Turkstaaten — Kasachstan


Flagge Flagg Kasachstan (Kazakhstan) 

 

Wirtschaft:
Auch in Kasach­stan gehören Baum­wolle und Getrei­de zu den land­wirtschaftlichen Export­pro­duk­ten, während an Boden­schätzen die fos­silen Rohstoffe – Erdöl, Erdgas und Kohle – aber auch Eisen­erz, Baux­it, Kupfer, Nick­el, Blei, Gold und Uran gewon­nen wer­den. Kasach­stan wird auch „das Kuweit Zen­tralasiens“ genan­nt wegen der reichen Erdöl- und Erdgasvorkom­men. Die Rohstoffe haben dem Land einen enor­men Boom beschert. Kasach­stan und Rus­s­land sind die wirtschaftlich erfol­gre­ich­sten Nach­folges­taat­en der Sow­je­tu­nion. Neun Prozent Wirtschaftswach­s­tum hat Kasach­stan im Jahr 2006 wieder erre­icht. Nach 7 Jahren kon­stant hoher Wach­s­tum­srat­en hat vor allem die städtis­che Bevölkerung von den hohen Welt­mark­t­preisen für Öl und Gas prof­i­tiert. Almaty, die ehe­ma­lige Haupt­stadt, ist heute Öl- und Finanzmetro­pole des Lan­des, hier konzen­tri­ert sich der Reich­tum.

Das Finanzsys­tem des Lan­des, berichtet der SPIEGEL (22.11.2004) und DIE WELT (18.08.2007) gelte inter­na­tionalen Experten als vor­bildlich. Die beim IWF beste­hen­den Schulden habe das Land bere­its vorzeit­ig — 8 Jahre vor Fäl­ligkeit- zurück­bezahlt, die Staat­sein­nah­men lägen dank der hohen Rohstoff­preise über den Staat­saus­gaben und das reale Wirtschaftswach­s­tum sei auch im Jahre 2007 — zum fün­ften Male hin­tere­inan­der — bei über 9 % zu erwarten.

Dazu tra­gen vor allem die Rohstoffe des Lan­des bei — Gold, Man­gan, Kohle, gewaltige Öl- und Gasvorkom­men und die weltweit größte Uran­pro­duk­tion sor­gen für enorme Ein­nah­men, die sich anur uf etwas über 15 Mio. Ein­wohn­er verteilen.

Uran­vorkom­men — Umweltver­schmutzung — Atom­are Verseuchun­gen:
Kasach­stan ver­fügt über etwa 20 % der weltweit­en Uran­vorkom­men, was bere­its zu Sow­jet-Zeit­en zu inten­siv­er Nutzung führte. Die Steppe Kasach­stans wurde von 1949 bis 1989 „genutzt“, um etwa 500 atom­are Test­bomben, rund ¼ aller weltweit­en Atom­tests – über hun­dert davon zunächst überirdisch – zur Explo­sion zu brin­gen, was zu ein­er erhe­blichen Verseuchung des Atom­test­gelän­des führte. Zum Teil wur­den die im Test­ge­bi­et von Semi­palatin­sk und Zharkent liegen­den Dör­fer vor den oberirdis­chen Explo­sio­nen nicht evakuiert, da man testen wollte, wie die Men­schen auf Ver­strahlung reagieren.

Eines der größten Umwelt-Katas­tro­phen lässt sich bequem und ohne Teleskop vom Wel­traum aus beobacht­en. Aral­sk war bis vor etwa 50 Jahren die größte Hafen­stadt am Aralsee. Frachter fuhren täglich ein und aus, Kräne löscht­en die Ladung, Fis­ch­er ver­ar­beit­eten ihren Fang. Heute ist Aral­sk immer noch eine Hafen­stadt — aber ohne Wass­er. Der Aralsee, an dem das 40.000 Ein­wohn­er-Städtchen der kasachis­chen Steppe liegt, war der viert­größte See der Erde, der zweit­größte in Eurasien. Seit den 60er-Jahren schrumpfte die Fläche des Sees um gut 75 Prozent, die Wasser­menge ging gar um 90 Prozent zurück. Der Wasser­spiegel des Sees senk­te sich um 22 Meter. Dementsprechend weit ragen die Kräne auf den trock­en liegen­den Kaimauern in den Him­mel. Die Moskauer Sow­jets macht­en die zen­tralasi­atis­che Steppe zum Zen­trum des Baum­wol­lan­baus. Baum­wolle braucht aber viel Wass­er. Dementsprechend wur­den die bei­den Seezu­flüsse, der Amu­dar­ja und der Syr­dar­ja, seit 1956 der Karakum-Bewässerungskanal umgeleit­et. Sei­ther bewässert das von Pes­tiziden getränk­te Flußwass­er die Baum­wollfelder — und ver­dun­stet dort, oder vergi­iftet die Trinkwasser­reer­ven, anstatt den gewalti­gen See vor der Aus­trock­nung zu bewahren. Der Amu­dar­ja erre­ichte Mitte der 80er-Jahre den Aralsee nicht mehr, eben­so der Syr­dar­ja von 1974 bis 1986.

