Arabisches Niltal — Ägypten

Ägypten Egypt

Die wichtig­sten Infor­ma­tio­nen im Überblick:

Regierungs­form (Gov­ern­ment Type): Prä­sidi­al­re­pub­lik (Pres­i­den­tial Repub­lic)

Karte Ägypten

Haupt­stadt: Al-Qahi­rah (Kairo / Cairo)
Ein­wohn­er (Pop­u­la­tion):

67,559 Mio.

(80,3 Mio. = 2007)

Fläche (qkm) (Area sq.km): 1.002.000
Wehre­tat (Defence Bud­get): 2,7 Mrd. US-$ (2003) plus Mil­itärhil­fe 1,3 Mrd. US-$
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 1.390 US-$

zum Ver­größern anklick­en (jpg-Datei, 260 kB)

Dat­en außer Wehre­tat dem Fis­ch­er Weltal­manach 2005 ent­nom­men, soweit nicht anders ver­merkt
Demogra­phie (Demog­ra­phy) Anzahl Anteil Gesamt­bevölkerung
Eth­nis­che Grup­pen (Eth­nic groups)    
Araber (Arabs) 72.127.200 98,4%
Griechen, Ital­iener, Arme­nier (Greeks, Ital­ians, Arme­ni­ans) 733.000 1,0%
Nubier (Nubians) 73.300 0,1%
Andere (Oth­ers) 366.500 0,5%
Religiöse Grup­pen (Reli­gious groups)    
Sun­niten (Sun­ni Mus­lims) 68.902.000 94,0%
Kopten, andere Chris­ten (Copts, oth­er Chris­tians) 4.398.000 6,0%

 

BIP pro Kopf. 4.200 $ (2007, kaufkraft­bere­inigt, Quelle: WiWo 22.10.2007)

Wirtschaftswach­s­tum:  seit Jahren in der Größe von ca. 7 % jährlich, 2010 4,5 % (Quelle €uro 03/2010)

Das bevölkerungsre­ich­ste Land (Schätzun­gen für das Jahr 2004 liegen schon bei 73 Mil­lio­nen) in Nordafri­ka und unter den ara­bis­chen Län­dern nimmt eine Son­der­stel­lung ein. Die ägyp­tis­che Haupt­stadt Kairo ist zugle­ich Sitz der Ara­bis­chen Liga (ara­bisch: جامعة الدول العربية dschāmiʿat ad-duw­al al-ʿara­biyya, DMG ǧāmiʿat al-duw­al al-ʿara­biyya, „Liga der ara­bis­chen Staat­en“), der al-Azhar Moschee und der 988 in Kairo gegrün­de­ten, gle­ich­nami­gen Uni­ver­sität, die zu den wichtig­sten Zen­tren der islamisch-sun­ni­tis­chen Welt zählen.
Ägypten gilt als die Hochburg der sun­ni­tis­chen The­olo­gie in der islamis­chen Welt. Die Haupt­stadt mit ca. 16 Mio. Ein­wohn­ern zählt zu den größten Städten der Welt.

Geschichte:
Ägyptens Pyra­mi­den beweisen es — das Nil­tal gehört zu  den ältesten Kul­tur­land­schaften der Erde. Schon früh haben die jährlich wech­sel­nden Über­flu­tun­gen ein aus­ge­feiltes Kalen­der-, Priester- und Staatssytem her­vorge­bracht, das erst mit den Ptolmäern und let­z­tendlich den Römern zum Bestandteil ein­er gemein­samen medit­er­an­nen Kul­tur rund ums Mit­telmeer wurde. Die Über­liefer­ung der Juden, die über das “Alte Tes­ta­ment” auch Ein­gang in die christliche und mus­lim­is­che Tra­di­tion gefun­den hat, set­zt sich immer wieder mit den benach­barten Ägyptern auseinan­der.

