MarineForum Wochenschau 16. Dezember 2016


Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt vom Bürgerkrieg in Syrien und von der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Irak, Syrien und Libyen bestimmt.

KAMPF GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschreibung)

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch zu viele Eigeninteressen einzelner Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten bestimmen die Entwicklung. Dennoch wird der IS in Syrien und im Irak, wo die Offensive auf Mosul fortdauert, zunehmend auch aus Kerngebieten seines „Kalifats“ zurückgedrängt und wurde auch in Libyen aus seiner Hochburg Sirte vertrieben.

Syrien – Irak: US-geführte Koalition („Operation Inherent Resolve“)

Ziele sind Kommandozentren (vor allem auch Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen – aktuell vor allem bei der Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen seegestützt von Flugzeugträgern oder landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Im Persischen Golf ist zurzeit kein US-Flugzeugträger im Einsatz. Die Führung der Task Force 50 (TF 50) in Operation „Inherent Resolve“ hat der britische Commodore Andrew Burns auf dem Hubschrauberträger „Ocean“ der Royal Navy übernommen. Die „Ocean“ kann zwar selbst keine Kampfflugzeuge einsetzen, aber mit ihren Führungs- und Fernmeldesystemen die Einsätze landgestützt operierender Koalitionsflugzeuge koordinieren.

Der Hubschrauberträger soll seine Funktion bis zum Februar 2017 wahrnehmen, bis mit der „George H.W. Bush“ Carrier Strike Group der nächste US-Flugzeugträgerverband zu einem geplanten mehrmonatigen Einsatz in der Golfregion eintrifft. Parallel zu seiner Führungsrolle in Operation „Inherent Resolve“ unterstützte die „Ocean“ in den letzten drei Wochen die bilaterale britisch-bahrainische ampbhibische Übung „Pearl Dagger 16“.

Auch die am 30. November im Zuständigkeitsbereich der 5. US-Flotte eingetroffene „Makin Island“ Ampibious Ready Group ist noch nicht in den Persischen Golf eingelaufen. Die „Makin Island“ könnte vom nordwestlichen Golf aus ihre an Bord mitgeführten Kampfflugzeuge AV-8B Harrier des US Marine Corps in Luftschläge gegen IS im Irak (Mosul) einbringen, soll zunächst aber noch bis Monatsende amphibisches Tarining im Golf von Aden und vor Dschibuti durchführen.

Der US-Flugzeugträger „Eisenhower“ operiert nach Verlassen der Golfregion noch im östlichen Mittelmeer, setzt von dort seine Kampfflugzeuge gegen IS-Ziele in Ost-Syrien und Irak (Unterstützung der Offensive bei Mosul) ein. Bis zumindest zum 14. Dezember dauerten die Flugzeugeinsätze aber noch an, aber Einiges spricht dafür, dass die „Ike“ in den nächsten Tagen den Rückmarsch zum Heimatstützpunkt Norfolk antreten wird.

Die französische „Groupe Aeronaval“ (GAN) hat ihren Einsatz dagegen beendet; Am 13. Dezember kehrten der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ und die begleitenden Einheiten nach Toulon zurück.

Syrien: Russland

Russland nimmt zwar auch islamistische Terrorgruppen ins Visier, macht aber weiterhin keinen Unterschied zwischen Islamisten und Milizen der syrischen Opposition, die gleichermaßen als “Terroristen” gelten. Nach wie vor erfolgen viele russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte in Gebieten, in denen islamistische Milizen nicht aktiv sind.

Libyen: US-Operation „Odyssey Lightning“

Die US Navy hat ihre Beteiligung an der im Sommer „auf Bitten der international anerkannten libyschen Regierung der nationalen Einheit“ in Libyen begonnenen anti-IS-Operation „Odyssey Lightning“ beendet. Der IS wurde aus seiner Hochburg, der Küstenstadt Sirte vertrieben. Der zuletzt vor Sirte eingesetzte amphibische Träger „Wasp“ hat mit den zu seiner Amphibious Ready Group gehörenden Docklandungsschiffen „San Antonio“ und „Whidbey Island“ das Mittelmeer verlassen und wird rechtzeitig zu Weihnachten im Heimathafen Norfolk zurück erwartet.