Diese Umweltkatas­tro­phe hat auch enorme wirtschaftliche Auswirkun­gen — nicht nur auf die ehe­ma­lig flo­ri­erende Fis­cherei­in­dus­trie. Daher schlossen seit dem Ende der Sow­je­tu­nion Kasach­stan, Kir­gis­tan, Tad­schik­istan, Turk­menistan und Usbek­istan gut 150 Verträge zur Ret­tung des Aralsee — ohne Erfolg.

Daher ver­sucht Kasach­stan, seinen Nordteil des Sees allein zu ret­ten. In den Jahren 2003 bis 2005 baute man mit 86 Mil­lio­nen Dol­lar der Welt­bank den 13 Kilo­me­ter lan­gen Kokar­al-Damm, um das Wass­er des Syr­dar­jawenig­stens für den Nordteil des Sees zu ret­ten. Dieses Vorhaben wird inzwis­chen über­wiegend als Pos­i­tiv eingeschätzt. Da der gesamte See nur unter Zusam­me­nar­beit aller Anliegerstaat­en gerettet wer­den kön­nte, wer­den durch den Damm wenig­stens die nördlichen Seeteile erhal­ten. Der Wasser­spiegel steigt an, der Salzge­halt nimmt ab. Ein Über­laufwehr lässt das über­schüs­sige Wass­er in das restliche, aus­getrock­nete Beck­en des Aralsees fleßen — wo es ohne “Unter­stützung” durch den zweit­en Zufluss ver­dun­stet. Um aber auch die Stadt Aral­sk und ihren Hafen wieder zu beleben, wäre es nötig, den Damm um weit­ere knapp 10 Meter zu erhöhen — oder einen zweit­en Damm zu bauen.

Externe Links:
Hydrographie.de mit Satel­liten­bild: neue Aralsee-Ini­tia­tive der UNESCO zum Jahr des Süßwassers 2003 — (www.hydrogeographie.de)
SPIEGEL — Satel­liten­bild der Woche: ver­durs­ten­der Aralsee — (www.spiegel.de)
Beschrei­bung eines Pri­vatvere­ins: Der Aralsee — Das Meer Mit­te­lasiens — (www.aralsee.org)
Eura­sis­ches Mag­a­zin: Hoff­nung am Aralsee – Das Meer kommt zurück und “Wie der Aralsee zurück nach Aral­sk kom­men soll”

siehe auch unser Bericht im Dossier “Usbek­istan”


Wet­t­lauf um Ein­fluss und Öl

Schwarze Schätze:
Kasach­stan ver­fügt über die größten Erdöl­re­ser­ven außer­halb des per­sisch-ara­bis­chen Golfes und will bis 2015 zu den fünf welt­größten Expor­teuren des “Schwarzen Goldes” auf­steigen. Im Jahr 2007 wur­den 54 Mil­lio­nen Ton­nen Erdöl in Kasach­stan gefördert, im Jahre 2010 sollen es 80 Mil­lio­nen Ton­nen sein, und bis 2015 auf jährlich bis zu 130 Mil­lio­nen Ton­nen anwach­sen. Deutsch­land bezieht derzeit zwar nur knapp 7 % seines Bedar­fes aus dem Lande, aber Kasach­stan ist dabei, die Export­möglichkeit­en (ring­sum) zu ver­stärken.

  • von Atyrau führ eine Erdölpipeline nach Nor­den, nach Rus­s­land, und eine weit­ere Pipeline über rus­sis­ches Gebi­et nach West­en, Noworossilisk am Schwarzen Meer.