Auch die Chris­tian­isierung ging an dem Gebi­et, in dem der Über­liefer­ung das neuge­borene Kind mit sein­er Mut­ter Maria von Josef in Sicher­heit gebracht wurde, nicht vor­bei. Alexan­dria gehörte zu den wichtig­sten Wirkungsstät­ten der Apos­tel und ist Sitz eines Patri­archen, der sich als kop­tis­ch­er Papst und Kirchenober­haupt auf gle­ich­er Ebene wie der ortho­doxe Patri­arch in Istan­bul oder der katholis­che Papst in Rom befind­et. Von Ägypten aus erfol­gte die erste Chris­tian­isierung Afrikas, die bis nach Äthiopi­en vor­drang und dort heute noch lebendig ist.

Der Sturm der ara­bis­chen Beduinen über­rollte sehr schnell die angren­zen­den nordafrikanis­chen Gebi­ete — und Ägypten war das erste afrikanis­che Land, das zum Islam kon­vertierte. Dabei blieben die christlich — kop­tis­che Kirche und das kop­tis­che als urä­gyp­tis­che Umgangs- und Kirchen­sprache dur­chaus erhal­ten. Die islamis­chen Herrsch­er hat­ten kein Bedürf­nis, Ägyptens Chris­ten mit Gewalt zum Islam zu kon­vertieren. Dazu war der Schutz­zoll, den Chris­ten und Juden unter islamis­ch­er Herrschaft entrichteten, als Ein­nah­me­quelle viel zu wichtig. Der Islam ver­drängte nur langsam die christlichen Gemein­schaften. 

Nach­dem die Osma­n­en die ara­bis­chen Kalifen (1516/1517) abgelöst hat­ten, befand sich auch Ägypten unter nomineller türkisch-osman­is­ch­er Herrschaft. Die Statthal­ter der Osma­n­en, die Mameluck­en — ursprünglich Mil­itärsklaven, die ab 1250 in Ägypten in drei Dynas­tien mit zeitlich­er Unter­brechung herrscht­en — übten ihr Amt mehr oder weniger unab­hängig und im ständi­gen Bestreben um mehr Eigen­ständigkeit aus. Die Osma­n­en waren zur Ver­wal­tung ihrer Prov­inzen auf die heimis­che Führungselite angewiesen. So began­nen die mamelukischen Beys schon ab 1600 lei­t­ende Posi­tio­nen in der Zivil­ver­wal­tung zu übernehmen. Mameluken führten die Schatzkam­mer, leit­eten die jährlichen Pil­gerzüge nach Mek­ka, wur­den sog­ar Gou­verneure der Prov­inz Hid­jas auf der ara­bis­chen Hal­binsel. Im 17. Jahrhun­dert wur­den Mameluken auch hohe mil­itärische Ämter anver­traut — was die heimis­che Führungselite der Mameluken zu Rivalen der von Istan­bul entsandten Gou­verneure und Kom­man­dan­ten machte. Da sich die osman­is­chen Sul­tane bevorzugt um die Krisen auf dem Balkan küm­merten, bildete sich unter nominell osman­is­ch­er Herrschaft ein rival­isieren­des Klien­tel-Sys­tem. Die eine Partei war die Gruppe der heimis­chen Mil­itärs, die Qua­si­mi — die andere Gruppe, die Faquari, hiel­ten zu den osman­is­chen Regen­ten und deren Reit­er-Trup­pen. Die Rival­ität dieser Grup­pierun­gen wurde mit mehr oder weniger Erfolg von den osman­is­chen Prov­inz-Gou­verneuren genutzt, gle­ichzeit­ig richtete sich die Intri­gen-Wirtschaft der jew­eils unter­lege­nen Gruppe gegen die Gou­verneure selb­st.

Nach gegen­seit­i­gen Gemet­zeln der Faquari- und Qasi­mi-Frak­tion über­nahm eine weit­ere Mameluken-Frak­tion, die Qaz­dugli, im 18. Jahrhun­dert “die Macht am Nil”. Unter diesen entwick­elte sich eine eigene, ägyp­tis­che Regierungsstruk­tur, in der die Mameluken unter der for­malen osman­is­chen Ober­ho­heit das Herrschafts­ge­bi­et über Nordafri­ka und nach Südara­bi­en aus­dehn­ten.

Die unter­schiedlichen Regierungssys­teme der osman­is­chen Prov­inzen förderten aber auch die Zen­trifu­galkräfte des osman­is­chen Reich­es, das so zunehmend den direk­ten Ein­fluss auf seine Herrschafts­ge­bi­ete ver­lor.

