Durchs wilde Kurdistan


Seit Jahrzehnten kämpfen Sie um Ihre Unabhängigkeit oder zumindest um kulturelle Autonomie – Kurden, die im Osten der Türkei, im Nordwesten des Iran, im Norden des Iraks, im Nordosten Syriens und auch östlich des kaspischen Meeres im Grenzgebiet zwischen Iran und Turkmenistan wohnen.

Während der arabische Irak seit der Invasion der USA zum Sturz von Saddam Hussein im blutigen Terror versinkt hat sich im kurdischen Norden eine Insel der Stabilität gebildet.

Was ist das für ein Volk – das sich von der Türkei als terroristisch angehaucht zeichnen lässt und in einem Bürgerkriegsland eine beinahe idyllisch anmutende staatliche Ordnung aufbaut? 

Wirklich zuverlässige Angaben über die Zahl der heute lebenden kurdischen Bevölkerung liegen nicht vor. Schätzungen belaufen sich auf 25 bis 30 Millionen Kurden, die zur Hälfte auf die Türkei entfallen. Im Iran sollen rund 6 Millionen Kurden leben, im Irak gut vier Millionen und in Syrien rund eine Million. Die Zahl der Kurden in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion wird auf rund 500 000 geschätzt. Die Kurden von heute sind das größte Volk der Erde, das nicht in einem eigenen Staat lebt.

Sprache und Geschichte:
Kurdisch – das ist eine indogermanische Sprache, und die Kurden im Osten der Türkei, der nach modernsten linguistischen Forschungen Urheimat der Indogermanen, sind Indogermane, wie die alten Hethiter, die schon lange vor der Zeitenwende Anatolien bewohnten. 

Karte Hethiterreich: Karte des kurdischen Sprachraums:
Karte von Kurdistan – (http://krisen-und-konflikte.de) (Quelle: www.navend.de)

Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die Kurden bereits zu Zeiten der Sumerer und Akkader im Südosten der heutigen Türkei heimisch waren, den indogermanischer Arier im Iran nahe verwandet. In dem von Martin Strohmeier und Lale Yalin-Heckmann im Jahr 2000 herausgegebenen Buch über die Geschichte der Kurden heißt es dazu: „Die iranische Hochebene war seit alters her ein wichtiger Schnittpunkt zwischen dem Vorderen Orient und Zentralasien bzw. dem indischen Subkontinent sowie Schauplatz von Wanderungsbewegungen von Völkern, die aus dem Osten kamen. Vermutlich sind die Vorfahren der Kurden um die Wende vom zweiten zum ersten Jahrtausend v. Chr. im Zuge von Einwanderungswellen indogermanischer Arier nach West-Iran gekommen und haben sich mit der ansässigen Bevölkerung vermischt. Diese Region war Teil der altorientalischen Reiche der Sumerer, Assyrer, Urartäer und Meder.“

Kurdisch gehört zur Sprachfamilie der iranischen Sprachen und damit zu den indioeuropäischen Sprachen. Kurdisch wird in verschiedenen Dialekten gesprochen. Der am weitesten verbreitete Dialekt ist Nordkurdisch oder Kurmanci (in Anatolien, im türkisch-iranischen Grenzgebiet, im Kaukasus, in Syrien und im Norden von Irakisch-Kurdistan). Das Mittelkurdisch oder Sorani ist im Südteil von Irakisch-Kurdistan und Mukri – im angrenzenden Iranisch-Kurdistan – vorherrschend. Zwischen Kurmanci und Sorani gibt es Gemeinsamkeiten, aber die Dialekte haben sich so weit voneinander entfernt, dass die Verständigung schwierig ist. Auch dies zeugt von der langen Entwicklung des kurdischen Volkes.

Lingusistische Karte:

(Quelle: www.navend.de)

Externer Link:
Kurdische Geschichte:

