Arabische Halbinsel — Ölemirate — Vereinigte Arabische Emirate (VAE)


Vereinigte Arabische Emirate VAE

Strate­gis­che Investi­tio­nen:
Die ara­bis­chen Golf­s­taat­en leg­en ihre Petro-Dol­lars zunehmend in strate­gis­chen Inves­tio­nen an (siehe unser Län­der­dossier zu Bahrein). Was auf dem eige­nen Markt nicht investiert wer­den kann — die Auf­nah­me­fähigkeit in zukun­ft­strächtige Unternehmen ist beschränkt — wird vor allem in Asien angelegt, um die Wirtschafts­beziehun­gen zu den auf­streben­den Mächt­en dort zu sta­bil­isieren und auf eine inten­si­vere Basis zu stellen.

Die Invest­ment­ge­sellschaft ADIA aus Abu Dhabi ist dabei, mit der KUWAIT INVESTMENT AUTHORITY Kap­i­ta­lanteile der Com­mer­cial Bank of Chi­na zu erwer­ben — nach dem Muster der Saud­is, deren Invest­men­tun­ternehmen “Walid Bin Talal” gut 2 % der State Bank of Chi­na erwor­ben hat.

Daneben erfol­gt ein zunehmendes Invest­ment in anderen ara­bis­chen Staat­en, was nicht nur zur Sta­bil­isierung der dor­ti­gen Ver­hält­nisse beiträgt son­dern — auf­grund gle­ich­er Men­tal­ität und Sprache — die Bewirtschaf­tung dieser Investi­tio­nen erhe­blich erle­ichtert. Vielfach wer­den Araber, die als Arbeit­skräfte zum Golf gewan­dert sind, dann nach ein­er entsprechen­den “Lehrzeit” als Man­ag­er für diese Investi­tio­nen in ihren Heimatlän­den einge­set­zt. Der unpoli­tis­che, aber wirtschaftlich effiziente Lebensstil aus den Emi­rat­en strahlt damit auch auf die anderen ara­bis­chen Län­der aus.

 

Die Investi­tio­nen der ara­bis­chen Golflän­der tra­gen damit auch zur Sta­bil­isierung der gesamten ara­bis­chen Region bis nach Nordafri­ka bei. Trotz alle­dem bemühen sich die Emi­rate auch durch eigene Sicher­heit­spro­gramme die aktive Vertei­di­gungs­fähigkeit zu stärken.

 

Sicher­heit hat Vor­rang:
Derzeit (2006) errichtet SIEMENS für 15 Mil­lio­nen $ ein neues, hyper­mod­ernes Ein­satzzen­trum für die Sicher­heit­skräfte der VAE, die über eine exzel­lente Ausstat­tung ver­fü­gen.
Nach der Unab­hängigkeit (1971) hat­ten Abu Dhabi und Dubai jew­eils eigene Teil­stre­itkräfte. Allerd­ings wurde dieser nationale Größen­wahn sehr bald vere­in­heitlicht. Heute gibt es eine gemein­same Truppe mit drei Teil­stre­itkräften — Armee, Luft­waffe und Marine.

Die Emi­rate sind darüber hin­aus nicht auf sich alleine gestellt: die Präsenz der USA in der Region ist bekan­nt, aber auch Frankre­ich ist seit 1989 mit einem Vertei­di­gungsabkom­men mit den VAR ver­bun­den. Im Rah­men dieses Abkom­mens fand Anfang 2008 das “bilat­erale” Manöver “Gulf-Shield 01” statt, mit dem die Vertei­di­gung und Rücker­oberung von Off­shore-Ein­rich­tun­gen vor der Küste und die Abwehr von See­landun­gen und FK-Angrif­f­en erprobt wur­den.

Diese Unter­stützung ist nicht ein­seit­ig. Die VAR sind — neben Jor­danien — die einzi­gen ara­bis­chen Staat­en, die Sol­dat­en auf die Seite der Alli­ierten nach Afghanistan entsandt haben. Wer allerd­ings daraus eine Geg­n­er­schaft zum schi­itis­chen Iran ableit­en möchte, der irrt. Auch dem Iran sind die fun­da­men­tal-islamistis­chen, von wahabitisch geprägten Eifer­ern indok­trinierten Tal­iban “ein Dorn im Auge”. Der Ein­satz ara­bis­ch­er Sol­dat­en vom Golf erfol­gt daher zumin­d­est mit dem stillschweigen­den Ein­ver­ständ­nis der iranis­chen Führung.