Die Schwäche dieses Sys­tems zeigte sich nicht nur beim Auf­s­tand von Ali Bey, dem Mameluken-Fürsten Ägyptens, der kurzzeit­ig zur Wieder­her­stel­lung des mamelukischen Herrschafts­ge­bi­etes von 1516 führte. Der um 1800 begonnene Auf­s­tand der Saud­is kon­nte von osman­is­chen Ein­heit­en nicht mehr been­det wer­den.

Ägypten — eine ara­bis­che Nation etabliert sich:

Den Auf­takt bildete in der Nacht zum 1. Juli 1798 die Inva­sion Napoleons, der mit ein­er gewalti­gen Truppe in Alexan­dria lan­dete und sich dank über­legenen­er Waf­fen schon kurze Zeit später in Kairo fest­set­zen kon­nte. Zunächst prall­ten die aufk­lärerische Weltan­schau­ung der Fran­zosen und die Fröm­migkeit der osman­is­chen Unter­ta­nen unvere­in­bar aufeinan­der. Da es den Briten gelang, die napoleonis­che Infla­tions­flotte weitest­ge­hend zu ver­nicht­en, waren die franzö­sis­chen Trup­pen allerd­ings in eine nahezu auswe­glose Sit­u­a­tion gekom­men. Ein gemein­samer Angriff britis­ch­er und osman­is­ch­er Trup­pen been­dete im Som­mer 1801 das aus­sicht­slose franzö­sis­che Engage­ment in Ägypten. Doch die drei­jährige Fremd­herrschaft blieb für Ägypten nicht ohne Fol­gen. Auf Seite der Osma­n­en war ers­mals eine Armee beteiligt, die sich nicht aus der Kriegerkaste der Jan­itscharen rekru­tierte. Diese Armee — aus ana­tolis­chen Bauern rekru­tiert und von europäis­chen Offizieren aus Preußen und Frankre­ich gedrillt — die Nizam-i Cedid sollte zum Vor­bild für eine neue ägyp­tis­che Armee wer­den.

Das nach dem Abzug der Briten (1803) beste­hende Macht­vaku­um führte aber zunächst zu erbit­terten Kämpfen zwis­chen Mameluken und Osma­n­en. Aus diesen Wirren ging Muham­mad Ali — ein gebür­tiger Albaner und Befehlshaber der 6000 Mann starken osman­is­chen Trup­pen — als Sieger her­vor. Als die Saud­is dann ab 1806 den osman­is­chen Pil­gern den Zugang zu den heili­gen Stät­ten im Hid­jas ver­wehrten, wurde Muhammed Ali zum Pascha erho­hen und zum Gou­verneur des Hid­jas ernan­nt. Den Osma­n­en gelang es aber nicht, Muhammed Ali auch zum Ein­satz am Roten Meer zu bewe­gen. Vielmehr erhoben sich im Mai 1805 die Bewohn­er von Kairo, um den von den Osma­n­en einge­set­zten ägyp­tis­chen Gourverneur Khur­shid Ahmad Pascha abzuset­zen und stattdessen Muham­mad Ali zu instal­lieren. Der “Hohen Pforte” blieb nichts anderes übrig, als dies zu akzetieren. Zum ersten mal, dass eine “Ara­bel­lion” erfol­gre­ich ver­laufen war. Die aufk­lärerischen Gedanken der wenige Jahre zuvor abge­zo­ge­nen Fran­zosen hat­ten einen — späten — Wieder­hall gefun­den.