Die Kurden im Iran:
Die sieben Millionen Kurden im Grenzgebiet zur Türkei und zum Irak bilden die zweitgrößte ethnische Minderheit des Landes. Die Kurden sind – im Gegensatz zu Arabern und Turkvölkern – ebenfalls wie die Perser der indogermansichen, sogar iranischen Sprachfamilie zuzuordnen.
Auch hier regen sich starke Unabhängigkeitsbewegungen, die aufgrund der zunehmenden Differenzen zwischen den USA und Iran von amerikanischen Interessenten gefördert werden. Die PJAK – die im Iran für mehr Autonomie kämpft – wird nach Berichten aus dem Irak sogar von militärischen Beratern der US-Streitkräfte besucht, und ist mit modernen M 16 Gewehren aus US-Beständen ausgerüstet.  Seit Anfang 2007 verstärkt die PJAK ihre Tätigkeit im Iran; iranische Soldaten werden angegriffen, Minen gelegt und im Februar und August 2007 sollen sogar iranische Hubschrauber dem Beschuss der PJAK zum Opfer gefallen sein.
Der Vater des jetzigen Regierungsschefs im irakischen Kurdengebiet, Massud Barsani – Mulla Mustafa Barsani – war militärischer Führer einer von den Sowjets errichteten Kurdenrepublik mit der Hauptstadt Mahabad. Die Verbindungen unter den Kurden sind also über die Staatsgrenzen hinaus – trotz aller Rivalitäten – durchaus eng. Allerdings sind sich Türken und der Iran einig: ein Seperatismus der Kurden wird von keiner der beiden so unterschiedlichen Regierungen geduldet. Es bleibt abzuwarten, wie die künftige Entwicklung der kurdischen Region im Irak verläuft. Wirtschaftliche Prosperität und vor allem kulturelle Autonomie wird auch auf die iranischen Kurden anziehend wirken, politische Auotnomie würde aber einen Sprengsatz nicht nur für den Irak, sondern auch für den Iran und die Türkei bedeuten.

Die Kurden im Irak
Etwa 16 % der knapp 25 Mio. Iraker sind sunnitische Kurden. Seit  dem Golfkrieg 1991 entwickelte sich – unter dem Schutz von Briten und Amerikanern, die vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik eine Flugverbotszone über dem Nordirak kontrollierten – eine de facto bestehende Autonomie der Kurden im Nordirak („Südkurdistan“). Diese Zone entwickelte bereits vor dem letzten Irak-Krieg der Amerikaner, der zum Sturz Saddam Husseins führte, ein kleinstaatliches Eigenleben, das durch die Ölvorkommen von Kirkuk (mit einer täglichen Förderkapazität von 450.000 Barrel Erdöl) auch auf eine gesicherte Einkommensmöglichkeit zurück greifen kann.  Der mit Öleinnahmen und Entwicklungsgeldern aus der EU und den USA wieder aufgebaute Nordirak entwickelt sich zunehmend zu einem „gelobten Land“, das viele jungen Kurden aus der Türkei zum Arbeiten und Studieren anlockt. Rund 80.000 bis 100.000 kurdische Peschmerga-Milizen der beiden irakischen Kurdenparteien KDP und PUK sichern die „Autonome Region Kurdistan“ gegen die „Ansar-al-Islam“ (Arabisch: أنصار الإسلام, dt. Helfer des Islam) „, eine kurdische Zweigorganisation der Al-Kaida, die bis März 2003 in der Provinz aktiv war. Die nun als Armee und Regionalgarde der Kurden bezeichneten Milizen haben mehr Personen unter Waffen als die iragische Armee. Im vom Bürgerkrieg bedrohten Bagdad gelten die kurdischen Kämpfer zudem als neutral. Sie werden dort von schiitischen und sunnitischen Arabern gleichermaßen als Vermittler und Ordnungskräfte akzeptiert.  

Unter dem Schutz der von den Amerikanern hofierten Kurden des Irak haben die kurdischen Widerstandsbewegungen aus den Nachbarstaaten einen Rückzugsraum im Irak erhalten. Mehrere Tausend Kämpfer der türkischen PKK haben sich gegenüber der türkischen Grenze in den zerklüfteten Gipfelregion verschanzt und verüben seit 2005 zunehmend Terroranschläge in de Türkei. Gleichzeitig wird die PJAK – Schwesterorganisation der PKK – von amerikanischen Unterstützern zum Kampf gegen die iranischen Revolutionsgarden ausgerüstet. 

Angesichts der Drohungen aus der Türkei, in breiter Front in den Irak einzumarschieren und die PKK zu zerschlagen rückten im Oktober 2007 auch die von den USA ausgerüsteten kurdischen Peschmerga aus dem Irak zu Tausenden in Stellungen an der türkischen Grenze ein.  

