Turkstaaten — Kasachstan

 

 

Die wichtig­sten Infor­ma­tio­nen im Überblick:

Regierungs­form (Gov­ern­ment Type): Prä­sidi­al­re­pub­lik (Pres­i­den­tial Repub­lic)

Karte Kasachstan (Kazakhstan) 

Haupt­stadt (Cap­i­tal): Astana
Ein­wohn­er (Pop­u­la­tion): 14,878 Mio.
Fläche (qkm) (Area sq.km): 2.717.300
Wehre­tat (Defence Bud­get): 226 Mio. US-$ (2002)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 1.780 US-$

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Dat­en außer Wehre­tat dem Fis­ch­er Weltal­manach 2005 ent­nom­men

 

Bevölkerung: 14,9 Mio. (16 Mio. in 2010)
Haupt­stadt
Astana (früher Akmo­la), neue Haupt­stadt im nördlichen Lan­desteil, 400.000 Ein­wohn­er (2005)
Wichtige Städte:
Almaty (ehe­ma­lige Haup­stadt im Osten nahe der chi­nesichen Gren­ze)
Atyrau (Erdölzen­trum am Nor­dufer des kaspis­chen Meeres) 200.000 Ein­wohn­er 
BSP pro Kopf: 1.520 US-$ (8.000,- in 2009);
Export: 11,6 Mrd. US-$
Davon Öl-/Gas: 49,3 % (nachgewiesene Erdöl­re­ser­ven: 29 Mrd. Bar­rel)
Davon Met­allerzeug­nisse: 21,6 %
Quelle: SPIEGEL

Wirtschaftswach­s­tum 2003 und 2004: 9 — 10 %; 2005: 9 — 10 % erwartet

Kasach­stan
Unmit­tel­bar östlich des Kaspis­chen Meeres – an der „Gegenküste von Aser­baid­schan“ bis nach Chi­na reichend liegt Kasach­stan, mit rund 2,7 Mio. qkm nach Rus­s­land der zweit­größte Nach­folges­taat der UdSSR und zugle­ich der größte türkischsprachige Staat Zen­tralasiens.

Kasach­stan gehört von der Fläche gese­hen zu den zehn größten Län­dern der Erde. Der größte Teil des Lan­des beste­ht aber aus Step­pen und Wüsten.

Bevölkerung:
Eine knappe Bevölkerungs­ma­jorität (knapp 50%, steigend) wird von den Kasachen, einem Turkvolk gebildet. Allerd­ings zieht sich ent­lang der fast 7.000 km lan­gen Land­gren­ze zu Rus­s­lands Sibirien ein geschlossenes Sied­lungs­ge­bi­et von Russen hin, die mit den rus­sis­chen Bewohn­ern des Südens die zweit­größte Bevölkerungs­gruppe (rund 30 %) Kasach­stans bilden. Nach Kasachisch – der offiziellen Lan­dessprache, die inzwis­chen mit Buch­staben der lateinis­chen Schrift (wie in der Türkei) geschrieben wird, – wird daher rus­sisch (immer noch) als Behör­den­sprache gebraucht. Dazu kom­men Ukrain­er (knapp 5 %) sowie – Deutsche (über 3 %) – als nationale Min­der­heit­en und den Kasachen eth­nisch nahe ste­hende Tataren sowie Uig­uren, Usbeken, Kir­gisen und Turkme­nen, zu deren turk­sprachi­gen Nation­al­staat­en eine gemein­same Gren­ze beste­ht. Das „türkische Bevölkerungsspek­trum“ erre­icht nur etwas über 60 %, und die „bewusste türk­sprachige Nation­al­ität“ dürfte mit den etwa 47 % der Bevölkerung iden­tisch sein, die sich nach inof­fiziellen Quellen zum (sun­ni­tis­chen) Islam beken­nt. Der Islam ist in Kasach­stan nicht so tief in der Bevölkerung ver­wurzelt wie in anderen zen­tralasi­atis­chen Turk­staat­en, die etwa mit Samarkand und Buchara über ehe­mals hoch ste­hende islamis­che Herrschaft­szen­tren ver­fü­gen. Obwohl der kasachis­che Adel den Islam bere­its im 16. Jhd. annahm, wurde die bre­ite Bevölkerung erst im 19. Jahrhun­dert zum Islam bekehrt. Die zweit­größte Bevölk­er­rungss­chicht — die Russen — ori­en­tieren sich nach dem Ende der Sow­jetherrschaft wieder an der rus­sisch ortho­dox­en Kirche. Auch Ukrain­er und Deutsche gehören christlichen Reli­gion­s­ge­mein­schafen an.
Diese starke europäis­che Mis­chung ist kein Wun­der – zum einen, wie bere­its aus­ge­führt, zieht sich unmit­tel­bar südlich der rus­sisch-kasachis­chen Gren­ze ein bre­ites Sied­lungs­ge­bi­et von Russen hin, das vom eigentlich kasachis­chen Kern­land im Süden und Osten durch bre­ite Step­pen­halb­wüsten und -wüstenge­bi­ete (ca. 80 % der Land­schaft) getren­nt ist; zum anderen wurde Kasach­stan als eines der ersten Gebi­ete Zen­tralasiens von den zaris­tis­chen Trup­pen erobert, und war damit am läng­sten der „Rus­si­fizierung“ aus­ge­set­zt. Ein „kasachis­ches Nation­al­be­wusst­sein“ hat sich erst in der Zeit der rus­sisch-sow­jetis­chen Ober­ho­heit gebildet. Seit der Unab­hängigkeit (Dezem­ber 1991) fühlen sich viele Russen – vor allem außer­halb des rus­sis­chen Sied­lungs­gür­tels – als „Fremde“; sie emi­gri­eren nach Rus­s­land, genau­so wie viele der verbliebe­nen deutschstäm­mi­gen Kasachen nach Deutsch­land auswan­dern, was von 1992 (16,5 Mio. Ein­wohn­er) bis 1999 (14,9 Mio. Ein­wohn­er) zu einem spür­baren Bevölkerungsrück­gang geführt hat.