Ali gelang es nicht nur, sich in Ägypten durchzuset­zen. Beein­druckt von den europäis­chen Mächt­en über­nahm er europäis­che Tech­nolo­gie und Ideen. Er errichtete die ersten Indus­triean­la­gen des Lan­des und schuf eine große Fel­lachen­armee, die mit Waf­fen und Klei­dung aus den eige­nen Indus­triean­la­gen aus­gerüstet wurde. Tech­nis­che Hand­büch­er und andere Lit­er­atur wur­den durch eigene Über­set­zungs­büros ins ara­bis­che über­set­zt und so weit­er ver­bre­it­et. Der Leit­er eines Über­set­zungs­büros — ein junger Gelehrter der al-Azhar-Uni­ver­sität, der als Geistlich­er ein­er Niza­mi-Infan­terieein­heit (s.u.) im staatlichen Dienst stand und von 1826 bis 1831 die franzö­sis­che Gesellschaft studieren kon­nte — hat­te dazu erhe­blich beige­tra­gen. 1834 veröf­fentlichte er seine Noti­zen über seinen Aufen­thalt in Frankre­ich, das mit seinen Beobach­tun­gen über europäis­che Forschung, Wis­senschaft und Tech­nik sowie dem franzö­sis­chen Ide­al der Aufk­lärung die Refor­men der ara­bis­chen und osman­is­chen Welt befeuern sollte.

Muham­mad Ali — for­mal Vizekönig unter den osman­is­chen Sul­ta­nen — wurde unter Nutzung dieser Erken­nt­nisse fak­tisch der Begrün­der ein­er eige­nen, unab­hängien Dynas­tie, die Ägypten bis zur Rev­o­lu­tion von 1952 regieren sollte.

Ein großes Prob­lem der ägyp­tis­chen Gou­verneure war die Bere­it­stel­lung von Sol­dat­en. Die osman­is­chen Trup­pen wur­den an den europäis­chen Gren­zen benötigt. Muhammed Ali ori­en­tierte sich daher notge­drun­gen an Vor­bildern, die er während der franzö­sis­chen Besatzungszeit ken­nen gel­ernt hat­te. Das waren zum einen die osman­is­chen, gut gedrill­ten Niza­mi-Corps, und zum anderen die franzö­sis­chen “Masse­naushe­bun­gen” (lev­ée in masse), die ein großes Volk­sheer entste­hen ließen. Nach dem Vor­bild der Nizam-i Cedid und mit franzö­sis­chen Mil­itär­ex­perten wurde ab 1822 ein eigenes, ägyp­tis­che Niza­mi-Corps aus ägyp­tis­chen Bauern geschaf­fen, das bere­its 1823 rund 30.000 Mann umfasste und um 1830 auf 130.000 Mann angewach­sen war.

Aber schon 1811 war die Macht Muhammed Alis so gestärkt, dass die von den Osma­n­en schon lange geforderte Expe­di­tion gegen die Wahabiten begonnen wer­den kon­nte. Zur Stärkung sein­er Macht lies Muhammed aber zunächst die mamelukischen Führer, die er zu ein­er Feier ein­ge­laden hat­te, nie­der­met­zeln. So hat­te Muhammed Ali die Möglichkeit, nahezu alle seine Trup­pen gegen die wahabitis­chen Saud­is einzuset­zen — denen nach lan­gen und ver­lus­tre­ichen Kämpfne im Jahr 1813 die Wiederer­oberung von Mek­ka und Med­i­na gelang. Aber erst 1815 wurde ein Waf­fen­still­stand vere­in­bart, der die osman­is­che Ober­herrschaft über den Hid­jas vor­läu­fig besiegelte.

Der Sohn und spätere Nach­fol­ger Alis, Ibrahim, führte ab 1817 den Krieg gegen die Saud­is fort, die den Waf­fen­still­stand gebrochen hat­ten. Er zemen­tierte die ägyp­tis­che Herrschaft und drängte die Saud­is in die zen­tralara­bis­che Region von Ned­jd zurück, die ausser­halb des osman­is­chen Herrschafts­ge­bi­etes lag. Erst im Sep­tem­ber 1821 kapit­ulierte die Wahabitis­che Rebel­lion — ein ägyp­tis­ch­er Vizekönig war nötig gewor­den, um die religiöse Ober­herrschaft des türkischen Sul­tans zu sich­ern. Zum Dank wurde Ibrahim eben­falls zum Pascha erhoben und zum Gou­verneur des Hid­jas ernan­nt. 

