Osteuropa – Ukraine


Flagge Ukraine Chrest Ukraine

 

Die wichtigsten Informationen im Überblick:

Regierungsform (Government Type): Republik (Republic)

Karte Ukraine Map

Hauptstadt (Capital): Kyyiv (Kiew)
Einwohner (Population): 48,717 Mio.
Fläche (qkm) (Area (sq.km)): 603.700
Wehretat (Defence Budget): 1,428 Mrd. US-$ (2005)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 780 $

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Daten außer Wehretat dem Fischer Weltalmanach 2005 entnommen

 

Ukraine zu Osteuropa? Für jeden Ukrainer ist die Ukraine Europa, ein großer Teil der Ukrainer wünscht die An- und Eingliederung in die EU. Und auch die Hanns Seidel Stiftung (Politische Studien, Heft 405) kommt in ihrer Untersuchung vom Januar 2006 zu dem Schluss: „Die Ukraine gehört historisch, kulturell und religiös gesehen zu Europa. Unabhängig davon, wann das Land am Dnjepr in die EU kommen wird, knüpft es an seine durch die Sowjetzeit unterbrochene Europäisierung an.“ Dennoch haben wir hier die Ukraine zu Osteuropa gestellt – sie ist Teil Europas (das ja geographisch unbestreitbar bis zum Ural reicht), aber eben in seinem östlichen Teil.

Und obwohl die Ukraine in vielen Bereichen eine Brücke schlägt zwischen Russland (das ja auch zu Osteuropa gehört) einerseits und der EU andererseits: die Lage im Osten des Kontinents, die chrislich byzantinische Tradition, die Sprache und letztlich auch die gemeinsame Geschichte, die Russland und Ukraine verbinden, lässt die Ukraine als Teil Osteuropas erscheinen.

Amtssprache:
Ukrainisch
Das Ukrainische ist eine ostslawische Sprache und wird mit kyrillischen Buchstaben geschrieben. Gesprochen wird vor allem in der Ostukraine auch Russisch und „Suržyk“ (ein unbewußte Mischung aus der russischen und ukrainischen Sprache).

Minderheiten:
Russen (v.a. auf der Krim und im Süden und Osten der Ukraine), Juden (v.a. in Kyiv in der Gegend um Odesa, Dnipropetrovs’k und Charkiv), Weißrussen, Moldauer, Krimtataren, Bulgaren (Odessa, Zaporižžja), Polen (L’viv, Žytomyr, Chmel’nyc’kyj), Ungarn (Transkarpatien), Rumänen (Bukowina), Deutsche (Odessa, Dnipropetrovs’k, Donec’k) u.a.; die Russen bilden eine relativ geschlossenes Siedlungsgebiet, das von der Ostukraine über die Krim den Südteil des Landes umfasst und bis zum Osten Moldawiens reicht (Neurussland).

Die drei großen politischen Strömungen des Landes und ihre Repräsentanten stehen auch für eine unterschiedliche ethnische Bevölkerung und politische Kultur.

Ukraines Präsident Wiktor Juschtschenko steht für den „Westkurs“ der Ukraine mit marktwirtschaftliche Reformen und hat seine Anhänger im Norden und Westen des Landes, der historisch zum Teil sogar polnisches Territorium war.

Die  Partei der Regionen (PR) unter Leonid Kutschma bzw. Wiktor Janukowytsch repräsentiert dagegen vor allem die rusische Minderheit im Süden und Osten der Ukraine, die für eine möglichst enge Bindung an Russland eintritt.

Julija Tymoschenko– die Ministerpräsidentin des Landes (2008) – überbrückt die beiden Lager. Ihre Wähler finden sich gleichermaßen im „ukrainischen“ wie im „russischen“ Landesteil. Während Tymoschenko einerseits für demokratische und marktwirtschaftliche Reformen eintritt vermeidet sie es andererseits, sich zu sehr von Russland zu distanzieren.

Externer Link: Liste der Parteien der Ukraine

Religion:

In der Ukraine rivalisieren mehrere Kirchen um Gemeinden und Kirchengebäude, u.a.:

Geschichte:
Ukrainische Geschichte ist immer wieder geprägt von Eroberungen durch Reitervölker, die von diesem westlichen Ende der eurasischen Steppen bis Asien herrschten (Skythen) oder – von Asien her kommend – über die ukrainischen Steppen bis weit nach Westen vorgestoßen sind (Hunnen, Ungarn, Mongolen). Die quer zu dieser Wanderrichtung von Nomadenvölkern verlaufenden Flüsse dienten wiederum als Einfalls- und Handelswege und zum Aufbau mehr oder weniger kurzfristiger, (germanischer) Reiche (Goten, Wikinger).

Die Ukraine kann mit einer gewissen Berechtigung als „Geburtsland Russlands“ bezeichnet werden, nicht, weil die Urheimat der Slawen im Grenzgebiet zwischen Polen, Weißrussland und der Ukraine lokalisiert wird, sondern weil die skandinavischen Wikinger, die „Rus“,  im 9. bis zum 13. Jhdt. von Kiew aus ein eigenes Reich gründeten und beherrschten (Anmerkung: nach einer Mindermeinung von  Sprachwissenschaftlern und Historikern könnte die Bezeichnung Rus, der alte Name Russlands und der Russen, auf den alanischen Teilstamm der Ruchs-as oder auf die sarmatischen Roxolanen zurückgehen. Die Anwesenheit von nicht-assimilierten Alanen in den Siedlungen und Städten der frühen Kiewer Rus sei archäologisch belegt).