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung russische Intervention)

Die Konfliktparteien im Lande sind ebenso wie ausländische Mächte und Religionsgruppen (Schiiten/Sunniten) weiterhin unfähig, teils auch unwillig zu einer politischen Lösung.

Russland blockiert unverändert jede Entscheidung des UN Sicherheitsrates. Im Bewusstsein tatkräftiger russischer Unterstützung lässt der syrische Machthaber Assad keinen Zweifel daran, dass er nach der Eroberung von Aleppo nun auch in anderen Landesteilen (Provinz Idlib) ausschließlich auf militärischen Erfolg setzt.

Maritime Aspekte

Mit dem Nordflottenverband um den Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“, den Kampfeinheiten und Hilfsschiffen des Ständigen Mittelmeergeschwaders (MedSqn), kurzfristig aus dem Schwarzmeer verlegten Schiffen, sowie im Transport militärischer Güter nach Syrien eingesetzten Landungsschiffen und Frachtern unterstützt die russische Marine zurzeit mit etwa 15 Kampf- und Hilfsschiffen das syrische Regime im Bürgerkrieg. Eine in Medien/Internet-Blogs behauptete Präsenz von U-Booten lässt sich aus offenen Quellen weiterhin nicht verifizieren, aber britische Medien berichten unter Berufung auf NATO-Kreise von „umfangreichen U-Jagdoperationen der NATO zur Verfolgung zweier russischer U-Boote der OSCAR-II-Klasse“. Eine Begleitung der „Kuznetsov“ Task Force durch nukleargetriebene U-Boote wäre durchaus nicht ungewöhnlich. Auch Carrier Strike Groups der US Navy und die französische Groupe Aeronaval werden routinemäßig von U-Booten begleitet.

Neben dem zum Nordflottenverband gehörenden FK-Kreuzer „Petr Velikiy“ und dem U-Jagdzerstörer „Severomorsk“ und haben sich der Zerstörer „Smetliviy“ und die Fregatte „Admiral Grigorovich“ der Schwarzmeerflotte im östlichen Mittelmeer dem Flugzeugträger angeschlossen. Auch Einheiten des routinemäßig zwischen Zypern und der syrischen Küste operierenden Ständigen Mittelmeergeschwaders (MedSqn) sind in die Sicherung der Flugzeugträger-Einsatzgruppe eingebunden.

Die logistische Komponente besteht aus mit dem Nordflottenverband verlegten zwei Bergeschleppern und drei Tankern/Versorgern, darunter auch ein Spezialtanker zur bedarfsweisen Auffüllung der Dampfsysteme der Antriebsanlagen des Flugzeugträgers und des Kreuzers mit speziellem Speisewasser (Destillat). Zusätzlich hat die Schwarzmeerflotte zwei Flottentanker/-versorger ins Mittelmeer geschickt.

Seit nun fast einem Monat, seit den Mitte November öffentlichkeitswirksam durchgeführten „koordinierten Luftschlägen“ (gemeinsam mit strategischen Bombern und von See geschossenen Marschflugkörpern), ist der Einsatz der „Admiral Kuznetsov“ fast komplett aus der Berichterstattung russischer Medien verschwunden. Lediglich der Verlust eines zweiten Kamfflugzeuges wurde noch einmal thematisiert. Auch der russische Generalstab, der bei früheren Verlegungen des Flugzeugträgers fast täglich die Anzahl der Flugeinsätze meldete, schweigt sich völlig aus. Man darf wohl annehmen, dass die Einsatzrate der Trägerkampfflugzeuge diesmal nicht zu Propagandazwecken taugt. Nach gut einer Woche (offiziell totgeschwiegener) „operativer Pause“ vor Anker vor dem syrischen Hafen Tartus soll die „Admiral Kuznetsov“ Internet Blogs zufolge inzwischen wieder Einsatzflugbetrieb aufgenommen haben. Auch diese doch eigentlich positive Meldung wird in offiziellen Presseerklärungen des Verteidigungsministeriums aber bisher nicht erwähnt.

