Osteuropa — Kosovo

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Die wichtig­sten Infor­ma­tio­nen im Überblick:

Regierungs­form (Gov­ern­ment Type): Repub­lik

Karte Kosovo Map Kosovo

Haupt­stadt (Cap­i­tal): Pristi­na
Ein­wohn­er (Pop­u­la­tion): ca. 2 Mio. Albaner, 130.000 Ser­ben
Fläche (qkm) (Area sq.km): 10.877 qkm qkm
Wehre­tat (Defence Bud­get): ?
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 1.273 $ (2005)

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Dat­en aus dem Dossier von www.auswaertiges-amt.de ent­nom­men

Verteilung der Ethnien im Kosovo 2005
Verteilung der Eth­nien im Koso­vo 2005
Quelle: Wikipedia

Land und Leute:
Das Gebi­et des Koso­vo ist über­wiegend von (mus­lim­is­chen) Albanern besiedelt. Die Albaner sind ein indoger­man­is­ches Volk und nach über­wiegen­der Mei­n­ung die Nachkom­men der bere­its in der Antike bekan­nten Illyr­er. Geschlossenes Alban­is­ches Sied­lungs­ge­bi­et gibt es neben dem bekan­nten Alban­ien auch in Maze­donien (500.000 Per­so­n­en), Rest­ser­bi­en (200.000 Per­so­n­en im Bere­ich des Pre­se­vo-Tales) und in Mon­tene­gro (45.000 Ein­wohn­er). Alban­is­che Sied­lungs­grup­pen gibt es im gesamten Bere­ich des Balkan bis Griechen­land und sog­ar in Ital­ien (Flüchtlinge aus der Zeit nach der osman­is­chen Eroberung).

Im Nor­den des Flusses Ibar, der die Stadt Mirovi­ca teilt, lebt eine ser­bis­che Bevölkerungsmehrheit (ca. 60.000 Per­so­n­en). Das Nor­dufer des Ibar wird seit dem Rück­zug der ser­bis­chen Trup­pen (s.u.) von ser­bis­chen Brück­en­wächtern gesichert. Die Bindun­gen des Gebi­etes an Ser­bi­en sind fak­tisch nie unter­brochen wor­den und weit­er­hin sehr eng.
Auch im Süden an der Gren­ze zu Maze­donien befind­et sich um Str­pce ein geschlossenes ser­bis­ches Sied­lungs­ge­bi­et, eine Enklave. Die Ser­ben sind Nach­fahren slaw­is­ch­er Stämme, die in den Ein­har­di Annales für das Jahr 822 genan­nt wer­den. Darin ist die Rede von Soraben, die einen großen Teil der Prov­inz Dal­ma­tia besiedel­ten (… ad Sora­bos, quae natio mag­nam Dal­ma­ti­ae partem obtinere dic­i­tur). Inwieweit es sich hier um Ver­wandte der Sor­ben an der Elbe han­delt, ist nicht gek­lärt. Der Name dürfte auf den indoeu­ropäis­chen Wort­stamm srb, welch­er ursprünglich “Ver­wandter, Ver­bün­de­ter” bedeutete, zurück­zuführen sein.

Daneben gbt es ins­beson­dere Bosnier, Türken, Roma und Aschkali (mus­lim­is­che Roma) als weit­ere Eth­nien.

