Arabische Halbinsel – Ölemirate – Saudi Arabien


Saudi Arabien

Regierungsform (Government Type): Islamische absolute Monarchie (Monarchy)

Karte Saudi Arabien Saudi Arabie

Hauptstadt (Capital): Ar-Riyad (Riad)
Einwohner (Population): 22,528 Mio.
Fläche (qkm) (Area (sq.km): 2.240.000
Wehretat (Defence Budget): 18,8 Mrd. $ (2004)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 9.240 US-$

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Daten außer Wehretat dem Fischer Weltalmanach 2005 entnommen

 

Saudi-Arabien 2006
Bevölkerung 25,3 Mio. Einwohner
Hauptstadt Riad (3,7 Mio. Einw.)
BIP nominal 347,4 Mrd. US$
BIP-Veränd. (real in %) 4,2%
BIP je Einwohner 13.700 US$
Bevölkerungswachstum 2,6%
Warenimport (fob) 64,1 Mrd. US$
davon aus Deutschland 4,65 Mrd. Euro
Warenexport (fob) 207,7 Mrd. US$
davon nach Deutschland 1,61 Mrd. Euro

Quellen: IWF, UNO, EIU, Statistisches Bundesamt

Saudi Arabien – das ist das vom Clan der Saudi beherrschte Kernland der arabischen Halbinsel, ein Land, indem etwa die Hälfte der Bewohner noch nach beduinischer Stammessitte lebt, und in dem die Herrscherfamilie mit ihren zahlreichen Prinzen noch regelmäßig eine „madschlis“ abhält, eine öffentliche Audienz oder Versammlung, in der jeder Bürger den Herrscher unangemeldet um Rat und Hilfe bitten kann, sei es, dass ein Weiderecht benötigt wird – oder auch millionenschwere Geschäfte abzuwickeln sind.
Diese „Beduinendemokratie“ trägt zur tiefen Verwurzelung der saudischen Familie im Volk bei. Noch heute wird bei einem Hausbau zunächst ein Beduinenzelt aufgestellt, indem der künftige Hausherr „Hof hält“, und Gäste empfängt.
Ob es 600.000 Beduinen sind, die heute noch mit ihren Herden durch die Steppe und Wüste ziehen oder 2 Millionen, wie Mitte des letzten Jahrhunderts geschätzt, kann dahingestellt werden. Die Saudische Gesellschaft lebt nicht mehr von den Beduinen und Halbnomaden am Rande der Stadt. Viele „moderne Saudis“ halten zwar immer noch an ihrer überlieferten Stammestradition fest. Trotz der explosionsartigen Verstädterung prägt das Beduinentum das Selbstverständnis des Landes. 
Saudi-Arabien ist zugleich die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum. Das Bruttosozialprodukt (BSP) ist mit über 186 Mrd. USD fast doppelt so groß wie das von Ägypten (unter 100 Mrd. USD). 

Saudi Arabien entwickelt sich aber dank seiner Erdöleinnahmen und als „Hüter der heiligen Stätten des Islam“ zunehmend zum Wortführer und zur Ordnungsmacht der sunnitischen Araber – und damit zu einem potenten Rivalen des Iran. Das Königreich unterstützt die sunnitische Regierung des Libanon und droht sogar mit einer Intervention im Irak – es wurde zu einem potenten Gegenspieler der schiitischen Hisbollah im Libanon und der schiitischen Milizen im Irak. Die Einstellung der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden erbittert zerstrittenen palästinensischen Gruppierungen – der säkulären Al-Fatah und der islamistischen Hamas – wurde unter Vermittlung von Saudi-König Abdullah bewerkstelligt, und der saudische Friedensplan zwischen Israel und den Palästinensern hat Anfang 2007 sogar die Zustimmung der sonst so zerstrittene Arabische Liga gefunden. 

Saudi Arabien hat allerdings auch eigene Interessen. Die Saudis befinden sich in einem zunehmenden Wettbewerb mit Iran um den Einfluss am Golf.  Die wachsenden Einflüsse des Iran als schiiitische Führungsmacht im Irak, im Libanon (bei der schiitischen Hisbollah) und im Jemen greifen inzwischen auch auf sunnitische Organisationen über. Der Iran finanziert, bewaffnet und trainiert die sunnitische Hamas, die aufgrund ihrer Nähe zu den streng konservativen Muslimbrüdern Ägyptens eigentlich gegen iranische Einflüsterungen „imun“ sein müsste. Saudi Arabien sieht sich damit auch als islamische Führungskraft beeinträchtigt, der mit der Herrschaft übe die „Heiligen Stätten“ verbunden ist. Die Saudis heben den regionalen Konflikt um die Vorherrschaft am Golf daher auf eine konfessionelle religiöse Ebene, und knüpfen damit an ein bewährtes Muster an, mit dem der Clan der Saud gegen das osmanische Sultanat die Macht auf der arabischen Halbinsel übernommen hat.

Saudi Arabien ist von den Saudis erst Anfang des letzten Jahrhunderts dem Clan der Al Raschid entrissen worden – die wiederum zuvor, 1891, die rivalisierenden Saud in das Exil getrieben hatten. Seinerzeit haben sich die europäischen Großmächte nur am Rande für das Wüstengebiet interessiert. Riad – an der Kreuzung mehrerer Karawanenwege am Rande des Nadschd gelegen, war noch 1950 ein staubiges, verschlafenes Oasendorf aus Lehmziegelhäusern mit nur 60.000 Einwohnern. Das Osmanische Großreich (das den Clan der Al Raschid unterstützte) hatte sein eigentliches Machtgebiet auf die Küstenstreifen am Roten Meer und dem Arabischen Golf ausgedehnt, und damit auf die prestigeträchtige Herrschaft über Mekka, Medina und Jerusalem – die drei Heiligsten Stätten des Islam. Die Briten versuchten dagegen im ersten Weltkrieg, den osmanischen Einfluss zurück zu drängen – und sie unterstützten den Clan der Saud, genauso wie die Anhänger eines charismatischen religiösen Erneuerers, mit dem die Saud-Familie bereits im 18. Jahrhundert eine enge Kooperation eingegangen war.