Turkstaaten – Usbekistan


Usbekistan
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Die wichtigsten Informationen im Überblick:

Regierungsform (Government Type): Präsidialrepublik (Presidential Republic)

Karte Usbekistan

Hauptstadt (Capital) Toshkent (Taschkent)
Einwohner (Population): 25,59 Mio. (27. Mio. 2007/12)
Fläche (qkm) (Area sq.km): 447.400
Wehretat (Defence Budget): 106 Mio. US-$ (2001)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 420 US-$

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Daten außer Wehretat dem Fischer Weltalmanach 2005 entnommen

 

Stand. 10.04.2005
Fläche: 447 400 km²
Bevölkerung: 25,271 Mio. Einw., (27 Mio. im Dez. 2007)
davon 80 % Usbeken, 6 % Russen, 5 % Tadschiken, 3 % Kasachen
(bevölkerungsreichstes Land der Region)
Bevölkerungswachstum (2007): 0,4 %
Religion: < 90 % Muslime (meist sunnitisch), ca. 8 % orthodoxe (meist russische Minderheit)
Hauptstadt: Taschkent
Wichtige Städte: Samarkand

Wirtschaft
Wachstumsrate des BSP: 4,2 %
BSP: 7,8 Mrd. US$ BSP/Kopf: 310 US$
BIP:  pro Person 460 $ (2004); 550 $ (2005); 648 $ (2006); 750 § (2007);
BIP-Wachstum: 1998 – 2003: rd. 4%; 2005 bis 2007: auf 8,8 % ansteigend; 2008: 7,5 % erwartet;
Anteil am BIP: Landwirtschaft 20 % (2007); Industrie 22 %; Dienstleistungen 44 % – davon andel 10 %, Transpor und Kommunikationt: 11 %, Sonstige Dienstleistungen 20 %; Bauwirtschaft 6 %;
Inflationsrate: 6,6 % (2004); 10,0 % (2005; 14,2 % (2006); 12,2 % (2007)
Leistungsbilanzsaldo: 0,239 Mrd. US$
Auslandsschulden: 4,568 Mrd. US$
Schuldendienst (am BSP): 23 %
Devisenreserven: 5,6 Mrd. (Stand März 2007 nach Schützungen der Bundesagentur f. Außenwirtschaft) – Wachstum 2007 gegenüber 2006: 150 %
Empf. Entwicklungshilfe: 189 Mio. US$
Energie Produktion: 55,630 Mio. t ÖE

Militär
Allg. Wehrpflicht: ja, 18 Monate
Streitkräfte: 50 000 bis 55 000 Mann (Armee 40 000, Luftwaffe 10-15 000) Militärausgaben (am BIP): 1,1 %
Quelle: Spiegel – Länderlexikon

Die Grenzen der heutigen zentralasiatischen Länder – also auch die Usbekistans – wurden in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts von Moskau aus festgelegt. Bis heute sind diese Länder Vielvölkerstaaten geblieben.
Die Usbeken gehören zu den Chagatai-Türken, die ihren Namen von einem Sohn Dschingis Khans herleiten. Diese Türken sind Oasenbauern, deren Bewässerungskultur enge Verbindungen zu persisch-afghanischen Traditionen aufweist. 

Die Russen nannten dieses Turkvolk „Usbeken“ – und jenseits des Tienschan, an der chinesischen Hälfte der uralten Seidenstraße, wird das gleiche Volk von den Chinesen seit etwa 1920 als „Uighuren“ bezeichnet.
Die (buddhistischen) Yugor und die Tyvan sollen die eigentlichen Uighuren *1) sein, deren Name um 1500 ausgestorben ist.

Die heutigen Usbeken siedeln vor allem entlang der Zuflüsse zum Aralsee und entlang der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen nördlich der Ausläufer des Afghanischen Berge, wo der usbekische Kriegsherr Dostum zu den Führungspersönlichkeiten der Nordallianz *2) zählte und sein Einflussgebiet in enger Abstimmung mit dem usbekischen Staatspräsidenten verwaltet. 
Hier – entlang der Seidenstraße – blühten seit Jahrtausenden die Handels- und Oasenstädte, deren Bewohner einen völlig anderen Lebensstil pflegen als die nomadisierenden Stämme der Mongolen und Kipchak-Türken, zu denen die Kasachen, Kirgisen, Tataren, Baschkiren und Karakalpak gehören.
Dieser Gegensatz im Lebensstil führte zu seit Jahrhunderten andauernden Konflikten *1) zwischen den Oasenbewohnern und den Nomadenvölkern, die prägend für die Geschichte und die heute noch bestehenden Rivalitäten zwischen den großen türkischen Sprachgruppen ist. Den letzten großen Ausfluß erhielt dieser Konflikt zwischen 1389 und 1495, als Timur Lenk – der wohl schon als türkisierter Nachfolger der Mongolen im heutigen Usbekistan herrschte – die „Goldene Horde“ der Kipchak-Türken zerschlug und bis Rjazan ins Wolgagebiet vorstieß.

