Taiwan (Republik China)


Taiwan Republik China Republic of

Tai­wan ist ein Insel­staat — mit einem poten­tiellen Geg­n­er an der Küste, der an schier­er Masse den tai­wane­sis­chen Stre­itkräften haushoch über­legen ist.

Tai­wan muss also in einem Kon­flikt ein­er­seits seine Luft- und See­verbindun­gen offen hal­ten um nicht (wie beina­he Großbri­tan­nien im let­zten Weltkrieg) “aus­ge­hungert” zu wer­den, und gle­ichzeit­ig über unab­hängige Stre­itkräfte ver­fü­gen, die auch nach län­ger­er Iso­la­tion operieren und geg­ner­ische Lan­dung­sun­ternehmen abwehren kön­nen.

Hier hat sich seit Anfang de 90er Jahre eine deut­liche Umkehr in der mil­itärischen Ori­en­tierung vol­l­zo­gen. Während nach der Nieder­lage und dem Rück­zug der Nation­alchi­ne­sen nach Tai­wan (1949) das Haup­tau­gen­merk ein­er Rücker­oberung des Fes­t­lands galt, dienen nun­mehr die Stre­itkräfte vor allem der Abwehr ein­er befürchteten mil­itärischen Aggres­sion des Fes­t­landes — denn während Chi­na nach der Flucht Tschaing Kai Tscheks kaum über Möglichke­tien ver­fügte, Lan­dungstrup­pen nach Tai­wan zu schick­en und der Luft­waffe die Herrschaft über der Insel stre­it­ig zu machen — auch Chi­nas Flotte (PLAN) war über­wiegend auf den Küsten­schutz aus­gelegt — weit­et Chi­na seine Möglichkeit­en zum Ein­satz an und über der Insel zuse­hends aus. Inzwis­chen sind nicht mehr nur die unmit­tel­bar vor der Küste gele­ge­nen Inseln Que­moy und Mat­su, son­dern sog­ar die Hauptin­sel selb­st poten­tiell bedro­ht.

Marinestre­itkräfte:
Für einen Insel­staat sind Marinestre­itkräfte ein Eckpfeil­er der eige­nen Sichere­htispoli­tik. In den 50er Jahren erhielt die RoCN (Repub­lic of Chi­na Navy) eine ganze Serie von amerikanis­chen Schif­f­en, wobei vor allem auf Lan­dungss­chiffe und Begleitzer­stör­er und Fre­gat­ten Wert gelegt wurde.

Bere­its 1961 ver­fügte Tai­wan über ein Dock­lan­dungss­chiff (LSD) und 20 LST’s (Land­ing Ship Tank) sowie eine große Menge klein­er Lan­dungs­fahrzeuge. Bis Mitte der 70er Jahre kamen noch weit­ere Ein­heit­en dazu — so dass 1975 bere­its 19 Zer­stör­er und 13 Fre­gat­ten die Gewäss­er um die Insel absicherten. Aus dieser Flotte — auf­grund der Schwäche Chi­nas über­wiegend noch mit ex US-WW II Schif­f­en betrieben —  ist inzwis­chen eine mod­erne Marine gewor­den. So wur­den die ehe­ma­li­gen US-Zer­stör­er mit mod­er­nen Waf­fen und Elek­tron­ik mod­ernisiert (“Wu Chin I‑III Stan­dard”).

Begonnen hat die Mod­ernisierung mit der Beschaf­fung von 8 US-Fre­gat­ten der OLIVER-HAZARD-PERRY Klasse, aber mit FFG-61 Stan­dard (Cheng-Kung-Klasse). Dabei wur­den die let­zten Schiffe — zulet­zt Ende 2003 die “TIEN DAN” — bere­its auf ein­heimis­chen Werften aus­gerüstet. Als näch­ster Schritt wur­den weit­ere 8 Fre­gat­ten eines franzö­sis­chen “LA FAYETTE-Derivats” (Kang-Ding-Klasse) beschafft, die eine sehr geringe Radarsig­natur haben. Zugle­ich begann 1993 der Bau klein­er, selb­st entwick­el­ter Korvet­ten (Jin Chang Klasse) zum Patroul­lien­di­enst. Zur Bekämp­fung der immer stärk­eren U‑Boot Waffe der PLAN wur­den 10 ex — US KNOX Fre­gat­ten beschafft, zwei davon allerd­ings von Anfang an als Ersatzteil­spender zur “Kani­bal­isierung” vorge­se­hen. Auch hier achtet Tai­wan zunehmend auf Unab­hängigkeit von aus­ländis­chen Liefer­un­gen. Die näch­sten Fre­gat­ten sollen dann mit dem tai­wane­sis­chen Seeziel-Flugkör­p­er Hsi­ung Feng II aus­ges­tat­tet wer­den, und auch die alen HAI-OU-FK-Schnell­boote wer­den durch eine neue selb­st entwick­elte Klasse (KWANG HUA VI) erset­zt.