  • Chi­na wird seit Juni 2006 über eine weit­ere Pipeline in die westchi­ne­sis­chen Prov­inzen mit kaspis­chem Erdöl ver­sorgt

  • diese Pipeline soll in den näch­sten Jahren eben­falls bis zum Kaspis­chen Meer ver­längert wer­den — und dann eine Fort­set­zung find­en:

  • Kasach­stan ste­ht dem von der EU, Öster­re­ichs OMV und weit­eren west­lichen Energiekonz­er­nen forcierten Pro­jekt Nabuc­co-Pipeline aufgeschlossen gegenüber. Damit soll vom Kaspis­chen Meer durch die Türkei, Bul­gar­ien und Rumänien einen Energi­etrans­portko­r­ri­dor nach Zen­traleu­ropa geschaf­fen — und so die rus­sis­chen Pipelines durch einen “Bypass” umgan­gen wer­den.

  • Über Baku — noch mit Tankern ver­sorgt — wurde schon für 3 Mrd. US-$ unter Betreiben der USA eine Pipeline nach Georgien und in die Türkei zum Mit­telmeer­hafen Cey­han fer­tig gestellt, die nach ein­er Vere­in­barung mit Aser­baid­schan vom Juni 2006 an eben­falls für kasachis­che Ölex­porte genutzt wer­den kann..

Das größte Erdölfeld Kaschgan — im nördlichen Teil des Kaspis­chen Meeres in unmit­tel­bar­er Nach­barschaft zu Rus­s­land wird auf eine För­der­menge von 11 Mil­liar­den Bar­rel geschätzt — und dann sind da noch die weit­eren Ölfelder Tengis, Kascha­gan (unter dem Kaspis­chen Meer mit ver­mutetet 13 Mrd. Bar­rel Eröl) und Kratscha­gan­sk (Kara­gatschanak). Alleine das Feld Kaschgan wird zu den fünf größten Ölreser­voirs der Welt gezählt. Die Auf­nahme der kom­merziellen Ölförderung am Vorkom­men Kascha­gan wrd aber in Folge der inter­na­tionalen Finanzkrise im Herb­st 2008 vom Jahr 2011 auf das Jahr 2013 ver­schoben. Die För­der­menge wird 75 000 Bar­rel pro Tag betra­gen. Später soll die Ölförderung auf 370 000 Bar­rel und zwei bis drei Jahre nach dem Abbaube­ginn auf 450 000 Bar­rel gesteigert wer­den. Es ist sog­ar geplant, neun Jahre nach dem Abbaube­ginn bis zu 1,5 Mil­lio­nen Bar­rel Öl pro Tag zu fördern. Kasach­stan will von 2008 bis 2015 die jährliche Erdölaus­fuhr auf 140 Mil­lio­nen Ton­nen ver­dop­peln.

Rus­s­land im Nor­den, Chi­na im Osten, islamisch fun­da­men­tal­is­tis­che Staat­en im Süden und der „lock­ende West­en“, der von den USA, Europa und der Türkei repräsen­tiert wird, sie alle buhlen um Ein­fluss auf dieser Drehscheibe des eura­sis­chen Kon­ti­nents. Deutsch­land ist europäis­ch­er Wun­sch­part­ner Kasach­stans und ste­ht unter den bilat­eralen Gebern nach den USA, Japan und der Türkei an viert­er Stelle. Die „Schlacht um das Kaspi-Öl“ wird unblutig mit Geld und poli­tis­chem Druck aus­ge­tra­gen.

Den größten Gewinn scheint Chi­na zu machen — das bis 2010 rund 9 Mrd. Dol­lar im Lande investierte, inzwis­chen Zugriff auf 1/4 der kasachis­chen Erdölförderung hat — und die Errich­tung ein­er Erdgaspipeline von des west­lichen Vorkom­men bis nach Chi­na finanziert. Im Juni 1997 kaufte sich die chi­ne­sis­che Regierung mit 60 Prozent in die Aktju­bin­skmu­nai-Pro­duk­tion­s­ge­sellschaft in West­kasach­stan ein. Die Kosten beliefen sich auf 4,32 Mil­liar­den Dol­lar. Bei der Unterze­ich­nung des Ver­trags bezahlte Chi­na einen Vorschuß von 320 Mil­lio­nen Dol­lar. Nur zwei Monate später erwarb Chi­na 60 Prozent des Uzen-Ölfelds. Die Gesamtkosten betru­gen 1,3 Mil­liar­den Dol­lar, und wieder zahlte Chi­na einen Vorschuß von dies­mal 52 Mil­lio­nen Dol­lar. Zusät­zlich sagte die Regierung in Peking sofor­tige Investi­tio­nen von 400 Mil­lio­nen Dol­lar zu, und eine erste Pipeline von Kasach­stans Ölfeldern bis nach Chi­na wurde im Mai 2006 fer­tiggestellt. Über fast 1000 km wer­den kün­ftig jährlich 10 Mio. t. von den Ölfeldern um Ata­su in die chi­ne­sis­che Prov­inz Xin­jiang (Hsinkiang, Ost­turkestan) gepumpt. Zur Zeit (2008) baut Kasach­stan das Leitungsnetz im Lan­desin­neren aus, um Öl kün­ftig vom Kascha­gan-Feld im West­en bis an die chi­ne­sis­che Gren­ze pumpen zu kön­nen. Nach der bis 2011 pro­jek­tierten Ver­längerung bis Atyrau am kaspis­chen Meer solle der kasachis­che Export nach Chi­na über diese Pipeline auf 20 Mio. t. jährlich ver­dop­pelt wer­den.
Gle­ichzeit­ig gibt es Über­legun­gen für ein Pipeline-Pro­jekt, das entwed­er über Afghanistan zum Golf  oder über das kaspis­che Meer und Georgien führen soll, um Kasach­stan Anschluss an inter­na­tionale Gewäss­er und damit einen entsprechend wel­weit­en Ölex­port übe Tanker zu ermöglichen.