Die Stärke der ägyp­tis­chen Niza­mi-Trup­pen wurde noch im Jahre 1824 benötigt — um nach einem Hil­fer­uf der “Hohen Pforte” einen flächen­deck­enden Auf­s­tand griechis­ch­er Nation­alisen nieder zu schla­gen. Mit mehreren Artillerie-Bat­te­rien, mehreren Hun­dert Kaval­leris­ten und 17.000 Infan­terie-Sol­dat­en zogen die ägyp­tis­chen Trup­pen nach Griechen­land und schlu­gen den Volk­sauf­s­tand auf Kre­ta und dem Pelo­ponnes nieder — was zur Ernen­nung Ibrahims zum Gou­verneur auch dieser Prov­inzen nach sich zog.

Die neu gewonnene Stärke der ägyp­tis­chen Vizekönige zeigte sich aber bere­its vorher. Trotz der ver­lus­tre­ichen Kämpfe mit den Saud­is kon­nte Muhammed Ali 1820 in den Sudan ein­marschieren und sein­er Prov­inz ein­ver­leiben. Eine Vorherrschaft, die bis zur Unab­hängigkeit des Sudan (1956) andauern sollte. Die ägyp­tis­chen Vizekönige beherrscht­en also bei­de Seit­en des Roten Meeres und den Han­del auf dem Meer. Darüber hin­aus erstreck­te sich der ägyp­tis­che Herrschafts­bere­ich bis nach Kre­ta und auf den Pelo­ponnes.

Dies rief sowohl beim osman­is­chen Sul­tan wie auch bei den europäis­chen Mächt­en erhe­bliche Beun­ruhi­gung her­vor. Selb­st Frankre­ich, das den Aus­bau der ägyp­tis­chen Armee durch Mil­itär­ber­ate, Inge­nieure und die Aus­bil­dung von Stu­den­ten gefördert hat­te, befürchtete von den ägyp­tis­chen Kräften im östlichen Mit­telmeer über­flügelt zu wer­den. Aber auch Großbri­tan­nien ver­suchte, den ägyp­tis­chen Auf­stieg zu brem­sen. Im Som­mer 1827 entsandten die ursprünglich ver­fein­de­ten europäis­chen Mächte eine gemein­same Flotte, um sowohl Osma­n­en wie Ägypter zum Rück­zug zu bewe­gen. Die vere­inte alli­ierte Flotte ver­nichtete am 20. Okto­ber 1827 die osman­isch-ägyp­tis­che Flotte in der Bucht von Navari­no.

In offen­em Wider­spruch zum Sul­tan ver­han­delte Muham­mad Ali mit den Briten, um seine Expe­di­tion­sarmee nach Ägypten zurück zu führen. Die Fran­zosen wiederum unter­stützten den griechis­chen Unab­hängigkeit­skrieg, der 1828 zur Vertrei­bung der osman­is­chen Trup­pen vom Pelo­ponnes und aus Zen­tral­griechen­land führte. 1832 wurde schließlich das Kön­i­gre­ich Griechen­land gegrün­det — in Folge der zunehmenden Schwäche des osman­is­chen Reich­es und der Stärkung der ägyp­tis­chen Vizekönige.

Die Schwächung der Osma­n­en nutzte Muhammed Ali aus, indem er im Novem­ber 1831 Ibrahim Pascha mit der Eroberung Syriens beauf­tragte und damit den offe­nen Bruch mit dem osman­is­chen Herrscher­haus eing­ing. Nach sechsmonatiger Belagerung war die osman­is­che Fes­tung Akko im Mai 1832 sturm­reif geschossen, und der Weg nach Damaskus frei. Damaskus ergab sich kampf­los. Im Juli 1832 kam es dann bei Homs zu den ersten Gefecht­en mit reg­ulären osman­is­chen Ein­heit­en. Über 20.000 ägyp­tis­chen Sol­dat­en standen zahlen­mäßig deut­lich über­legene osman­is­che Ein­heit­en gegenüber. Den­noch gelang es den Ägyptern, die osman­is­chen Trup­pen in die Flucht zu schla­gen. Mit der nach­fol­gen­den kampflosen Ein­nahme von Alep­po erre­ichte der ägyp­tis­che Vor­marsch seinen Höhep­unkt. Ibrahim Pascha kon­nte im Hafen von Adana seine erschöpften Trup­pen ver­sor­gen, während der Großwe­sir des Sul­tans eine weit­ere Stre­it­macht von 80.000 Mann mobil­isierte, um die Ägypter aus Syrien zu vertreiben.