Inzwischen (2014) hat die kurdische Region des Nordirak einen jahrelang anhaltenden Wirtschaftsboom erlebt. Allein im Jahr 2013 ist die Wirtschaft der kurdischen Region um die aufblühende Wirtschaftsstadt Erbil um 12 % (Irak: 9 %) gewachsen. Die kurdische Regionalregierung tut alles, um den jahrzehntelangen Stillstand unter Saddam zu negieren. So genießen neu angesiedelte Firmen für 10 Jahre Steuerfreiheit. 

 

Die Kurden in Syrien:
Im Bürgerkrieg in Syrien scheinen die Kurden die „lachenden Dritten“ zu werden. Wie Ende des Jahres 2012 gemeldet wurde, befindet sich der Nordosten Syriens inzwischen „in kurdischer Hand“. Es scheint so, als ob Assad im Kampf gegen die sunnitischen Rebellen des Landes den kurdischen Landesteil kampflos geräumt und den kurdischen Autonomen überlassen hat. Diese sorgen „im Gegenzug“ wohl dafür, dass die die fundamentalistischen Islamisten in der Region nicht Fuß fassen können.

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Die Kurden in der Türkei
Rund 10 bis 15 Millionen Kurden – nach anderen Schätzungen sogar bis zu 20 Millionen – leben in der Türkei. Diese große Anzahl weckt einerseits die Befürchtungen vor einer Spaltung des Landes – zeigt aber andererseits auch, dass es nicht möglich ist, einem Volk dieser Größe auf Dauer seine eigene kulturelle Identität zu nehmen. Der Gebrauch der kurdischen Sprache, kurdischer Namen war verboten. Jedes öffentlich gesprochene kurdische Wort wurde mehrere Jahre lang sogar mit einer Geldstrafe belangt, und noch heute ist kurdisch in vielen Schulen zumindest verpönt. Kurdisch wurde als „Rückständig“ gebrandmarkt, bäuerlich und tölpelhaft.

Fast 40.000 Tote und mehr als 3.000 von der Armee verwüstete Dörfer zeugen von einen zwanzigjährigen Krieg, vom Ausnahmezustand im Südosten der Türkei, der erst im Dezember 2002 aufgehoben wurde. Rund 3.000 Dörfer wurden von den Militärs zerstört, ebensoviele aus anderen Gründen aufgegeben. Nach dem Militärputsch von 1980 sollen systematische Folterungen von kurdischen Männern – vom Knaben bis zu Greisen – erfolgt sein. Die Gefolterten bildeten den Nährboden für die Stärkung der PKK, deren Entstehen auch durch die chronische Armut der Bevölkerung gefördert wurde. Knapp 2/3 der Einwohner der Region haben ein tägliches Einkommen, dass 2 $ nicht übersteigt.  Für 1,6 Mio. Menschen stehen gerade einmal 12.000 Arbeitsplätze in der Industrie zur Verfügung. Die Arbeitslosigkeit liegt üebr 60 %. 

