärisch im syrischen Bürgerkrieg engagiert. Aus dem östlichen Mittelmeer heraus schossen die Zerstörer „Porter“ und „Ross“ der US Navy insgesamt 59 Marschflugkörper Tomahawk auf die syrische Luftwaffenbasis Ash Sha’irat/Al Shayrat (nahe Homs). Ziele waren dort Infrastruktur wie Tower, Hangars und Kraftstoffanlagen. Es soll erhebliche Schäden („fast alle abgestellten Flugzeuge zerstört oder beschädigt“) aber nur wenige Opfer gegeben haben.

Das US-Verteidigungsministerium hatte über bestehende örtlichen Verbindungen vor dem Angriff die russischen Streitkräfte in Syrien (nicht Präsident Putin in Moskau) informiert. Auffällig ist, dass die russischen Streitkräfte in Syrien offenbar keine Versuche unternommen haben, mit ihren vor Ort stationierten Flugabwehrsystemen S-300 und S-400 die US Marschflugkörper abzufangen, obwohl diese modernen Systeme gerade dafür geeignet sein sollen. Wenige Stunden nach dem US-Luftschlag kündigte der russische Verteidigungsminister aber eine deutliche Verstärkung der Flugabwehr-Systeme in Syrien an.

Der US-Angriff wird den syrischen Bürgerkrieg nicht entscheiden, aber er könnte Zäsur sein. Natürlich wird das Assad-Regime Vergeltung üben wollen, aber das „wo“ und „wie“ zunächst reiflich überlegen und wohl auch mit den Verbündeten Russland und Iran abstimmen. Die Bandbreite möglicher Optionen reicht von Versuchen, über Syrien im anti-IS-Einsatz fliegende US-Kampfflugzeuge mit Flugabwehr-FK abzuschießen (formelle Erklärung eines Flugverbots mit nachfolgender Durchsetzung) bis zu Angriffen (ballistische Flugkörper) auf von US-Truppen/Flugzeugen genutzte Stützpunkte innerhalb und außerhalb Syriens. Sollten die Verbündeten Iran und Hisbollah sich an Vergeltung aktiv beteiligen wollen, wäre auch Eskalation an anderen Orten der Region – von der Grenze zu Israel bis hin zum Persischen Golf – möglich.

Mögliche Auswirkungen des US-Angriffes auf die unter Vermittlung Russlands, der Türkei und des Iran vereinbarte Feuerpause sind noch nicht abzusehen. In „ortsüblichem“ Verhalten dürften einige syrische Oppositionsgruppen die US-Aktion als direkte militärische Unterstützung für ihre eigenen Ziele (Sturz des Assad-Regimes) begreifen und im Bürgerkrieg wieder vermehrt auf eine militärische Lösung setzen. Die Feuerpause wurde allerdings ohnehin nur dort eingehalten, wo Oppositionsgruppen ihr ausdrücklich zugestimmt hatten, und islamistische Gruppen wie IS und al-Nusra waren ohnehin ausgeklammert. Ob die Anfang Mai in Astana (Kasachstan) geplante nächste Gesprächsrunde zu einem dauerhaften Waffenstillstand stattfindet, bleibt abzuwarten.

Der US-Angriff dürfte sich auch auf die unter UN-Führung in Genf durchgeführten Gespräche zur Vereinbarung von Rahmenbedingungen für eine politische Übergangslösung bis hin zu freien Wahlen auswirken. Hier gab es aber schon bisher keine wirklichen Fortschritte. Nur wenige Konfliktparteien zeigten Bereitschaft zu Kompromissen und Abstrichen an eigene Forderungen.

Die beiden in Rota (Spanien) stationierten US-Zerstörer dürften vorerst weiterhin im östlichen Mittelmeer bleiben. Jedes Schiff soll als Teil seiner Grundbeladung 56 Tomahawk an Bord mitführen; die Magazine sind also noch nicht „leergeschossen“. Möglichweise verlegt die US Navy noch weitere, auch zur Raketenabwehr (syrische Vergeltung) befähigte Kampfschiffe in die Region.

