Arabien – der „fruchtbare Halbmond“ (Einführung)


Die arabische Halbinsel ist das eigentliche Kernland der arabischen Stämme. Von hier stießen semitische Beduinen, wandernde Hirtenstämme, in das von Sumerern besiedelte Zweistromland (Irak) und den „fruchtbaren Halbmond“ (Abraham – arab. Ibrahim) vor, eine grüne mit Weiden und Gärten durchsetzte Landschaft, die sich wie ein „auf dem Bauch liegender Mond“ von Israel entlang der Mittelmeerküste bis zu Euphrat und Tigris erstreckt – und die von den Bergketten im Süden der Türkei und im Westen des Iran beschränkt wird. Eigentlich müsste man unter historischen Gesichtspunkten den Bogen dort, an Euphrat und Tigris, beginnen lassen.

Hier – in diesem schmalen, sichelförmigen Gebiet nördlich der arabischen Wüste hat sich die „Urgeschichte“ der großen monotheistischen Weltreligionen abgespielt.

Von Ur und Uruk – den beiden urgeschichtlichen Stätten und der Kultur der Sumerer im Irak – hat der Überlieferung nach mit Abraham, dem Urvater von Judentum, Christentum und Islam der Weg der monotheistischen Religion über Syrien bis in das Einzugsgebiet des Jordan geführt. Die babylonischen Epen und die Sintflut-Geschichte der Bibel weisen überraschende Ähnlichkeiten auf. Es ist daher durchaus anzunehmen, dass schon in vorgeschichtlichen Zeiten eine kulturelle Befruchtung in diesem Gebiet stattgefunden hat.

Die Weidegebiete zwischen Wüste und den Bergen, die noch heute die Türkei von den arabischen Ländern trennen, ermöglichten mit archaischen Hirtenwanderungen die Ausbreitung einer Idee – und letztendlich führen die historischen Wurzeln über das „Heilige Land“, das heute von Israel und Palästina, von Juden und Arabern beansprucht wird, in das Land des heutigen Irak zurück.

Diese Bergregionen boten dem Vordringen der Semiten auch Einhalt, hier setzten indogermanische Völker – die Hethiter der heutigen anatolischen Türkei und die Perser des Iran – dem Vordingen semitisch arabischer Völker entschiedenen Widerstand entgegen, und auch heute noch ist das Gebiet östlich Anatoliens von indogermanischen Völkern, den Kurden und Armeniern besiedelt, deren Sprache auf Verwandtschaft zu iranischen Völkern verweist.
Während sich im Zweistromland dank der beiden Flüsse Euphrat und Tigris eigene, hochstehende Kulturen entwickeln konnte fand sich das westliche Ende in einem Spannungsfeld zwischen kulturell hoch stehenden Staaten. Das Altägyptische Reich, Assyrer und Babylonier aus dem heutigen Irak (babylonische Gefangenschaft) aber auch die Hethiter aus Anatolien sandten begehrliche ihre Heere aus und versuchten, das Gebiet östlich des Mittelmeeres der eigenen Herrschaft einzuverleiben (Babylonische Gefangenschaft).
An den Küsten des Libanon bildeten sich kleine, teilweise durch Insellage geschützte Stadtstaaten, die sich bald (dank der holzreichen Wälder im Landesinneren – Libanonzeder -) zu seefahrenden Handelsimperien entwickelten, die Stadtstaaten der Phönizier. Ihnen gelang mit der Kolonie Karthago, die bald das westliche Mittelmeer und die Ländereien zwischen Tunesien und Marokko beherrschen sollte, der erste Vorstoß semitischer Stämme in das von Hamiten – Berbern – besiedelten nördliche Afrika.
Das Gebiet um das heutige Israel war dagegen den Feldzügen der benachbarten Staaten ausgeliefert. Ägypter (Pharao Thutmosis III), Hethiter (die das Reich der Mitanni im heutigen Syrien erobert hatten) und Babylonier stritten um die Vorherrschaft.
Erst in der ersten bekannten Schlacht der Geschichte, der Schlacht von Meggido (dem biblischen Armageddon) im heutigen Israel wurden die Kräfteverhältnisse zwischen Hethitern und Ägyptern (Thutmosis III) geklärt – der nachfolgende Friedensvertrag (inzwischen wieder aufgefunden und im Dienstgebäude der UNO in New York angebracht) wurde nie gebrochen.