Nun wer­den die let­zten WW-II Zer­stör­er der CHIEN YANG-Klasse (ex US Gear­ing — Type) zugun­sten der Beschaf­fung von mod­eren KIDD-Typ-Zer­stör­ern auss­er Dienst gestellt. Beson­ders schwierig war die Beschaf­fung von U‑Booten. Die USA hat­ten Tai­wan zwar die Beschaf­fung von 8 kon­ven­tionellen U‑Booten zuge­sagt — woher aber nehmen, wenn man selb­st nur mehr über nuk­lear getriebende U‑Boote ver­fügt? Tai­wan beschaffte sich zunächst ein älteres, noch aus dem Weltkrieg stam­mendes kon­ven­tionelles U‑Boot — ange­blich zum Train­ing sein­er (dur­chaus starken) ASW-Kräfte mit zugeschweis­sten Tor­pe­dorohren .… aber bere­its nach kurz­er Zeit war es den Tai­wane­sen gelun­gen, das Boot ein­satzbere­it zu machen, und noch ein zweites Boot (Typ US Tench) zu beschaf­fen. Daneben kon­nten in den Nieder­lan­den zwei mod­erne Diesel-U-Boote (Hai Lung-Klasse) beschaft wer­den. Auch die amphibis­che Kom­po­nente — inzwis­chen rel­a­tiv ver­al­tet — ist durch die Beschaf­fung einiger großer Lan­dungss­chiffe in den USA noch vor der Jahrtausendwende mod­ernisiert wor­den.

Über 20 Fre­gat­ten, über 10 Korvet­ten, fast 50 Flugkör­per­schnell­boote, 4 kon­ven­tionelle U‑Boote, 12 Minen­such­er und die — immer noch — starke amphibis­che Kom­ponene (1 LSD Shui Hai — Tyo US Pen­saco­la, 2 LS Chung Ho — Typ US New­port, 11 LS Typ US-LST und 4 LS “Mei Lo” Typ US-LSM) sowie Patrou­uil­len­boote und Hub­schrauber bilde­ten zur Jahrtausendwende eine der stärk­sten Flot­ten Asiens, die mit über 32.000 Mann und zusät­zlich etwa 35.000 Marines auch über eine beein­druck­ende “Man­pow­er” ver­fügt. Die U‑Boote, eine Menge von mod­ernisierten FK-S-Booten und starke Küsten­be­fes­ti­gun­gen sind dur­chaus in der Lage, amphibis­che Oper­a­tio­nen der PLAN mas­siv zu stören — wenn nicht gar zu ver­hin­dern.

Eines der Haup­tau­gen­merke der Marine dient der Raketen­ab­wehr, da Chi­na auf dem Fes­t­land hun­derte von Boden-Boden-Raketen sta­tion­iert hat. Vier aus­ge­muster­ste US-DD’Gs der KIDD-Klasse kor­re­spondieren mit dem (1993 geliefer­ten) MK 41 VLS und dem Patri­ot-SAM-Sys­tem.

Luft­waffe:
Auch die Luft­waffe Tai­wans war zunächst aus US-Bestän­den aufgerüstet wor­den. Allerd­ings strebt Tai­wan auch hier immer mehr Unab­hängigkeit — und damit Sicher­heit — an. Ab ca. 1960 ent­stand eine eigene Luft­wahftin­dus­trie, die 1969 mit der Grün­dung des “Aero Indus­try Devel­op­ment Cen­tre” (AIDC) ihren Höhep­unkt fand. Eine gemein­same Tochter vin AIDC und Gar­rett ist die Tur­bo Eng­ince Com­pa­ny, die Trieb­w­erke her­stellt. Die maßge­bliche Beteili­gung des Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums zeigt, welchen Zweck diese Indus­trie haben sollte.