Die weiteren Aktivitäten des „Kuznetsov“-Verbandes bleiben abzuwarten. Die aufwändige Verlegung der Trägerkampfgruppe ist primär bloße Propagandaaktion, nur wenig geeignet, die operative Lage in Syrien zu beeinflussen. Russland will Fähigkeiten und Willen zu heimatferner „Power Projection From-the-Sea“ demonstrieren – ganz sicher auch Ausdruck eines unter Präsident Putin wachsenden Selbstbewusstseins mit Anspruch auf Anerkennung als „auf Augenhöhe mit den USA“ global operierende Supermacht.

Das Hauptziel der Verlegung dürfte mit den Mitte November durchgeführten Aktionen bereits erreicht sein, und die Aktivitäten der „Admiral Kuznetsov“ werden sich daher in Grenzen halten; vielleicht gibt es noch eine weitere „Fähigkeitsdemonstration“ (mit Beteiligung von U-Booten?). Zu erwarten ist wohl ein „offizieller“ Besuch vor Tartus, bei dem dann mit hochrangigen syrischen Politikern und Militärs öffentlichkeitswirksam „Bündnissolidarität“ beschworen und der Einsatz des Flugzeugträgers der russischen Bevölkerung noch einmal als wesentlicher und erfolgreicher Beitrag im Krieg gegen den Terrorismus dargestellt wird. Die Zeit vom Jahreswechsel bis über das orthodoxe Weihnachtfest (6. Januar) hinaus ist bei der russischen Marine traditionell von Inaktivität geprägt. Mitte Januar dürfte die „Kuznetsov“-Task Force aus dem östlichen Mittelmeer ablaufen, denn am 9. Februar wird der Flugzeugträger im Heimathafen Seweromorsk zurück erwartet.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (direkte Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub der dort eingesetzten russischen Truppen an.

Fast täglich passieren Landungsschiffe der russischen Marine (auch der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei gekaufte und als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend. Aktuell scheinen sich die Transporte, die der russische Verteidigungsminister Shoigu als „humanitärer Hilfe“ darstellt, sogar noch zu intensivieren. Am 14. Dezember passierte der Frachter „Aleksandr Tkachenko“ den Bosporus mit Kurs auf Syrien, voll beladen mit russsichen militärischen Fahrzeugen.

ÄGYPTEN

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Taufe hat die deutsche tkMS im Rahmen einer Feier in Kiel das erste U-Boot vom Typ 209/1400mod an die ägyptische Marine abgeliefert.

„S-41“ wurde noch bei der Feier direkt formell in Dienst gestellt und zugleich das zweite U-Boot auf den Namen „S-42“ getauft. Zur Übernahme/Indienststellung und Namensgebung war der ägyptische Marinebefehlshaber Vizeadmiral Osama Rabie persönlich nach Kiel angereist.

„S41“ und „S42“ sind die ersten zwei von insgesamt vier von der ägyptischen Marine bestellten U-Booten TYP 209/1400 mod: konventionell diesel-elektrisch angetriebene (kein außenluftunabhängiger Antrieb) U-Boote, wie sie ähnlich vor etwa zehn Jahren in Kiel auch für Südafrika (Typ 209-1400 SAN) gebaut wurden. Zwei erste U-Boote waren schon 2011 in Deutschland bestellt worden, aber im Bundessicherheitsrat gab es aufgrund der politischen Lage in Ägypten zunächst noch Vorbehalte gegen das Projekt. Erst nachdem diese fallen gelassen worden waren, konnten Ende 2012 die beiden Boote formell bei der Kieler HDW in Auftrag gegeben werden. Im Februar 2015 folgte dann sogar noch eine Nachbestellung von zwei weiteren U-Booten. Trotz der politischen Wirren (Sturz von Präsident Mursi) hatte der Bundessicherheitsrat keine Einwände. U-Boote seien zwar Rüstungsgüter, aber sie könnten „nicht im Inneren (zur Unterdrückung oppositioneller Kräfte) eingesetzt werden“; die Exportgenehmigung sei damit „unproblematisch“, so Wirtschaftsminister Gabriel damals.