Im östlichen Mittelmeer operiert auch das Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine. Zu diesem von der Schwarzmeerflotte geführten und routinemäßig zwischen Zypern und der syrischen Küste eingesetzten Verband gehört neben einigen Hilfsschiffen als einzige Kampfeinheit zurzeit nur der Minensucher „Valentin Pikul“. Der Minensucher der NATYA-Klasse wird vornehmlich in syrischen Küstengewässern vor Tartus und Latakia eingesetzt, um eine den Nachschub gefährdende, mögliche Verminung der Ansteuerungen durch syrische Rebellen zu verhindern.

Nach dem Marschflugkörpereinsatz der beiden US-Zerstörer dürfte die russische Marine bemüht sein, ihrer MedSqn möglichst schnell wieder mindestens ein kampfkräftiges Überwasserschiff (Zerstörer, Fregatte oder FK-Korvette) zuzuführen. Dabei sind für eine Passage der türkischen Meerengen allerdings die im Vertrag von Montreux vorgegebenen Anmeldefristen (8 Tage!) einzuhalten.
Update: Bereits auf dem Weg ins Mittelmeer ist die Fregatte “Admiral Grigorovich”. Sie war schon im März Teil der MedSqn, war aber überraschend nach nur einem Monat Einsatz ins Schwarzmeer zurückgekehrt. In Novorossiysk wurde sie am 3./4. April als „Host-Ship“ für besuchende Einheiten der türkischen Marine benötigt, führte mit diesen auch eine kurze Übung (Passex) durch. Ihre Rückkehr ins Mittelmeer war nicht zuletzt wegen der Anmeldefristen schon mehrere Tage vor dem US-Angriff geplant.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub für die dort eingesetzten russischen Truppen an. Jede Woche passieren mehrere Landungsschiffe der russischen Marine (auch dazu verlegte Einheiten der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend. Transportiert wird zurzeit auch Baumaterial für die in diesem Frühjahr beginnenden Arbeiten zur Erweiterung der russischen logistischen Basis in Tartus (Syrien).

Zur Unterstützung der Syrientransporte hat Russland schon im letzten Jahr drei ehemals deutsche Ro-/Ro-Schiffe gekauft. „Sparta-I“, „Sparta-II“ und „Sparta-III“ werden bisher aber nur sehr selten bei Transportfahrten nach Syrien gemeldet. Meist liegen sie in Novorossiysk an der Pier. Im Gegensatz zu früher in der Türkei gebraucht gekauften Frachtern sind sie offenbar nicht formell als Hilfsschiffe in die russische Marine integriert, haben zumindest vorläufig auch noch ihre alte Bemalung behalten.
‚Sparta-III‘ (Foto: shipspotting.com)

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GRIECHENLAND

Wieder einmal ist die griechische Marine Gastgeber für die jährliche Minenabwehr-Übung „Ariadne“.

Schauplatz von „Ariadne 17“ ist der Golf von Patras, eine relativ flache Meeresbucht des östlichsten Ionischen Meeres zwischen dem griechischen Festland im Norden und der Peloponnes-Halbinsel im Süden. Dort soll die am 31. März begonnene Übung noch bis zum 7. April andauern.

Zur Teilnahme eingeladene fremde Marinen machen „Ariadne“ zu einer der größten im Mittelmeer durchgeführten Minenabwehrübungen. Diesmal sind insgesamt zehn Marinen mit von der Partie. Die griechische Marine stellt mit der Fregatte „Navarinon“ (Führungsschiff), drei Minenjagdbooten und einem Wachboot natürlich das größte Kontingent. Zu den Teilnehmern gehören aber auch der ständige NATO-Minenabwehrverband SNMCMG-2 (polnisches Unterstützungsschiff „Czernicki“ als Führungseinheit; je ein Minenjagdboot aus Deutschland, Spanien und der Türkei) und das von der italienischen Marine betriebene NATO-Forschungs-/Vermessungsschiff „Alliance“.