Das mittelalterliche Reich vereinigte die Ostslawen zwischen Ostsee, Schwarzem Meer, Wolga und Theiß in seinem Machtgebiet. Das Staatsverständnis des Großfürstentums Kiew (familia christianitis) entsprach – obwohl am Rande Europas gelegen – dem der christlichen Länder im Westen. Von hier aus wurde der gesamte russische Sprachbereich christianisiert. Kiew war der „Mittler“ zwischen dem Patriarchen von Byzanz (Konstantinopel) und den orthodoxen Kirchen im späteren Rußland.

Mit der Eroberung durch die Mongolen (1237) verlor dieses Reich an Bedeutung. Viele Ukrainer waren während der mongolischen Eroberungszeit in das etwas abgelegenere Fürstentrum von Moskau abgewandert, und prägten dessen Entwicklung durch Sprache und religiöse Vorstellungen; dieser moskowitische Staat, der sich seit 1621 Russland nannte, erlangte 1654 die Herrschaft über die Mittel- und Ostukraine. So wurde ein Großteil der Ukraine Provinz des Zarenreiches; die russische Sprache fand Eingang, und die Ukrainische Orthodoxe Kirche wurde der Russisch-Orthodoxen Kirche eingegliedert und fortan vom Moskauer Patriarchat regiert. Seither kann der Dnjepr als „Grenzlinie“ zwischen verschiedenen Kulturbereichen gewertet werden. Die linksufrige Ukraine gehörte über mehrere Jahrhunderte zu Russland, die rechtsufrigen Landesteile standen abwechselnd unter der Herrschaft von Litauen, Polen und Österreich.

Die Unabhängigkeitsbewegung führte erst 1918 zur Gründung der Ukrainischen Nationalrepublik in Kiew und der Westukrainischen Volksrepublik in Ostgalizien, die sich 1919 vereinigten. Im gleichen Jahr eroberten die Bolschewiki Kiew und gründeten die Ukrainische SSR. Die West-Ukraine (Ostgalizien und Lwiw) wurde von der polnischen Armee besetzt und (bis 1939) zu Polen geschlagen, die Karpato-Ukraine kam an die Tschechoslowakei, die Bukowina an Rumänien. 1922 wurde die Ukrainische SSR Teil der neugegründeten Sowjetunion.

Nach den Kämpfen des zweiten Weltkrieges erfolgte eine Vergrößerung des Staatsgebietes insbesondere zu Lasten Polens und – was heute noch für Spannungen sorgt – zu Lasten der russischen Sowjetrepublik: denn mit der Krim (1783 durch Russland annektiert) kam der Haupthafen der sowjetischen, später russischen Schwarzmeerflotte (Sewastopol) 1954 an die Ukraine.

Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion erklärte sich auch die Ukraine 1991 unter Anschluss an die GUS unabhängig. Der im Folgejahr ausgesprochene Streit mit Russland um die Schwarzmeerflotte führte zur weitgehenden wirtschaftlichen und kulturellen Autonomie der (überwiegend von Russen besiedelten) Halbinsel innerhalb der Ukraine (1992) und 1997 zu einem Freundschaftsvertrag, mit dem die territoriale Integrität der beiden Staaten, der Schutz der jeweiligen Minderheiten und  die Aufteilung der Flotte zwischen Russland und der Ukraine einvernehmlich geregelt wurde. 

Seither befindet sich die Ukraine in einer Zerreißprobe. Insbesondere die Krim und die überwiegend von Russen bewohnten ostukrainischen Industriegebiete wünschen eine enge Bindung mit Russland, während sich viele Ukrainer nach Jahrhunderten der „Russifizierung“ vom großen Nachbarn „freischwimmen“ und sich mehr nach Europa orientieren wollen.

Die Ukraine ist seit dem 08.11.1995 Mitglied des Europarats. Seit 2005 wird von der ukrainischen Führung die Integration in euro-atlantische Strukturen immer wieder zur außenpolitischen Priorität des Landes erklärt. Im Jahr 2007 wird sich die EU mit Fragen zu einer bevorzugten Partnerschaft mit der Ukraine befassen. Dabei ist auch zu klären, inwieweit sich die Ukraine im Rahmen der GUS in die wirtschaftliche Zusammenarbeit dieser Staaten einbinden lässt. Der am 19. September 2003 vereinbarten Einrichtung eines „Einheitlichen Wirtschaftsraums“ (EWR) zwischen den vier Mitgliedstaaten Russland, Weißrussland, Kasachstan und Ukraine stand die Ukraine bisher zurückhaltend gegenüber. Der EWR hat zum Ziel, eine enge Wirtschaftsunion mit supranationalen Institutionen zu schaffen. Die Ukraine hat erklärt, sich lediglich an einer Freihandelszone ohne supranationale Entscheidungsverfahren zu beteiligen. Die darüber hinaus gehenden Integrationsschritte lehnte die Ukraine als unvereinbar mit dem strategischen Ziel einer EU-Mitgliedschaft ab.

Stattdessen bemüht sich die Ukraine, mit Georgien, Aserbaidschan, Moldau und Usbekistan eine gemeinsame Freihandelszone (GUAM) zu gründen und die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Transport und Bekämpfung der Organisierte Kriminalität zu verstärken. Gleichzeitig hat die Ukraine mit Georgien die „Community of Democratic Choice“ aus der Taufe gehoben. Diese  „Gemeinschaft für demokratische Wahl“ soll sich aus den Staaten des Ostsee-, des Schwarzmeerraums und des Kaspischen Meeres rekrutieren. Ehrgeiziges Ziel ist die Eröffnung einer „neuen Ära der Demokratie, Stabilität und Frieden“ in der Region.

Externer Link:
Geschichte Ukraine – (www.auswaertiges-amt.de)