Eine Pipeline über das Kaspis­che Meer nach Aser­baid­schan (Baku) mit Anschluss an die Ölpipeline nach Georgien Tiflis) und zur Türkei (Cey­han) ist fest vere­in­bart. Um die beste­hende Pipeline nach der Türkei mit den Erdölfeldern in Kasach­stan und Turk­menistan zu verbinden, sollen Unter­wasserverbindun­gen mit dem Ver­lade­hafen Tengis und Kras­nowod­sk durch das Kaspis­che Meer gebaut wer­den. Die Gesamtka­paz­ität dieser knapp 1.800 Kilo­me­ter lan­gen Pipeline berägt jährlich 50 Mil­lio­nen Ton­nen. Im Jahre 2007 wur­den aber nur knapp 30 Mil­lio­nen Ton­nen Erdöl aus dem San­gatschal-Ölfeld in Aser­baid­schan in die Türkei gepumpt. Der amerikanis­che Vizepräsi­dent Dick Chen­ney nutzte Anfang Mai 2006 seinen Besuch beim kasachis­chen Präsi­den­ten Nasar­ba­jew, umd den Dikata­tor zum Bau dieser nicht über Rus­s­land führen­den Leitun­gen zu bewe­gen. Bis zu 38 Mil­lio­nen Ton­nen Öl sollen ab 2010 / 2011 über diese neue Leitung auf den Welt­markt kom­men — und die bish­erige Abhängigkeit vom rus­sis­chen Tran­sit nach West­en been­den. Rus­s­land — Anrain­er­staat am Nord­wes­t­ende des Meeres ver­tritt allerd­ings die Auf­fas­sung, jed­er Pipelinebau durch das Kaspis­che Meer bedürfte der Zus­tim­mung aller Anliegerstaat­en. Tat­säch­lich ist lediglich die Gren­ze zwis­chen der ein­st­ma­li­gen Sow­je­tu­nion und dem Iran völk­er­rechtlich verbindlich ver­traglich geregelt. Die Gren­zen der Nach­folges­taat­en der ehe­ma­li­gen UdSSR sind umstrit­ten — so wie der Stat­ues des Gewässers auch. Daher wurde wohl im März 2008 die Ver­legung ein­er Ölpipeline Jeskene — Kuryk auf kasachis­chem Ter­ri­to­ri­um vere­in­bart, und der Aus­bau des kaspis­chen Hafens Kuryk, von wo aus Öl zunächst in Tankern über das Kaspis­che Meer zur 2006 in Betrieb genom­men Baku-Tiflis-Cey­han-Pipeline ver­schifft wird.