Die Erneuerung der U-Bootkomponente steht seit mehr als 20 Jahren auf der Agenda der ägyptischen Marine. Optionen reichten dabei von ausgemusterten deutschen U-Booten TYP 206A über gebrauchte ex-jugoslawische U-Boote der HEROJ-Klasse bis zu neuen chinesischen oder russischen U-Booten. Konkreten Aufträgen standen allerdings immer knappe Budgets bei zugleich deutlicher Nachrangigkeit hinter Heer und Luftwaffe entgegen. So musste es zunächst bei einer Ende der 1990-er Jahre mit US-Hilfe durchgeführten Kampfwertsteigerung für vier etwa 15 Jahre zuvor aus China importierte U-Boote der ROMEO-Klasse bleiben. Mit der Beschaffung von U-Booten in Deutschland wird das Vorhaben nun endlich realisiert.

Mit vier neuen U-Booten vollzieht die ägyptische Marine einen 1:1 Ersatz ihrer alten ROMEO, aber inoffiziellen Meldungen zufolge hat man Interesse an noch zwei weiteren U-Booten (möchte vielleicht mit Israel gleichziehen). Genannt werden hier neben noch einmal zwei Booten TYP 209/1400mod auch U-Boote vom Typ 212A oder 214 mit außenluftunabhängigem Antrieb, aber für diese Typen gilt ein Export in ein nah-/mittelöstliches, nicht krisenfreies Land als eher unwahrscheinlich. Angeblich will auch China noch in die Erneuerung der ägyptischen U-Boot-Komponente einsteigen. Schon im September 2015 soll Peking zwei „modernste U-Boote“ angeboten haben, und dies zu einem „unschlagbaren Preis“. Ein ungenannter ägyptischer Marineoffizier sprach damals von einer „schwierigen Entscheidung“. Zum aktuellen Sachstand gibt es allerdings seitdem keine Meldungen mehr.

FRANKREICH

Das strategische U-Boot (SSBN) „Le Temeraire“ hat eine 18-monatige Grundüberholung begonnen.

Die französische Marine hat vier U-Boote der LE TRIOMPHANT-Klasse in Dienst, die als Eckpfeiler der nationalen nuklearen Abschreckung in ablösenden Einsätzen jeweils mehrmonatige nuklearstrategische Patrouillen durchführen. Die Entwicklung dieser getaucht 14.300 ts verdrängenden, 138m langen nukleargetriebenen U-Boote hatte als Ersatz der alten LE REDOUBTABLE-Klasse 1986 begonnen. Typboot „Le Triomphant“ wurde 1997 in Dienst gestellt; „Le Temeraire“ folgte 1999, „Le Vigilant“ dann 2004. „Le Terrible“ komplettierte als viertes und letztes Boot 2010 das Vorhaben.

Etwa alle acht bis zehn Jahre muss der verbrauchte nukleare Brennstoff ersetzt werden, und die U-Boote durchlaufen bei dieser Gelegenheit immer auch eine Grundinstandsetzung mit Modernisierung / Angleichung an neue Technologien. Im Rahmen des aktuellen Zyklusses werden die U-Boote neben der Reaktor-Neubefüllung und der Installation modernerer Elektronik, Fernmeldesysteme und auch eines neuen Gefechtsführungssystems auch auf den neuen strategischen Flugkörper M-51 umgerüstet.

