Ost Timor

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Neue Kolo­nial­isierung durch Indone­sien?
Wider alle Erwartun­gen fand sich Indone­sien über Jahrzehnte hin einem erbit­terten, zunehmend stärk­er wer­den­den Wider­stand der christlichen Bevölkerung gegenüber gestellt.
In einem zunehmend bru­taleren Ein­satz — dem rund ein­hun­dert­tausend Bewohn­er zum Opfer fie­len — ver­suchte die indone­sis­che Staats­macht, sich in der kul­turell so anders aus­gerichteten Insel­hälfte zu etablieren.
Dieser Kampf fand im Schat­ten der Welt­poli­tik statt. Inzwis­chen hat­te Chi­na eine Annäherung zur west­lichen Welt vol­l­zo­gen, die boomenden südostasi­atis­chen “Tiger­staat­en” (vor allem mit Indone­sien) des ASEAN-Bünd­niss­es boten glänzende Gewin­n­möglichkeit­en, und auch Viet­nam näherte sich immer weit­er der ASEAN. Eine Zeit der friedlichen Wirtschaftswun­der fand in ganz Ostasien statt — bis das “Tien an men” — Mas­sak­er 1989 plöt­zlich die harte Seite auf­scheinen lies.
Plöt­zlich waren im Gedächt­nis Amerikas wieder “human rights” und nicht nur glänzende Wirtschaftsper­spek­tiv­en bewusst.

Inzwis­chen war auf Ost­ti­mor fast die Hälfte der Bewohn­er in Sam­mel­lager umge­siedelt, um den Wider­stand der Fretelin zu brechen. Erfol­g­los — und als im Novem­ber 1991 ein friedlich­er Protest­marsch vor laufend­en Fernsehkam­eras auch west­lich­er Sender durch die indone­sis­che “Besatzungs­macht” zusam­mengeschossen wurde, bah­nte sich auch gegenüber Ost­ti­mor und Indone­sien ein Umdenken der west­lichen Staaten­welt an — zu stark war der Anklang an den “Tien an men”, um über ein solch­es Mas­sak­er weit­er hin­weg zu sehen. Schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Men­schen, ein Drit­tel der Bevölkerung, star­ben in 25 Jahren indone­sis­ch­er Herrschaft an den Fol­gen des Krieges: an Hunger und Seuchen und infolge der bru­tal­en Ver­fol­gung durch indone­sis­che Sol­dat­en.

Gle­ichzeit­ig war die Chimäre der kom­mu­nis­tis­chen Domi­nos­teine, die nach Viet­nam fall­en wür­den — endgültig ent­tarnt.
Indone­sien war nicht mehr der notwendi­ge geostrate­gis­che Part­ner im Kampf gegen den Kom­mu­nis­mus.
Durch eine katas­trophale Finanzpoli­tik und knall­harte Währungsspeku­la­tio­nen der inter­na­tionalen Finanzwelt stürzte Indone­sien (das vorüberge­hend die Gren­zen des Wach­s­tums erre­icht hat­te) zeit­gle­ich in erhe­bliche, exis­ten­tielle Nöte.

Vielle­icht entschei­dend wurde aber eine wichtige Ent­deck­ung, die auch eine völ­lige Kehrtwen­dung der amerikanis­chen und aus­tralis­chen Regierung zur Ost-Tim­or-Frage erk­lären kann. Hier sei Peter Scholl-Latour *) ein­mal wortwörtlich zitiert:
>“Warum haben sich Amerikan­er und Aus­tralier (die Regierung Aus­traliens hat­te den Anschluss Ost-Tim­o­rs anerkan­nt) auf diese für Europäer und Chris­ten dur­chaus begrüßenswerte Kehrtwen­dung in der Ost-Tim­or-Frage ein­ge­lassen, wo sie doch bis­lang jed­er moralis­chen Ver­ant­wor­tung aus dem Weg gegan­gen waren?” hat­te ich einen mir seit langem bekan­nten indone­sis­chen Pro­fes­sor der Uni­ver­sität Djok­jakar­ta gefragt. “In der engen Meer­esstraße von Tim­or, zwis­chen dem aus­tralis­chen Kon­ti­nent und der umstrit­te­nen Insel, sind beachtliche Erdölvorkom­men geortet wor­den.” lautete die resig­nierte Antwort. “Oil is the final esplan­ta­tion of Amer­i­can pol­i­tics even in this remote area.”<

Als die Ein­wohn­er Ost-Tim­o­rs in einem von den Vere­in­ten Natio­nen durchge­führten Ref­er­en­dum mit über­wälti­gen­der Mehrheit für die Unab­hängigkeit von Indone­sien entsch­ieden hat­ten, ver­wan­del­ten pro-indone­sis­che Milizen mit tatkräftiger Unter­stützung des Mil­itärs das kleine Land in ein Flam­men­meer. Sie quit­tierten den Willen der Ost-Tim­o­re­sen mit Mord und Vertrei­bung. Milizen ver­weigerten oder erschw­erten Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen den Zugang zu den Lagern und ter­ror­isierten die Insassen. Nach Schätzun­gen der Hil­f­sor­gan­i­sa­tion CARE waren alleine auf Grund dieses flächen­deck­enden Mas­sak­ers mehr als 120.000 Men­schen nach West Tim­or geflo­hen, etwa 200.000 Men­schen soll­ten inner­halb Ost-Tim­o­rs auf der Flucht sein.
Die UN kon­nte die Ost-Tim­o­re­sen nicht schützen, sie mußte selb­st fliehen. Um das Mor­den und die Vertrei­bun­gen zu stop­pen, entschlossen sich die Vere­in­ten Natio­nen let­ztlich zu ein­er mil­itärischen Inter­ven­tion. Bill Clin­ton erzwang im Ver­bund mit den Vere­in­ten Natio­nen endgültig die Räu­mung Ost-Tim­o­rs von der indone­sis­chen Armee, und der amerikanis­che Kon­greß unter­band die Beziehun­gen zu Indone­sien.