Auch über Rus­s­land führende, beste­hende Pipelines kön­nen zur Ver­mark­tung der Erdöl und Erdgasvorkom­men aus dem Einzugs­bere­ich des Kaspis­chen Meeres genutzt wer­den. Allerd­ings ver­langte Rus­s­land in den Neun­ziger Jahren Transtit­tar­ife, die dop­pelt so hoch waren wie für rus­sis­che Pro­duzen­ten, was zu ein­er Abschöp­fung der kasachis­chen Gewinne in rus­sis­che Kassen führte. Rus­s­land nutzt seine Möglichkeit­en auch dur­chaus, um poli­tis­chen Druck auszuüben — wie der Vor­fall um die reduzierten Erdgasliefer­un­gen durch die Ukraine nach Öster­re­ich und Süd­deutsch­land wenige Monate vor Chen­neys Vis­ite zeigte. Deshalb wird von der EU und den USA  die 2001 in Betrieb genommene Pipeline von den kasachis­chen Ölfeldern Kascha­gan und Tengis  zum rus­sis­chen Schwarzmeer­hafen Noworossi­jsk nicht als ide­al emp­fun­den. Rus­s­land möchte zudem anlässlich ein­er Erweiterung die west­lichen Konz­erne aus dem Pipelinekon­sor­tium drän­gen und die Trans­portka­paz­ität nur min­i­mal erhöhen (Stand 2007). Damit soll Kasach­stan weit­er­hin auf die Benützung der rus­sis­chen Pipelines angewiesen sein, um sein Erdöl in den Wesen zu exportieren. Wer die Pipelines kon­trol­liert kann die Liefer­ung unter­brechen, und damit Druck ausüben — auf die Liefer­an­ten wie Kasach­stan genau­so wie auf die Abnehmer, und das sind vor allem die USA — und die EU.

Kasach­stan ist inzwis­chen — wie die Wirtschaftswoche im August 2008 berichtet — “auf dem besten Weg, Deutsch­lands zweit­größter Ölliefer­ant nach Rus­s­land zu wer­den”; derzeit sei es noch Deutsch­lands fün­ft­größter Erdöl­liefer­ant.  

Kasach­stan und west­liche Staat­en ver­han­deln daher über einen von Rus­s­land nicht bee­in­fluss­baren Trans­fer­weg. So ist an den Ein­satz von Tankern gedacht, um kasachis­ches Erdöl über das Kaspis­che Meer zu trans­portieren und in Baku in die neue, im Früh­jahr 2006 in Betrieb genommene Ölpipeline zum Weit­er­trans­port in die Türkei zu pressen. Kasach­stan soll bere­its ab dem Jahr 2007 die von den USA unter­stützte Pipeline von Baku nach Cey­han nutzen, um größere Ölmen­gen in den West­en zu exportieren — und an eine gle­ich­laufende Gas-Pipeline angeschlossen wer­den.

Die Ölfir­ma Total-Fina-Elf führt zudem eine Mach­barkeitsstudie für die Durch­leitung von aus dem Kaspis­chen Meer gewonnenen Erdöl und Erdgas über eine Pipeline von Kasach­stan durch Turk­menistan zum Iran durch. Im Zuge dieser Über­legun­gen hat Kasach­stan im Mai 2007 dem gemein­samen Bau ein­er Gaspipeline zuges­timmt, die von Turk­menistan aus nach Nor­den an der Ost­seite des kaspis­chen Meeres ent­lang läuft und turk­menis­ches Gas in das rus­sis­che Leitungsnetz pumpen kann. Aus Kasachis­ch­er Sicht ist es denkbar, diese Leitung zu ver­längern — nach Süden, wo bere­its jet­zt über eine andere Gasleitung turk­menis­ches Gas in den Iran gepumpt wird, und wo dann auch kasachis­ches Gas den Weg nach Süden find­en kön­nte, bis zum Per­sis­chen Golf.

Daneben sind auch noch weit­ere Infra­struk­tur­pro­jek­te in Bau. Eine Eisen­bahn­lin­ie soll ab 2010 Chi­na über Xin­jiang (“Ost­turk­istan”) mit der Türkei verbinden und damit das fort­set­zen, was mit den Pipelines nach Chi­na und zum Mit­telmeer bere­its begonnen wurde: das Ende der Abhängigkeit vom rus­sis­chen Tran­sit unter dem Stich­wort der “Wieder­bele­bung der alten Sei­den­straße” (Pro­jekt Trace­ca).

Eine weit­ere Bah­n­verbindung beste­ht seit 2011 zwis­chen dem chi­ne­sis­chen Chongquing und Duis­burg. Mehrmals wöchentlich bringt der Güterzug “Yux­i­nou” Waren über die mehr als 10.000 km lange Strecke, die über Rus­s­land, Weißrus­s­land und Polen führt.

Drehscheibe zwis­chen Rus­s­land und Iran / Indi­en — zwis­chen Europa und Chi­na:
Kasach­stan entwick­elt sich zur Drehscheibe zwis­chen den wirtscaftlichen Schw­ergewicht­en Eurasiens.