Diyarbakir, die mit etwa 1,2 Million Einwohnern heimliche Hauptstadt des kurdischen Südostens der Türkei zeigt den Verfall des kurdischen Landesteiles exemplarisch auf. Noch immer gibt es offene Abwasserrinnen in den engen Gassen der Altstadt, und erst die „deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“ (GTZ) beginnt im Rahmen eines EU-Projekts die Kanalisation modernen Standards anzupassen. In den Jahren des Bürgerkriegs zwischen den türkischen Streitkräften und der kurdischen Guerilla, der PKK, ist die Einwohnerzahl der Stadt von 400.000 Bewohnern auf das Dreifache angestiegen. Die Kriegsflüchtlinge aus den Dörfern haben sich hier angesiedelt. Seit dem Ende der Kampfhandlungen im Sommer 2000 wird von der Rückkehr in die Dörfer gesprochen. Aber die schwere Wirtschaftskrise vom Februar 2001 hat die staatlichen Hilfeversprechen als leere Versprechungen entzaubert. Die Rückkehrer finden ihre Felder und Weiden besetzt – die von den Streitkräften ausgerüsteten Dorfschützer, die gegen die PKK antretende türkentreue Miliz, hat sich das beste Acker- und Weideland angeeignet. Die Kriegsflüchtlinge bleiben also in den Städten, wo es zumindest immer wieder einmal Hilfsarbeiten für eine im Frieden zunehmend prosperierende Gemeinde gibt – und es entsteht langsam eine kurdische Mittelschicht, in der sich die feudalen Strukturen der alten kurdischen Clangesellschaft auflösen. Die PKK hat den Bürgerkrieg gegen die türkischen Streitkräfte vorübergehend eingestellt – aber jenseits aller Clans und Sippen ein kurdisches Nationalgefühlt entwickelt.  Dies hat zunächst zu einer Schwächung der Clanchefs geführt, die nicht mehr zehntausende von Stimmen mitbringen, wenn sie sich für die Kandidatur in den Reihen einer türkischen Partei entscheiden. Das hat etwa Selim Ensarioglu aus Diyarbakir erfahren, der mit seiner kurdisch-nationalistischen Partei HADEP im November 2002 den Einzug in das Parlament verpasste. Diyarbakir ist immer noch ein Sinnbild für das Verhältnis von Türken und Kurden. Es gab rund 20 – immer heftigere – Kurdenaufstände in der Region, die vom Staat mit militärischer Gewalt niedergeschlagen wurden. Der Bürgermeister der Altstadt (Gemeinde Sur) von Diayrbakir wurde im Sommer 2007 entlassen, weil er die Buchstaben „X“ und „W“ benutzte, die es in der kurdischen Sprache, nicht aber im türkischen gibt (Verstoß gegen das Sprachengesetz) und im Gemeinderat beschließen lies, Dienstleistungen neben türkisch auch in englisch und kurdisch anzubieten. Wegen seines Einsatzes für „Mehrsprachigkeit in der Stadtverwaltung“ vom Staatsanwalt angeklagt („Propaganda für die Ziele der Terrororganisation PKK“). Dabei verstehen viele Bewohner – vor allem Frauen – kein türkisch, das in Gemeindeverwaltungen und Kliniken als einzige Amtssprache verwendet wird. 

In den Parlamentswahlen vom November 2002 – bei der die nationalistische MHP genauso wie Erdogans Islamistenpartei abgestraft wurden (siehe unser Bericht: „Vom Aufstieg Erdogans“ im Länderdossier der Türkei) – ist eine Neuanfang gemacht worden. Die Regierung Erdogan ist in der Kurdenfrage weit weniger ideologisch festgelegt als die meisten Vorgängerregierungen. 

 Nach langen Jahren des Bürgerkriegs bahnte sich – auch unter maßgeblichem Druck aus Westeuropa – eine Normalisierung an.
Seit 2003 ist kurdisches Fernsehprogramm erlaubt – aber die staatlichen Medien boykottieren diese Freiheit. Selbst der Lokalsender Gün-TV aus Diyarbakir bringt nicht mehr als 45 Minuten kurdischer Sendung – in der Woche. Politik, ja sogar kurdische Kindersendungen sind verboten. Dabei sprechen 75 % der Bewohner von Hause aus kurdisch. Deshalb ist immer noch der in Brüssel produzierte und in London ausgestrahlte Kurdensender Medya TV – in fast jedem Haushalt via Satellit zu empfangen – der PKK die wesentliche Informationsquelle der kurdischen Bevölkerung. Auch Roj-TV ais Dänemark – ein in der Türkei als „Propagandasender der PKK“ verbotenes Medium – wird gesehen. Lediglich die kurdischen Fernsehprogramm aus dem Nordirak bieten eine Alternative im medialen Konsum. Seit März 2004 findet in zunehmend mehr Schulen Unterricht in kurdischer Sprache statt.  Diese „Befriedigung“ hat tatsächlich auch zu einem Verlust an Rückhalt der PKK in der kurdischen Bevölkerung geführt. Bei den Parlamentswahlen im Juli 2007 wurde die der PKK nahe stehende parlamentarische Kurdenpartei DTP deutlich überholt – von Edogans konservativer AKP, der auch eine Mehrheit der Kurden die Stimmen gaben. Seit der Wahl vom Juli 2007 ist die DTP dennoch mit 20 Abgeordneten im türkischen Parlament vertreten – ein Zeichen, dass sich die Kurden nicht nur (mit über 50 Bürgermeistern) auf kommunaler Ebene sondern auch im Staat „Türkei“ integrieren wollen. Die DTP steht allerdings zunehmend unter Druck, sich von der PKK zu distanzieren – verlangt aber als Teil der politischen Lösung auch eine Amnestie für die PKK-Aktivisten, ein Vorschlag, der auch von europäischen Ländern eingebracht wurde. Schließlich hat auch Abdullah Öcalan, der von der Türkei inhaftierte Gründer der PKK, eine entsprechende Waffenruhe angeboten – was von den Militärs geflissentlich ignoriert wird. Die kurdischen Politker werden stattdessen mit strafrechtlichen Verfahren überzogen, so u.a. wegeb der Teilnahme an Demonstrationen oder der Zulassung der kurdischen Sprache im Rathaus der Gemeinde. 

