Turkstaaten – Usbekistan



Usbekistan
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Nationalisierung der Wirtschaft
Russische Führungskräfte werden mit versteckten und offenen Drohungen, Erpressungen und psychischem Druck aus den Wirtschaftsunternehmen des Landes gedrängt und durch einheimische Kräfte ersetzt; in der Wirtschaft des Landes findet eine „Nationalisierung“, die bisweilen fatal an die „Arisierung“ jüdischer Wirtschaftsbetriebe erinnert und vor Joint-ventures mit westlichen Unternehmen nicht Halt macht.
Die Wirtschaft Usbekistans ist breit strukturiert: Ihr hohes Niveau verdeutlichen Branchen wie der Flugzeug- und Fahrzeugbau, Landwirtschaftsmaschinen, Haushaltselektronik und Weltraumtechnik. 
Daneben befindet sich in Usbekistan eine traditionell von den Usbeken selbst geführte blühende Landwirtschaft, die heute etwa 40 % der Arbeitsplätze Usbekistans stellt. 
Wichtigstes Anbauprodukt ist Baumwolle, so daß Usbekistan mit 4 Millionen Tonnen der fünftgrößte Baumwollproduzent der Welt ist. 
In der Herstellung von Rohseide (10.000 Tonnen) steht das Land in der Welt an 4. Stelle. 
Außerdem werden Weizen, Reis, Gambohanf, Jute sowie Obst – bei Zuckermelonen sind mehr als tausend Sorten bekannt – und Gemüse angebaut.

Nach Baumwolle haben vor allem Gold und Energie die Exporterlöse des Lands im Jahre 2007 um 40 % erhöht. Dazu kommen Auslandsüberweisungen der usbekischen „Gastarbeiter“ in Kasachstand un Russland in Höhe von ca. 1,4 Mio. $.  Ein Viertel der Bevölkerung lebt an oder unter der Armutsgrenze (Schätzung des Internationalen Währungsfonds von Ende 2007). Das Durchschnittseinkommen beträgt monatlich etwa 210 $.

Usbekisten verfügt über Bodenschätze wie Gas (11. Platz der Weltrangliste), Öl, Eisenerz, Kupfer, Uran  (7. Platz der Weltrangliste) und Gold (weltweit 9. Platz). Die Deutsche Kabal AG (DKG) – eine der wenigen Engagments westlicher Firmen – stellt in Taschkent aus dem Kupfererz Kupferdrähte und Kapel sowie Kupferhalbzeuge in hoher Qualität her – in einigen Bereichen inzwischen als Marktführer Zentralaisens.

Wirtschaftsentwicklung:
Die sowjetische Regierung machte Zentralasien völlig von sich abhängig: Die Region wurde einerseits zu einem Produzenten von Rohstoffen, die nach Russland ausgeführt wurden, und andererseits zu einem Konsumenten von russischen Fertigprodukten.
Zentralasien wurde zum Land der Baumwolle gemacht, ein Rohstoff, den die Sowjetunion dringend für ihre Textilindustrie benötigte. Dass dabei die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört wurden   – die größte Katastrophe ist die Austrocknung des Aral-Sees, da ein Großteil der Zuflüsse (insbesondere des Amurdarja im Süden) für Baumwollfelder abgeleitet wird – war für die Parteibonzen im fernen Moskau egal. Zwischenzeitlich gediehen Flundern im salzig gewordenen See, die aus dem Asowschen Meer eingebürgert wurden und mit Hilfe eines dänischen Entwicklungshelfers von hunderten Fischern gefangen wurden.

Heute sind für Usbekistan nicht nur die reichen Fischgewässer des Sees verloren.  Der See mit einer Größe von einst knapp 68.000 km² hat sich geteilt, und der „Große See“ im Süden fasst mit gut 30.000 km² – zusammen mit den 3.000 km² großen kleinen Aralsee im Norden, nicht einmal mehr die Hälfte der ursprünglichen Seefläche. An seiner Stelle breitet sich eine giftige Salzwüste aus, deren Rückstände mit dem Wind im ganzen Land verweht werden.
Für den großen Aralsee – den durch eine Salzwüste vom nördlichen Zufluss getrennten südlichen, usbekischen Teil – wird die Situation inzwischen noch verstärkt. Ein 13 km langer Damm trennt seit August 2005 den kleinen See mit seinem Zufluss, dem Syrdarja, im Norden ab. Während sich der kleine See inzwischen wieder um gut 900 km² vergrößert hat fehlt das dort aufgestaute Wasser im südlichen, usbekischen Teil. Nur wenn die Schleusenanlage im Damm geöffnet wird, weil der Druck zu stark wird, kann auch der südliche Seeteil wieder von seinem zweiten großen Zufluss profitieren.