Schienen­verkehr:

  • Ein­mal pro Woche(Stand 2010) fährt von Astana ein Zug nach Ürümqi in Chi­na — eine Strecke von 1.200 km auf kasach­schem Boden, die in 25 Stun­den zurück gelegt wird. Die bish­er einzige Bahn­line schafft ein jährlich­es Frach­taufkom­men von etwa 15 Mio. Ton­nen. Aber dabei soll es nicht bleiben:  Kasach­stan und Chi­na pla­nen den Bau ein­er Zugverbindung für den Con­tain­er­trans­port mit ein­er Geschwindigkeit von 2.000 km am Tag — und nur kurzen Stops alle 350 bis 400 km. Für rund 10 Mil­liar­den Dol­lar sollen ca. 6.000 km neue Bahn­lin­ien gelegt wer­den. Täglich 15 Züge und 3.000 Con­tain­er wür­den jährliche Ein­nah­men von 3,5 Mrd. $ erzie­len.  Chi­ne­sis­che Waren sollen dann inner­halb von 96 Stun­den nach Osteueropa kom­men, und Waren aus Shang­hai bere­its nach gut 10 Tagen in Paris ein­tr­e­f­fen. Die Strecke soll rund 2.500 km kürz­er sein als die (aus­ge­lastete) Route über die Transs­birische Eisen­bahn.  Bere­its 2006 haben Chi­nas Expor­teure fast 3 Mio. t. Fracht auf dem Weg durch Kasach­stan und Rus­s­land trans­portiert. Diese Trans­portwege sind
  • der “Nord­ko­r­ri­dor” der “Transasi­atis­chen Eisen­bahn” von Wes­teu­ropa bis Chi­na und Korea
  • der “Süd­ko­r­ri­dor” der “Transasi­atis­chen Eisen­bahn” von SO-Europa bis Chi­na und SO-Asien sowie
  • die bere­its genan­nte TRACECA Strecke, der Trans­port Cor­ri­dor Europa-Cau­ca­sus-Asia über die Türkei, Georgien, Aser­baid­schan, das kaspis­che Meer bis nach Zen­tralasien und Chi­na
  • eine Nord-Süd Lin­ie von Nordeu­ropa über Rus­s­land und Iran nach Indi­en und zu den Golf­s­taat­en. Nach Mel­dun­gen von RIA NOVOSTI soll im März 2008 lediglich noch eine Bahn­strecke mit ein­er Länge von etwa 168 Kilo­me­tern zum “Lück­en­schluss zwis­chen Rus­s­land und dem Iran” gefehlt haben. Irans Bahn habe aber mit dem Bau eines Bahn­ab­schnitts schon begonnen und über 15 Prozent der Arbeit­en bere­its erledigt.

Straßen­verkehr:

  • Von der chi­ne­sis­chen Hafen­stadt Lianyun­gang soll über Kasach­stan und Usbek­isten eine Fer­n­verkehrsstraße bis nach St. Peters­burg geführt wer­den. Kasach­stan hat bere­its 2,4 Mio. $ für Mach­barkeitsstu­di­en und die Erfas­sung des Aus­bauzu­s­tandes der vorhan­de­nen Straßen bere­it gestellt. Knapp 2.800 km führen über kasachis­chen Boden — und sollen um das Jahr 2013 dem Verkehr übergeben wer­den.

(Pressemel­dung des Infor­ma­tion­szen­trums für Kasach­stan vom 06.12.2007 — www.kazakstanlive.com )


Luftverkehr:

Astana Air­port — der Flughafen der jun­gen Haupt­stadt im Nor­den des Lan­des — wurde von 2002 bis 2005 mas­siv aus­ge­baut, um ein Luft­drehkreuz zwis­chen Europa und Asien zu erricht­en. Seit 2006 unter­hält Lufthansa Car­go hier einen zen­tralen Stützpunkt — sehr zum Unmut der Russen, die das weit­er östlich gele­gene Kras­no­jarsk (das allerd­ings noch nicht den benötigten Aus­bau hat) zum zen­tralen Umschlag­platz machen möcht­en — und deshalb kurz­er­hand der Lufthansa Car­go im Okto­ber 2007 die Über­fluggenehmi­gung von rus­sis­chem Ter­ri­to­ri­um ver­weigerten.

Kasach­stan ist aber auch das größte Bin­nen­land der Welt — und das neunt­größte Land der Erde, das die gewaltige Dis­tanz von  Europa über eine 7.000 km lange rus­sis­chen Gren­ze bis nach Chi­na über­brückt.