Ursprünglich waren für die vier SSBN der LE TRIOMPHANT-Klasse Flugkörper M-5 vorgesehen (Reichweite 11.000 km, zehn nukleare Gefechtsköpfe). Deren Entwicklung fiel aber als „überteuert“ Anfang der 90er Jahre Budgetkürzungen zum Opfer. 1996 gab die Regierung dann grünes Licht für die Entwicklung einer „abgemagerten“, technologisch – und damit auch finanziell – weit weniger aufwendigen Version des M-5 – eben des M-51. Dieser 12m lange, mehr als 50 t schwere neue Flugkörper soll – mit sechs Gefechtsköpfen – eine Reichweite von 8.000 km haben.

„Le Triomphant“ und „Le Vigilant“ haben diese Umrüstung bereits absolviert; das zuletzt gebaute vierte U-Boot der Klasse, „Le Terrible“, war von vornherein für M-51 gebaut worden. Als letztes der vier U-Boote ist nun die „Le Temeraire“ an der Reihe. Anfang Dezember verlegte sie zur DCNS-Werft nach Brest und wurde dort auch sofort ins Trockendock verholt. Mitte bis Ende 2018 soll das U-Boot nach Restarbeiten im Heimatstützpunkt Ile Longue (Bretagne) und Erprobungen wieder in den operativen Dienst zurückkehren.

Für die vier SSBN der LE TRIOMPHANT-Klasse steht im üblichen Intervall wohl nur noch eine weitere Grundüberholung und Reaktor-Neubefüllung auf dem Programm. Danach erreichen sie allmählich das Ende ihrer Dienstzeit. Erste Studien und vorbereitende Designarbeiten zu einer Nachfolgeklasse haben bereits begonnen; Baubeginn könnte Mitte der 2020-er Jahre sein.

RUSSLAND

Mit der „Aleksandr Obukhov“ hat die russische Marine am 9. Dezember das erste Minenjagdboot einer neuen Klasse in Dienst gestellt.

Eigentlich wollte die Sredne Nevskiy Werft in Kolpino (bei St. Petersburg) das im Rahmen von Projekt 12700 aus Komposit-Werkstoffen gebaute erste Boot der ALEXANDRIT-Klasse (890ts, 61m) schon vor einem Jahr an die russische Marine übergeben. Der Stapellauf erfolgte auch planmäßig im Juni 2014, und auch die Ausrüstung des Neubaus verlief zunächst im Zeitplan. Dann aber musste die Übergabe an die russische Marine verschoben werden; zunächst auf April 2016, dann in mehreren Schritten immer weiter auf Dezember.

Dabei war die für die Nordflotte vorgesehene „Aleksandr Obukhov“ offenbar schon länger fertig, führte auch schon im Dezember 2015 Erprobungen in See durch. Als Grund für die Verzögerungen wurden die im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise von der EU verhängten Sanktionen genannt, wobei diesmal aber nicht schiffstechnische Anlagen (Dieselmotoren) betroffen waren. Vielmehr habe Frankreich für den operativen Einsatz unverzichtbare, bestellte Minenjagddrohnen nicht geliefert. Man suchte nach in Russland produziertem Ersatz, aber die für April 2016 versprochene Lieferung heimischer Minenjagddrohnen und der dazu gehörenden Führungs-/Einsatzsysteme blieb aus.

Erst Anfang November fand man – nun doch wieder in Frankreich – eine „nicht unter das EU-Embargo fallende“ Alternative. Bei der von der ECA Group produzierten „Inspektor Mk2“ handelt es sich um eine Überwasserdrohne (USV), die neben zahlreichen zivilen Anwendungen (z.B. Meeresbodenerkundung, Umweltschutz) mit entsprechender modularer Ausrüstung auch militärisch z.B. zur Minenjagd genutzt werden kann. Man kann davon ausgehen, dass das bei zivilen Anwendungen vom Embargo nicht betroffene USV dazu mit russischen Geräten bestückt wird.