Seit 2005 ist diese Friedensphase vorbei. Die PKK, die politisch immer mehr an Bedeutung verlor, hat „das Kriegsbeil“ ausgegraben (offiziell weil die türkische Regierung jedes Gespräch verweigert und die Aktivisten der PKK weiterhin verfolgt) – und kämpft mit neuen Terrorakten um ihr Überleben. Im Oktober 2007 wurden gar bei einem Angriff mehrere türkische Soldaten gefangen genommen. Rund 150 bis 200 PKK Kämpfer sollen bei dem stundenlangen Angriff auf ein türkisches Infanterie-Battaillon beteiligt gewesen sein, der zu einem Aufschrei der Empörung bei den Türken geführt hat. Die Aktion der PKK erinnert fatal an eine ähnliche Aktion der schiiitschen Hizbollah, die wenige Monate vorher eine israelische Invasion im Südlibanon auslöste – und sich für Israel zu einem Desaster entwickelte. Auch die Türkei scheint – aufgestachelt durch immer neue Anschläge der PKK – inzwischen zu einer breit angelegten Invasion im Irak aufzumarschieren. Kampfhubschrauber vom Typ Cobra flogen Augenzeugen zufolge Ende Oktober Einsätze gegen die Rebellen. Rund 100.000 Soldaten sollen im unübersichtlichen, gebirgigen Grenzgebiet zusammen gezogen sein, um die in einer langen Phase der Ruhe angelegten Gebirgsstellungen der PKK zu stürmen. Die PKK – so scheint es – will solche größeren Operationen erzwingen. Selbst wenn es den Türken gelingen würde, einen großten Teil der Stellungen auszuschalten – die PKK würde im kurdischen Teil der türkischen Bevölkerung wieder an Rückhalt gewinnen, während sich die Türkei mit längeren Operationen zunehmend ins internationale Abseits manövrieren würde.  

Gleichzeitig wird von Istanbuler Liberalen ein weiterer Verdacht geäussert. Sollte es ein Zufall sein, dass die Spannungen zwischen Türken und Kurden immer dann angeheizt werden, wenn in der Türkei politische Reformen und eine neue Verfassung diskutiert werden, die den Militärs entsprechende Kompetenzen nehmen soll? 

Quelle (u.a.): Süddeutsche Zeitung, 02.11.2007 „Diyarbakir, Stadt der Kurden ….“ 

Die Kurden in Aserbaidschan:
Auch in der ehemaligen Sowjetunion gibt es Kurden – in verstreuten Siedlungen der nordkaukasischen Region, hauptsächlich im Gebiet von Nachitschewan, der aserbaidschanischen Enklave zwischen Armenien, der Türkei und dem Iran. Die Mehrheit sind sunnitische Muslime, eine Minderheit auch Yeziden oder Jesiden.

Einschub: die Jesiden:
Nach der Überlieferung sollen die Yeziden – deren Anhänger fast ausschließlich Kurden sind – aus dem Süden des Zweistromlandes in die Kaukasus-Region gekommen sein. Sie siedeln vorwiegend im Irak, aber auch in Syrien und im Iran. Die Jesiden der Türkei sind bereits in osmanischer Zeit religiösen Verfolgungen zum Opfer gefallen. Sie hängen mit ihrer Religion eine Mischung aus der Lehre Zarathustras, jüdisch-christlichen Überlieferungen und buddhistischen Elementen aus dem Manichäismus an. Diese vorislamische Religonsgemeinschaft soll sogar altbabylonische Mythen in ihrer Glaubenswelt überliefert haben. 

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Kurdistan www.defence-forum.net

Externe Links:
Eurasisches Magazin: DIE KURDEN

Internetseite der „Informationsstelle Kurdistan e.V.“ (PKK): Zur Geschichte und Politik der Arbeiterpartei Kurdistans – (www.nadir.org)
Kurdistan – (www.bessereweltlinks.de)
„Kurdistan“ – ein unerfüllter Traum – (www.zdf.de)

Kurdisches Forum: www.kurdmania.com