Das war nicht immer so:
Die alten ser­bis­chen Klöster wie das Gra­cani­ca Kloster südlich von Prsti­na, das als Weltkul­turerbe (seit 2004) anerkan­nte Kloster Decani und Kirchen­baut­en (Pec östlich de Rugo­va-Schlucht und ide St. Uros Kathe­drale von Uro­se­vac) zeigen eine uralte ser­bisch-ortho­doxe Geschichte.
Als am 28. Juni 1389 die Armeen ein­er christlichen Allianz (auch alban­is­ch­er Kämpfer) unter der Führung des ser­bis­chen Fürsten Lazar in ein­er aus­sicht­slosen Schlacht den expandieren­den osman­is­chen Trup­pen unter­la­gen war das Schick­sel der ser­bis­chen Ortho­dox­ie im Koso­vo nahezu besiegelt. Für über 500 Jahre wurde das Gebi­et teil des Osman­is­chen Reich­es, und die Osma­n­en set­zten eine Islamisierung der Bevölkerung durch. Dies Schlacht selb­st wurde aber zu einem Mythos — der erhe­blich zur Bil­dung der ser­bis­chen Nation­al­ität beitrug.
Erst 524 Jahre später kon­nten ser­bis­che Trup­pen das Gebi­et in einem äusserst bru­tal­en Eroberungs­feldzug zurück gewin­nen. His­torik­er sprechen von den ersten eth­nis­chen Säu­berun­gen zu Beginn des 20. Jahrhun­derts, der von Okto­ber 1912 bis Sep­tem­ber 1913 rund 20.000 Albaner zum Opfer fie­len. In einem Rachefeldzug der Albaner wur­den in den Win­ter­monat­en 1915/16 dann ser­bis­che Trup­pen, die sich auf der Flucht vor den siegre­ichen Mit­telmächt­en zur Adria durch­schla­gen woll­ten, von alban­is­ch­er Gueril­la niedergemet­zelt. An der Zuge­hörigkeit des Koso­vo zu Ser­bi­en änderte sich dadurch — und auch durch den zweit­en Weltkrieg, der einen Sieg der Par­ti­sa­ne­n­armee Titos und den Kun­st­staat Jugoslaw­ien zur Folge hat­te — nichts.
Sei­ther sind die Beziehun­gen zwis­chen Albanern und Ser­ben mehr als anges­pan­nt. Titos Sicher­heits­di­enst und Führung von Alexan­der Rankovic span­nte ein eng­maschiges Sicher­heits- und Kon­troll­netz, die Albaner wur­den abfäl­lig als “Skipetaren” beze­ich­net. Erst 1966/67 begann eine Öff­nungspoli­tik, die das Nation­al­be­wusst­sein der Albaner explodieren lies. Mit mas­siv­en Zugeständ­nis­sen wie de 1970 eröffneten Uni­ver­sität von Pristi­na, in der auch auf alban­isch gelehrt wurde, ver­suchte Tito die jahrzehn­te­lange Unter­drück­ung zu rev­i­dieren und eine geord­nete Entwick­lung zu ermöglichen — zu Las­ten der Ser­ben.
Die extreme wirtschaftliche Not­lage und die Rivaltität der unter­schiedlichen Volks­grup­pen führte im März 1981 zu ersten nationalen Protestkundge­bun­gen der Albaner mit der Forderung eine Wiedervere­ini­gung mit Alban­ien.
Diese Unruhen wur­den von Ser­ben als “Kriegserk­lärung” ver­standen — und auf ein­er Welle naion­al ser­bis­chen Protests und antial­ban­is­ch­er Het­ze ergriff Slo­bo­dan Milo­se­vic das Rud­er. Unter dem Druck ser­bis­ch­er Panz­er wurde die “Selb­stent­mach­tung” der autonomen Region Koso­vo (28. Juni 1989) durchge­set­zt. Im Juni 1991 begann dann eine “Apartheit­sregierung” nach südafrikanis­chem Vor­bild. Alban­is­che Ärzte und Lehrer wur­den ent­lassen und nicht mehr bezahlt, in den Schulen getren­nter Unter­richt für die Kinder der unter­schiedlichen Eth­nien einge­führt. Regelmäßig fie­len Albaner ser­bis­chen Polizeiüber­grif­f­en zum Opfer — mit tötlichem Aus­gang.

Dabei ist zu bedenken, dass der harte Zugriff der Ser­ben im Kon­text mit dem Zer­fall des ehe­ma­li­gen Jugoslaw­ien zu sehen ist. Am 25. Juni 1991 erk­lärten sich Kroa­t­ien und Slowe­nien für unab­hängig — was einen bis 1995 andauern­den Krieg zur Folge hat­te. In diesem Krieg fan­den u.a. im Juli 1995 die Ermorderun­gen von 8.000 Bosniern in Sre­breni­ca statt.  