„Inspektor Mk2“ wurde als Einzelstück nur für die „Aleksandr Obukhov“ beschafft. Weitere derzeit sechs geplante Schwesterboote sollen ausschließlich heimische Minenjagdsysteme erhalten. Ein zweites Boot ist bereits im Bau, aber ein Brand (Juni) verzögert den Stapellauf der zukünftigen „Georgiy Kurbatov“. Zwei weitere Boote sollen 2017 bei Sredne Nevskiy auf Kiel gelegt werden.

Mit der ALEXANDRIT-Klasse beschafft die russische Marine erstmals mehr als 25 Jahren wieder hochseefähige Minenjagdboote. Zuletzt hatte sie Ende der 1980er Jahre zwei größere (67m, 1150 ts) Einheiten der GORYA-Klasse in Dienst gestellt, die allerdings ohne Nachfolger blieben – sicher auch ein Zeichen für nachträglich erkannte Defizite bei Design und/oder operativer Nutzung.

„Arbeitspferde“ bei der Minenabwehr der russischen Marine sind noch immer die großteils noch aus den 1970-er Jahren stammenden Boote der NATYA- und SONYA-Klasse. Nach gut 40 Jahren drängt deren Ersatz; eine ganze Reihe Boote dieser Klassen sind auch bereits aufgelegt, werden aktuell zur Verschrottung angeboten. Die Größe der neuen ALEXANDRIT-Boote spricht dafür, dass diese nicht nur küstennah, sondern mit größerer operativer Reichweite auch am Rande der Erweiterten Wirtschaftszonen operieren, bei Bedarf auch außerheimische Einsätze unterstützen sollen.

SPANIEN    

Das Forschungsschiff „Hesperides“ der spanischen Marine hat mit Auslaufen aus dem Heimathafen Cartagena die 30. Spanische Antarktis-Kampagne begonnen.

Nach langer Anreise mit Zwischenversorgung und Einschiffung letzter Wissenschaftler in argentinischen oder chilenischen Häfen soll das Schiff am 16. Januar im Einsatzgebiet im Südpolarmeer eintreffen.

Drei Monate lang stehen dort insgesamt 17 Forschungsprojekte auf dem Programm – 13 davon durch das für Forschung zuständige Ministerium für Wirtschaft und Industrie finanziert. Ein Großteil der Arbeiten erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem zivilen Forschungsschiff „Sarmiento de Gamboa“ und den zwei spanischen Antarktis-Stationen „Gabriel de Castilla“ und “Juan Carlos I“. Die Bandbreite reicht dabei von militärgeographischen Vermessungen und Sammlung von Wasser- und Sedimentproben bis hin zur Durchführung rein ziviler biologischer Forschungsprojekte und Datensammlung in Zusammenhang mit dem Klimawandel. Ein Teil der Projekte erfolgt Kooperation mit der Europäischen Union sowie zivilen Forschungseinrichtungen in Großbritannien, Kolumbien, den Niederlanden und Portugal – und wird auch von dort finanziert. Ende Mai wird die „Hesperides“ wieder in Cartagena zurück erwartet.

Die von der damaligen staatlichen Bazan in San Fernando gebaute und 1991 in Dienst gestellte 2.700-ts große „Hesperides“ ist das einzige speziell für weltweite Forschungs- und Vermessungsfahrten ausgerüstete Schiff der spanischen Marine. Ihr Bau wurde vom spanischen Außenministerium finanziert; heute wird sie gemeinsam von der Marine und dem Wirtschaftsministerum betrieben. Dies zeigt schon die nicht ausschließlich militärische Nutzung.

Das Schiff ist mit einem verstärkten Eisbrecherbug für Operationen in den Polarzonen optimiert, und Einsätze in der Antarktis sind denn auch Routine, finden fast jährlich im südlichen Sommer statt. In einem Hangar kann ein leichter Hubschrauber AB-212 mitgeführt werden. Modernste Sonar- /Echolotausrüstung ist einem 12 x 3 m großen Behälter unter dem Kiel untergebracht: zusätzlich gibt es ein Schleppsonar. Die „Hesperides“ bietet neben der Stammbesatzung von 55 Seeleuten bis zu 37 Wissenschaftlern und Technikern Platz.