Dementsprechend wur­den Flugzeug­typen wie die F‑5 in Lizenz pro­duziert und aus den Lizen­zfer­ti­gun­gen wie der T‑28 Tro­jan (Tur­bo­prop) eigene Vari­anten (T‑CH‑1) entwick­elt. Bere­its 1980 wurde mit der Eige­nen­twick­lung des Strahltrain­ers AT‑3 (Tsu Chi­ang) und dem daraus abgeleit­eten Jagdbomber AT‑3 B ein weit­er Schritt unter­nom­men. Die so entwick­el­ten Ken­nt­nisse waren die Grund­lage für das selb­st entwick­elte Kampf­flugzeug  IDF (Indige­nous Defence Fight­er) F‑CK‑1  (oder auch Ching Kuo, nach einem früheren Präsi­den­ten). Mit maßge­blich­er Beteili­gung von Inge­nieuren des US-Konz­erns Gen­er­al Dynam­ics wurde die Entwick­lung des Fight­ers — par­al­lel zur Entwick­lung der J‑10 — in den achtziger Jahren aufgenom­men. Allerd­ings ver­fügt der tai­wane­sis­che Kampf­jet über zwei Trieb­w­erke, die in Tai­wan von der Inter­na­tion­al Tur­bo Engine Com­pa­ny hergestellt wer­den. Bere­its 1989 wurde der Erst­flug absolviert, und 1992 kon­nte die Serien­fer­ti­gung (mit einem Dop­pel­sitzer) aufgenom­men wer­den.  Über 100 ein­sitzige Fight­er (F‑CK-1A) und knapp 30 zweisitzige Train­er F‑CK-1B, die aber auch voll ein­satzfähig sind, wur­den bis zur Jahrtausendwende fer­tig gestellt. Mit der als Mehrzweck­kampf­flugzeug einge­set­zten F‑CK‑1 wur­den die F‑5 und die — eben­falls von den USA erwor­be­nen — F‑104 erset­zt. 

Neben diesem Eige­nen­twurf fliegt die Luft­waffe Tai­wans seit 1996 auch europäis­che Typen (min­destens 60 Mirage 2000) und seit 1997 sind min­destens 150 F‑16 aus den USA zuge­laufen.

Tai­wans Flughäfen — die Insel ist selb­st nur etwa halb so groß wie Bay­ern — haben einen gewalti­gen Nachteil: sie wer­den wohl als erstes in das Feuer geg­ner­isch­er Kräfte ger­at­en. Die Luft­waffe Tai­wans ist daher darauf vor­bere­it­et, den Flug­be­trieb auf Auto­bah­nen auszu­lagern.

Auch die weiträu­mi­gen ASW-Ein­sätze Tai­wans wer­den von der Luft­waffe durchge­führt.

Boden­trup­pen:
“Boden­trup­pen” ist eigentlich der falsche Aus­druck, wenn man die Kapaz­itäten Tai­wans für den Bodenkampf beschreiben möchte. Auch hier ist das Haup­tau­gen­merk auf die Abwehr von Lan­dung­sun­ternehmen gerichtet — die bere­its von Anfang an mit möglichst großer Feuerkraft zer­schla­gen wer­den sollen. Die Panz­er — vor­wiegend ältere M‑41, M‑48 und M‑60 — sind dage­gen für weit aus­holende offen­sive Bew­er­gun­gen kaum zu ver­wen­den, aber für Vertei­di­gungsauf­gaben auf der kleinen Insel immer noch geeignet. Dazu kommt eine größere Anzahl von Geschützen. Das Haup­tau­gen­merk hat Tai­wan aber auf die Beschaf­fung von Hub­schraubern gelegt. Über 250 Hub­schrauber, davon rund 80 Kampfhub­schrauber (in etwa der israelis­chen Hub­schrauber­flotte ver­gle­ich­bar), kön­nen schnell in Bodenkämpfe ein­greifen und Boden­trup­pen zu Abwehrschw­er­punk­ten trans­portieren.

Einge­denk der Emf­pindlichkeit von Flugfeldern hat Tai­wan eine große MEnge an Kampf- und Trans­porthub­schraubern beschafft, die im Ern­st­fall auch im gebir­gi­gen Osten der Insel auf Lich­tun­gen und in Sche­unen dis­loziert wer­den kön­nen, und von dort aus in kürzester Zeit in Lan­dungs­ge­fechte ein­greifen kön­nten.

Externe Links:
A. Ful­das Link-Samm­lung zum Sou­veränität­skon­flikt zwis­chen Tai­wan und Chi­na

Die Geschichte Tai­wans und die Beziehun­gen zwis­chen Tai­wan und der Volk­sre­pub­lik Chi­na