Mit Frankreich, Rumänien und Spanien haben drei NATO-Marinen jeweils ein weiteres Minenjagd-/Minensuchboot zur Teilnahme an „Ariadne 17“ nach Patras verlegt. Neben all diesen NATO-Marinen ist schließlich auch die ägyptische Marine mit ihrem Minenjagdboot „Al Seddiq“ (ex-US MHC-51 OSPREY-Klasse) in der Übung vertreten. Last but not least haben Bulgarien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate Offiziere als Beobachter nach Griechenland geschickt.

Minenabwehr steht bei „Ariadne 17“ natürlich im Vordergrund, wobei die Bandbreite der Aktivitäten von Veranstaltungen im Hafen und an Land (Ausbildung, Vorführung von Systemen, Erfahrungsaustausch) bis zu praktischem Einsatz diverser Minensuch- und –räumsysteme und Minentauchern in einer Seephase reicht. Neben Minenabwehr findet sich aber auch Flugabwehr (u.a. Selbstverteidigung von Minenabwehrkräften im Einsatz) auf dem Programm der Übung.

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PIRATERIE

Weitere Überfälle lassen ein Wiederaufleben der Piraterie am Horn von Afrika befürchten.

Fast fünf Jahre ohne Kaperungen hatten Hoffnungen beflügelt, die von Somalia ausgehende Piraterie könnte nachhaltig beseitigt sein. Ein erster Überfall am 13. März, bei dem Piraten einen kleinen Küstentanker entführt und nach Alula (Puntland) gesteuert hatten, war noch glimpflich ausgegangen. Nicht zuletzt mit einer sofort eingeleiteten Befreiungsaktion konnten örtliche Behörden die Piraten zur bedingungslosen Freilassung ihrer acht Geiseln überreden.

Nun hat offenbar eine andere, weiter südlich nahe der früheren Piraten-Hochburg Hobyo (Puntland) beheimatete Gruppe die Rückkehr zur Piraterie beschlossen. Am 3. April kaperten die Verbrecher die indische Fracht-Dhau „Al Kausar“, nahmen die 11 Mann Besatzung als Geiseln und steuerten das Fahrzeug an die somalische Küste. 40km südlich von Hobyo ging die Dhau vor dem kleinen Fischerdorf El Hur vor Anker, und die Piraten stellten Lösegeld. Die „Al Kausar“ war übrigens vor Jahren schon einmal vor Somalia entführt worden.

Nur einen Tag später fiel vermutlich der gleichen Gruppe eine weitere kleine Fracht-Dhau in die Hände. Auch die pakistanische „Salama 1“ wurde auf den Ankerplatz bei El Hur gesteuert, und auch für sie und ihre Besatzung wurde sofort Lösegeld gefordert.

Für das Wiederaufleben gibt es mehrere Gründe. Zum einen hat das „Verschwinden“ der Piraterie ausländische Fischwilderer in die Gewässer vor Somalia zurückgebracht, wo sie nun wie schon vor zehn Jahren erneut völlig ungestört die Fanggebiete der örtlichen Fischer plündern. Einige der so ihrer Lebensgrundlage beraubten somalischen Fischer rückbesinnen sich nun neu auf das früher so lukrative Geschäft der Piraterie.

Für die am Horn von Afrika eingesetzten internationalen Marinen ist örtlicher Fischereischutz nicht Teil des von den Vereinten Nationen mandatierten Auftrages. Zwar gibt es seit Jahren Bemühungen (u.a. der Europäischen Union) zur Aufstellung einer somalischen Küstenwache, aber dieser fehlen bis heute die Mittel, die der mehr als 3.000km langen somalischen Küste vorgelagerten Gewässer effektiv zu schützen. Für die EU problematisch bleibt auch der ungeklärte politische Status der sich von der Zentralregierung autonom erklärten Teilrepubliken Puntland und Somaliland. Ihnen staatliche Hilfen zur Aufstellung eigener Sicherheitskräfte zu gewähren, ist ein heikles Thema – und vor den weiter südlich gelegenen Küsten des Gebietes der international anerkannten Zentralregierung ist das Problem Piraterie kaum relevant.