In der Gegend des „fruchtbaren Halbmonds“, der im Wesentlichen von den Staatsgebieten von Palästina, Israel, Libanon, Syrien und dem Irak eingenommen wird, prallten Ackerbau- und Hirtenkultur aufeinander, was in der altbiblischen Geschichte von Kain und Abel verdeutlicht wird. Abraham, der mit seinen Herden vom Zweistromland bis nach dem heutigen Israel wanderte, gilt als Stammvater der Juden und Araber – und als Begründer einer monolitischen Religion, die in den weiten, einsamen Wüsten und Steppen Arabiens mit ihren sternklaren Nächten entstanden sein muss. Die Hebräer – die eine wie die Aramäer eine nordwestsemitische Sprache sprechen – und die Araber, die sich eines südsemitischen Idioms bedienen, führen ihren Ursprung auf Abraham zurück.
Hier fand ein reger Kulturaustausch zwischen Ägyptern, Hethitern und dem Zweistromland mit seinen Kontakten bis Persien und nach Indien statt. Hier war römische Zivilisation zu Hause – und hier haben sich die ersten islamischen Herrscher, die Kalifen von Damaskus und Bagdad – in Kontakt mit „Ostrom“, Byzanz mit der klassischen Philosophie und Wissenschaft der Antike und den technischen Errungenschaften der römischen Zivilisation und persisscher Kultur vertraut gemacht.

Dieser Einfluss unterschiedlicher Regionen hat sich auch in der jüngeren Geschichte wiederholt. Im 13. Jahrhundert sollten mit den Mameluken und Osmanen zwei neue Machtblöcke enstehen, die von Ägypten und der heutigen Türkei aus wie einst die Pharaonen und die Hethiter ihren Einfluss auf die Region geltend machten.

Als 1250 die mamelukische Dynastie in Ägypten gebildet wurde, blieb der nördliche Teil des „fruchtbaren Halbmonds“ im Grenzgebiet zwischen Mameluken und Osmanen. Zunächst vernichteten die Mameluken (1249) das Kreuzfahrerheer Ludwig IX., vertrieben 1260 die mongolischen Truppen und vertrieben 1291 die letzten Kreuzfahrer aus ihren Territorien. Die Osmanen wiederum entstanden Ende des 13. Jahrhunderts als kleines muslimisch-türkisches Fürstentum, das im Laufe des 14./15. Jahrhundertes seinen Herrschaftsbereich gegen das christliche Reich von Byzanz immer weiter ausdehnte – von Anatolien immer weiter nach Westen ausgreifend. Mehmet II („der Eroberer“) unterwarf schließlich auch noch die Hauptstadt Byzanz (die er in Istanbul umbenannte). Es war fast unausweichlich, dass sich Mameluken und Osmanen – wie einst Pharaonen und Hethiter – im nördlichen Syrien „ins Gehege“ kommen mussten.

Osmanische Jahrhunderte:

Nachdem sich Osmanen und Safawiden (die schiitischen Herrscher Persiens) um Ostanatolien bekriegt hatten (die Osmanen hatten die Auseinandersetzung für sich entschieden), stand sich im August 1516 ein mamelukisches Heer von etwa 20.000 Mann und eine mehrfach überlegende osmanische Streitkraft (mit wohl um die 60.000 Mann) gegenüber. Nicht nur die zahlenmäßige Überlegenheit – auch die überlegene Ausrüstung der osmanischen, mit Musketen bewaffneten Infanterie führte zu einer vernichtenden Niederlage der Mameluken. Die Osmanen unter „Selim dem Strengen“ unterwarfen sich Aleppo und kurz danach auch Damaskus, und vertrieben schon im Januar 1517 die letzten mamelukischen Regenten aus Kairo.