Die ser­bis­chen Über­griffe führten im Koso­vo 1997 der Wieder­bele­bung der alban­is­chen Gueril­la, die sich als UCK (Befreiungsarmee des Koso­vo) kon­sti­tu­ierte. Ter­ror­is­tis­che Aktio­nen der UCK und Vergelungss­chläge der Ser­ben schaukel­ten sich immer mehr hoch. Den Höhep­unkt erre­ichte der Bürg­erkrieg am 22. März 1999 — als Ser­ben die Häuser von Koso­vo-Albanern abfack­el­ten. Zwei Tage später, am 24. März 1999 und 19:00 Uhr  griff die NATO in der Oper­a­tion “Allied Force” — dem ersten Krieg der NATO in deren 50jähriger Geschichte — auf Seite der Albaner in die Kämpfe ein. Hun­der­tausende Zivilis­ten — vor allem Albaner — flo­hen  vor den Kriegswirren in die Nach­barstaat­en.
Die ser­bis­che Armee wurd geschla­gen. Der Waf­fen­still­stand vom 10. Juni 1999 war fak­tisch eine bedin­gungslose Kapit­u­la­tion. Die ser­bis­chen Trup­pen zogen sich aus dem Koso­vo zurück und wur­den durch zunächst 40.000 Sol­dat­en der Kfor erset­zt. Nach min­destens 10.00 Toten und 1,5 Mio. Ver­triebe­nen wurde der Koso­vo ein UN-Pro­tek­torat.

Das Ein­satzge­bi­et der KFOR umfasst mehrere Sek­toren mit derzeit (Feb­ru­ar 2008) ins­ge­samt rund 13.000 Sol­dat­en:

  • den Sek­tor West an der Gren­ze zu Alban­ien mit ca. 3.000 Sol­dat­en unter ital­ienis­che Kom­man­do

  • den Sek­tor Süd mit ca. 4.000 Sol­dat­en unter türkischem Kom­man­do

  • den Sek­tor Ost mit ca. 2.400 Sol­dat­en unter US-Kom­man­do

  • den Setor Nord mit ca. 1.700 Sol­dat­en unter franzö­sis­chem Kom­man­do

  • den Sek­tor Zen­tral mit ca. 1.800 Sol­dat­en unter irischem Kom­man­do.

 

Für die Ver­wal­tung sind derzeit (Feb­ru­ar 2008) rund 2.800 UN-Experten tätig.

In der UN-Res­o­lu­tion 1244 von 1999 — die als Doku­ment des Sicher­heit­srates binden­des Völk­er­recht ist — wurde die Präsenz west­lich­er Trup­pen im Koso­vo legit­imiert. Mit dieser Res­o­lu­tion wurde auf Drän­gen Rus­s­lands und Chi­nas aber auch die “Sou­veränität und ter­ri­to­ri­ale Unversehrtheit des Bun­desre­pub­lik Jugoslaw­ien” fest­geschrieben.

Sei­ther fan­den ergeb­nis­lose Ver­hand­lun­gen zwis­chen Ser­ben und Koso­vo-Albanern um die Zukun­ft der Prov­inz statt, die von Rus­s­land, den USA und der EU begleit­et wur­den. Ein “Ergeb­nis” dieser Ver­hand­lun­gen ist der nach dem früheren finnis­chen Staat­spräsi­den­ten so genan­nte Ahti­saari-Plan wer­den. Dieser ver­han­delte im Auf­trag der Vere­in­ten Natio­nen monate­lang mit Albanern und Ser­ben und legte schließlich, nach­dem es keine Eini­gung gab, seinen eige­nen Vorschlag vor: eine Art überwachte Unab­hängigkeit, kon­trol­liert von ein­er inter­na­tionalen Ver­wal­tungs­be­hörde.

Die bru­tale Unter­drück­ung der Koso­vo-Albaner durch Ser­ben ist inzwis­chen Ver­gan­gen­heit. Ser­bi­en bietet den Koso­varen weit­ge­hende Frei­heit­en an, und wider­set­zt sich ein­er weit­ge­hen­den Autonomie der Prov­inz in kein­er Weise.
Die vom Vök­er­recht her legit­imierte Abspal­tung von Ter­ri­to­rien, wenn inner­halb eines Staates bes­timmte Teile der Bevölkerung nicht mehr vertreten son­dern (durch bru­tale Men­schen­rechtsver­let­zun­gen und “Völk­er­mord”) unter­drückt wer­den, bietet heute keine Grund­lage für eine Unab­hängigkeit­serk­lärung des Koso­vo.
Wenn derzeit eine Unab­hängigkeit der Koso­vo-Albaner disku­tiert wird, dann kön­nen mit gle­ichem Recht die Ser­bis­chen Enklaven ihre Unab­hängigkeit vom Koso­vo ver­lan­gen, dann kann das alban­is­che Pre­se­vo-Tal seine “Wiedervere­ini­gung” mit dem Koso­vo ein­fordern, und dann kön­nen wel­weit Unab­hängigkeits­be­we­gun­gen den eige­nen Staat ein­fordern — Georgiens abtrün­nige Prov­inzen sind nur ein Beispiel.