Die Rückbesin­nung auf die eige­nen Wurzeln wird kaum über­all so deut­lich wie in “Turk­istan”, dem größten Wall­fahrt­sort des Lan­des. Hier liegt die Grab­moschee des Hod­scha Sufi Ahmad Jas­sawi, deren Grund­mauern bere­its im 14. Jahrhun­dert gelegt wur­den. Das nach dem tatarisch-türkischen Herrsch­er Timur (Tamer­lan) benan­nte Mau­soleum mit 60 Metern Länge und 50 Metern Bre­ite — eines der bedeu­tend­sten Bauw­erke der timuridis­chen Architek­tur Zen­tralasiens — wurde in den let­zten Jahren unter anderem mit Spenden­geldern aus der Türkei umfassend ren­oviert.
Unweit des Zen­trums ste­ht die Türkisch-Kasachis­che Uni­ver­sität. Ein Gemälde im Muse­umssaal sym­bol­isiert die Fre­und­schaft der Turkvölk­er: Atatürk und Nasar­ba­jew flankieren die Flaggen aller turk­sprachi­gen Län­der. Viele Auf­schriften sind nur in Kasachisch gehal­ten. Ein Türke kann sich hier ganz ein­fach ver­ständi­gen und wird schon mal für einen usbekischen „Brud­er“ gehal­ten. Auf dem Basar tut man sich trotz sow­jetis­ch­er Ver­gan­gen­heit mit Rus­sisch bere­its schw­er.

Die rund 150 km ent­fer­nte Region Schimkent mit ihren Plat­ten­baut­en zeigt dage­gen den Nieder­gang der sow­jetis­chen Bindun­gen. Die Region Schimkent wurde zu Hochzeit­en der sow­jetis­chen Plan­wirtschaft in der Mitte des let­zten Jahrhun­derts zu einem bedeu­ten­den Indus­triezen­trum aus­ge­baut. Die Schw­er­punk­te waren Bleiver­ar­beitung und chemisch-phar­mazeutis­che Pro­duk­tion. Die Region gilt “dank” der Hin­ter­lassen­schaften dieser Indus­trie als ein­er der ungesün­desten Orte im Land. Heute sind die meis­ten Indus­triebe­triebe pleite oder kurz davor. Knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt unter dem nation­al fest­gelegten Exis­tenzmin­i­mum.
Auch in dieser südlich­sten Stadt Kasach­stans mit 350.000 Ein­wohn­ern, sind die Kasachen und ihre Ver­wandten aus den anderen türkischen Staat­en ein­deutig in der Mehrheit

Externe Links:
Eura­sis­ches Mag­a­zin
Turk­istan — das Mek­ka Kasach­stans — (www.eurasischesmagazin.de)
Pferde-Urin und Tau­genichtse — (www.eurasischesmagazin.de)

Land­schaft:
Nach Alma Ata und Almaty wurde im Dezem­ber 1997 Asta­nia zur Haupt­stadt erk­lärt – ein bewusster Schritt des Neuan­fanges außer­halb des tra­di­tionellen kasachis­chen Haupt­sied­lungs­ge­bi­etes am Rande der Gebirgs­ket­ten von Altai, Dsun­garischen Alpen und des Tien­schan, die den Osten und Südosten Kasach­stans begren­zen.