Wasser ist in den zentralasiatischen Staaten ein knappes Gut. Knapp 90 % stammen aus den Gebirgsgegenden und sogar aus Gletschern zwischen Afghanistan und Kirgistan – und der Amurdarja (Oxus), der auf lange Strecken hin die Grenze zwischen Turkmenistan und Usbekistan markiert, wird im Wesentlichen aus Quellzuflüssen aus Afghanistan und Tadschikistan gespeist. Und die Tadschiken brauchen Energie. Der Nurek-Staudamm aus den siebziger Jahren, die fast fertig gestellten Staudämme Sangtuda I und II und der gigantische (geplante) Staudamm von Rogun sowie ein kleiner Staudamm am Serafschan (einem Buchara passierenden Seitenfluss des Amurdarja) liefern Energie – und erlauben den Tadschiken auch, den Wasserzufluss zu den Unterläufen der Flüsse zu regulieren. 4/5 des Wasserverbrauches erfolgen aber an den Unterläufen der Flüsse – insbesondere im Sommer auf den Baumwollfeldern der Turkmenen, Usbeken und Kasachen. Der Sommer wird aber benötigt, um die Staudämme zu füllen – denn das Wasser soll vor allem im Winter die Turbinen antreiben.

Externe Links:
Hydrographie.de mit Satellitenbild: neue Aralsee-Initiative der UNESCO zum Jahr des Süßwassers 2003 – (www.hydrogeographie.de)
SPIEGEL – Satellitenbild der Woche: verdurstender Aralsee – (www.spiegel.de)
Beschreibung eines Privatvereins: Der Aralsee – Das Meer Mittelasiens – (www.aralsee.org)
Eurasisches Magazin: Hoffnung am Aralsee – Das Meer kommt zurück und „Wie der Aralsee zurück nach Aralsk kommen soll“

siehe auch unser Bericht im Dossier „Kasachstan“

Durch den exzessiven Baumwollanbau gingen viele Felder für die Nahrungsproduktion verloren. Usbekistan diente der Sowjetunion lange Jahre nicht nur als Baumwollproduzent sondern auch als Giftmülllager. Siebzig Jahre „Fortschritt durch Sozialismus“ haben die natürlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen Usbekistans in gigantischem Ausmaß ruiniert. Die zerbröselnden Bewässerungsanlagen tun ein Übriges: der jahrelang durch extensiven Baumwollanbau ausgelaugte Boden versalzt.

Die Wirtschaft ist – sowjetisches Erbe – immer noch zentralstaatlich gesteuert. Bürokratie und Vetternwirschaft erschweren die Wirtschaftsentfaltung;

Andererseits haben die Sowjets auch eine hervorragende Infrastruktur hinterlassen, deren Nutzung und Entwicklung Usbekistan wieder zum zentralasiatischen Handelszentrum zwischen Europa und China machen könnte.

Größte Handelspartner es Landes sind Russland, China, Korea, Kasachstan und die Türkei.

Die Seidenstraße – auch heute noch hervorragende Infrastruktur:
Seit den Zeiten der UdSSR befinden sich die Verbindungsstraßen im Süden der zentralasiatischen Republiken in einem hervorragenden Zustand. 
Kaum befahrene Autobahnen, die schon als „Notflugplätze“ hergerichtet wurden, verbinden die größeren Städte wie Taschkent und Samarkand mit einem ausgezeichneten Verkehrsnetz.

Usbekistan ist mit etwa 25 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Mittelasiens, der – wie alle anderen Staaten der Region – mit dem Zerfall der Sowjetunion seine angestammten Wirtschaftsbeziehungen und seine russischen Fachleute verloren hat und in eine gewaltige, wirtschaftliche Krise getaumelt ist. Neben Baumwolle – dem „weissen Gold“ der Sowjetzeit – könnten die reichen Bodenschätze wie etwa Gold dem Land eine gute wirtschaftliche Zukunft bescheren, sobald die Fesseln der überkommenen Planwirtschaft und der sehr familiären Bindung der Wirtschaftsentwicklung gesprengt sind. Doch noch sind die Krisenzeiten nicht überwunden. 
Jeder zehnte Usbeke bewohnt die Hauptstadt Taschkent, die mit ihren Platanenalleen und den Bewohnern einen durchaus westlichen, aufgeschlossenen Eindruck macht. 
Rund 75 Prozent der Bevölkerung hat das 30. Lebensjahr nicht überschritten, und die Jugendarbeitslosigkeit soll vielfach bei rund 50 Prozent liegen.