Tamerlan – Nationalheld der Usbeken:
Usbekistan sieht sich in der Nachfolge Tamerlans. Präsident Islam Karinow lies nach dem Zerfall der UdSSR die Leninbilder und Leninstatuen durch Porträts von Tamerlan (Timur Lenk) ersetzen.
Dieser türkisierte „Mongolenherrscher“ hatte in rasenden Feldzügen ein Großreich zwischen Euphrat, Indus und Aralsee errichtet, das sich erbitterte Bruderkämpfe mit den Osmanen (Ogus-Türken) und der Goldenen Horde (Kipchak-Türken) lieferte. Sein Enkel, Babur, der im heutigen Usbekistan ebenfalls große Verehrung genießt, unterwarf Indien und gründete die Mogul-Dynastie, die nur noch dem Namen nach auf die mongolischen Ursprünge erinnerte.
Die Kreation gerade dieser nationalen Heroen durch die neue usbekische Staatsführung zeigt, dass sich Usbekistans Bevölkerung als geopolitisches Zentrum der zentralasiatischen Region betrachten soll.
Diese Rückbesinnung auf den „Zerstörer der Goldenen Horde“ bedeutet zugleich einen Affront gegenüber den Kasachen und Kirgisen, die sich als Nachfolger dieses türkischen Großreiches sehen, sowie gegenüber den benachbarten Turkmenen, die sich mehr den von Tamarlan so gebeutelten Osmanen der heutigen Türkei verbunden fühlen.

Familiensinn führt die Geschäfte:
Im Schatten dieses Heroen nutzt Usbekistans Präsident Islam Karimow – den Scholl-Latour als „den mächtigsten Mann der Region bezeichnet – das Land für seinen ausgeprägten Familiensinn. „Sämtliche Einnahmen“, so schreibt der SPIEGEL (4/2003), „fließen in die Taschen des regierenden Clans. Korruption und Armut allerorten.“ Usbekistan ist nach der Korruptionsliste von Transparency International auf Platz 114 der „Weltrangliste“ – dicht gefolgt von Kasachstan (122) und Turkmenistan (133), den zentralasiatischen Nachbarstaaten.

Führung nach altem Muster:
Islam Karimow – der usbekische Staatspräsident – gehört zu jener Garde der alten kommunistischen Führer, die sich nach dem Zerfall der Sowjetunion nahtlos an die Spitze der neu entstandenen nationalen Nachfolgestaaten Zentralasiens gesetzt haben. An die Stelle einer Politbürokratie sind aber vielfach – wie bei den Turkmenen so auch in Usbekistan – einzelne Führerpersönlichkeiten getreten, deren Verständnis von Demokratie und freier Wirtschaftsentwicklung nicht dem westlichen Grundverständnis entspricht.
Noch 1991 hatte Karimow in Interviews mit amerikanischen Journalisten die Auflösung der KPdSU bedauert, und Usbekistan als „noch nicht reif für die Demokratie“ bezeichnet. Gleichzeitig hatte Karimow seine Sympathie für den „chinesischen Sozialismus“ betont – eine wirtschaftliche Öffnung bei gleichzeitiger Beibehaltung einer kommunistischen Parteienherrschaft.
Auch die USA stufen Usbekistan, wie der SPIEGEL berichtet (09.08.2004) als „autoritären Staat mit beschränkten Bürgerrechten“ ein, indem es bis zu 7.000 politischer Gefangener geben soll. Der SPIEGEL berichtet darüber hinaus (11.10.2010) von exzessiver Folter, die Oppositionellen im Lande droht.
Dies hinderte die Amerikaner nicht, sich der Hilfe Usbekistans im „Kampf gegen den Terror“ zu bedienen – und den Familienclan dafür reichlich zu entlohnen.
Taschkent bringt dies eine Menge Geld – und zugleich Zurückhaltung der USA, was die sonst allenthalben erhobenen Mahnungen zur Demokratisierung betrifft.
Trotzdem greift auch in Usbekistan politische Unruhe um sich. Die Hauptstadt wurde bereits mehrfach das Opfer von Bombenanschlägen, und im November 2004 gab es eine spontan entstandene, gewaltsame Demonstration tausender Usbeken. Dies zeigt, dass der nahezu gleichzeitig aufflammende Aufruhr in allen zentralasiatischen Ländern (Umsturz in Kirgisien: März/April 2005) nicht den Kampagnen der USA entspringt. Die Unruhen im usbekischen Andischan forderten forderten mehrere hundert Todesopfer.
Es geht in Mittelasien zunehmend um eine Emanzipation von eigenen autokratischen Regimen, die durch westliche Medien (Satellitenfernsehen und lokale, von den USA gesponserte Presse- und Fernsehsender wie in Kirgisen) nur unterstützt, nicht aber ausgelöst wird.