Aber auch diesen Ein­heit­en kon­nte die ägyp­tis­che Armee wider­ste­hen. Da der Großwe­sir gefan­gen genom­men wurde,  und die ägyp­tis­che Armee nur noch 200 km von der osman­is­chen Haupt­stadt ent­fer­nt war, kapit­ulierte der Sul­tan und übertrug Muham­mad Ali und Ibrahim Pascha 1833 das Amt des Gou­verneurs von Ägypten und den Prov­inzen Hid­jas, Kre­ta, Akko, Damaskus, Tripoli und Alep­po, sowie das Recht zur Steuere­in­trei­bung im Hafen von Adana.

Muhammed Ali hat­te damit die meis­ten ara­bis­chen Prov­inzen des osman­is­chen Reich­es unter sein­er Herrschaft vere­int.

Die nach­fol­gen­den Jahren wur­den von den Osma­n­en genutzt, um selb­st eine — nun von deutschen trainierte — schlagkräftige “Niza­mi-Armee” zu erhal­ten. Den­noch wurde diese Truppe bei einem Angriff auf die Ägypter (bei Nez­ib, 1839) ver­nich­t­end geschla­gen. Die darauf fol­gende Schwäche des osman­is­chen Reich­es führte erneut zur Inter­ven­tion europäis­ch­er Ein­heit­en. In einem Zusatzpro­tokoll zum Lon­don­er Abkom­men von 1840 verpflichteten sich Großbri­tan­nien, Öster­re­ich Preußen und Rus­s­land keine ter­ri­to­ri­alen Gewinne und keine Han­delsvorteile anzus­treben, die nicht auch den anderen Natio­nen zugute kom­men wür­den. Eine vere­inte britisch-osman­is­che-öster­re­ichis­che Flotte eroberte in kürzester Zeit die Zitadelle von Akko, was — ab dem Jan­u­ar 1841 — zum geord­neten Rück­zug der ägyp­tis­chen Armee aus Syrien führte.  
Die Macht von Muhammed Ali und seinem Sohn Ibrahim Pascha war gebrochen. Die Armee musste auf 18.000 Mann reduziert wer­den — ein Fün­f­tel der Stärke, die diese Trup­pen früher gehabt hat­ten. Die Herrschaft über Kre­ta, die syrischen Prov­inzen und den Hid­jas musste abgegeben wer­den. Die europäis­chen Mächte hat­ten sich als dom­i­nant durchge­set­zt.

Damit war die erste ara­bis­che Erhe­bung gegen eine eth­nis­che Fremd­herrschaft im Wesentlichen been­det. Die Kolo­nial­her­schaft der Europäer been­dete kurzzeit­ig das rel­a­tive Eigen­leben Ägyptens.

Nach den “aussen­poli­tis­chen Aben­teuern” gegen die Osma­n­en mussten sich die ehrgeizigen Regen­ten ein anderes Betä­ti­gungs­feld suchen. Die Ägypter began­nen, die Entwick­lung der eige­nen Prov­inz voranzutreiben. Unter Abbas Pasche (regierte von 1848 — 1858) wurde eine erste Eisen­bahn­lin­ie von Alexan­dria nach Kairo gebaut. Sein Nach­fol­ger Said Pascha (reg. bis 1863) ver­längerte die Bahn­lin­ie von Kairo nach Suez, so dass eine durchge­hende Bah­n­verbindung vom Mit­telmeer bis zum Roten Meer ent­stand. Mit europäis­chen Reed­ereien wurde die Dampf­schiff­fahrt auf dem Nil und im Roten Meer einge­führt. Ein entschei­den­des Werk war aber die 1856 erteilte Konzes­sion an Fer­di­nand de Lesseps, das Mit­telmeer und das Rote Meer durch einen Kanal zu verbinden. Da diese franzö­sis­che Konzes­sion den Briten nicht gefall­en kon­nte, inter­ve­nierten diese, um den Fran­zosen den Kanal­bau zu ver­lei­den. Dies führte wiederum zu Schadenser­satz­forderun­gen der Fran­zosen, die sich auf ins­ge­samt 84 Mio. Francs (oder 3,36 Mio. Pfund nach der Kaufkraft von 1864) führte. Ägypten kon­nte diese — und weit­ere — Regress­forderun­gen europäis­ch­er Vertreter nur bewälti­gen, weil der Baum­woll­ex­port stark anwuchs und bere­its Mitte der 1860er Jahre Ein­nah­men in Höhe von 11,5 Mio. Pfund erbrachte. Der Bau des Suezkanals (1859 — 1869) unter britis­ch­er Herrschaft diente so auss­chließlich europäis­chen Kolo­nial- und Wirtschaftsin­ter­essen.