 

Die Seestre­itkräfte der VAR:
Die flachen Golfgewäss­er (Durch­schnittstiefe 30 m) eignen sich her­vor­ra­gend zum Ein­satz von schnellen (FK-) Küsten­schutz­booten. Dieser Erken­nt­nis fol­gend haben sich die VAR auf den Ein­satz im Küsten­schutzbere­ich beschränkt.
Am Tage der Unab­hängigkeit ver­fügten die VAR über vier inte­gri­erte nationale Seestre­itkräfte. Die Marine Abu Dhabis bestand aus 12 Küsten­pa­troul­lien­booten mit ein­er Ver­drän­gung von unter 50 ts.
Im Feb­ru­ar 1978 kon­nte die Marine der Emi­rate bere­its 6 große Patroul­lien­boote, 14 Küsten­pa­troul­lien­boote und vier kleinere Schiffe (aus Ras al-Khaima) auf­bi­eten.
Von 1980 bis 1981 wur­den 6 FK-Schnell­boote (Lürssen, Bre­men-Deutsch­land) der BAN-YAS Klasse (Exo­cet und Geschütze, 260 ts) in Dienst gestellt, die bei ein­er Länge von knapp 45 m die stolze Geschwindigkeit von 40 kn vor­legen kön­nen.

Seestreitkräfte der VAR - BAYNUNAH
Mod­ell von BAYNUNAH
Quelle: Marine­fo­rum (Pho­to: Michael Nitz)

Als im ersten Golfkrieg (1980 bis 1988) die Kampfhand­lun­gen auch auf die Hoheits­gewäss­er der VAR über­grif­f­en wurde die Marine weit­er ver­stärkt.
Zwei weit­ere — 1986 bestellte — FK-Schnell­boote (MUBAARAZ-Klasse) wur­den 1990 über­nom­men, zwei Korvet­ten (MURAY JIB-Klasse, 63 m, 32 kn, 630 ts), eben­falls 1986 bestellt, wur­den 1990/91 in Dienst gestellt und dabei neben der bewährten Exo­cet auch SAM-Cro­tale und OTO Melara und das nieder­ländis­che Nah­bere­ichs-Flu­gab­wehrsys­tem „Goal­keep­er“ in das Waf­fe­narse­nal über­nom­men. Mit dem Bord-Hub­schrauber und weit­eren Erwer­bun­gen (Fre­gat­ten Typ NL-Kor­te­naar, 1997–98 über­nom­men) kann auch eine wirk­same U-Boot-Abwehrkom­po­nente einge­set­zt wer­den. Diese Kapaz­ität — die eben­so von Oman bis nach Kuwait als erforder­lich ange­se­hen wird, richtet sich wohl vor allem gegen die iranis­chen Kilo-U-Boote.

Die Marine­flieger ver­fü­gen über Kampfhub­schrauber vom Typ Aerospi­tale AS-535 Cougar, Alou­ette SA-316, Euro­copter AS 565 Pan­ther und Aufk­lärungs­flugzeuge (Pila­tus, Brit­ten Nor­man Defemder)
Dabei leg­en die VAR zunehmend Wert auf waf­fen­tech­nis­che Eigen­ständigkeit.

Die US-Werft New­port Ship­build­ing errichtete mit einem pri­vat­en Investor eine mod­erne Schiff­swerft (Abu Dhabi Ship­build­ing Com­pa­ny — ASC) bzw. Abu Dhabi Ship Build­ing (ADSB)
Von dieser Werft hat die Küstenwache Abu Dhabis bere­its im Sep­tem­ber 2003 24 schnelle “Assault Boats” vom Typ SEA SPRAY erhal­ten, und- wie das „Marine­fo­rum“ im Mai 2004 meldet — inzwis­chen 30 weit­ere Boote zur Küsten­vor­feldüberwachung sowie zur Bekämp­fung von Schmuggel und Ter­ror­is­mus (Infil­tra­tion) bestellt.Diese 9,5 m lan­gen Alu­mini­um-Boote mit Kun­st­stoff-Bord erre­ichen mit ihren zwei 250 PS starken Außen­bor­d­mo­toren Geschwindigkeit­en von bis zu 50 Kn. Als Bewaffnung sind zwei 7,62-mm-Maschinengewehre vorge­se­hen.“
Weit­ere zwölf Fahrzeuge soll ADSB auch für die oman­is­che Marine bauen.
Möglicher­weise bietet sich hier auch für die kleine, aber exquis­ite türkische Yon­ca-Onuk Werft (http://www.yonca-onuk.com/) nicht nur eine inter­es­sante Absatzmöglichkeit son­dern auch ein Pro­duk­tion­s­stan­dort im ara­bis­chen Raum.