Dieser Sieg sollte auch für die Araber eine entscheidende Wegmarke bedeuten. Zunächst wurde die arabische Welt – zum ersten mal seit Beginn der islamischen Geschichtsschreibung – von einer nichtarabischen Hauptstadt aus regiert. Damaskus, die Hauptstadt der Omajaden (661 – 750), Bagdad, die Haupstadt der Abbasiden (750 – 1258) und die zuletzt von den Mameluken (1250 – 1517) Haupstadt Kairo wurden nur noch als Provinzmetropolen geführt.

Die Osmanen standen zunächst vor der Aufgabe, die rasch erworbenen Territorien effektiv zu kontrollieren und zu verwalten. Aleppo wurde als osmanische Provinz vollständig in das osmanische Reich eingegliedert und in der Folge zu einer der wichtigsten Handelsmetropolen im östlichen Mittelmeerraum. Die Provinzen von Damaskus und Kairo wurden von Gouverneuren regiert, die aus den Reihen der Mameluken ernannt worden waren, und deren Hauptpflicht die Leistung hoher jährlicher Tributzahlungen war. Mit zunehmender Entfernung zur Haupstadt wurde zwangsläufig auch die Kontrolle durch die „Hohe Pforte“ von Istanbul immer lockerer.

Dennoch errichteten die Osmanen eine nicht nur oberlächliche Herrschaft über die eroberten arabischen Gebiete, die auch den Hidjas umfassten. Suleiman I. („der Prächtige“ oder „der Gesetzgeber“) führte in allen Provinzen gesetzlich geregelte Verwaltungsstrukturen ein. Darin wurde das Verhältnis zwischen den Gouverneuren und den Steuerbürgern sowie die jeweiligen Rechte und Pflichten genau geregelt. Entsprechende „Provinzverfassungen“ wurde 1525 in Ägypten eingeführt. In den Provinzen stationierte Janitscharen-Infanterie-Einheiten, aus den Steuereinnahmen der Provinzen unterhaltene Reitertruppen und Hilfstruppen aus örtlich rekrutierten Fußsoldaten sowie nordafrikansichen Söldnern sorgten für die Einhaltung dieser Gesetze.  

Im Gebiet der einstigen Provinz Grosssyrien hat sich der Einfluss der osmanischen Sultane bis in das letzte Jahrhundert gehalten – und erst das Versprechen britischer Offiziere, den Arabern zu einem gemeinsamen Reich zu verhelfen, hat der türkisch-osmanischen Herrschaft das Rückgrat gebrochen.

Tatsächlich wurde das „Versprechen“ von den Europäern als „Versprecher“ behandelt. Briten und Franzosen teilten sich als neue Kolonialherren das Gebiet, das mit schweren Hypotheken in verschiedene Staaten aufgeteilt und so in die Unabängigkeit entlassen wurde.

Heutige Probleme:
Heute prägt der seit Jahrzehnten ungelöste Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern den westlichen Teil des Bogens am Mittelmeer – und im Osten, am Golf, verschärft sich seit Jahren die Bürgerkriegssituation im Irak mehr und mehr.

So, wie einst Ägypten, Jordanien und der Libanon von Flüchtlingen und Vertriebenen aus Palästina überflutet wurden werden heute Syrien und Jordanien von Irak-Flüchtlingen überschwemmt, Jordanien hat einen Anstieg seiner Einwohnerzahl um 10 % (Stand April 2007) zu verkraften. Inzwischen (Frühjahr 2007) finden sich etwa 10 % der Irakischen Bevölkerung auf der Flucht vor den Bürgerkriegswirren. Gut 2 Millionen haben in den westlichen Nachbarländern – in Jordanien und Syrien – Zuflucht gefunden. Alleine die syrische Hauptstadt Damaskus beherbergt rund 1 Million irakischer Gäste. Auch Ägypten und der Libanon haben – trotz erheblicher wirtschaftlicher PRobleme – zehntausende von Bürgerkriegsflüchtlingen aufgenommen.
Die Länder im Nahen Osten sind schon jetzt total überlastet.
Mehr Flüchtlinge werden dort zur weiteren Destabilisierung führen. Das kann nicht in unserem Interesse sein – denkt nur an das Öl und die Nähe zu Israel, zur Türkei und zu Europa sowie zu den strategisch wichtigen Schifffahrtsruten (Suez-Kanal).

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