Nach Tune­sien und dem osman­is­chen Kern­re­ich musste 1876 auch Ägypten den Staats­bankrott erk­lären. Den Aus­landss­chulden in Höhe von 376,75 Mio US-$, Inlandss­chulden von 154 Mio. $ und den Regress­forderun­gen divers­er Konzes­sionäre standen nur magere Staat­sein­nah­men gegenüber. Ägypten musste sein “Tafel­sil­ber” wie etwa seine Anteile an der Suez-Kanalge­sellschaft verkaufen (1875 für 22 Mio. $), was jedoch nur 88 Mio. $ an Ein­nah­men gener­ierte.  Auch Ägypten wurde unter die fiskalis­che Zwangsver­wal­tung sein­er europäis­chen Gläu­biger­staat­en gestellt, wobei seit 1878 sog­ar zwei Beauf­tragte der europäis­chen Staat­en dem Kabi­nett des ägyp­tis­chen Vizekön­i­gre­ichs ange­hörten. Als die bei­den — ein Brite und ein Fran­zose — 1879 wieder aus dem Kabi­nett ent­lassen wur­den, ver­langten die bei­den europäis­chen Mächte die Abset­zung des “osman­is­chen Vizekönigs Ismael”, der prompt durch dessen Sohn Taw­fiq erset­zt wurde. Die Europäer hat­ten sich nicht nur zu den heim­lichen Herrsch­ern in Ägypten gemacht — sie nutzten die nominelle osman­is­che Ober­herrschaft, um die Osma­n­en für die eige­nen Inter­essen einzus­pan­nen.

Mit dem Ein­marsch britis­ch­er Trup­pen (1882) wurde die Ober­herrschaft der Briten auch augen­fäl­lig. Von der Bedro­hung des Osman­is­chen Reich­es durch eine sich etablierende ara­bis­che Macht war nach 40 Jahren nur noch der Sta­tus eines kolo­nialen Gebildes unter britis­ch­er Ober­herrschaft gewor­den.

In Folge der Mis­sach­tung britis­ch­er Zusagen an die ara­bis­chen Mit­stre­it­er, die im I. Weltkrieg an der Seite der Briten gegen das osman­is­che Reich gekämpft hat­ten, kam es auch in Ägypten zu Unruhen und Unab­hängigkeits­forderun­gen (1919 und 1922), die im Feb­ru­ar 1922 zur “for­malen Unab­hängigkeit” Ägyptens führten. Allerd­ings hat­te sich Großbri­tan­nien in vier Kern­punk­ten weit­er­hin die Entschei­dungs­befug­nisse des ehe­ma­li­gen Pro­tek­torats zugewiesen. Ins­beson­dere das Recht zur Vertei­di­gung Ägyptens sowie der Schutz aus­ländis­ch­er Inter­essen beschränk­ten die Sou­veränität des “unab­hängi­gen Lan­des” erhe­blich — so blieben weit­er­hin britis­che Stützpunk­te im Lande, und der Suez-Kanal unter britis­ch­er Kon­trolle.