Zum anderen begnügen sich die am Horn von Afrika eingesetzten internationalen Marinen nach jahrelanger Ruhe inzwischen mit routinemäßiger Begleitung des internationalen Seeverkehrs auf den Hauptschifffahrtsrouten durch den Golf von Aden. Hier gibt es denn auch (noch) keine neuen Überfälle. An die Stelle der früher fast lückenlosen, aber extrem aufwändigen Überwachung der somalischen Küsten sind heute Aufklärungsflüge einzelner Patrouillenflugzeuge getreten. Unter solchen Rahmenbedingungen werden kleine, im regionalen Handel dicht unter der Küste fahrende Fracht-Dhaus leichte Beute.

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RUSSLAND

24(!) Jahre nach Beginn des Baus von U-Booten der YASEN-Klasse ist nun endlich ein zweites U-Boot dieses Typs zu Wasser.

Am 31. März rollte die „Kazan“ aus der Bauhalle der Sewmash-Werft (Sewerodwinsk, Weißes Meer) und wurde anschließend ins Wasser abgesenkt.

Der Bau des Typbootes „Severodvinsk“ der YASEN-Klasse (Projekt 885) hatte schon 1993 begonnen. Das „in seinen Fähigkeiten jedes US-U-Boot deutlich übertreffende U-Boot“ sollte noch in den 1990er Jahren Erprobungen abschließen und mit in 2000 geplanter Übergabe an die russische Marine die Ablösung älterer U-Boote der AKULA- und VICTOR-III-Klasse einleiten. Die „U-Boote der 4. Generation“ verfügen über ein breites Einsatzspektrum, können mit Torpedos, Seeziel-FK sowie weit reichenden (ggf. nuklear bestückbaren) Marschflugkörpern sowohl andere U-Boote und Überwasserschiffe als auch entfernte Landziele bekämpfen.

Finanzielle Probleme, „mangelnde Qualität bei von Subunternehmern gelieferten Teilen und Systemen“ sowie „nicht abgeschlossene Erprobung“ von einzurüstenden neuen Waffensystemen verzögerten die Fertigstellung der „Severodvinsk“ immer aufs Neue. Erst nach insgesamt mehr als 20 Jahren Bauzeit konnte die russische Marine Ende 2013 das neue U-Boot in Dienst stellen.

Insgesamt plant die russische Marine den Bau von acht U-Booten der YASEN-Klasse, aber die lange Bauzeit des Typbootes hat natürlich die technologischen Parameter verändert. Die „Severodvinsk“ entsprach trotz einiger Nachbesserungen während des Baus bei ihrer Indienststellung nicht mehr den Stand der Technologie. Schon für das zweite U-Boot, die nun zu Wasser gelassene „Kazan“ waren umfangreiche Modifizierungen erforderlich. Alle nach der „Severodvinsk“ zu bauenden U-Boote werden denn offiziell auch als neue Klasse YASEN-M bezeichnet. Ihre elektronischen Geräte und Systeme reflektieren den Technologie-Fortschritt der letzten zwei Jahrzehnte. Zur Bewaffnung gehört neben zehn Torpedorohren ein Senkrechtstartsystem mit acht Zellen für u.a. auch weit reichende, landzielfähige Marschflugkörper.

Die 2009 bei Sevmash auf Kiel gelegte „Kazan“ sollte nach ursprünglicher Planung 2015 in Dienst gestellt werden; inzwischen geht man realistischerweise von 2018 aus. Zurzeit sind noch vier weitere YASEN-M bei Sevmash im Bau. Nach der „Kazan“ soll als insgesamt drittes Boot der YASEN-/YASEN-M-Klasse die „Novosibirsk“ 2019 – ebenfalls um gut zwei Jahre verspätet – zu Wasser gelassen werden. Für das im Juli 2016 auf Kiel gelegte sechste U-Boot „Perm“ plant die Werft eine Lieferung in 2022 und geht für die zwei restlichen, noch nicht namentlich benannten Baunummern sieben und acht von einer Kiellegung „bis 2020“ aus. Angesichts der in Russland üblichen, deutlich länger als geplanten Bauzeiten dürfte das ursprünglich noch in diesem Jahrzehnt abzuschließende YASEN-Programm damit wohl erst Ende der 2020er Jahre beendet sein.