Der größte Teil Ostkasach­stans ist durch flache Mit­tel­ge­birge, Senken und Seen geprägt, während sich in der Mitte des West­teils der ARAL-SEE – und damit eines der größten ökol­o­gis­chen Katas­tro­phenge­bi­ete der Welt – befind­en. Der See schrumpft. Wo früher große Fis­chtrawler auf Beutezug fuhren, liegen heute ros­tende Wracks in der Salzwüste. Dies ist durch die Förderung des Baum­wol­lan­baues in der Sow­jet­zeit verur­sacht. Die Zuflüsse des ARAL-SEES wur­den zur Bewässerung der nationalen Baum­wollplan­ta­gen abgeleit­et, nur ein Bruchteil des erforder­lichen Wassers erre­ichte den See. Über­legun­gen, die großen, in das Eis­meer fliesenden sibirischen Flüsse umzuleit­en blieben im „Papier­sta­di­um“. Inzwis­chen wer­den andere Über­legun­gen zur Schadens­be­gren­zung unter Beteili­gung der Welt­bank und pri­vater Spon­soren vorgenom­men.
Kasach­stan bemüht sich — zum drit­ten mal inner­halb weniger Jahre — durch einen 13 Kilo­me­ter lan­gen Damm den vom Syr­dar­ja gespeis­ten nördlichen Teil, den “kleinen Aralsee” (3000 km²), zu stauen. Nach zwei Fehlver­suchen ste­ht seit August 2005 der dritte Abschluss­damm. Eine Schleuse­nan­lage soll die Verbindung zum südlichen, usbekischen Teil des Sees ermöglichen. Das Pro­jekt — von der Welt­bank mit knapp 65 Mio. $ unter­stützt und aus kasachis­chen Mit­teln zusät­zlich mit gut 21 Mi. $ finanziert — scheint zu funk­tion­ieren, wenn denn der Damm hält. Das Wass­er steigt und hat von den 120 Kilo­me­tern, die das Ufer vor dem Damm­bau von der ein­sti­gen Fis­ch­er­stadt Aral­sk tren­nten, wieder gut 80 km Wegstrecke zurück geflutet. Um 900 km” soll die Seefläche gewach­sen sein. Inzwis­chen tum­meln sich auch wieder Fis­che im nördlichen Seeteil. Brassen, Karpfen, Wels und Zan­der lan­den wieder in den Net­zen von eini­gen hun­dert Fis­ch­ern, und ermöglichen den Wieder­auf­schwung der beschei­de­nen Fis­chver­ar­beitung. Ein Fis­chzucht­be­trieb sorgt für Nach­wuchs — und wenn die Schleusen nach Süden geöffnet wer­den, weil der Druck im Nordteil des Sees doch ein­mal zu stark wird, dann wer­den die mit dem Wass­er entwe­ichen­den Fis­che noch schnell mit Net­zen abge­fis­cht.
Auch heute noch leit­en ger­ade die südlichen Nach­barn, Turkme­nen und Usbeken, einen großen Teil der Zuflüsse des Aralsees auf die eige­nen Baum­wollfelder.

Geschichte:

Seit der Zeit der (indoger­man­is­chen) Skythen haben sich immer wieder andere Nomaden­völk­er die Step­pen­land­schaft erss­chlossen. Nach den mon­golis­chen Reit­ern blieben turk­sprache, islamis­che Völk­er die Herrsch­er des Lan­des — im Osten allerd­ings unter chi­ne­sis­ch­er Ober­ho­heit. Einen groben Überblick über die Geschichte der eura­sis­chen Land­brücke — oder Zen­tralasiens — haben wir in unserem Dossier “Weshalb Eurasien -Türkische Ein­heit — der Traum von Groß­turkestan” fest­ge­hal­ten.

1871 beset­zte Rus­s­land die Stadt Illi — die Haupt­stadt der chi­ne­sis­chen Prov­inz Xin­jiang. Im Feb­ru­ar 1881 musste die mand­schurisch-chi­ne­sis­che “Quing-Monar­chie” (1644 — 1911) einen Ver­trag mit Rus­s­land (Ver­trag von St. Peters­burg) unterze­ich­nen, der die Rück­gabe der Haupt­stadt gegen die Abtre­tung von großen Gebi­eten west­lich des Flusses “Khor­gos” zum Inhalt hat­te. Nach diesem und zwei weit­eren Verträ­gen (1882 und 1884) annek­tierte Rus­s­land über 70.000 qkm chi­ne­sis­chen Ter­ri­to­ri­ums. 1892 wur­den von Rus­s­land weit­ere 20.000 qkm chi­ne­sis­chen Ter­ri­to­ri­ums west­lich des Sarykol-Gebirges am Pamir — was von Rus­s­land in einem Ver­trag mit Großbri­tan­nien besiegelt wurde (“Ungle­iche Verträge”).

Nach der Rev­o­lu­tion der Kom­mu­nis­ten unter Lenin wurde das Ter­ri­to­ri­um Kasach­stans ein Mit­gliedsstaat der Sow­je­tu­nion, um mit dem Zer­fall der kom­mu­nis­tis­chen Super­ma­cht eigen­ständig zu wer­den.