Diese andauernde Vorherrschaft der Englän­der, deren “lieder­lich­er Lebenswan­del” (Pros­ti­tu­tion, Glücksspiel, Alko­hol, Tanz­paläste und The­ater sowie “provozierende Klei­dung”) und die Ver­suche, diesen Lebensstil auch in Ägypten zu etablieren (ver­bun­den mit der schon klas­sis­chen Aus­beu­tung ägyp­tis­ch­er Hil­f­skräfte durch die britis­chen Insti­tu­tio­nen) war wohl auss­chlaggebend dafür, dass sich 1928 in dem britisch beset­zten Kanal­hafen Ismail­i­ja unter Has­san al-Ban­na mit sechs Kanalar­beit­ern eine erste “islamistis­che Zelle” bildete. Diese gegen west­liche Dekadenz, Aus­beu­tung und Mis­sionsver­suche gegrün­dete Zelle stellt somit einen “Gege­nen­twurf” zur Gew­erkschafts­be­we­gung oder sozial­is­tis­chen Ideen (Marx) dar, die in ihren pro­grama­tis­chen Zie­len um die Resti­tu­tierung des Islam erweit­ert wurde. Aus dieser Zelle — die bei der Ermor­dung al-Banna’s 1949 schon über eine halbe Mil­lion Mit­glieder hat­te — soll­ten die ägyp­tis­chen Mus­lim­brüder her­vorge­hen. Die Mus­lim­brüder sind also von den Grün­dungsin­ten­tio­nen her eine nation­al-religiös geprägte Sol­i­darvere­ini­gung, die sich ins­beson­dere beim Bau von Kranken­häusern und Moscheen entsprechende Anerken­nung ver­schafften. Die Beschrei­bung als eine Art Sci­en­tol­ogy (in “For­eign Affairs”, Anfang 2012) geht daher eher fehl, der poli­tis­che Flügel der Mus­lim­brüder — die Partei “Frei­heit und Ger­chtigkeit” — kön­nte dage­gen nach dem Vor­bild der Türkei eher eine mit­telt­ständisch geprägte, religiöse Massen­partei wer­den.

 Die Dom­i­nanz Eng­lands endete erst 1956 mit der Ver­staatlichung des Suezkanals. Bere­its am 23. Juli 1952 hat­te eine nation­al­is­tis­che Bewe­gung König Faruk zum Abdanken gezwun­gen. Am 18. Juni 1953 wurde Ägypten Repub­lik, 1954 Gamal Abd el-Nass­er Staat­spräsi­dent. 
Nass­er ver­trat vor allem die Idee des “Pan-Ara­bis­mus”, der Ein­heit der ara­bis­chen Staat­en. Für kurze Zeit erre­ichte Nass­er sog­ar, Syrien und später auch den Jemen zur “Vere­inigten Ara­bis­chen Repub­lik” zu vere­inen (1958 — 1961). Der Bund dieser “Frontstaat­en” gegen Israel war zugle­ich ara­bis­ch­er Nation­al­isierungskern und anti­is­raelis­ches- und damit anti­west­lich­es Bünd­nis.
Nass­er ori­en­tierte sich außen­poli­tisch fol­gerichtig auf die sozial­is­tis­chen Staat­en und die Bewe­gung der Block­freien. Die wirtschaftlichen Prob­leme des Lan­des wollte Nass­er mit dem Mod­ell eines “ara­bis­chen Sozial­is­mus” in den Griff bekom­men. Die ver­nich­t­ende Nieder­lage im Sechs-Tage-Krieg 1967 gegen Israel legte jedoch das Scheit­ern des “Nasseris­mus” offen, er führte in eine läh­mende Iden­tität­skrise der ara­bis­chen Welt. Erst der Jom-Kip­pur-Krieg, der mit einem Waf­fen­still­stand ohne Sieger und Besiegte endete, aber den Mythos von der Unbe­sieg­barkeit Israels zer­störte, führte zu einem neuen Selb­st­be­wußt­sein. Auf dieser Grund­lage kon­nte Nassers Nach­fol­ger Sadat auch gegenüber Israel eine ver­söhn­liche und aus­gle­ichende Poli­tik betreiben. Ein erstes Trup­pe­nent­flech­tungsabkom­men mit Israel wird 1974 unterze­ich­net, im Novem­ber 1977 fol­gte Sadats Besuch in Jerusalem als Geste des Friedens. Höhep­unkt dieser Poli­tik war schließlich, nach Ver­mit­tlung durch US-Präsi­dent Jim­my Carter, am 26. März 1979 in Wash­ing­ton der Friedensver­trag mit Israel.