Der Blick der russischen Marine richtet sich aber bereits weiter in die Zukunft. Mit „Projekt Chasky“ hat die Entwicklung einer neuen Klasse nukleargetriebener U-Boote begonnen. Diese sollen u.a. gegenwärtig entwickelte, Hyperschall-schnelle (Mach 5-6) Marschflugkörper „Tsirkon“ tragen. „Chasky“ wird möglicherweise Basisdesign für eine ganze Familie neuer U-Boote: neben Angriffs-U-Booten (SSN) auch mit ballistischen Flugkörpern bestückte neue nuklearstrategische U-Boote (SSBN).

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SPANIEN

An der Spitze der spanischen Marine hat es einen Führungswechsel gegeben.

Am 31. März hatte das Kabinett abschließend die Nominierung von Admiral Teodoro Lopez Calderon zum neuen Marinechef gebilligt. Drei Tage später trat der „Neue“ auch schon sein Amt als Marinestabschef (Almirante Jefe de Estado Mayor de la Armada – AJEMA) an, löste in einer Kommandowechsel-Zeremonie Admiral Jaime Munoz-Delgado an der Spitze der Marine ab.

Teodoro Lopez Calderon (Jg 1954) trat 1973 in die spanische Marine ein und schloss 1978 seine Offizierausbildung ab. Seine Fachgebiete sind Elektronik und taktischer Einsatz. Diverse Seeverwendungen sahen ihn als Kommandant eines Wachbootes, Kommandeur eines Minensuchgeschwaders und an Bord mehrerer Fregatten, u.a. als Kommandant der „Cataluna“ (BALEARES/ex-US KNOX-Klasse). Verwendungen als Stellvertretender Kommandeur und schließlich Kommandeur eines Geleitgeschwaders folgte ein Einsatz als Kommandeur des ständigen NATO-Einsatzverbandes SNMG-2 und ein Auslandseinsatz beim Stab des US Commander South Atlantic Force/US Atlantic Fleet.

Lehrgänge wie der Senior Course am NATO Defence College sowie Verwendungen in der Abteilung „Taktische Studien“ des Marinestabes, als Abteilungsleiter für strategische Planung und dann Operationschef im Marinestab, als Berater des Verteidigungsministers sowie schließlich seine letzte Funktion als Operationschef im Generalstab geben ihm die nötige fachliche Bandbreite für die nunmehrige Führung seiner Marine.

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USA

Die US Navy hat vorübergehend ihre gesamte Flotte T-45 Goshawk Trainingsflugzeuge aus dem Flugbetrieb genommen.

Nach diversen, ursächlich ungeklärten Zwischenfällen mit der Cockpit-Sauerstoffanlage („gefährlich“ geringer Druck, mögliche Kontaminierung mit Fremdgasen) hatten sich die Fluglehrer geschlossen geweigert, die Maschinen zu fliegen. Um die Probleme zu untersuchen und gemeinsam mit den „streikenden“ Fluglehrern ein mögliches weiteres Vorgehen abzustimmen, wurde nun für alle T-45 Goshawk ein dreitägiges Startverbot verfügt (die US Navy betont: kein technisch bedingtes „Grounding“).

Die Ursprünge der T-45 Goshawk reichen bis in die 1970er Jahre zurück. Damals suchten US Navy und US Marine Corps nach einem gemeinsamen, modernen Ersatz für ihre veralteten Jet-Trainer T-2 und T-4. Man entschied sich für eine für Trägerflugbetrieb modifizierte Variante der von der britischen BAe entwickelten British Aerospace Hawk Mk.60. 1981 erhielten BAe und der US-Flugzeughersteller McDonnel Douglas den Auftrag zum Bau der neuen T-45 Goshawk, die zehn Jahre später formell eingeführt wurden. Nach ausgiebiger Erprobung und Fähigkeitsnachweisen u.a. auf dem Flugzeugträger „Saratoga“ werden die Jet-Trainer seit 1994 im Ausbildungsflugbetrieb von US Navy und US Marine Corps eingesetzt. Bisher wurden 221 Flugzeuge gebaut, mit denen an Wochentagen gewöhnlich insgesamt mehr als 200 Ausbildungsflüge durchgeführt werden.