Ein weit­eres Pro­jekt ist der Bau von Mehrzweck­ko­rvet­ten mit Unter­stützung der franzö­sis­chen Con­struc­tions Mecaniques de Nor­mandie (CMN). Ins­ge­samt bis zu 6 Ein­heit­en der 70-m Schiffe sollen beschafft wer­den, 5 davon sollen bei der Abu Dhabi Ship Build­ing (ADSB) in den VAR gebaut wer­den. Die Aus­rüs­tung von Bau Nr. 2 habe (so das Marine­fo­rum im Juli 2008) begonnen, im Dezem­ber 2008 solle die let­zte der 6 Ein­heit­en bei ADSB “auf Kiel gelegt” wer­den.

Inzwis­chen sprechen Kom­men­ta­toren von einem „mar­iti­men Wet­trüsten“ zwis­chen Iran und der VAR, wobei den vere­inigten ara­bis­chen Seestre­itkräften zwis­chen Kuwait und Oman ein wirk­sames Gegengewicht bei der Kon­trolle und dem Schutz der wichti­gen See­han­del­swege im Ara­bis­chen Golf zuge­s­tanden wird.
Derzeit allerd­ings ste­hen die lokalen Seestre­itkräfte noch im Schat­ten — und für die VAR wohl auch unter dem Schutzschirm — der gigan­tis­chen US-Flot­ten­präsenz, die mit Flugzeugträgern und großen Kriegss­chif­f­en den Golf beherrscht.

Abu Dhabi ist jeden­falls in Kreisen von Waf­fen­ex­por­teuren ein „heiss­er Tip“. Seit Jahren find­en dort die Messen der „IDEX“-Reihe (eine der größten Waf­fen­märk­te der Welt) statt. Dabei rech­net sich auch Rus­s­land zunehmend Chan­cen für den Export mod­ern­ster rus­sis­ch­er Sys­teme auch in die wohlhaben­den ara­bis­chen Län­der aus. Die Land­stre­itkräfte der Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rate und von Kuweit haben Schützen­panz­er aus rus­sis­ch­er Pro­duk­tion (BMP-3), die Golflän­der ver­fü­gen über eine große Anzahl von Schützen­panz­ern BMP-2, Panz­ern T-72, T-62 und sog­ar T-55, die im Zuge der steigen­den Span­nun­gen am Golf mod­ernisiert wer­den sollen.

Bei der IDEX 2007 mit rund 900 Unternehmen aus 50 Län­dern sind etwa von den VAR Verträge über die Liefer­ung rus­sis­ch­er Waf­fen im Gesamtwert von mehr als 40 Mil­lio­nen Euro geschlossen wor­den.

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Die Marine der VAE — (www.defence-forum.net)

Luft­stre­itkräfte der Emi­rate:
Die Emi­rate ver­fü­gen über eine hochmod­erne und effek­tive Luft­stre­it­macht, die Unit­ed Arab Emi­rates Air Force (UAE AF), beste­hend aus rund 80 F-16E/F Desert Fal­cons Block 60 (55 Ein­sitzer und 25 Dop­pel­sitzer wur­den im März 2000 bestellt), und etwa 60 Mirage 2000–9 mit der Fähigkeit zur Luft­be­tankung in ver­schiede­nen Ver­sio­nen, nach­dem schon früher mit der Mirage III und V in ver­schiede­nen Ver­sio­nen her­vor­ra­gende Erfahrun­gen gemacht wur­den. Dazu befinen sich diverse Train­er (Grob 115 T, PC-/, MB 339 sowie BAe­Hawk Mk 60 und 61 sowe Mk 102 im Bestand (Stand: 2006).

Die VAR haben für die F-16 auch Zugang zu den “Quell­codes” erhal­ten, um eigene Waf­fen­sys­teme wie die ara­bis­che Ver­sion “Black Sha­heen” des Marschflugkör­pers Storm Shad­ow ein­set­zen zu kön­nen.

Auf dem Luft­waf­fen­stützt­punkt Al Ain, der für die Aus­bil­dung der Piloten genutzt wird, find­et regelmäßig die AL Ain Aer­o­bat­ic Show  statt. Aus der ursprünglichen Leis­tungss­chau der nationalen Luftwaffe(n) ist inzwis­chen eine viel beachtete Ver­anstal­tung gewor­den, auf der poten­tielle Waf­fen­verkäufer ihre mod­ern­sten Sys­teme vorstellen. Im Jahre 2006 führten die “Russ­ian Knights” die Möglichkeit­en rus­sis­ch­er Kampf­flugzeuge vor. 

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Die Luft­waffe der VAE — (www.defence-forum.net)

Externe Links:
Dubai: www.dubaitourism.co.ae

Weit­ere Län­der­berichte :
Vere­inigte Ara­bis­che Emi­rate — (www.spiegel.de)